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Am 12. September berichtete wladimirpeter hier im Blog über das Zentrum „Blauer Himmel“ in Penkino:

Wegen neuer föderaler Gesetze, die eine unmittelbare Anbindung von Reha-Einrichtungen an die jeweils zuständige Klinik fordern, wurde der „Blaue Himmel“ in Penkino geschlossen. Die Kinder sollen aber nach ihrer Behandlung in der Psychiatrie oder ihrem Aufenthalt in einer sozialen Einrichtung auch in Zukunft zur Rehabilitation und erlebnispädagogischen Nachsorge ein neues Dach, ebenfalls außerhalb Wladimir in naturnaher Lage finden.

Mehr war dazu im September nicht zu erfahren, für mich Grund genug, bei meinem Besuch vom 11. bis 19. Oktober der Sache weiter nachzugehen. Ich bekam erfreulicherweise schnell einen Termin bei der Leitung des Gesundheitswesens der Regionalverwaltung und erfuhr, man plane tatsächlich die Fortführung eines Rehazentrums, allerdings wegen der gesetzlich geforderten unmittelbaren Anbindung an die zuständige Klinik auf dem Gelände der Psychiatrie Nr.1 in Wladimir. Das dazu vorgesehene Gebäude bedarf aber noch einer umfassenden Renovierung, weshalb mit einer Eröffnung erst in einigen Jahren zu rechnen ist.

Offen bleibt die Frage, ob in einer innerstädtischen Einrichtung dann das Konzept der Natur- und erlebnispädagogischen Rehabilitation überhaupt fortgesetzt werden kann, was ja die Grundlage der Arbeit in Penkino schuf. Zudem ist zu befürchten, die für Penkino gespendeten Spielsachen sowie die Geräte und Materialien für Sport, Camping, Wanderung und Skilanglauf könnten zwischenzeitlich ungenutzt verrotten und unbrauchbar werden. In offener und freundlicher Diskussion kamen wir deshalb zu dem Ergebnis, die Materialien besser einer bereits bestehenden Einrichtung im Umland von Wladimir zur unmittelbaren Weiterverwendung zu überlassen. Nach Rücksprache mit dem Schulamt der Partnerstadt bot sich dafür ein Internat für Waisenkinder mit Behinderungen im Landkreis Sudogda an.

Das Heim in Luchtonowo

So fuhren dann am nächsten Tag Julia Arsenina, stellvertretene Direktorin des Gesundheitswesens, Viktoria, eine Mitarbeiterin des Schulamtes, und ich zu dem 40 km von Wladimir entfernt liegenden Internat in Luchtonowo. Wir wurden von der Direktorin, Jelena Winogradowa, erwartet und herumgeführt. In einem gut erhaltenen Gebäude in parkähnlicher Landschaft leben hier 64 Kinder, behinderte Voll- und Sozialwaisen, 7 bis 17 Jahre alt. Die Kinder mit leichten bis schweren Behinderungen werden von Pädagogen, Sozialpädagogen sowie je einem Psychologen und einem Sportlehrer rund um die Uhr betreut. Der Sportlehrer betreibt nach Aussage der Direktorin besonders gerne Aktivitäten in den umliegenden Wäldern, was unseren Intentionen entgegenkommt.

Wir sahen kleine Klassenzimmer im laufenden Unterricht mit bis zu 15 Schülern, eine Bibliothek, eine Sporthalle und ein Behandlungszimmer für die psychologische Betreuung. Auch Kochen und Wäschewaschen stehen auf dem Lehrplan. In einer kleinen Werkstatt erlebten wir Kinder beim Polstern und Reparieren von einrichtungseigenen Stühlen, im Hintergrund eine Reihe von Nähmaschinen.

Die Direktorin zeigte sich beglückt von den unerwarteten, neuen Möglichkeiten, sie sprach von einem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder. Die Gesundheitsbehörde der Region und das Schulamt sagten den umgehenden Transfer der Materialien zu, und ich hoffe, bei meiner für das Frühjahr 2018 vorgesehen Reise Vollzug vermelden zu können!

Julia Arsenina, Viktoria, Wolfram Howein und Jelena Winogradowa

 

Alle Beteiligten in Erlangen und vor allem auch in Wladimir hätten sich lieber einen Fortgang der Arbeiten in Penkino gewünscht. Aber immerhin kamen in den neuneinhalb Jahren seit Januar 2008 mehr als 4.000 Kinder, manche davon mehrfach, für jeweils zwei Wochen nach Penkino und erfuhren dort liebevolle Zuwendung und Pädagogik in freier Natur. Mir bleibt, allen Beteiligten und Helfer in den Partnerstädten herzlich zu danken sowie alles Gute für die nun in Penkino nicht mehr beschäftigten engagierten Pädagogen, Ärzte und Schwestern zu wünschen.

Durch die Übergabe an das Internat in Luchtonowo konnten wir schließlich die bestimmungsgemäße weitere Verwendung der Geräte und Materialien sicherstellen, der Blaue Himmel hat so zu mindestens vorübergehend eine neue Heimat gefunden. Die Erlanger Wladimir-Freude werden auch diese Einrichtung hilfsbereit begleiten und sicherlich die Psychiatrie Nr. 1 nicht minder unterstützen, wenn es in ein paar Jahren zu einer wie auch immer gearteten Neuauflage kommt.

Wolfram Howein

Nachtrag: Die seit 40 Jahren bestehende Einrichtung hat eine recht informative Plattform im Internet, freilich bisher nur in russischer Sprache: https://is.gd/eo7Tdw

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Der Antrittsbesuch von Susanne Lender-Cassens ging gestern in die Zielgerade mit einem medizinisch-sportlichen Programm, unterwegs zu allen Terminen, ganz wie in Erlangen, mit dem Fahrrad. Und es zeigt sich: Entgegen der hier vorherrschenden Meinung kann man auch auf Wladimirs Straßen abgasfrei vorankommen, sogar recht zügig und ohne ständig fürchten zu müssen, so auf dem schnellsten Weg in die Unfallchirurgie zu gelangen.

Anna Reswowa, Susanne Lender-Cassens, Michail Tjukarkin und Jewgenij Jaskin

Ungläubiges Staunen denn auch in den Augen und Worten des ärztlichen Direktors vom Rot-Kreuz-Krankenhaus, wo alle schweren Fälle landen, als er von Erlangens Bürgermeisterin erfährt, wie sie sich hier fortbewegt, die den umgehend angebotenen Dienstwagen auch noch rundweg mit einem entschiedenen Lächeln ablehnt. Aber es geht hier ja auch um ein ganz anderes Thema, den Austausch von Krankenschwestern, der auf Wunsch des Gastgebers möglichst bald stattfinden soll, denn ohne die Pflege hilft dem Patienten auch die allerbeste Operation und Therapie nicht.

Anna Reswowa, Susanne Lender-Cassens und Maria Kabakowa

Wie gerufen, kommt beim Rundgang durch das Krankenhaus mit seinen 450 Betten, der Besucherin Michail Tjukarkin entgegen, der als erster Wladimirer Arzt – übrigens mit recht guten Deutsch-Kenntnissen – bereits 1989 in Erlangen hospitierte und den Anfang im Medizinaustausch machte. Ein gutes Omen für die Aufnahme von Krankenschwesternkontakten.

Gertrud Härer und Susanne Lender-Cassens beim Radkorso auf der Umgehungsstraße

Wenige Pedaltritte unterhalb des Krankenhauses eröffnete man gestern eine vierspurige Straße – ins einstige Bett des Baches Lybjed hineinasphaltiert -, von der man sich eine wesentliche Verkehrsbelastung für die bisherige Hauptachse durch die Altstadt verspricht. Mit welchem Erfolg, wird sich noch weisen.

Gennadij Stachurlow und Susanne Lender-Cassens

Erfreulich in jedem Fall, daß die Planungen auch noch Radwege entlang der Trasse vorsehen, für etwa 50 Mio. Rubel. Dabei, so buchstäblich die Erfahrung der Radler aus Erlangen, würde eine schlichte Markierung am Straßenrand auch schon ein Mehr an Sicherheit und Komfort bringen. Aber da geht man eben überall seiner eigenen Wege. Auch hier übrigens ein Wiedersehen: Susanne Lender-Cassens und der Wladimirer Fahrradpionier, Gennadij Stachurlow, kennen sich von einem Treffen in Erlangen und hoffen, noch viel gemeinsam für Umwelt und ökologische Verkehrsplanung machen zu können.

Inna Morosowa, Leiterin der Fachschule, Susanne Lender-Cassens, Jelena Owtschinnikowa, Tatjana Sajtschikowa und Olga Antropowa, beide stellv. Leiterinnen der Fachschule

Die Zeremonie freilich dauerte gar zu lange, auf die Bürgermeisterin wartete schon der nächste Termin in der Berufsschule für Pflegekräfte, die bereits in der Planung für einen Austausch mit Jena steht und natürlich auch Erlangen gern im Boot hätte. Überhaupt herrscht hier ein internationales Klima, denn es gibt auch schon Verbindungen zu einer Partnereinrichtung in Illinois. Was soll da dem Austausch noch entgegenstehen!

Interview im Garten des Erlangen-Hauses: Peter Steger und Susanne Lender-Cassens

Ein wenig später und etwa drei Radkilometer weiter geht es dann im Büro von Jelena Owtschinnikowa, der stellvertretenden Leiterin der Regionalen Gesundheitsverwaltung, um ein Herzstück der Partnerschaft, den „Blauen Himmel“. Wegen neuer föderaler Gesetze, die eine unmittelbare Anbindung von Reha-Einrichtungen an die jeweils zuständige Klinik fordern, wurde die Einrichtung in Penkino geschlossen. Man ist dort dabei, ein Sanatorium Senioren einzurichten, angegliedert an die bereits bestehende medizinische Einrichtung für Veteranen. Die Kinder hingegen sollen nach ihrer Behandlung in der Psychiatrie oder ihrem Aufenthalt in einer sozialen Einrichtung in Zukunft zur Rehabilitation und erlebnispädagogischen Nachsorge ein neues Dach, ebenfalls außerhalb Wladimir in naturnaher Lage finden. Auf keinen Fall, so die Medizinerin und ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin, werde man das Projekt „Blauer Himmel“ aufgeben, das könne sie allen versichern, die sich für dieses Gemeinschaftswerk verdient gemacht haben.

Witalij Iwantschuk, Susanne Lender-Cassens und Oleg Medwedjew

Zurück im Garten des Erlangen-Hauses stand noch ein Interview mit der Lokalredaktion des TV-Senders „Rossija 1“ auf dem Programm – mit Fragen zu Zielen und Ergebnissen des Besuchs. Immer wieder erfreulich, wie sehr sich die Medien für die Partnerschaft interessieren und damit den Austausch im Bewußtsein halten.

Schule für Rhythmische Sportgymnastik

Zu diesem Austausch gehört natürlich schon immer auch der Sport, besonders das Turnen, eine Disziplin, mit der Wladimir Weltruhm genießt. Nicht vergleichbar mit Erlangen – Susanne Lender-Cassens weiß das als Sportbürgermeisterin nur zu gut -, aber die Gastgeber, Witalij Iwantschuk und Oleg Medwedjew, ihres Zeichens Leiter der Turnschule und Chef des städtischen Sportamtes, bieten Trainern und deren Schützlingen aus ihrer Partnerstadt Meisterklassen an, auch im Bereich Rhythmische Sportgymnastik, die im Gebäude gleich gegenüber unterrichtet wird. Zumal so ja auch viele neue Freundschaften entstehen könnten. Recht haben sie natürlich

Kunstwerk von Stefan Schnetz im Garten des Erlangen-Hauses

Was bleibt? Vieles, woran angeknüpft werden kann, jede Menge neuer Ideen und Initiativen und noch viel mehr, als sich hier im Blog darstellen läßt. In jedem Fall Impulse, von denen der Austausch schon bald noch vielfältiger und intensiver wird. Ganz im Sinne der Erfinder dieser wunderbaren Freundschaft.

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Der „Blaue Himmel“ macht seinem Namen alle Ehre. Bei ihrem gestrigen Besuch des Zentrums für Erlebnis- und Naturpädagogik nahm sich Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, begleitet von Stadtrat Jürgen Zeus und Amtsleiter Herbert Lerche viel Zeit, um mehr über die aktuelle Entwicklung der Arbeit mit Kindern zu erfahren, die für zwei Wochen aus psychiatrischen Einrichtungen, Waisenheimen oder schwierigen Familienkonstellationen der ganzen Region hierher kommen, an den Rand des Dorfes Penkino, etwa 35 km östlich von Wladimir gelegen.

Juni 43

Psychiater, Psychologen und Sozialarbeiter organisieren die Gruppen zwischen 20 und 25 Kindern und Jugendlichen in unterschiedlicher Zusammensetzung und schicken sie in das Zentrum, wo möglichst viel unter freiem Himmel stattfindet, auch wenn der einmal nicht so ganz blau sein sollte. Denn schon alleine der Aufenthalt draußen wirkt sich heilsam auf Körper und Seele der jungen Menschen aus.

Juni 44

Zum Konzept der Einrichtung, die vor sieben Jahren eröffnet wurde, gehört aber auch, sich die Welt unter dem mal mehr, mal weniger blauen Himmel möglichst vielfältig selbst zu gestalten und den Gegebenheiten anzupassen. Wenn bisher beispielsweise das Geld für einen Streichelzoo fehlt, greifen die Kinder unter Anleitung einfach zu Laubsäge und Pinsel, um die Tiere selbst zu erschaffen und einen kleinen Stall für sie zu bauen.

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Marina Goljakowa zeigt denn auch mit bescheiden-zurückhaltendem Stolz die Werkstatt, die davon zeugt, wie mannigfach die Betätigungen der kleinen Handwerker sein können. „Alles da an Werkzeug“, lobt Herbert Lerche nach einem Blick in die offenen Schränke die Ausstattung, finanziert aus Spenden, die Projektmanager Wolfram Howein zusammengetragen hat.

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Jeder Tag ist klar strukturiert und folgt bestimmten Aufgabenstellungen oder Motti. Gestern trug man zum Beispiel einen Wettbewerb um das schönste Straßenbild aus, an dem sich die Gäste nicht nur beteiligen konnten, sondern wo sie auch gleich in die Jury berufen wurden.

Herbert Lerche und Jürgen Zeus mit zwei Straßenmalerinnen im Blauen Himmel

Herbert Lerche und Jürgen Zeus mit zwei Straßenmalerinnen im Blauen Himmel

Gleichzeitig ging gestern das Projekt „Dschungel“ zu Ende, wo die Kinder die Aufgabe hatten, eine Begegnung zwischen heimischen Tieren und der Exotik der Urwälder in Südamerika und Afrika zu gestalten.

Herbert Lerche, Marina Goljakowa, Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus

Herbert Lerche, Marina Goljakowa, Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus

Auf dem weitläufigen Gelände der Einrichtung, wesentlich finanziert aus Mitteln der „Aktion Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks, finden sich aber auch Spuren der Zusammenarbeit etwa mit den Pfadfindern des Stammes Asgard aus Erlangen. Im Sommer letzten Jahres hatten die Gäste gemeinsam mit den Kindern einen Erlebnispfad gebaut, der auch für Erwachsene eine Herausforderung darstellt und den Sportplatz ideal ergänzt.

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Vor allem die Außeneinrichtungen nutzt der „Blaue Himmel“ gern gemeinsam mit der Dorfjugend von Penkino, die sich über die vielen Angebote freut. Alle unter dem Leitmotiv des Lächelns. „Laßt, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren“, heißt es in Dantes Göttlicher Kommödie, doch hier ist, wie ein Plakat über dem Eingang warnt, der Eintritt mit schlechter Laune verboten.

Juni 50

Eintritt mit schlechter Stimmung streng verboten! Lächle und tritt ein!

Diese „Idylle“ erreiche man aber, so Marina Goljakowa, meist erst gegen Ende des Aufenthalts der Kinder. Es dauere, bis sich ein Struktur in der Gruppe herausgebildet, bis sich alle geöffnet haben. Der Schlüssel dazu: Zuwendung und Anerkennung, die zu Hause oder in den anderen Einrichtungen oft nicht genug erlebt werden. „Das erste, was die Kinder morgens wollen, ist eine Umarmung. Und wenn man dann noch ein lobendes Wort für sie hat und gar auch noch ein Talent an ihnen entdeckt, bekommt man dieses Lächeln, das Kinderglück verheißt.“

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Marina Goljakowa, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche

Aber als Besucher spürt man rasch: Hier ist mehr im Spiel, hier geht man mit Liebe zu Werke, sei es bei der Gestaltung von Objekten, Räumen und Orten oder vor allem im Umgang mit den Kindern. Und wenn diese Liebe gegeben ist, kann nicht mehr viel zum Wohl der Heranwachsenden fehlen.

Juni 52

Und diese Liebe kommt zurück zum pädagogischen Team, so wie auch viele der Kinder immer wieder zurück nach Penkino kommen, das sie stets mit Tränen verlassen.

Juni 53

Das Team übrigens arbeitet jetzt nicht nur mit der Technischen Universität Nürnberg, der ehemaligen Georg-Simon-Ohm-Hochschule zusammen, sondern auch mit der Universität Wladimir, wo man die Ergebnisse des Blauen Himmels evaluiert. Und im nächsten Winter ist die Einrichtung Projektpartner bei den Naturerlebnistagen mit deutschen Studenten und Fachleuten, die in Susdal und Penkino stattfinden sollen.

Juni 54

Möge für Penkino immer die Sonne scheinen!

Freude herrscht natürlich auch darüber, mit der pädagogischen Arbeit landesweit eine führende Rolle eingenommen zu haben, von den Kollegen andernorts als nachahmenswert eingestuft und sicher einmalig in der Konstellation erfolgreicher deutsch-russischer Zusammenarbeit.

Juni 55

„Immer wieder beeindruckend und berührend“, faßt Elisabeth Preuß zusammen, die das Zentrum ebenso wie Jürgen Zeus seit seiner Eröffnung kennt und begleitet.

Frauenkloster von Bogoljubowo

Frauenkloster von Bogoljubowo

Dies ließe sich auch für das Frauenkloster von Bogoljubowo und die Kirche Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl sagen, die am Weg zurück von Penkino nach Wladimir liegen.

Mariä- Schutz- und Fürbitt-Kirche an der Nerl

Mariä- Schutz- und Fürbitt-Kirche an der Nerl

Nach einem kurzen Abstecher in die russische Architekturgeschichte führt der Weg weiter ins Kinderkrankenhaus mit seinen 325 Betten, das seit 1990 im Mittelpunkt der medizinischen Zusammenarbeit der Partnerstädte steht. Mehr noch: „Wir haben in Erlangen überall so viele Freunde“, freut sich Swetlana Makarowa, die ärztliche Direktorin. „Sogar die Heinrich-Kirchner-Schule schickt uns immer wieder ihre Spenden und Bilder, Soroptimist International aus Erlangen hat uns bei der Einrichtung eines gynäkologischen Behandlungszimmers für Mädchen und bei der Ausstattung von Elternzimmern auf der onkologischen Abteilung geholfen. Und und und…“

Jürgen Zeus, Swetlana Makarowa, Elisabeth Preuß, Nadeschda Panfilowa und Herbert Lerche

Jürgen Zeus, Swetlana Makarowa, Elisabeth Preuß, Nadeschda Panfilowa und Herbert Lerche

Und im September kommen wieder die Kollegen von der Pädiatrie aus Erlangen, um den Fachaustausch fortzusetzen. Da werden jetzt schon Programmpläne geschmiedet, um die Versorgung der Kinder noch weiter zu verbessern, denn: „Wenn wir uns nicht fortbilden, geht es nicht voran.“

Juni 59

Voran geht es sichtlich mit dem Bau des Pilgerhauses der Rosenkranzgemeinde. Keller und Erdgeschoß sind nun fast fertiggestellt, und dem Zeiplan nach sollte man im Herbst schon Richtfest feiern können. Der organisatorische und finanzielle Kraftakt ist für die Wladimirer Katholiken freilich nur zu schaffen dank der vereinten Unterstützung durch die Hilfswerke Renovabis und Kirche in Not sowie des Fördervereins Nadjeschda, besonders aber des Erzbistums Bamberg, das nicht nur mit eigenen Mitteln einspringt, sondern auch erfolgreich in anderen Diözesen Spenden einwirbt.

Juni 60

Einmal fertiggestellt, sollen hier Gruppen von bis zu 40 Personen unterkommen und damit die finanzielle Autarkie der Gemeinde sicherstellen. In jedem Fall das umfangreichste, aufwendigste und komplizierteste Projekt in der Geschichte der Partnerschaft, eine Geschichte, auf die noch oft zurückzukommen sein wird.

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Irina Chasowa

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Irina Chasowa

Und eine Geschichte, an der drei Frauen schon jetzt entscheidend Anteil haben: Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Irina Chasowa, die Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses. Drei Frauen, die mit einem Lächeln in die Zukunft blicken, denen die Zusammenarbeit der Partnerstädte am Herzen liegt, von denen man noch viele Impulse und Anregungen erwarten darf. Drei Frauen, die sich gestern voneinander nicht mit einem „Lebwohl!“ verabschiedet haben, sondern mit einem „Auf Wiedersehen!“

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Eine abwechselungsreiche Woche liegt vor mir, als ich mit Günther Allinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Gemsdorf, am 3. Oktober pünktlich um 15.15 Uhr am Moskauer Flughafen Domodjedowo ankomme. Wir wollten mit dem Zug nach Wladimir fahren und hatten geplant, den Zug um 20.05 Uhr zu nehmen. Doch alles geht überraschend schnell, schon nach 15 Minuten sind wir durch die Kontrollen, das Gepäck ist auch bald da, und wir erreichen den Airport-Express um 16.30 Uhr, der uns in die Stadt zum Pawelezkij-Bahnhof bringt. Zwei Stationen mit der Metrolinie 5, und wir sind am Kursker Bahnhof, wo wir noch den Schnellzug um 18.25 Uhr nach Wladimir erwischen.

Nach einem Sonntag bei Freunden auf der Datscha hatte ich dann Gelegenheit, Olga Dejewa zu treffen, die gerade zum neuen Stadtoberhaupt von Wladimir gewählt worden war. So wurde ich ihr erster ausländischer Besucher und konnte ihr Briefe mit Glückwünschen aus Erlangen, besonders von unserem Oberbürgermeister, Florian Janik, übergeben.

Olga Dejewa und Wolfram Howein

Olga Dejewa und Wolfram Howein

Ich traf sie allerdings in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir, ein Amt, das sie im Frühjahr 2016 wegen der neuen politischen Aufgabe abgeben wird. Ich wollte mich über den Fortgang des Projektes „Ambulantes Hospiz“ informieren, das vom Erlanger Förderverein zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir gesponsort wird. Neben Olga Dejewa nahmen an dem Gespräch der Projektkoordinator, Wladimir Prosor, eine Mitarbeiterin des Krankenhauses Nr. 5 und zwei Pädagoginnen einer medizinischen Schule für Pflegeberufe teil, die auch die ehrenamtlichen Helfer für die Hospizarbeit ausbilden sollen. Wladimir Prosor berichtete über den Stand des Projektes. Weil Hospizarbeit im russischen Gesundheitswesen Neuland bedeute, sei es schwer, an potentielle Patienten heranzukommen.

Anders die Situation bei den Helfern. Von den 1.500 Studenten der medizinischen Schule haben sich bereits 60 Freiwillige gemeldet. Die beiden Pädagoginnen berichteten über ihre Arbeit mit den Ehrenamtlichen, wobei auch psychische Probleme im Umgang mit den Patienten und deren Familien zum Ausbildungsprogramm gehören. Diese jungen Leute machen keine umfassende medizinische Behandlung, sondern sie sollen vorwiegend soziale Hilfe für die Kranken leisten. Die medizinische Behandlungen sollen durch Kooperationsverträge mit den Kliniken abgedeckt werden, mit einer Klinik ein solches Abkommen bereits abgeschlossen. Mit viel Engagement wurde einiges erreicht, es bleibt aber noch viel zu tun. Die weitere Förderung durch den Erlanger Förderverein wird auch davon abhängen, ob es gelingt, zunehmend russische Sponsoren zu gewinnen.

Bei einem überregionalen, russischen Fachtreffen hat eine der Pädagoginnen das Projekt vorgestellt. Man ist der Meinung, Wladimir leiste mit diesem Projekt landesweit Pionierarbeit.

Ohne einen Besuch in unserem Kinder-Reha-Zentrum „Blauer Himmel“ ist eine Reise von mir nach Wladimir nicht denkbar. Günther Allinger und ich fuhren also nach Penkino, wo man sich gerade auf eine neue Gruppe von Kindern vorbereitete. Gemeinsam mit Wasilij und Marina, zwei der Pädagogen, konnten wir die Anlage besichtigen und aktuelle Problem diskutieren. Die beiden sind mit viel persönlichem Engagement dabei, die Anlage zu verschönern. Lebensgroße Tierfiguren, ein kleines Holzhaus, eine Bauernstube und anderes sind Bastelarbeiten, die mit den Kindergruppen angefertigt und in der Anlage aufgestellt werden.

Blauer Himmel

Blauer Himmel

Die Pädagogen erzählten auch über ihre Außenaktivitäten, z. B. Wanderungen in den umliegenden Waldgebieten mit interessanten und spannenden Aufgaben für die Kinder. Marinas Teilnahme an der Winteruniversität Erlebnispädagogik im Bayerischen Wald hat neue Ideen und Anregungen gebracht! Schließlich besichtigten und testeten wir die von den Erlanger Pfadfindern errichteten Stationen auf dem Erlebnispfad. Kompliment, die Jungs aus Erlangen haben gute Arbeit geleistet!

Das Zentrum „Blauer Himmel“ ist jetzt fast sechs Jahre in Betrieb, trotzdem gibt es immer noch etwas zu verbessern. In der für die kalte Jahreszeit so wichtigen Werkstatt fehlt es nach wie vor an Ausstattung und Werkzeugen, auch der Gemeinschaftsraum bedarf noch medialer Aufrüstungen. Schließlich kommt die Versorgung des Zentrums mit Material für Basteln und Werken immer noch zu kurz. Wir haben gemeinsam mit den Pädagogen eine Wunschliste erstellt, die aus noch vorhandenen Restspenden befriedigt werden soll.

Erlebnispfad im Blauen Himmel

Erlebnispfad im Blauen Himmel

Da der „Blaue Himmel“ als Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik in Penkino an der Kljasma seine dauerhafte Heimat gefunden hat, ist das vor mehr als zehn Jahren aus Spenden erworbene Grundstück – in einem Dorf zwischen Wladimir und Susdal an der Nerl gelegen – nicht mehr nötig. Das Grundstück sollte daher an die Elterninitiative Swet übertragen werden (der Blog berichtete schon mehrfach über diese Organisation). Ein Grund für unsere Reise, bei der wir die Besonderheiten der russischen Bürokratie, noch verstärkt durch die Behandlung in zwei Sprachen, kennenlernen konnten. Protokolle von Besprechungen und Beschlüssen, Übergabeverträge und Kopien der Pässe wollten ins Russische übersetzt und mit zahlreichen Unterschriften und Stempeln vor den Augen einer Notarin versehen werden. Mit diesen Dokumenten konnten dann Ljubow Katz (als Vorsitzenden der Elternvereinigung Swet) und Günther Allinger (als Vorsitzender der Stiftung Lichtblick) das Übergabeprotokoll unterzeichnen. Inzwischen wurde das Grundstück rechtsverbindlich der Elterninitiative überschrieben, wie der Blog bereits am 29.10. berichtete.

Swetlana Schelesowa und Günther Allinger

Swetlana Schelesowa und Günther Allinger

Wie bei fast allen meinen Reisen hatte ich auch diesmal wieder Gelegenheit, mich in die Sprachkurse des Erlangen-Hauses einzubringen. Es gab sehr interessante und lange Diskussionen über die aktuelle Lage mit viele Fragen über Deutschland und unsere Situation mit den vielen Flüchtlingen aus moslemischen Ländern. Auch viele Russen sehen vor dem Hintergrund all der Ethnien in der Kaukasus-Region den Islam als Bedrohung.

Schließlich hatte ich noch tiefergehende Gespräche über die Situation des Erlangen-Hauses. Trotz eines Rückgangs der Teilnehmer an den Sprachkursen können wir wirtschaftlich ein ausgeglichenes Ergebnis für das Jahr 2015 erwarten. Hilfreich dabei im Hotelbetrieb nach wie vor eine zu erwartende Auslastung von mehr als 50 %.

Wolfram Howein

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Bei seinem Antrittsbesuch in Wladimir im September 2014 wurde Oberbürgermeister Florian Janik bei der Besichtigung des Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik „Blauer Himmel“ die Idee vorgetragen, gemeinsam mit Jugendlichen aus Erlangen einen Erlebnispfad zu bauen. Spontan für das Vorhaben begeistert, sagte der Gast zu, sich um die Sache persönlich zu kümmern und sprach, gesagt – getan, nach seiner Rückkehr Stadtrat Helmut Wening an, der den Pfadfinderstamm Asgard betreut. Hier nun der Bericht der Gruppe, die sich im Sommer auf die Reise in die Partnerstadt machte:

Der Pfadfinderstamm Asgard aus Erlangen reiste im Sommer 2015 mit einer neunköpfigen Gruppe nach Wladimir, um dort einen Erlebnispfad für die Einrichtung „Blauer Himmel“ zu bauen.

Ein Teil der Gruppe am Vorabend der Abreise

Ein Teil der Gruppe am Vorabend der Abreise

23. Juli: Es geht los! Wir treffen uns an unserem Pfafindergrundstück und sprechen noch einmal alles durch, wiegen unser Gepäck und drucken unsere Bordkarten aus. Mit Peter Steger und Wolfram Howein, unseren beiden Ansprechpartnern, informieren wir uns über Details und bekommen unsere Pässe samt Visa zurück. Doch leider stellte sich heraus: Adam, einer aus unserer Gruppe, dessen Visum aus einem uns nicht ersichtlichen Grund nicht rechtzeitig ausgestellt wurde, konnte wohl am nächsten Morgen nicht mitfliegen. Trotz dieser Enttäuschung schließen wir die Vorbereitungen erfolgreich ab und gehen erwartungsvoll auf den nächsten Tag schlafen.

Flughafen Zürich

Flughafen Zürich

24. Juli: Um fünf Uhr morgens setzen wir uns ins Auto. Wir werden freundlicherweise von einem Pfadfinder aus unserem Stamm zum Flughafen gefahren. Nach kurzer Zwischenlandung in Zürich kommen wir um etwa 17.00 Uhr Ortszeit am Flughafen Moskau-Domodjedowo an, wo wir von Benni und Jakob, die schon zwei Wochen vor uns abgereist waren, bereits erwartet werden. Sie machen uns mit Johannes, einem Studenten aus Jena bekannt, der in Wladimir ein Soziales Auslandsjahr macht. Johannes führt uns zu einem Kleinbus mitsamt Fahrer, der uns schließlich nach Wladmir bringt. Es ist eine lange, zähe Autofahrt auf einem Moskauer Highway, die schließlich durch eine Wagenpanne am Straßenrand zum Erliegen kommt. Nach zwei Stunden Zeitvertreib mit Singen und Spielen im Nirgendwo kommt endlich ein Ersatzfahrzeug, welches uns um 3.00 Uhr morgens völlig erschöpft in unserem Hostel abliefert.

Auf Erkundungstour in Wladimir

Auf Erkundungstour in Wladimir

25. Juli: Gut ausgeschlafen, machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in die Wladimirer Innenstadt. Nach einer ausführlichen Besichtigung und fasziniert von den Unterschieden zu einer deutschen Großstadt, gehen wir in einer Shopping Mall einkaufen und lassen uns von der russischen Produktvielfalt faszinieren.

Die Asgard-Gruppe im Goldenen Tor

Die Asgard-Gruppe im Goldenen Tor

26. Juli: Johannes und Freddy fahren zurück zum Flughafen um Adam, der glücklicherweise sein Visum noch bekommen hat, und mit der nächsten Maschine nach Moskau geflogen ist, abzuholen.
Währenddessen macht der Rest der Gruppe eine Tour zur Kljasma, wo man den Nachmittag mit Spielen und Spaziergängen verbringt.

Willkommen im Blauen Himmel

Willkommen im Blauen Himmel

27. Juli: Auf nach Penkino! Um 10 Uhr morgens holt uns Johannes an unserem Hostel ab, und wir fahren, endlich vollzählig, nach Penkino zur Einrichtung „Blauer Himmel“, die zweiwöchige Aufenthalte für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien und mit geistigen Beeinträchtigungen anbietet. Dort angekommen, werden wir von den Erziehern freundlich empfangen, in unsere Wohnung geführt, und wir besprechen gleich mit Wasilij, dem für uns zuständigen Pädagogen, den Bau des Erlebnispfades.

Die Axt im Wald von Penkino

Die Axt im Wald von Penkino

28. Juli: Es geht an die Arbeit! Ein Teil der Gruppe macht sich am Vormittag auf den Weg in die Stadt, um Lebensmittel und Baustoffe zu kaufen. Unsere Baustelle ist vorzubereiten, das bedeutet von Unkraut zu befreien und zu ebnen. Die Mücken und das schwüle Wetter machen uns zu schaffen, doch am Ende des Tages wurden wir doch noch fertig und fielen müde ins Bett.

Die Arbeit am Erlebnispfad

Die Arbeit am Erlebnispfad

Die nächsten Tage verbrachten wir mit dem Bau des Erlebnispfades, der bis auf einige Kleinigkeiten planmäßig verlief.

Jeder legt Hand an

Jeder legt Hand an

1. August: Der Pfad ist fertig! Mit einer kleinen Eröffnungsfeier zusammen mit den Kindern und den Pädagogen weihen wir unser Werk ein und verabschieden uns schon einmal von der Einrichtung.

Der Pfad nimmt Gestalt an

Der Pfad nimmt Gestalt an

2. August: Früh fahren wir mit dem öffentlichen Nahverkehr in die kleine historische Stadt Susdal. Dort haben wir eine gute Unterkunft für uns gemietet. Wie sich herausstellt, ist der Ort sehr schön und wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten auf.

Erprobungsphase für den Pfad

Erprobungsphase für den Pfad

5. August: Nach zwei Tagen in Susdal inklusive einer kleinen Tageswanderung fahren wir nach Moskau, um dort unsere Reise ausklingen zu lassen. Wir haben uns dort in einem kleinen, schicken Hostel im Botschaftsviertel eingemietet.

Der Pfad ist fertig!

Der Pfad ist fertig!

6. August: Ein langer Tag in Moskau inklusive Märkten, Kirchen, Kreml, Gorkij-Park und vielem mehr geht zu Ende, wir machen uns auf den Weg zum Flughafen, von dem wir am nächsten Morgen über München zurück nach Nürnberg fliegen werden.

In Susdal

In Susdal

Allgemein war die Großfahrt für alle Reiseteilnehmenden eine Erfahrung, die wahrscheinlich noch ewig in Erinnerung bleiben wird. Insbesondere der Bau des Pfades.

Freddy Marthol

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Am 6. Oktober erschien hier der Artikel über die Zusammenarbeit von Professoren und Studenten aus Nürnberg, Jena und Wien mit den Kollegen und Kommilitonen aus Wladimir zum Thema Blauer Himmel und Erlebnispädagogik: http://is.gd/9gjj5G.

Gesichter des Blauen Himmels

Gesichter des Blauen Himmels

Nun gibt es dazu die Gesichter in einer bunt-fröhlichen Zusammenstellung, montiert von Wladimirer Studenten. Ohne Worte, nur mit den Namen. Daran will sich heute auch der Blog ein Beispiel nehmen und einfach nur einladen zu dem Bilderreigen unter: http://is.gd/xCiwyL

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Am 24. September ist in der Wladimirer Tageszeitung Prisyw ein Artikel von Alexander Cholodow unter der Überschrift „Studenten lernen erleben“ erschienen, der hier in Übersetzung zu lesen ist:

Prisyw

Wissenschaft kennt keine Grenzen. Diese Erkenntnis bewiesen wieder einmal die immer fester werdenden Beziehungen der Staatlichen Universität Wladimir mit anderen Ländern.

Heute geht in den Räumen der Hochschule die Arbeit der Internationalen Schule junger Führungskräfte zu Ende, an der deutsche Professoren, 15 Studenten aus Österreich, sieben aus Rußland und drei aus Bulgarien teilnahmen. Über den ganzen Sommer hatten sich bereits vier solcher Schulen verteilt, die gerade abgeschlossene ist die fünfte, zwei weitere folgen noch. An der Wiege dieses akademischen Austausches steht Wolfram Howein, Koordinator des Projekts Blauer Himmel, in dessen Rahmen im Dorf Penkino, Kreis Kameschkowo, mit Kindern gearbeitet wird, die wegen Auffälligkeiten und Behinderungen eine Therapie benötigen.

Die Schule für junge Führungskräfte bietet Vorlesungen und Praktika zur Psychologie der Persönlichkeit, wobei das Hauptziel darin besteht, die Teilnehmer darin zu unterrichten, anderen Menschen zu helfen. Im vergangenen Jahr erschien in Rußland der Band „Erlebnispädagogik“, übersetzt vom Lehrstuhl für Psychologie der Persönlichkeit und Sozialpädagogik der Universität Wladimir. Werner Michl, Autor der Publikation und Professor für Soziale Arbeit an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg, ist gekommen, um an der Schule für junge Führungskräfte zu unterrichten. Sein Buch enthält eine Vielzahl von praktischen Beispielen dafür, wie sich psychologische Probleme von Menschen mit Hilfe einer neuen Methodik lösen lassen.

„In Österreich gibt es mehr als 1.000 Experten für diesen Fachbereich der Psychologie. Und ich habe jetzt 1.000 Exemplare des Lehrbuchs mit nach Rußland gebracht“, berichtete Werner Michl bei der ersten Vorlesung, deren Stafette dann Ulrich Lakemann, Professor an der Universität Jena, übernahm. „Die Erlebnispsychologie ist in der Praxis eine ständige Wechselwirkung zwischen Patient und Psychologe. Nehmen wir einen Patienten mit einer psychosomatischen Erkrankung. Es fällt ihm schwer, seine Probleme zu lösen, er ist aufgeregt, nimmt sich alles zu Herzen. Man muß ihm beibringen, seine Furcht zu überwinden. Das kann man etwa mit Hilfe von Klettern tun. Fünf Patienten, zwei Bergführer und ein Psychologe steigen auf einen Gipfel. Der Psychologe ist im ständigen Gespräch mit den Patienten, die davon sprechen, wie sie die Hindernisse überwinden, wie sie zum Erfolg kommen. Der Psychologe teilt ihr Erleben. Zudem befindet sich die ganze Gruppe im Freien, und die Natur schenkt die Möglichkeit, die eigenen Alltagssorgen hinter sich zu lassen. Auf einer bestimmten Höhe angelangt, erkennt der Mensch, wozu er fähig ist, daß er nicht anders ist als die andern – und sogar stärker. Er beginnt nun auch, sich den anderen Schwierigkeiten im Leben zu stellen, verändert sich selbst.“

Die Hörer konnten das in den Vorlesungen Gehörte in der Praxis überprüfen.: Sie fuhren zum Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik Blauer Himmel in Penkino, besuchten eine Reihe weiterer Sozialeinrichtungen, lernten die Arbeit des Gouvernementskrankenhauses für Psychiatrie Nr. 1 und nahmen an Vorlesungen an der Hochschule teil. Die bulgarischen und österreichischen Studenten wollen später einmal als Sozialpädagogen und Sozialarbeiter tätig sein. Einer von ihnen, Maikl Dschungmaier ist schon ein gestandener Mann, 34 Jahre alt, und kommt aus Linz in Österreich.

Erzähl doch mal von Dir, Maikl: – Nach der Schule diente ich in Österreich in einer Panzereinheit. Wir haben Wehrpflicht. Ich habe einen Leopard 2 gefahren, so einen deutschen Panzer… – Das hat aber wenig mit Psychologie und sozialen Fragen zu tun. – Ja, ich bin erst mit der Zeit dazu gekommen. Nach der Armee studierte ich Physik und Wirtschaftsprogrammieren. Aber das war nicht mein Ding. Später arbeitete ich in Kaffeehäusern, Restaurants, Hotels. Dann änderte ich den Kurs. Jetzt studiere ich soziale und familiäre Arbeit. – Warum interessiert dich das? – Nicht des Geldes wegen. Sondern weil das Arbeit mit Menschen ist, eine Arbeit, die vom Staat unterstützt wird. Wir interagieren mit alten Menschen, mit Behinderten, mit schwierigen Familien. Was diese Familienbetreuung angeht, so arbeite ich mit den Kindern, mein Kollege mit den Erwachsenen. Die Kinder müssen zur Schule gebracht werden, alle möglichen Probleme sind zu lösen. – Ist das die freie Entscheidung der Familie, sie zu rufen? – Nein, die Regierung meint, wenn in einer Familie Kinder Schaden nehmen, müsse man ihnen helfen. – Wenn aber die Familie das gar nicht will? – Das kommt schon vor, meist wenn es sich um eine Familie handelt, wo Armut herrscht, Arbeitslosigkeit oder Trunksucht. Manchmal will man uns nicht reinlassen. Das kommt vor. Aber wir sind hartnäckig!

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