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Posts Tagged ‘Pjotr Ponassenko’


Viel Zeit ließ sich die fünfköpfige Gruppe nach ihrer Ankunft in Nürnberg nicht. Kaum aus dem Flugzeug gestiegen und in der Jugendherberge einquartiert, ging es schon zum ersten Termin. Oder soll man besser Einsatz sagen? Denn fast so schnell vollzog sich alles, um nach dem Nachtflug noch am Vormittag die Feuerwehrwache zu besuchen, deren Leiter, Friedhelm Weidinger, die jungen Freunde aus Wladimir schon erwartete.

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Alewtina Klimowa, Amil Scharifow, Friedhelm Weidinger, Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Swetlana Sokolowa

Bis zum Wochenende wird es in Begleitung von Amil Scharifow als Betreuer und Dolmetscher noch eine ganze Reihe solcher Einsätze geben: beim Bayerischen Roten Kreuz, bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, beim Technischen Hilfswerk – neben Treffen mit Jugendorganisationen, einem Empfang bei Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und so manchem mehr. Denn viel lernen wollen die Gäste, vor allem im Bereich Katastrophenschutz und Rettungswesen und wie man dafür junge Ehrenamtliche gewinnt.

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Gennadij Brajt, Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Alewtina Klimowa, Sergej Konstantinow

Sie alle nämlich arbeiten in dem Bereich und wollen noch mehr Gleichaltrige für den Freiwilligendienst gewinnen. Gennadij Brajt ist der einzige, der Erlangen schon von einem früheren Besuch kennt und deshalb auch als Primus inter pares auftritt, vor allem natürlich gegenüber seinem Schichtleiter, Sergej Konstantinow, mit dem zusammen er eines der fünf Dreierteams beim Wladimirer Katastrophenschutz bildet, die rund um die Uhr für Rettungseinsätze bereitstehen. Vorbereitet wird man für diese anspruchsvolle Arbeit in der Partnerstadt von der Organisation Retter, der Alewtina Klimowa nach sechsjähriger Zugehörigkeit und vor allem nach dem überraschenden Tod von Pjotr Ponassenko seit kurzem vorsteht. Vor der Aufgabe ist ihr noch ein wenig bange, aber sie will das Angebot sogar noch ausweiten auf Bergrettung, aber auch Freizeitgestaltung und Selbsterfahrung, um den Verein noch attraktiver für Jugendliche zu machen. Und dann sind da noch Jekaterina Medwedjewa, Schwesternschülerin im dritten Ausbildungsjahr, die ehrenamtlich beim Wladimirer Roten Kreuz beim Projekt „Licht des Guten“ hilft und schwerkranke Patienten pflegt, sowie die Studentin Swetlana Sokolowa, die „Politikerin“ in der Runde, Als stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Jungen Garde, der Nachwuchsorganisation der Partei Einiges Rußland, kümmert sie sich um das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in allen denkbaren Bereichen – von der Ökologie über Bildung bis hin zum Sozialen. Damit sind wir auch wieder bei dem, was die Gruppe insgesamt verbindet. Sie alle wollen in der Partnerstadt Leben retten und Menschen helfen. Und das, so haben sie für sich entschieden, kann man am besten in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Doch davon hier in Ihrem Blog bald mehr. Jetzt lassen wir das Quintett erst einmal hier in Erlangen seine Erfahrungen sammeln.

Zum Vermächtnis von Pjotr Ponassenko geht es hier: http://is.gd/wUuViQ

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„Wir können uns nicht abfinden damit, wenn Menschen nicht im Bett sterben, sondern unvermittelt, bevor sie ihr Gedicht vollendet, bevor sie die letzte Seite umgeschlagen, bevor sie ans Ziel gelangt.“ Konstantin Simonow

Pjotr Ponassenko

Pjotr Ponassenko

Heute wird in Wladimir Pjotr Ponassenko zu Grabe getragen. Ja, dieser Mann, der noch am 2. Juni ins Erlangen-Haus kam, so voller Lebenskraft und Herzenswärme, so voller Pläne und Ideen. Dieser Mann, der – als wäre es sein Vermächtnis – sagte, im Herbst werde er nicht mehr nach Erlangen fahren, jetzt sei die Jugend an der Reihe. Als hätte es der Sechsundsechzigjährige geahnt. Fünf Tage später stellte er – wieder im Erlangen-Haus – seine neue Mitarbeiterin vor und erzählte von den Austauschabsichten mit Erlangen. Und nun ist er nicht mehr unter uns. Er wird nicht mehr kommen. Ist gegangen, bevor er ans Ziel gelangt.

Pjotr Panassenko, Felix Wasel und Gennadij Brajt vor dem Erlangen-Haus

Pjotr Panassenko, Felix Wasel und Gennadij Brajt vor dem Erlangen-Haus

Kaum ein Wladimirer hat die Herzen der Erlanger so rasch erobert wie Pjotr Ponassenko, ursprünglich ein Mann des Militärs, der 25 Jahre bei den Einheiten der Interkontinentalraketen Dienst tat und dann beinahe 20 Jahre im Katastrophenschutz tätig war. Immer nahe an der Jugend, immer in der Ausbildung, immer ein Quell der Begeisterung und Inspiration, der wohl kaum eine Schule in Wladimir mit seinen Vorträgen zu besuchen vergessen hat.

Pjotr Panassenko in Möhrendorf mit Felix Wasel, Pawel Litow, Fritz Rösch und Bernd Schlee

Pjotr Panassenko in Möhrendorf mit Felix Wasel, Pawel Litow, Fritz Rösch und Bernd Schlee

Vor fast fünfzehn Jahren hat Pjotr Ponassenko den Klub Retter gegründet, der dem begnadeten Pädagogen besonders ans Herz gewachsen war. Diese Arbeit fand 2012 auch öffentliche Anerkennung mit der Auszeichnung als „bester Leiter eines Jugendverbands“ des Jahres.

Pjotr Ponassenko pflanzt mit Felix Wasel einen Baum der Freundschaft

Pjotr Ponassenko pflanzt mit Felix Wasel einen Baum der Freundschaft

Gerade einmal dreieinhalb Jahre verbanden Pjotr Ponassenko mit Erlangen. Aber es war von Beginn an so, als gehörte er schon immer dazu: wißbegierig, aufgeschlossen und gastfreundlich. Besonders verdienstvoll bleibt sein Beitrag zum Wiederaufbau des Roten Kreuzes in Wladimir, sein unermüdliches Wirken für die gemeinsame Rettungsausbildung von Kindern und Jugendlichen an den Schulen der Partnerstadt. Das Rote Kreuz Wladimir verliert in ihm einen großartigen Förderer, die Partnerschaft insgesamt einen liebenswerten Kameraden. Seine Freunde hier wie dort werden ihn schmerzlich vermissen und seine zutiefst humane Mission fortsetzen. Wir sind es ihm schuldig!

Pjotr Ponassenko am 2. Juni 2013 vor dem Erlangen-Haus mit Gennadij Brajt und Alewtina Klimowa

Pjotr Ponassenko am 2. Juni 2013 vor dem Erlangen-Haus mit Gennadij Brajt und Alewtina Klimowa

Unter den vielen Berichten über den Verstorbenen im Blog, sei hier nur auf diesen hingewiesen: http://is.gd/SC5731

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Alle sind sie nun abgereist, die 200 Gäste aus Erlangen, die offizielle Delegation aus Jena und auch Joachim Herrmann, Staatsminister des Innern, der noch einmal das sommerliche Wetter in Wladimir genießen kann, bevor er sich den Wasserfluten zuwendet, die sich über sein Bayernland ergießen. Und der sich vor der Abfahrt nach Moskau noch die Zeit nimmt, um dem Erlangen-Haus einen Besuch abzustatten und sich über Ziele und Erfolge dieses Zentrums der Städtepartnerschaft informieren zu lassen.

Gerswid und Joachim Herrmann vor dem Erlangen-Haus

Gerswid und Joachim Herrmann vor dem Erlangen-Haus

Allmählich kehrt nun wieder der Alltag ein. Der freilich kennt weder Sonn- noch Feiertage. Kaum ist der Ministerkonvoi davongebraust, gehen die Türen schon wieder auf und zu, neue Austauschideen werden geboren, Fragen nach medizinischer Behandlung in Deutschland gestellt, Psychologen suchen Austauschpartner in der Partnerstadt, und eine private Augenklinik, deren Chefin, Jelena Titowa, Anfang der 90er Jahre in Erlangen hospitierte, will zwei ihrer Mitarbeiter zu einer Fortbildung an die Universitätsklinik nach Erlangen schicken. An die ihrer Erfahrung nach schlichtweg denkbar beste. Denn für ihre Patienten will sie ja auch nur das Beste.

Gennadij Brajt, Alewtina Klimowa und Pjotr Panassenko

Gennadij Brajt, Alewtina Klimowa und Pjotr Panasenko

Dann aber ein Besuch, der das Leitmotiv des Jubiläums, den Jugendaustausch, intoniert. Pjotr Ponassenko, Leiter der Jugendorganisation Retter und Kooperationspartner des Roten Kreuzes Wladimir, schlägt für den Spätherbst vor, eine kleine Gruppe seiner jungen Leute, darunter Alewtina Klimowa und Gennadij Brajt, nach Erlangen zu entsenden, um dort mit Gleichaltrigen Begegnungen und ein Lager für das nächste Jahr vorzubereiten. Erste Gespräch dazu haben bereits mit Matthias Buggert und Heino Sand vom Stadtjugendring stattgefunden, die zum dreißigjährigen Jubiläum angereist waren; nun will man sich an die konkrete Arbeit machen. Nur zu! Und auf Wiedersehen in Erlangen!

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Oberbürgermeister Sergej Sacharow ist gerade erst aus Palästina zurückgekehrt, wo er die 20. Städtepartnerschaft Wladimirs abgeschlossen hat: mit Bethlehem. Und am Abend bricht er nach Berlin auf, um an einer Konferenz zum Thema „Kommunalpolitik und Wirtschaft“ teilzunehmen. Ein Mann zwischen den Kulturen und den Welten, vor allem aber ein Freund seiner Partner, besonders wenn sie aus Erlangen kommen, ein Freund, der sich viel Zeit für das Gespräch nimmt und für das Zuhören.

Jelena Owtschinnikowa und Sergej Sacharow.

Jelena Owtschinnikowa und Sergej Sacharow.

Es gibt freilich auch viel zu besprechen mit den Gästen. Natürlich das aktuelle Arbeitsprogramm, daneben aber auch die Pläne für das dreißigjährige Jubiläum der Partnerschaft. Ganze 33 Punkte sind auf der Agenda abzuarbeiten. Manche davon kann man gleich wieder streichen, doch weniger werden es deswegen nicht, weil immer wieder neue Ideen und Vorschläge kommen. Es ist eben noch alles im Werden und Entstehen. Aber das Gerüst steht, nun kann die Arbeit an den Feinheiten beginnen.

Großer Empfang im Rathaus.

Großer Empfang im Rathaus.

Kultur, Sport, Wirtschaft, Wissenschaft sind nur einige der Themen, die während des Jubiläums ihren Platz im Programm finden werden. Schwerpunkt aber soll die Jugend werden, die wesentlich auch selbst das Programm gestaltet. Es genüge hier, die Akteure aus Erlangen zu nennen: Stadtjugendring, Jugendparlament, Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums, Flötenensemble der Sing- und Musikschule, zwei Rockbands. Und auch an die Kinder ist gedacht, die sich auf eine Aufführung von Petterson und Findus des Theaters Kuckucksheim aus Heppstadt freuen dürfen.

Wladimirer Küche.

Wladimirer Küche.

Immer wieder bekommt man in Wladimir die Frage gestellt, was sich denn so aus der Sicht der Besucher verändert habe. Da darf man getrost die Gastronomie nennen: Feinschmecker finden hier Raffinesse, Liebhaber von russischer Hausmannskost können sich auf eine deftige Küche verlassen, und kulinarisch sind längst alle Länder dieser Welt in der Partnerstadt daheim. Am schönsten weiß Alexander Bersenjew, Chefpsychiater der Region Wladimir, zusammenzufassen, was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat: die Eleganz der Franzosen vereint mit dem Geschmack der Russen.

Alexander Bersenjew und Eliisabeth Preuß.

Alexander Bersenjew und Eliisabeth Preuß.

Alexander Bersenjew braucht man hier nicht mehr eigens vorzustellen. In Erlangen kennt man ihn seit 1998 als sympathischen Streiter für die Sache der Psychiatrie, die in der Sowjetunion und in den ersten Jahren des Bestehens der Russischen Föderation so sehr im dunklen Schatten der übrigen Medizin stand. Mit Hilfe von vielen Freunden aus Erlangen ist es aber nun nicht nur gelungen, die akute Therapie wesentlich zu verbessern, vor allem wurde es möglich, seine Anregung umzusetzen, den Blauen Himmel, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, aufzubauen, eine Einrichtung, die mittlerweile landesweit Beachtung findet. Mitgebracht hat Elisabeth Preuß dem Chefarzt und Professor ein Sprungtuch für die Kinder aus der Psychiatrie, ein Geschenk, das er sich selbst zum Geburtstag gewünscht hatte, für sich, damit er „seinen“ Kindern bei der Bewegungstherapie eine Freude machen kann. Das spricht für sich und für ihn!

Leonhard Hirl und Alexander Bersenjew.

Leonhard Hirl und Alexander Bersenjew.

Leonhard Hirl hat für die Zusammenarbeit mit der Psychiatrie in Wladimir unschätzbar viel geleistet. In seiner WAB (Wohnen Arbeit Betreuen) haben Dutzende von Fachkräften aus Wladimir Praktika und Hospitationen absolviert, und erst im November war ja Alexander Bersenjew gemeinsam mit Wladimir Besrukow, dem Gesundheitsminister der Region, bei dem Kollegen zu Gast. Nun soll es bald weitergehen. Das Jahr ist ja noch jung, viel Zeit also, um weitere Austauschmaßnahmen zu planen und umzusetzen.

Nadja Steger, Wladimir Besrukow, Elisabeth Preuß, Alexander Bersenjew, Andrej Sirin, Swetlana Makarowa, Ludmila Kondratenko,, Stephan Beck, Thomas Grützner, Leonhard Hirl, Peter Steger.

Nadja Steger, Wladimir Besrukow, Elisabeth Preuß, Alexander Bersenjew, Andrej Sirin, Swetlana Makarowa, Ludmila Kondratenko,, Stephan Beck, Thomas Grützner, Leonhard Hirl, Peter Steger.

Alexander Bersenjew kennen seine Freunde aber auch als Meister der Gastlichkeit. Besonders gerne wartet er dabei mit einer Überraschung auf. Außer ihm wußte denn auch niemand davon, wer da noch alles zum Essen eingeladen war: Mediziner, die sich natürlich alle gut kennen, die aber auch die enge Zusammenarbeit mit Erlangen vereint. Swetlana Makarowa als Chefärztin der Kinderklinik, die übrigens auch wieder Spenden aus Erlangen für ihre Krebsstation in Höhe von mehr als 1.700 Euro entgegennehmen darf; Andrej Sirin, der Chefonkologe der Region, früher einmal auch Leiter des Wladimirer Gesundheitsamtes; Wladimir Besrukow, seines Zeichens Psychologe und Herr über die Medizin des ganzen Gouvernements. Seit mehr als 20 Jahren hat die Zusammenarbeit der Ärzte in der Partnerschaft eine besondere Stellung, und die Gastgeber werden denn auch nicht müde, für die viele Unterstützung aus Erlangen zu danken, vor allem in den schweren 90er Jahren.

Irina Sokolowa und Wera Guskowa.

Irina Sokolowa und Wera Guskowa.

Ebensolange währt auch die Kooperation mit dem Roten Kreuz in Wladimir. Fast von Beginn an mit dabei Projektkoordinatorin Irina Sokolowa und Wera Guskowa vom Vorstand des Ortsverbands, die über Jahre hinweg als Fachbürgermeisterin für Soziales und Gesundheit, aber auch als Ärztin mit charmanter Durchsetzungskraft viel getan hat für die Hilfsorganisation. Sie wird sich besonders darüber freuen, welch erfolgreichen Weg das Rote Kreuz nun in Wladimir eingeschlagen hat.

Vorstandssitzung des Roten Kreuzes Wladimir mit Pjtor Panasenko.

Vorstandssitzung des Roten Kreuzes Wladimir mit Pjotr Panasenko.

Zusammen mit vielen Partnern vor Ort: der Schwesternschule, der Jugendorganisation „Retter“ mit Pjotr Ponassenko als treibender Kraft, aber auch nach wie vor der Stadtverwaltung, die der außerordentlichen Vorstandssitzung des Roten Kreuzes die Türen des Rathauses weit öffnet und den Konferenzraum für die Veranstaltung zur Verfügung stellt. Sichtbare Zeichen der Wertschätzung.

Medien bei der Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Medien bei der Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Auch seitens der Medien, die seit dem Wiederaufbau des Roten Kreuzes vor fast zwei Jahren keine Gelegenheit verstreichen lassen, um über die Fortschritte in der Arbeit und die einzelnen Projekte ausführlich zu berichten.

Elisabeth Preuß und Peter Steger, Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Elisabeth Preuß und Peter Steger, Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Wertgeschätzt werden natürlich besonders die Gäste aus Erlangen, für die Elisabeth Preuß und Peter Steger bei der Veranstaltung sprechen dürfen. Und die das gerne tun, wenn man all die jungen Gesichter sieht von ehrenamtlichen Kräften, die davon berichten, wie lieb sie bei der häuslichen Pflege ihre Schutzbefohlenen gewonnen haben, wie sehr ihnen die Arbeit eine Sache des Herzens geworden sei; wenn man von der Leitung der Schwersternschule hört, für wie wichtig man es erachte, den Nachwuchs nicht nur als Fachkräfte zu entlassen, sondern vor allem als Menschen, die eine soziale Verantwortung wahrnehmen können; wenn der Wunsch ausgesprochen wird, einen Jugendaustausch im Bereich Wohltätigkeit ins Leben zu rufen; wenn in allen Gesprächen der Aufbruch zu spüren ist.

Winter in Wladimir.

Winter in Wladimir.

Zeit bleibt da kaum, um auch einmal abseits der Sehenswürdigkeiten das winterliche Wladimir zu erkunden, aber es ist ja auch ein Arbeitsbesuch. Mit immer neuen Ausblicken.

Wiktoria Borowych und Elisabeth Preuß.

Wiktoria Borowych und Elisabeth Preuß.

Elisabeth Preuß hat im Blog http://is.gd/ptUqNt von Wiktoria Borowych gelesen und sich sofort gesagt: „Die Frau will ich kennenlernen!“ Sie sollte es nicht bereuen. Auf Anhieb waren sich die beiden sympathisch und einig darin, daß man gar nicht rasch genug mit der Zusammenarbeit beginnen kann. Seit einem Jahr ist Wiktoria Borowych Vorsitzende des Vereins Sozialdemokratischer Frauen mit schon etwa 200 Mitgliedern allein in Wladimir. Auch wenn der Name nach Partei klingt, handelt es sich dabei um eine gemeinnützige Organisation, die landesweit für die Gleichstellung der Geschlechter eintritt und für Familien kämpft. Ein besonderes Anliegen ist der 31jährigen das Schicksal von krebskranken Kindern und deren Familien. Ein Kinderhospiz einzurichten, ist ihr Ziel, und erste Gespräche mit Krankenhäusern führt sie dazu schon. Ein weiteres Thema ist die Betreuung von werdenden Müttern – gleich welchen Alters -, um sie dazu zu ermutigen, ihr Kind zur Welt zu bringen. Und dann ist da noch dieser, wie Elisabeth Preuß weiß, auch in Deutschland gefährdete Teil der Bevölkerung, der zwar zum Mittelstand gehört, aber mit seinem Einkommen knapp über den Fördergrenzen liegt und stets befürchten muß, in die Sozialsysteme abrutschen zu können. Genug Themen, um sie möglichst bald in Erlangen zu vertiefen, und Wiktoria Borowych zögert denn auch nicht lange, die Einladung der Bürgermeisterin in die Partnerstadt anzunehmen.

Elisabeth Preuß und Jekaterina Alexejenko.

Elisabeth Preuß und Jekaterina Alexejenko.

Man kann richtig neidisch werden, wenn man die Medienvielfalt in Wladimir erlebt – und das Interesse von Presse, Rundfunk und Fernsehen an der Partnerschaft. Eine ganze Handvoll von Sendern, darunter auch eine staatliche lokale Anstalt, nicht weniger Rundfunkstationen und ein knappes Dutzend von Zeitungen und Illustrierten berichten über alles, was so passiert. Und laden immer gerne Gäste aus Erlangen zum Interview ein. Eine ganze dreiviertel Stunde widmet der Privatsender Variant Geschichte und Gegenwart der Partnerschaft und gibt Elisabeth Preuß und Peter Steger reichlich Gelegenheit von den engen Beziehungen zu erzählen. Besonders schön dabei zwei Aspekte: Zum einen war Jekaterina Alexejenko, die Moderatorin, bereits im Vorjahr mit den Pfadfindern in Erlangen, weiß also, wovon sie spricht, und zum andern sind da die Anrufe von Zuschauern mit all den liebgewordenen Erinnerungen an Begegnungen mit Freunden aus der Partnerstadt. Man hätte die Sendezeit gut verlängern können. Wie auch immer. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Da ist auf die Wladimirer Medien Verlaß.

Olga Dejewa, Olga Chochlowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa und Ludmila Kondratenko.

Olga Dejewa, Olga Chochlowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa und Ludmila Kondratenko.

Anders als das Bild vermuten läßt, endet der Tag nicht mit einem reinen Frauentreffen. Zum Abendessen waren auch die Ehemänner der drei Gastgeberinnen gekommen. Wieder so ein Zeichen der Verbundenheit, auch wenn sie die Partnerschaft nur vom Hörensagen kennen. Bisher zumindest. Und auch Olga Chochlowa, stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Regionalduma, kennt Erlangen noch nicht aus eigener Anschauung. Sie hatte mit Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa im Januar zwar kommen wollen, konnte die Reise dann jedoch aus dienstlichen Gründen nicht antreten. Aber den Besuch wird sie sicher eines Tages nachholen. Es ist ja noch viel Zeit, wenn man einem der Trinksprüche folgt, in dem es hieß: „Wir trinken auf die nächsten 30 Jahre der Partnerschaft und auf all die Generationen, die nach uns die Früchte unserer Freundschaft ernten können!“

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Es ist noch kein Jahr her, seit Olga Dejewa ehrenamtlich die Leitung des Roten Kreuzes in Wladimir übernommen hat, aber was sie an geleisteter Arbeit vorweisen kann, ist jetzt schon so viel, daß man sich fragt, wo sie nur all die Energie und Kraft hernimmt, um etwas zu schaffen, wofür andere mindestens eine Nachspielzeit gebraucht hätten. Denn im Brotberuf ist sie ja nicht unbedingt unterbeschäftigt. Als Chefin der Sozialstiftung der Stadt Wladimir, zuständig für individuelle Hilfe vor allem in Härtefällen, sind nicht nur jeden Tag schwierige Entscheidungen zu treffen, es wollen auch Ehrungen vorgenommen und gerade gegen Jahresende all die Feiern und Treffen mit Vereinen und Organisationen ordentlich vorbereitet werden.

Erste-Hilfe-Kurs für Schüler

Dennoch: Im Roten Kreuz geht alles seinen Gang. Es geht voran. Nur ein bis zwei Leute hätte Olga Dejewa doch gerne im Team, wie sie bekennt. Zu viel hänge noch von ihr persönlich ab. Aber das bringt wohl jeder Neustart so mit sich. Dem Pferd, das gut zieht, lädt man immer noch mehr auf.

Demonstration der Ersten Hilfe im Seminar

Aber keine Klagen! Im September ging erfolgreich ein Seminar über die Bühne, das die beiden Projekte „Licht des Guten“ und „Das sollte jeder wissen“ zum Thema hatte. Wichtig dabei die Frage des Einsatzes von Ehrenamtlichen, für deren Arbeit auf regionaler Ebene derzeit ein eigenes Gesetz diskutiert wird. Aber auch ganz praktische Dinge fanden ihren Platz. So stellte ein russischer Mitarbeiter der Firma Paul Hartmann innovative Techniken zur Pflege von schwerkranken Patienten vor. Ein möglicher Ansatz für eine künftige Zusammenarbeit mit dem medizintechnischen Unternehmen aus Heidenheim.

Rot-Kreuz-Wettbewerb in einer Schulklasse

Teilgenommen haben an dem Seminar neben Politikern, die allmählich die Bedeutung des Ehrenamts für das Funktionieren einer Zivilgesellschaft begreifen, auch hohe Beamte des Innenministeriums und natürlich Vertreter der Medizin und des sozialen Bereichs.  Und die Ehrenamtlichen? Die sind längst wieder unterwegs in den beiden Projekten, pflegen bettlägrige Kranke und bringen Kindern an zwei Schulen das ABC der Ersten Hilfe bei.

Rolle des Roten Kreuzes aus Kinderblick

Überhaupt die Schüler: Mehr als 170 Bilder haben sie gemalt und gezeichnet für den vom Roten Kreuz ausgeschriebenen Wettbewerb. Nicht alle Kinder konnten gewinnen, aber die Trostbären und die Ausstellung aller Arbeiten war sicher auch Anerkennung genug.

Erste Hilfe im Krankheitsfall aus der Sicht einer Zwölfjährigen.

Mittlerweile kann man die Ehrenamtlichen in Wladimir an ihren T-Shirts erkennen, und Ausweise sowie Dienstbücher haben sie auch schon alle. Besonders wichtig die Bescheinigungen für jene, die erfolgreich die Ausbildung im Bereich Erste Hilfe / Notversorgung gemacht haben und nun selbst Kurse geben. Alles ehrenamtlich – und bewundernswert.

Olga Dejewa und Pjotr Ponassenko bei der Preisverleihung vor der Bildertafel.

Wann Olga Dejewa auch noch die Zeit findet, im Erlangen-Haus Deutsch zu lernen, verrät sie vielleicht bei ihrem Antrittsbesuch noch in diesem Winter. Bis dahin, so scherzt sie, werde sie weiter am Granit der Fremdsprache nagen.

Gruppenbild vor der Bildertafel „Das sollte jeder wissen“.

Nun noch ein Hinweis: Am Freitag, den 9. November, berichtet Bürgermeisterin Birgitt Aßmus im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung des „Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir“ von ihren Gesprächen mit Olga Dejewa Anfang September in der Partnerstadt. Das Treffen beginnt um 18.00 Uhr im 14. Stock des Rathauses. Gäste sind herzlich willkommen, nicht nur als künftige Mitglieder. Abstimmen dürfen sie freilich erst, wenn sie in den Verein eingetreten sind. Aber das ist ja nicht mehr als eine Formsache.

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Stets einsatzbereit, wenn es um Wladimir geht: Felix Wasel, der bereits vor zwei Jahren in seiner Doppelfunktion als ehrenamtlicher Mitarbeiter des BRK Erlangen-Höchstadt und hauptberuflicher Feuerwehrmann in Erlangen die Partnerstadt besucht hat. Gennadij Brajt und Pjotr Ponassenko von der Organisation „Retter“ kennen und schätzen ihn seit damals und schließen ihn buchstäblich in ihre Arme, bevor der gemeinsame Arbeitstag beginnt.

Pjotr Ponassenko, Felix Wasel, Gennadij Brajt vor dem Erlangen-Haus

Früh am Morgen beginnt der Arbeitstag auch an der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst, direkt dem Präsidenten der Russischen Föderation unterstellt. Wer etwas werden will als Beamter, macht hier seine Verwaltungsausbildung und nimmt alle drei Jahre an Fortbildungskursen teil. Seit zwei Jahrzehnten gibt es diese Hochschule, deren Besuch und Abschluß freilich nicht zwingend in die Amtsstuben führen muß, denn die drei Fakultäten – Recht, Wirtschaft und Verwaltung – bieten den derzeit 4.500 Studenten auch beste Chancen für eine Karriere in der Wirtschaft. Sogar bis in die Raumfahrt kann von hier aus aufsteigen, wovon nicht nur die Rakete auf dem Vorplatz der Akademie, sondern auch die enge Zusammenarbeit mit dem „Sternenstädtchen“ bei Moskau zeugt.

Wissenschaftlicher Neustart für Wiktor Malygin, ganz rechts.

Einen Neustart macht hier ein alter Bekannter und Träger der Partnerschaft. Wiktor Malygin, bis zur Fusion der beiden Wladimirer Universitäten vor zwei Jahren Rektor der Pädagogischen und Geisteswissenschaftlichen Universität und dann Leiter der Fremdsprachenabteilung an der neugeschaffenen Hochschule, hat nun zwar nicht das Fach, aber den Arbeitgeber gewechselt und ist seit Anfang des Monats an der Akademie zuständig für Russisch, Deutsch, Englisch und Franzöisch. Ihm zur Seite steht übrigens ebenfalls ein verdienter Mitstreiter der deutsch-russischen Freundschaft: Alexander Illarionow, Direktor für Wissenschaftliche Arbeit und früherer Bürgermeister von Susdal, der Partnerstadt von Rothenburg. Nun sucht die Akademie nach einer Hochschule in Deutschland, die zu ihrem Profil passen könnte, denn bisher hat man nur mit China und den USA einen regelmäßigen Austausch. Doch das wird sich hoffentlich bald ändern.

Larissa Wyssozkaja, Dieter Rossmeissl, Ursula Lanig, Birgitt Aßmus, Gabriele Kopper, Anna Makarowa, Natalia Judina.

Enger sollen auch die Kontakte zum Institut für Kunst an der Staatlichen Universität werden. Larissa Wyssozkaja, die Dekanin, kann sich da viele Formen der Zusammenarbeit vorstellen und wird von Prorektorin Natalia Judina darin voll unterstützt. Aber auch die Gäste lassen sich von der Begeisterung anstecken, und wenn die Deutsche Botschaft in Moskau rasch genug ein Visum ausstellt, kann schon am 2. Oktober ein erster Kontakt zu der Design-Szene der Metropolregion Nürnberg hergestellt werden. Dieter Rossmeissl, Referent für Kultur, Jugend und Freizeit, jedenfalls lädt schon einmal herzlich ein.

Larissa Wyssozkaja mit einem ihrer Ensembles

Ein erstaunlich vielseitiges Konzertprogramm schließlich überzeugt alle: In dem Kontakt ist Musik drin. Von der Klassik bis zu Jazz-Standards feinster Güte. Was hier an Talentförderung betrieben wird, macht staunen und Lust auf Austausch mit Ensembles und Bands aus Erlangen, möglichst schon im Jubiläumsjahr 2013. Ideen gibt es schon viele. Und wenn es nach den neuen Freunden geht, wird aus denen auch etwas. Das haben sie sich versprochen.

Gabriele Kopper, Birgitt Aßmus, Dieter Rossmeissl, Oberschwester Swetlana Dsjuba, Alexander Bersenjew und Ursuala Lanig vor dem Kleinbus, gespendet von Lions Erlangen und Stiftung Lichtlblick.

Versprochen sind auch neue Kontakte für Alexander Bersenjew, den Chefpsychiater der Region Wladimir, und seinen Blauen Himmel, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik. Wenn der Arzt im November nach Erlangen kommt, soll er möglichst viele Einrichtungen kennenlernen, wo mit Kindern gearbeitet wird, die an psychischen Erkrankungen leiden oder in ihrer Entwicklung verzögert sind.

Gruppenbild mit Kinder im Blauen Himmel

Wie gut die Betreuung der Kinder im Blauen Himmel ist, erleben die Gäste spätestens beim Treffen mit der Gruppe, die gerade Tanz und Bewegung auf dem Programm hat, bevor es wieder hinaus in die Natur oder in die Werkstatt geht. Von einem der letzten Ausflüge in den Wald haben die Kinder übrigens eimerweise Steinpilze in den Blauen Himmel gebracht. Kein Wunder, wenn da der Abschied nach zwei Wochen Aufenthalt in dem Zentrum jedes Mal jedem schwerfällt.

Im Märchenzimmer des Pionierpalastes

Kinder und ihre krative Entwicklung stehen auch im Zentrum des Pionierpalastes, wo sich Dutzende von Gruppen zusammenfinden, die alle ein Ziel haben: ihre Talente möglichst vielseitig zu entwickeln. Vom Modellbau über Tanzen bis zur Botanik, vom Kleinzoo bis zur Geschichtswerkstatt findet man alles nur Denkbare aus den Bereichen Kultur, Sport, Gesellschaft oder Technik. Ein Labor der Möglichkeiten nicht nur für Kinder und Jugendliche – 4.000 sind es, die hier von 90 Fachkräften betreut werden -, sondern auch für die Zusammenarbeit mit Erlangen, zumal hier die technischen Voraussetzungen auf 11.000 m² Fläche gegeben sind, um alles von Theateraufführungen bis zu Konzertveranstaltungen auszuprobieren.

Dieter Rossmeissl, Gabriele Kopper, Ursula Lanig, Birgitt Aßmus und Irina Tschistjakowa vor der Rosenkranzkirche

An den Gästen aus Erlangen wird im Anschluß an den Besuch gleich auch noch ein neues Programm getestet. Irina Tschistjakowa, deren Arbeit hier im Blog unter der Rubrik „Deutsche in Wladimir“ in der Kategoriewolke zu finden ist, hat mit ihrem Arbeitskreis von bis zu 70 an der Stadtgeschichte interessierten Jugendlichen eine Route durch Wladimir erstellt, die zu den vielen, meist unbekannten Wirkungsstätten von Deutschen führt. Darunter viele von Deutschen erbaute Häuser, aber auch das einzige noch erhaltene Lagergebäude, wo deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, die Auferstehungskirche. Viel Material für das Thema „Deutsche in Wladimir“, demnächst in Ihren Blog vorgestellt. Versprochen! Und – ja, die Premiere dieser Tour von Irina Tschistjakowa ist gelungen und kann in Serie gehen.

Ursula Lanig, Gabriele Kopper, Birgitt Aßmus, Itrina Tschistjakowa und Dieter Rossmeissl. vor der Auferstehungskirche.

Doch der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Im Erlangen-Haus werden die Gäste von Jugendlichen erwartet, die im August in Erlangen waren – auf Einladung des Jugendparlament – und dort Bürgermeisterin Birgitt Aßmus ein Wiedersehen versprochen haben. Weit über die vorgesehene Zeit hinaus bleibt man zusammen, um Fragen zu diskutieren: junge Familien und deren Förderung, Jugend und Politik, Frauen und Beruf… Genug Stoff für eine Fortsetzung des Dialogs.

Jugendtreff im Erlangen-Haus

Ein gelungener Tag, ein gelunges Programm, so das einmütige Fazit nach dem ersten Tag. Das freut natürlich auch die Gastgeber. Besonders Kirill Kowaljow.

Gabriele Kopper, Kirill Kowaljow, Irina Chasowa, Ursula Lanig, Birgitt Aßmus, Dieter Rossmeissl.

Der Stadtrat, zuständig für den Ausschuß Jugend, Kultur, Sport,  Religion, Soziales und Bildung, kennt Erlangen noch nicht aus eigener Anschauung, hat aber im Juni an dem Kongreß des Deutsch-Russischen Forums in Stuttgart teilgenommen und dort gemeinsam mit dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, die Zusammenarbeit vorgestellt. Nun hat er von Bürgermeisterin Birgitt Aßmus die offizielle Einladung erhalten, und man wird Kirill Kowaljow wohl schon bald in Erlangen erwarten dürfen. Ein gelungener Tag eben mit viel Ausblick auf eine gemeinsame Zukunft.

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Sozialpädagogisches Zentrum

One night in Paris is like a year in any other place, heißt es in einem der unvergessenen Songs von 10cc. Die Rockband aus Manchester war offenbar nie in Wladimir, denn hier in der Partnerstadt gibt es noch ganz andere Dimensionen der Zeit. Die beiden Tage, die Bürgermeisterin Elisabeth Preuß mit ihrem Kollegen Sergej Sacharow verbracht hat, kommen den beiden wie zwei Ewigkeiten vor, wie sie beim Abschiedsabend im Garten des Erlangen-Hauses einmütig-einträchtig bekennen. In jedem Fall aber ist in dieser auch nach irdischen Maßstäben so kurzen Zeit eine Freundschaft der Herzen entstanden, die verspricht, mindestens zwei Menschenleben lang zu halten.

Elisabeth Preuß und Anna Makarowa

Der gestrige Besuchstag von Elisabeth Preuß stand ganz im Zeichen ihrer kommunalpolitischen Profession. Schon am Morgen traf sie ihren neuen Kollegen, Roman Wlassow, erst wenige Wochen in Amt, um mit ihm über das weitere Schicksal des Roten Kreuzes zu sprechen. Auch wenn er sich noch nicht in alle Details der Vorgeschichte einarbeiten konnte, weiß er doch genug über die segensreiche Arbeit der gemeinnützigen Organisation, um den Gästen im Beisein von Irina Sokolowa und Pjotr Ponassenko, zwei verläßlichen Streitern für die Sache des Roten Kreuzes, versichern zu können: Wladimir braucht ein starkes Rotes Kreuz, um wichtige soziale Aufgaben zu übernehmen. Peter Steger berichtet in seiner Eigenschaft als zweiter Vorsitzender des Fördervereins Rotes Kreuz, die Mitglieder stünden bereit, um die Neugründung und die Durchführung von Projekten zu begleiten. Der bisherige Vorsitzende, Michail Wladimirow, dem es in seiner Amtszeit nicht gelungen war, das Rote Kreuz auch nur zu registrieren, ist mittlerweile zurückgetreten, seine Position nimmt Irina Sokolowa zunächst kommissarisch ein, bis im September eine Mitgliederversammlung stattfinden kann, wo sie sich als Kandidatin aufstellen lassen will. Bis dahin ist auch zu entscheiden, wo der Sozialfonds untergebracht werden kann, der noch immer die Räume des Roten Kreuzes belegt. Zunächst aber muß Irina Sokolowa einen Geschäftsplan vorlegen, damit Roman Wlassow Entscheidungen über eine mögliche Förderung treffen kann. Daß er auf das Rote Kreuz zählt, daran läßt er keinen Zweifel, wenn er von denkbaren künftigen Aufgaben wie der Einrichtung einer Kurzzeitpflege spricht oder die Bedeutung von Erste-Hilfe-Kursen lobt. Fragen von Obdachlosigkeit, häuslicher Gewalt oder der Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien werden darüber hinaus Elisabeth Preuß und Roman Wlassow in der Zukunft noch zu besprechen haben. Die Zeit drängt, und die Gäste wollen das Vertrauen in die deutsche Pünktlichkeit nicht zu sehr erschüttern.

Elisabeth Preuß, Olga Gontscharowa, Anna Makarowa

Olga Gontscharowa hat schon in den 90er Jahren, als Stadt und Land noch tief in der politisch-sozialen Krise lebten, als sich neben den wirtschaftlichen Strukturen auch viele Familienbande auflösten und eine ganze Generation verlorenzugehen drohte, ein Zentrum für sozialpädagogische Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Eltern gegründet. All das unter einem Dach, was in Erlangen von verschiedenen Stellen des Jugendamtes geleistet wird, einem Dach das in den knapp zwei Dekaden seines Bestehens oft hat umziehen und ums Überleben hat kämpfen müssen, das aber auch in den schwersten Zeiten, wie die Gründerin anerkennt, von der Kommunalpolitik getragen wird. Mehr noch: Erst kürzlich wurden in dem Zentrum alle Schulpsychologen der Stadt aufgenommen, eine große zusätzliche Aufgabe für den kommunalen Haushalt. Aber offensichtlich ist die Einrichtung das den Stadträten wert. Denn hier werden nicht nur verhaltensauffällige oder lernbehinderte Kinder betreut, sondern man bezieht Eltern und Lehrer ganz eng ein in die pädagogischen Maßnahmen. Autismus und Aggression bei Kindern ist so ein Problem, das immer mehr Sorgen bereitet. Mögliche Themen für weiterführende Gespräche im Jugendamt Erlangen, zu denen Elisabeth Preuß einlädt, denkbarer Anlaß auch für einen Abstecher nach München zu Anton Hergenhan, Leiter einer heilpädagogischen Tagesstätte in der Landeshauptstadt, dessen Ansatz bei diesen Fragen in seinem Blog erhellend diskutiert werden: http://anton-hergenhan.blog.de

Gesprächsrunde im Rathaus

Um die Mittagszeit dann stellt Elisabeth Preuß sich und die Stadt Erlangen einem großen Kreis von Interessierten aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft vor. Komprimiert und kompetent zeichnet sie das Bild der Medizinstadt mit ihrem Integrationsleitbild, wo Universität und Siemens eine herausragende Rolle spielen und vorbildliche Umweltpolitik betrieben wird, wo es aber auch Probleme zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt gibt, die bis heute nicht gelöst sind. Das Interesse ist gewaltig, die Fragen vielfältig, die Wünsche nach Zusammenarbeit bunt gemischt, darunter Wladimirs Absicht, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auszubauen, wenig verwunderlich, wenn man die erfolgreiche Vergangenheit von Oberbürgermeister Sergej Sacharow als Geschäftsmann kennt. Nun soll geprüft werden, ob es sinnvoll ist, in Erlangen ein Büro zu eröffnen, das die Interessen der Wladimirer Wirtschaft in Franken und darüber hinaus vertritt. All die vielen anderen Anregungen lassen sich hier gar nicht aufzählen, aber sie bieten gewiß jede Menge Stoff aus dem nicht nur die Träume der Partnerschaft sind, sondern die bestimmt so oder anders einmal Gestalt annehmen. Noch nie war der Wunsch nach Zusammenarbeit greifbarer.

Swetlana Makarowa mit den Dankbriefen und Geschenken

Eine kurze Atempause zwischen den Terminen muß genügen, um Swetlana Makarowa, ärztliche Leiterin des Kinderkrankenhauses, Spenden in Höhe von 1.400 Euro zu überbringen. Wie diese Summe zusammengekommen ist, hat den Blog immer wieder beschäftigt, und schon bald wird von einer Aktion zu berichten sein, die in Tennenlohe zu Gunsten der Krebsstation der Klinik geplant ist. Da entwickelt sich etwas, das langfristige Hilfe verspricht. Aber wir wollen das hier noch nicht beschreien und uns lieber auf die konkrete Ankündigung beschränken, daß Prof. Wolfgang Rascher, Direktor der Erlanger Kinderklinik, mit seinem emeritierten Kollegen, Dieter Wenzel, Ende Juli nach Wladimir kommt, um den Medizineraustausch fortzusetzen.

Sergej Sujew und Elisabeth Preuß

Besonders bewegt ist Elisabeth Preuß von der Begegnung mit Sergej Sujew. Der Priester der Rosenkranzgemeinde versteht es fast im Handumdrehen, die Besucherin für sich und seine Sache einzunehmen. Es ist nicht nur die Jugendarbeit und der Austausch, der seit Jahren unter Leitung von Rolf Bernard das Erzbischöfliche Jugendamt, zur Partnerschaft wie das buchstäbliche Amen in der Kirche gehört. Die Verantwortliche für den interkonfessionellen und interreligiösen Dialog in Erlangen will lernen von den Erfahrungen der Rosenkranzgemeinde, die seit Jahren als Kommunikationszentrum für Orthodoxe, Altgläubige, Juden, Muslime, Protestanten und Katholiken dient. Sogar Buddhisten und Vertreter von Sekten treffen sich hier zum Austausch. Die Gemeinde darf sich völlig zu Recht als Visitenkarten Wladimirs fühlen, denn es sind gerade ausländische Delegationen, die hier immer wieder Station machen und von dem toleranten Klima in Wladimir erfahren. „Ich habe mich hier als Katholik noch nie als Mensch oder Christ zweiter Klasse gefühlt“, kann Sergej Sujew bezeugen. So etwas würde Elisabeth Preuß auch gerne von den Muslimen in Erlangen hören. Große Pläne hat die Gemeinde übrigens auch: Ein Pilgerheim, eine Art Kulturzentrum, soll entstehen, aus dessen Einnahmen die Gemeindearbeit finanziert werden könnte. Renovabis und Kirche in Not haben bereits zugesagt, die Hälfte der veranschlagten Kosten zu übernehmen, ein weiteres Drittel soll aus den USA kommen. Nun wird man klären, ob auch aus dem Erzbistum Bamberg Hilfe zur Selbsthilfe kommt. Jeden Versuch ist es sicher wert.

Die zweitägige Ewigkeit klingt im Garten des Erlangen-Hauses aus. Die Geschenke werden übergeben, vor allem der Defibrillator, der Russisch spricht, und den Feuerwehr-Chef Pawel Litow dankbar in Empfang nimmt. Er hatte sich bei seinem Besuch im Mai die Funktionen dieses lebensrettenden Geräts, in Erlangen von Corscience entwickelt, erklären lassen. Und nun kann er es – dank einer Gemeinschaftsaktion von Erlangen und Jena – schon selbst einsetzen und Menscben helfen, die ohne diesen Apparat, der sich und seine Funktionen selbst erklärt, sterben müßten. Aber der Abend, der erst gegen Mitternacht endete, als endlich auch die Professoren Werner Michl aus Nürnberg und Ulrich Lakemann aus Jena eingetroffen sind, die gemeinsam mit Wolfram Howein und Günther Allinger anderntags an dem von Alexander Bersenjew ausgerichteten Kongreß zu Fragen der Erlebnispädagogik als Referenten teilnehmen, dieser Abend nach einer zweitägigen Ewigkeit hat noch viele Menschen zusammengeführt, die in der Partnerschaft noch von sich reden machen werden.

Witalij Gurinowitsch und Wolfgang Morell

Wir wollen hier der Versuchung des Vorausgreifens nicht erliegen und uns einfach an dem freuen, was 70 Jahre nach Beginn des Unternehmens Barbarossa dank der Versöhnungsbereitschaft der Russen und des ehrlichen Umgangs der Deutschen mit ihrer Geschichte zwischen diesen einst so gegeneinander aufgehetzten Völkern möglich ist. Wolfgang Morell und Witalij Gurinowitsch – beide hier im Bild – machen es möglich. Und Sergej Sacharow ist noch immer tief beeindruckt: „Ich habe mir nicht vorstellen können, wie mächtig diese Kraft der Freundschaft und der Verständigung ist!“ Nun ist er selbst ein Teil von diesem Friedenswerk, und er wird sicher seinen Teil, einen großen Teil, dazu leisten.

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