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Posts Tagged ‘Oxana Kirej’


Mit einem „Willkommen im schönsten Konferenzraum Erlangens“, eröffnete Florian Janik gestern gegen 9.00 Uhr die zweite Sitzung des Gesprächsforums „Prisma“ und konnte die Diskussionsrunde gegen 16.30 Uhr mit der Vorfreude auf das nächste Treffen der Diskussionsrunde, möglichst schon im November diesen Jahres, schließen.

Sogar über das Thema ist man sich einig, das sich vor allem auch aus einem Diskussionsbeitrag von Alexander Krutow, stellvertretender Vorsitzender des Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, des Dachverbands der Nichtregierungsorganisationen, aus seiner Frage ableitete, ob es denn auch in Deutschland denkbar sei, wie in den USA einen russischen Nachrichtenkanal zum „ausländischen Agenten“ zu erklären und ihm, am Beispiel von „Russia Today“ zu sehen, etwa den Zutritt zu Pressekonferenzen zu verwehren. Die einzige Frage in der von der Richterin im Ruhestand, Gerda-Marie Reitzenstein, und der Historikerin, Julia Obertreis, moderierten Runde, die unbeantwortet blieb und auf das nächste Treffen verschoben wurde.

Olga Dejewa und Florian Janik

Dann, wieder in Wladimir, so die Einladung von Oberbürgermeisterin Olga Dejewas an Ihren Erlanger Kollegen, Florian Janik, wolle man sich dem Komplex der Medien zuwenden und ihren Einfluß auf in Ost und West so unterschiedliche Wahrnehmung von Ereignissen rund um den Erdball untersuchen. Im Vis-à-Vis, als Vertreter der „Volksdiplomatie“, die der Gewerkschafter Wladimir Rybkin in der Städtepartnerschaft segensreich am Werk sieht.

Oxana Kirej, Anette Christian und Gerda-Marie Reitzenstein

Überhaupt, das Werk der Partnerschaft: Olga Dejewa hält nicht zurück mit ihrem Lob. Unter den 21 Städtefreundschaften, die Wladimir pflegt, nehme Erlangen unangefochten die erste Position ein. Wörtlich: „Mit den anderen haben wir Beziehungen, aber hier in Erlangen ist das Leben!“

Alexander Krutow, Wladimir Rybkin, Elisabeth Preuß und Gerda-Marie Reitzenstein

Folgte man gestern der Diskussion über Fragen der Beteiligung und des zivilgesellschaftlichen Engagements, spürte man, daß es sich hierbei nicht um ein wohlfeiles Kompliment an die Gastgeber handelte, sondern um das Wesen dieser nun schon fünfunddreißigjährigen deutsch-russischen Bürgerpartnerschaft. Und man spürte vor allem, wie ähnlich man einander auch da ist, wo man das bisher gar nicht vermutet hätte.

Kristina Kapsjonkowa, Wladimirer Studentin am IFA, und Oxana Kirej in der „Dolmetscherecke“

Etwa in Fragen der Bürgerbeteiligung. Man mag die Dinge unterschiedlich nennen – in Erlangen „Vorhabenliste“, in Wladimir „laufende Projekte“ -, aber der Geist ist derselbe: Bei allen Infrastrukturplänen und sonstigen Fragen der Kommunalpolitik die Stadtgesellschaft möglichst früh einzubeziehen und die Menschen nie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Mitbestimmung wo irgend möglich auf allen Ebenen.

Julia Obertreis, Olga Dejewa und Florian Janik

Tut man das nicht, so Alexander Krutow, im Brotberuf Bankier, gibt man der „größten Gefahr für die Demokratie“ Raum, dem Populismus. Er ist es auch, der auf die Macht des einzelnen Bürgers hinweist, auch in einem zentral geführten Land: Baut da nämlich jemand ohne die vorher notwendigen Abstimmungen mit den Nachbarn, kann auch eine bereits erteilte Genehmigung wieder zurückgezogen werden. Mit allen Konsequenzen für den Träger und die Behörde.

Das nachmittägliche Plenum von „Prisma“

Die Themenpalette – von der Frage des Einsatzes von Ehrenamtlichen etwa im Hospizverein über die Bedeutung des Jugendparlaments bis hin zur Rolle der Kommunen in der Gestaltung des öffentlichen Lebens – wurde jeweils durch Präsentationen beider Seiten vorgestellt, von Nadja Steger vorab übersetzt, kundig moderiert – und vor allem meisterhaft von Oxana Kirej, unterstützt durch ein sechsköpfiges Nachwuchsteam vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, in beide Richtungen gedolmetscht. Über weite Strecken hinweg sogar simultan. Höchstes Lob dafür!

Oxana Kirej, Olga Dejewa, Florian Janik und Julia Obertreis

Das Fazit. Erlangen und Wladimir sprechen mit einander, lernen einander immer besser kennen und beweisen, man kann sich gar nicht genug austauschen. Nur so vermeidet man ja auch im eigenen Land, wie Julia Obertreis zum Ende hin bemerkte, das Entstehen von „Filterblasen“, wo jeder nur noch sich selbst und Seinesgleichen hört und anspricht.

Gruppenbild „Prisma“

Es gilt spätestens seit gestern die Maxime: Gäbe es „Prisma“ nicht schon, sollte man es schleunigst erfinden. Zur Nachahmung empfohlen!

 

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Es gehört zu den schönen Gepflogenheiten von Lehranstalten, Jahresberichte herauszugeben. So ist soeben die Chronik 2016/2017 des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde erschienen, das zusammen mit der Volkshochschule zu den Erlanger Bildungseinrichtungen mit der längsten und intensivsten Wladimir-Austauschpraxis gehört. Folgerichtig findet sich in der achtundachtzigseitigen Publikation auch nachstehender Bericht der vier Studentinnen, die im März für drei Wochen Erlangen erlebten:

Wir haben auf diese Reise ungeduldig gewartet, weil es für drei von uns vier die erste Bekanntschaft mit Deutschland war. Als wir zum Bordfenster hinaus auf die bayerischen Landschaften schauten, verliebten wir uns in die Natur Deutschlands. In Erlangen fuhren wir zuerst zum Institut, wo wir Heinz Römermann kennenlernten und von ihm einen Stundenplan bekamen (und sogar gleich die erste Hausaufgabe). Danach wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt. Das erste, was uns auffiel, war die Gastfreundlichkeit nicht nur unserer Gastfamilien, sondern auch die aller Menschen in Deutschland. Am nächsten Tag begann für uns der Schulalltag. Nach dem Unterricht hatten wir die Möglichkeit, durch die schöne und gemütliche Stadt Erlangen zu bummeln. Am Mittwoch wurden wir ins Rathaus eingeladen, wo man uns damit beehrte, die Bürgermeisterin kennenzulernen, welche uns freundlich empfing. Es war der 8. März, also der Weltfrauentag, und jede von uns bekam eine Blume, was wir nicht erwartet hatten, aber als sehr nett und aufmerksam empfanden.

Daniel Gossel, Alexandra Klemeschowa, Darja Lukjanowa, Marina Aljokina, Jelena Jewdokimowa, Tatjana Maier, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

In den nächsten drei Wochen besuchten wir viele fränkische Städte wie Bamberg, Rothenburg, Nürnberg und Forchheim. Am besten gefielen uns Bamberg und Rothenburg, weil wir uns in das Mittelalter versetzen konnten: keine Fabriken, keine mehrstöckigen Gebäude, nur Kirchen, Türme und natürlich das wunderschöne Panorama der Städte.

Wir hatten Glück, zwei Tage in der Hauptstadt zu verbringen. Trotz des Regenwetters konnten wir unseren Traum verwirklichen, Bilder vor dem Reichstag und dem Brandenburger Tor zu machen. Wir waren auch von der deutschen Küche begeistert. Sowohl in den Gastfamilien als auch in den Restaurants probierten wir verschiedene deutsche Spezialitäten aus wie z.B. Weißwürste mit Brezel, Schupfnudeln, Bratwürste mit Kartoffelsalat, Jägerschnitzel, Knödel und viele andere gute Speisen.

Abgesehen von den Ausflügen lernten wir natürlich auch. Unsere Bekanntschaft mit Erlangen begann ja mit dem Besuch des Instituts, wo wir die meiste Zeit verbrachten. Als wir unseren Stundenplan bekamen, verstanden wir, wie viel anspruchsvolle Arbeit auf uns wartete. Wir hatten jeden Tag Unterricht, und jede Stunde, die uns angeboten wurde, war sehr interessant. An unserem ersten Unterrichtstag lernten wir gleich einige Lehrer und Studenten kennen. Die erste Stunde war Landeskunde BRD bei Michael Süß. In diesen Stunden erfuhren wir einiges über das politische System der BRD und ihr Wahlsystem. Natürlich war uns vieles schon bekannt, aber trotzdem war alles sehr lehrreich. Die erste Stunde kam uns sehr kurz vor, weil wir in Wladimir nicht eine Stunde (45 Min.) haben, sondern immer Doppelstunden. Es war so ungewohnt, wenn jede Stunde so schnell zu Ende ging und wir uns zur nächsten Stunde zu beeilen hatten, damit wir nicht zu spät sind, denn es waren nur fünf Minuten Pause dazwischen! Bei uns sind immer 20 Minuten Pause dazwischen.

Birgit Tordinava, Oxana Löscher, Roland Kleiber, Heinz Römermann (stehend), Swetlana Steinbusch und Oxana Kirej (sitzend)

Besonders gut gefiel uns die Methodik des Übersetzens, weil wir an unserer Universität kein solches Lehrfach haben. Oxana Kirej zeigte uns die falschen Freunde des Übersetzens und wie man diese richtig übersetzt. Mit Swetlana Steinbusch übten wir, verschiedene Texte aus dem Deutschen ins Russische korrekt zu übersetzen und mit Heinz Römermann aus dem Russischen ins Deutsche. In der Methodik des Übersetzens von Birgit Tordinava lernten wir verschiedene Möglichkeiten, wie man richtig aus dem Russischen ins Deutsche (z.B. lange Genitivketten oder die Mengenangaben) übersetzen sollte.

Wir wunderten uns nicht nur über die große Auswahl an verschiedenen Übersetzungsthemen, sondern auch über die Außen- und Innenansicht der Institutsgebäude. Als wir diese zum ersten Mal sahen, hätten wir nicht gedacht, es handele sich hier um ein Institut, weil diese Gebäude den anderen bewohnten Häusern in der Umgebung sehr ähnlich sind. Die meisten Universitätsgebäude bei uns sind mehrstöckige Bauten, die sehr offiziell aussehen.

Es war für uns eine unvergeßliche Reise nach Deutschland, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Und natürlich hoffen wir, irgendwann wieder nach Erlangen zu kommen.

Marina Alekina, Jelena Jewdokimowa, Alexandra Klemeschowa und Daria Lukianowa

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Wladimirer Austauschstudentinnen mit IFA-Direktor Frank Gillard, Heinz Römermann und der Gastgeberin Maria Paul

Mit Bezug auf die Leipziger Buchmesse titelte gestern die Wochenzeitung „Die Zeit“ mit Worten, die an das gute alte Poesiealbum erinnern – „Mein liebes Tagebuch“ – und verweist auf die soeben erschienenen Aufzeichnungen von Autoren wie Max Frisch, Susan Sontag oder Martin Walser. Mehr interessieren soll uns heute aber bei aller Liebe zur Literatur ein Tagebuch, das soeben abgeschlossen, schon heute hier im Blog erscheinen kann und frischen Wind in die Spalten bringt. Derlei Beiträge wünscht sich der Blogger – auch im Sinne der Leser – öfter und mehr. Danke an die anonym gebliebene Autorin und gute Heimreise.

26. Februar, 3.00 Uhr: Wladimir. Der Wecker rasselte. Ich mache meine Augen auf und sehe meinen riesigen Koffer und mein erster Gedanke: Vielleicht träume ich nur, daß ich jetzt nach Deutschland fahre. Ich höre die Stimme meiner Mutter: „Steh auf!“ Und jetzt geht’s los! 26. Februar, 10.55 Uhr: Moskau. Cool! In drei Stunden landet mein Flugzeug schon in München! 26. Februar, 14.00 Uhr: Irgendwo zwischen München und Erlangen. Ich fahre mit einer echten Deutschen Bahn. Das ist doch unglaublich! Aber….Keine Panik auf der Titanic! Daneben sitzen echte Deutsche! 26. Februar, 16.40 Uhr: Erlangen Hbf. Freundliche, lächelnde Gastfamilien. Yahoo! Ich habe Glück mit meiner Gastfamilie gehabt! 26. Februar, 21.00 Uhr: Zu Hause. Satt. Glücklich. Müde. Bett.

5. März, 22.00 Uhr: Mein Zimmer. Eine Woche ist schon vorbei. Die Unterrichtsmethoden scheinen mir seltsam zu sein. Sie sind ganz verschieden im Vergleich zu den russischen. Der Studiengang ist mehr praxisorientiert. Das liegt daran, daß wir Lehrer und unsere deutschen Kommilitonen Übersetzer oder Dolmetscher sein werden. Alle Fächer sind neu und ungewöhnlich für uns, aber interessant und spannend. Zum Beispiel „Deutsch für Ausländer“, wo wir mit den Studenten aus verschiedenen Ländern Deutsch als Fremdsprache zusammen lernen; Stegreifübersetzung, wo wir Texte und Artikel ohne Vorbereitung aus dem Deutschen ins Russische und umgekehrt übersetzen müssen; Dolmetschen, wo wir in die Rolle eines echten Dolmetschers schlüpfen können. Die Lehrer sind immer freundlich und hilfsbereit. Ich habe so viel Neues während dieser Woche erfahren und gelernt. Deutsch immer und überall! Besonders hat mir gefallen, daß es Muttersprachler sind, die Deutsch unterrichten. Deutsche Lehrer fehlen uns in Rußland.

8. März, 22.00 Uhr: Zug. Heute ist der Frauentag, aber leider feiert man den in Deutschland nicht. Deshalb haben wir beschlossen, uns selbst ein Geschenk zu machen und sind heute nach München gefahren. Marienplatz, Olympiagelände, Deutsches Museum, Isar, Hofbräuhaus – alles Mögliche! Das war unvergeßlich und beeindruckend!

 14. März, 23.00 Uhr: Schon zwei Extemporalen geschrieben (Deutsch für Ausländer und Übersetzung Deutsch-Russisch)… Während dieses Aufenthalts in Deutschland haben wir schon viel geschafft: Theater, 3D-Kino, Freizeitbad, Rutschen, Arcaden, Museen. Alles war spannend, aber….ich darf das Studium nicht vergessen. Also, die Hausaufgabe in Korrespondenz wartet schon auf mich! Ich muß noch einen Geschäftsbrief schreiben.

19. März: Im Flugzeug Mein liebes Tagebuch! Heute war mein letzter Tag in Deutschland. Diese 3 Wochen habe ich wunderschön verbracht. Ich bereue nicht, daß ich an diesem Austausch teilgenommen habe. Ich habe in Erlangen viele Bekanntschaften angeknüpft, diese Menschen werde ich bestimmt vermissen. Ich hoffe, meine Gastfamilie ist mit mir genauso zufrieden wie ich mit ihr. Sie haben alles Mögliche und Unmögliche für mich gemacht. Ich fühlte mich wie ein richtiges Familienmitglied. Dank meiner Gastfamilie und meinen Freundinnen (Studentinnen, die im September 2009 am Studentenaustausch teilnahmen) habe ich viele Städte und Orte gesehen wie Nürnberg, München, Würzburg, Forchheim, die Fränkische Schweiz, Heidelberg. Besonders angenehm war unsere Reise nach Bamberg mit unserer Lehrerin Oxana Kirej. Erst jetzt nach diesem Austausch habe ich verstanden, wie schön es ist, daß Erlangen und Wladimir Partnerstädte sind. Ich wünsche mir, daß immer mehr Studenten, sowohl russische als auch deutsche, im Rahmen dieser Partnerschaft einander besuchen können.

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