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Posts Tagged ‘Plombir-Eis’


Die Agentur Tour-Stat befragte unlängst russische Touristen, wohin sie am liebsten innerhalb des Landes reisen, um dort die Gastronomie zu genießen. Drei Prozent davon nannten Susdal. Die Stadt am Goldenen Ring belegte damit gemeinsam mit Sotschi den zehnten Platz. Ganz vorne liegt mit 16% der Stimmen Sankt Petersburg, gefolgt von Kasan und Moskau. Gefragt wurde übrigens auch nach den Lieblingszielen für russische Feinschmecker im Ausland. Da favorisierte man Weißrußland vor Georgien, Italien, Armenien und Frankreich. Deutschland folgt unter ferner liefen, obwohl zumindest die Gäste aus Wladimir doch vor allem die fränkischen Wurstwaren und das hiesige Bier schätzen. Das hat sich wohl noch nicht landesweit herumgesprochen. Wie auch immer: Für alle Topfgucker der Hinweis darauf, daß heute in Susdal der Tag der nachhaltigen Gastronomie begangen wird – mit einer Küche aus lokalen Zutaten. Hungers dahinserbeln wird aber auch so in Rothenburgs Partnerstadt niemand, allerdings sind die Preise in den Lokalen durchaus gepfeffert und gesalzen.

Für diejenigen also, die heute Hausmannskost genießen, ein ganz einfaches Rezept, das sich nach jedem Mahl empfiehlt: Ein Café glacé à la russe, der immer gelingt, gleich ob mit Mokka, Kaffee, Muckefuck oder Kakao. Nach russischem Gusto – im Unterschied zur deutschen Variante des Eiskaffees – sollte das Getränk nur wirklich frisch aufgebrüht oder angerührt sein – und noch schön heiß. Wichtig auch, nur wirklich gutes Eis als Einlage zu nehmen. Am besten mit viel Sahne, wie im Plombir. Das erspart die Beigabe von Zucker und Milch sowie Schlagobers.

Und zum Nachtisch noch eine Sentenz von Alexander Puschkin, der meinte: „Der Magen eines gebildeten Menschen hat die besten Eigenschaften eines edlen Herzens: Sensibilität und Dankbarkeit.“ Dem Sinnspruch des russischen Dichterfürsten wollen wir uns als Genießer würdig erweisen.

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Ein bekannter Witz geht so: Anruf beim russischen Freund: „Hör mal, bei uns ist es saukalt, bestimmt minus 40 Grad. Ich stehe an der Bushaltestelle und friere mir einen ab. Was macht ihr Russen denn bei so einem Frost, wenn man lange auf den Bus wartet?“ – „Die Männer trinken Bier, und die Kinder essen Eis.“

Plombir

Vorzugsweise „Plombir“, dieses einzigartig cremige Sahneeis ohne alle chemischen Zusätze, Geschmacks- und Aromastoffe. Eis pur, Genuß pur, der, benannt nach der Stadt Plombières-les-Bains, von Frankreich aus schon im 19. Jahrhundert den russischen Gaumen eroberte. Übrigens auch in Erlangen erhältlich – mit vielen weiteren russischen, polnischen und rumänischen Lebensmitteln im „Wesna“, Langfeldstraße 43, oder bei „Irina“ in der Dorfstraße 56. Einfach mal probieren, falls kulinarische Nostalgie nach der russischen Küche aufkommen sollte.

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Blick auf die Kljasma bei Wjasniki

Sieht man sich die Strategie von Nestlé an, zu dessen Imperium die schweizer Tradtionsmarke Maggi gehört, muß man die Frage klar bejahen. Mehr als eineinhalb Milliarden Rubel will der Konzern im Kreis Wjasniki, 120 km östlich von Wladimir gelegen, investieren, um die Region zur „kulinarischen Hauptstadt“ Rußlands und der ganzen GUS zu machen. Der Lebensmittelproduzent eröffnet damit bereits seine 14. Niederlassung in Rußland.

Anlaß genug zur Freude bei Gouverneur Nikolaj Winogradow angesichts der ansonsten eher trüben Aussichten für das früher von der Textilindustrie geprägte Wjasniki: „Insgesamt ist das für den Kreis Wjasniki eine ernstzunehmende Möglichkeit, das wirtschaftliche Potential zu erweitern. Und es werden neue Arbeitsplätze entstehen.“

In der Tat sind bereits in der ersten Ausbaustufe der Produktion von Suppenwürfeln, Saucen und Fertiggerichten 500 Stellen geplant – mit steigender Tendenz.  Immerhin sollen eineinhalb Millionen Päckchen und Einheiten pro Tag das Werk verlassen. Und die Produktion wird wohl schon sehr bald beginnen, denn aus Schukowskij bei Moskau will man bereits bestehende Fertigungslinien nach Wjasniki bringen. Und dann fehlt nur noch das Maggi-Kochstudio für das finale Glück der russischen Hausfrau.

Plombir-Eis

Bei aller Freude über den wirtschaftlichen Erfolg ist doch der kulinarische Verlust enorm. Krafft, Nestlé, Ferrero und einige wenige andere diktieren schon längst unwidersprochen weltweit den Geschmack und suggerieren sogar, erst mit ihrer Hilfe schmecke das Leben. Die Verbraucher aller Länder sind lange schon durch ihr herdenhaftes Kaufverhalten vereint. Ohne sich dessen bewußt zu werden, lassen sie sich die Gleichschaltung ihrer Eßgewohnheiten gefallen. Auch und gerade in Rußland. Schade, jammerschade, denn das liebenswerte Kolorit des Lokalen wird gebunden in der standardisierten Einheitssauce von wenigen Monopolisten des „guten Geschmacks“. Wer es nicht glaubt, der kaufe sich – solange der Hersteller noch nicht von den Schweizern geschluckt wurde – ein Plombir-Eis russischer Produktion und vergleiche es mit einer Creation aus dem Hause Nestlé, unter dessen Dach ja auch Mövenpick firmiert. Man wird genußvoll feststellen: Es gibt auch noch eine Welt, die nicht von Nestlé ist. Eine Welt, die zu bewahren sich lohnen würde. Allein, der kritische Verbraucher scheint sich damit abgefunden zu haben, in einer Welt zu leben und zu essen: in der Welt von Nestlé.

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