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Posts Tagged ‘Peter Steger’


Um zehn Uhr setzte sich gestern bei strahlendem Sonnenschein ein schier endlos langer Zug von der Philharmonie Wladimir zum Platz des Sieges in Marsch: Kriegsveteranen, Politiker, Angehörige des Militärs, Musiker, Vertreter der gesellschaftlichen Organisationen, einfache Menschen und – in privater Mission als einziger Deutscher an diesem 73. Festtag des Sieges über den Faschismus – der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen, Peter Steger.

Wiedersehen: Stadtrat Schamil Chabibullin und Peter Steger

Anders als man es von den Fernsehbildern her kennt, die zumeist nur die Parade auf dem Roten Platz in Moskau zeigen, bleibt das militärische Element des Gedenktages in der Partnerstadt eher Beiwerk, auch wenn heuer mehr Fahrzeuge denn je im Einsatz kommen – vom historischen Studebaker bis zum modernen Mienenräumpanzer: mehr Gulasch als Kanonen, mehr Gastronomie als Artillerie, mehr Luftballons als Salutschüsse. Vor allem aber keine martialischen Töne in Richtung Westen, vor allem kein Wort des Vorwurfs an die Rechtsnachfolger des einstigen Gegners, der die Völker des Ostens hatte versklaven und vernichten, ihr Land und ihre Bodenschätze in Besitz nehmen wollen.

Unsterbliches Regiment

Im Mittelpunkt des nicht enden wollenden Zuges das „Unsterbliche Regiment“ – mit nach offiziellen Angaben – 22.500 Teilnehmern mit Portraits ihrer Angehörigen, die am Krieg teilnahmen. Mehr als 200.000 waren es aus der ganzen Region Wladimir, die ihre Heimat verteidigten. 153 trugen die Auszeichnung „Held der Sowjetunion“, 23 standen im Rang eines „Kavaliers des Ordens des Ruhmes“. Kaum einer von ihnen ist mittlerweile mehr am Leben. Allein in der vergangenen Woche verstarben acht Veteranen, 748 leben noch in der Region, 277 davon in der Partnerstadt, doch nur 20 wohnten der zweistündigen Veranstaltung auf dem Platz des Sieges bei.

Militärkolonne. Photo: Zebra-TV

Darunter Nikolaj Schtschelkonogow, der bereits 1991 die erste Veteranendelegation unter Leitung der Stadträte Heinrich Pickel und Martin Scheidig in Wladimir begrüßte und ein Jahr später selbst nach Erlangen kam, der deutschen Partnerstadt verbunden bis heute.

Wiedersehen: Peter Steger und Nikolaj Schtschelkonogow

Am 24. Juni 1945 hatte der Veteran, der mit 17 Jahren an die Front kam und beim Sturm auf Berlin dabei war, auf dem Roten Platz in Moskau an der Siegesparade teilgenommen. Und noch heute, mit fast 93 Jahren, bleibt er unermüdlich tätig als Zeitzeuge und Mittler zwischen den einstigen Gegnern. Welch eine Freude beim Wiedersehen an einem solchen Tag, welch bewegender Moment, wenn der Sohn eines Angehörigen der Waffen-SS mit dem Kavalier des Rotens Sterns und des Ruhms Blumen an der Ewigen Flamme niederlegen darf!

Gedenken: Nikolaj Schtschelkonogow und Peter Steger. Photo: Zebra-TV

Hier, wo jener 10.861 Wladimirer gedacht wird, die nicht aus dem Krieg zurückkehrten in ihre Heimatstadt, von wo aus 24.724 an die Front gezogen waren. Um diese Zahlen ins Verhältnis zu setzen: Knapp 70.000 Einwohner lebten hier damals. Welch ein Blutzoll für einen Ort, der hinter der Front lag. Nicht auszudenken, um wie viel der höher ausgefallen wäre, hätte die Rote Armee nicht die Wehrmacht vor Moskau aufhalten können.

Wiedersehen: Witalij Gurinowitsch mit Enkelin Eva und Peter Steger

Der Begegnungen sind noch viele an diesem Vormittag: mit dem Historiker Witalij Gurinowitsch, der wesentliche Forschungsarbeit zu den Kriegsgefangenenlagern in der Region leistete und noch immer mit Zeitzeugen und deren Angehörigen in Kontakt steht. Erst dieser Tage hatte er einen von ihnen aus Deutschland zu Besuch.

Wiedersehen: Anatolij Mitrofanow und Peter Steger

Mit Anatolij Mitrofanow, der ehrenamtlich am Sportaustausch mit Erlangen mitwirkt. Mit vielen anderen, die der Städtepartnerschaft und Völkerverständigung verbunden sind.

Bemerkt: Hier befand sich in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945 die Wladimirer Infanterieausbildungsstätte. Die Gedenktafel wurde zum 45jährigen Jahrestag des Sieges am 9. Mai 1990 angebracht. Wenige Schritte vom Erlangen-Haus entfernt, stadteinwärts gegenüber.

45.000 sollen es am Ende gewesen sein, die an den vielen Gedenkveranstaltungen und Feiern über den ganzen Tag hinweg an verschiedenen Orten teilnahmen. Das Fest eines Volkes, das sich ausgesöhnt hat mit den Deutschen. Wie es mit deren politischer Zusammenarbeit weitergeht, zeigt heute die erste Begegnung des neuen Außenministers, Heiko Maas, mit seinem russischen Kollegen, Sergej Lawrow. Und was gibt es Neues in der Städtepartnerschaft? Der Urlaub des Bloggers geht zu Ende, schon bald aber wird davon zu berichten sein, wie es weitergeht mit dem Jugendaustausch, denn gestern abend traf noch eine vierköpfige Gruppe aus Erlangen ein, die für den Sommer die nächsten Begegnungen plant. So ist das, und so ist das gut zwischen Erlangen und Wladimir: Die einen kommen, und die andern gehen, die feste Freundschaft aber bleibt bestehen.

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50 km nordöstlich von Wladimir entstand Ende des 19. Jahrhunderts eine Textilmanufaktur, um die herum man eine Arbeitersiedlung entstand. Die Geschichte der Kreisstadt mit ihren 12.000 Einwohnern reicht also noch nicht weit zurück in die russische Historie. Desto wichtiger ist der Ort für die deutsch-russische Erinnerung.

Ein Blumenkorb für die Toten

Hier nämlich, eine knappe Autostunde von der Partnerstadt entfernt, liegt die zentrale Gedenkstätte für die Kriegsgefangenen der Wehrmacht und ihrer Verbündeten, die im Hospital von Kameschkowo verstarben. 2007 eröffnete die Deutsche Kriegsgräberfürsorge das Gelände im Nordwesten des Ortes, wo vom August 1943 bis Mai 1948 auf einer Fläche von 8.000 qm insgesamt 1.511 Männer begraben liegen, 1.274 von ihnen einzeln bestattet, die übrigen in 37 Massengräbern.

Liste der Gefangenenlager in der Region Wladimir

Die Statistik des Todes weiß noch mehr: Ihre letzte Ruhe fanden hier 1.274 Deutsche, 152 Rumänen, 100 Ungarn, 81 Italiener, 60 Österreicher, 32 Moldawier, 15 Franzosen und ebensoviele Tschechen, 14 Polen, neun Jugoslawen, sechs Ukrainer, vier Russen je ein Jude, Lette, Luxemburger, Niederländer, Schwede und Norweger.

Ensemble der Gedenkstätte

Nicht ganz leicht zu finden ist die Gedenkstätte entlang einem Sandweg, der, vorbei an Wellblechgaragen, von der Umgehungsstraße in den Wald abbiegt. Kein Hinweisschild, aber die Einheimischen helfen den Fremden gern.

Gedenken für die ungarischen Gefangenen

An zwei Tagen in der Woche – bei Bedarf auch öfter – brachte man vom Hospital in Kameschkowo mit seinen bis zu 1.200 Betten die Toten mit Pferdegespannen und setzte sie – häufig zwei bis drei Leichen in einem Sarg – am Waldrand bei. Man hatte ihnen nicht mehr helfen können, zu entkräftet waren sie von der Front gekommen, zu sehr hatten ihnen Fleckfieber oder die Ruhr zugesetzt, zu schwer waren die Verwundungen gewesen. Wo es nicht einmal für die eigenen Leute genug Medikamente und Nahrungsmittel gab, grenzt es an ein Wunder, wenn gerade einmal zehn Prozent der mehr als 10.000 Patienten insgesamt verstarben. Und dann waren da ja auch noch die etwa 200.000 Versehrten der Roten Armee, die man in den 16 Krankenhäusern der Region Wladimir versorgte.

Gedenken an die italienischen Gefangenen

Schon auf dem Rückweg zum Auto und voller Gedanken an die so sinnlosen Opfer, dann der Kairos der Versöhnung. Vier Jungs, mit zwei Rechen bewehrt, kommen in Richtung Gedenkstätte und geben sich als Schüler zu erkennen, die hier, am Vorabend des Tages des Sieges, 73 Jahre nach Kriegsende, den Friedhof in Ordnung zu bringen, Äste zu entfernen, Maulwurfhügel einzuebnen… Welch eine Geste!

Peter Steger und die Friedhofsgärtner

Im Gespräch erzählt das Quartett, sie besuchten die Schule Nr. 2, und man kümmere sich da ehrenamtlich um die Gedenkstätte, es handle sich ja um die gemeinsame Geschichte. Die Gäste sollten doch einmal dort – es folgt eine genaue Wegbeschreibung – vorbeischauen.

Im Einsatz auf dem Gelände des Friedhofs

Ohne jede Anmeldung kommt man da gleich in ein Klassenzimmer, wo gerade über die Bedeutung des Kriegsendes gesprochen wird. Vor einigen Jahren schon hat die Schule eine Art Patenschaft für die Gedenkstätte übernommen und gibt diese Tradition von Jahrgang an Jahrgang weiter. Da liegt es nahe, daß sich die beiden Deutschlehrerinnen, Julia Tarbejewa und Ludmila Natscharowa, nichts mehr wünschen als einen Austausch mit einer Schule in Deutschland. Dem Wunsch kann bei so viel Enthusiasmus sicher entsprochen werden.

Zu Gast in der Schule Nr. 3, Kameschkowo

Jedenfalls hört die Klasse gebannt dem unerwarteten Gast aus Erlangen zu und bedankt sich auch noch mit einer Friedenstaube. Wieder so ein Kairos am 8. Mai, 73 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches.

Eine Friedenstaube für Peter Steger

Auch in der Schule Nr. 3 ist der Besuch aus Deutschland nicht angekündigt, aber hochwillkommen. Gerade sitzt eine Klasse im eigenen Museum, sieht sich die Arbeiten des Wladimirer Künstlers Witalij Rybakow an – nach Motiven des Stücks von Bertold Brecht „Furcht und Elend des Dritten Reiches“.

Ausstellung mit Arbeiten von Walerij Rybakow in der Schule Nr. 2

Passend zu der Geschichte der Schule, in deren Mauern just das Hospital untergebracht war, wo die kranken Kriegsgefangenen zu zweit und zu dritt auf zusammengeschobenen Betten lagen.

Exponat im Museum der Schule Nr. 2

Im Museum, das fast die Hälfte des Obergeschosses einnimmt, neben landeskundlichen Exponaten zur Geschichte von Kameschkowo eine ganze Reihe von Gebrauchsgegenständen aus dem Besitz der Kriegsgefangenen, eingetauscht bei den Einheimischen gegen Lebensmittel.

Exponate des Museums in der Schule Nr. 2

Swetlana Kudrjaschowa kennt die Geschichte der Schule wie kaum jemand sonst. Als Koautorin eines Buches berichtet sie nicht nur über die einstigen Schüler und Lehrer, sondern auch eingehend über das Schicksal der Kriegsgefangenen und natürlich des Personals.

Swetlana Kudrjaschowa und Peter Steger mit einer BMW der Wehrmacht

Sogar deutsche Ärzte waren eingesetzt und arbeiteten mit russischen Krankenschwestern zusammen, die sich zunächst aus Furcht vor ansteckenden Krankheiten gegen die Aufnahme der Kriegsgefangenen gewehrt hatten. Verständlicherweise. Schließlich starben auch einige von ihnen an Typhus, sogar der Frisör aus dem Ort überlebte eine Ansteckung im Hospital nicht.

Korridor des einstigen Krankenhauses, heute Schule Nr. 2

Ein weiteres Gebäude gab es und einen Dorfklub, wo die Gefangenen Russisch lernen und Theaterstücke einstudieren konnten, die sie dann auch mit großem Erfolg aufführten, darunter den „Faust“ oder das Puschkin-Stück „Mozart und Salieri“ – alle Rollen mit Männern besetzt.

Außenansicht Schule Nr. 2

Zeitzeugen leben kaum noch, aber die Schule bewahrt das Gedächtnis an jene schwere Zeit. Swetlana Kudrjaschowa hofft sogar, eines Tages den ganzen oberen Trakt des Schulgebäudes für ihr Museum nutzen zu können. Dann werden noch mehr Kinder und Jugendliche aus der Stadt und dem Landkreis erfahren, was sich hier vor sieben Jahrzehnten zwischen Russen und Deutschen abspielte.

Außenansicht der Schule Nr. 2, Kameschkowo

Gerade einmal noch 760 Kriegsveteranen leben heute in der Region Wladimir. Ihnen gelten heute die Ehre und der Dank für die Befreiung Europas vom Faschismus – unter unsäglichen Opfern.

Stadtkirche mit Schule Nr. 2 im Hintergrund, Kameschkowo

Wer, wenn nicht wir Deutsche haben heute Grund, den Russen für die Vergebung zu danken, für die Versöhnung, für die ausgestreckte Hand. Welch ein Glück, dies vor Ort erleben zu dürfen.

Platz des Sieges, Kameschkowo

Gleich was wir derzeit politisch aneinander auszusetzen haben: Uns eint der feste Wille, nie wieder gegeneinander in den Krieg zu ziehen. Dieses Moment sollte mehr einigen als alles andere trennen kann. Ergreifen wir den Kairos, wie er gestern in Kameschkowo zu erleben war!

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Es gibt ungezählte Menschen in Wladimir, bei denen man sich nicht zu Gast, sondern zu Hause fühlt. Aber ein Besuch bei Guram Tschjotschjew trägt doch eine besondere Note. So oft man auch schon der Einladung des Orthopäden gefolgt sein mag, dieser Hohepriester der kaukasischen Gastfreundschaft hält immer wieder eine Überraschung parat, dieser Großmeister der Tischreden sprengt das eine um das andere Mal jede Vorstellung.

Peter Steger und Guram Tschjotschjew

So auch gestern abend, als er die Mappe der Stadt Erlangen mit dem Arbeitsprogramm für die erste große Ärztedelegation im April 1991 präsentiert. Der heutige 58jährige Professor von Weltruf war damals der jüngste in der Gruppe, aber wohl auch der lernbegierigste, der seine Deutsch-Lektionen bis heute beherrscht. Neben all dem Fachlichen – er bezeichnet sich als Vertreter der „deutschen Schule“ – lernte der Nordossete vor allem eines: die ethische Verantwortung gegenüber dem Patienten. Sein Lehrmeister damals am Waldkrankenhaus – Dietrich Hohmann, der, bereits 62 Jahre alt, eine junge Frau, die sich vor einen Zug geworfen und dabei alles gebrochen hatte, was sich nur brechen läßt, 26 Stunden lang operierte und rettete. „Nur um auszutreten oder eine Tasse Kaffee zu trinken verließ der Professor den OP“, erinnert sich der Gastgeber mit Bewunderung. „Und wie oft legen heute Ärzte schon nach zwei oder drei Stunden das Besteck beiseite und behaupten, es sei nichts mehr zu machen…“

Arbeitsprogramm für Ärztedelegation April 1991

 

Guram Tschjotschjew im Freundeskreis

Damals, in Erlangen, lernte der Hobby-Diätologe auch den Wert des Geldes schätzen. 120 DM erhielten die via Moskau und Prag per Bahn angereisten Gäste zur Begrüßung in einem Umschlag. Damals, vor fast drei Jahrzehnten, als es in Wladimir sogar Zündhölzer nur gegen Bezugsscheine gab, eine „phantastische Summe, für die alle anderen in der Gruppe kräftig einkauften.“ Guram Tschjotschjew hingegen, der sich sogar noch an die Stückelung des Betrags erinnert, schickte je einen Zehn-Mark-Schein an zwei Freunde, die bis heute die Banknoten als Talisman in ihrem Portemonnaie mit sich tragen. Und den Rest? Den steckte er in den Bau seines Hauses, in dem er heute all die Gäste aus Erlangen empfängt. Welch eine Investition in die Partnerschaft, in die Freundschaft!

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Von allen Medizinkontakten zwischen Erlangen und Wladimir erweisen sich die Verbindungen der Pädiatrie als die beständigsten. Seit 1990 im Kinderkrankenhaus die ersten Hilfskonvois eintrafen, besteht auch der ärztliche Austausch zwischen den Partnerstädten, und seit 1999 spendet auf Initiative von Christine Delfs, Lehrerin an der Heinrich-Kirchner-Schule, alle Jahre wieder in der Adventszeit ihr Taschengeld bzw. verkauft Leckereien in der Pause zu Gunsten der kranken Kinder in Wladimir. 300 Euro sind dieses Mal zusammengekommen, eine Rekordsumme, die vor allem auf der Krebsstation Freude machen soll, wie Swetlana Makarowa, ärztliche Direktorin des Krankenhauses, bei der Übergabe versichert.

Peter Steger und Swetlana Makarowa

Gebastelte, gezeichnete und gemalte kleine Kunstwerke gehen im Gegenzug als Dankeschön nach Erlangen. Aber auch schon als Grundstock für eine Ausstellung, die 2019 zum zwanzigjährigen Jubiläum der Aktion an der Heinrich-Kirchner-Schule zu sehen sein wird. Wie eng die kreative Bewältigung der Krankheit hier Erlangen und Wladimir verbindet, zeigen die vielen Bilder in den Korridoren, die 2008 im Rahmen des Projekts „Heimat“ entstanden, wo, unterstützt von Soroptimist International, Kinder Einblicke in ihre Vorstellung von Heimat gaben.

Weltkarte der Kinder mit Swetlana Makarowa und Peter Steger

Eine Freude für alles Sinne ist es mittlerweile, die Klinik zu besuchen: hell und farbenfroh die Gestaltung und patientenorientiert die Verwaltung. Vorbei die Zeiten der Warteschlangen. Bei der Anmeldung bekommt man zentral alle notwendige Auskunft bis hin zur Terminvergabe.

Anmeldung

Und die Ausstattung? Auch die mittlerweile auf modernstem Niveau. Dabei war man ohnehin immer vorne mit dabei. Etwa als – ebenfalls im Rahmen einer Aktion von Soroptimist International – 2001 hier ein gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen eingerichtet wurde. Das erste seiner Art in der ganzen Region. Erst in jüngster Zeit gibt es diese Angebote auch andernorts, die Politik hat am Beispiel von Wladimir landesweit die Notwendigkeit solcher Beratungs- und Therapiemöglichkeiten für junge Frauen verstanden und handelt nun.

Gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen

Nur ein großer Wunsch ist noch nicht erfüllt: das Perinatalzentrum für Wladimir. Zwar, so Swetlana Makarowa, sei man stolz, mittlerweile sogar Frühgeburten mit einem Gewicht von 450 Gramm gesund groß zu bekommen, aber es bleibe noch einiges in der Neonatologie zu tun. Möglichst gemeinsam mit den Kollegen aus Erlangen, von denen man schon so vieles gelernt und übernommen habe.

Heimat

Für diese Erfolge steht eine kontinuierlich sinkende Kindersterblichkeit. Auf 1.000 Geburten kommen statistisch nur noch fünfeinhalb Todesfälle. Schon ganz nah an den Daten für Deutschland, die bei etwa dreieinhalb Toten liegen – und weit entfernt von den fast zweistelligen Zahlen aus den 90er Jahren. Schön, wenn die Partnerschaft dazu – etwa mit den ersten Inkubatoren oder einem Rettungswagen – etwas hat beitragen können.

Heimat

Als Pjotr Dik im August 2002 in Worpswede während eines Studienaufenthalts unerwartet mit gerade einmal 63 Jahren verstarb, hinterließ der deutsch-russische Künstler seiner Witwe, neben all seinen Graphiken und Gemälden auch das gemeinsam erbaute Haus in Susdal. Von hier aus organisiert Kira Limonowa bis heute Ausstellungen ihres Mannes im ganzen Land.

Das Haus von Peter Dik

Aber hier, bei der Architektin des Erlangen-Hauses, gehen auch nach wie vor Musiker, Maler und Meister des Wortes ein und aus – wie die Lyrikerin Jekaterina Zwetkowa, die auch als Filmemacherin tätig ist und der italienisch-spanischstämmige Nicolas Celoro, in Paris geboren, und derzeit als Pianist auf russischen Bühnen zu erleben. Der kosmopolitsche Komponist arbeitet derzeit an einem Werk über Susdal. Bis zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Rothenburg im Sommer dürfte der Maestro die Arbeit zwar kaum abschließen, aber vielleicht ist sie ja später einmal in Erlangen zu hören. Bis dahin begnügen wir uns mit einem Epigramm von Jekaterina Zwetkowa:

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger

Ich fand im Schreibtischfach auf einem Fetzen Papier die Notiz: Ich lebe, wenn ich Gedichte schreibe, einfach einer Eingebung folgend, schlicht in die Welt hineinhörend… Mehr noch liebe ich es, zu schweigen und in der Stille zu verharren. Und wenn man einen andern schätzt und mag, ist man mit ihm schweigend viel glücklicher, weil die Worte… Sie sind zu einer gewaltigen zerstörerischen Kraft geworden.

Blickfang in Susdal an der Kamenka

So soll denn auch dieser Bericht mit einem stillen Blick auf Susdal glücklich enden.

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Wer den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir verfolgt, weiß, welche herausragende Rolle der Medizinaustausch spielt. Da nimmt es denn auch nicht wunder, wenn man beim Besuch des Regionalkrankenhauses, am Stadtrand jenseits der Kljasma gelegen, auf viele bekannte Gesichter trifft.

Iwan Seliwjorstow, Ljubow Bykowa, Majra Bulanowa und Peter Steger

Ljubow Bykowa, seit gut zwei Jahren ärztliche Direktorin des 800-Betten-Komplexes, kennt Erlangen von einem Besuch in ihrer damaligen Funktion als stellvertretende Leiterin des regionalen Gesundheitsamtes und berichtet gern von den vielen organisatorischen Veränderungen, die sie dank dem Austausch einführen konnte, während  Iwan Seliwjorstow, Radiologe und Koordinator des Rotary-Austausch-Programms vor allem das konkrete Fachwissen betont, das bei den Hospitationen in Franken auf den neuesten Stand gebracht wird. Etwas, das auch Majra Bulanowa, stellvertretende Leiterin des Krankenhauses, verstärkt fördern will.

Alexej Junjew

Erfreulich zu sehen, wie sich innen wie außen alles zum Besseren, um nicht zu sagen zum Besten, verändert hat. Etwa eine halbe Milliarde Rubel flossen in den letzten Jahren in bauliche Maßnahmen und die technische Ausstattung. Kein Vergleich mehr mit dem, was sich hier noch vor zehn oder gar zwanzig Jahren dem traurigen Blick des Gastes bot. So ist nun ein Austausch möglich, der wegkommt vom ursprünglich humanitären Ansatz, der sich ganz den Inhalten und der Fortbildung widmen kann.

OP der Neurochirurgie

Bei der Ausstattung findet man auf Schritt und Tritt Firmenlogos aus Deutschland, sogar der OP-Tisch, über den sich der Neurochirurg Nikolaj Nikitin besonders freut, ist made in Germany. Freilich hätte man gern noch mehr von deutschen Herstellern gekauft, wenn da nicht die hohen Preise wären, derentwegen ein weltweit agierender Elektrokonzern aus Erlangen unlängst bei einer Ausschreibung außen vor blieb.

Deutsches Gerät im Einsatz

Auch Andrej Mnjow, Oberarzt der Neurologie und kundiger Führer durch sein Reich, kennt Erlangen aus eigener Anschauung. Und so entstehen bald Ideen für neue Austauschprojekte, denn das Krankenhaus will sich neu organisieren und erweitern. Der Masterplan des Universitätsklinikums in der Partnerstadt könnte da für Wladimir eine gute Blaupause abgeben.

Andrej Mnjow, Peter Steger, Anna Judina und Nikolaj Nikitin

Und – auch der Austausch im Bereich der Pflegekräfte soll vorankommen, ein besonderes Anliegen von Oberschwester Anna Judina.

Zentrum für Surdologie und Mikrochirugie des Ohrs sowie Kind-Interhören

Wer also in der Region Wladimir, immerhin so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz zusammen, vor Ort in den Kreiskrankenhäusern nicht ausreichend versorgt werden kann oder keinen Platz mehr findet, ist hier gut aufgehoben. Die Sterblichkeit liegt unter dem landesweiten Schnitt, die Zimmer und Behandlungsräume zeigen sich licht und freundlich, und das Personal erweist sich als motiviert. Schließlich freut man sich auch schon auf den nächsten Fachbesuch aus Erlangen: Jürgen Binder und ein Medizinstudent der FAU haben ihr Kommen für Anfang Juni angekündigt.

Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale im Abendlicht

Aber auch die Politik weiß die Bedeutung des Medizinaustausches zu schätzen. Nicht von ungefähr ist deshalb Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses „Rotes Kreuz“, zum gestrigen Abendessen mit Oberbürgermeisterin Olga Dejewa geladen. Seine Klinik unterhält bereits seit Ende der 80er Jahre Kontakte zur Chirurgie in Erlangen, und die will man weiter ausbauen, gerade auch – siehe oben – im Bereich der Pflegekräfte, deren Bedeutung für die Therapie zunehmend in den Fokus gerät.

Marina und Jewgenij Jaskin, Wjatscheslaw und Olga Dejew, Peter Steger

Schließlich wird sogar noch diskutiert, ob man nicht auch ein Schmerz-Zentrum einrichten sollte, nachdem es doch nach Erlanger Vorbild bereits gelungen ist, Palliativstationen zu eröffnen. In der Sache wird man also bald schon Fachbesuch aus Wladimir erwarten dürfen. Willkommen!

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Wie die Pracht der orthodoxen Kirche mit der Macht des russischen Staates mittlerweile nach den sieben Jahrzehnten der Trennung vom und der Verbannung aus dem öffentlichen Leben unter der kommunistischen Herrschaft wieder verbunden ist, zeigt in Wladimir das Denkmal mit der Figur des Fürsten von Wladimir, der sich 988 nach dem byzantinischen Ritus hatte taufen lassen und darauf das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Mit dem Schwert in der Hand.

Wladimir der Täufer vor der im Wiederaufbau befindlichen Freitagskirche

Die Freitagskirche, 1960 abgerissen, wird nun mitten im Zentrum von Wladimir wiederaufgebaut und bekam den Täufer der Kiewer Rus als Patron zur Seite gestellt. Eher eine Randbeobachtung am gestrigen 1. Mai, dem „Tag des Frühlings und der Arbeit“, der natürlich auch in der Partnerstadt gefeiert wurde.

Festzug zum 1. Mai

Doch anders als es der Name der Partei der Macht „Einiges Rußland“ suggeriert, ist es mit den politischen und gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten nicht mehr so weit her. Die Kommunisten verweigerten sich nämlich dem einheitlichen Aufmarsch und machten ihr eigenes Ding im Stadtpark mit Musik und Feldküche, weil ihnen die Position der Gewerkschaften als zu lasch und staatstragend erscheine.

Festzug zum 1. Mai vor dem Goldenen Tor

Dennoch setzte sich der Festzug um 10 Uhr in beachtlicher Länge vom Goldenen Tor bis zum Kathedralenplatz in Marsch, wo sich schließlich etwa 5.000 Menschen versammelten, um der Musik und den Reden zu lauschen.

Festliche Straßensperrung zum 1. Mai

Anders als früher, noch gemeinsam mit den Kommunisten, kaum ein Wort über die internationale Solidarität, über den weltweiten Kampf für die Rechte der Arbeitnehmer. Dafür viel patriotischer Kampfgeist, bei dem man freilich nie so recht weiß, inwieweit er auch tatsächlich die Köpfe erreicht und begeistert.

Feierlaune zum 1. Mai

Aufhorchen machte allerdings eine junge Frau, Mitglied der paramilitärischen patriotischen Bewegung „Junge Garde“, die, in Kadettenuniform gewandet, ein Kampfgedicht aus eigener Feder vortrug, in dem sie im Namen der Kämpfer in der Ostukraine der russischen Politik für die Unterstützung dankte und ihr Elaborat mit der Mahnung gipfeln ließ, auf die Ruinen des Reichstags werde man eines Tages das Wort „Donbaß“ schreiben.

Kulturprogramm zum 1. Mai

Derlei martialische Rhetorik will der Blog für sich sprechen lassen und lieber den Blick wieder dem Thema der Verständigung zuwenden. Gegen Mittag nämlich traf im Erlangen-Haus ganz kurzfristig angekündigter Besuch ein. Hochwillkommen und mit erfreulichen Nachrichten. Jan Kantorczyk, seit zwei Jahren in der Deutschen Botschaft Moskau als Leiter des Kulturreferats tätig, besucht derzeit mit seiner Frau – privat – zum ersten Mal Wladimir und Susdal, ist aber mit der Städtepartnerschaft schon länger vertraut. So hat er für den Erlanger Chor „Vocanta“ am 1. Juni in Moskau – zum Abschluß der Wladimir-Tournee – in der Kathedrale St. Peter und Paul zu Moskau einen Auftritt organisiert: sicher der Höhepunkt dieser Konzertreise. Und dann ist der Botschaftsvertreter auch noch dabei, den Wladimirer Künstler, Wladimir Chamkow, nach Erlangen zu vermitteln. Mehr noch, die Partnerstädte könnten sogar Restmittel für die Förderung von Kulturveranstaltungen aus einem Botschaftsprogramm beantragen.

Peter Steger mit Jelena und Jan Kantorczyk

Viel Zeit blieb dem Ehepaar im Erlangen-Haus leider nicht, denn Wladimir und Susdal wollen ja noch erkundet werden, und da wartet auch schon länger Alexander Papin aus Melenki, einer Kreisstadt im Süden der Region, der zu einer Reise in die deutsch-russische Vergangenheit einlädt.

Gedenkstein für Karl Türmer

Am Wegrand der 150-km-Strecke, für die man mit dem Wagen gute zweieinhalb Stunden braucht, liegt ein Gedenkstein für Karl Türmer, 1999 errichtet von der Forstverwaltung zum 175. Geburtstags des Deutschen, der in dem später nach ihm benannten Ort Tjurmerowka im Landkreis Sudogda die nachhaltige Waldnutzung eingeführt hatte. Die Inschrift lautet denn auch „Deiner Hände Werk – ein Diamant aus Wald“. Mehr zu diesem Werk unter: https://is.gd/5QYkF7

Gedenkkreuz für deutsche Kriegsgefangene

Ziel der Reise ist aber Sokolje, etwa elf Kilometer von Melenki entfernt mitten im Wald gelegen. Auf der Karte ist gar keine Straße mehr eingetragen, die zu dem Ort führt, und in der Tat erlebt man hier augenfällig das Sterben der russischen Dorfkultur. Gestorben sind hier aber auch Soldaten der Wehrmacht, eingesetzt beim Torfabbau. Alexander Papin, der seine Familie als Moskau-Pendler ernährt, weil es vor Ort kaum noch Arbeit gibt, hat die Begräbnisstätte eher zufällig entdeckt. Auf seinen Radtouren machte ihn ein Einheimischer auf den Friedhof im Wald aufmerksam.

Alexander Papin und Peter Steger

Weitere Nachforschungen ergaben, daß hier tatsächlich vor 1945 16 Deutsche beigesetzt wurden, alle aus dem Lager Sokolje mit der Nummer 190/22. Die Idee ist nun, die Namen der Kriegsgefangenen zu recherchieren und dann ein kleines Mahnmal zu errichten, möglichst mit einer Erneuerung des Denkmals für die sowjetischen Gefallenen des Orts.

Sokolje

Damit die Gebeine nicht ganz anonym ruhen, hat Alexander Papin ein provisorisches Birkenkreuz über die Gräber gelegt. Auch ein Hinweisschild hat er selbst entworfen. Aber das ist ihm nicht genug. Die Erinnerung läßt ihn nicht ruhen: „Uns Russen und Deutsche verbindet so viel über die Gräber hinweg. Das müssen wir auch klar zeigen.“

Kreuzung im Wald

In Sokolje, einst eine blühende Siedlung mit allem, was man fürs Leben brauchte, kennt man den Pfadfinder der Geschichte als den „Mann mit dem Fahrrad“ und spricht ihn auch so an, um gleich die Frage folgen zu lassen: „Und, was ist mit den Deutschen?“

Alexander Papin im Gespräch mit Einwohnern von Sokolje

Aus eigenem Erleben erinnert sich niemand mehr an die Gefangenen, die Alten sind gestorben oder „nicht mehr ganz richtig im Kopf“, aber die Erzählungen der Eltern und Großeltern leben noch fort. In Holzbaracken lebten die „armen Kerle“, harte Arbeit hatten sie zu verrichten, bewacht wurden sie kaum, denn wohin hätten sie auch schon fliehen wollen in dieser Einöde…

Hauptstraße von Sokolje

Im Lager, von dem keine Zeugnisse mehr erhalten sind, herrschte demnach eine ganz eigene Ordnung, nach der die Gefangenen meist selbst übereinander Gericht hielten. Wenn jemand gegen die Regeln verstieß, ahndete man das selbst, weil jeder Übeltäter ja den eigenen Leuten schadete: „Wegen dir müssen wir alle noch länger hier bleiben“, hieß es dann.

Willkommen im Dorfklub Sokolje

Vom Hunger erzählten die Eltern und Großeltern – und davon, daß man den Deutschen immer wieder Brot über den Zaun warf, um das sie sich dann balgten, für das sie sich aber auch immer bedankten. Kein Groll ist da mehr herauszuhören, eher Verständnis: „Man hat sie doch in den Krieg gezwungen, das waren ja oft noch ganz junge Burschen, die gar nicht wußten, was sie taten. Hoffentlich passiert so etwas nie wieder.“

Aushang vor dem Dorfklub

Von den einst 1.000 Einwohnern der in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründeten Arbeitersiedlung leben heute noch weniger als einhundert in Sokolje. Die Jugend ist längst fortgezogen, geblieben sind die Alten; nicht einmal Datschen von Städtern stehen hier. Kein Laden, kein Kindergarten, kein Arzt, die Busverbindung ist eingestellt. Nicht einmal einen Gemeindefriedhof findet man. Das Leben endet hier.

Abschied vom Dorfleben

Über die Gräben des Torfabbaus und die Gräber der Gefangenen hinweg bleibt nur die Erinnerung. Und die verbindet. Wenn es tatsächlich gelingen sollte, hier eine Gedenkstätte einzurichten, würden die Einheimischen gern dabei sein: „Das ist doch unsere gemeinsame Geschichte, und wir tragen euch Deutschen nichts nach. Ihr seid uns immer willkommen.“

Glanz der Kreuze in Murom

Ob die schneidige junge Frau im Militäraufzug am Morgen auf der Tribüne vor der Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale in Wladimir eine Vorstellung davon hat, was Krieg bedeutet? Ob sie ihre Worte zu Ende gedacht hat? Friedrich Nietzsche nannte den Krieg den „Winterschlaf der Kultur“. Gestern wurde dem das Erwachen des Frühlings entgegengesetzt, der Aufbruch zu noch mehr Austausch und Verständigung. Vielleicht zu wenig, zu hilflos, aber gewiß auch stärker als wir manchmal selbst zu glauben wagen.

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Heute beenden Nicole Kobjoll-Setzer und Ehemann Marcel sowie ihr Sohn Max ihren Aufenthalt in Wladimir. Eingeladen hatte Anna Schukowa, Vorsitzende des regionalen Hotel- und Gaststättenverbands, die kurz vor Weihnachten den Schindlerhof in Boxdorf mit dem Ziel besucht hatte, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erkunden.

Anna Schukowa, Nicole Kobjoll mit Ehemann Marcel Setzer und Sohn Max sowie Peter Steger

Nun war es an den Gästen, die mit Klaus und Renate Kobjoll für den internationalen Erfolg des vielfach ausgezeichneten Schindlerhofs stehen, erst einmal zu sehen, in welchen Bereichen eine Kooperation mit Wladimir möglich und sinnvoll wäre. Da kann eine Besichtigung des Erlangen-Hauses nie schaden, wo schon, die Bauphase eingerechnet, seit 25 Jahren Tag für Tag bewiesen wird, wie fruchtbar ein deutsch-russisches Gemeinschaftsunternehmen wirken kann, wenn man es richtig angeht. Bleibt der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir nur zu wünschen, daß sie nun auch noch eine gastronomische Note erhält. Eine Bestnote.

Mehrzweckhalle in Susdal

Wie es gemeinsam gehen kann, sehen die Gäste auch bei einem Abstecher nach Susdal, wo nicht nur der riesige, vor 40 Jahren errichtete Hotel- und Kongreßkomplex am Rande der Stadt runderneuert wird, sondern auch mit Traumblick auf das architektonische Märchen aus dem russischen Mittelalter ein modernes Freizeitzentrum entsteht, das den bis zu 700 Gästen des Hauses ebenso wie Touristen und Einheimischen zur Verfügung stehen soll.  Geplant und projektiert in Zusammenarbeit mit dem Studio Gollwitzer, vermittelt durch die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir.

Amphitheater in Susdal

Hinter diesem Erfolg steht Oleg Schukow, ein russischer Selfmademan, von der Art, wie man sie dem Land – gern in größerer Zahl – nur wünschen kann. Der Bauunternehmer hat bereits im Mai 2010 Kontakt zu Erlangen aufgenommen, als er sein Spaßbad zu konzipieren begann, das verschiedener bürokratischer Hemmnisse wegen erst jetzt Gestalt annimmt. Mehr dazu unter: https://is.gd/qKiKwh

Oleg und Anna Schukowa mit Familie Kobjoll-Setzer, Peter Steger sowie Max und Gleb

Ein Erfolg, der freilich nicht möglich wäre ohne die politische und administrative Unterstützung durch Sergej Sacharow, den ehemaligen Oberbürgermeister von Wladimir und jetzigen Stadtdirektor von Susdal, vor seiner politischen Karriere selbst Unternehmer. Wenn 2024 Susdal im Glanz seiner Geschichte das tausendjährige Jubiläum feiern kann, wird das ganz wesentlich diesen beiden kreativen Machermännern zu verdanken sein.

Peter Steger und Sergej Sacharow

Der Vollständigkeit halber sei nur noch vermerkt: Susdal und Rothenburg feiern heuer auch schon 30 Jahre Partnerschaft, damals vermittelt und angeregt von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg. Dito: Eine Partnerschaft, wie man sie den Ländern – gern in größerer Zahl – nur wünschen kann.

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