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Posts Tagged ‘Peter Steger’


Alle zwei Jahre lädt die Botschaft der Russischen Föderation in ihre Prunksäle ein und bietet dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) ein Podium, um über die deutsch-russischen zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu diskutieren. Eine hohe Anerkennung durch die Diplomatie für diesen zuallermeist ehrenamtlich geleisteten Beitrag zur Völkerverständigung. Um die, so freute sich Botschafter Sergej Netschajew gestern nachmittag bei seiner Begrüßung der etwa 70 Gäste, sei es besser bestellt, als man gemeinhin annehme, auch dank fortgesetzter Gespräche auf Regierungsebene – parallel zu dem Arbeitstreffen hielt sich der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow zu Gesprächen in Berlin auf – und dem nun anlaufenden Partnerschaftsjahr der Wissenschaften.

Peter Franke und Sergej Netschajew

Die gut dreistündige Veranstaltung deckte ein breites Spektrum der bürgerschaftlichen Initiativen ab und stelle mit Impulsvorträgen und anschließender Diskussion Themen vor wie die Arbeit der deutsch-russischen Vereine, die Kulturbegegnungen in den Regionen, die Förderung des Russischen als Schulfach, den Hochschul- und Fachaustausch, die Zusammenarbeit mit der Krim und die Visa-Problematik.

Auditorium in der Botschaft der Russischen Föderation

Aber auch die Rolle der Städtepartnerschaften im deutsch-russischen Dialog kam zur Sprache mit Fallbeispielen aus Osnabrück, Karlsruhe und Erlangen. Blog-Lesern braucht man zur Bedeutung dieses Themas nicht mehr viel erzählen, und es ging dem Partnerschaftsbeauftragten auch nicht um eine „Leistungsschau“, vielmehr darum, an einigen Beispielen zu belegen, wie wichtig gerade in diesen Zeiten wieder die persönlichen Begegnungen sind, ganz im Sinne des Diktums des Weltkriegsveteranen Fritz Wittmann: „Da wo man Familienphotos austauscht, entstehen keine Feindbilder mehr“. Wichtig aber auch der Appell des Referenten, sich mehr darum zu bemühen, die Zahl der deutsch-russischen Städtepartnerschaften zu erhöhen. Das Verhältnis von 2.500 deutsch-französischen kommunalen Verbindungen gegenüber gerade einmal knapp über einhundert deutsch-russischen Allianzen dieser Art sollte zu denken geben und endlich auch handeln machen.

Peter Steger

Eine Anregung von Peter Franke, Vorsitzender des BDWO, findet hoffentlich auch Anklang: Treffen dieser Art nicht nur in Berlin, sondern darüber hinaus in den Regionen – verteilt nach den Zuständigkeiten der Konsulate der Russischen Föderation – zu veranstalten, um die Akteure vor Ort besser zu vernetzen und über die diplomatischen Möglichkeiten einer Unterstützung für Städtepartnerschaften und Freundschaftsvereine zu informieren. Es kann ja gar nicht genug solcher Foren zwischen Deutschen und Russen geben.

Ein P.S. erlaubt sich die Redaktion noch. Nach dem Vortrag des Partnerschaftsbeauftragten erhob sich Peter Franke und verkündete, er habe den Sozialen Netzen entnommen, der Gast feiere heute Geburtstag. Ein echter Überraschungseffekt – mit der Überreichung einer Flasche Wein. „Aber wo, wenn nicht hier“, so der Geehrte, „hätte ich heute sein sollen?! Die deutsch-russische Verständigung ist doch mein Lebenswerk…“

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Heute vor 100 Jahren wurde Leonhard Steger in Hartenstein / Mfr. geboren

Der Frontsoldat Leonhard Steger ist nach dem Krieg nie mehr nach Rußland zurückgekehrt, aber er war bis zu seinem Tod im Jahr 2005 in Gedanken bei jeder Reise seines Sohnes Peter dabei und erlebte die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir als spätes Wunder der Geschichte, an dem er selbst noch mitwirken konnte mit vielen Spenden für die humanitären Hilfsaktionen oder so symbolisch schönen Gesten wie dem Empfang für den Wladimirer Veteranenchor 1992 mit selbstgeschmierten Broten und Salz.

Leonhard Steger

Leonhard Steger

Aus Anlaß seines Jubiläums und anstelle eines Nachrufes gibt es heute im Blog leicht gekürzt das „Grußwort des Beauftragten für die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, Friedensveteran mit langjähriger Nahkampferfahrung in Freundberührung mit Rußland“ aus dem Sammelband „Rose für Tamara“ zu lesen, 2001 von Fritz Wittmann und Peter Steger herausgegeben.

Leonhard Steger mit Kamerad in russischem Dorf

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich ausgerechnet Slawistik mit Schwerpunkt Russisch studiert habe. Je nach Situation und Fragesteller antworte ich dann mehr oder weniger lapidar, daß ich damit das Erbe meines Vaters angetreten habe.

Sacharino, September 1942, Vernichtung für Mensch und Tier!

Mein Vater, Jahrgang 1919, war in seiner Jugend rasch in den Bann der nationalsozialistischen Verführer geraten und sah schon bald in einer militärischen Laufbahn den einzigen Ausweg für sich. Seine Eltern, die einen kärglichen Bauernhof in Hartenstein, Mittelfranken, bewirtschafteten, erkannten wohl Intelligenz und Begabung des einzigen Sohnes, konnten aber nicht das Schulgeld aufbringen, um ihm den Berufswunsch Lehrer zu erfüllen. Stattdessen wurde er in das ungeliebte Metzgerhandwerk gedrängt und gezwungen, seine Bildung selbst in die Hand zu nehmen.

Soldatengräber

Persönliche Enttäuschungen sowie mangelnde Entfaltungsmöglichkeiten und Verzweiflung über die ärmlichen Lebensverhältnisse machten ihn anfällig für die Verheißungen und Aufstiegsversprechen der Reichswehr. Rasch fand er Gefallen an Disziplin und Hierarchie, bewährte sich als Ausbilder und trat der Waffen-SS bei. Als er im Elsaß vom „Unternehmen Barbarossa“ erfuhr, meldete er sich freiwillig an die Ostfront und machte zunächst als Kundschafter, später als Panzeroffizier den gesamten Feldzug bis zur Schlacht bei Kursk sowie den Rückzug mit. Sieben Verwundungen – einen Granatsplitter trägt er noch immer im Kopf – überlebte er, aber das Erschrecken und Grauen über die Grausamkeiten des Krieges wirken bis heute schmerzlich nach. Wie viele seiner Altersgenossen kam er moralisch gebrochen nach Hause, mußte sich einige Zeit vor den Alliierten verstecken und bekam erst Ende der 50er Jahre mit der Gründung einer Familie wieder Boden unter die Füße.

Leonhard Steger im Tarnanzug

Meine Kindheit ist geprägt von den Erzählungen des Vaters über die Kriegserlebnisse. Den Brjansker Wald kenne ich, als hätte ich dort selbst die Wölfe heulen hören; die Stalinorgel saust mir um die Ohren, als wäre ich selbst von ihr mit Beschuß belegt worden; ich habe den Geruch der russischen Katen in der Nase; der Geschmack der Schokolade, aus der eisernen Ration, eingetauscht gegen Tabak, hängt mir in den Zähnen; ich sehe die erhobenen Arme der Gefangenen, unter eigener Lebensgefahr wieder freigelassen; ich spüre den Todeshauch von Fleckfieber; ich sehe die brennenden Panzer und Strohdächer; ich kaue das mit Muschiks geteilte Brot; ich stehe am Grab der unbekannten Kameraden und unschuldigen Feinde. In allen Erzählungen war das Generalthema: „Die russischen Menschen sind gut; sie haben uns, die Angreifer, immer als Menschen behandelt und das wenige, das sie hatten, mit uns geteilt.“

Leonhard Steger beim Spähtrupp

Als ich dann ins Gymnasium kam, sollte ich Russisch lernen. Eine Estin aus Reval, die in einem Nachbarort lebte und zu der ich – ohne Führerschein – einmal die Woche mit dem Traktor fuhr, unterrichtete mich zwei Jahre lang mit Lehrbüchern aus der DDR, doch pädagogisches Geschick auf der einen und Lerneifer auf der anderen Seite hielten sich in engen Grenzen, so daß ich über die Anfangsgründe der Fremdsprache kaum hinausgelangte. Und als ich dann die Schule wechselte und wir später nach Hersbruck zogen, brach der Unterricht ganz ab. Dennoch hatte ich unter meinen Schulkameraden meinen Spitznamen weg: Iwan.

Leonhard Steger mit Granatsplitter im Lazarett

„Die Zukunft liegt in Rußland! Lerne Russisch, und Du hast die Zukunft!“ Diese Aufforderungen fielen in der Pubertät und Adoleszenz mit all ihren Aufbäumungen und Revolten, Irrwegen und Verwirrungen auf unfruchtbaren Boden, doch der Keim war gelegt. Als es galt, sich für ein Studienobjekt an der Universität Bamberg zu entscheiden, fiel die Wahl auf Anglistik und Slawistik. Mit dem Russischen mußte ich wieder ganz von vorne beginnen, noch unsicher, ob ich bei der Sache bleiben würde. Doch nach der ersten Sowjetunionreise 1983, ermöglich vom Vater, war für mich die Gewichtung klar: Russisch wurde mein Hauptfach, Herz und Verstand galten der Kultur, der Literatur und den Menschen der Sowjetunion. Die Entscheidung war damals nicht einfach, Slawistik galt als „Orchideenfach“ ohne Aussicht auf praktische Anwendung. Doch das konnte ich durch Begeisterung für die Sache ausgleichen.

Leonhard Steger verabschiedet einen Kameraden

1987 erfuhr ich von der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir und meldete mich als ehrenamtlicher Dolmetscher. Meine Feuertaufe erlebte ich mit Michail Firsow, dem Leiter des Folklore-Ensembles RUS auf der Bühne der Stadthalle in Erlangen, wo ich dessen fünfzehnminütigen Vortrag ohne Punkt und Komma über das Programm seiner Truppe völlig unvorbereitet zu übersetzen hatte. Seither kann mich nichts mehr schrecken. Rasch wuchs ich in die Städtepartnerschaft hinein, erfuhr Förderung von den Verantwortlichen im Rathaus und trat Ende 1989 in die Dienste des Bürgermeister- und Presseamts.

Leonhard Steger

Von Beginn meiner Arbeit an habe ich mich besonders dem Gedanken der Versöhnung zwischen Deutschen und Russen verpflichtet gefühlt. Und so war es mir denn auch ein Herzensanliegen, die Veteranen der Partnerstädte zusammenzuführen. Der 50. Jahrestag des Überfalls der Hitler-Truppen auf die UdSSR erschien mir hierfür der geeignete Anlaß. Es bedurfte einer langwierigen und sensiblen Vorarbeit, um die Idee, zu diesem traurigen Jubiläum, Kriegsteilnehmer aus Erlangen nach Wladimir einzuladen, Gestalt annehmen zu lassen. In Jakow Moskwitin, einem Oberst der Sowjetarmee und dem Vorsitzenden des Wladimirer Veteranenverbands, fand ich schließlich einen Menschen, der bereit war, die Hand auszustrecken. Unter Leitung von Stadtrat Heinrich Pickel, der als einer der ersten seinerzeit über den Bug gesetzt hatte, reisten darauf zehn Veteranen aus Erlangen nach Wladimir.

Leonhard Steger, 2. v.l., beim Suppefassen

Was dort an menschlich Bewegendem geschah, hat alle Mitwirkenden und Zeugen tief beeindruckt und geprägt. Ich persönlich rechne diese Begegnungen voller Versöhnungs- und Verständigungsbereitschaft zu meinen wichtigsten Erlebnissen überhaupt und schöpfe daraus eine nie versiegende Kraft für meine weitere Arbeit. Eine Kraft, die mich darauf verpflichtet, alles in meinen Kräften Stehende daran zu setzen, das Netz der Partnerschaft zwischen den Menschen beider Städte so eng und fest zu knüpfen, daß kein Vorurteil, keine Ideologie, keine Parole es mehr würde zerreißen können.

Leonhard Steger mit Kameraden zu Pferde

Die Feinde von einst mußten erkennen, daß sie gar nichts gegeneinander hatten. Der Krieg wurde nun auch in den Köpfen und Herzen besiegt. Es kam zu Gegenbesuchen in Erlangen, der Veteranenchor aus Wladimir trat in der Partnerstadt auf, der Bayerische Soldatenbund organisierte Reisen, das Wladimirer Museum präsentierte eine Ausstellung zum Thema „Deutsche Kriegsgefange in Wladimirer Lagern“, der Veteran Nikolaj Schtschelkonogow verfaßte seine großartige „Erlangen-Hymne“, die VHS Erlangen veranstaltete eine Podiumsdiskussionen zum Unternehmens Barbarossa, es erschienen „Rose für Tamara“ und „Komm wieder, aber ohne Waffen“, im Blog gibt es eine eindrucksvolle Serie von Erinnerungen deutscher und russischer Kriegsveteranen.

Im Morast von Rumänien

Seit dem Juni 1991 trage ich voller Stolz den Ehrentitel „Junger Veteran“. Wenn ich mich also nicht glücklich nennen darf, wer dann? In dem Land, an dessen Brandschatzung mein Vater teilgenommen hatte, habe ich ungezählte Freunde, durfte das Erlangen-Haus mit aufbauen, im Auftrag der Erlanger viel Gutes tun – und das Vermächtnis meines Vaters erfüllen. Dafür danke ich allen, die mich zu dem gemacht haben, der ich bin, und denen, die mich so sein lassen, wie ich bin.

Rückzug

Unmittelbar an das Vorwort schließt sich folgendes Gedicht aus meiner Feder an:

Kapitulation

Sie kamen… / um zu siegen – / und blieben / oft nur liegen / auf jenem Feld / der Ehre, / auf daß man ihn vermehre: / den Ruhm / von Volk und Land, / des Glückes Unterpfand.

Und wer nach Haus / gekommen, / war fremd, vor Scham benommen. / Die Wunden / heilten nie, / auch wenn man / sie verzieh, / sie schmerzen immer wieder, / grad jetzt im Mai, / wo Ginster blüht und Flieder.

Die Sünden ihrer Väter / verbüßen noch viel später / die Söhne, / die nicht wissen, / was dem verweinten Kissen / vom Vater anvertraut, / dem das Gewehr war Braut.

Sie tragen keine Schuld, / doch schulden sie Geduld / sich selbst, dem Sieger / und dem Täter, / sonst werden sie Verräter / an sich und ihrer Zeit, / die endlich scheint bereit, / das Wort „vergib“ zu sprechen / und mit dem Haß zu brechen.

Danke für alles, was Du mir gegeben, mein Vater!

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Es ist ja jedes Mal eine Freude, die Kinderklinik in Wladimir zu besuchen und zu sehen, wie sich dort beständig alles weiter verbessert – von der Patientenaufnahme über die Therapie bis hin zu den baulichen Veränderungen oder der Ausstattung und Möblierung der Wartebereiche. Wie gut das – gerade auch mit Erlanger Hilfe – gelingt, war gestern bei der Übergabe des Umschlags mit 270 Euro zu erleben, dem Erlös aus dem Pausenverkauf an der Heinrich-Kirchner-Schule im Advent.

Swetlana Makarowa, Peter Steger und Nikita

Schon im Vorjahr hatte man mit dem Geld der Grundschüler Sitzecken für die kleinen Patienten eingerichtet; nun möchte Swetlana Makarowa, ärztliche Direktorin des Krankenhauses auch die übrigen Stationen so bunt und spielerisch gestalten. Wohl fühlt sich hier jedenfalls sichtlich schon Nikita, der sich nicht lange bitten läßt, um den Spendenbrief aus Erlangen in Empfang zu nehmen und den Elchtest zu machen.

Nikita

Ein drollig-vergnügtes Kerlchen, bereits nach kurzer Untersuchung in der Poliklinik an der Hand der Mama wieder nach Hause entlassen. Und der Elch hat den Test ebenfalls wohlbehalten überstanden.

Swetlana Makarowa, Peter Steger und Nadeschda Sergejewa

Getestet werden soll in diesem Jahr aber noch ein ganz anderes Vorhaben, der Austausch von Pflegepersonal. In der Ärzteschaft gehören Hospitationen an den Universitätskliniken in Erlangen ja seit Anfang der 90er Jahre sozusagen zum Standardprogramm der Fortbildung, Krankenschwestern hingegen hatten dazu bisher – von wenigen Ausnahmen, vor allem in der Psychiatrie, abgesehen – kaum Gelegenheit. Das soll sich nun ändern: Im November kommt Oberschwester Nadeschda Sergejewa mit einer Kollegin aus der Onkologie zu einer Hospitation an die Erlanger Kinderklinik.

Wjatscheslaw Dejew, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa und Peter Steger

Und kaum ist der Anfang gemacht, schon bringt Jelena Owtschinnikowa, stellvertretende Leiterin der Regionalen Gesundheitsbehörde und ehemalige Sozialbürgermeisterin, den Vorschlag ins Gespräch, in das Programm auch weitere Bereiche der Medizin einzubeziehen. Sehr zur Freude von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die am Abend zu einem Essen einlädt, bei dem viele Pläne für das laufende und das kommende Jahr geschmiedet werden, von denen bald mehr zu hören sein wird. Denn, so viel sei schon einmal verraten, im Mai 2020 feiert das Erlangen-Haus, das seinen Elchtest bei den Gästen immer wieder mit Auszeichnung besteht, das erste Vierteljahrhundert.

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Es hatte etwas von den Bremer Stadtmusikanten, als gestern das Quintett um Alexej Kruglow am Erlangen-Haus an den Start ging, um bis an die westliche Grenze Wladimirs, in den Park Druschba zu laufen. Unterwegs nämlich bekam der Trupp immer wieder unerwartet Zuwachs.

Roman Tschernow, Nikolaj Petrow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Witalij Galkin

Da war zum Beispiel der Herr mit dem Hündchen an der Leine und der Schiebermütze auf dem Kopf, der auf Höhe des Goldenen Tors aus dem Bus stieg und stante pede mitlief – bis zu seiner Arbeitsstelle einen halben Kilometer weiter.

Oder die junge Mutter mit dem Baby im Wagen, die sich der Läufergruppe in der Nähe vom Platz des Sieges der Gruppe anschloß und bis zum noch fünf Kilometer entfernten Ziel mithielt.

Am Ende waren es dann um die fünfzehn Kilometer, die das Team von Alexej Kruglow, der auch die Bilder von unterwegs machte, zurückgelegt hatte, bevor man wieder am Erlangen-Haus eintraf. Ein Freundschaftslauf als kleine Entschädigung dafür, daß heuer Wladimir beim Winterwaldlauf in der Brucker Lache leider nicht vertreten sein wird, ein Freundschaftspreis mit einem Trostpflaster: Alexej Kruglow blickt auf 25 Jahre sportlichen Austausch mit Erlangen zurück und will seine fränkischen Freunde im Juni wieder besuchen – als Initiator einer Bürgerinitiative im Kampf gegen eine vermüllte Umwelt, als sportlicher Kämpfer für saubere Wälder, als Mitglied der Delegation, die sich mit Erlanger Fachleuten zu ökologischen Fragen austauschen will. Aber davon bald mehr hier in Ihrem Blog.

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Besten Dank nochmals für Ihre ausführlichen Informationen über das vielseitige und erfolgreiche Wirken, in besonderer Weise Ihrerseits und anderen Beteiligten, zur Thematik der Behindertenhilfe im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir. Ihre umfassenden, ganzheitlichen Sichtweisen, die Sie ja auch als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter des Landkreises umsetzen, waren beeindruckend und uns Orientierung gebend – das war ja unser Wunsch und Ziel der Informationsfahrt nach Erlangen. Bei dieser Besuchsgelegenheit konnten wir Ihnen und Peter Steger auch vermitteln, wie die Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim/Enzkreis und ich selbst im beruflichen Bereich (ehemals Jugendamtsleitung kreisfreie Stadt) einige Projekte erfolgreich in Irkutsk (ohne Oblast-Bezug) umsetzen konnten (DRG: z.B. Handwerkerfortbildung, Jugendamt: z.B. Jugendhilfesystem-Transformation Pflegeeltern). Es war interessant und hilfreich zugleich, in wesentlichen Punkten etwaiger Ansatzpunkte für ein Engagement zum Aufbau einer qualifizierten Behindertenhilfe in Irkutsk übereinzustimmen. Sehr angenehm war für uns, von Ihnen und vom Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen zu erfahren, daß in Wladimir Oblast- und Stadtverwaltung auch gemeinsame Kooperationspartner sind und vor allem durch die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit heute eine wesentliche Unterscheidung der formalen Zuständigkeit beider Behörden so gut wie nicht erforderlich ist. Insbesondere spielt es demnach für die städtische Partnerschaft keine Rolle, wenn bei einzelnen Projekten – aus welchen Gründen auch immer – die Region Ansprech- bzw. Kooperationspartner ist. Der wesentliche Grund und die Ausgangsbasis sind dort: die eigentliche Zielgruppe der beabsichtigten Wirkungen sind die betroffenen Behinderten(!). Dies wird für uns nunmehr auch die naheliegende Leitorientierung und Argumentation, um dabei maßgebliche Funktionsträger und sonstige Personen kennenzulernen, die mit entsprechender Kompetenz zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit bereit wären. Für die Reise nach Irkutsk von wenigstens zwei Wochen haben wir uns den Monat Mai 2020 in Aussicht genommen. Bis zum Jahresende 2019 sollte der genaue Reisezeitpunkt abgesprochen werden.

Für die Perspektive unserer Zusammenarbeit darf ich mich sehr bedanken und auch die gleichlautende sehr positive Einschätzung von Jörg Göttlicher mit einbeziehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie im Laufe des Jahres einmal nach Pforzheim kämen, um über Ihre Aktivitäten in Wladimir und Umgebung zu berichten (Rahmen Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim). Das organisieren wir sehr gerne. Nach Rücksprache mit unserer Vorsitzenden, Katharina Leicht, melde ich mich wieder.

Jörg Göttlicher, Albina Alstut, Manfred Becker und Jürgen Ganzmann

Dieses Zitat aus einem Schreiben von Manfred Becker bezieht sich auf eine Besprechung mit Jürgen Ganzmann am vergangenen Donnerstag im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben mit dem Ziel, Erfahrungen in der Behindertenarbeit in Wladimir und Irkutsk auszutauschen und in Zukunft inhaltlich zusammenzuarbeiten. Der Träger des Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland baut in den 90er Jahren in der sibirischen Partnerstadt von Pforzheim das erste System von Pflegefamilien auf, das heute landesweit eingeführt ist und erfolgreich – auch in Wladimir – praktiziert wird. Außerdem stiftete er Kindergartenpatenschaften in einer Zeit, als die Kleinen noch meinten, die Altersgenossen im andern Land trügen grüne Haare. Unterstützt von Jörg Göttlicher, promovierter Naturwissenschaftler im Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft, dürfte die Umsetzung dessen, was besprochen wurde, nicht lange auf sich warten lassen, denn Manfred Becker ist ein Mann der Praxis und der Tat, der Ideen möglich macht. Im Gespräch mit einem hochrangigen Politiker in Irkutsk gab er einmal den Tip: „Ein Antragsteller will kein Vielleicht hören, er braucht ein Ja oder ein Nein!“ Nach diesem Prinzip handelt er auch selbst, ebenso wie Jürgen Ganzmann, der im April mit seiner Mitarbeiterin Albina Alstut nach Pskow reist, um dort bei einer Konferenz u.a. die Partner aus Wladimir und Irkutsk zu treffen und zusammenzubringen.

 

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Vorgestern verstarb Klaus Kinkel. Kaum jemand weiß noch, welche Rolle der ehemalige Außenminister im Gefüge der Städtepartnerschaft spielte, als er am 18. Dezember 1993 von einem Ausflug nach Susdal mit seinem russischen Kollegen Andrej Kosyrjew mit dem Hubschrauber nach Wladimir zu einem Konzert des Kammerchors unter Leitung von Eduard Markin kam.

Manchmal geht es eben im Leben nicht ohne den Kairos, den man am Schopfe freilich nur packen kann, wenn man sich selbst in Bewegung setzt. So geschehen ganz unerwartet zwischen dem 14. und 19. Dezember 1993, als der Partnerschaftsbeauftragte eine seiner privat finanzierten Dienstreisen nach Wladimir unternahm, um die ebenfalls ehrenamtlich tätigen Monteure am Erlangen-Haus zu unterstützen.

Der Blog-Redaktion liegt nun exklusiv der interne Reisebericht von Peter Steger vor, aus dem hier das Gedächtnisprotokoll zum 18. Dezember 1993 zitiert wird, freilich, jener heute so fernen, prävirtuellen Zeit entsprechend, leider unbebildert.

Andrej Kosyrjew und Klaus Kinkel

 

Am frühen Morgen ist die Monteurgruppe abgereist. In der Hoffnung auf eine Gelegenheit zur Übergabe wurde der Vormittag darauf verwandt, Material über die Städtepartnerschaft zusammenzustellen und einen Brief an Außenminister Kinkel abzufassen. In dem Schreiben sind nicht nur die Schwerpunkte der Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir dargestellt, sondern es wird auch hingewiesen auf die Schwierigkeiten bei der Erteilung von Visa vor allem bei Privatreisenden. (…)

Im Laufe des Nachmittags setzte außerordentlich starker Schneefall ein. Bereits zum frühen Abend war die Stadt tief verschneit. Es mußte deshalb davon ausgegangen werden, daß die beiden Außenminister gar nicht kommen würden. Gegen 18.00 Uhr ging allerdings bei Prof. Markin ein Anruf von der Miliz ein, in dem eine Verzögerung der Ankunft angekündigt wurde. Gegen 19.00 Uhr, also zum geplanten Konzertbeginn, traf ein größerer Troß von deutschen Journalisten ein. Gegen 19.30 Uhr betraten die beiden Außenminister mit ihren Gattinnen, Protokollbeamten und Dolmetschern die Georgij-Kirche, und das etwa einstündige Konzert konnte beginnen.

Der Auftritt wurde begeistert aufgenommen. Herr Kinkel stand auf uns sagte einfach nur „toll, toll“. Von der insgesamt 25köpfigen Delegation folgten etwa fünf Personen, als der engste Mitarbeiterkreis, der Einladung Herrn Markins an die Ehepaar Kinkel und Kosyrjew zu einem als kurz angekündigten Gespräch in sein Arbeitszimmer. Aus den vom Protokollchef der Regionalverwaltung zugestandenen zwei Minuten wurden deren etwa zwanzig, und es entspann sich sehr rasch ein ungezwungenes Gespräch, in dessen Verlauf nicht nur der Brief und die übrigen Unterlagen übergeben, sondern vor allem auf Bitten von Herrn Kinkel von den Erlanger Erfahrungen mit dem Kammerchor berichtet werden konnte. Herr Kinkel sagte spontan zu, sobald wie möglich dafür zu sorgen, den Chor zumindest nach Karlsruhe und Bonn zu bringen. In diesem Zusammenhang forderte er dazu auf, umgehend an ihn persönlich und vertraulich, unter Hinweis auf das Gespräch nach dem Konzert, ein „Erinnerungsschreiben“ zu richten. Es gehe ihm aber ausschließlich um diesen Chor, nicht um die ebenfalls erwähnte Tournee des Knabenchors. Erst nach einer Tasse Tee und einem Schluck Cognac (Zitat Kinkel: „Wir trinken alles, nur essen können wir nichts mehr. Die Sauna sehe ich schon dahinschwinden.“) brach die Delegation wieder auf.

Klaus Kinkel stand übrigens nach Eingang des Briefes aus Erlangen zu seinem Wort und setzte sich offenbar auch gegen Widerstand im eigenen Haus durch. Seine Verwaltung wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den Auftrag jenseits der „Kernaufgaben“ und delegierte die Organisation der Tournee an den Deutschen Musikrat. Es wäre eine eigene Geschichte, das Gezerre um die Finanzierung zu schildern, aber Ende gut, alles gut. Im Herbst 1994 ging der Kammerchor Wladimir auf Deutschlandtournee – mit Auftritten in Karlsruhe und in Erlangen. Wer dabei war, wird dies Klaus Kinkel nicht vergessen, der schon damals zu Protokoll gab, zwischen diesen Partnerstädten tue sich offensichtlich etwas Besonderes.

Eduard Markin selbst erinnert sich wie folgt an Klaus Kinkel:

Die Tournee verlief hervorragend. Wir waren unter anderen in Bonn und Karlsruhe, wo Klaus Kinkel herstammt. Er kam eigens zum Konzert und fragte mich auf der Bühne, ob ich mich an ihn erinnere! Wie mich nicht erinnern an den Mann, der es einem Chor aus der russischen Provinz ermöglicht hatte, vor großem Publikum in Deutschland aufzutreten. Er war ein echter Außenminister, der versuchte Frieden auf der Erde mit hoher Kultur zu schaffen! Ein großer Bürger eines großen Deutschlands!

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Er ließ es sich nicht anmerken, aber ein wenig nervös war Kirill Wedernikow gestern schon, so kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule mit Oberbürgermeister Florian Janik und all den vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und vor allem natürlich Kunst und Kultur. Doch schon im Gespräch mit Erlangens Stadtoberhaupt löste sich die Spannung und wich der Freude darüber, mit welcher wißbegierigen Offenheit man seinen Arbeiten begegnete.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer

Der Künstler hätte es freilich auch schon vorher wissen können. Denn von Beginn an hatte er – „trotz meiner geringen Englischkenntnisse“ – mit der Gruppe Andersartig eine gemeinsame Sprache gefunden, hatte die Verständigung über die Kunst, diese universelle Form des menschlichen Ausdrucks, bestens funktioniert. Und es war manchmal beim Aufbau, als hätten die Bilder ihren Platz an den Wänden und in den Räumen selbst gefunden.

Jutta Brandis

Glücklich und zufrieden jedenfalls waren nicht nur die Künstler, sondern vor allem Jutta Brandis, die mit „(R)Evolution“ nach dreißig Jahren des Wirkens an der Volkshochschule hiermit ihre vorletzte Ausstellung kuratierte, darunter viele mit Gästen aus Wladimir. Doch keine hatte sie nach eigenen Worten bisher so mit Freude über das Gelingen erfüllt wie diese, die nun noch bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, zu sehen sind.

Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Jutta Brandis, Carolin Gugel, Irene Hetzler, Michael Ort und Eva Herrmann

Zeit genug also, sich selbst noch einen Eindruck zu verschaffen von diesem deutsch-russischen Projekt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die Florian Janik in seinem Grußwort als wichtiges Element der Verständigung in Zeiten politischer Konflikte lobte, die aber auch zeigt, wie gut Künstler verschiedener Länder konzeptionell zusammenfinden können. Denn, so Kirill Wedernikow: „Sie entsteht zwar in Raum und Zeit, ist aber nicht an diese Dimensionen gebunden, wirkt darüber hinaus.“ Worte, die so auch gelten könnten für das eigens zu dieser Ausstellung komponierte „Concertino für Vibraphon und Klavier“, uraufgeführt von Michael Ort und Eva Herrmann.

Anke Steinert-Neuwirth, Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Carolin Gugel und Irene Hetzler

Ein großer Teil der Bühne – und auch der Ausstellungsfläche – gehörte gestern dem Gastkünstler, der Gelegenheit erhielt, anhand eines Videos mit beeindruckend animierten Arbeiten aus seiner jüngsten Schaffensperiode und einer Präsentation seinen Werdegang darzustellen. Erstmals im Ausland und erstmals in dieser Ausführlichkeit, denn in der Heimat können sich nicht alle an seiner Ästhetik etwas abgewinnen.

Karin Günther und Peter Millian

Sie hat ja auch tatsächlich etwas Düsteres, und vor allem in seinem Zyklus der Lost Places und Industriebrachen sehe man wenig Optimismus und Aufbruch, wie Peter Millian von den Erlanger Nachrichten bemerkte. „Richtig“, bestätigte der 27jährige Künstler aus Wjasniki, hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegen, „aber aus diesem Schatten bin ich herausgetreten, diese Periode liegt hinter mir.“

Zwar, so der Künstler, ziehe ihn noch immer diese Landschaft des Verfalls mit ihren groben Formen und den unendlichen Räumen des Vergehens magisch an, weil es da so viel Gestaltungsmöglichkeit gebe, aber nach seinen Anfängen im Bereich des Graffiti und der Straßenkunst und all den Lehrjahren durch die Kunsthochschule in Susdal sowie die Aufenthalte in Sankt Petersburg und Moskau wende er sich nun stärker philosophischen, theologischen und mythologischen Themen zu.

Kirill Wedernikow im Gespräch

Man hört es aus seinen Worten heraus, man merkt es seinen Bildern an: Hier wird man Zeuge eines künstlerischen Reifeprozesses, der auf dem Weg zu echter Meisterschaft ist, im Ausdruck wie im Handwerk. Passend zum evolutionären Titel der Ausstellung mit dem R in Klammern.

So richtig zur Geltung kommt das im Musikzimmer, wo die Keramiken von Carolin Gugel und die Arbeiten von Kirill Wedernikow einander nicht nur ergänzen, sondern in ihrer Wirkung verstärken, formal wie inhaltlich. Aber davon sollte man sich selbst überzeugen. Zeit ist ja noch genug.

Und nehmen Sie sich auch ein paar Minuten für die Mappen, wo sich neben Angaben zu den Persönlichkeiten auch die Preise für die Arbeiten finden. Es bietet sich die exklusive Gelegenheit, eine Wedernikow-Sammlung, die erste in Deutschland und außerhalb seiner russischen Heimat, aufzubauen.

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