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Posts Tagged ‘Partnerschaftsdreieck Erlangen – Jena – Wladimir’


Gestern ging ein weiterer Bericht von Lou Constance Schmalbrock, als Freiwillige von der Eurowerkstatt Jena zum Euroklub Wladimir entsandt, in der Redaktion des Blogs ein, der nicht lange in der virtuellen Schublade liegen bleiben soll.

Dieses Wochenende durfte ich die Familie meines Tutors Jewgenij in einen kurzen Skiurlaub begleiten. Am Freitagnachmittag, nachdem alle Schuhe, Skistöcke und natürlich Skier verstaut waren, ging es los. Wir fuhren nach Osten, in Richtung Nischnij Nowgorod. Es war für mich das erste Mal hier, mit dem Auto in eine andere Stadt zu fahren, ich war irgendwie echt gespannt. Obwohl es nur 200 km waren, brauchten wir über drei Stunden auf einer Art Schnellstraße oder Autobahn, ich bin mir da nicht ganz sicher. In dem kleinen Ort angekommen, gegen 19 Uhr, gab es Abendbrot, und danach ging es auf die Piste. Obwohl wir erst um halb neun wirklich vorbereitet waren, konnten wir noch Ski fahren, da die Piste beleuchtet war. Da ich erst ein Mal in meinem Leben Skifahren war (und das vor drei bis vier Jahren), erklärte mir Jewgenij erstmal auf dem Babyhang, wie das alles nochmal funktionierte. Erstaunlicherweise klappte es ziemlich gut, und schon nach viermaliger Abfahrt auf dem Übungshang gingen wir direkt zur richtigen Piste über. Glücklicherweise war nicht mehr viel los, weshalb ich viel Platz hatte,  und ich wurde ja auch immer von meinem Skilehrer oder seiner Mama begleitet. Schon an diesem Abend merkte ich: null Muskeln in den Beinen. Erst am Sonntag bekam ich das aber so richtig zu spüren. 😃

Am Samstag fuhren wir den ganzen Tag Ski; an sich hat auch alles gut geklappt, leider bin ich einmal aus dem Lift gefallen, als ich mit einer anderen Frau zusammen auf den Berg transportiert wurde. Sie ist dann auch aus dem Lift gefallen und fand es, glaube ich, nicht so lustig. Ich hatte einfach das Gleichgewicht verloren… Zum Glück war Jewgenijs Vater ein paar Meter hinter mir im Lift und sagte mir im Vorbeifahren, was ich machen sollte. Ich schnallte meine Skier ab und krabbelte gewissermaßen auf die nächste Piste, von wo ich wieder nach unten fuhr. Zum Glück ist mir das nicht noch einmal passiert, das war nämlich echt anstrengend…

Lou Constance Schmalbrock

Am Sonntagmorgen fuhren wir auch noch einmal eine Runde. Nach dem Mittagessen wurde dann alles gepackt, und es ging wieder Richtung Wladimir. Insgesamt hat es mir echt Spaß gemacht, und ich bin sehr dankbar, auf diese kleine Reise mitgenommen worden zu sein.

Der russische Winter ist sehr schön und wirklich anders als der deutsche, daher sollte man hier jede  Gelegenheit nutzen und das Skifahren genießen.

Lou Constance Schmalbrock

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Mein Name ist Lou, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Jena. Seit einigen Tagen bin ich nun in Wladimir und werde hier ein Jahr als Freiwillige im Euroklub arbeiten. Genauso wie Mathilda Wenzel https://is.gd/eNLFs2 habe ich den Kontakt über die Eurowerkstatt in Jena hergestellt.

Es ist schon verrückt, jetzt hier zu sein. Bisher habe ich das noch nicht recht begriffen, und ich denke, das wird auch noch etwas dauern. Im Moment ist für mich alles neu: die Umgebung, die Sprache, die Währung, das Essen, das Wohnheim, die Selbstversorgung. In ein bis zwei Wochen wird das hoffentlich für mich „echter“ sein, so auch der Fakt, die nächsten zehn Monate hier zu leben.

Lou Schmalbrock und ihre neuen Freundinnen in Wladimir

Mein erster Eindruck ist nur positiv. Den Weg vom Flughafen Wnukowo, Moskau, nach Wladimir fand ich erstaunlich gut, natürlich auch dank Google Maps. Die Verbindungen in Moskau sind gut, die Metrostationen sehr beeindruckend. Vor allem ist alles sehr sauber, zumindest das, was ich auf dem Weg von Moskau sehen konnte. Am Bahnhof lagen fast keine Zigarettenstummel auf dem Boden, die Leute werfen ihren Müll in die öffentlichen Abfalleimer. Im Zug nach Wladimir wurde jedem Passagier ein Wagon + Platznummer zugewiesen. Ich wollte mich einfach irgendwo hinsetzen, aber die Leute haben es mir dann erklärt und geholfen, auch wenn sie kein Englisch sprachen. Was mir auch gleich auffiel, ist das herzliche Lächeln vieler Russen. Sie sind ein schönes Volk, vor allem die Frauen.

Wladimir gefällt mir sehr gut, es ist viel geordneter und moderner als ich erwartet hatte und auch sehr grün. Zwei Mädchen aus dem Euroklub zeigten mir am Sonntag das Stadtzentrum, wir waren in zwei Museen und in der Mariä- Entschlafens-Kathedrale, das war sehr beeindruckend.

Anders ist auf jeden Fall eine Frau, die im Bus Fahrscheine an alle verkauft. Und was (natürlich) anders ist, so gut wie nichts zu verstehen, und das stört mich. Glücklicherweise hatte ich heute meine erste Russischstunde bei einer Lehrerin an der Uni, es hat echt Spaß gemacht!

Obwohl ich noch nicht einmal eine Woche hier bin, kommt es mir vor, als wäre ich vor längerer Zeit angekommen. Jeden Tag wirken neue Eindrücke auf mich, abends falle ich dann geschafft ins Bett.

Mein Besuch in Bogoljuwobo

Am Wochenende durfte ich mit einer Schülergruppe (11-15 Jahre) und ihrer Lehrerin Anna einen Ausflug machen. Mit dem Bus fuhren wir nach Bogoljubowo, ein Dorf in der Nähe von Wladimir. Dieses Dorf ist eines der ältesten hier in der Region, es wurde um 1200 gegründet.

Zuerst besuchten wir dort das Frauenkloster, welches noch immer als solches fungiert. Der Großfürst von Wladimir, Andrej Bogoljubskij, wurde dort im 12. Jahrhundert ermordet. Wir sahen dort ein paar Nonnen, für viele Kinder war es ebenfalls das erste Mal, das Kloster zu besuchen. Danach überquerten wir die Bahnschienen und spazierten über eine riesige Wiese, welche uns zur Mariä-Schutz und Fürbitt-Kirche führte. Neben dieser Kirche münden zwei Flüsse ineinander, die Kljasma (die durch Wladimir fließt) und die Nerl. Neben dieser Mündung veranstalteten wir ein kleines Picknick, die Kinder hatten Kekse und Schokolade mitgebracht, und wir tranken Apfelsaft.

Lou Schmalbrock vor Mariä Schutz und Fürbitt

Anfangs waren die Kinder zu schüchtern, um mit mir zu reden, doch das löste sich mit der Zeit, und gegen Ende konnte ich mich einigermaßen, soweit mein Russisch es erlaubt, mit ihnen unterhalten. Manche von ihnen lernen schon Deutsch oder Englisch in der Schule und konnten deshalb einiges übersetzen, falls ich es nicht auf Russisch verstand.

Es hat mir sehr viel Freude gemacht, diesen Ort gemeinsam mit der kleinen Gruppe zu besuchen. Das Wetter war toll, die Kinder munter und der Ort beeindruckend – ein perfekter Samstagsspaziergang also.

Mein Besuch in Schepelewo

Diesen Samstag bin ich mit dem Bus in ein Dorf ca. zehn km von Wladimir gefahren – Schepelewo. Dort besuchte ich einen Kindergarten. Die Kleinen hatten ein herbstliches Programm vorbereitet. Begonnen wurde mit einem Klavierstück, welches die 17jährige Tochter der Chefin spielte. Außerdem waren Stücke auf der Gitarre zu hören, kleine Mädchen sangen, ein Junge tanzte etwas vor, und ein Jugendlicher interpretierte russische Volkslieder.

Bastelstunde

Gegen Ende sollte ich mit den Kindern einen Workshop machen, um ihnen etwas von der deutschen Kultur zu zeigen. Vorher hatte ich über verschiedene Sachen nachgedacht, letztendlich entschied ich mich dafür, Papierdrachen zu basteln. Diese könnten sich die Kinder dann in ihr Zimmer oder ans Fenster hängen. Also hatte ich alle Materialien mitgebracht und vorher selbst einen Drachen als Beispiel gebastelt. Die Kinder machten alle mit und hatten ihre Freude, denke ich.  Aus Buntpapier schnitten sie den Drachen aus, malten mit Filzstiften Gesichter darauf. Manche klebten auch kleine Schleifen an die Seiten. Am Ende befestigten wir dann Bänder zum Aufhängen. Die Kinder beschlossen dann, alle Drachen im Kindergarten aufzuhängen. Sie erzählten mir davon, wie sie im Herbst kleine Puppen aus Stoff basteln und in die Fenster stellen, aber ohne Gesichter.

Es war interessant, ein russisches Dorf zu sehen, und es hat mir wirklich Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten und vor allem auch ihr Programm zu sehen

Lou Schmalbrock

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Bei der Tagung zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ am Freitag im Außenministerium zu Berlin gingen nicht nur, wie berichtet, Auszeichnungen an 30 Projekte der unterschiedlichsten Projekte der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern, sondern es erschien auch eine Broschüre mit dem Titel „Städte, Regionen und Initiativen“ mit weiteren deutschen Bewerbungen anläßlich der Ausschreibung für herausragende Partnerschaftsarbeit. Wie dem Vorwort von Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums, zu entnehmen, „entfaltet dieser Band vor den Lesern einen eindrucksvollen Teppich deutsch-russischer Partnerschaft, geknüpft mit den vielfältigen Qualitäten gesellschaftlicher Diplomatie unserer Länder. Er beinhaltet eine sehr konkrete Erfolgsgeschichte, die viel zu selten durch positive Meldungen, Artikel oder Filmberichte in den Medien gewürdigt wird.“ Wer, vor allem von den Ehrenamtlichen, wollte dem widersprechen!

Broschüre drf

Und so findet man in dieser, mit Zuschüssen des Auswärtigen Amtes geförderten Publikation bebilderte Kurzdarstellungen von Anträgen, die es kaum minder als die 30 ausgewählten verdient hätten, ausgezeichnet zu werden. Darunter auch der Jugendaustausch zwischen Erlangen und Wladimir unter Beteiligung des orthodoxen Erzbistums und der Universität, die Geschichte der deutsch-russischen Raumfahrt aus Sicht des Paares Höchstadt-Krasnogorsk, die deutsch-russische Gruppe der Eurowerkstatt Jena oder die alljährige Hilfsaktion des Partnerschaftsvereins in Rothenburg o.d.T. für Susdal. Ein wahres Kompendium von zivilgesellschaftlichen Kooperationen auch jenseits der offiziellen 105 Städtepartnerschaften, Brücken der Verständigung, von denen es gar nicht genug gibt – und deren es doch durchaus mehr gibt als man gemeinhin zu wissen glaubt. Ebenso ermutigend wie notwendig in Zeiten wie diesen.

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Nun ist der Jugendaustausch beendet

Vom 20. bis 27. April fand in Jena im Rahmen des Partnerschaftsdreiecks Jena-Wladimir-Erlangen, ein Jugendaustausch statt. Für die Vorbereitung und Durchführung der Begegnungen waren die ÜAG Jena GmbH und der Euroklub Wladimir zuständig, die Euro-Werkstatt Jena e.V. unterstützte sie. Die Jugenddelegation bestand aus Mitgliedern des Euroklubs, Schülern des Gymnasiums Nr. 35, Studentinnen der Berufsfachschule für Pflegeberufe und der Staatlichen Universität. Finanziert wurde der Austausch durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/2018“ (www.russlandpartner.de).

Nikolaj Kaplenko, 2. v.l. sowie Frederick Mathol, Cornelia Bartlau und Iwan Nisowzew, rechts im Bild

Während der Zeit in Deutschland berichteten die Besucher den Schülern der Staatlichen Berufsbildenden Schule (SBBS) für Gesundheit und Soziales von ihrer Heimatstadt Wladimir. Sie besuchten die Friedlich-Schiller-Universität mit einer Präsentation über Wladimir, besichtigten das Universitätsklinikum Jena sowie das Altersheim des Roten Kreuzes. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des KZ Buchenwald. Außerdem pflanzten sie 250 Bäume in der Nähe der Stadt Jena. Selbstverständlich kam auch das Treffen mit der deutschen Jugend und internationalen Freiwilligen nicht zu kurz.

Deutsch-russische Graffiti-Wand in Jena

Wir hoffen, den Gästen hat die Reise gefallen, und sie nehmen nicht nur Souvenirs mit nach Hause, sondern auch viele schöne Eindrücke. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch und die Fortsetzung des Austausches!

Partnerschaft – unsere Zukunft

Wir hatten es kaum geschafft, die Jugendgruppe aus Wladimir zu verabschieden, als schon Jelena Guskowa, die Vorsitzende des Euroklubs, gemeinsam mit Schülern und Studenten nach Jena kam.

Diskussionskreis

Diese Gruppe hielt sich vom 29. April bis zum 01. Mai in Jena auf. Für sie wurde eine Stadtführung sowie ein Kennenlernen mit der deutschen Kultur organisiert. Die Exkursion wurde von den Freiwilligen und dem Leiter der Euro-Werkstatt Jena e.V., Iwan Nisowzew, durchgeführt. Die russischen Gäste brachten den deutschen Jugendlichen süße Geschenke aus ihrem Heimatland mit. Sie hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit der Partnerstädte und freuen sich auf deutsche Gäste in Wladimir.

Willkommen und Abschied

Diese Reise verlief unter der Devise „Partnerschaft – unsere Zukunft“ und fand im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres lokaler und regionaler Partnerschaften 2017/2018“ (www.russlandpartner.de) statt. Das Projekt wurde durch den Euroklub Waldimir und seine Partnerorganisationen in Jena, die Euro-Werkstatt e.V. und die ÜAG GmbH Jena, unterstützt durch die Stadtverwaltung Jena, durchgeführt.

Nikolaj Kaplenko, Übersetzung: Johanna Grosser

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Heute darf ich, Nikolaj Kaplenko, Sie herzlich begrüßen. Ich bin 22 Jahre alt, habe 2017 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir abgeschlossen und dann die Gelegenheit wahrgenommen, in Jena ein Jahr im Rahmen des „Europäischen Freiwilligendienstes“ zu verbringen. Vorher war ich schon Mitglied des Wladimirer „Euro-Klubs“ und engagierte mich dort im Bereich der Städtepartnerschaft. Meine Entscheidung für Jena kam also nicht zufällig zustande, denn auch hier beschäftige ich in der „Eurowerkstatt“ mit der deutsch-russischen Zusammenarbeit und dem Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Zu meinen Aufgaben gehört es, meinen Leiter, Iwan Nisowzew, den Vorsitzenden der „Eurowerkstatt“ bei der Durchführung von Kulturveranstaltungen, bei der Kommunikation mit dem Euro-Klub, beim Austausch zwischen dem Universitätsklinikum Jena und der Wladimirer Fachschule für Medizinische Berufe ebenso zu unterstützen wie bei der Vorbereitung von Delegationsbesuchen aus den Partnerstädten oder bei der Arbeit im Büro der „Eurowerkstatt“, bei Freiwilligenfestivals und bei vielem anderen zu helfen. Mit Alexander Fomin hält sich derzeit ein weiterer Freiwilliger aus Wladimir in Jena auf.

Nikolaj Kaplenko und Iwan Nisowzew

In meiner Freizeit treffe ich mich mit anderen Freiwilligen und Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Der Austausch mit ihnen hilft mir, andere Menschen besser zu verstehen und zu begreifen, daß wir so verschieden gar nicht sind. Ich erlerne die deutsche Sprache und reise viel, um die deutsche Kultur besser zu verstehen.

Vom 19. bis 23. Februar besuchte ich unsere Partnerstadt Erlangen, um an den „Russisch-Deutschen Wochen“ teilzunehmen. Daneben wollte ich neue Kontakte knüpfen, von der Erfahrung bei der Durchführung derartiger Veranstaltungen profitieren und einen ausländischen Blick auf die russische Kultur verstehen lernen.

Cornelia Bartlau und „ihre“ Freiwilligen

In dieser Woche sah ich den Film „Hundeherz“ aus dem Jahr 1988, versuchte mich in der russischen Kaligraphie und fühlte mich wieder wie in der ersten Klasse, als ich überlegen mußte, wie man die Buchstaben untereinander verbindet. Dann war da jener überwältigende Vortrag zum Thema „Russische Klassik gestern und heute“ mit einem Lektor, Dorian Keilhack, der nicht nur erzählte, sondern auch zusammen mit seiner Frau und Tochter selbst einige Stücke spielte. Auch der Abend, der einer Radfahrt von Erlangen nach Wladimir gewidmet war, hat mir sehr gut gefallen. Schön auch, nach dem Bericht all die vertrauten Bilder aus Wladimir und der Region um meine Stadt wiederzusehen.

Anastasia Blasch, Wolfgang Morell und Nikolaj Kaplenko

Besonders freute mich die Bekanntschaft mit dem Weltkriegsveteranen, Wolfgang Morell. Er lieh mir sein Exemplar der russischen Fassung des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger. Es handelt sich dabei um die Sammlung von Erinnerungen ehemaliger Kriegsgefangener an ihre Lagerzeit auf dem Gebiet der Region Wladimir.

Meine Eindrücke von dieser Woche waren durchweg positiv, ich hatte das Gefühl, eine Woche lang gar nicht in Erlangen, sondern zu Hause, in Wladimir, zu sein. Ich hoffe nun, mit meinen in dieser Zeit erworbenen Kenntnissen eine ähnliche Veranstaltung auch in Jena organisieren zu können.

Nikolaj Kaplenko

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Seit 2003 pflegen Jena und Wladimir einen engen Jugendaustausch, der damals, vor 15 Jahren, mit dem EU-Projekt „Move Together“ mit Begegnungen einsetzte, die alle europäischen Partnerstädte einbezog. Derlei Programme laufen naturgemäß nach einer bestimmten Zeit aus, die Beteiligten gehen auseinander, die Treffen enden nach Abrechnung der Kosten in der Ablage. Nicht so zwischen Jena und Wladimir.

Im Botanischen Garten zu Jena

Cornelia Bartlau, damals noch Streetworkerin, heute Gleichstellungsbeauftragte, hatte im 1997 gegründeten Euroklub und deren Vorsitzenden, Jelena Guskowa, ein Wladimirer Pendant gefunden, das sich an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert zeigte. Und so entstanden neue Ideen, eigene Projekte wie der Freiwilligenaustausch, in dessen Rahmen vor sieben Jahren Iwan Nisowzew nach Thüringen gekommen war – und bis heute als Mittler zwischen den Städten und Menschen geblieben ist.

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Friedensfahrer Winfried Merkel

Zu den festen Programmen des Euroklub gehören landeskundliche Reisen, die per Bus dieses Mal bis in die Niederlande führen – nach dem Motto: gestern noch Jena, heute Amsterdam. Oder frei nach der russischen Redensart: im Galopp durch Europa.

Plenum

Dabei wollen die knapp 50 jungen Gäste nicht nur selbst möglichst viel von der Kultur und Geschichte vor Ort erfahren, sie stellen vielmehr überall auch ihre eigene Heimat vor. Und die heißt für einige in der Gruppe nicht nur Wladimir, sondern beispielsweise auch Wjasniki, eine Kreisstadt aus der Region, die mit ihren Naturschutzgebieten für sich einnimmt.

Jelena Guskowa, Iwan Nisowzew und Matthias Bettenhäuser

Wie wichtig Jena den Besuch im zehnten Jahr des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir nimmt, zeigt die Begrüßung durch Matthias Bettenhäuser, persönlicher Mitarbeiter und Leiter des Büros von Oberbürgermeister Albrecht Schröter, im Bürgertreff des Rathauses. Wie wichtig der Besuch ist, zeigen die politischen Umstände, die angesichts der aktuellen Eskalation mit der gegenseitigen Ausweisung von Botschaftspersonal mehr denn je auf die Volksdiplomatie setzen muß, gerade auch im „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“. Schwere Zeiten für den Austausch, wenn hüben wie drüben neue Feindbilder entstehen. Da mag helfen, manches mit historischem Abstand zu sehen, etwa, wenn man die Fahrt von Erlangen nach Jena nutzt, um sich in die Anmerkungen zum Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewskij zu vertiefen. Da findet sich nämlich folgender Hinweis:

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Matthias Bettenhäuser

Heinrich Joh. Ostermann (geb. 1687 in Westfalen als Sohn eines Pastors) hatte als Jenenser Student seinen Gegner im Duell getötet, war nach Holland geflohen und dort 1703 in russische Dienste getreten. Er gewann Peters Vertrauen und machte sich verdient bei den Friedensschlüssen am Pruth 1711 und namentlich in Nystad 1721. (Geheimrat und Baron Ostermann) Nach Peters Tode 1725 ernannte ihn Katharina I. (1725-27) zum Oberintendanten des Hofes und zum Mitglied des Regentschaftsrates für Peters Enkel, den Knaben Peter II. Alexejewitsch, der aber schon 1730 starb. Die russische Adelspartei unter Führung des Fürsten Dolgorukij erhob hierauf Peters Nichte, die Witwe des Herzogs von Kurland, Anna Iwanowna (1730-40) auf den Thron und versuchte hierbei, die kaiserliche Allmacht zu beschränken. Der Versuch scheiterte an der Opposition der anderen, deutschfreundlichen Partei bei Hofe, und nach dem Sturz und der Verbannung der Russen kam es zur Bildung des Kabinetts, in dem Annas Günstling, Biron (von Bühren), Graf Ostermann und Generalfeldmarschall Münnich die Hauptrolle spielten. Anna ernannte (auf Ostermanns Rat?) ihren zweijährigen Großneffen als Iwan IV. (1740-41) zu ihrem Nachfolger; doch schon 1741 trat Peters jüngste Tochter, Elisabeth, auf und bestieg nach einer Palastrevolution den Thron (1741-62). Graf Ostermann wurde von ihr der Intrigen gegen ihr Thronfolgerecht beschuldigt, zum Tode durch das Rad verurteilt, auf dem Blutgerüst zur Verbannung nach Sibirien begnadigt, wo er 1747 in Berjosoff starb. Er stand im Ruf, ein kluger Staatsmann und geschickter Diplomat zu sein.

zitiert nach der Ausgabe des R. Piper & Co. Verlags, München, 1977

Gruppe aus Wjasniki

Geschickte Diplomaten brauchen wir heute zwischen unseren Ländern mehr denn je, Menschen, die verhindern wollen, daß die deutsch-russischen Beziehungen unter die Räder kommen oder unzerkaut im Rachen jenes Krokodils aus der gleichnamigen Erzählung – schon wieder – von Fjodor Dostojewskij landen, wie derzeit auf der Bühne des Theaters Jena zu sehen: https://is.gd/oQdLfJ

 

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Am 18. Januar 2018 lud der KKV Erlangen zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die „Besonderheit der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen, Wladimir und Jena“ ein. Dazu referierte der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen, Peter Steger, im Pfarrsaal St. Sebald. Er selbst gestaltet die Städtepartnerschaft seit 1987 mit. Zu seinen Anfangszeiten habe Steger übersetzt, wenn Gäste aus der Sowjetunion Erlangen besuchten.

Peter Steger und Kurt Reiter, Vorsitzender des Ortsverbands Erlangen der Katholisch Kaufmännischen Vereinigung (KKV), gesehen von Georg Kaczmarek

Allerdings habe nicht von Anfang an eine Städtepartnerschaft zwischen allen drei Städten bestanden, sondern zunächst nur zwischen Erlangen und Wladimir. Zu Beginn habe es Bedenken gegeben, ob diese Partnerschaft so funktionieren würde. „Zu dieser Zeit existierte noch der Eiserne Vorhang. Und die Sprachbarriere war da natürlich auch“, so Steger. Glücklicherweise seien all diese Befürchtungen nicht eingetroffen. Die Menschen in Wladimir seien sofort sehr herzlich und aufgeschlossen gewesen. Das habe ein gelungenes Miteinander ermöglicht. So hätten die Städte gleich zu Beginn der Partnerschaft in Wladimir Sportveranstaltungen ausrichten können. Übernachtet habe man in Familien.

Zwei besondere Meilensteine zeichnen diese Städtepartnerschaft aus:

Mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“ in den Jahren 1989 und 1990 habe Erlangen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Hilfsgüter wie alte Kleidung, noch funktionierende Busse und Heizkessel gespendet. Ferner habe Erlangen ihre Partnerstadt durch Verwaltungskurse unterstützt. Darin sei unter anderem die Verwaltung einer Kommune Thema gewesen. Hauptsächlich sei diese Hilfsaktion vom Bayerischen Roten Kreuz koordiniert worden.

Das weitere wichtige Ereignis sei die Einrichtung des Erlangen-Hauses in Wladimir gewesen. Dafür wurde ein baufälliges Haus renoviert, um dort mit dem Goethe-Institut Deutschkurse anbieten zu können.

Aber nicht nur zu den Russen, sondern auch zu den Menschen im eigenen Land wollte Erlangen Kontakt halten. Vor allem, da während der damaligen Zeit Deutschland noch geteilt war. Deswegen war Erlangen die Städtepartnerschaft mit Jena sehr wichtig. Allerdings habe es mit dem Kontakt zwischen den Städten während der Teilung noch Schwierigkeiten gegeben. Die Städtepartnerschaft sei sehr streng von der Stasi beobachtet worden. Alle Besuche in Jena und dabei geplante Veranstaltungen seien im Vorfeld unbedingt anzumelden gewesen. Eine Abweichung vom gemeldeten Ablauf sei dann nicht mehr ohne weiteres möglich gewesen. Insgesamt habe die Überwachung dazu geführt, daß zunächst der Kontakt zwischen den Menschen nicht so ungezwungen möglich gewesen sei wie in Wladimir.

Aber neben dem Austausch zwischen Ost- und Westdeutschland sei Erlangen auch der Kontakt zwischen Jena und Wladimir wichtig gewesen. Schließlich verbinde die Menschen das gemeinsame politische System nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings seien diese Bestrebungen wegen einiger Vorkommnisse nach dem Ende des Krieges erschwert worden. Vielen Menschen in Jena sei noch die Nachkriegszeit in den Knochen gesteckt. Damals habe die Sowjetunion hohe Reparationsforderungen an die DDR gestellt. Um diese zu begleichen, wurden beispielsweise Straßenbahnschienen in Jena abgebaut. Derartige prägende Erlebnisse seien keine einfache Voraussetzung für den Aufbau einer Städtepartnerschaft gewesen. Mittlerweile habe sich eine Bindung zwischen den beiden Städten aufgebaut.

Trotz aller Schwierigkeiten habe sich mittlerweile ein funktionierendes Städtedreieck entwickelt, bei dem der Kontakt zwischen Jena und Wladimir ebenfalls ungezwungen sei. Vor allem fänden viele geförderte Jugendaustauschprogramme statt. Auch die EU habe mit „Move together“ den Austausch zwischen Jugendlichen aus Jena und Wladimir unterstützt. Offiziell abgeschlossen wurde das Städtedreieck im Jahr 2008.

Heute sei die Partnerschaft zwischen den drei Städten ein Miteinander mit gegenseitigen Besuchen, kulturellen, sportlichen und anderen Veranstaltungen. Dabei ergänzten sich Erlangen und Jena mit dem kulturellen deutschen Angebot. Was die eine Stadt nicht habe, das sei in der anderen zu finden, so Steger.

Momentan gebe es wieder ein neues Projekt zwischen Jena, Erlangen und Wladimir im Bereich der Krankenpflege. Hierbei benötige Wladimir noch Hilfe. Der Medizinaustausch sei mittlerweile zum Glück sehr gut aufgebaut worden, die Verbindungen in der Krankenpflege hätten aber noch Nachholbedarf. Hierbei möchten Jena und Erlangen ihre Partnerstadt mit Experten unterstützen.

Julia Pleninger

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