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Posts Tagged ‘P. Innokentij’


Den Umstand, daß ein Polizist sich kürzlich zum Priester weihen ließ, nahm Nikolaj Liwschiz, Chefredakteur der Online-Zeitung „Prisyw“, zum Anlaß, einem zu recherchieren, welche Berufswahl dem russisch-orthodoxen Klerus erlaubt ist, der ja nicht, wie hierzulande, die Absicherung durch die Kirchensteuer genießt. Tatsächlich gibt in der Kanzlei der Wladimirer Erzdiözese zu diesem Behufe ein Papier, das bereits im Vorjahr mit dem etwas sperrigen Arbeitstitel „Berufe, die vereinbar und unvereinbar sind mit dem Priestertum“ diskutiert wurde. Kategorisch ausgeschlossen ist demnach für einen Kirchenmann etwa eine Karriere als Schauspieler, Militärangehöriger oder Staatsdiener. Eher säuerlich äußert sich das Manifest gegenüber dem Unternehmertum. Es gilt zwar als eher anrüchig, aber wenn es nicht zu Lasten der Spiritualität gehe, könne man es – in Gottes Namen! – durchaus betreiben. Allerdings nicht im Bereich von Banken und Versicherungen, die zu den Tabuzonen zählen. Ganz anders die Medizin, in der man sich mit dem Segen des Bischofs betätigen kann, „wenn die Arbeit als Arzt oder Krankenpfleger gute Früchte trägt“. Ein Metier, das freilich so seine Gefahren birgt, denn sollte ein ärztlicher Fehler zum Tod eines Patienten und damit auch zu einer Anklage und Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung führen, ziehe das auch den Verlust des geistlichen Amtes nach sich. Noch sind die Regeln nicht verabschiedet, in den Gemeinden diskutiert man den Kanon noch. Gänzlich unvereinbar mit dem Dienst in der Kirche sind aber auch Aktivitäten im halbseidenen Milieu der Bars und Kasinos sowie einschlägig übelbeleumundeter Lasterhöhlen.

P. Innokentij und Oleg Wladimirow am Grab von Oleg Popow in Egloffstein, Juli 2019

Unbeanstandet hingegen läßt der spirituelle Knigge das kreative Schaffen – von der Journalistik bis zur Kunst. Immerhin wurde in diesem Jahr Bischof Innokentij von Alexandrow und Jurjew-Polskij in der Region Wladimir zum Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Künste ernannt. Und, wie kürzlich hier im Blog berichtet, bereitet der Photograph und Graphiker im Dienst des Herrn für 2021 seine dann schon dritte Ausstellung im Rahmen der Städtepartnerschaft vor. Ganz im Geiste eines Wandermönchs wie Andrej Rubljow, der ja auch ein Künstler in der Kutte war. Beides natürlich – damals wie heute – nur für Gottes Lohn.

Siehe dazu auch: http://www.facebook.com/peter.steger.5492

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Im Jahr 2008 war seine letzte Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen, nachdem der Geistliche mit einer klassischen künstlerischen Ausbildung, damals noch Generalvikar der Erzdiözese Wladimir, bereits vier Jahre vorher seine Bilder in der Universitätsbibliothek gezeigt hatte. Nun, mittlerweile Bischof von Alexandrow und Jurjew-Polskij in der Region Wladimir, ist P. Innokentij mit seinem Vertrauten, Oleg Winogradow, vor gut einer Woche wieder auf einen privaten Kurzbesuch nach Erlangen gekommen, um über sein nächstes Projekt zu sprechen. 2021 soll es eine Gesamtschau seines photographischen Œuvres geben, dann in Bamberg zu sehen.

Bischof Innokentij und Oleg Winogradow mit dem Wächter von Heinrich Kirchner

Vielleicht ist dann ja auch ein Bild der Skulpturen von Heinrich Kirchner dabei. Jedenfalls fand der sehende Gast, der nur für eine Nacht bleiben konnte, diese menschenfreundlichen Figuren derart ansprechend, daß er gleich eine ganze Serie mit seinen Kameras festhielt. Mehr zu dem Wächter der Bilder hier: https://is.gd/lGCEZN

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Die 125 km bis in die nordwestlich von Wladimir gelegene 60.000-Seelen-Kreisstadt Alexandrow lohnen sich besonders in diesen Tagen. Noch bis zum 24. März ist in dem Gebäudekomplex der ehemaligen Residenz von Iwan dem Schrecklichen, der hier von 1564 bis 1581 hofhielt und wohl im unheiligen Zorn seinen Sohn und Thronfolger erschlug, eine Ausstellung zu sehen, die unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Leben“ das über Jahrzehnte gereifte Schaffen eines der gewiß größten russischen Künstler der Gegenwart zeigt.

Plakat zur Ausstellung „Auf der Suche nach dem Leben“

Jakow Jakowljew kam 1947 auf Sachalinsk in der Familie eines Generalmajors und Weltkriegsveteranen zur Welt und wurde 1952 heimlich in Moskau getauft. Kindheit und Jugend waren, bedingt durch die militärische Laufbahn des Vaters und die unregelmäßigen Versetzungen, geprägt durch ständige Ortswechsel, bis er 1965 das Studium der Architektur in Nowosibirsk aufnahm und fünf Jahre später, bereits als Dozent, heiratete. 1975 folgte die Aufnahme in den Russischen Künstlerverband mit Ausstellung vor allem seiner Graphiken auch im Ausland. Daneben half der bekennende Christ als Architekt und Ikonenrestaurator bei der Renovierung von Kirchen und Klöstern in der Region Nowosibirsk, bis Jakow Jakowljew 1983 nach Wladimir umzog.

Bischof Innokentij, Patriarch Kirill und Erzbischof Tichon

Nach dem Tod seiner Frau, neun Jahre später, ließ sich der Vater von zwei Töchtern zum Diakon und später zum Priester weihen und wurde noch im gleichen Jahr in den Diözesanrat aufgenommen, zuständig für Bau- und Restaurierungsaufgaben. Wenige Monate später schon übertrug man dem Geistlichen die Aufgabe des spirituellen Rats im Fürstinnenkloster, und 1997 nahm er als Mönch den Namen Innokentij an, nachdem ihn Erzbischof Jewlogij zwei Jahre zuvor bereits zu seinem Generalvikar ernannt hatte.

Bischof Innokentij in seinem Atelier

Genau ein Jahr darauf die Erhebung in den Rang eines Hegumen (Igumen) und der Abschluß seines theologischen Fernstudiums. Ende 2005 geht P. Innokentij als Abt des Alexander-Klosters nach Susdal und wird 2007 in den Rang eines Archimandriten erhoben. 2011 schließlich die Bischofsweihe, der Abschied von Wladimir, die Übernahme der Diözese Nischnetagil und Jekaterinenburg im Ural – und am 14. Mai 2018 die Rückkehr in die Region Wladimir auf den Bischofsstuhl von Alexandrow, zuständig auch für die Kreise Jurjew-Polskij, Kirschatsch und Koltschugino.

Stilleben eines Künstlers

Über all die Jahre seines kirchlichen Werdegangs blieb der Geistliche stets Künstler mit einem Blick auf das Metaphysische, auf die Kostbarkeit des Augenblicks, oft festgehalten in asketisch anmutenden Kompositionen.

Was das Spätwerk besonders auszeichnet, ist die Grenzüberschreitung, das Zusammengehen von Photographie und Graphik, das Übereinanderlegen verschiedener Schichten, das Durchscheinen einer anderen Welt hinter dem ersten Eindruck. Subtil, feinnervig, vieldeutig und polyphon, ganz im Geist der Ikone, gedacht als Fenster in den Himmel, ins Jenseits.

Neben nachgerade prototypischen Portraits finden sich im Œuvre immer wieder Landschaften mit der sprichwörtlichen Weite der russischen Ebene, mal menschenleer, wie im Moment der Schöpfung, dann wieder belebt mit Figuren, die ihre Arbeit verrichten, immer schlicht, ohne Anmutungen von Heroismus oder auch nur einer ausgeprägten Individualität. Bisweilen freilich gestattet sich der Künstler ein Selbstbildnis in der Arbeit zu verstecken oder einen Kollegen anzudeuten. Oder er zitiert andere Meister wie Marc Chagall.

P. Innokentij auf Motivsuche

Selbst deutet der spirituelle Künstler beim Atelierbesuch nicht so gerne die Botschaften seiner Werke; für sich selbst und aus sich selbst heraus sollen sie sprechen, und die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen. Daran tut wohl auch die Blog-Redaktion gut und beläßt es bei folgenden Bemerkungen:

Vitrine mit den Katalogen der beiden bisherigen Ausstellungen in Erlangen

Jede Begegnung mit dem Künstler-Bischof darf man als Geschenk des Himmels erleben. Wenn es die Gegenwart Gottes auf Erden gibt, dann in der Aura eines Menschen wie Pater Innokentij.

Peter Steger und Bischof Innokentij

Und dann: Kann es Zufall sein, daß der erste Eintrag des Blogs am 27. September 2008 https://is.gd/TlpyJY just diesem Künstler und seiner zweiten Ausstellung in Erlangen gewidmet war? Da liegt es nahe, eine dritte Ausstellung anzukündigen. Noch ohne Datum. Aber sie wird kommen, denn, wie der russische Volksmund sagt: „Gott liebt die Drei“.

Mehr Bilder aus dem Atelier und der Ausstellung sind hier auf Facebook zu sehen: https://is.gd/Dlyc6c

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Am 22. August 2011 stand im Blog zu lesen:

Niemanden, der ihn kennt, wird es verwundern zu hören, daß Archimandrit Innokentij, bisher tätig als Generalvikar der Erzdiözese Wladimir – Susdal, nun selbst zum Bischof ernannt wurde. Patriarch Kirill persönlich nahm die Weihe in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale vor und entsandte den Mönch Innokentij mit den Insignien eines Bischofs in den Ural, um dort die Diözese Nischnij Tagil, gute 100 km von Jekaterinburg entfernt, zu übernehmen.

P. Innokentij

Natürlich gratulieren dem Geistlichen alle Freunde in Wladimir und Erlangen, doch für die Partnerschaft ist sein Weggang ein schwerer Verlust. Niemand verstand es wie er, der erst nach dem Tod seiner Frau vor mehr als 20 Jahren Mönch wurde und vorher als Architekt und Künstler tätig war, zwischen Kirche und Welt zu vermitteln. Niemand hatte so viel Autorität wie er im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog. Und wer hätte die Orthodoxie besser als er auch in der Partnerschaft vermitteln können! Besonders auch durch seine künstlerische Arbeit und die Ausstellung, die er anläßlich des 25jährigen Partnerschaftsjubiläums 2008 im Stadtmuseum Erlangen zeigte. In Planung war bereits eine weitere Schau seiner Arbeiten. Doch dieses Vorhaben wird nun wohl wichtigeren Dingen geopfert werden müssen. Die Wege des Herrn sind eben unergründlich. Uns bleibt da nur, dem Gesandten des Herrn viel Glück und viel Segen auf all seinen Wegen zu wünschen, die sich ja vielleicht doch auch einmal wieder auf der Landkarte der Partnerschaft abgebildet finden.

 

 

 

P. Innokentij und Erzbischof Jewlogij

Diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Am 14. Mai beschloß der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche unter dem Vorsitz von Patriarch Kirill bei seiner Sitzung in Sankt Petersburg, P. Innokentij wieder in die alte Heimat zu versetzen, genauer in das Amt des Bischofs von Alexandrow und Jurjew-Polskij, in der Region Wladimir gelegen. Hier, im Herzen des Goldenen Rings, hatte der 1947  als Jakow Jakowljew auf Sachalin geborene Gottesmann bereits 1983 sein Zuhause gefunden – bis zur Versetzung in den Ural vor sieben Jahren.

Bischof Innokentij

An Wunder zu glauben, ist nicht jedermanns Sache, aber niemand, der Bischof Innokentij kennt – übrigens auch ein großer Mann der Ökumene und der Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde in Wladimir – wird den Kopf schütteln, wenn man ihn als wundervollen Menschen bezeichnet. Deshalb darf man auch auf mindestens sieben fette Jahre des partnerschaftlichen Miteinanders mit diesem Mann hoffen, der es wie kaum einer versteht, dank seinem Wort und seiner Kunst die Menschen zusammenzuführen – ad maiorem dei gloriam.

Landschaft des Künstlers Jakow Jakowljew

Bleibt nur, Frohe Pfingsten zu wünschen. Alles Gute zu diesem Fest, das ja nicht nur an die Gründung der Kirche erinnert, sondern auch die Verständigung über Völker- und Sprachgrenzen hinweg darstellt, also sozusagen Pate für die säkulare Partnerschaftsarbeit steht. (Bildmaterial Zebra-TV)

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Wer in Wladimir war, ohne einen Abstecher nach Susdal gemacht zu haben, war auch nicht in Wladimir. Die Museumsstadt, deren historische Bedeutung sich allein schon an dem festen Begriff „Wladimir-Susdaler Rus“ ablesen läßt, steht bei jeder Reise durch den Goldenen Ring ganz oben und gehört zum angenehmen Pflichtprogramm auch aller Besucher im Rahmen der Städtepartnerschaft. Selbst Wiederholungstäter, zu meinen versucht, sie hätten schon alles gesehen, finden hier Ausblicke zum ehrfürchtigen Staunen angesichts der entrückten Schönheit, die der Blick aus dem Fenster von Kira Limonowa, genauer aus dem ehemaligen Atelier des 2002 verstorbenen Künstlers, Pjotr Dik, bietet.

Dominik Steger, Kira Limonowa, Marina Jaruschenko und Witalij Gurinowitsch

Dominik Steger, Kira Limonowa, Marina Jaruschenko und Witalij Gurinowitsch

Hier empfängt die seinerzeitige Chefrestauratorin des Erlangen-Hauses sowie der Rosenkranzkirche in Wladimir ihre Gäste am liebsten, auch wenn sie gerade wieder mitten in den Vorbereitungen auf eine Ausstellung der Werke ihres Mannes in Wologda steckt: Marina Jaruschenko, Kunstwissenschaftlerin an der Hochschule für Restauration; Witalij Gurinowitsch, Zeitgeschichtler, Veteranenforscher und Förderer der russischen Zivilgesellschaft; die Besucher aus Erlangen. Versammelt um die einzigartigen Arbeiten von Pjotr Dik. Gesammelt in der künstlerischen Lakonie dieser auf den Kern der Dinge und Menschen reduzierten Bilder.

Susdal: Blick ins Paradies

Susdal: Blick ins Paradies

Und mit dem Blick aus dem Fenster auf das Panorama voll in Stein gesetzter Musik – hinein ins Paradies. Mit einem Blick, von dem P. Innokentij, heute Bischof im Ural, damals noch Generalvikar des Wladimir-Susdaler Erzbischofs, einmal sagte, er sei schöner als er sich das Jenseits vorstellen könne.

Peter Steger, Alexander Rasow, Dominik Steger

Peter Steger, Alexander Rasow, Dominik Steger

Wie eng Wladimir und Susdal zusammengehören, kann man auch an der Person von Alexander Rasow ablesen. Nach neun Jahren Dienst als Polizei-Chef dort ist er nun seit Mitte Oktober 2013 Stadtdirektor der vielleicht schönsten Stadt Rußlands, von der John D. Rockefeller nach einem Besuch gesagt haben soll, er würde, gehörte ihm Susdal, sein Vermögen binnen weniger Jahre verdoppeln. Mit diesem Anspruch ist der einstige Korruptionsbekämpfer freilich nicht angetreten. Eher interessiert er sich dafür, wie man in Erlangen die Stadtreinigung organisiert und mit Falschparkern umgeht.

Blick aus dem Fenster

Blick aus dem Fenster

Und eine kleine Brauerei wünscht er sich in seiner Stadt. Aber unbedingt eine aus Franken oder zumindest Bayern, dessen Bierqualität ihm vom Austausch mit seinen Erlanger Polizeikollegen unvergessen bleibt. Da könnte sich ein neues Wirtschaftsprojekt abzeichnen, denn eine wichtige Voraussetzung ist mindestens gegeben: Susdal verfügt über ausgezeichnete Wasserquellen. Und durstige Touristen kommen auch immer mehr hierher.

Susdal - Rothenburg

Susdal – Rothenburg

Niemand will an diesem 8. März in Rothenburgs Partnerstadt über Politik sprechen. Die „Pulverfässer“ und „Brandherde“ scheinen weit entfernt. Und doch weiß man auch ohne Wegweiser, wo sie liegen, wie nah sie sind, wie schwer sich alle Beteiligten mit der Entschärfung tun. Immerhin gab es just an diesem Tag in Moskau Konsultationen auf Regierungsebene zwischen der Ukraine und Rußland. Noch kein Blick ins Paradies, aber immerhin ein erster Schritt zurück vom Abgrund. Ein Schritt auf einem langen Weg wieder aufeinander zu, einander entgegen.

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Seit eineinhalb Jahren ist nun P. Innokentij Bischof der Diözese Nischnij-Tagil und Serow im Ural. Weit weg von Wladimir, wo er als Generalvikar auch und besonders für die Öffentlichkeitsarbeit der russisch-orthodoxen Kirche zuständig war. Noch weiter weg von Erlangen, wo er – im Nebenberuf Künstler und Photograph – 2008 im Stadtmuseum seine unvergessene Ausstellung „Gottes Acker“ zeigte und Freundschaften fürs Leben schloß. Wie lebendig die für den Geistlichen noch immer sind, zeigt sein Gruß zu Weihnachten, das die Ostkirche heute und morgen feiert:

Frei nach Caspar David Friederich: Bischof Innokentij auf einer Bergspitze im Ural.

Frei nach Caspar David Friedrich: Bischof Innokentij auf einer Bergspitze im Ural.

Auch wenn von hier aus alles so fern wirkt, werde ich die Begegnungen mit Euch nie vergessen. Wunderschöne Herzensgefühle halten die Erinnerung warm. Und im Gebet bin ich immer bei Euch. Ich bitte Euch, auch mich in Euren Gebeten nicht zu vergessen. So bleiben wir verbunden. Euch und all unseren gemeinsamen Freunden und Bekannten Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr! Gebe Gott, daß wir uns wiedersehen… Euer Bischof Innokentij.

Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten!

Zu den klassischen Werken der russischen Weihnachtsliteratur – ihr Umfang ist wegen der ganz anderen Stellung des Festes der Geburt Christi in der Orthodoxie viel schmäler, ihr Impetus zeigt sich weniger geprägt von der kindlich-innigen Frömmigkeit des „holden Knaben“ als vielmehr von deftig-rauhen Bräuchen mit heidnischen Vorzeichen – gehört eine Erzählung aus dem zweiten Teil der Sammlung „Die Abende auf einem Weiler bei Dikanka“ von Nikolaj Gogol. Übersetzung Josef Hahn.

Die Weihnacht von Nikolaj Gogol als Bühnenstück.

Die Weihnacht von Nikolaj Gogol als Bühnenstück.

Der letzte Tag vor dem Fest war vergangen. Eine kalte, helle Nacht brach herein. Es blinkten die Sterne. Der Mond zog majestätisch am Himmel auf, um den guten Menschen und der ganzen Welt zu leuchten, damit alle fröhlich Weihnachtslieder singen und Christum preisen könnten. Es fror stärker als am Morgen, dafür war es so still, daß das Krachen des Frostes unter den Stiefeln eine halbe Werst weit zu hören war. Noch hatte sich keine einzige Schar von Burschen unter den Fenstern der Hütten gezeigt; nur der Mond allein blickte verstohlen durch die Scheiben, als ob er die geputzten Mädchen auffordern wollte, rasch in den knirschenden Schnee hinauszulaufen. Da stiegen aus dem Schornstein einer Hütte dichte Rauchschwaden auf und wälzten sich als Wolke gegen den Himmel, und zugleich mit dem Rauch fuhr eine Hexe rittlings auf einem Besen heraus.

Illustration zur "Weihnacht" von Nikolaj Gogol.

Illustration zur „Weihnacht“ von Nikolaj Gogol.

Was weiter folgt, hat weniger mit pausbäckiger Erbauungsliteratur als vielmehr mit einem prallen Pandämonium zu tun und kann nur der eigenen Lektüre anempfohlen werden, zumal die Erzählung „Die Weihnacht“ mit ihrer wirbelnd-wilden Bildfolge die beste Schilderung der russischen Koljadki bietet, jener Umzüge also, die Nikolaj Gogol in einer Anmerkung wie folgt vom Imker Panjko, genannt Rotschopf, beschreiben läßt:

Koljadki.

Koljadki.

Diese Lieder, unter den Fenstern am Weihnachtsabend gesungen, heißen Koljadki. Dem Sänger wirft der Hausherr oder die Hausfrau, oder wer sonst zu Hause bleibt, immer eine Wurst oder ein Brot oder einen Kupfergroschen in den Sack, was er eben hat. Man sagt, es habe einmal einen Götzen namens Koljada gegeben, den man für einen Gott gehalten habe, und daß angeblich von dem die Koljadki herrühren. Wer weiß es? Nicht uns, den einfachen Leuten, kommt es zu, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Voriges Jahr wollte Vater Osip die Koljadki in den Weilern verbieten, da, wie er sich ausdrückte, das Volk damit dem Satan gefällig sei. Allein, um die Wahrheit zu sagen, in den Koljadki kommt kein einziges Wort über den Koljada vor. Sie singen oft von der Geburt Christi und wünschen zum Schluß dem Hausherrn, der Hausfrau, den Kindern und dem ganzen Haus eine gute Gesundheit.

Da bleibt nur noch, allen russischen Freunden – auch im fernen Ural! – ein Frohes Fest zu wünschen!

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Niemanden, der ihn kennt, wird es verwundern zu hören, daß Archimandrit Innokentij, bisher tätig als Generalvikar der Erzdiözese Wladimir – Susdal, nun selbst zum Bischof ernannt wurde. Patriarch Kirill persönlich nahm die Weihe in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale vor und entsandte den Mönch Innokentij mit den Insignien eines Bischofs in den Ural, um dort die Diözese Nischnij Tagil, gute 100 km von Jekaterinburg entfernt, zu übernehmen.

Bischofsweihe Innokentij

Natürlich gratulieren dem Geistlichen alle Freunde in Wladimir und Erlangen, doch für die Partnerschaft ist sein Weggang ein schwerer Verlust. Niemand verstand es wie er, der erst nach dem Tod seiner Frau vor mehr als 20 Jahren Mönch wurde und vorher als Architekt und Künstler tätig war, zwischen Kirche und Welt zu vermitteln. Niemand hatte so viel Autorität wie er im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog. Und wer hätte die Orthodoxie besser als er auch in der Partnerschaft vermitteln können! Besonders auch durch seine künstlerische Arbeit und die Ausstellung, die er anläßlich des 25jährigen Partnerschaftsjubiläums 2008 im Stadtmuseum Erlangen zeigte. In Planung war bereits eine weitere Schau seiner Arbeiten. Doch dieses Vorhaben wird nun wohl wichtigeren Dingen geopfert werden müssen. Die Wege des Herrn sind eben unergründlich. Uns bleibt da nur, dem Gesandten des Herrn viel Glück und viel Segen auf all seinen Wegen zu wünschen, die sich ja vielleicht doch auch einmal wieder auf der Landkarte der Partnerschaft abgebildet finden.

S. auch: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2009/12/05/in-gottes-hand/ und https://erlangenwladimir.wordpress.com/2009/05/17/das-licht-am-himmel/ (vorletzter Absatz).

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