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Posts Tagged ‘Peter Steger’


Hätte es den Blog damals schon gegeben, könnte Soja (als russische Variante von Zoe mit stimmhaftem S ausgesprochen) Litwinowa auf eine Vielzahl von inspirierenden Einträgen zurückblicken. So bietet leider nur eine zufällige Begegnung vor einem internationalen Folkloreabend am Montag in Wladimir Gelegenheit, das verdiente Licht auf diese außergewöhnliche Persönlichkeit und ihre Arbeit zu werfen. Von 1987 bis 2006 leitete Soja Litwinowa das im April 1945 geschaffene Kulturamt der Stadt Wladimir. Wenn es heute in der Partnerstadt noch immer die vielen Musik- und Kunstschulen, Bibliotheken, Galerien, Kleinbühnen und Ensembles, kurz die nach der Sowjetperiode von der Auflösung bedrohte Infrastruktur für alles Kreative, zu erleben gibt, ist das großenteils das Verdienst dieser ebenso resoluten wie charmanten Grande Dame, die es nicht nur trefflich verstand, Veranstaltungen auf akurate Weise administrativ vorzubereiten, sondern diese auch mit – man verzeihe das Oxymoron – pathetischer Leichtigkeit auf offener Bühne zu moderieren.

Soja Litwinowa und Peter Steger

Soja leitet sich vom griechischen Zoe her, das so viel bedeutet wie Leben. Und just dieses Leben hauchte diese begnadete Choreographin des internationalen Austausches auch der Städtepartnerschaft ein. Unter ihrer Regie fanden die großen Jubiläumsfeiern ebenso statt wie die kleineren Konzerte oder Lesungen. Mit ihren Erlanger Kollegen, Georg Leipold und Karl Heinz Lindner, besprach sie noch das letzte Detail, damit am Ende die große Sache auch gelinge. Kaum zu glauben, daß sie sich heute weitgehend auch aus der ehrenamtlichen Arbeit zurückgezogen hat. Andererseits: Warum soll sie nicht auch endlich einmal die Kultur einfach so genießen! So wie alle anderen auch, heute wie damals, als sie noch verantwortlich zeichnete – in einer schweren Zeit der sozio-kulturellen Umbrüche, an die sie aber gerne zurückdenkt, vor allem dann, wenn die Erinnerungen mit Erlangen zu tun haben.

Siehe auch: https://is.gd/k2yjTA

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Gestern erschien im Internetportal Zebra ein Artikel, der hier in voller Länge, ins Deutsche übersetzt, wiedergegeben wird.
In der Wladimirer Filiale der Regierungsakademie für Verwaltung und Wirtschaft ist für 2020 ein weiteres Treffen des internationalen Diskussionsforums „Prisma Erlangen-Wladimir“ geplant. Im 75. Jahr des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg wollen die Partnerstädte über die Bedeutung der Arbeit an der Bewahrung gesicherter Kenntnisse über die historischen Ereignisse nachdenken.
Владимир и Эрланген против искажения истории

Sergej Lawrow und Heiko Maas bei der Überreichung der Auszeichnung an Alina Kartuchina und Elisabeth Preuß für „Prisma“ und den „Wladimir-Blog“ am 14. September 2018 in Berlin

Russische und deutsche Fachleute werden Fragen der Bewahrung des historischen Gedächtnisses diskutieren. Die Begegnung unter Beteiligung von Beamten, Historikern, Veteranen und Jugendlichen ist für die zweite Junihälfte 2020 geplant. Der internationale Dialog ist dem 75jährigen Sieg im Großen Vaterländischen Krieg gewidmet. Durchgeführt wird die Veranstaltung in der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Verwaltung und Wirtschaft beim Präsidenten der Russischen Föderation.

Ich denke, es ist sehr wichtig, über das zu sprechen, was derzeit passiert, über die Achtung vor der Erinnerung von der einen wie von der anderen Seite. Wir besprechen, wie sehr es lohnt, heute die Ereignisse jener Jahre zu betrachten. Soweit ich weiß, ist das in der deutschen Gesellschaft, besonders bei der älteren Generation, eine richtige Herzensangelegenheit, und man empfindet ausgesprochen hohen Respekt gegenüber den Prozessen der Bewahrung des historischen Gedächtnisses. Betonen möchte ich, daß es sich um keine wissenschaftliche, sondern eine zivilgesellschaftliche Diskussion handelt. Wir wollen nichts verkomplizieren. Bei uns hört man beispielsweise häufig in dem Zusammenhang, irgendwo in anderen Ländern versuche man, die geschichtlichen Ereignisse verzerrt darzustellen. Vor diesem Hintergrund interessiert uns die Position der deutschen Seite. Es ist sehr wichtig, gemeinsam der Verzerrung der historischen Ereignisse und Fakten entgegenzuwirken. Die deutschen Partner unterstützen uns in dieser Hinsicht vollkommen. Dafür ist es notwendig, ständig im Dialog zu bleiben.

Direktor der Akademie und stell. Vorsitzende der Wladimirer Regionalduma, Wjatscheslaw Kartuchin.

Der Ort der Veranstaltung wurde nicht zufällig gewählt. Während der letzten drei Jahre bot die Akademie in Wladimir die Plattform für viele internationale Konferenzen, u.a. auch für das Diskussionsforum „Prisma Wladimir-Erlangen“. Am 9. September erörterten Wjatscheslaw Kartuchin, der Koordinator des Forums, und Peter Steger, in Erlangen für die Partnerschaft mit Wladimir zuständig, die Nuancen des bevorstehenden Dialogs zwischen beiden Städten.
Prisma

Wjatscheslaw Kartuchin und Peter Steger

Das Diskussionsforum „Prisma Wladimir-Erlangen“ wurde im April 2017 gegründet; das Protokoll über die Einrichtung der Dialogplattform unterzeichneten Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und ihr Kollege, Florian Janik, unter Mitwirkung von Wjatscheslaw Kartuchin mit dem Ziel, die aktuellsten Probleme unter Einbeziehung von Politik, verschiedenen Fachleuten sowie Vertretern der Institutionen unserer Zivilgesellschaften. Die Treffen finden in Deutschland wie in Rußland statt.

Die Begegnungen finden vielleicht nicht so häufig statt, dafür aber produktiv. In der Regel verwendet man auf die Beschäftigung mit einem Thema zwei Tage. Am ersten Tag diskutiert man die strittigen Fragen am Runden Tisch, hört Vorträge von Fachleuten an, während am nächsten Tag den Gegenstand der Diskussion in der Praxis erlebt. So war es beispielsweise bei der Begegnung zum Thema „Objektivität der Massenmedien unter den Bedingungen der Globalisierung“, als Wladimirer Journalistinnen die Möglichkeit erhielten, die Arbeit der deutschen Medien von innen kennenzulernen.

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Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Amil Scharifow, Prisma, November 2018 in Wladimir

Für uns ist Rußland alles andere als ein unterentwickeltes Land, ganz im Gegenteil. Natürlich gibt es auch hier – wie für jeden Staat – Probleme: Im Bereich der Abfallbehandlung ist noch viel zu tun, man hat viele Fehler begangen, die es bei uns in den 70er, 80er und 90er Jahren auch gab. Aber ich zuversichtlich, daß wir in all diesen Fragen aufmerksam und erfolgreich zusammenarbeiten werden. Für uns ist es als echte Partner Wladimirs zu verstehen wichtig, wo die Stadt Schwierigkeiten hat, aber auch, wo es erfolgreich läuft. Da kann man jedes Thema nehmen, sei es Bildung oder Medizin, der Wissenstransfer ist für die Fachleute immer von gegenseitigem Nutzen. Wir unterscheiden uns in vielen Fragen, aber uns eint das Bestreben, einander besser zu verstehen.
Peter Steger
In den vergangenen drei Prisma-Jahren diskutierte man Fragen der Migrationspolitik und Besonderheiten der Struktur einer starken Zivilgesellschaft. Eine der Schlüsselfragen wurde die Umweltverschmutzung. Dabei können nicht nur die Russen etwas von den Deutschen übernehmen, sondern auch die Deutschen können für sich interessante Projekte gewinnen. Anfang Oktober erwartet man in der Akademie eine Wirtschafts- und Fachdelegation aus Nordbayern, die einige Aspekte der Abfallbehandlung vorstellen wird. (Anm. der Blog-Redaktion: Diese Information stimmt so nicht. Es wird in der zweiten Oktoberhälfte zunächst nur ein Fachmann aus Erlangen zu dem Themenkomplex nach Wladimir reisen.)

Das Projekt „Internationales Diskussionsforum Prisma Erlangen-Wladimir“ gehörte zu den Siegern eines Wettbewerbs der herausragenden und innovativen deutsch-russischen Projekte. Die Partnerstädte Wladimir und Erlangen wurden von den Außenministern beider Länder „für den großen Beitrag zur Entwicklung der regionalen und kommunalen Zusammenarbeit“ zwischen beiden Ländern mit einer Urkunde ausgezeichnet. Der Preis wurde Vertreterinnen beider Städte vom russischen Außenminister, Sergej Lawrow, und seinem deutschen Kollegen, Heiko Maas, während der Abschlußveranstaltung des „deutsch-russischen Themenjahres der regionalen und kommunalen Partnerschaften“ überreicht.

Vor dem Projekt „Internationales Diskussionsforum Prisma Erlangen-Wladimir“ liegt nach Überzeugung beider Seiten eine große Zukunft und werde zweifellos noch seine Rolle bei der Entwicklung gutnachbarschaftlicher Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland spielen. Die Gründer des Prismas betonen, in einer Welt, wo es den Dialog auf auf unterschiedlichen Ebenen in dieser oder jener Intensität gebe, sei es besonders wichtig, festere und engere Beziehungen zwischen den jeweiligen Regionen und Kommunen zu bewahren.

Das Diskussionsforum gehört zu dem Netz russisch-deutscher Begegnungen, die es auf unterschiedlichen Ebenen gibt. Beispielsweise ist das der Petersburger Dialog, eine jährlich durchgeführte Plattform der Zivilgesellschaften beider Länder. Ich bin sicher, daß jene Jugendlichen oder Fachleute, die an unseren Treffen teilnehmen, auf ihre Weise weitergeben, was sie hörten und ihre Erkenntnisse nicht für sich behalten. Ich bin überzeugt, daß Prisma ein Kern ist, um den herum sich immer mehr neue und sinnvolle Verbindungen und Initiativen entwickeln.

Peter Steger

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Wjatscheslaw Kartuchin und Olga Dejewa

Die ersten Treffen der Diskussionsplattform zeigten, daß sowohl die russische als auch die deutsche Gesellschaft voneinander stereotypische Vorstellungen pflegt. Das rührt, wie Wjatscheslaw Kartuchin meint, von einem allgemeinen Mangel an ständigem Kontakt her.

Wir haben da so eine abstrakte Vorstellung, in Deutschland seien die Medien unabhängig von der Politik. Doch wenn es dann zum Meinungsaustausch kommt, zeigt sich, daß es viele Gemeinsamkeiten, aber auch Probleme gibt. Oft sind das sogar bei beiden die gleichen Probleme, die sich nur graduell unterscheiden. So interessiert sich die deutsche Öffentlichkeit etwa dafür, in welchen Formen sich das Ehrenamt in Rußland entwickelt, wie ökologische Probleme angegangen werden und vieles mehr. Die Perspektiven für Prisma sind sehr gut, da sich ständig neue Themen zur Diskussion stellen.

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Ludmila Bundina weiß, was sie will, und sie versteht es, andere dafür zu begeistern und mit vereinter Kraft ihre Ziele zu erreichen. Selbst ohne Eltern im Waisenheim Susdal aufgewachsen, lernte die Handwerkerin früh, selbst anzupacken und gründete im Dezember 2010 in Wladimir, wo sie heute im Stadtrat sitzt, die Organisation „Kinder des Krieges“, aus dem schon ein halbes Jahr später ein landesweit agierender Verband wurde, dem sie vorsteht. Das Schicksal derer, die zwischen dem 22. Juni 1928 und 3. September 1945 geboren, das Unheil des Zweiten Weltkrieges sowie der harten Jahre danach, geprägt von Entbehrung, Hunger, Verlust der Angehörigen und den Folgen des anschließenden Kalten Krieges, zu durchleiden hatten, steht im Mittelpunkt dieser Nichtregierungsorganisation, der es auf regionaler Ebene bereits gelungen ist, für besagte Altersgruppe Vergünstigungen und Sonderzahlungen der öffentlichen Hand zu erstreiten. Derzeit aber widmet die Lokalpolitikerin, unterstützt von Wiktor Baranow, Mitglied der Interessensvertretung, und Roman Alexandrow, Vorsitzender des Allrussischen Jugendverbandes, einen Großteil ihrer Zeit auf das Projekt, die Erinnerung jener Generation aufzubewahren: in Form von Briefen, Bildern, Gegenständen und sogar mit einem eigenen Museum. Noch in diesem Jahr soll nun ein Buch dieser gesammelten Zeitzeugnisse erscheinen. Und dann, möglichst zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, ein weiterer Band, ergänzt durch Beiträge aus Erlangen.

Wiktor Baranow, Ludmila Bundina, Peter Steger und Roman Alexandrow

Aus all den vielen Gesprächen in kleiner und großer Runde zum zentralen Thema des nächsten Jahres – 8./9. Mai: Tag des Sieges, Tag der Niederlage, Tag der Befreiung -, das gut vorbereitet sein will, ragt die gestrige Begegnung im Rathaus der Partnerstadt mit dem Trio besonders heraus. Denn, von dem Treffen angeregt, ergeht ab heute der Aufruf an alle, die als Kinder den Krieg und die Wirren danach erlebten, ihre Wahrnehmungen und Empfindungen von damals auf ein bis zwei Seiten aufzuschreiben und – falls gewünscht, auch anonymisiert – an peter.steger@stadt.erlangen.de zu senden oder per Post an Rathausplatz 1, 91052 Erlangen zu schicken bzw. persönlich im Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Erlangen abzugeben. Eine Jury trifft dann eine Auswahl unter den Einsendungen, die in das russisch-deutsche Buch Aufnahme finden; alle übrigen Beiträge erscheinen auf einer zweisprachigen Homepage, die in nächster Zeit freigeschaltet wird. An alle, die diesen Blogeintrag lesen, deshalb die Bitte, den Aufruf breit zu streuen, gern auch über Erlangen hinaus, um möglichst viele Menschen jener Generation zu erreichen. Weder inhaltlich noch formal gibt es Vorgaben. Nur einen Wunsch gibt Ludmila Bundina dem Gast noch mit auf den Weg: Es sollte doch unbedingt auch in Erlangen ein Verein der Kriegskinder gegründet werden, damit man sich auf direktem Wege untereinander austauschen könne. Wie gesagt, sie weiß, was sie will!

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Seine Schatten warf dieser Lauf schon lange voraus: Halbmarathon in Wladimir. Denn es ist nach wie vor ein formaler Prozeß abzuwickeln, bevor die Reise in die Erlanger Partnerstadt angetreten werden kann. Neuer Ausweis, ein Visum und und und… Parallel dazu läuft dazu ein anderer Prozeß ab: Training strikt nach Plan. Denn wir wollen ja mit unseren russischen Freunden mithalten können. Und so hatte ich mich entschlossen, mein Training doch wieder etwas hochzuziehen. Solange es die Knochen eben mitmachen. Mit Peter hatte ich zwar schon oft beim Training für unsere Ausdauer und bei so manchem Lauf in den Partnerstädten geschwitzt, nur nicht in den letzten, vielleicht entscheidenden Wochen vor dem HM, denn bei Peter entschied sich alles erst ganz kurzfristig. Ich dagegen hatte zwei Urlaube an der Ostseeküste in der Lübecker Bucht gute Bedingungen – alles lief nach Plan.

John Stackmann und Sergej Tschernow

Unsere Anreise klappte fast ausgezeichnet – bis auf den Abholer am Moskauer Flughafen. Schon auf der Zufahrt zeigte sich: Der Straßenverkehr hatte hier gegenüber 2013 enorm zugenommen. Am Erlangen-Haus konnten wir aufatmen und uns endlich strecken. Freundlich wurden wir von Swetlana Schelesowa und Nadeschda Sawina empfangen und konnten sogleich den überfälligen Spaziergang antreten. Auf der Hauptstraße ins Zentrum und zurück – kaum vorstellbar, daß hier übermorgen kein Reifen mehr rollte.

Aber so war es. Am Freitag hatten wir – nach Peters vielen Terminen – bereits unsere Startunterlagen geholt. Alles war perfekt organisiert. Ich stand auf dieser Liste ganz oben, welche Ehre 27 Jahre nach dem letzten Laufwettkampf hier, dem Wladimirer Golden-Ring-of-Russia-Marathon 1992!

John Stackmann

Ein schwarz-gelbes Funktionstrikot war auch im Startbeutel – nicht BVB – und ein 30%-Gutschein der Pizzeria “Papa John“. Gut, um Kohlenhydrate zu schaufeln für den Wettkampftag und sogleich von uns umgesetzt bevor es zum abendlichen Konzert ging.

John Stackmann und Peter Steger

Entlang der breiten verkehrsleeren Hauptstraße, der Laufstrecke, die wie eine Kammstraße über der Stadt thront, schlenderten wir am Samstag ab 11.30 Uhr – professionell präpariert – zum Startbereich. Da starteten gerade die 10 km, die ersten Läufer fegten wie irre los. Man konnte ihnen ansehen, daß sie das Tempo nicht lange würden durchhalten können. Bald darauf stürzte ein in gelb-schwarz gehüllter Läufer auf uns los, um uns mit überschwenglicher Freude zu begrüßen: Alexej Kruglow.

Mit den Freunden von Bodrost und Alexej Kruglow in der Bildmitte

Dann trafen wir noch mehrere vom Laufklub Bodrost, von denen auch fünf am HM teilnahmen, wie Olga Sagitowa mit Sohn Alexej und Nikolaj Petrow. Sechs Minuten nach dem um 13.15 Uhr geplanten Start ging es auch für uns los. Kurz davor war noch ein gordischer Knoten in Peters Schnürsenkeln zu lösen. Auch das gelang gerade noch.

Die 7-km-Runde, die dreimal zu laufen war, rochierte im Prinzip auf der Hauptstraße mit einigen seitlichen Schlenkern zwischen oberem und unterem Wendepunkt, zunächst angenehm abfallend, aber zurück teils anstrengend bergauf. Dafür galt es, sich genügen Körner aufzuheben. Wir hatten kurz vor dem Start die Pacemaker anhand ihrer Stern-Luftballons für 1:49 und 1:59 ausgemacht, Countdown und die gut 300köpfige Startermasse bewegte sich.

John Stackmann

Mit einigen schnellen Schritten war ich beim Luftballon-Mann. Der nahm mein Tempo auf und hielt es. 5:00 auf meiner GPS-Uhr, eben und leicht ansteigend, kurz nach der Kathedrale. Der Pacemaker taugte nicht. Nach km 1 war mir das zu schnell, ich ließ langsam abreißen, lief bei 5:08 am Erlangen Haus vorbei bis zur Wende und mit kurzen schnellen Schritten wieder bergauf, Peter abgeklatscht, nach dem Schlenker zum kleinen Stadion nahm ich ein Gel, trank erstmals und fand dann wieder bergan erst meinen Laufrhythmus bei km 6, bergan arbeiten und abwärts lange Schritte und erholen. So arbeitete ich mich langsam im Feld nach vorne, kämpfte und ließ nicht nach. Peter sah ich noch zweimal nach den beiden Wendepunkten, dann nicht mehr. Nach km 15 hatte seine Wade wieder keine Gnade, trotzdem finishte er mit seiner Willenskraft und im Finale mit Alexej Begleitung.

Aus dem Erlangen-Haus winkte mir fünfmal Nadeschda zu, Alexej war ständig präsent und brüllte “very good“ und machte Bilder und Othmar Wiesenegger, zwischenzeitlich erkrankt, war überraschend doch da und knipste, das gab Extrakraft!

John Stackmann

Mit mir lief ein Pärchen ohne Startnummern. Hat mich zwar geärgert und Kraft gekostet, aber auch gezogen. Fast bis zum Ziel, vor dem sie plötzlich aufhörten, während ich meine letzten Körner zum Zielspurt sammelte, um unter 1:55 zu bleiben. Meine Uhr zeigte 21,44 km und 1:54.43 an, offiziell waren es dann sogar nur 1:54:36. Das war’s also. Die Zwischenstation HM ist für mich demnach bei 1:52 gewesen, bei flacher Strecke doch in Richtung 1:50. Die Erlanger Ehre rettete ich als Dritter der M65. Ich war sehr zufrieden. Und Peter? Er lief nur 100m hinter seinem Pacemaker ein, schaffte die Strecke also knapp unter zwei Stunden. So gut kamen wir über die Runden!

Oberstadtdirektor Andrej Schochin und die drei Erstplatzierten in der Altersgruppe M65 mit John Stackmann

P.S.: Großes Lob an die Veranstalter mit Sergej Tschernow an der Spitze, denen es gelang, den mittlerweile dritten Wladimirer Halbmarathon nach internationalen Standards zu organisieren.

John Stackmann

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Nach dem Bericht der Erzieherin Natalia Tarakanowa https://is.gd/OWVQ6r über das Sozialpraktikum von sieben Waldorfschülerinnen aus Erlangen in Wladimir kommen nun auch einige der Mädchen selbst zu Wort:

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Katharina Bayer, Paula Politov, Eva Eger, Elisa Salzbrunn, Mona Schleicher , Johanna Hofmann und Maja Politov mit ihren russischen Begleiterinnen

Für zwei Wochen habe ich in Wladimir in einer Gastfamilie gelebt und dort ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert. Mir und meinen sechs Klassenkameradinnen ist besonders die außerordentliche Gastfreundlichkeit sofort aufgefallen. Schnell wurde uns aber auch klar: Mit Englisch werden wir nicht recht weit kommen. Das war allerdings überhaupt kein Problem, denn so kamen wir mit den Menschen noch näher in Kontakt! Mit meinen Gasteltern verständigte ich mich meistens pantomimisch, und so hatten wir stets eine Menge zu lachen:) Sehr positiv sind uns auch die öffentlichen Verkehrsmittel aufgefallen. Busfahrpläne gab es zwar keine, das war aber nicht weiter schlimm, da alle paar Minuten ein Bus fuhr und man somit sehr schnell von A nach B kam. Die Busse waren meist gut gefüllt, und somit hielt sich der Verkehr gut in Grenzen. Die russischen Kirchen sind zudem überall vorzufinden mit ihren wunderschönen Sahnehäubchen-Türmen. Besonders viele gab es davon in Susdal. Ich fühlte mich dort, wie in einem Märchenland. Jeden Tag kochte meine Gastmutter etwas typisch Russisches, was jedes Mal vorzüglich schmeckte. Einiges davon vermisse ich schon sehr, wie zum Beispiel Borschtsch, das ist eine Fleischsuppe. Wladimir hat mich auf jeden Fall an allen Ecken und Enden sehr positiv überrascht und ich möchte jedem ans Herz legen, dieses wunderbare Land einmal zu besuchen. Nach der Schule möchte ich meine Gastfamilie unbedingt ein zweites Mal besuchen kommen.

Johanna Hofmann

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Ich habe mein Sozialpraktikum vom 24. Juni bis 5. Juli in Wladimir, der Partnerstadt von Erlangen, in einem Waldorfkindergarten absolviert. Mit einer Freundin wurde ich sehr herzlich von einer netten Gastfamilie aufgenommen. Wir wohnten in einem schönen Einfamilienhaus. Die Familie hatte zwei Töchter im Alter von 15 und zwölf Jahren. Die Arbeit im Kindergarten hat mir auch gut gefallen, da die Kinder uns gegenüber sehr offen und nett waren. Zu unseren täglichen Aufgaben im Kindergarten gehörten u.a.: Gartenarbeiten, wie Blumen gießen und Unkraut zupfen, außerdem Tischdecken und Putzen. Mit den Kindern haben wir einige Spiele gemacht und ihnen beim Umziehen der Kleidung geholfen. Dies hat uns selbstverständlich am meisten Spaß gemacht, auch wenn die Verständigung oft nicht ganz einfach war. Wir konnten kein Russisch, und die Kindergartenkinder und unsere Gastfamilie kein Deutsch und kaum Englisch. Trotzdem haben wir uns alle sehr gut verstanden. Am Nachmittag haben wir uns oft im Erlangen-Haus getroffen und eine Gruppe von Jugendlichen beim Deutschlernen unterstützt. Es war sehr lustig, und es haben sich in dieser Zeit sogar ein paar Freundschaften entwickelt. Wir würden uns freuen, diese Leute auch einmal in Erlangen zu treffen. Meine Familie würde sich auch bereit erklären, russische Gastschüler aufzunehmen. Die Stadt Wladimir und der Ort Susdal haben mich mit ihren zahlreichen Kathedralen und Museen sehr beeindruckt. Besonders der Ausflug nach Moskau war nochmal ein „Highlight“ der Reise. Es ist eine sehr bunte, kulturelle Stadt, die mich mit ihrer Architektur zum Staunen gebracht hat. Der Besuch auf dem Roten Platz war für mich ein unglaublicher Augenblick. Das Land hat mich sehr überrascht, weshalb ich auch vorhabe, es noch einmal zu besuchen. Zu meiner Freude konnte ich noch ein paar Wörter aus meinem einwöchigen Russischkurs vom letzten Jahr abrufen, und auch das Lesen in russischer Schrift fiel mir zum Ende immer leichter. Ich bedanke mich bei der Stadt Erlangen und Peter Steger, die mir dieses Praktikum ermöglicht haben, und vor allem bei Heidi und Jürgen Binder für die Organisation, die Mühe und Fürsorge. Es war eine schöne Erfahrung mit bleibenden Eindrücken und Erlebnissen. Abschließend möchte ich sagen: „Ich kann jedem ein Praktikum bzw. einen Aufenthalt in einem anderen Land empfehlen.“

Katharina Bayer

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Als wir das erste Mal auf die Gastfamilien trafen und zu ihnen nach Hause fuhren, war es ein komisches Gefühl. Denn du kennst diese Menschen nicht und wirst für die nächsten zwei Wochen bei ihnen wohnen. Jede Familie hat schließlich ihre eigenen Gewohnheiten und Eigenheiten. Zudem kamen noch die anderen Gewohnheiten der Russen dazu, da es in diesem Land so üblich ist, zum Beispiel um 22 Uhr Tee zu trinken. Die Familien empfingen uns aber sehr nett. Am Anfang brauchte man natürlich seine Zeit, um sich an die „neue Familie“ zu gewöhnen, doch das ging sehr schnell. Die Russen sind nämlich sehr gastfreundlich und immer hilfsbereit und freundlich. Teilweise haben die Kinder der Familien im Wohnzimmer geschlafen, um uns ein Zimmer frei zu machen, was natürlich nicht selbstverständlich ist. Schließlich ist nicht jeder Mensch dazu bereit, fremde Jugendliche aufzunehmen und auch noch ein Zimmer frei zu machen. Wir hatten bei den Familien alles, was man brauchte. Auch das Essen war sehr gut. Einige Familien konnten nur wenig oder sogar überhaupt kein Deutsch (oder sie trauten sich nicht). Doch man konnte sich immer irgendwie verständigen. Mit Hand und Fuß ging es 😉 Und wenn gar nichts mehr geholfen hat, unterhielt man sich auch über den Google-Übersetzer. Allerdings kommt da teilweise so ein Schwachsinn raus, den man dann trotzdem nicht verstand. Doch irgendwie klappte es am Ende immer. Bei der Verabschiedung schenkten uns die Gastfamilien sogar noch etwas, obwohl ja wir zwei Wochen bei denen geschlafen hatten (natürlich schenkten auch wir unseren Gastfamilien etwas). Das war eine sehr nette Geste. Am Ende war es schwer, „Auf Wiedersehen“ zu sagen, man hatte ja schließlich eine Zeit mit dieser Familie verbracht und sich aneinander gewöhnt. Doch ein paar Familien werden auch nach Deutschland kommen, und darauf freuen wir uns sehr!

Mona Schleicher

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Der erste Eindruck war sehr spannend, da vieles anders als in Deutschland war. Wir (Johanna, Eva, Mona und Maja) wurden auf zwei Kindergärten aufgeteilt (Johanna & Eva kamen in einen staatlichen Kindergarten, Mona & Maja in den Waldorfkindergarten). Die Kinder waren zunächst schüchtern, aber dies verflog schnell. Manches war zunächst sehr fremd, doch mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Nach ein paar Tagen erlebten wir es als Alltag an, und wir konnten uns auf alles einstellen. Nach einer Woche durften Mona und Maja einen anderen, einen staatlichen Kindergarten kennenlernen. Beide Einrichtungen hatten ganz unterschiedliche Methoden, die Kinder zu betreuen. Fazit: Es hat sehr viel Spaß gemacht, den Kindergarten zu besuchen, und es war eine tolle Erfahrung.

Maja Politov

Siehe auch: https://is.gd/OWVQ6r

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Jetzt gibt es ihn doch noch nachgereicht, den Bildbeweis aus Düren zum gestrigen Beitrag über die XV. deutsch-russische Städtepartnerkonferenz. Nach dem Verlust der Kamera des Blog-Bildreporters konnte Jewgenij Sacharjewitsch vom Quartett WladJenaTeam aushelfen.

Peter Steger, Monika Tharann und Bill Boerum

Das gibt auch Gelegenheit zu einem schriftlichen Nachtrag. Die Arbeitsgruppe 6 mit dem Thema „Zivilgesellschaft gestaltet Städtepartnerschaften – Wege der Verständigung – Wege zum Frieden“ bot unter der Moderation von Monika Tharann, der Geschäftsführerin der Stiftung West-Östliche Begegnungen nämlich nicht nur Gelegenheit zur Vorstellung des Dreiecks Erlangen-Wladimir-Jena. Eingeladen waren auch Abdul Kahn, stellv. Vorsitzender des Stadtrats von Coventry in England und Mitglied im internationalen Städtenetzwerk Peace Messenger Cities, und Bill Boerum aus Washington, Vorsitzender a.D. der Sister Cities International. Gerade weil während des Kongresses so manche Spitze gegen die Politik Großbritanniens und der USA zu hören war, hätten die Beiträge der beiden Politiker mehr Aufmerksamkeit und ein größeres Podium verdient. Wer weiß denn schon, daß Stalingrad, das heutige Wolgograd, und Coventry sich als Symbole der Zerstörungswut im Zweiten Weltkrieg noch vor der Kapitulation des Dritten Reiches partnerschaftlich verbanden? Und wo liest man sonst von den Aktionen der Verständigung mit russischen Kommunen seitens amerikanischer Organisationen. Eine Volksdiplomatie, eine Bürgerverständigung, die es kaum in die Schlagzeilen schafft, dafür aber Menschen zusammenbringt, die im Innersten zusammenhalten, was den Frieden jenseits der großen Politik möglich und erlebbar macht.

Thomas Stroukov, Jewgenij Sacharjewitsch, Alina Wedechina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Jewgenia Bykowskaja und Jekaterina Ragusina

Und damit sind wir wieder beim WladJenaTeam, das es nun mit seinem eigenen Kanal auf youtube https://is.gd/fOewMK selbst in der Hand hat, auf sich aufmerksam zu machen – mit der administrativen und politischen Unterstützung von Alina Wedechina in Wladimir und, soweit erforderlich, auch seitens ihrer Erlanger Kollegin, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß. Und inhaltlich nehmen die Jugendlichen von der Tagung in Düren sicher das Thema „75 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus“ als Anregung mit nach Hause, um zu dieser 2020 anstehenden Frage einen eigenen Beitrag zu gestalten.

Mehr Bilder und Berichte zu der Konferenz, die gestern zu Ende ging, finden Sie hier auf der Facebook-Plattform des Deutsch-Russischen Forums, des bewährten und verdienten Ausrichters der Veranstaltung: https://is.gd/2YZ1C5

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Nach einer eher orientierungslosen Diskussionsrunde mit dem Titel „Quo vadis, deutsch-russische Beziehungen?“, die sich über weite Strecken auf dem deutungsvollen Feld der Politik oder besser deren Scheitern an den Fragen Krim und Ostukraine verlor, nahmen die sieben Arbeitsgruppen der XV. deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz schon am frühen Nachmittag ihre Fachgespräche und Diskussionen auf – von der Energieeffizienz über die digitale Stadt, Strategien einer nachhaltigen Entwicklung, der Zusammenarbeit in Wissenschaft, Kultur und Sprachförderung bis hin zu Inklusion und Teilhabe sowie dem Block „Zivilgesellschaft gestaltet Städtepartnerschaften“. In dieser Gruppe durfte auch der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, einen Kurzvortrag darüber halten, wie es zum Dreieck Erlangen-Wladimir-Jena kam und was diese trilaterale Verbindung auszeichnet. Da ist in erster Linie der bereits in den 90er Jahren aufgenommene Jugendaustausch zu nennen, und der legte gestern auch gleich richtig vor. Unter den 60 nach Düren eingeladenen Jugendlichen, die noch bis morgen tagen, fand sich nämlich auch ein Quartett aus Jena und Wladimir zusammen – mit dem Ergebnis:  Wir brauchen eine gemeinsame deutsch-russische Informationsplattform, das WladJenaTeam, damit man sich in beiden Städten durch u.a. Soziale Netzwerke über gemeinsame Programme informieren kann und auf diese Weise motiviert wird, selbst zu den Projekten beizutragen. Auf youtube ist denn auch schon ein Anfang gemacht, der hier mit einem Klick einsehbar ist: https://is.gd/fOewMK

Aber das eine ist es, eine virtuelle Welt zu schaffen, das andere – realiter zusammenzuarbeiten, sprich Begegnungen zu organisieren. Aber auch da braucht einem nicht bange zu sein: Schon im August kommt die nächste Jugendgruppe des Euroklub aus Wladimir zur Eurowerkstatt nach Jena und fast parallel eine weitere Delegation im Austausch mit der katholischen Jugend nach Erlangen. Beide übrigens unabhängig voneinander, ohne voneinander zu wissen, wie sich gestern im Gespräch herausstellte. Aber dafür gibt es ja jetzt die Informationsplattform. Wir werden sehen. Apropos sehen: An Aufnahmen vom gestrigen Tag sehen Sie ja heute eher wenig, denn dem Berichterstatter ist auf der Heimreise mit der Bahn bei einem verspätungsbedingt längeren Zwischenhalt am Fernbahnhof Flughafen Frankfurt die Kamera nebst Speicherchip abhanden gekommen.

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