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Posts Tagged ‘Peter Steger’


Nach dem persönlichen Dank https://is.gd/UBkVKg kam gestern bei der offiziellen Verabschiedung von Josef Dobeneck aus dem Amt des Dekans, das er 25 Jahre bekleidete, das Vergelt’s Gott aus Moskau und Wladimir für all das Gute, das der Geistliche für die Städtepartnerschaft wirkte:

Lieber Pfarrer Dobeneck,
von Pfarrer Sergej Sujew über Ihr Ausscheiden aus dem langjährigen Amt des Dekans unterrichtet, nutze ich die Gelegenheit, Ihnen meine Dankbarkeit für all das zum Ausdruck zu bringen, was Sie für die Unterstützung der katholischen Gemeinde in Wladimir geleistet haben. In vielerlei Hinsicht ist die Stabilität dieser Gemeinde ein Verdienst Ihrer Amtszeit als Dekan von Erlangen, der Partnerstadt von Wladimir. Mich freut besonders, die Freundschaft zwischen der Jugend der Wladimirer Pfarrgemeinde und der Jugend aus Erlangen zu sehen. Besonders danken möchte ich Ihnen und all den anderen, die einen nicht unerheblichen Anteil an der Sammlung von Mitteln für den Bau des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde haben. Ich hoffe, wir können schon bald das Ergebnis dieser Bemühungen sehen!

Bitte nehmen Sie meine besten Wünsche für Ihre Gesundheit, ein langes Leben und Freude am Dienst für Gott und die Menschen entgegen!

Im Gebet verbunden
Ihr
Erzbischof Paolo Pezzi
Metropolit der Erzdiözese der Gottesmutter in Moskau

Peter Steger und Josef Dobeneck

Hochwürdiger und in Christo geliebter Pfarrer Josef,

gestatten Sie mir, mich in die Vielzahl der Gratulationen oder, genauer gesagt, in die Vielzahl der Danksagungen für Ihren langjährigen seelsorgerischen Dienst für Gott und die Menschen einzureihen!

Wir sind Ihnen unendlich dankbar für diese Jahre, in denen Sie in Ihrem Herzen und Gedanken einen Platz für die katholische Gemeinde in Wladimir fanden! Dank Ihrer Anteilnahme schlossen wir eine echte Freundschaft und gewannen die Unterstützung vieler Menschen in Erlangen und Bamberg! All diese Anteilnahme ermöglichte es unserer Gemeinde, in den Jahren des Werdens und Entstehend auf die Beine zu kommen.

Dank dem Verein „Nadjeschda“ schöpften wir Hoffnung auf Hilfe und Unterstützung. In diesen Jahren ging der Jugendaustausch nun schon in der zweiten Generation weiter. Die von uns begonnene Sache lebt also und entwickelt sich weiter…

Dies alles sind die guten Früchte Ihres Dienstes! Gute und erfreuliche Früchte!

Wir allen hoffen, noch viele solcher Früchte und Ergebnisse Ihrer Anteilnahme zu sehen. So hoffen wir etwa im bald fertiggestellten Pilgerzentrum ein weiteres Beispiel auch und gerade Ihrer Anteilnahme und Sorge erblicken zu können!

Lieber Pfarrer Josef, wir beten zu unserem Herrn um Gesundheit für Sie, um die Fülle des Segens, der auf all Ihren guten Werken ruhen möge, um Frieden und Freude für Ihr Herz! Unser FREUND lebe hoch!

Im Namen der katholischen Gemeinde Wladimir

Ihr dankbarer Freund, Sergej Sujew, Gemeindepfarrer

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Heute beginnt mit dem Russischen Gabelfrühstück um 11 Uhr im Club International der Volkshochschule die zweite Halbzeit der 10. Russisch-Deutschen Wochen. Grund genug, noch einmal zurückzublicken auf das, was bereits hinter uns liegt.

Jakow Orlowskij

Nach den Vorträgen von Julia Obertreis und Peter Smolka, von denen hier bereits die Rede war, entführte der seit 22 Jahren in Erlangen lebende Landvermesser Sibiriens, Jakow Orlowskij, sein begeistertes Publikum im überfüllten Historischen Saal auf eine Zeitreise. Begleitet oft nur von einem Theodolit aus Jena, zog der Geodät aus Leningrad jahrzehntelang durch die Taiga und Tundra Sibiriens, um die unendlichen Weiten des Landes festzuhalten und eine Karte anzufertigen, die erst 1985 fertig wurde und heute in Zeiten von GPS als obsolet gilt.

Jakow Orlowskij und sein Theodolit

Vergnüglich-unterhaltsam schilderte das älteste Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Erlangen seine Forschungsreisen voller Anekdoten. Nur ein Beispiel von vielen: Der Forschertrupp sieht in einem Fluß einen Bären, der sich an den Fischen gütlich tut. Ein Mitarbeiter des Sammlers der Geodaten meint zu wissen, wie man das Raubtier auch ohne Gewehr unschädlich machen könne: Man brauche nur viel Lärm zu machen. Davon bekomme der Bär Durchfall und anschließend einen Herzinfarkt. Die Probe aufs Exempel folgte, doch das Experiment verlief nicht nach Plan. Anstatt sich in die Büsche zu schlagen, um seinen Darm zu entleeren und anschließend dort zu verenden, stürmte der Bär auf die Störenfriede zu, die nun ihrerseits Reißaus nahmen, Fersengeld gaben, sich die Hosen vollmachten und sich gerade noch auf eine Anhöhe retten konnten, die zu besteigen dem Tier wohl nicht der Mühe wert schien.

Das Forschungsboot „Der Schrecken von Tschukotka“

Kurzum: Es hatte niemand zu kommen bereut, und dies war sicher nur der erste und nicht der letzte Vortrag des Landstreichers von Sibirien, wie er sich in einem Telegramm an seine Tochter selbst nannte.

Reinhard Beer und Othmar Wiesenegger

Dann die Impression von Othmar Wiesenegger, Vorsitzender des Foto- und Videokreises Siemens und Wladimir-Freund, dem die Blog-Redaktion eine Vielzahl von Bildern verdankt, übrigens auch in diesem Beitrag. Seine Freundschaft mit dem Kollegen aus der Partnerstadt, Wladimir Fedin, währt zwar erst drei Jahre, mündete aber schon in einer persönlichen Ausstellung mit Arbeiten des Erlangers in Wladimir und bietet einen Fundus, aus dem sich ein kurzweiliges Abendprogramm zusammenstellen läßt: angefangen von seinen geliebten „lost places“ bis hin zu Kirchen und Klöstern, Kindern und kyrillischen Buchstaben, die es ihm besonders angetan haben.

Mastermind der Russisch-Deutschen Wochen, Reinhard Beer, Othmar Wiesenegger und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die sich kaum eine Veranstaltung entgehen lassen will

Dann gestern das große Experiment für die Kleinen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Russisch-Deutschen Wochen findet sich auch etwas für Kinder im Programm: zwei Märchen aus dem Koffer von Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko, ein Geschenk ihrer Großmutter, in dem all die Geschichten leben, die diese vor langer Zeit auf ihren Reisen durch die weite Welt von guten Leuten geschenkt bekommen hatte. Wie würde das ankommen? Würde überhaupt jemand kommen?

Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko und Denis Malinin, gesehen von Torsten Hulke

Die Generalprobe hatte bereits im Kinderkrankenhaus stattgefunden, in ganz kleiner Runde: zwei Jungs, eine Mutter, ein Vater und eine Krankenschwester. Ganz nach dem Geschmack der Gäste, denn zu Hause treten sie auch gern im Familienkreis auf. „Je weniger Distanz zwischen Bühne und Zuschauern, desto besser“, so lautet das künstlerische Credo der Puppenspielerin, die erst vor drei Jahren – nach einer Kariere als TV-Journalistin – ihre Berufung entdeckte und nun mit Denis Malinin, der Bongo und das Tamburin schlägt, die Flöte, Maultrommel und die Balalaika spielt, ihre Premiere in Deutschland erlebt.

Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko und Denis Malinin, gesehen von Othmar Wiesenegger

Gestern morgen dann im Club International zunächst auch noch ein überschaubares Publikum, ein knappes Dutzend einschließlich der drei Kinder. Gut zum Aufwärmen bei dem Märchen aus dem hohen Norden Rußlands, wo der schwarze Rabe den Vogeleltern ihr einziges Wiegenlied raubt, ohne das ihr Küken nicht einschlafen kann. Gut zum Warmspielen, wenn der Vogelpapa, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, nach beschwerlicher Reise über das Eismeer den musikalischen Schatz zurück ins Nest holt, bevor sich dann bei der Nachmittagsvorstellung mit dem Märchen von der kleinen Waise Findling, die ein alter Jäger bei sich aufnimmt und die als einzige den Hirsch mit dem silbernen Zauberhuf zu Gesicht bekommt der Saal bis auf den letzten Platz füllt. Wie von Zauberhand. Der Bann ist gebrochen.

Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko und Denis Malinin

Nicht nur bei den Kindern, die am Ende des Stücks Frage um Frage stellten! Eine Großmutter besuchte sogar beide Vorstellungen und erkundigte sich nach Geschichte und Herkunft der Instrumente und Märchen, andere freuten sich über die Filzstiefelchen, die Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko nach dem „Vorhang“ verteilte. Interaktiv, diese Märchen, präsentiert, wie das bisher niemand in Wladimir macht.

Peter Steger, Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko und Denis Malinin, gesehen von Othmar Wiesenegger

Aber die Gäste aus Wladimir saßen auch selbst einmal im Publikum, gestern abend im Theater Kuckucksheim bei We are the Champions – Mir senn die Größdn, eine fränkische Viecherei von Helmut Haberkamm. Es soll ja in Erlangen noch Leute geben, die noch nie von diese Musentempel in der Scheune gehört haben, obwohl es hier, in Heppstädt, hinter Hemhofen, seit 30 Jahren Schauspiel für Kinder und Erwachsene gibt, das man nur als unbeschreiblich-einzigartig bezeichnen kann. Die russischen Gäste meinen denn auch, sie brauchten noch mindestens 27 Jahre, um dieses Niveau zu erreichen: „Uns fehlen nicht nur die deutschen, sondern sogar die russischen Worte“, so ihr Urteil unisono, „um auszudrücken, wie begeistert wird sind. Unglaublich!“

Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko, Benjamin Seeberger, Denis Malinin, Lukas Seeberger und Stefan Kügel

Aber Stefan Kügel, Gründer und Kopf von Kuckucksheim, der zum 30jährigen Jubiläum der Partnerschaft mit seinem Familienensemble schon einmal in Wladimir gastierte, hat ja seinerzeit auch klein angefangen, mit einem ganz ähnlichen Koffer voller Geschichten, Gedichten, Flausen und Einfällen. Und jetzt freut sich der Altmeister der Bühne darüber, daß in Rußland auch eine freie Szene entsteht, wie er sie kennt, sogar, wie die Besucherin aus der Partnerstadt erzählt, mit internationalen Festivals und mit einem wachsenden Publikum – zumindest in den großen Städten, wo es eine Gegenbewegung zu den großen staatlichen Kultureinrichtungen gebe.

Stefan Kügel, Denis Malinin, Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko, Lukas und Benjamin Seeberger

Auch wenn es Stefan Kügel – er hatte am Vormittag noch eine Kindervorstellung – nicht mehr schaffte, eines der beiden Märchen aus Wladimir zu sehen, hat sich da eine künstlerische Freundschaft ergeben, auf deren weitere Entwicklung man gespannt sein darf.

Igor Rjaschtschenko, Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko und Denis Malinin

Und nun ist es an der Zeit, Irinas Mann zu danken. Igor Rjaschtschenko besuchte im Sommer des Vorjahrs mit der Gruppe aus dem Erlangen-Haus den Deutschkurs an der Volkshochschule und erwähnte im Gespräch die Profession seiner Frau. Da war es dann nicht mehr weit zur Idee, ihr „Theater aus dem Koffer“ zu den Russisch-Deutschen Wochen einzuladen, zu einer Premiere. Zu einer gelungenen!

Peter Steger, Irina Ponomarjowa-Rjaschtschenko und Denis Malinin, Aufnahme: Othmar Wiesenegger

Der Vorhang ist übrigens noch nicht endgültig gefallen: Für Kurzentschlossene gibt es noch Restplätze beim deutsch-russischen Brücken e.V. in der Luitpoldstr. 45 um 15 und 16 Uhr, und dann ist da noch morgen exklusiv ein Auftritt um 10.00 Uhr in der Heinrich-Kirchner-Schule. Wo es den Koffer halt so hinträgt…

Kontakt: https://www.facebook.com/rusfairytale

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Beim gestrigen Empfang zum 85. Geburtstag von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg im Redoutensaal sprachen für die Partnerstädte Jena und Wladimir Altoberbürgermeister Peter Röhlinger und Jurij Fjodorow, Abgeordneter des Regionalparlaments und „Vater“ der Partnerschaft auf russischer Seite. Die Rede des vormaligen stellvertretenden Bürgermeisters und Staatssekretärs liegt der politischen Redaktion des Blogs vor und möge hier als Zeugnis einer besonderen Freundschaft verstanden werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Dr. Dietmar Hahlweg,

heute haben sich in diesem Saal Ihre Freunde, Genossen und Kollegen versammelt. Sehen Sie sich nur einmal um, wie viele Menschen zusammengekommen sind, um Ihnen zu Ihrem Jubiläum zu gratulieren. Das zeugt davon, was Sie uns allen bedeuten. Für Ihre Landsleute wurden Sie zu einer Legende von Mensch, zu einem Oberbürgermeister, der Erlangen zu einer „Radfahrerstadt“, zu einer Hauptstadt des Umweltschutzes oder ganz einfach zu einer der saubersten, gepflegtesten und lebenswertesten Städte Deutschlands machte. Für uns aus Wladimir sind Sie der Diplomat, der den Grundstein für eine lange und feste Partnerschaft zwischen unseren Städten legte. Und für mich sind Sie ein enger und teurer Freund.

Jurij Fjodorow und Peter Steger

Diese Freundschaft währt nun schon viele-viele Jahre. Im Deutschen gibt es den Begriff einer „Freundschaft fürs Leben“. 37 Jahre ist es her, doch ich erinnere mich noch genau daran, wie wir uns kennenlernten, ich habe keine der Begegnungen vergessen, die später folgten, ich habe alles vor Augen, als wäre es gestern geschehen. Ich weiß noch, wie Anfang der 80er Jahre Dr. Klaus Wrobel, der damalige Direktor der VHS, eine Bürgergruppe in die Sowjetunion begleitete und dabei einen Abstecher nach Wladimir machte. Er war begeistert von unserer altehrwürdigen Stadt und berichtete auch Ihnen von seinen Eindrücken, während die Reiseteilnehmer ihre Erlebnisse natürlich auch weitererzählten. Schon damals pflanzten wir den Setzling der Liebe zu Wladimir. Oder, prosaischer, das Interesse an Wladimir war in jedem Fall geweckt.

Norbert Meyer-Venus und Thomas Fink

1983 empfingen wir die erste offizielle Delegation. Die Namen der Mitreisenden erinnere ich bis heute: Mit Ihnen zusammen kamen Heide Mattischeck, Claus Uhl und Peter Millian. Und dann folgte auch schon unsere Photoausstellung in Erlangen. Wir bereiteten uns sorgfältig darauf vor, schließlich wollten wir all das Beste zeigen, was wir hatten, und die Erlanger zumindest auf diesem Umweg mit den Menschen aus Wladimir bekanntmachen. Ich kam ganz allein mit dieser Ausstellung hierher. Ein damals durchaus unüblicher Vorgang. Ich gebe zu, aufgeregt gewesen zu sein. Wie wird man die Ausstellung aufnehmen, wird man sie verstehen, wird man sehen, was wir ausdrücken wollten? Doch die Ausstellung kam an, sie wurde gut besucht. Ich erinnere mich an einen witzigen Fall: Vor einem der Bilder versammelten sich besonders viele Leute. Ich fragte mich, was es wohl sei, das die Menschen so fesselte. Es stellte sich heraus, es war ein Photo unseres Heiz- und Stromkraftwerks, das damals noch mit Kohle befeuert wurde. Klar, es qualmte aus allen Rohren. Und das in einer Zeit, wo man sich hier in Erlangen bereits ernsthaft mit den ökologischen Problemen beschäftigte und sich um Luftreinhaltung sorgte. Während bei uns der Schornstein rauchte. Da fühlte ich mich doch ein wenig unwohl. Wozu das verbergen!

Henning Zimmermann, Fridays for Future

Ich weiß noch sehr gut, wie herzlich man mich aufnahm, wie Sie selbst mich überall herumführten, mir alles zeigten, alles erklärten. Damals begriff ich, es mit einem richtigen Stadtvater zu tun zu haben, mit jemandem, der seine Stadt aufrichtig liebt. Ich gebe zu, beeindruckt gewesen zu sein.

Die offizielle Vereinbarung über die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Wladimir und Erlangen unterzeichneten wir viel später, erst 1987. Aber mir scheint, alles hatte sich bereits damals entschieden. Wir sprachen viel miteinander, diskutierten die Perspektiven unserer Partnerschaft.

Tatjana Fjodorowa, Jurij Fjodorow, Florian Janik, Ursula Rechtenbacher und Dietmar Hahlweg

Ich kam mit dieser Idee nach Hause, erzählte der Leitung der Stadt davon. Der damalige Vorsitzende des Exekutivkomitees – heute würden wir Oberbürgermeister sagen –, Michail Swonarjow, hörte mir aufmerksam zu und interessierte sich für die Idee, er entbrannte sogar regelrecht dafür. Und so wurde beschlossen, eine offizielle Delegation nach Erlangen zu entsenden.

Wie es dann weiterging? – Der Austausch von Schülern, Studenten, gemeinsame Konzerte und Ausstellungen, Familienbegegnungen… Es setzte eine regelrechte „Volksdiplomatie“ ein, die „Bürgerpartnerschaft“, von der Sie immer sprachen, war geboren. Ich bin sicher, auch Sie erinnern sich noch an das großartige „Fränkische Fest“ zum zehnjährigen Jubiläum unserer Partnerschaft im Jahr 1993. 30.000 Wladimirer nahmen daran teil.

Tatjana Fjodorowa, Jurij Fjodorow, Herbert Lerche und Ursula Rechtenbacher

1995 schließlich eröffneten wir das Erlangen-Haus. Tausende Menschen aus unserer Stadt lernten und lernen dort Deutsch in Kursen, die dank der Zusammenarbeit mit der VHS Erlangen und dem Goethe-Institut in Moskau angeboten werden. Hunderte von unterschiedlichen Projekten und Austauschprogrammen in Wirtschaft, Kultur und Soziales könnte ich aufzählen. Das Wichtigste aber – die vielen deutschen und russischen Familien, die alle dank Ihnen und der Partnerschaft zueinander fanden. Hier gebührt aber auch Deinen Nachfolgern alle Ehre: Dr. Siegfried Balleis und Dr. Florian Janik. Beide ließen und lassen nicht nach in ihrem Bestreben, die Partnerschaft unserer Städte auf diesem hohen Niveau zu halten und weiterzuentwickeln – so wie das in der Nachfolge von Michail Swonarjow auch Wladimir Kusin, Igor Schamow, Alexander Rybakow, Sergej Sacharow und Olga Dejewa taten und weiter tun, immer unterstützt von den Stadträten und ihrem Team in der Verwaltung.

Stefan Barth und Jurij Fjodorow

Unsere Partnerschaft gilt als beispielhaft für andere. Ich bin stolz, zu den ersten Schwalben dieser russisch-deutschen Freundschaft zu gehören. Ich freue mich auch darüber, wie es uns gelungen ist, Rothenburg o.d.T. und Susdal zusammenzubringen. Und ich möchte fast glauben, unsere Volksdiplomatie könnte auch die deutsche Einheit befördert haben, zumal in unsere Zusammenarbeit zu meiner großen Freude Jena erfolgreich eingebunden ist.

Peter Röhlinger

Heute, zu Ihrem Jubiläum, kommt mir natürlich viel in den Sinn. Aus irgendeinem Grund vor allem Sachen zum Lachen. Da war doch zum Beispiel dieser spaßige Kasus, als wir mit Ihrer Delegation spät abends von einem Ausflug zurückkehrten und unterwegs im Wald einen Halt einlegten, um auf dem Kühler im Scheinwerferlicht des Autos ein Picknick zu veranstalten. Für uns die normalste Sache der Welt, während die Gäste, wie wir begriffen, sich einigermaßen unbehaglich fühlten. Später lachten wir alle darüber.

Aber jetzt erlaube mir, mich an Dich als Freund zu wenden:

Lieber Dietmar!

Ich sehe mir immer wieder die Photos jener Jahre an, erinnere mich und danke dem Schicksal dafür, das mir vor 37 Jahren einen so weisen und verlässlichen Freund geschenkt hat.

Ich gratuliere Dir von ganzem Herzen zu Deinem Wiegenfest! Ich wünsche Dir noch ein langes Leben, gesund, munter und glücklich. In Wladimir kennt man Dich, erinnert man sich an Dich, liebt man Dich, freut man sich zu jeder Zeit auf Deinen nächsten Besuch!

Tatjana Fjodorowa und Heidi Hahlweg mit dem Jubilar, Dietmar Hahlweg

Zu diesem Festtag beglückwünsche ich aber auch Deine bezaubernde Frau, die Dich Dein ganzes Leben lang begleitet, Dir bei all Deinen Aufgaben Hilfe leistet und Dich bis heute in allem unterstützt, die Dir, wie man bei uns sagt, den Rücken freihält. Immer wenn meine Frau Tatjana und ich Erlangen besuchten, waren wir bei Heidi und Dir eingeladen. Und jedes Mal führten wir wunderschöne und herzliche Gespräche. Glaube mir, ich weiß diese Begegnungen zu schätzen und die Erinnerung daran zu bewahren.

Liebe Heidi, als Zeichen meiner Anerkennung bitte ich Dich, diese Blumen anzunehmen.

Familie Hahlweg

Und jetzt, lieber Dietmar, gestatte mir bitte, einen wichtigen Auftrag zu erfüllen und Dir zu Deinem 85. Geburtstag die Ehrenurkunde des Regionalparlaments Wladimir zu überreichen für Deinen „großen Beitrag zur Begründung der Partnerschaftsbeziehungen zwischen Erlangen und Wladimir sowie zur Entwicklung der Volksdiplomatie“.

Lieber Dietmar, darüber hinaus überreiche ich Dir eine Grußbotschaft des Vorsitzenden unseres Regionalparlaments, Wladimir Kisseljow. Wir baten unsere berühmten Künstler aus Mstjora darum, diese Ehrenbezeigung zu gestalten. Du kennst das natürlich, aber für alle Anwesenden erkläre ich: Mstjora liegt in der Region Wladimir und gilt als das Zentrum der russischen Lackminiaturmalerei, die Weltruhm genießen.

Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Und schließlich ganz persönlich von meiner Familie diese Ikone der Wladimirer Gottesmutter, ebenfalls aus einer Werkstatt der Meister von Mstjora.

Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie uns Dr. Dietmar Hahlweg Beifall spenden!

Silvia Klein, Sabine Lotter und Altdekan Josef Dobeneck, zurecht hochzufrieden mit dem Ablauf des Abends

P.S.: Jurij Fjodorow richtete sich aber nicht nur an seinen Freund. Abweichend vom Manuskript wünschte er mit ergreifenden Worten allen Gästen des Abends ein gesundes und friedliches Neues Jahr, wo sich auch noch die innigsten und geheimsten Wünsche erfüllen sollten. Wie das gehen könnte? Indem wir einander öfter umarmen, füreinander da sind, unseren Angehörigen und Freunden unsere Zuneigung zeigen… Wenn das mehr Leute täten, dann könnte es auch auf der Welt insgesamt menschlicher zugehen. Eine Botschaft, für die der Redner mit viel Applaus und Sympathie bedacht wurde.

Bleibt nur noch, Nadja Steger für die Bilder des Abends zu danken, der mit dem Lied der Franken ausklang.

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Seit dem Herbst hat das für die Städtepartnerschaften und Internationalen Beziehungen zuständige Team Verstärkung aus Wladimir. Mehr noch: Die junge Frau verlängert ihren zunächst auf ein Semester begrenzten Aufenthalt bis zum kommenden Sommer. Doch lesen Sie selbst:

Ich heiße Polina Timofejewa und studiere im achten Semester an der Staatlichen Universität Wladimir. Dank meinen Studienerfolgen in diesem Jahr erhielt ich die einmalige Chance, eine Praktikum im Bürgermeister- und Presseamt, Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, zu absolvieren.

Polina Timofejewa

Kurz zur Vorgeschichte: Seit meiner Kindheit mag ich Fremdsprachen. Ich besuchte ein neusprachliches Gymnasium, ging ans Amerikanische Haus in Wladimir… Nach der Schule entschied ich mich dafür, weiter Sprachen an der Universität zu studieren und meine Zukunft an sie zu knüpfen. Obwohl ich in der Schule Französisch hatte, wählte ich bei meiner Immatrikulation Deutsch als erste Fremdsprache. Ich hatte meine Gründe dafür und brauchte meine Entscheidung noch kein einziges Mal zu bedauern.

Ich könnte nicht sagen, das Studium einer neuen Sprache habe mir große Schwierigkeiten bereitet. Dazu trugen sehr meine Englischkenntnisse und wahrscheinlich die unglaublich sensiblen und erfahrenen Dozenten bei, die uns Tag für Tag motivierten und uns eine feste sprachliche Grundlage beibrachten.

Allerdings hätte ich mir bei der Wahl von Deutsch als mein Hauptfach nicht vorstellen können, einige Jahre später in einem Rathaus in Deutschland zu sitzen und einen Artikel über meine Erfahrung zu schreiben. Solche Möglichkeiten bieten sich nicht jedem, und ich bin unendlich glücklich und meinen Dozenten und Peter Steger dankbar für diese Gelegenheit.

Eine meiner Aufgaben ist es hier, im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, die Zusammenarbeit der Partnerstädte Erlangen und Wladimir zu unterstützen. Während meines Praktikums konnte ich bereits an einigen Veranstaltungen teilnehmen und beispielsweise helfen, den Empfang für einen Kriegsveteranen oder die Auftritte einer Rockband aus Wladimir zu begleiten.

Außerdem beteilige ich mich an der Herausgabe eines Buches mit Erinnerungen von „Kriegskindern“. Ich übersetze die erlebten Geschichten von Menschen, die am eigenen Leib all die Beschwernisse des Krieges durchmachten. Ich hoffe, damit meinen noch so kleinen Beitrag zum globalen Problem, der Schaffung des Friedens auf der ganzen Welt, leisten zu können.

Mein Praktikum im Erlanger Rathaus absolviere ich neben meinem Studium an der Friedrich-Alexander Universität, das sicher auch zu den Hauptzielen meines Aufenthaltes hier gehört. Das Studium in Deutschland unterscheidet sich etwas von dem an russischen Universitäten. Hier ist mehr Selbständigkeit und Aufmerksamkeit gegenüber den Details gefordert.

Die Erfahrungen, die ich hier sammle, können in ihrem Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich lerne jede Menge Leute kennen, angefangen bei Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern bis zum Oberbürgermeister von Erlangen. Außerdem konnte ich meine Kenntnisse im Deutschen und Englischen verbessern, verschiedene Städte und Länder bereisen, neue Freunde finden, viel Neues über die deutsche Kultur erfahren, Bratwurst und Sauerkraut probieren, das Oktoberfest besuchen, wo mich faszinierte, wie die Deutschen in Tracht auf den Tischen tanzen. Ich trank Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und erhielt vom Nikolaus ein Geschenk, das er mir in die Stiefel steckte…

Abschließend möchte ich betonen, wie sehr ich mich über die positiven Gefühle und die Erfahrungen freue. Und ich kann die neuen Eindrücke dieses wunderbaren Programms gar nicht erwarten!

Polina Timofejewa

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„Die kostbare Perle in der Krone des Wladimirer Landes“ lautet einer der Ehrentitel des Staatlichen Tanz- und Gesangsensembles Rus aus der Partnerstadt. Und man könnte viele weitere Stimmen zitieren, die begeistert das hohe Lied dieser einzigartigen Folkloregruppe singen. So schreiben etwa die Nürnberger Nachrichten:

Die Arrangements sind derart geglückt, dass dabei kein ablenkender Crossover entsteht, sondern die Musik aus ihrer Begleiterrolle heraustritt und ein eigenes Schillern erhält.

Verantwortlich für dieses musikalisch-choreographische Gesamtkunstwerk seit 2007, seit dem Tod des künstlerischen Leiters, Michail Firsow, der Multiinstrumentalist Nikolaj Litwinow, der – damals noch als Kopf des Orchesters – bereits 1987 mit Rus nach Erlangen kam und seither mit seiner Truppe immer wieder nach Deutschland kommt, vornehmlich im Advent mit dem Programm „Altrussische Weihnacht“.

Gestern nachmittag endete die diesjährige, fast zweiwöchige Tournee mit dreizehn Auftritten im thüringischen Heilbad Heiligenstadt. Ein triumphaler Ausklang einer Konzertreise vor vollen Häusern, von denen nur die Tonhalle Maag in Zürich, die Philharmonie Gasteig in München, das Festspielhaus Bregenz oder die Händel-Halle in Halle an der Saale genannt sein sollen. Ja, die Heinrich-Lades-Halle in Erlangen fehlte dieses Mal, aber das wird sich bei der nächsten Tour ändern, zumal das hier vor vier Jahren zuletzt aufgeführte Programm sowohl choreographisch als auch gesanglich und instrumental mit viel Neuem überrascht.

Es ist nicht neu und will doch immer wieder gesagt sein: So anmutig die Tanzschritte gesetzt werden, so farbenfroh die Kostüme wirken, so ergreifend die Stimmen klingen, so sehr einen Musik und Arrangement verzaubern, so schafft es die Gruppe immer wieder, sich selbst zu übertreffen, immer wieder neue Höhepunkte zu schaffen: auf der gesamten Palette von innig-andächtig bei den Kirchengesängen bis zu ekstatisch-ausgelassen im mitreißenden Reigen der Koljadki und vor allem der fulminanten Masleniza, dem abschließenden Vertreiben des Winters. Und dann in der Zugabe etwas, das nur Rus schafft, den harmonischen Übergang von den „Moskauer Nächten“ zu „Stille Nacht“, vom ganzen Saal mitgesungen. Schöner kann Weihnachten nicht klingen!

Bleibt nur, Regine Burk, die wieder einmal gekonnt die Fäden der Tournee in Händen hielt, zu dem gemeinsamen Erfolg zu gratulieren und zu danken, denn ohne ihr Artist Management wäre Rus zu Hause geblieben, wären die Lichter auf diesen Bühnen gar nicht erst angegangen. Gar nicht vorzustellen für all jene, die glücklich im Publikum saßen!

Peter Steger, Regine Burk und Nikolaj Litwinow

Ein Nachtrag sei noch gestattet. Durch das Programm führte eine singende Tänzerin (wer bei Rus mitmachen will, muß unbedingt singen und tanzen können) mit einem entzückenden Deutsch, so firm darin, daß die junge Russin sich weder bei der Begrüßung noch beim Abschied die Zunge an dem Doppelnamen Heilbad Heiligenstadt brach. Ein Akt, der an sprachliche Äquilibristik grenzte. Aber sind sie nicht alle Seiltänzer der Kunst, die Mitglieder von Rus? Gute Heimreise! Weihnachten kann kommen, hier wie dort.

Rus Programmheft

Mehr Bilder gibt es hier: https://is.gd/Dlyc6c

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Die Woche intensiven Zusammenlebens und Zusammenarbeitens des Gymnasiums Fridericianum an der Partnerschule Nr. 17 in Wladimir eröffnete auch dieser Austauschgruppe vom 28. September bis 6. Oktober, besonders durch die Aufnahme in den Gastfamilien, einen authentischen Eindruck vom russischen Schul- und Lebensalltag und von den Unterschieden, die sich in unserer Lebensrealität immer noch auftun.

Das ist aus mitteleuropäischer Sicht ein Blickwinkel, der für die heranwachsende Generation globale Handlungskompetenz stärkt, wie es kein theoretisches Schulbuch leisten kann.

Dies ist der letzten Satz unseres Berichts für den Schüleraustausch vor zwei Jahren, und diese Aussage gilt uneingeschränkt fort.

Das gewählte Projektthema „Wasser. Zukunft. Leben.“ ist auch Titel der von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) ausgerufenen Wasserdekade vom März 2018 bis zum März 2028.  Der Zusatz „Eine Stunde für das Wasser“ formulierte für die Projektarbeit in deutsch-russischen Arbeitsgruppen das Ziel: eine Präsentation der Ergebnisse vor der Fachschaft Biologie und Oberstufenschülern am Ende der Austauschwoche. Unser Vorhaben überzeugte auch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, weshalb sie unserer Austauschgruppe einen stattlichen Förderbetrag zu den Fahrtkosten in Aussicht stellte und sich sogar für eine gebührenfreie Erteilung der Visa (gemäß Art. 4 des „Abkommens zwischen der Regierung der Bundesrepublik und der Regierung der Russischen Föderation über die Erleichterung des Reiseverkehrs…“) einsetzte. Um die Bearbeitungs- und Zustellungsgebühren der Agentur VFS Services in München kamen wir leider nicht herum.

Das Thema „Sorge um die Trinkwasserressourcen“ an sich ist in bayerischen Lehrplänen – schon aus Zeiten vor „Fridays for Future“ – in vielen Fächern, quasi Fächer übergreifend, verankert. Ethik, Religion, Biologie, Natur und Technik, Biologie, Geographie, etc. Im russischen Schulalltag scheint man sich dagegen dieser Thematik selten zu nähern. Umso gelungener zeigte sich die Motivation fürs Thema durch den Einstieg über einen der zahlreichen „Footprint-Rechner“, die unterschiedliche Organisationen auf ihren Homepages bereitstellen.

Während der Woche vor Ort gab es dann in zehn Einheiten die Möglichkeit, sich in unterschiedlicher Weise der komplexen Thematik zu nähern und sich die Tragweite, persönliche Relevanz und Verantwortung bewußt zu machen. Die russische Koordinationskollegin an der Schule Nr. 17, Jelena Glaskowa, hatte die Zusatzveranstaltungen und Exkursionen sorgfältig im voraus geplant. Dazu gehörten im einzelnen Führungen im Wasserwerk und in einem Großgärtnereibetrieb der Stadt Wladimir sowie Exkursionen nach Moskau und Murom.

Sowohl während der Fahrten als auch vor Ort wurde die immer gemeinsam agierende Gruppe russischer und deutscher Schüler von kompetenten und sachkundigen Übersetzern begleitet.

So wurden unterschiedliche Facetten des Themas bewußt und in der gemeinsamen Arbeit an den kleinen PP-Präsentationen diskutiert und zusammengetragen. Bewußtsein und Wahrnehmung von Wasserverbrauch, virtueller Wasserverbrauch, weltweit und regional unterschiedliche Wasserverfügbarkeit, Problematik von Wasseraufbereitung und -bereitstellung, Abhängigkeit von Wasser seien nur stellvertretend genannt.

Technische Möglichkeiten in den Arbeitsphasen wie Internetzugang in der Schule waren grundsätzlich vorhanden. So stand für jede Arbeitsgruppe ein PC zur Verfügung. Allerdings stellte sich bald heraus: Ein uneingeschränkter, von Lehrern betreuter Zugang  zum Internet, wie wir es aus unserem Schulalltag gewohnt sind, bedurfte einer jeweils täglich einzuholenden Erlaubnis durch die Schulleitung.

Zugang zur Internetrecherche über persönliche Smartphones war aber für die russischen Schüler kein Hindernis und ergänzte so die Informationsmöglichkeiten; für die deutschen Gäste erwies sich dieser Weg teils als sehr kostspielige Variante, weil bei der Nutzung deutscher Simkarten doch immer noch immens hohe Roaminggebühren anfallen.

Abschließend kann man sicher festhalten: Im Rahmen der Projektarbeit wurden jeweils andere Schwerpunkte in der russischen und deutschen Gesellschaft bewußt , die russischen und deutschen Schüler kamen über ein global drängendes Thema ins Gespräch, und schließlich ist nichts wichtiger, als andere Nationen in ihrem Denken und Handeln im Austausch speziell mit Gleichaltrigen kennenzulernen.

Einblicke in russische Kultur und Geschichte flossen natürlich überall mit ein und gaben so der Schülerfahrt weit über rein touristisches Interesse hinausgehende Inhalte.

Die Planungen für den Gegenbesuch im September/Oktober 2020 in Erlangen haben begonnen. Erste Ideen werden bereits umgesetzt und Kontakte geknüpft, so z.B. zu Großbetrieben im Gemüsebau (Nürnberger Knoblauchsland), fränkischen Mineralbrunnen, Wasserwirtschaftsamt zur Frage der überregionalen Wasserversorgung in Bayern (Brombachsee-Speicher) oder auch nachhaltiger (regionaler) Energiegewinnung (Happburger Stausee).  Darüber hinaus werden aber auch globalwirksame, nationale Großprojekte thematisch mit eingebunden. Trotz ungewöhnlich heißer Sommer, denken wir in unseren Regionen noch nicht über Wassertransfer aus der Antarktis nach, aber die Wassernot führt andernorts zu verzweifelt originellen Lösungsideen.

Ein herzlicher Dank für die Unterstützung der Austauschbegegnungen geht an:

–  alle finanziell fördernden Stellen wie der Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch,

–  den Bayerischen Jugendring, für in Aussicht gestellte Förderung;

–  für organisatorische Unterstützung aus dem Bürgermeisteramt der Stadt Erlangen, durch PeterSteger,  der im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir vor allem bei der Beschaffung der Visa half,

–  und dem Erlangen-Haus in Wladimir mit Irina Chasowa, die vor Ort viel Kommunikation erleichterte.

Schuljahr 2019/20, Christiane Krautwurst (OStRin i.B.)

 

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Vor dem Abschied stand gestern abend das Wiedersehen für zwei, die sich seit 1989 nicht mehr begegnet waren und einander doch auf den ersten Blick wiedererkannten: Johanna Gelius, damals im Hotel Transmar für die Buchhaltung zuständig, und Igor Besotosnyj, der mit seinem Trio für die musikalische Gestaltung der „Woche der russischen Küche“ im Restaurant Frankenkrug verantwortlich war.

Igor Besotosnyj und Johanna Gelius

Viel geschehen ist in diesen 30 Jahren. Johanna Gelius genießt längst ihren Ruhestand, das Hotel Transmar wechselte Besitzer und Namen, das Restaurant Frankenkrug wurde geschlossen und überbaut, nur der Mann mit der Balalaika greift nach wie vor meisterhaft in die Saiten und kommt in treuer Regelmäßigkeit mit seinem Ensemble – in immer wieder variierter Besetzung – aus Wladimir nach Erlangen, früher per Bahn, seit er hier einen gebrauchten Kleinbus gekauft hat, sogar selbst am Steuer.

Swetlana Besotosnaja

In diesen Jahren kam Tochter Swetlana zur Welt und bildete in der Musikerfamilie ihr Talent an der Geige zu einer Perfektion aus, mit der sie buchstäblich spielend leicht auch die schwierigsten Solostücke von Johann Sebastian Bach oder Giacomo Puccini interpretiert. Kein Wunder, daß sie sich längst auch auf den Bühnen von Moskau einen Namen gemacht hat.

Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Damals wie heute Solist im Orchester für russische Volksmusikinstrumente an der Philharmonie Wladimir, holte Igor Besotosnyj seinen Kollegen, Alexander Schaposchnikow, ins Kammerorchester, der, man kann es nicht anders sagen, am Bajan zaubert. Es ist, als wäre er – wie eine Konzertbesucherin meinte – mit dem Instrument verwachsen, als quelle die Musik aus ihm heraus. Tatsächlich bedient er die Knöpfe wie die Tasten einer gewaltigen Kirchenorgel und erweckt all die Stimmen zum Leben, die einem Quartett naturgemäß fehlen: vom tosenden Tutti bis zum trillernden Tremolo. Und dabei gelingt es Alexander Schaposchnikow immer, den Eindruck zu erwecken, auf ihn käme es gar nicht so an.

Alexander Schaposchnikow

Auch Olga Besotosnaja wirkt eher zurückhaltend mit ihrer Domra, so als wollte sie ihrem Mann allein die Bühne überlassen, der ja auch in der Tat wie ein Rockmusiker die Eigenschaften eines Frontmannes besitzt. Hört man aber genau hin und beobachtet sie beim fein akzentuierten Spiel, entgeht einem nicht, daß sie mit konzentrierter Aufmerksamkeit die musikalischen Fäden beisammenhält und nicht umsonst in Wladimir als die Großmeisterin ihres Instruments gilt.

Olga Besotosnaja

Und doch: Kopf und Herz des Quartetts war, ist und bleibt Igor Besotosnyj, den seine Schüler und Studenten in Wladimir nur ehrfurchtsvoll ihren Maestro nennen. Sein Fingerflug über die Saiten der Balalaika hat etwas Rauschhaftes mit all den Seiten, die man der russischen Seele zuschreibt: von jener tiefen Melancholie bis zur jauchzenden Lebensfreude

Igor Besotosnyj

Kongenial deshalb die Zusammenarbeit mit Dorothee Lotsch und ihrer geheimnisvoll verschatteten Stimme, wie geschaffen für die Interpretation der Lieder von Alexandra, aber auch russischer Romanzen. Man muß ja nicht unbedingt an Seelenwanderung glauben, aber eine musikalische Seelenverwandtschaft ist da nicht erst dann herauszuhören, wenn die Sängerin das Lied von der schwarzen Balalaika anstimmt.

Dorothee Lotsch, gesehen von Georg Kaczmarek

Aber Dorothee Lotsch aus Penzberg ist mehr als nur Interpretin. Sie kümmert sich um das Wladimirer Quartett auch als Impresaria und organisiert einen Großteil der Tournee, abgesehen davon, daß sie – etwa zum gestrigen Auftritt – aus Oberbayern eigens zu Konzerten nach Franken anreist.

Kurt Reiter

Und noch jemand ist zu nennen: George Mills, der als Gastsänger seit einem Jahrzehnt zur Truppe gehört und – auf Russisch – etwa das vertonte Puschkin-Gedicht „Ich habe Sie geliebt“ oder die berühmten „Moskauer Nächte“ beisteuert, als gehörte er zur Stammannschaft. Viel ist eben geschehen in diesen 30 Jahren.

Peter Steger, Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj, Elisabeth Preuß, Alexander Schaposchnikow, Kurt Reiter, George Mills und Dorothee Lotsch

Und nun soll alles vorüber sein? Angekündigt war das Konzert ja als Ausklang und Abschied. Aber Kurt Reiter, zufriedener Organisator des gestrigen Abends im gut gefüllten Gemeindesaal von St. Sebald, will es nicht recht glauben und hofft in seinem Dankeswort ebenso wie Bürgermeisterin Elisabeth Preuß auf ein Wiedersehen, denn: „Ihr seid hier immer hochwillkommen!“ Das Publikum zeigt dies auf seine Weise und erklatscht sich zwei Zugaben.

Applaus für das Ensemble, gesehen von Georg Kaczmarek

Doch dann kommt er doch, der Moment des Abschieds, begleitet von einer Dankurkunde an Igor Besotosnyj, ausgestellt und unterzeichnet von Oberbürgermeister Florian Janik für den dreißigjährigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum kulturellen Austausch zwischen den Partnerstädten: Am späten Abend rollte gestern der VW-Bus, vollgepackt mit Briefen und Päckchen für Wladimir, gen Osten, am Steuer abwechselnd Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow. Morgen um 15.00 Uhr nämlich steht das Quartett schon wieder in Moskau auf der Bühne. Gute Fahrt mit einem Vers von Johann Wolfgang Goethe:

Heute geh ich. Komm ich wieder,
singen wir ganz andre Lieder.
Wo so viel sich hoffen läßt,
ist der Abschied ja ein Fest.

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