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Posts Tagged ‘Peter Steger’


„Wie hätte ich denn da zu Hause bleiben sollen?! Da gab es doch gar keinen Zweifel“, erwiderte gestern Swetlana Makarowa mit ihrem so gewinnenden Lächeln die erstaunten Fragen, warum sie denn eigens den weiten Weg nach Erlangen auf sich genommen habe, um an der gestrigen Abschiedsfeier für Wolfgang Rascher teilzunehmen. „Wir haben in Wladimir ihm und seinem ganzen Haus unendlich viel zu verdanken, und dafür meine Verbundenheit zu zeigen, ist kein Weg zu weit.“

Wolfgang Rascher, Swetlana Makarowa und Dieter Wenzel

Die ärztliche Direktorin des Regionalen Kinderkrankenhauses in der Partnerstadt weiß, wovon sie spricht. Als Pulmologin nahm sie vor drei Jahrzehnten dort die Arbeit auf und erlebte 1990/91 als stellvertretende Leiterin der Klinik den Beginn der Aktion „Hilfe für Wladimir“, für ihr Haus koordiniert von Dieter Wenzel, mit all den Lieferungen von medizinischem Gerät, Medikamenten, Lebensmitteln, Verbrauchsmaterial, begleitet von Hospitationen und Fortbildungen an der Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Erlangen.

Swetlana Makarowa, Elisabeth Preuß und Florian Janik

Seit elf Jahren leitet sie nun selbst das Krankenhaus mit 325 Betten, wo Kinder aus der ganzen Region behandelt werden. Und das immer besser – seit der Zusammenarbeit Erlangen, die Erfolge von der Einführung der Peritonealdialyse bis zu den Standards bei der Krebstherapie aufzuweisen hat.

Swetlana Makarowa und Peter Steger

Aber, man merkt es der Pädiaterin an, es ist mehr als nur die materielle Hilfe und der Wissenstransfer, für den sie zu danken kam. „Es geht tiefer, viel tiefer“, betont sie denn auch in ihrem Grußwort, das sie auch an die Stadtspitze, prominent vertreten durch Oberbürgermeister, Florian Janik, und Bürgermeisterin, Elisabeth Preuß, die beide die Klinik in Wladimir und die kindermedizinische Erfolgsgeschichte kennen. Dieses „Tiefer“ darf man getrost Freundschaft nennen, Verbundenheit, die mit dem gestrigen Tag nicht endet. „Es geht weiter“, bestätigte diesen Eindruck der nach 20 Jahren im Amt des Klinikdirektors scheidende Wolfgang Rascher. „Und jetzt habe ich ja mehr Zeit, auch für Wladimir.“

Swetlana Makarowa und Wolfgang Rascher

Da fügt sich auch das Geschenk ins Bild, ein Gemälde des Goldenen Tors, als „Anerkennung für einen goldenen Menschen, der hoffentlich bald wieder kommt und durch das Goldene Tor in unsere Stadt tritt.“ Noch aber darf der Gastgeber nicht abtreten. Der bereits berufene Nachfolger bog im letzten Augenblick in eine andere Richtung ab, und so wird Wolfgang Rascher, dessen segensreichem Wirken die Erlanger Nachrichten gestern eine ganze Seite widmeten, noch bis März 2019 weiter die Geschicke seiner Klinik leiten.

Swetlana Makarowa und Klemens Stehr

Wenn schon der Nachfolger nicht im Publikum saß, dann doch der Vorgänger, Klemens Stehr, von 1977 bis 1998 Direktor der Klinik, unter dessen Ägide die Zusammenarbeit mit Wladimir ja begann, und der, bereits emeritiert, 2001 die Partnerstadt im Rahmen einer Rotary-Delegation besuchte. Für Swetlana Makarowa ein besonderer Tag, bewegend, tiefergehend…

Und hier geht es zum Reisebericht von Wolfgang Rascher: https://is.gd/9bQwhm

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Die deutsch-russischen Beziehungen sind Jahrhunderte alt. Immer wieder hat es intensive und distanzierte Zeiten gegeben. An vielen Stellen merken wir, wie die Welt um uns herum turbulenter, unberechenbarer und chaotischer geworden zu sein scheint. Die uns so vertraute Weltordnung formiert sich neu, vielerorts wird das vermeintliche Ende der „westlichen Weltordnung“ konstatiert. Gerade jetzt müssen wir mit Rußland im Gespräch bleiben und Inseln der Kooperation ausloten. Dies gilt nicht nur, um Konflikte wie in Syrien und der Ukraine zu lösen, sondern um der Entfremdung unserer Gesellschaften entgegenzuwirken.

Harry Scheuenstuhl MdL, Dirk Wiese MdB, Carsten Träger MdB und Peter Steger, gesehen von Franz Rabl

Daher ist es wichtig, einen Kontakt und Austausch zwischen den Gesellschaften aus beiden Ländern, insbesondere der jüngeren Generation, zu intensivieren. Dialog beruht auf reden, reden, reden und so vielen Begegnungen wie möglich. Nur so können wir sich verfestigenden Vorurteilen entgegenwirken. Schon heute gibt es zahlreiche Initiativen im Jugend- und Kulturbereich, in der Zusammenarbeit von Hochschulen und Wissenschaft sowie Städtepartnerschaften.

So war es in der Ankündigung zur gestrigen Diskussionsveranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion am späten Vormittag im Gasthaus „Zum Scharfen Eck“ in Neustadt an der Aisch zu lesen, bei der auch die vielfältigen Erfahrungen der Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir zur Sprache kamen, von Carsten Träger, MdB, gar als „vorbildlich“ für andere deutsch-russische zivilgesellschaftliche Kontakte bezeichnet.

Lissy Gröner im Publikum, gesehen von Heike Gareis

Im Mittelpunkt des gut besuchten Treffens, an dem u.a. auch die frühere Abgeordnete des EU-Parlaments, Lissy Gröner, und Bürgermeister, Klaus Meier, teilnahmen, standen aber die Ausführungen von Dirk Wiese, MdB und seit dem Frühjahr Nachfolger von Gernot Erler im Amt des Koordinators für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Rußland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft. Dem Vorstandsmitglied im Petersburger Dialog gelang es, das Publikum schon nach wenigen Sätzen davon zu überzeugen, auf wie vielen Ebenen bei allen gegenwärtigen Problemen auf höchster Ebene der deutsch-russische Meinungs- und Gedankenaustausch gepflegt werde, wie wichtig der Bundesregierung neben den offiziellen Kanälen besonders die bürgerschaftlichen Begegnungen zwischen unseren Ländern seien.

Dirk Wiese (2. v.l.) bei der Podiumsveranstaltung des Deutsch-Russischen Forums in Berlin am 14. September 2018

Dabei wolle man es nicht bei guten Worten und hilfreichen Gesten belassen. 17 Millionen Euro, so der Sauerländer, der bereits vor einer Woche in Berlin bei der Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums auf dem Podium saß, habe man zur Förderung dieser Kontakte im laufenden Jahr in seinem Etat zur Verfügung, drei Millionen mehr als 2017. Und – es könnten noch mehr Mittel werden. Dabei sind da die Zuschüsse noch gar nicht eingerechnet, die man bei der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, beim Bundesverband der Deutschen West-Ost-Gesellschaften oder bei der Stiftung West-Östliche Begegnungen beantragen kann.

Peter Steger, Vortrag zur Partnerschaft mit Wladimir, Neustadt / Aisch, gesehen von Franz Rabl

Der Politik sind diese Verbindungen zwischen unseren Ländern also durchaus etwas wert, und wenn man noch weiß, wie großzügig die Deutsche Botschaft mittlerweile Visa im Rahmen der Städtepartnerschaften ausstellt, kann kein Zweifel daran bestehen, wie sehr Berlin an guten Beziehungen zu Moskau gelegen bleibt – entgegen so manchem Eindruck und trotz allen Differenzen. Leider – das gehört eben auch zum Bild – fehlt es auf russischer Seite an ähnlichen Fördermöglichkeiten für den Austausch.

Dirk Wiese bei seinem Vortrag, Neustadt / Aisch, gesehen von Franz Rabl

Doch zurück zum gestrigen Morgen. Da kam auch noch ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema auf: die Integration der Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der UdSSR. Diese, so Klaus Meier, sei gerade auch dank einem großen bürgerschaftlichen Engagement mittlerweile weitgehend gelungen und vollzogen, obwohl es auch in Neustadt in Zusammenhang mit dem „Fall Lisa“ (das angeblich von Flüchtlingen in Berlin entführte Mädchen) leider zu einer Demonstration gekommen sei, die ihn sehr traurig gemacht habe. Insgesamt aber, so das Fazit auch für Erlangen, wo den Projekten „Sputnik“ und „Begleiter“ ebenso wie dem Verein „Brücken“ viel zu verdanken ist, seien die Menschen angekommen, niemand spreche in seiner Stadt mehr von der „Stalinallee“.

Carsten Träger, Dirk Wiese, Harry Scheuenstuhl und Peter Steger, gesehen von Franz Rabl

Eine gesamtgesellschaftliche Leistung, die heute schon fast vergessen scheint. Millionen von Spätaussiedlern, die dort, von wo sie kamen, oft als „Deutsche“ oder gar „Faschisten“ beschimpft und in der neuen historischen Heimat dann als „Russen“ bezeichnet und ausgegrenzt wurden, fühlen sich nun hier angenommen und zu Hause. Etwas, so ein Besucher der Veranstaltung, das auch an das Wort von Angela Merkel im Hinblick auf die Flüchtlinge glauben lasse: „Wir schaffen das!“

P.S.: Danke an den Bildreporter Franz Rabl, der in seiner Zeit als Forstamtsdirektor in Erlangen aktiv am Austausch mit Wladimir teilnahm.

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Das Goldene Tor mit Sergej

Das Wahrzeichen Wladimirs ist das Goldene Tor, erbaut als westliches Stadttor 1164. Es ist ein sehr gut erhaltenes Beispiel russischer Militärarchitektur aus dem 12. Jahrhundert. Heute vom Verkehr umtost, war es früher Teil der Wall-Befestigungsanlagen. Hier treffe ich mich mit Sergej, einem Deutsch-Schüler meiner ‚Gastmutter‘  Irina Dolganowa. Er studiert in Moskau Englisch und Deutsch und freut sich über die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Wir besuchen die sehenswerte Militärausstellung im Goldenen Tor.

Goldenes Tor

Im Jahr 1238 fiel Wladimir den mongolisch-tatarischen Eroberern zum Opfer. Dieses traumatischen historischen Ereignisses wird in Multimedia hinter einer riesigen Glaswand gedacht. Eine realistische Abbildung des westlichen Stadttors, des Goldenen Tors, im eisigen Winter mit Blick auf die Wallanlagen und die weite Ebene zeigt die damalige Schlacht in all ihrer Brutalität. Überall kämpfende Soldaten, zerfetzt, blutend, mit Speeren im Körper, Tote und Erfrorene. Alles ist in in blau-weiß-rotes Licht getaucht, die russischen Nationalfarben. Dazu erzählt in Überlautstärke eine mächtige, sonore, schwebend-feierliche Stimme von der historischen Schlacht, die zum Abstieg Wladimirs führte. Es läuft einem kalt den Rücken herunter vor lauter martialischer Feierlichkeit. Vor der Glaswand Fahnen und Gewehre aus Kriegen der späteren Jahrhunderte, z.B. gegen Schweden oder die Türkei.

Panorama des Mongolensturms

Die oberen Gänge werden gesäumt von Portraits der sowjetischen Helden aus dem Zweiten Weltkrieg, dem Großen Vaterländischen Krieg. Interessante Karikaturen gegen Hitler, Mut-mach-Plakate für die Sowjetarmee beim Marsch nach Westen gegen Nazi-Deutschland und Photos vom Einmarsch nach Berlin und dem brennenden Reichstag.

Am Ende der Ausstellung wird quasi als Zeichen der friedlichen Zusammenarbeit heute der Raumanzug von Walerij Kubassow, dem Kosmonauten aus der Region Wladimir, in russisch-amerikanischer Weltraummission (Sojus-Programme) gezeigt.

Sergej und der Raumanzug von Walerij Kubassow

Diese Ausstellung ist besonders interessant für deutsche Besucher, weil sie einen Blick auf den Zweiten Weltkrieg aus Sicht der russischen Seite zeigt. Das ist sehr ergreifend und macht einem einmal mehr die Sinnlosigkeit eines Krieges deutlich.

Ein Junggesellinnenabend im deutschen Max Bräu

In Wladimir gibt es seit 2014 ein deutsches Brauhaus mit Namen Max Bräu. Dort schenkt man verschiedene leckere Biersorten nach dem Rezept des deutschen Braumeisters Hans Maurer aus und serviert Deftiges zum Essen. Ein- oder zweimal im Monat wird ein Quizabend ausschließlich für Frauengruppen angeboten.

IQ-Junggesellinnenabend. Es spielen nur Damen!

Irina fragt, ob ich Interesse hätte, als Zaungast dabei zu sein und mit ihr dabei an der Theke ein leckeres Bier zu trinken. Hatte ich natürlich. Ihre Freundin Swetlana fährt uns mit ihrer schwarzen Limousine hin.

Das Sudhaus der Max Bräu

Der Saal faßt mindestens 250 Personen. Das riesige messingblitzende Sudhaus von der bayerischen Caspary GmbH gibt einem das original-bayerische Brauhausgefühl.  Es hatten sich 34 Frauengruppen, also insgesamt etwa 170 Frauen, angemeldet, um ihre Intelligenz im Wettbewerb gegeneinander zu messen. Drei Frauen moderieren die Veranstaltung sehr kurzweilig und mit Niveau. Die Fragen – oft in Form von Bilderrätseln – aus Film, Literatur, Musik, Film und Allgemeinwissen werden auf sechs riesige Leinwände projiziert. Die Frauen sind mit Freude dabei, denken nach, beraten sich, kauen an den Stiften und jubeln über ihre richtigen Antworten. Die drei Siegergruppen erhalten Preise wie Freibier, Blumen oder Sekt.

Im Saal der Max Bräu

Das Startgeld geht an karitative Institutionen. Die Organisation von Irina und Swetlana für behinderte Kinder hat schon einmal davon profitiert. Ihre Gruppe landete diesmal leider „nur“ auf Platz 4.

Russisch-bayerische Gemütlichkeit im Max Bräu

Die Frauengruppen haben zum Teil sehr witzige Namen, unter denen sie antreten wie „Mutterschaft ist nicht alles“, „Die bessere Rippe Adams“, „Rüschi-Plüschi“, „Ohne Wäsche“, „Die Frigiden“ (Wortspiel im Russischen mit: „Die Spiegeleier“) und viele andere. – Ein sehr vergnüglicher Abend!

Künstlern in Susdal über die Schulter geschaut

Es gäbe noch viel zu erzählen. Etwa von den Ausflügen nach Bogoljubowo, nach Jurjewez, von der Bootsfahrt auf der Wolga, vom Besuch im Filzstiefelmuseum in Kinesсhma mit den größten Filzstiefeln der Welt, vom Auflug in die wunderschöne kleine Museumsstadt Susdal und von den Abschlußtagen in Moskau. Über vieles davon wurde schon im Blog berichtet. So beschränke ich mich auf meine Erlebnisse in Wladimir.

Mariä Schutz und Fürbitt am Nerl

Ich bedanke mich bei allen, die diese Reise zu einer ganz besonderen gemacht haben: Irina Dolganowa, Anna Lesnjak, Irina Chasowa und Peter Steger, der mir die Tür dazu geöffnet hat.

Hanns Jasse

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Der „Blog-Redakteur“, (wie Peter Steger in diesem Blog gelegentlich auf sich selbst Bezug nimmt), hat neben vielen positiven auch eine negative Eigenschaft, nämlich eine über das verträgliche Maß hinausgehende Bescheidenheit. Daß hinter dem täglichen Blog viel mehr steckt, als das Schreiben eines Textes und die Suche nach passenden Bildern, ist dem aufmerksamen Leser allerdings offensichtlich. Profunde Allgemeinkenntnis, ausgedehnte Recherchen (die man bei so manchem Profi der schreibenden Zunft vermißt), Reisen fast bis ans „Ende der Welt“, körperliche Fitness, wache Augen und Ohren, Interesse für alles und jeden, der oder das mit Rußland oder Wladimir zu tun hat, nicht zuletzt die Bereitschaft, Geld einzusetzen, das sind nur die vordergründigen Eigenschaften, die es braucht, um seit mehr als 1.000.000 Klicks täglich und pünktlich zum Frühstück Qualität zu liefern.

Viel wichtiger als all dies aber sind ein weites Herz, ein kritisches Hirn und offene Hände, Antennen also, um all das zu empfangen, was die Städtepartnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen seit 35 Jahren bietet. Und diese drei, überall grundlegenden Zutaten, nämlich Herz, Hirn und Hand, die hat Peter Steger im Überfluß und setzt sie zum Wohle der ihm anvertrauten Städtepartnerschaften ein, neben Wladimir sind das noch Jena, Cumiana, Stoke-on-Trent, Riverside, Bozen, Umhausen und die Patenschaften für die Heimatvertriebenen aus Brüx und Komotau.

Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Als tägliche Leserin des Blogs, als gelegentliche Autorin und vor allem als Teil der Erlanger Stadtspitze seit mehr als 15 Jahren weiß ich: Es braucht für das Gelingen von Städtepartnerschaften immer (mindestens) drei Beteiligte: 1. eine Stadtspitze, die hinter den Partnerschaften steht und diese (gemeinsam mit dem Stadtrat) mit 2. ausreichend Personal ausstattet und 3. eine Bürgerschaft, die die Partnerschaft mit Leben füllt.

All dies ist in Erlangen gegeben, die Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis und Florian Janik standen und stehen dazu, daß sich im Sachgebiet „Internationale Beziehungen“ drei Mitarbeiter mit zweieinhalb Stellen darum kümmern, die Städtepartnerschaften eben nicht nur auf dem Schild am Ortseingang stehen zu lassen. (Anm. d. Redaktion: Gegeben sind glücklicherweise auch eine Konstellation und Kondition der Amts- und Sachgebietsleitung sowie des ganzen Teams – Helmut Schmitt, Herbert Lerche, Sabine Lotter und Silvia Klein sind da zu nennen -, die kreatives Arbeiten befördern, in Verwaltungen angeblich nicht gottgegeben.)

Peter Steger aber hat noch eines drauf gelegt und neben der Organisation von Reisen, offiziellen Terminen, Austauschprogrammen, Festakten, Jubiläen, Firmenkontakten und vielem mehr vor zehn Jahren begonnen, diesen Blog zu schreiben, nicht ahnend, wie sehr dieser nicht nur eine engmaschige Chronik, sondern auch ein wertvolles Archiv werden würde.

Im heißen Juli 2018, vor wenigen Wochen, als wieder einmal eine Delegation aus Wladimir in Erlangen weilte, erwähnte ich in meinem Redebeitrag vor den Gästen zum wiederholten Mal voller Dankbarkeit und Bewunderung den Blog. Ich sagte sinngemäß: „Gäbe es einen Nobelpreis für Blogs, Peter Stegers Blog hätte ihn als erster verdient.“ Und so war meine Freude riesengroß, als kurz darauf das Deutsch-Russische Forum unter dem Vorsitz von Matthias Platzeck diesen Blog und das Gesprächsforum „Prisma“ für einen Preis vorschlugen, der am vergangenen Wochenende von den Außenministern beider Länder, Sergej Lawrow und Heiko Maas, persönlich in Berlin überreicht wurde.

Diese hohe Anerkennung für Peter Steger adelt seinen Blog und, lieber Peter, um den Kreis zu schließen: Bei aller geziemender Bescheidenheit: Akzeptiere einfach, daß Du wegen hoher Verdienste zurecht mit der Ehrenbürgerwürde von Wladimir ausgezeichnet wurdest, daß es seinen Grund hat, wenn Du in Wladimir bekannt bist, wie der berühmte bunte Hund, vor allem aber, wenn Wladimir von der Verwaltungsspitze über unzählige Schulen, Unternehmen, Vereine, Organisationen, Veteranenverbände und Friedensinitiativen Dir eine tiefe Wertschätzung und Verbundenheit zeigen, von der Du Dir jedes Jota verdient hast!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Anmerkung der Redaktion: Die Erlanger Nachrichten berichten heute ausführlich zum Thema, und auf der Homepage http://www.deutsch-russisches-forum.de sind Pressestimmen aus ganz Deutschland zu der Veranstaltung vom Freitag zu finden, erfreulicherweise auch mit Links zu der Berichterstattung des Blogs: https://is.gd/LsTUfF

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Es wurde ja bereits angekündigt: Zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ sollte es mit der Auszeichnung herausragender Projekte im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eine Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben. Preisträger der Blog, den Sie gerade lesen, und das Gesprächsforum „Prisma“, das Sie aus der Lektüre des Blog bereits kennen.

Sergej Lawrow, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß und Heiko Maas

Mehr als 250 Projekte hatten sich beim Deutsch-Russischen Forum, dem für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung nicht genug gedankt werden kann, um die Urkunde beworben, die gestern im Außenministerium zu Berlin Heiko Maas und Sergej Lawrow am späteren Nachmittag an die 30 von der Jury ausgewählten Partnerschaftspaare überreichten. Einzig Erlangen und Wladimir wurden dabei mit einer doppelten Urkunde ausgezeichnet.

Im Wimmelbild der Ausgezeichneten: Alina Kartuchina und Elisabeth Preuß

Für Erlangen nahm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Auszeichnung entgegen, selbst häufig mit eigenen Beiträgen im Blog vertreten und regelmäßige Leserin der Plattform, aus Wladimir war zu der Zeremonie Alina Kartuchina angereist, die selbst Ende Januar d.J. als Jugendvertreterin an dem Diskussionsforum „Prisma“ teilgenommen hatte und die Partnerschaft schon vom Schüleraustausch her bestens kennt. Eine gute Wahl also, eine gute Vertretung für Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die ihren Besuch kurzfristig hatte absagen müssen, weil das Ergebnis der Gouverneurswahlen vom vergangenen Sonntag eine Stichwahl am übernächsten Sonntag notwendig macht und somit Präsenzpflicht für alle Kommunalpolitiker gilt.

Die Partnerschaftsdelegation: Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Mit dabei aber auch die Historikerin, Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neue und Neueste Geschichte an der FAU und Sprecherin von Prisma deutscherseits, sowie Jürgen Ganzmann, seit 1999 mit seinen Projekten im Bereich Behindertenarbeit und Psychiatrie einer der großen Akteure der Partnerschaft.

Alina Kartuchina und Peter Steger

Warum nun die Auszeichnung für den Blog? Unter den mittlerweile offiziell geführten 105 deutsch-russischen Städtepartnerschaften ist er wohl das einzige Medium, das seit nunmehr zehn Jahren Tag für Tag über den Austausch berichtet und dabei bereits deutlich über eine Million Aufrufe zu verzeichnen hat. Mehr noch: Den aktuell 3.860 Einträgen stehen 1.172 Kommentare gegenüber, die – all die Gastbeiträge gar nicht berücksichtigt – beweisen, welch ein interaktives Leben diese Internetplattform führt. Es ist also eine Auszeichnung nicht nur für den ehrenamtlichen Betreiber des Blogs, sondern vor allem auch für Sie alle, die jetzt gerade diese Zeilen lesen. Ohne Ihre Rückmeldungen, Kommentare, Ermunterungen, kritische Anmerkungen und eigenen Beiträge wäre der Blog längst wieder eingestellt. Danke also an Sie alle!

Großer Saal, voller Saal im Außenministerium zu Berlin

Vor dem Preis floß dann aber auch der Schweiß. In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Strategien für eine Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen und Regionen, Zivilgesellschaft und Ihre Gestaltungskraft für Städtepartnerschaften oder Projekte der Zusammenarbeit im sozialen Bereich.

Volle Arbeitsgruppen

Zu einem weiteren Arbeitskreis war eigens Konrad Wölfel, im Erlanger Amt für Umweltschutz und Energiefragen zuständig für Klimaschutz und Energieberatung, angereist – und traf auf Sergej Siwajew, in den 90er Jahren Vizebürgermeister von Wladimir, mittlerweile als Professor für Urbanistik in Moskau und seit kurzem auch als Fachgebietsleiter bei Rostelecom tätig. Die beiden fanden auf Anhieb zueinander – und schon zeichnet sich ein neues Projekt ab.

Sergej Siwajew und Konrad Wölfel

Sergej Siwajew berät nämlich russische Kommunen dabei, effizienter mit Energie umzugehen. Dabei soll auch das deutsche Modell helfen, wonach – wie in Erlangen – städtische oder staatliche Einrichtungen in Fragen wie Strom und Heizung von einem eigenen Gebäudemanagement betreut werden. In russischen Städten und Gemeinden zeichnet dafür noch immer die Schulleitung oder die Direktion des Krankenhauses verantwortlich – und ist damit häufig überfordert.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Dies soll sich nun ändern, und so darf man also mit einer baldigen Annahme der Einladung nach Erlangen rechnen, ausgesprochen an Sergej Siwajew natürlich auch von Elisabeth Preuß. Am Rande der Begegnungen dann ein weiteres Projekt, an dem Erlangens Bürgermeisterin beteiligt sein wird: Anfang November, wenn sie ohnehin zum nächsten Treffen von Prisma nach Wladimir kommt, nimmt sie in der Partnerstadt an einer Konferenz zu Fragen der kommunalen Selbstverwaltung teil, organisiert von Emil Markwart, Professor an der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung in Moskau. Man ruht sich ja nicht auf den Lorbeeren der Partnerschaft aus…

Jurij Katz aus Wladimir

Wie weit diese Partnerschaft über Erlangen hinaus wirkt, sieht man etwa an obigem Bild, das, rechts stehend, Jurij Katz zeigt, den Gründer der Selbsthilfeorganisation Swet, hier bei einer Konferenz mit dem Verein „Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg – Dagestan“, wo der Vorreiter einer russischen „Lebenshilfe“ gerade auch seine in Franken gesammelten Erfahrungen vermitteln kann.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Unterdessen ging Jürgen Ganzmann, Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, auf Autogrammjagd. Gabriele Krone-Schmalz hatte 2001 den Vorsitz bei der Jury, die den „Preis für bürgerschaftliches Engagement“ in vier Kategorien an die Partnerschaft Erlangen-Wladimir vergab, darunter an das Projekt „Lichtblick“ von Jürgen Ganzmann, der dann im Jahr 2002 den 1. Preis zusammen mit Fritz Wittmann, Brüne Soltau und Peter Steger aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau entgegennehmen konnte. Da kommen Erinnerungen hoch.

Jürgen Ganzmann und Sergej Lawrow

Aber es geht ja weiter, wie beide Außenminister, die sich vertraut beim Vornamen nennen, es sich wünschen. Gerade in politisch schwierigen Zeiten. Die Zivilgesellschaft ist da gefordert wie nie zuvor, aber sie wird auch gefördert. Das Außenministerium stellt als Gastgeber Millionen für die Förderung des Austausches zur Verfügung, die Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften, das Deutsch-Russische Forum – sie alle unterstützen Initiativen und Projekte des Miteinanders.

Nikolaj Kaplenko und Konrad Krebs

Und schließlich gibt es da auch noch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der etwa auch die Arbeit der Eurowerkstatt in Jena unterstützt, von wo Konrad Krebs mit Nikolaj Kaplenko aus Wladimir zur Konferenz kam, auch wenn ihr Projekt dieses Mal keine Auszeichnung erhielt. Aber auch da geht die Verständigungsarbeit weiter.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Dennoch: Es könnte noch viel getan werden für das deutsch-russische Miteinander. In der gemeinsamen Erklärung der Veranstaltung  fordern die Veranstalter deshalb auch neben Erleichterungen bei der Erteilung von Visa und Verbesserungen bei den Bedingungen für Praktika und Hospitationen Unterstützung bei der Gründung eines deutsch-russischen Koordinationsrates der Partnerstädte.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Vor allem aber: Es kann und darf nicht bei den etwa einhundert kommunalen Partnerschaften bleiben, die in keinem Verhältnis zu den 2.200 deutsch-französischen Verbindungen stehen. Immerhin liierten sich während der Tagung drei neue deutsch-russische Paare – Greifswald & Wyborg, Schwedt & Tuapse siwie Lahr & Swenigorod -, und 2019 soll dann das Deutsch-Russische Jahr der Wissenschaften ausgerufen werden. Es geht also weiter – schon Ende September mit dem deutsch-russischen Jugendforum in Hamburg, an dem Gruppen aus Jena und Wladimir teilnehmen…

Auszeichnung 16

Doch, weil’s so schön war, hier noch einmal das Gruppenbild.

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Nach einem Vorabbericht, zu finden hier im Blog unter https://is.gd/HYC9RL, folgt nun ein ausführlicher Praktikumsbericht von Anna Schellenberger.

Ich studiere Architektur in Wladimir. Im Juni – Juli dieses Jahres fand mein erstes Kollegpraktikum statt. Schon im Winter kam von Peter Steger der Vorschlag, das Praktikum bei der Stadt Erlangen zu machen. Ich habe mich doll über diese Idee gefreut, denn ich war gerade auf der Suche nach einer passenden Stelle. Ich hatte Studenten aus anderen Kursen nach ihren ehemaligen Praktikumsstellen gefragt und wurde sehr enttäuscht: Die meisten Betriebe, die Praktika in Wladimir anbieten, haben keine Zeit, sich mit den Praktikanten zu beschäftigen, weshalb man bei dem Praktikum oft nichts zu tun hat.

Ganz anders bei mir: Mein Praktikum fand im Referat für Planen und Bauen statt. Ich war sehr aufgeregt an meinem ersten Praktikumstag. Es war spannend und gleichzeitig etwas ängstigend. Doch für die Angst blieb sehr schnell keine Zeit mehr. Ich erhielt gleich meine Projektaufgabe und konnte loslegen. Was blieb, war Spannung.

Anna Schellenberger und Sabine Kern

Meine Aufgabe war es, einen Bebauungsplan für ein Grundstück der Stadt Erlangen zu entwickeln. Da merkte ich erst einmal, wie verschieden die beiden Sachen sind, ein Projekt im College zu entwickeln und dafür danach einen passenden Ort zu finden oder sich gleich für eine bestimmte Stelle etwas einfallen zu lassen. Ich hatte auf die Umgebung, die verschiedensten Anschlüsse und das Klima zu achten. Ich hatte an die Menschen zu denken, die dort einmal leben werden. Dabei stellte ich mir das erste Mal die Frage, wie Deutsche überhaupt leben. Ganz merkte ich dabei, welche ganz anderen Werte die Deutschen als die Russen für ihr Zuhause zugrunde legen. Zum Beispiel ist der größte Raum in einer russischen Wohnung das Wohnzimmer, wo unbedingt so viel wie möglich Leute reinpassen müssen, denn hierher wird zu jeder großen Feier die ganze Verwandtschaft eingeladen. Im Gegensatz dazu hat der Deutsche eher ungern fremde Leute in seiner Wohnung. Also bleibt mehr Platz für das Schlafzimmer oder für die Küche über. Das gibt auch die Möglichkeit, Küche und Wohnzimmer in einen Raum unterzubringen. Beide Lebensweisen haben Vor- und Nachteile. Und von solchen Beispielen hatte ich sehr viele.

Mein Praktikumsleiter, zu dem ich mit jeder meiner Idee kam und der mir Vor- und Nachteile meiner Vorstellungen zeigte, half mir immer bereitwillig, meine Arbeit besser zu machen. Genau das hatte ich mir von meinem Praktikum gewünscht. Die Zeit in Erlangen zeigte mir deshalb deutlich, wie es auch anders geht, wie man auf jede Situation von verschiedenen Seiten schauen kann. Erlangen zeigte mit, wie sehr die Architektur von Menschen abhängt und wie viel sie für den Menschen bedeutet.

Während des Praktikums war ich nicht nur die ganze Zeit im Referat. Ich durfte auch in verschiedene Ämter reinschauen und die Arbeit dort verfolgen. So war ich zum Beispiel einen Tag im Bauaufsichtsamt und nahm bei einer Besprechung teil, wo an verschiedene Projekte Baugenehmigungen vergeben wurden. Schließlich durfte ich auch mein Projekt vorstellen. Und wieder merkte ich, wie hier auf ganz andere Dinge Wert gelegt wird. Hier wurden Dinge besprochen, an die in Wladimir zunächst keiner denkt – und umgekehrt.

Aber Architektur war nicht das einzige, was ich gelernt habe. Ich sah einen ganz starken Unterschied zwischen dem, wie Menschen in Deutschland und bei uns arbeiten. Und erst nach dem Vergleich konnte ich die Vorteile beider Seiten sehen. Ich habe viel für mein weiteres Leben gelernt, nicht nur im Bereich Architektur, sondern auch menschlich. Ich bin auch früher schon oft Menschen aus anderen Kulturen begegnet, doch erst bei so einer Arbeit habe ich klar die Unterschiede bemerkt.

Ich finde, dies ist das wichtigste Ziel einer solchen Städtepartnerschaft: nicht das offizielle Treffen von Politikern einmal im Jahr, sondern der Austausch von Menschen, damit alle, die Interesse daran haben, in ein ganz anderes Leben hineinschauen können. Das hilft, seine eigen Kultur zu verstehen.

Anna Schellenberger

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Wie an einem Schluck Regen in diesem ausgedörrten Sommer erfreute sich der Kulturredakteur des Blogs an dem lyrischen Fundstück aus der Feder der Wladimirer Dichterin Olga Rutschko und machte sich gleich an die Nachdichtung.

Wladimir – der nächste Regen kommt bestimmt, gesehen dieser Tage von Wladimir Tschutschadejew

Gar nicht eilig hatte es der Winter, / Sommerträume, Schnee dahinter. – / Morgens trittst du vor die Tür, / taub-erstarrt, um zu bemerken, / daß des Schweigens Regelwerke / sind des Schnees und Himmels Kür.

Unter dichten, kalten Netzen – / wir allein, am Weg die letzten, / fern von uns die Stadt verklingt. / Weder Straße oder Garten, / Schnee fällt wie aus feiner Watte, / die uns auf die Wange sinkt.

Olga Rutschko / Peter Steger

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