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Posts Tagged ‘Peter Steger’


Bei all dem, was Tatjana Terentjewa, Leiterin des Wirtschaftsamtes der Stadt Wladimir, und Konrad Beugel einander gestern vormittag zu erzählen hatten, hätten die Gäste es beinahe nicht mehr zum Mittagszug nach Moskau geschafft. Nach all den Treffen und Präsentationen auf der ökonomischen „Makroebene“ gab es nun aber auch wirklich mehr als genug Themen aus dem Bereich der kommunalen Zuständigkeit für die Wirtschaftsförderung zu besprechen. Und siehe da, bei allen strukturellen Unterschieden zwischen den Partnerstädten – in Wladimir dominieren die lebensmittelverarbeitende Industrie, etwa mit einer Molkerei von „Danone“ oder der Großbäckerei, sowie die Chemie gibt es durchaus gemeinsame Sorgen und Nöte, zum Beispiel den Mangel an Gewerbeflächen und den Widerstand der Anwohner gegen die Ansiedlung eines Bitumenwerks oder einer Müllsortieranlage, vergleichbar mit dem Erlanger Volksentscheid gegen die Ausweisung eines Industrieparks entlang der Autobahn im Süden der Stadt.

Konrad Beugel, Tatjana Terentjewa und Peter Steger

Auch das Problem mit den Aus- und Einpendlern kennt man in Wladimir – und die Ansiedlung von Betrieben im Umland, wo dann auch die Einkommenssteuer bleibt. Genug Gemeinsamkeiten, doch zu wenig Zeit, um alles im Detail zu besprechen, weshalb denn auch Konrad Beugel seiner Kollegin vorschlägt, ein Seminar in Erlangen zu veranstalten, wo man gemeinsam nach Lösungen suchen könnte. Jetzt braucht es nur noch einen Termin…

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Es ist nun auch schon wieder eine Woche her, seit Zweiraumsilke, die Siegerband beim letztjährigen Newcomer Festival aus Wladimir zurück ist. Inzwischen war die Gruppe auch schon wieder auf Tour, dieses Mal in der Lausitz. Bis also der Reisebericht des Ensembles in der Redaktion des Blogs eintrifft, hier schon einmal die Reportage des Online-Portals „Pro Wladimir“:

Zweiraumsilke in Wladimir

Am 5. November kam es in Wladimir zu einer ungewöhnlichen Abendveranstaltung. Im „Max-Bräu“ betraten nicht nur die Wladimirer „Metamorphis“ und „Record Orchestra“, sondern auch die deutsche Gruppe „Zweiraumsilke“ aus der Partnerstadt Erlangen die Bühne. Grunge, Rock und kaukasisch-balkanische Klänge mischten sich mit Rap und Hip-Hop. Der ungewohnte Sound der Gäste kam bestens an, und das Publikum des internationalen Abends tanzten voll ab.

Zweiraumsilke in Wladimir

Die Bretter, auf denen im Restaurant häufig Konzerte gegeben werden, erhöhte man ein wenig, so daß es die Musiker zum ersten Mal mit so etwas wie einer richtigen Bühne zu tun hatten, wenn auch mit einer kleinen. Die deutsche Band mit dem für gewöhnliche Russen schwer auszusprechenden Namen fand als zwölfköpfige Formation kaum Platz im Quadrat.

Zweiraumsilke in Wladimir

Vor dem Konzert hatten wir in der Redaktion von „Pro Wladimir“ uns Aufnahmen von „Zweiraumsilke“ angehört. Der erste Eindruck war nicht so prickelnd, und wir konnten das Ensemble auch gar nicht richtig in der Musikwelt einordnen.

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Zweiraumsilke in Wladimir

Doch die Band aus Erlangen, die sogar ein Album bei „Apple Music“ veröffentlicht hat, schaffte mit ihrer Bläserphalanx eine Überraschung und heizte dem Saal so richtig ein. Live klangen sie um einiges besser als auf Konserve. Ein charismatischer Frontmann, eine unverwechselbare und sogar für Leute attraktive Musik, die mit Rap nichts am Hut haben. Und dann noch das Outfit der Gruppe: Sportjacken von Adidas, einfache T-Shirts und kosmisch angehauchte Hosen…

Zweiraumsilke in Wladimir

Und die Band selbst? Die schreibt auf Facebook:

An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an Stanislaw von der Stadt Wladimir für die interessanten Stadttouren, Schamil und Ilja von „Metamorphis“ für die Konzertorganisation und die Jamsession, Karin Lippert und Peter Steger von der Stadt Erlangen für die Vorbereitung der ganzen Reise, dem Newcomer Festival für diese Gelegenheit und all die wundervollen Menschen, die wir in unserer Zeit in Wladimir kennenlernen durften. Danke von Herzen, Wladimir, Ihr Verrückten!

P.S.: Wie es im Konzert abging, kann man in diesem Konzertmitschnitt sehen und hören: https://is.gd/yFtrr4, und die Band selbst hat in Susdal einen Clip gedreht, der hier zu finden ist: https://is.gd/ltJ4aq

 

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Da der Blog keinen Redaktionsschluß kennt, sind auch Beiträge stets willkommen, die erst einige Zeit der Lagerung und Reifung benötigen. Daher heute Betrachtungen über Möglichkeiten der Anreise nach Wladimir von Moskau aus, niedergeschrieben schon vor etlichen Monaten von Jonas Eberlein, also einem, der bereits als Schüler des Ohm-Gymnasiums auszog, um die Partnerstadt kennenzulernen und dort seit seiner Tätigkeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst immer wieder ein wohlgelittener Gast ist.

Obgleich es eine Fahrt ist, die nur so lange dauert, wie ein ausgedehntes Mittagessen mit einem guten Freund, nehme ich selten den Zug gen Osten nach Wladimir, in die weiße Stadt an der Kljasma. Oft schon habe ich die Partnerstadt Erlangens besucht, – aber niemals war ich mit dem Fahrrad dort gewesen.

Jonas Eberlein, Gertrud Härer, Manuel und Fredi Schmitt; nur das Tandem durfte nicht mit…

Den schaurigen Wettervorhersagen zum Trotz strahlt immer noch die Sonne, als ich bereits zum zweiten Mal heute mit meinem Köfferchen in die Trambahn steige, um zum Bahnhof zu fahren. Dieser leuchtende Apriltag wäre die Gelegenheit für eine ausgedehnte Radtour gewesen. Zwei Tage würde es dauern, wenn man nicht die M7 nähme, die wie alle „Automagistralen“ im weiten Land für Radfahrer verboten ist. Zwei Wege bietet ein Blick auf die Karte: südlicher durch das Torfgebiet von Sсhatura, oder über Kirschatsch und Koltschugino, nördlich der Magistrale.

Jonas Eberlein, Susanne Lender-Cassens und Gertrud Härer in Susdal – ohne Tandem

Rückenwind wäre heute gewesen, denke ich, als mich eine Stimme zurück in den Wartesaal reißt: „Wären Sie ein paar Minuten früher gekommen“, sagt der Administrator und liest mir die nächsten Abfahrtszeiten vor, die ich auf meinem Smartphone so oft gescannt hatte, als ich in der Schlange wartete, daß ich sie ihm beinahe auswendig aufsagen konnte. „Vor ein paar Minuten“, verkneife ich mir zu kommentieren, „ließ sich eine betagte Dame bezüglich ihrer Reise nach Minsk beraten.“ – „In drei Wochen, junger Mann“, hatte sie zu demselben Herrn gesagt, der nun vor mir steht. Durch eine riesige Glasscheibe ist er abgetrennt von der hektischen Welt. Und in den nächsten Feiertagen wollte ein Herr nach Jekaterinburg reisen, erkundigte sich daher höflich nach unteren Liegeplätzen im Nachtzug: „Aber in Waggon Nr. 3 vielleicht? Sehen Sie doch bitte noch einmal nach, ja?“ Der multilinguale Automat, der gegenüber den Kassenfenstern in der Wartehalle lauert und dessen rot gestrichener Blechkollege heute sowieso nicht arbeitete, wollte partout keine Tickets mehr für den frühen Zug verkaufen. Drei Mal hatte ich es in gründlicher Eile versucht.

Jonas Eberlein mit Peter Steger zum Aufwärmen auf dem Tandem in Wladimir vor dem Halbmarathon im September

„Für den Nachmittagszug also, junger Mann?“, fragt mich der Administrator. „Für den Nachmittagszug also“, gebe ich zu. „Kasse 16“, sagt der Administrator und nimmt meinen Reisepaß an sich, um mir ein Ticket ausstellen zu lassen. Ich hätte wirklich mit dem Fahrrad fahren sollen.

Jonas Eberlein – aus dem April 2017

Photos: Othmar Wiesenegger

Jonas Eberlein und Doris Härer vor dem Lauf

Regelmäßige Blogleser wissen es längst: Jonas Eberlein, Erlangens „Botschafter“ in Moskau, war mittlerweile mit dem Rad, sogar per Tandem, in Wladimir, zusammen mit Gertrud Härer, und wird hoffentlich noch die eine oder andere Anekdote dieser Reise nachliefern, zu der es den immer wieder lesenswerten Blog gibt: https://gertrud.haerer.org

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Liebe Leser des erlangenwladimir-Blogs, ich bin Mathilda Wenzel, 18 Jahre als und komme aus Saalfeld, in der Nähe von Jena. Vielleicht fragt sich der ein oder andere wie ich dazu komme, über mich etwas auf Peter Stegers Blog zu schreiben. Der Grund ist, seit August profitiere ich selbst in ganz besonderer Weise von der (hier immer so anschaulich beschriebenen) Verbindung zwischen Wladimir und den Städten Erlangen und Jena. Ich mache seit Mitte August einen Europäischen Freiwilligendienst in Wladimir. Dieses Programm wird nicht nur von der EU ermöglicht, sondern auch von der Eurowerksatt Jena und seiner Schwesterorganisation, dem Euroklub Wladimir, die das alles organisieren. Beide Einrichtungen haben sich auch auf dieser Website einen Namen gemacht, und ich möchte nun die Chance nutzen und an dieser Stelle etwas von den ersten Eindrücken mitteilen, die ich von diesem so  anderen und zugleich so schönen Land habe.

Mathilda Wenzel

Eigentlich wollte ich schon immer einmal nach Rußland. Nach den Gründen dafür gefragt, konnte ich nie eine richtige Antwort geben, zumal ich noch nicht einmal Russisch spreche. Deshalb haben meine Familie und Freunde mich auch eher für verrückt erklärt, als ich beschlossen habe, im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes, ein Jahr in Wladimir zu verbringen. Nach fast einer Woche hier würde ich sagen: Es ist vielleicht verrückt, aber vor allem interessant. Die Autofahrt von Moskau nach Wladimir bestätigte erst mal die gängigen Vorstellungen vom Land: auf der einen Seite Reichtum und Prunk in Moskaus Zentrum und den vielen goldkuppeligen Kirchen. Auf der anderen Seite Plattenbausiedlungen, bei denen manche Etagen aussehen, als würden sie bald zusammenbrechen. Oft hat man den Eindruck, als wäre das Geld, das bei der Instandhaltung der Wohnsiedlungen gespart wurde, für Blattgold und Kristallkreuze ausgegeben worden. Man muß allerdings zugeben, daß sich das für den Anblick der wunderschönen Kathedralen vielleicht gelohnt hat. Dank einigen netten Euroklub-Mitgliedern habe ich auch in Wladimir schon ein paar der architektonischen Meisterwerke besichtigt. Natürlich gibt es hier noch viel mehr, das ganz anders ist. Das Klischee der russischen Gastfreundschaft beispielsweise erweist sich als sehr wahr. Man wird zum Essen eingeladen, und alle helfen einem, den Weg zurück zum Wohnheim oder ins Zentrum zu finden. Das Studentenwohnheim ist zwar (natürlich) nicht wie in Deutschland, aber doch besser als erwartet. Nach ein paar Tagen weiß ich jetzt aber, daß der Satz „Es gibt keinen Plan“ hier wirklich wahr ist. Das meiste wird „später“ geregelt. Das ist zwar manchmal frustrierend, aber auch lustig. Von allen Stereotypen über das Land trifft der der russischen Gastfreundschaft am meisten zu. Auch wenn das Eingewöhnen natürlich schwer und alles sehr fremd ist, gibt es viele nette Menschen, die mir dabei helfen und Zeit investieren, damit ich mich wohlfühle.

Die obenstehenden Zeilen habe ich direkt fünf Tage nach meiner Ankunft geschrieben, sie spiegeln meinen allerersten Eindruck wieder. Nach über drei Wochen in Wladimir (die ziemlich schnell vergangen sind), bleibt derzeit vor allem ein sehr positives Gefühl. Ich freue mich auf die Arbeit im Euroklub, und auch der Alltag läßt sich etwas einfacher meistern, jetzt wo ich in der Stadt ein bißchen Orientierung gefunden habe. Wladimirs Zentrum ist wunderschön, und eigentlich ist allein der Anblick der Mariä-Entschlafens-Kathedrale ein Grund, hier zu sein. Inzwischen habe ich mich auch an den vielen Schwarztee gewöhnt und freue mich darauf, in den nächsten Wochen hoffentlich mit dem Russischlernen zu beginnen.

Mathilda Wenzel

Vom 17. bis 23. August fand in Wladimir das 16. internationale Treffen von jungen Künstlern, „Pleinair“ genannt, statt. Die diesjährige Zusammenkunft war dem Jahr des Umweltschutzes gewidmet. Hierzu fanden sich rund 400 Jugendliche aus dem ganzen Land und sieben weiteren Staaten zusammen. Die russischen Teilnehmer und die Jugendlichen aus Deutschland, Spanien, Slowenien, der Ukraine, aus Weißrußland, Usbekistan und Kasachstan trafen sich, um eine Woche lang zu zeichnen, die Umgebung zu erkunden und sich über Kunst auszutauschen. Hauptorganisator der Veranstaltung war die Organisation „Dom mira“ (auf deutsch „Haus des Friedens). Unterstützt wurde diese vom Euroklub Wladimir, der mit seinen Mitgliedern Jugendgruppen betreute, für einen reibungslosen Ablauf des Programms sorgte und übersetzte, kurz: mithalf um das Plenum auch in diesem Jahr wieder zu einem vollen Erfolg zu machen. Die internationalen, jungen und älteren Gäste besichtigten während ihres Aufenthaltes verschiedene Städte der Region und hatten reichlich Gelegenheit, ihren Impressionen auch künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Ehrengast des Treffens 2017 war der Pädagoge, Künstler und Professor Boris Nemenskij. Das Großereignis zur Förderung von jungen Künstlern und internationaler Zusammenarbeit im Bereich Jugend, fand am letzten Abend mit einem kulturellen Programm im Haus der Kultur seinen Abschluß. Es gab eine Vorstellung von traditionellen Tänzen und Gesängen, die sehr beeindruckend war. Anschließend wurden Urkunden an die Kinder und Jugendlichen verliehen (geordnet nach Altersklassen und Kategorie des jeweiligen Werks), die stolz in Empfang genommen wurden. Im Rückblick kann man sagen, daß auch das Plenum 2017 wieder großen Anklang bei den Jugendlichen aus verschiedenen Ländern fand und erneut bewies, wie einfach Völkerverständigung sein kann, wenn die junge Generation durch ein gemeinsames Interesse verbunden ist.

Jelena Guskowa und Mathilda Wenzel

Erster Schultag

Am 1. September waren wir in der Schule Nr. 2 zu Gast. Wir wollten den Schülern etwas über die Partnerschaft zwischen den Städten Jena und  Wladimir vermitteln und zugleich die Sache des Euroklubs an der Schule noch bekannter machen. Im kommenden Schuljahr wird, in Zusammenarbeit mit dem Euroklub, möglicherweise ein Austausch zwischen einer deutschen Schule und der Schule Nr. 2 organisiert. Nebenbei hatte ich die Möglichkeit, zu erleben, wie der erste Schultag hierzulande zelebriert wird. Während das nämlich in Deutschland, außer für die Erstklässler, einfach ein normaler Schultag ist, wird der Schulbeginn hier mit einigen Feierlichkeiten begangen. Es gab ein Programm mit verschiedenen Liedern und Tänzen, und einige Leute wurden ausgezeichnet. Am Ende sind alle Schüler klassenweise in die Schule gegangen. Im Unterricht haben wir schließlich in zwei neunten Klassen eine kurze Präsentation über Jena und den Jugendaustausch mit Wladimir gehalten. Meine Worte auf Deutsch wurden abwechselnd von Jelena und den Schülern (beziehungsweise jeweils von dem, der am Meisten verstanden hatte) ins Russische übersetzt. Auch wenn der Schultag in vielen Punkten so anders als in Deutschland verläuft, ist doch das Verhalten der Schüler im Unterricht überall dasselbe. Und so gab es natürlich auch hier die Klassenkasper und diejenigen, die echtes Interesse an Jena und den Aktivitäten des Euroklubs zeigten. Insgesamt war es ein sehr interessanter und schöner Vormittag, an dem wir sowohl den Euroklub etwas bekannter machen, als auch einen Einblick in den russischen Schulalltag gewinnen konnten.

Mathilda Wenzel

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Schon im ersten Semester der Humanmedizin die Möglichkeit zu bekommen, Ärzten über die Schulter zu schauen und dabei richtig etwas zu lernen? Ja, das klingt nicht nur unwahrscheinlich, das ist es eigentlich auch. Als mir Dominik Steger, ein Kommilitone aus einem höheren Semester, davon erzählte, er werde diesen Sommer für seine Famulatur wieder nach Wladimir gehen, war ich ganz begeistert und wollte ihn am liebsten begleiten. Durch die freundliche Organisation seines Vaters, Peter Steger, wurde aus der Idee Realität, und so fand ich mich Anfang September im Regionalkrankenhaus Wladimirs wieder.

Panoramablick vom Patriarchengarten auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Schon vor Beginn meines Humanmedizinstudiums an der Berliner Charité interessierte ich mich für die Radiologie. So kam es, daß ich bei Iwan Seliwjorstow, dem Leiter der Diagnostischen Abteilung des Regionalkrankenhauses Wladimir, eine Hospitation machen durfte. Er hatte seinerseits aufgrund der Städtepartnerschaft schon im Erlanger Uniklinikum hospitiert, wobei ihm sein fließendes Deutsch behilflich war. Gleich nach der Begrüßung und einem kurzen Gespräch über den Ablauf meines Aufenthalts, stellte Iwan mich der ärztlichen Direktorin des Regionalkrankenhauses vor. In dem Gespräch wurde klar, welcher Wert auf den internationalen Dialog gesetzt wird, und ich war ganz begeistert, daß sie sich für mich die Zeit nahm.

Robin Bockelmann und Iwan Seliwjorstow

Iwan startete unmittelbar danach eine kleine, persönliche Führung durch die Räumlichkeiten der Radiologischen Abteilung, welche auf mehrere Gebäude des großen Krankenhauskomplexes verteilt liegen. Beeindruckend war die personelle und technische Ausstattung, die einem deutschen Krankenhaus der gleichen Größe in nichts nachsteht. Neben einigen CTs, Röntgen- und mehreren Ultraschall-Geräten bietet auch der Magnetresonanztomograph eine modern eingerichtete Diagnostik-Abteilung. Ein bemerkenswerter Unterschied zur deutschen Facharzt-Weiterbildung: Im russischen System gibt es neben dem klassischen Radiologen auch den Facharzt für Ultraschall-Untersuchungen. Inwiefern diese Teilung eine Zukunft hat, ist noch ungewiß. Sie bildet aber eine interessante Lösung für die stetig wachsenden Anforderungen an den medizinischen Nachwuchs auch anderer Fachdisziplinen, neuen Technologien und dem enormen Wissenszuwachs gerecht zu werden.

Robin Bockelmann mit Alexej und Nikita

Nach dem Rundgang übergab mich Iwan in die Obhut zweier junger Ärzte, die das CT betreuten. Während die technische Assistentin die Patienten hinein- und herausbegleitete und ihnen Anweisungen für den bevorstehenden Scan vermittelte, saßen die Radiologen hinter einem dicken Glasfenster vor großen Bildschirmen und schauten sich in Echtzeit die Ergebnisse an. Schon nach wenigen Sekunden deuteten die beiden fast 30jährigen auf winzige Strukturen in verschiedenen Schichten und Gewichtungen und formulierten die jeweilige Diagnose. Selbst für die Augen eines interessierten Medizinstudenten, erscheinen die Bilder wie ein gut sortierter Haufen schwarzer und weißer Pixel mit einigen Graustufen. Man merkt sofort, welch ein Erfahrungsschatz hier gefordert und benötigt wird. Innerhalb weniger Minuten wird die Diagnose unterschrieben und gestempelt, während der nächste Patient schon in der Röhre des CT-Gerätes liegt. Alexej war einer der beiden jungen Ärzte, die versuchten, mir die Bilder mit den jeweiligen Abnormitäten zu erklären. Er lud mich und Dominik Steger später in eine Bar und dann zu sich nach Hause ein, wodurch ich Wladimir auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernte – ebenso den Wodka mit eingelegten Gurken. An dieser Stelle sei betont: Die russische Gastfreundschaft ist kein Gerücht, was ich während meines Aufenthaltes immer wieder feststellen durfte.

Um die MRT-Diagnostik kümmerte sich Iwan höchstpersönlich. Er erklärte mir die Funktionsweise des Gerätes und Vielfältigkeit der Bilder durch eine große Auswahl an Equipment. Während auch hier die Patienten von den technischen Assistenten hinein- und herausbegleitet wurden, zeigte mir mein Mentor die Einzelheiten, worauf er achtete und wie er sich systematisch der Diagnose näherte. So gab er mir die Möglichkeit, bei dem einen oder anderen Bild bereits Abweichungen selbständig erkennen zu können. Ein Fortschritt, der mir viel bedeutet.

Bevor sich die Hospitation dem Ende neigte, durfte ich noch eine kurze Zeit in der Röntgen-Abteilung verbringen. Auch hier arbeitet ein sehr gut eingespieltes Team, welches, einem Fließband gleich, allerdings mitnichten von minderer Qualität, den Patienten nicht lang auf sein Bild samt Diagnose warten ließ. Auch wenn sprachliche Barrieren es leider oftmals nicht ermöglichten, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, stellte mir Iwan jede Ärztin und jeden Arzt, einige Krankenschwestern und technische Assistenten vor und sorgte so für ein sehr offenes und freundliches Arbeitsklima. Ein Klima, in dem ich mich wohlfühlte und gern wieder arbeiten wollen würde, sobald ich mehr Erfahrungen, Wissen und Sprachkenntnisse mitbringe.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Meine Zeit in Wladimir erhielt allerdings auch eine besondere Note, durch die Menschen die ich hier kennenlernte. Ludmila, eine liebe Freundin Dominiks und Deutschlehrerin an einem Gymnasium, zeigte uns die Innenstadt der gut tausend Jahre alten Stadt. Von der Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit ihrer kunsthistorischen Bedeutung durch ihre Fresken Andrej Rubljows bis hin zum Goldenen Tor in dessen Inneren die Mongolische Invasion ausdrucksvoll und detailreich veranschaulicht wird.

Das oppulente Frühstück im Erlangen-Haus

Im Erlangen-Haus fand ich immer einen freundlichen und hilfsbereiten Ansprechpartner (für jeden Touristen zu empfehlen, der keinerlei Russisch-Kenntnisse aufweist!). Ohne Dominiks Bekanntschaften und exzellente Sprachkenntnisse wäre mein Besuch um einiges farbloser geworden, und ich hätte neben Wladimir auch Susdal und Moskau nur oberflächlich kennengelernt. An dieser Stelle auch ein großer Dank an Witalij Gurinowitsch und Sergej Siwajew!

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Für all diese Erlebnisse möchte ich mich insbesondere bei den beiden Stegers bedanken. Es sind Freundschaften und Kontakte entstanden, die über meinen Aufenthalt hinaus bestehen bleiben, und ich würde mich freuen, wenn dieser Besuch in Wladimir nicht der letzte gewesen ist.

Robin Bockelmann

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Ab 9.00 Uhr ist die komplette Gerade von der Einfahrt zur Altstadt von Wladimir über das Goldene Tor, den Kathedralenplatz, vorbei am Erlangen-Haus bis hinunter zum Michail-Frunse-Denkmal komplett für den Verkehr gesperrt, bereit für den ersten Halbmarathon der Partnerstadt, die Strecke abgesteckt, Bürgersteig und Straße wie geleckt.

Das Team Erlangen mit Freunden aus Wladimir vor dem Start. Photo: Dominik Steger

Gegen 11.00 Uhr nimmt das Team Erlangen mit Jonas Eberlein, Fredi Schmidt, Manuel Schmidt, Gertrud Härer und Peter Steger auf dem Kathedralenplatz Aufstellung, läuft sich ein, trifft Freunde vom Laufklub „Bodrost“, freut sich über das Wetter mit mäßiger Luftfeuchtigkeit, leichtem Wind und vor allem angenehmen Temperaturen um 16° C – unter bedecktem Himmel und ohne einen einzigen Regentropfen.

Jonas Eberlein und Fredi Schmidt. Photo: Dominik Steger

Nachgerade ideale Bedingungen, vor allem, wenn man weiß, wie verregnet und verhagelt der Wladimirer Sommer war. Und so zeigen sie denn auch ihre Lauffreude, Jonas Eberlein, der nebenbei auch noch mit drei Bällen jongliert, und Fredi Schmidt, der sich mit ihm – auf ärztlichen Rat – auf die Neun-Kilometer-Distanz macht. Beide laufen dann auch entspannt und gemeinsam als 109. und 110. von 155 Teilnehmern mit einer Zeit von 50:52 ins Ziel.

Peter Steger. Photo: Dominik Steger

Die drei anderen nehmen die Halbmarathon-Strecke mit persönlichen Bestleistungen – und das trotz der Härten des Auf-und-Ab-Parcours mit den dreieinhalb Runden und dem harten Asphaltprofil: Peter Steger kommt als 110. von 188 Teilnehmern mit 1:52:05 ins Ziel, und Manuel Schmidt bleibt als 132. im Feld mit 1:59:27 ebenfalls unter den magischen zwei Stunden.

Team Erlangen auf der Bühne. Photo: Dominik Steger

Und was ist mit Gertrud Härer? Sie zieht sich nach dem Lauf für eine halbe Stunde ins Erlangen-Haus zurück – und verpaßt leider die Team-Ehrung, von den Organisatoren ganz an den Anfang gestellt.

Team Erlangen in Siegerpose. Photo: Dominik Steger

Eine schöne Verneigung vor den Gästen, die mit ihrer Teilnahme der Veranstaltung nicht unbedingt den großen sportlichen Glanz verleihen, fehlt doch John Stackmann im Team, aber doch für ein internationales Flair sorgen.

Die Trophäen. Photo: Dominik Steger

Kompliment nicht nur für diese Geste an die Gastgeber, sondern auch für den gelungen Einstand. Zeitnahme, Verpflegungsstationen und Sauberkeit entlang der Strecke kann man nur vorbildlich nennen. Pawel Tschernow, immer wieder zu Gast beim Erlanger Winterlauf in der Brucker Lache, hat als Cheforganisator ein ausgezeichnetes Team zur Seite.

Die Freundschaft Erlangen – Wladimir hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Photo: Dominik Steger

Und da ist dann doch noch Gertrud Härer, die sich in ihrer Altersklasse nur Olga Sagitowa, ebenfalls regelmäßige Teilnehmerin am Winterlauf, mit 1:47:07 als elfte Frau im Feld durchsetzte. Und das nach fünf Wochen Radtour von Partnerstadt zu Partnerstadt. Applaus!

Gertrud Härer

An einem solchen Freudentag ist es aber auch gut, einmal innezuhalten und zurückzublicken auf die Wunder der deutsch-russischen Geschichte, wie aus Feinden Freunde wurden, kaum irgendwo mehr spürbar als hier am Platz des Sieges, in dessen unmittelbarer Nähe der Friedensbaum wächst, gepflanzt am 22. Juni 2011 von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, dem Erlanger Weltkriegsveteranen Wolfgang Morell und Wladimirer Kameraden.

Susanne Lender Cassens und Irina Chasowa

Schließlich noch eine wichtige Etappe mit dem Kauf von zwei Fahrrädern für das Erlangen-Haus. Eine Anschaffung, die sicher schon längst hätte getätigt werden müssen, die aber wohl zu warten hatte, bis Susanne Lender-Cassens ihren Antrittsbesuch macht. Die vier Kilometer zurück zum Erlangen-Haus sausen die Bürgermeisterin und der Partnerschaftsbeauftragte über deutlich schneller zurück als Irina Chasowa im Bus.

Susanne Lender-Cassens und Peter Steger. Photo: Irina Chasowa

Zu Gast bei Guram Tschjotschjew. Photo: Dominik Steger

Am Abend dann der Ausklang mit einem Bekenntnis im Freundeskreis der Orthopäden Guram Tschjotschjew: „Ich komme wieder nach Wladimir!“ Vielleicht ist ja der Bürgermeisterin die Partnerschaft auch schon zur „kleinen Heimat“ geworden, als die der gastgebende Orthopäde schon seit einem guten Vierteljahrhundert Erlangen betrachtet.

Mehr Bilder unter: https://is.gd/Nvslvw

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Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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