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Posts Tagged ‘Peter Steger’


Wer dieser Tage in die Buchhandlung Rupprecht kommt, findet gleich beim Eingang, linker Hand, reduzierte Restexemplare des 2015 zum 70. Jahrestag des Kriegsendes herausgegebenen Bandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ mit Erinnerungen von Wehrmachtsangehörigen an ihre Zeit in der Gefangenschaft in einem der Lager der Region Wladimir. Vielleicht eine der letzten Gelegenheiten, sich ein Exemplar zu sichern, denn die Auflage von ursprünglich 500 Exemplaren ist so gut wie ausverkauft.

Die Lektüre dieser Schilderungen von Zeitzeugen gewinnt gerade wieder an Aktualität angesichts des bevorstehenden 80. Jahrestags des „Unternehmens Barbarossa“, des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR mit all den furchtbaren, bis heute nachwirkenden Folgen. Also: zugreifen und lesen, solange der Vorrat reicht. Mehr zu dem Buch unter: https://is.gd/OJfQ95

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„Und nochmal geht es um den kleinen Igel Mecki“, schrieb die Kunstlehrerin Aida Dynnikowa am russischen Nationalfeiertag auf Facebook und zitierte eine ihrer kleinen Schülerinnen: „Am 17. November feiern wir den Tag des schwarzen Katers. Da könnten wir doch am 2. Januar den Igeltag feiern.“ – Und schon malte sie ihr Bild zum Igeltag, an dem gute Menschen einen kleinen Igel zu sich nach Hause holten und vor dem Tod retteten. So ist es also entschieden. In unserem Studio haben wir jetzt also einen weiteren Feiertag. Mal sehen, welche Feiertage meine Kinder noch im Naturkundemuseum einführen?!“

Alexandra Lobikowa, acht Jahre

Alexandra Lobikowa, acht Jahre

Ebenfalls am 12. Juni, dem russischen Nationalfeiertag, strahlte das Wladimirer Lokalfernsehen ein Interview mit Peter Steger, dem Autor des Igel-Märchens, aus, das Sie hier – von Minute 9:56 bis 13:25 – sehen können:

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Gestern brachte Aida Dynnikowa die ersten druckfrischen Exemplare des unter ihrer Leitung von Kindern illustrierten Märchenbuchs „Mecki und sein erster Winter“ ins Erlangen-Haus, von wo der kleine Igel sicher bald seinen Weg hierher einschlagen dürfte. 20 Bilder fanden Eingang in das Bändchen aus der Feder von Peter Steger. Und schon am kommenden Montag werden weitere Zeichnungen in einer Ausstellung in Wladimir gezeigt. Mehr noch: Zwei weitere Kinderkunststudios beginnen nun, auf ihre Weise das Buch zu bebildern. Bei so viel kreativer Energie wird wohl bald eine Fortsetzung der stacheligen Abenteuergeschichte fällig. Wie Aida Dynnikowa auf Facebook mitteilt, sind die Kleinen jedenfalls schon eifrig dabei, Mecki in allen möglichen neuen Rollen darzustellen: Mecki als Künstler, Mecki als Lehrer, Mecki als Baumeister… Wir dürfen gespannt sein.

Die Pädagogin bekennt, bis zur Lektüre des Märchens selbst nicht viel über das Leben der Igel gewußt zu haben. Diese Lücken schließe sie nun zusammen mit den Kindern durch viele Beobachtungen draußen und wiederkehrende Besuche im Naturkundemuseum, wo die Kleinen geduldige Modelle finden. Eine der jungen Künstlerinnen schickte nun gestern diesen Brief an den literarischen Vater von Mecki Petrowitsch:

Lieber Pjotr Steger, gibt es in Ihrer Stadt ein Naturkundemuseum? Mir gefallen Ihre Photos. Danke. Dascha Ljubanskaja, 8 Jahre

Der zeichnerisch leider völlig unbegabte Autor antwortete darauf:

Liebe Dascha,

vielen Dank für Dein Brieflein. Ich freue mich sehr, daß Du Mecki zeichnest und Dir meine Photos gefallen. Ich werde also noch mehr schreiben und aufnehmen. Ein Naturkundemuseum gibt es in Erlangen nicht, wohl aber in Bamberg, 35 km von hier, wo ich studiert habe. Wenn Du zu Besuch kommst, zeige ich es Dir unbedingt. Es gefällt Dir dort ganz bestimmt! Bis dann, Peter Leonhardowitsch.

Anmerkung: Mit den Photos meint Dascha jene Tier- und Naturaufnahmen vom Profil http://www.facebook.com/peter.steger.5492, die Aida Dynnikowa den Kindern regelmäßig zeigt. Mal sehen, wie diese märchenhafte Verbindung weitergeht. Nicht im Sinne von „es war einmal“, sondern von „es wird einmal“.

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Zum gestrigen Internationalen Kindertag hatte die Journalistin Olga Slobodnjuk den Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, am Freitag gebeten, eine Aufnahme für ihren Wladimirer lokalen Radiosender über ein Buchprojekt zu machen. TV My, in der Pandemie entstanden, ließ sich da nicht lange bitten, und drehte, in bewährter Besetzung mit Amil Scharifow als Kameramann, Toningenieur, Regisseur und Produzent (alles ohne Rundfunkgebühren und Werbeeinnahmen) folgenden Beitrag, der – allerdings nur im Ton – gestern zwei Mal ausgestrahlt wurde.

Worum geht es? Am 2. Januar hatte sich in der Sebaldussiedlung ein junger Igel verirrt, der, untergewichtig wie er war, bei der Kälte wohl eingegangen wäre, hätten ihn nicht mitfühlende Menschen zu sich in die Küche geholt und dann ins Tierheim gebracht. Zum 6. Januar, dem orthodoxen Weihnachtsfest, entstand dazu ein Märchen, „Mecki und sein erster Winter“ genannt, das bei der Lesepremiere im Freundeskreis auf Anhieb gefiel. Sogleich entstand die Idee, die Geschichte bebildern und als Buch veröffentlichen zu lassen. Von da war der Weg nicht mehr weit zu Aida Dynnikowa, deren Kunststudio für Kinder schon seit gut zwei Jahrzehnten die Partnerschaft illustriert, unlängst sogar das Erlanger Theaterprojekt „Der kleine Prinz“ gestaltete: https://is.gd/xNnbc4. Die Pädagogin sagte denn auch sofort zu und will nun dieser Tage das ins Russische übersetzte Märchen tatsächlich in Buchform präsentieren. Der Videogruß aus Erlangen kann da nur ein erstes Dankeschön für diese wunderbare Zusammenarbeit sein. Mecki Petrowitsch überlebte übrigens den Winter und geht seit April wieder seiner eigenen Wege. Nachzulesen auf Facebook unter: https://is.gd/tGM3p7 und https://is.gd/KQifLV

Mecki und sein erster Winter

Noch ein Zitat von Aida Dynnikowa zur gestrigen Radiosendung:

Eltern und Großeltern riefen mich schon deswegen an. Wir werden die Reportage über das Buch gleich heute all den Kindern vorspielen, die sie noch nicht gehört haben. Ich sehe schon die Augen leuchten. Das Buch ist richtig lustig geworden.

Bis das Buch den Weg nach Erlangen genommen hat, hier schon exklusiv im Blog einige Bilder, die in der Vorbereitung entstanden. Welche davon Verwendung fanden, werden wir hoffentlich bald zu sehen bekommen.

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Stellen Sie sich vor, Erlangen startet eine Mitmachaktion für alle Partnerstädte, und ausgerechnet Wladimir bleibt außen vor. Gibt es nicht? Gibt es nicht! Und doch gibt es aktuell den Fall, wonach sich zu dem virtullen Wettkampf http://www.winterwaldlauf.de/de/staedte_challenge nur ganze vier Personen aus der russischen Partnerstadt gemeldet haben (Stand 24.05., 8.00 Uhr), während aus dem viel kleineren Cumiana ein elfköpfiges Team antritt. Damit sich das rasch ändere – inzwischen gehen beim Veranstalter auch schon die ersten Kilometermeldungen ein -, flimmert heute dieses Video über die Bildschirme von Wladimir.

Übrigens gibt es eine Fristverlängerung zur Teilnahme – noch bis zum 30. Mai. Mitmachen ist alles! Das ließen sich übrigens auch Oberbürgermeister Florian Janik und sein ehemaliger Kollege aus Cumiana, Paolo Poggio, nicht zwei Mal sagen und sammeln nun auch fleißig Kilometer.

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Wie schon im Vorjahr, so beging man auch gestern in Wladimir den Tag des Sieges unter den Bedingungen der Pandemie: keine Parade und Umzüge, nur stille Kranzniederlegungen und Erinnerungsveranstaltungen im Internet, eher ein familiäres Gedenken der Opfer. Mehr als 300.000 Mann stellte die Region Wladimir für den Kampf gegen die Wehrmacht, weniger als die Hälfte von ihnen kehrte von der Front zurück. Hundert von ihnen wurden als Helden der Sowjetunion ausgezeichnet, zwanzig von ihnen sogar mit dem Kavaliersorden des Ruhms. Heute leben in der Partnerstadt noch 62 Frontkämpfer.

„Wenn man den Krieg vergißt, beginnt ein neuer. Die Erinnerung ist der größte Feind des Krieges.“ Dieser Spruch von Aristoteles gilt bis heute. Und so gab es denn auch in Erlangen gestern auf dem Zentralfriedhof eine Zeremonie im kleinsten Kreis, der sich unerwartet öffnete. Als wäre es abgesprochen, wartete um die MIttagszeit an den Russengräbern, wo 271 Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg ihre letzte Ruhestätte fanden, Raisa Woite und erklärte sich spontan bereit, ihre ohnehin mitgebrachten Blumen mit Amil Scharifow und dem Ehepaar Nadja und Peter Steger niederzulegen.

Amil Scharifow, Peter Steger und Raisa Woite

Raisa Woite stammt aus Kasan und lebt seit Mitte der 90er Jahre in Erlangen. Doch von den Russengräbern erfuhr sie erst unlängst durch Heinrich Hirschfelder, einem ausgewiesenen Kenner der Erlanger Stadtgeschichte und des hiesigen Kriegsgefangenenlagers aus dem Ersten Weltkrieg. „Es gibt gute Menschen, und es gibt andere Menschen“, lautet ihr Motto. Und hier in Erlangen seien gute Menschen am Werk, so die Botschaft nach Wladimir, die über all die Jahre die Gedenkstätte so pflegen und immer wieder neu bepflanzen. Mögen vom Himmel nie mehr Bomben fallen, so ihr Wunsch.

Den lieben Mitkämpfern, den von ihren Angehörigen unbeweinten Opfern der Pflicht. Von ihren Kameraden 1914 – 19..

Eine bewegende Begegnung – wie eine Fügung, festgehalten von TV Мы. Auch wenn es eines Tages keine Augenzeugen mehr geben wird, die Erinnerung wird bleiben. Wir werden den Krieg nicht vergessen, damit nie mehr ein neuer beginne.

Anatolij Mitrofanow, 9. Mai an der Ewigen Flamme in Wladimir

Mehr zu den Russengräbern finden Sie hier: https://is.gd/E3XACT

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Gestern, am Tag der Befreiung und der Kapitulation der Wehrmacht, richtete sich Wolfgang Morell, der demnächst seinen 99. Geburtstag feiert und sich derzeit in Oberbayern medizinisch behandeln läßt, an seine Freunde in Wladimir und gratulierte ihnen zum Tag des Sieges.

Der Weltkriegsveteran geriet am 22. Januar 1942 vor Moskau in sowjetische Gefangenschaft und wurde wegen einer schweren Erkrankung nach Wladimir gebracht, wo man ihn wieder auf die Beine brachte, bevor er einen langen Weg durch verschiedene Lager bis in den Ural antrat und schließlich von Gorkij aus 1949 in die Heimat entlassen wurde. Seine Geschichte ist hier im Blog mit all ihren Stationen zu finden, heute deshalb nur dieses Zeugnis der Anteilnahme und Verbindung eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten mit seinen einstigen Freunden und jetzigen Freunden, die er hofft, noch einmal wiederzusehen. Dank an Othmar Wiesenegger für diese einzigartige Aufnahme.

In Wladimir rezitierte heute Wjatscheslaw Kartuchin, stellv. Sprecher der Wladimirer Regionalduma und großer Freund der Städtepartnerschaft, ein Gedicht, das an die Heldentat der vielen kleinen Leute erinnert, und legte Blumen an der Ewigen Flamme auf dem Ehrenfriedhof nieder. Schöner können wir unsere Verbundenheit in Zeiten der Pandemie nicht zum Ausdruck bringen.

Peter Steger und die Vermißten und Gefallenen von Prien, gesehen von Othmar Wiesenegger

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Als die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, am 7. Mai 1995 in Wladimir das Erlangen-Haus eröffneten, geschah dies bewußt am Vorabend des 50. Jahrestages des Kriegsendes und des Tages des Sieges als Symbol des Friedens und der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen. So wie damals eine etwa fünfzigköpfige Bürgergruppe aus Erlangen zu den Festlichkeiten, in deren Rahmen Dietmar Hahlweg auch die Ehrendoktorwürde der Pädagogischen Universität verliehen wurde, nach Wladimir gereist war, so hatte sich auch 2020 eine gut fünfundzwanzigköpfige Delegation zum 25jährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses auf den Weg gemacht, den dann aber wegen der Pandemie doch nicht angetreten. Auch Hoffnungen darauf, die Feier heuer nachzuholen zerschlugen sich bei realistischer Einschätzung der Lage schon im Januar. Aber wir alle wissen uns ja in diesen Zeiten von Corona uns selbst zu helfen und zumindest eine virtuelle Nähe über Videokonferenzen und Soziale Netzwerke herzustellen.

Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, eingerahmt von Peter Steger u. Tatjana Garischina, der ersten Leiterin des Erlangen-Hauses, am 7. Mai 1995

Und so nahmen denn gestern am frühen Nachmittag mindestens 25 Gäste an der digitalen Feier des 26. Geburtstages des Erlangen-Hauses teil und teilten dabei vor allem eines: die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen von Mensch zu Mensch.

Elisabeth Preuß bei der Eröffnung der Geburtstagsfeier

Noch ist es aber nicht so weit, und so bleibt zumindest dieser Weg offen. Glücklicherweise. Damals, Mitte der 90er Jahre, wäre die gestrige Geburtstagsparty ja noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Doch so konnte Altbürgermeisterin Elisabeth Preuß gegen 13.00 Uhr das Fest mit den Worten eröffnen: „Ein Teil meines Herzens ist für immer in Wladimir geblieben.“ – Und anschließend mit ihrem Vater, Hans-Joachim Preuß und dessen Frau, Rose Ebding, ein Geburtstagsständchen singen.

Irina Snjatkow (Mitte) und Tatjana Kirssanowa (rechts) mit dem gemalten Geburtstagsgeschenk

Es gab dann sogar ein kleines Festprogramm, das mit einem Bildervortrag über Erlangens Neubürger, die Biber an der Schwabach“, begann und seine Fortsetzung mit der Präsentation des immer länger werdenden Freundschaftsschals und einer Galerie von Arbeiten der Deutschkurshörerin, Irina Snjatkowa, fand. Und dann das: Das Publikum am Bildschrim sollte seine landeskundlichen Kenntnisse unter Beweis stellen und raten, welche Stadt die Hobbymalerin dargestellt habe. Wie das ausging – so eine Entscheidung der Redaktion des Blogs – soll zu einem späteren Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung werden.

Florian Janik

Und dann erschien Oberbürgermeister Florian Janik auf den Monitoren und versprach, die im letzten Jahr ausgefallene Reise möglichst schon 2022 nachzuholen. Sein Dank ging an das Team des Erlangen-Hauses, das, wie es sein ebenfalls zugeschalteter Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg, formulierte, einen Traum habe wahr werden lassen. Und gerade jetzt brauchen wir, meinte Erlangens Stadtoberhaupt, diese Verbindungsstelle mehr denn je, wo doch die Beziehungen zwischen unseren Ländern sich derzeit als so schwierig gestalten. Aber man besten drücke das der Brief des Deutsch-Russischen Forums aus, unterzeichnet von dessen Vorstandsvorsitzenden, Matthias Platzeck, und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied, Martin Hoffmann. Für alle, die gestern nicht dabei sein konnten, hier das Schreiben im Wortlaut:

Während Dietmar Hahlweg ausdrücklich Rudolf Schwarzenbach und Igor Schamow sowie Helmut Eichler und Irina Chasowa dafür dankten, diesen Traum wahr gemacht zu haben, erinnerte sein Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis, an jene Zeit, als das Erlangen-Haus noch baufällig war und man sich kaum vorstellen konnte, wie hier einmal „das Stein und Holz gewordene Symbol unserer Partnerschaft“ entstehen könnte.

Blick in die Geburtstagsrunde im Erlangen-Haus

Die Gratulationen gingen noch lange hin und her, bis Ute Schirmer, unterstützt von Hans Gruß, mit einem Abendlied die Feier musikalisch ausklingen ließ. Und heute, am 76. Jahrestag des Kriegsendes, dürfen wir dankbar sein, in Frieden mit dem russischen Volk zu leben und weiter gemeinsam an der Verständigung mitwirken zu können. Mut und Weitsicht von Dietmar Hahlweg und Igor Schamow bleiben da Vorbild und Verpflichtung.

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Es gibt auf russischer Seite viele Väter der Städtepartnerschaft, aber nur eine Mutter, die von Beginn an für das freundschaftliche Miteinander zwischen Wladimir und Erlangen sorgte. Lesen Sie heute den ganz persönlichen Rückblick vom 19. April d.J. aus der Feder von Margarita Malachowa, der langjährigen Vorsitzenden des Wladimirer Stadtrats, auf diese heute so ferne Zeit exklusiv im Blog. Dank an Wjatscheslaw Kartuchin für die Übermittlung der Erinnerungen.

Margarita Malachowa und Siegfried Balleis tanzen ins neue Jahrtausend hinein, gesehen von Sergej Uchin.

Danke für die Einladung, meine Erinnerungen für den Blog aufzuschreiben.

Ich gehöre wohl zu den wenigen noch lebenden Teilnehmern, die am Anfang der Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wladimir und Erlangen standen. Die Initiative ging von deutscher Seite, von Dieter Hahlweg, aus. Das Kooperationsabkommen ist seit fast 40 Jahren in Kraft, aber ich beginne mit dem Moment, als die Partnerschaftsurkunde 1987 nach fünf Jahren der „Verlobung“ unterzeichnet wurde.

Der damalige Oberbűrgermeister hieß Dietmar Hahlweg, ein sehr angesehener Mann, der Maßstäbe setzte und dieses Amt damals schon seit 1972 innehatte. Er war ein Vertreter der Sozialdemokraten.

Wir kamen damals mit einer offiziellen Delegation nach Erlangen. Ihr Leiter war Michail Swonarjow, Vorsitzender des Exekutivkomitees der Stadtdeputierten. Zur Delegation gehörten Alexander Nemontow, Held der sozialistischen Arbeit und Direktor des Technikbetriebs WZPO, Dmitrij Makejew, Rektor des Pädagogischen Instituts, meine Wenigkeit, Alissa Axjonowa, Leiterin des Landesmuseums Wladimir-Susdal, und die Journalistin Natalia Kondratenko. Beteiligt waren auch Sport- und Kulturgruppen wie zum Beispiel das Folklore-Ensemble Rus.

Der Besuch war eine wichtige Sache, und wir trafen uns mit vielen Leuten.

Für Dietmar Hahlweg war es sehr wichtig, die Vereinbarung einstimmig verabschieden zu können. Und das mit mehreren Parteien im Stadtrat. Die Sozialdemokraten hatten die Mehrheit, doch in der Oppositionspartei, der CSU, gab es einen leitenden örtlichen Polizeibeamten. Er hat uns irgendwie „genauer unter die Lupe genommen“. Manchmal spürte man beim Gehen seinen Blick auf dem Hinterkopf. Du drehst dich um, und er wendet sich ab. Das bemerkte auch Alissa Axjonowa. Ja, es war ein wenig unangenehm, aber auch wieder ganz natürlich: Da waren Leute aus einem feindlichen Land gekommen. Da herrschten ganz andere Einstellungen. Ich erinnere mich vor allem an die Pressekonferenz, die unsere offizielle Delegation für die Öffentlichkeit abhielt. Auch hier gab es unterschiedliche Auffassungen. Offensichtlich wurde ich als schwächstes Glied ausgewählt, und so richteten sich die Fragen hauptsächlich an mich: „Frau Malachowa, könnten Sie bitte folgende Frage beantworten: Wie ist Ihre Einstellung zu der Tatsache, daß Ihre Soldaten in Afghanistan sind?“ Ich verstehe Deutsch recht gut, aber ich brauchte Zeit, um eine Antwort zu finden. Also beantwortete ich mit einer Gegenfrage: „Was halten Sie davon, daß Ihre wunderbaren, schönen Straßen von amerikanischen Stiefeln zertrampelt werden?“ Ich war am Abend zuvor in der Stadt unterwegs und sah amerikanische Soldaten. Und wissen Sie, die eine Gruppe grummelte (anscheinend gefiel ihnen meine Antwort nicht), und der andere Teil applaudierte. Das heißt, es gab unterschiedliche Stimmungen. Dann folgten noch viele weitere Fragen, aber ich denke, daß wir sie angemessen beantworteten und diese Pressekonferenz erhobenen Hauptes verließen.

Margarita Malachowa

Aber das Interessanteste ist, daß der Besuch unserer Delegation in die Zeit fiel, als Matthias Rust auf dem Roten Platz landete. Und so sprach man uns beim Mittagessen in einem netten Restaurant darauf an: „Was halten Sie davon, daß unser Pilot auf dem Roten Platz gelandet ist?“ Ich antwortete: „Wissen Sie, das ist großartig! Ihr habt uns, wir haben ihn… Aber wir haben ein Geschwader, und Ihr habt ein schönes Flachdach auf dem Rathaus. Nächstes Mal werden unsere Piloten auf Eurem Rathaus landen.“ Nur so konnte man derart knifflige Fragen parieren.

Wir hatten mehrere Treffen vor der Unterzeichnung des Abkommens, und dieser Stadtrat versuchte immer wieder, uns in Verlegenheit zu bringen und zu provozieren. Ich war damals Parteifunktionärin, weshalb er mir gegenüber recht mißtrauisch gestimmt war. Ich spürte das natürlich, obwohl äußerlich alles ganz nett aussah. Ich griff deshalb zu den Waffen einer Frau und schmeichelte ihm, ließ mich von ihm umwerben.

Der Tag der Vertragsunterzeichnung kam. Der Konsul, ein Vertreter unserer Botschaft, war anwesend. Die Deutschen saßen nicht wie wir im Konferenzraum, ihre Tische waren in einem großen Viereck aufgestellt, einander vis-à-vis. Unsere Delegation saß auf der einen Seite. Dietmar Hahlweg leitete die Sitzung sehr souverän, wie es sich gehört. Er erklärte, wozu der Vertrag diente: zur Stärkung der wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Beziehungen zwischen unseren Städten. Als die Abstimmung begann, beschlossen Alissa Axjonowa und ich, ohne vorherige Absprache, unseren weiblichen Blick zu nutzen und nahmen den CSU-Stadtrat ins Visier. Wir fragten uns: „Wird er mit Ja abstimmen – wird er die Sache ablehnen?“. Es gab eine lange, lange Pause, und dann hob er langsam die Hand, gefolgt von den anderen vier Vertretern seiner Fraktion. Die Abstimmung fiel einstimmig zu Gunsten des Vertrags aus. Applaus kam auf.

Dieser Vertrag ist nun über drei Jahrzehnte alt.

Margarita Malachowa, Angelika und Siegfried Balleis, Alexander Rybakow, Igor Schamow, Sergej Sacharow und Jelena Owtschinnikowa,Mai 2013 in Wladimir

In der für unser Land so schwierigen Zwischenzeit haben uns die Deutschen sehr geholfen. Vor allem mit Wärme. Wir lebten zwar nicht in Wladiwostok, aber die Winter waren eiskalt. Natürlich hatten wir Probleme, aber nicht so, daß die Leute erfroren wären. Das Erlanger Kesselhaus ist noch immer in Betrieb.

Und wie sehr sie unseren Ärzten, unseren Krankenhäusern geholfen haben! Zum Beispiel dem Notfallkrankenhaus. Wir wurden Zeuge, wie sie Geld sammelten, Hilfsgüter sammelten… Und dann holten wir die humanitäre Hilfe sogar selbst in Erlangen ab. Und das viele, viele Male.

Sie halfen den Kindern sehr, etwa vielen hörgeschädigten Kindern. Eines Tages bekamen wir dank Peter Steger zehn Hörgeräte von Siemens, vermittelt durch den Kinderschutzbund Erlangen, und eröffneten eine Klasse in der Schule Nr. 14 mit Alexander Mordassow als Leiter. Diese Kinder – sechs oder sieben Jahren alt – brauchten nicht mehr nach Kowrow gebracht zu werden, wo es eine Sonderschule gab. Als wir die Eltern einluden und ihnen sagten, ihre Kinder könnten nun deutsche Hörgeräte benutzen, die ihnen nicht in den Ohren wehtun, und daß sie außerdem nicht mehr von ihren Familien getrennt werden müssen und in Wladimir zur Schule gehen können – da hätten Sie die Augen der Eltern sehen sollen, ihre Freude darüber, daß ihre Kinder bei ihnen bleiben konnten!

Unsere Kulturensembles kamen bei den Deutschen immer sehr gut an. Immer wieder traten „Wladimirez“ unter Leitung von Nina Peschkowskaja oder der Knabenchor von Eduard Markin in Erlangen auf. Ich erinnere mich an den Besuch von Wladimir Putin in unserer Stadt, als er unser Ministerpräsident war. Er hörte sich Markins Chor an und lud ihn (als einen von wenigen) zur Teilnahme am Petersburger Dialog in Weimar 2001 ein.

Vieles gäbe es noch zu erwähnen. Zum Beispiel hatten wir einen Vorsitzenden des Veteranenrates, Oberst Jakow Moskwitin, einen großen Patrioten unseres Landes. Ich sagte zu ihm: „Die Deutschen, die Veteranen, wollen wirklich Kontakte herstellen.“ Er gab zunächst zurück: „Wie kommen Sie denn auf so etwas? Wir haben den Krieg mitgemacht…“ Doch ich gab nicht nach: „Es sind andere Zeiten, die jungen Leute wollen die Wahrheit über unseren Sieg wissen…“ Mit der Zeit war das Eis gebrochen, und es wurden auch Kontakte zu Veteranen geknüpft. Mehrmals besuchte unser verehrter Veteran, unser Ehrenbürger, Nikolaj Schtschelkonogow, Deutschland. Ihm zuzuhören war immer ein Vergnügen, und die deutsche Jugend begegnete ihm mit Respekt.

Bei all den vielen Begegnungen taute auch das Eis in den Beziehungen. Der CSU-Stadtrat hörte auf, uns als Feinde wahrzunehmen, wurde neutral. Seine Kollegen und er, der uns damals in Erlangen so besonders kritisch unter die Lupe genommen hatte, kamen nach Wladimir. Wir trafen uns mit ihnen in der damaligen Polizeistation, und es wurden persönliche Kontakte geknüpft. Ich glaube, es kam dann zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch.

Während einer Führung durch Nürnberg kam einmal ein hochbetagter Mann auf Alissa Axjonowa und mich zu und fragte, woher wir kämen. „Aus Wladimir“, antworteten wir. „Oh, Wladimir, Susdal… Ich war dort… Eine russische Frau rettete mich vor dem Tod. Ich war ein junger Kerl, gefangengenommen, schon halbtot, und die Frau brachte mir kleine Milchflaschen unterm Hemd. Nur dank der Fürsorge dieser Frau habe ich überlebt“. Er erinnerte sich an diese Frau, die ihn gerettet hatte, sehr herzlich, buchstäblich mit Tränen in den Augen.

Dietmar Hahlweg und Margarita Malachowa, 2005

Ich erinnere mich mit großem Respekt an Dieter Hahlweg, der viel für unsere guten Beziehungen leistete.

Delegationen aus Erlangen kamen recht häufig in ganz unterschiedlicher Zusammensetzung nach Wladimir. Die Deutschen interessierten sich für alles, angefangen vom Verkehr, der Wasser- und Wärmeversorgung bis hin zu den Wohnhäusern, den kulturellen Veranstaltungen und der Entwicklung der Unternehmen.

Mein letzter Freundschaftsbesuch in Erlangen fand mit Igor Schamow statt. Ich glaube, er hat einen großen Anteil daran, daß diese Kontakte bestehen blieben. Igor Schamow ist ein echter Intellektueller, der einst das Labor im Chemiewerk leitete, dessen Mitarbeiter schon zu Sowjetzeiten viele wissenschaftliche Kontakte mit der deutschen Seite unterhielten. Und als Stadtoberhaupt pflegte er nun die internationalen Beziehungen auf kommunaler Ebene, besonders zu Erlangen mit seinem vielen Grün und all seinen interessanten Plätzen.

Margarita Malachowa, Jurij Fjodorow, Siegfried Balleis, Igor Schamow und Peter Steger im Russischen Dorf, Wladimir, 2000, gesehen von Karin Günther

In Erlangen waren wir immer im Hotel Bayerischer Hof untergebracht. Ein exzellentes, komfortables Hotel mit alter Tradition, im Herzen der Stadt gelegen, in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, mit einem herzlichen Gastgeber, der uns zuvorkommend behandelte, mit Respekt. Abends waren die Tische immer für uns gedeckt, und wir saßen dort noch bei einer Tasse Kaffee zusammen. Er war damals schon älter, etwa 80 Jahre. Er hatte eine Tochter, die nicht in das Geschäft einsteigen wollte, und der Besitzer machte sich große Sorgen, was aus dem Hotel werden sollte. Unsere Schulkinder, die Erlangen besuchten, wohnten während ihres Besuchs bei deutschen Familien.

Leider hat sich die Einstellung gegenüber Rußland in letzter Zeit geändert und nicht zum Besseren. Aber ich denke, daß die Menschen in Wladimir und Erlangen weiterhin einander etwas zu sagen haben, etwas gemeinsam unternehmen können, denn nichts ist wichtiger als der Friede. Der Krieg ist eine zerstörerische Macht – für das Leben, für ganze Länder, für überhaupt alles Menschlichen. Die Volksdiplomatie muß präsent bleiben. Und ich denke, daß wir mit der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens zwischen Wladimir und Erlangen damals einen großen Beitrag zu dieser Volksdiplomatie leisten konnten. Nicht umsonst wurde die Partnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen immer wieder mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

Ein großes Dankeschön an Peter Steger, der in all den Jahren ein Motor und Antreiber all unserer Kontakte war. Peter, Gott schenke Dir Gesundheit und noch viele Jahre!

Peter Steger und Margarita Malachowa, 2005

Ich habe jede Menge Dokumente aus diesen Jahren aufbewahrt – Zeitungsausschnitte, meine Notizen, Aufenthaltsprogramme von Delegationsreisen… Einen Teil davon habe ich dem Erlangen-Haus übergeben, und zu Hause liegen noch weitere Bilder.  Auf einem davon tanze ich mit Siegfried Balleis.

Ich denke, die jetzige Stadtverwaltung Wladimir und das Erlangen-Haus sollten all die guten Dinge aus früheren Zeiten nicht vergessen. Es lohnt sich nämlich, etwas zu tun, um die Zusammenarbeit fortzusetzen und die verlorenen Kontakte einigermaßen wiederherzustellen. Ja, es gibt neue Leute und neue Einstellungen in der Führung der Stadt, aber es gibt etwas noch Wertvolleres: Die zwischenmenschlichen Beziehungen müssen erhalten bleiben!

Margarita Malachowa

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Manchmal nimmt einem die Chronologie des digitalen Alltags die Entscheidung aus der Hand. Da überlegt also die Kulturredaktion des Blogs seit Tagen, wann sie denn Original und Übersetzung eines Sonetts von Andrej Filinow, Dichter und Intendant des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, veröffentlichen solle. Und dann zeigt der Autor gestern selbst in seinem Facebook-Profil das neueste Werk aus seiner Feder. Da gibt es dann also kein Zögern mehr: Tag der Arbeit hin, orthodoxes Ostern her, der Blog zeigt sich heute wieder einmal von seiner lyrischen Seite.

Andrej Filinow: Gedichte aus verschiedenen Jahren
Lexikon

Ein Lexikon ist voller Sinn und Worte.
Das gilt wohl auch für unsre Zeit.
Wo alles schnell geht, immer forte,
die Muttersprache man entweiht.

Bewahre sie an Tor und Pforte,
sei sie zu schützen stets bereit.
Denn sie gehört nicht auf Aborte!
So war und ist es weit und breit.
 
Die Ignoranz pfeift aus den Löchern.
Das Wort am Seidenfaden hängt,
mit seinem Sein ins Leben drängt.

Denn Gold und Silber sind nur blechern,
wenn wir nicht rein und reich mehr sprechen,
der Schatz der Sprache nicht verfängt.

Übersetzung: Peter Steger



ЛЕКСИКОН 

Как много смыслов в лексиконе! 
И в наши суетные дни,
У века мутного в полоне 
Храни родной язык, храни.  

И даже «журналист в законе» 
«Пургу» какую ни гони –
Нет, наш язык не «двинет кони»!
Так есть и было искони. 

Невежеством сквозит из окон, 
Но помни: слово - это кокон 
Всей сущей жизни испокон.  

Гордись не серебром и златом  –
Пусть будет чистым и богатым 
И твой, и общий лексикон.

Andrej Filinow

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