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Posts Tagged ‘Olga Filatowa’


Im Juli 2011 fand in Wladimir die erste deutsch-russische Konferenz zum Thema „Erlebnispädagogik“ statt, eingeführt im Rehabilitationszentrum für Kinder „Blauer Himmel“. Damals schon dabei – Olga Filatowa, Inhaberin des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität Wladimir, und ihr Kollege, Werner Michl, einer der Väter dieses Studienfachs und seit einem Jahr emeritierter Professor des Fachs an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg. Ein Jahr später unterzeichneten die beiden einen Rahmenvertrag über einen umfassenden Austausch, in dessen Folge unter anderem Gäste aus Wladimir an den Winteruniversitäten Erlebnistage im Harz und im Bayerischen Wald teilnahmen. Gleichzeitig knüpfte die Universität Wladimir Kontakte im Bereich Erlebnispädagogik in die Schweiz, nach Österreich und in die böhmische Partnerstadt, Ustí nad Labem, das frühere Aussig an der Elbe. Nicht zu vergessen ein wichtiges Projekt, die Übersetzung des Standartwerks von Werner Michl zur Erlebnispädagogik ins Russische durch ein Team aus Wladimir, erschienen in einem Moskauer Verlag und seither als Lehrbuch landesweit verwendet.

Irina Tscherkassowa, Wolfgang Wahl, Olga Filatowa, Michael Helmbrecht, Nikita Kruglow und Denis Gerstein

Gestern nun kam Olga Filatowa, begleitet von ihrer Kollegin, Irina Tscherkassowa, und den beiden Studenten, Nikita Kruglow und Denis Gerstein, mit dem Nachfolger von Werner Michl, Wolfgang Wahl, und dessen Kollegen, Michael Helmbrecht, zusammen, um über eine Wiederaufnahme des Austausches auf allen Ebenen zu sprechen. Durchaus erfolgreich! Schon ist die Rede von der Durchführung einer Sommeruniversität Erlebnistage in Wladimir, spätestens im August 2020, mit einer fünfzehnköpfigen Studentengruppe aus Nürnberg, und davor will man sich auf der Arbeitsebene schon im nächsten Jahr wiedersehen – hier wie dort, und natürlich sind Gäste bei der nächsten Winter- oder Sommeruniversität in Deutschland immer herzlich willkommen. Ein gelungener Neustart also für diese wissenschaftliche Kooperation, von der wir sicher bald mehr erfahren werden.

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Heute nun Teil 3 und – leider schon – Abschluß des Berichts von Angela Schubert:

Freitag morgen teilen wir uns, zurück in Wladimir, in zwei Gruppen auf: Die Ärzte und Psychiater unter uns konnten das Rot-Kreuz-Notfallkrankenhaus und die Psychiatriestation besuchen, Pädagogen, Sozialarbeiter und sonst familiär engagierte Mitreisende bekamen die sozialtherapeutischen Einrichten von Jurij Katz gezeigt, Vater eines behinderten Kindes, der seine gesicherte Anstellung aufgab, um für körperlich und geistig behinderte Kinder und ihre Familien Hilfe zu schaffen. Ich denke, daß er in Erlangen durch Hirls Verbindungen Frühförderung, Werkstätten und gemeinsame Wohnsituationen junger Erwachsener kennengelernt hatte und diese Möglichkeiten mit ganzem Einsatz in Wladimir, zusammen mit seiner Frau, nach und nach geschaffen hat. Sie leitet die Frühförderung in einer großen Wohnung mit Bewegungs- und Schulraum; dort trafen wir ca. fünf Kinder beim Buchstabenlernen mit Musik und Lautreimen, jedes Kinder mit einer Betreuerin. Wie auch im Blauen Himmel gibt es einen Raum für Sinneserfahrung, hier speziell ein Elektropferd für die Gleichgewichtsschulung – und sicher auch, um einfach Spaß zu haben. Die Eltern beobachten und lernen von den Therapeuten, es gibt ein größeres Eßzimmer auch für Gespräche untereinander, in der Vitrine Auszeichnungen für dieses in Rußland seltene Unterstützungsangebot. Wir hörten, daß im allgemeinen Kinder und Jugendliche mit Handicaps einfach der Familie überlassen und nicht eingeschult werden.

In der Nähwerkstatt von Swet, Februar 2013: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Ljubow Katz, Ludmila Nikolina, Leonhard Hirl, Jurij Katz und Behindertenberater Thomas Grützner

In der Nähwerkstatt von Swet, Februar 2013: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Ljubow Katz, Ludmila Nikolina, Leonhard Hirl, Jurij Katz und Behindertenberater Thomas Grützner

In der altersmäßig darauf aufbauenden Werkstatt an anderer Stelle trafen wir ca. zehn Jugendliche mit zwei Betreuerinnen an, die je nach ihren Möglichkeiten Tischdecken, Sets, Schürzen oder Stofftiere nähten. An unserem Besuchstag wurden die gerade mit Fullfill gestopft. Wir kauften eifrig ein. Ob sie auch große Posten Stofftaschen anfertigen könnten, die Erlanger Geschäfte gerne als Werbung weitergeben? Das sei nur eine Frage der Termine, vielleicht in Portionen? (Leonhard Hirl denkt unermüdlich über Möglichkeiten zur Unterstützung nach.) Die letzte Station war sicher die außergewöhnlichste: Betroffene Eltern hatten in einem Wohnblock am Stadtrand schon in der Bauplanung drei Erdgeschoßwohnungen als große Gemeinschaftsunterkunft einplanen und als Eigentum erwerben können, – sicher ein Kunststück. Nun können dort junge Erwachsene mit Betreuern das Zusammenleben und -wirtschaften üben. An einer Flurwand eine topographische Karte von ganz Rußland, ein halber Globus auf Papier. Wo ist denn da das kleine restliche Europa zu finden?

Gruppenbild auf dem Platz des Sieges

Gruppenbild auf dem Platz des Sieges

Der Nachmittag brachte uns noch eine große Überraschung. Nach dem Besuch der Ewigen Flamme gingen wir zu Fuß zum Musikinstitut, wo Studenten in Russenkitteln uns mit einem Volkstanz einstimmten auf Auftritte konzertant gespielter Ziehharmonikamusik; dieses Instrument gibt es in unterschiedlicher Größe, Schwere und Tastatur, die Musikstücke sind kunstvoll gesetzt. Die jungen Studenten traten selbstverständlich in gepflegter Garderobe auf und freuten sich beim gemeinsamen Abschlußphoto über die Anerkennung. Das Konzert steigerte sich, ein junger Balalaikaspieler – das ist ein dreieckiges Saiteninstrument mit unterschiedlicher Klangkörpergröße – trat auf mit einer verschwindend kleinen Ausführung, aber wie füllten zum Abschluß die beiden Lehrer mit ebensolcher Balalaika und Ziehharmonika den Raum, die Ohren, den ganzen Menschen, fulminant!

Im Präsidium der Konferenz an der Universität von Wladimir: Alexander Bersenjew, Leonhard Hirl und Olga Filatowa

Im Präsidium der Konferenz an der Universität von Wladimir: Alexander Bersenjew, Leonhard Hirl und Olga Filatowa

Das Abschiedsessen fand weit vor der Stadt im Russischen Dorf, einem großen Blockhaus mit Lichterdekoration und Gartenanlage, statt. Dort saßen und aßen wir mit allen universitären Gastgebern bei Dankes- und Grußreden im allgemeinen Rahmen und mit unseren Begleiterinnen, Milena, Galina, Alla und Tamara, bunt durchmischt in nachbarschaftlicher Unterhaltung. Tamara erzählte mir von ihrem Aufwachsen mit vier Schwestern, die Mutter Tierärztin bei der Genossenschaft, der Vater hinauskomplimentiert, was sich auch in ihrer Generation fortsetzte. Die Frauen sind die feste Stütze der Gesellschaft.

Festtafel im Russischen Dorf

Festtafel im Russischen Dorf

Für die Rückfahrt nach Moskau brauchte es zwei Busse – die Erlanger Gruppe flog mittags, die Züricher gegen 18 Uhr -, um uns noch einen dreistündigen Aufenthalt in Moskau zu ermöglichen, eben getrennt. Für alle Wege muß genug Pufferzeit eingerechnet werden, und unser Reisetag war ein Samstag. Eine rechte Autokolonne sah ich bei der Einfahrt in die Stadt in der Gegenrichtung. Auf dem Weg zur berühmten Datscha? Zum großen Verabschieden und Bedanken waren schließlich alle parat, es war ja erst fünf Uhr früh. Nur unsere Begleiterin Milena schlief den Schlaf der Gerechten nach ihrer anstrengenden Organisationsverantwortung und kam mit dem Zug nach. So übernahm der Busfahrer die Führung und setzte uns direkt am Roten (dem Schönen) Platz ab. Er ist auf einer Seite von der Kremlmauer, gegenüber vom Kaufhaus GUM, vor Kopf vom historischen Museum begrenzt. Den ersten Eindruck bestimmte die farbige Basiliuskathedrale, die oft Kalenderblätter schmückt.

GUM

GUM im Festtagsglanz

Bis Milena ankäme, entschieden wir, uns im Kaufhaus umzusehen: eine Welt für sich mit hintereinander gereihten Hausfluchten, über Treppenaufgänge und Bogenbrücken erschlossen, entlang der Balustraden die (sehr ruhigen) Geschäftsniederlassungen mit aufwendigen Schaufenstern, überhaupt viel kulturelle Inszenierung durch das Management. Im Erdgeschoß erinnere ich mich an Modepuppengruppen quer durch die Jahrhunderte, eine Vitrine mit Edelsteinkronen aus Zarenzeiten; weiter oben und in der Tiefe herbstliches Dekor. Wir begegneten einander da und dort und winkten einem Grüppchen auf einer Brücke zu, für’s Kaffeehaus war die Zeit zu schade.

Eingang zum Alexandergarten

Eingang zum Alexandergarten

Um 11 Uhr trafen wir uns mit Milena am Eingang und berieten erneut, wie wir die nächsten zwei Stunden nutzen könnten. Die Schlange am Kremleingang ließ einen Besuch nicht möglich erscheinen, auch nicht mit „Beziehung“ über Milenas Schwester. Also wanderten wir in die vor der Kremlmauer angelegten Gärten, geschäftig von Hobbyphotographen zu Erinnerungsschnappschüssen aufgefordert. Eine eindrucksvolle Ewige Flamme mit Ehrenwache, entlang der Terrassenmauer die Namen großer, umkämpfter russischer Städte, viele promenierende Besucher. Der Versuch, eine der berühmten Jugendstil-Metrostationen zu sehen, gelang nicht, weil man nur mit Ticket in die tieferen Stockwerke kommt. So blieb noch Zeit, in einem Museumsladen die verbliebenen Rubel auszugeben und die Schülerbroschüre zu kaufen, deren Titelbild den Einband meiner Reisenotizen zeigt. Schließlich fuhren wir durch den Samstagmittagsverkehr zum Flughafen. Die Gepäckkontrolle war nicht so gründlich wie gedacht. Wartezeiten, schließlich ein wirklich vollbesetztes Flugzeug der Swiss.

Gruppenbild während der Konferenz an der Universität Wladimir

Gruppenbild während der Konferenz an der Universität Wladimir

Unser wunderbares, vielfältiges Erlebnis verdanken wir der lebendigen, 32jährigen Städtepartnerschaft und dem, was die Menschen in Wladimir und Erlangen daraus haben wachsen lassen.

Danke!

Angela Schubert

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So wie das Ohm’sche Gesetz erklärt, was in elektrischen Kreisen so alles zwischen Spannung und Stromstärke passieren kann, so zeigt die Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Geisteswissenschaften der Staatlichen Universität Wladimir und der Technischen Hochschule Nürnberg, benannt nach dem in Erlangen geborenen Physiker, am Objekt des Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik, Blauer Himmel, welche erstaunlichen Veränderungen im Zusammenwirken der Partnerstädte möglich sind. Da ist nämlich ein in Rußland bislang einmaliges Projekt zur Rehabilitierung von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen Erkrankungen zum Gegenstand gemeinsamer Forschung mit dem Ziel geworden, wissenschaftlich fundierte Einsichten darüber zu erhalten, wie sich der Aufenthalt im Blauen Kinder auf den Genesungsprozeß der jungen Patienten auswirkt. Dazu absolvieren Studenten der Psychologie und Sozialarbeit der Universität Wladimir Praktika in dem gut 30 km außerhalb der Partnerstadt gelegenen Zentrum, dazu erscheinen Publikationen, und dazu veranstalten die Partner Symposien hier wie dort. Dort erst vor kurzem mit den ausgewiesenen Fachleuten aus Nürnberg und Jena, Werner Michl und Ulrich Lakemann, sowie einer Studentengruppe aus Linz, hier, nun schon zum zweiten Mal die Veranstaltung „International Days“ mit Fachbeiträgen der Gäste aus Wladimir.

Wolfram Howein, Elisabeth Preuß, Jelena Petrowitschewa, Olga Filatowa, Irina Tscherkassowa und Olga Kossowan

Wolfram Howein, Elisabeth Preuß, Jelena Petrowitschewa, Olga Filatowa, Irina Tscherkassowa und Olga Kossowan

Heute stellt bei der Tagung Jelena Petrowitschewa das ihr unterstellte Institut für Geisteswissenschaften vor, morgen referieren dann Olga Filatowa, Leiterin des Lehrstuhls für Psychologie, über ein „Programm zur berufsorientierenden Profil-Diagnose von Schülern mit Behinderungen“ und Irina Tscherkassowa, Dozentin am Lehrstuhl für Psychologie, zum Thema „Berufsorientierung von Schülern an Sonderschulen: pädagogische, psychologische und soziale Aspekte“, unterstützt von der Dolmetscherin Olga Kossowan. Das Treffen bietet aber auch Gelegenheit zu einem Wiedersehen mit den neuen Freunden aus Österreich, und die Teilnahme von Dozenten aus Polen erweitern das Spektrum für die Besucherinnen, die im Gespräch mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß voll des Lobes sind für die vermittelnde Unterstützung von Wolfram Howein, es aber auch bedauern, nur so wenig Zeit zu haben, um all das kennenzulernen und zu sehen, was sie sich vorgenommen haben. Doch der Stromkreis der Partnerschaft ist ja nicht unterbrochen, und bestimmt tun sich bis Ende der Woche wieder ganz neue Felder der Kooperation auf mit viel positiver Spannung und Stärke.

Siehe auch: http://is.gd/8P8zp4

 

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Von der Erlebnispädagogik war hier in Zusammenhang mit dem Projekt Blauer Himmel vielfach schon die Rede, auch der Name Werner Michl ist dem treuen Leser des Blogs ein Begriff. Der Professor für Soziale Arbeit an der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg gilt als führender Wissenschaftler im Bereich der Erlebnispädagogik und genießt zumindest europaweit unter Kollegen einen ausgezeichneten Ruf. Wie begründet der ist, belegt u.a. sein Standardwerk „Erlebnispädagogik“, 2011 in München bereits in der zweiten Auflage erschienen. Nun liegt die Arbeit auch in Russisch vor. Ein denkwürdiges Ereignis, denn bisher gab es in der Partnerschaft „nur“ Übersetzungen von literarischen Texten, vom Band „Rose für Tamara“ aus Fritz Wittmanns Feder, von Fachaufsätzen. Mit der Publikation von Werner Michls Buch schafft es nun aber erstmals ein Wissenschaftler, in Wladimir mit einer eigenen Veröffentlichung in Erscheinung zu treten. Wie dies kam, entnehmen wir am besten dem Vorwort, das der Autor im Mai des Jahres zur russischen Ausgabe geschrieben, und das hier auszugsweise rückübersetzt werden soll:

Werner Michl: Erlebnispädagogik

Werner Michl: Erlebnispädagogik

Die Nachricht, mein Buch werde ins Russische übersetzt, hat mich ungemein gefreut. Ich war glücklich. Im deutschsprachigen Raum ist meine Arbeit „Erlebnispädagogik“ ausgesprochen erfolgreich geworden. Nach der zweiten Auflage ist bereits die dritte in Vorbereitung. Eine Übersetzung ins Polnische erschient 2011 in Krakau, die Übersetzung ins Finnische ist derzeit in Arbeit. (…) Rußland ist ein Land voller Seele, ein Land großartiger Autoren, die Heimat von weltweit bekannten Wissenschaftlern und Schachspielern. Es gibt hier eine atemberaubende Natur und endlose Landschaften. Die Menschen sind derart herzlich, daß man schnell die zuweilen mürrischen Grenzbeamten am Moskauer Flughafen vergißt. Ich kenne nur einige Städte und Regionen dieses riesigen Landes. Ein Seminar mit Studierenden aus Rußland, der Ukraine und Weißrußland führte mich an die Universität von Smolensk. Mit meinen Studenten von der Nürnberger Hochschule besuchte ich Sankt Petersburg, Moskau und Wladimir. Ich nahm an zwei großen Konferenzen teil, veranstaltet von der Universität Wladimir. Ungeachtet dessen, daß meine Heimat Oberbayern sehr weit entfernt liegt von Wladimir, fühlte ich mich in dieser Stadt fast wie daheim.

Olga Filatowa (l.) mit ihren Studentinnen und Jekaterina Wachromejewa (5. v.l.)

Olga Filatowa (l.) mit ihren Studentinnen und Jekaterina Wachromejewa (5. v.l.)

Der Weg zur Veröffentlichung des Buches war lang, so lang, daß ich fast schon nicht mehr daran glaubte. Dafür, daß dieses Ereignis möglich wurde, bin ich natürlich dem Verlag URSS in Moskau sehr dankbar. Voraussetzung für die Publikation war die Übertragung des Buches ins Russische, angefertigt von der charmanten, fleißigen und einfühlsamen Übersetzerin, Jekaterina Wachromejewa, der es gelang, diese Aufgabe bestens zu erledigen. Danken möchte ich auch Olga Filatowa, Professorin an der Universität Wladimir, mit der ich dank der engen fachlichen Partnerschaft zwischen unseren Hochschulen sowie der praktischen Zusammenarbeit im Projekt Blauer Himmel und mit dem größten Vertreter der Erlebnispädagogik in Deutschland, den „Erlebnistagen“, seit langem in Verbindung stehe. Hinter all dem steht ein ehemaliger Manager, der heute diese Kooperation führt und den ich schlichtweg meinen Freund nennen darf: Wolfram Howein. Ich bin ihm sehr danbkar für den Kontakt mit der Universität Wladimir. (…)

Wolfram Howein, Ulrich Lakemann (Universität Jena) und Werner Michl, 2011 im Garten des Erlangen-Hauses

Wolfram Howein, Ulrich Lakemann (Universität Jena) und Werner Michl, 2011 im Garten des Erlangen-Hauses

Nun halten die Wissenschaftler und Erzieher in Wladimir einen erprobten Leitfaden in Händen, mit dessen Hilfe der im Russischen noch immer nicht ganz eingebürgerte Begriff „Erlebnispädagogik“ verständlicher wird. Damit dürfte auch die pädagogische Arbeit im Blauen Himmel eine neue Qualität erreichen. Und – wer weiß – vielleicht erscheint dann in einigen Jahren ein Buch, dem gemeinsame Erfahrungen mit der Erlebnispädagogik zugrunde liegen und in das Erkenntnisse eingehen, die bereits zu Sowjetzeiten der zu Unrecht hier wie dort fast vergessene Wassilij Suchomlinskij in seine „Beschäftigungspädagogik“ mit vielen Elementen einer „Naturpädagogik“ gegossen hatte. Noch genug Stoff also für gemeinsame Forschung, Praxis und Lehre.

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Vom 26. Juli bis 6. August nahm eine Gruppe von Dozentinnen und Studentinnen der Fakultät für Psychologie an der Staatlichen Universität Wladimir am diesjährigen Sommerprogramm der „Erlebnispädagogik“ – s. www.erlebnispaedagogik.de – teil. Olga Filatowa, die Inhaberin des Lehrstuhls für Psychologie, die Dozentin Natalia Litwinowa, die Mitarbeiterin des Lehrstuhle für Fremdsprachen und professionelle Kommunikation, Jelena Arsenjewa, die als Dolmetscherin fungierte, sowie die beiden Studentinnen, Olga Gulina und Anna Bardina erlebten unter dem Motto „Risiken im Alltag“, was Erlebnispädagogik in der Praxis bedeutet. Bereits 2011 hatte der Lehrstuhl für Psychologie die Initiative zur Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen der Wladimirer Staatlichen Universität und der Organisation Erlebnispädagogik ergriffen. In diesem Jahr fand bereits zum zweiten Mal ein Seminar mit Wladimirer Beteiligung in Hohegeiß, Harz, statt.

Olga Filatowa in Hohegeiß

Olga Filatowa, Jelena Arsenjewa, Olga Gulina und Anna Bardina in Hohegeiß

Dies ist nicht die einzige Art der Zusammenarbeit im Rahmen des Vertrags. Vielmehr ist es mittlerweile gelungen, das im Reinhardt Verlag erschienene Standardwerk „Erlebnispädagogik“ von Werner Michl zu übersetzen und herauszugeben. Nun ist das Buch nicht nur auf Polnisch und Türkisch, sondern auch auf Russisch zu haben.

Die Bewohner des Hauses Gifhorn in Hohegeiß

Die Bewohner des Hauses Gifhorn in Hohegeiß

Diese Übersetzungsarbeit und die Herausgabe im Juli 2013 durch einen Moskauer Verlag wurden nach Meinung des Autors erst durch die Zusammenarbeit mit der Organisation Erlebnispädagogik möglich. Es handelt sich bei dem Werk um die erste russische Publikation zum Thema Erlebnispädagogik, das an europäischen Hochschulen so bekannt und verbreitet ist. Ein großer Erfolg nicht nur für die wissenschaftlichen Partner, zu denen maßgeblich auch die Ohm-Hochschule in Nürnberg gehört und die alle eingebunden sind in das Projekt Blauer Himmel, sondern für die Städtepartnerschaft insgesamt!

Soweit schon einmal der „Pressetext“ von Olga Filatowa. Ein Erlebnisbericht der Studentin Olga Gulina folgt hier in Ihrem Blog demnächst.

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Tief bewegt zeigte sich Alexander Bersenjew, Chefpsychiater der Region Wladimir, als er vorgestern gemeinsam mit Wladimir Besrukow, dem Chef der regionalen Gesundheitsbehörde, in Gremsdorf vor dem Denkmal für die etwa 300 behinderten Menschen stand, die während der NS-Diktatur aus „rasse- und volkshygienischen“ Gründen in Vernichtungslager geschickt wurden. Anerkennung und Respekt für diese Erinnerungskultur sprachen denn auch die Gäste dem Gesamtleiter der Behinderteneinrichtung, Günther Allinger, aus, der die grausam-inhumanen Spuren der Geschichte nicht verwischen will, sondern den Erlanger Künstler Dieter Erhard beauftragt hat, ein Mahnmal für die Opfer der „Herrenmenschen“ zu schaffen, das mit seinen Gleisschwellen und den abgesägten Schienen an den längst verschwundenen Bahnhof an der stillgelegten Bahntrasse erinnert, von wo aus die Todestransporte begannen.

Wladimir Besrukow, Alexander Bersenjew und Günther Allinger vor dem Denkmal für die ermodeten Heimbewohner.

Das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Einrichtungen, 1895 vom Orden der Barmherzigen Brüder gegründet. Aber die Besucher aus Wladimir verbindet mit Gremsdorf eine ganz andere Geschichte: human, weltoffen, bunt und vielfältig. Das Projekt Lichtblick, Ende 1999 aus der Taufe gehoben und bereits 2002 von Bundespräsident Johannes Rau mit dem 1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland ausgezeichnet, ist von einer einzigartigen Dynamik geprägt, die bis heute Anstoß gibt für eine Vielzahl von gemeinsamen Initiativen: Deutschkurse für Fachkräfte aus der Psychiatrie in Wladimir, Praktika, Kunstausstellungen, Fachaustausch – bis hin zum Blauen Himmel. Eine fortwährende Erfolgsgeschichte mit immer neuen Fortsetzungen.

Alexander Bersenjew und Wladimir Besrukow vor Einblicke-Plakat in Gremsdorf.

Vor allem aber hat diese Geschichte viele Figuren und Helden, Schauplätze und Episoden. Wenn man allein versuchen wollte festzuhalten, wer da alles mitspielt, vom BRK Erlangen-Höchstadt bis zur Erzdiözese Bamberg, von der WAB Kosbach bis zur Laufer Mühle, vom Bezirksklinikum am Europakanal bis zum Bayerischen Rundfunk mit seiner Aktion Sternstunden. Und es kommen immer mehr dazu: die Georg-Simon-Ohm-Hochschule sowie das Klinikum Nord in Nürnberg, die Psychiatrische Klinik in Erlangen oder die deutschlandweit agierende und international ausgerichtete gemeinnützige Organisation Erlebnistage, um eine Auswahl der deutschen Projektpartner zu bieten.

Gruppenbild mit Betreuerinnen und der Schutzheiligen St. Lucia in der KWAK, der Kleinen Werkstatt für Arbeit und Kreativität.

Und alles zur Verbesserung der Therapie von Menschen mit psychischen und psychiatrischen Behinderungen. Und da gab und gibt es noch immer viel zu tun, voneinander zu lernen. In Theorie wie Praxis. Als Leiter einer Klinik mit 700 Betten hat Alexander Bersenjew einen besonderen Blick fürs Praktische. Abgeschaut hat er sich etwa schon vor zwölf Jahren beim ersten Besuch in Gremsdorf die eigene Wäscherei. Seither spart er nach Anfangsinvestitionen für die vier Waschmaschinen und zwei Schleudern viel Geld, das er nun lieber für die Behandlung seiner Patienten einsetzt, von denen einige im Rahmen der Arbeitstherapie sogar in der Wäscherei helfen können. Aber, so klagt er, noch immer fehle es in Rußland an Einrichtungen für Menschen, die austherapiert sind, allerdings noch nicht auf eigenen Beinen stehen können. Noch immer gebe es nicht genug Angebote, um auch bei schweren psychischen Beeinträchtigungen allmählich an Beschäftigung und Kreativität herangeführt zu werden, wie etwa in der KWAK, wo man übrigens auch fleißig köstliche Elisenlebkuchen bäckt, die eigentlich erst am kommenden Sonntag beim ganztägigen Werkstattfest zu probieren sind.

Günther Allinger, Wladimir Besrukow, Alexander Bersenjew mit Sibylle Menzel im Gespräch.

Statt dessen viel zu viele behördliche Einschränkungen. So dürfen Behinderte unter keinen Umständen Lebensmittel verpacken, weil man ihnen die notwendige Hygiene nicht zutraut, und die Produkte der Werkstätten haben auf dem russischen Markt so gut wie keine Absatzmöglichkeiten, wenn überhaupt Aufträge hereinkommen. So entsteht Behinderung, so beweist sich der Satz: „Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert.“ Aber auch in Rußland soll das nicht so bleiben. Schon am 29. November wird Alexander Bersenjew in der Staatsduma zu Moskau bei einer Anhörung unter dem Vorsitz von Walentina Matwijenko, der Präsidentin des Föderationsrats, zum Thema Behinderte und Arbeit sprechen und dabei seine Eindrücke von dem Besuch in der Metropolregion Nürnberg schildern. Besser hätte man die Reise ja gar nicht terminieren können.

Wolfram Howein, Michael Kleiner, Jürgen Üblacker, Günther Allinger, Wladimir Besrukow, Alexander Bersenjew und Jürgen Ganzmann.

Bei allem Drang nach vorne ist die Stiftung Lichtblick nach wie vor das Rückgrat der Zusammenarbeit. Hier werden die Mittel gemeinsam verwaltet, hier fallen die Entscheidungen über die Schwerpunkte der Zusammenarbeit, hier stellt man die Weichen für die gemeinsame Zukunft mit Wolfram Howein als Projektkoordinator, Michael Kleiner für die Erzdiözese Bamberg, Jürgen Üblacker und Jürgen Ganzmann für das BRK Erlangen-Höchstadt, Günther Allinger für die Barmherzigen Brüder und Peter Steger (nicht im Bild, dafür am Auslöser) für die Stadt Erlangen. Was aus der internen Sitzung unter Leitung von Alexander Bersenjew und Günther Allinger nach draußen dringen darf und soll ist eine gute Botschaft: Die Mission ist erfüllt. Der Blaue Himmel, das vor drei Jahren eröffnete Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, ist nun dank der administrativen Unterstützung von Wladimir Besrukow dem Psychiatrischen Krankenhaus in der Partnerstadt angegliedert, und es kommen ausschließlich Kinder zu der zweiwöchigen Reha-Therapie, die von Psychiatern dafür ausgewählt wurden, möglichst in Gruppen mit ähnlichen Krankheitsbildern wie etwa Autismus oder ADHS. Umso wichtiger, gerade jetzt den Fachaustausch und die Deutschkurse fortzusetzen.

Alexander Bersenjew und Jekaterina Wachromejewa an der Ohm-Hochschule in Nürnberg.

Besonders wichtig auch, weil die Zusammenarbeit mit der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg nun so richtig in Fahrt kommt. Bei den International Days vom 21. bis 22. November, an denen Referenten aus aller Welt teilnahmen, dominierten gestern die Beiträge aus Wladimir. Der Lehrstuhl für Psychologie der Staatlichen Universität war prominent vertreten durch dessen Dekanin, Olga Filatowa, die Dozentin Irina Tscherkassowa, sowie Jekaterina Wachromejewa, zuständig für internationale Zusammenarbeit, sowie die Studentin, Natalia Popkowa, und bot in vier Vorträgen Einblicke in Forschungsergebnisse auf der Grundlage der Kooperation mit dem Blauen Himmel.

Alexander Bersenjew, Olga Filatowa, Wolfram Howein, Irina Tscherkassowa, Natalia Popkowa, Wladimir Besrukow und Jekaterina Wachromejewa.

Alexander Bersenjew, seit September auch Inhaber des neugeschaffenen Lehrstuhls für Psychiatrie, wird dabei nicht müde, auf die Bedeutung der Arbeit mit Kindern hinzuweisen. „Was wir in der Kindheit versäumen, rächt sich später unerbittlich“, lautet sein Credo, wenn er darauf hinweist, daß fast 30% der Wehrpflichtigen wegen psychischer Störungen nicht einberufen werden. Wenn er beklagt, wie viele psychiatrischen Erkrankungen viel zu spät behandelt werden. Doch immerhin, führt er als Antwort auf eine Frage aus dem Auditorium aus, sei das Thema nicht mehr tabuisiert wie noch zu Sowjetzeiten. 1992 hatte Boris Jelzin, Rußlands erster Präsident, einen Erlaß unterzeichnet, der Zwangseinweisungen in die Psychiatrie nur unter strengen richterlichen Auflagen erlaubt. Seither sei auch in der Gesellschaft vieles besser geworden. Psychisch Kranke grenze man nicht mehr aus, abwertende Begriffe wie „Irrenhaus“ tauchten nicht mehr in den Medien auf, die Stigmatisierung sei vorüber. Noch nicht überall, noch nicht in allen Köpfen, aber es habe sich viel geändert. Zum Guten.

Wladimir Besrukow, Thomas Fehn und Alexander Bersenjew.

Da ist es nur gut und richtig, nach dem Antrittsbesuch in der Erwachsenenpsychiatrie am Montag, nun auch noch die Kinderabteilung zu besuchen, wo sich Oberarzt Thomas Fehn die Zeit nimmt, die Station zu zeigen. Zu sehen gibt es da einiges. Der Gastgeber beklagt zwar die beengten Räumlichkeiten für seine 30 jungen Patienten, doch dafür gibt es hier ein Betreuungsverhältnis, von dem man in Wladimir nur träumen kann. Während im Universitätsklinikum an der Schwabachanlage sieben Fachärzte auf 30 Kinder kommen, sind es im Wladimirer Psychiatrischen Krankenhaus gerade einmal zwei Mediziner, die für die Therapie von 50 Jungen und Mädchen zuständig sind. Dafür sind die Verweildauern in Erlangen viel länger, im Schnitt drei Monate, während Alexander Bersenjew die Kinder nach der Behandlung der akuten Symptome seine kleinen Patienten gleich wieder in die Familien zurückschickt und sie weiter in der Tagesklinik therapieren läßt. Ansonsten gleicht sich das meiste bis hin zu den Medikamentengaben, wenn auch die Präparate unterschiedliche Bezeichnungen haben. Zwei Dinge freilich würden die beiden Gäste lieber heute als morgen noch bei sich einrichten, den Time-Out-Raum, wo sich die Kinder buchstäblich austoben können (oder müssen), und das Ruhezimmer, wo ein Wasserbett, besondere Beleuchtung und meditative Musik die Patienten zur Besinnung bringen.

Alexander Bersenjew, Elisabeth Preuß, Wladimir Besrukow.

Als dann am Abend Bürgermeisterin Elisabeth Preuß für die Gäste ein Essen gibt, herrscht Aufbruchstimmung. Noch nie konnte so vieles als gelungen gewertet werden, noch nie gab es so viele neue Pläne. Von denen soll hier erst wieder berichtet werden, wenn sie Gestalt annehmen. Helfen soll dabei weiter auch die Stadtverwaltung, ein Ersuchen, dem die Gastgeberin gerne entspricht. Und so darf sicher verraten werden, daß die Partnerschaftsarbeit mit Wladimir im Jahr 2013 vom Schwerpunktthema „Menschen mit Behinderungen“ geprägt sein wird. Mit der ausgesprochen kompetenten Unterstützung durch Elisabeth Preuß, wie Wladimir Besrukow und Alexander Bersenjew anerkennend hervorheben.

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Ende Februar / Anfang März kam das Projekt Blauer Himmel mit dem Besuch einer fünfköpfigen Gruppe vom Lehrstuhl für Psychologie an der Staatlichen Universität Wladimir wieder einen großen Schritt voran, denn während des Aufenthalts wurde ein Kooperationsvertrag mit der Georg-Simon-Ohm-Hochschule unterzeichnet, der die schon seit fünf Jahren informell währende Zusammenarbeit auf eine institutionelle und langfristige Grundlage stellt. Wir wollen heute aber in den Reisebericht hineinlesen, den Natalia Popkowa für den Blog geschrieben hat:

Heute möchte ich meine Eindrücke von einer Reise in das bemerkenswerte Deutschland mit den Lesern des Blogs teilen.

Dank den Verbindungen zu deutschen Hochschulen und Professoren hat unser angesehener Lehrstuhl einigen Studierenden angeboten, nach Deutschland zu reisen, um dort mehr über die Erlebnispädagogik zu erfahren. Dazu ist zu sagen, daß bei vielen von uns die Augen schon vor lauter Vorfreude auf die Reise aufgeleuchtet haben. Allerdings bestand eines der Hauptkriterien für die Teilnahme in der Kenntnis der Amtssprache, sprich des Deutschen. Drei Studentinnen der letzten Semester, Rosalia Isljajewa, Anastasia Sdorowez und Natalia Popkowa, faßten sich also in Begleitung der Leiterin des Lehrstuhls, Olga Filatowa, und der stellvertretenden Direktorin des Zentrums für Internationale Bildung, Jekaterina Wachromejewa, ein Herz und reisten in das Geburtsland der Psychologie.

Ankunft in Erlangen

Da es keine Direktflüge nach Nürnberg gibt, kauften wir ein Ticket mit Zwischenhalt in Berlin, was uns nur freuen konnte. In Deutschland zu sein, ohne die Hauptstadt gesehen zu haben, hätte uns doch gewurmt. Das Flugzeug war recht komfortabel, und schon nach drei Stunden waren wir da. Die deutsche Sprache vernahmen wir erstmals an Bord, denn wir nahmen eine deutsche Fluggesellschaft, weshalb alle Stewardessen Deutsch sprachen.

Bis zum Weiterflug nach Nürnberg blieben sechs Stunden Wartezeit, die wir nutzten, um unter der Führung von Katja, die schon mehrfach in Deutschland gewesen ist, die Sehenswürdigkeiten dieser herrlichen Stadt zu besichtigen, beginnend mit dem wohl bekanntesten Gebäude Deutschlands, dem Reichstag, der von der bewegten Geschichte der Deutschen Zeugnis ablegt.

Weiter ging es zur Gedenkstätte für die gefallenen sowjetischen Soldaten, ganz im Zentrum Berlins auf einer großen Fläche gelegen. Bemerkenswert, wie gepflegt alle Denkmäler sind. Und überhaupt glänzt ganz Deutschland vor Sauberkeit und Ordnung. Es gab Augenblicke, wo ich meinte, das sei alles gar nicht echt, sondern nur Dekoration und Kulisse für einen Film.

In den sechs Stunden unseres Aufenthalts gelang es uns, fast das ganze Zentrum der Hauptstadt abzugehen und dabei eine Menge sehr schöner Orte und Plätze zu sehen. Natürlich schlossen wir dies alles mit einem gemeinsamen Essen in einem sehr angenehmen Restaurant ab, wo wir zum ersten Mal echte deutsche Würstchen zu essen bekamen.

Mit Gerhard Kreitz in Nürnberg

Von Berlin bis Nürnberg dauerte unser Flug etwa eine Stunde. Am Flughafen holte uns Peter Steger ab, der uns nach Erlangen brachte. Untergebracht waren wir in der Jugendherberge. Das warme Wetter in Erlangen freute uns. Wie angenehm, die Winterjacken auszuziehen und in die Herbstanoraks zu schlüpfen! Erlangen genießt bei uns den Ruhm unserer Partnerstadt, die ihre eigene Vertretung in Wladimir hat, das Erlangen-Haus, wo jeder die Möglichkeit hat, in verschiedenen Stufen Deutsch zu lernen. Allerdings wissen die wenigsten, daß Erlangen vor allem bekannt ist durch die große Universität, benannt nach dem Markgrafen Friedrich Alexander, und der Vielzahl von Geschäftsbereichen der Siemens AG. Dank der Zusammenarbeit der hoch entwickelten Medizin an der Universität und des Weltkonzerns spielt die Stadt auf dem Gebiet der Entwicklung moderner Medizintechnik europaweit eine führende Rolle.

Jeden Tag unternahm unsere Gruppe Ausflüge in die nähere Umgebung. Schon am Tag nach unserer Ankunft fuhren wir nach Nürnberg, in die Georg-Simon-Ohm-Hochschule, wo wir mit Werner Michl, einem der Begründer der Erlebnispädagogik, zusammentrafen. Gemeinsam mit seiner Kollegin, der Prodekanin Ruth Limmer, machte er für uns eine kleine Führung und brachte uns das Programm seines Fachgebiets, der Sozialen Arbeit näher. Meinem Eindruck nach – genaue Zahlen kann ich nicht nennen – hat die Georg-Simon-Ohm-Hochschule doppelt so viele Studenten wie unsere nun vereinigte Staatliche Universität. Unseren Austausch setzten wir nach dem Rundgang bei einem Gespräch in einem nahegelegenen Restaurant fort. Unterwegs stand uns der Mund offen vor Staunen über die Schönheit dieser phantastischen Stadt, in die wir noch einmal zu einer Führung zurückkehren sollten.

Schneestadt Erlebnistage

Neben Nürnberg bekamen wir in der liebenswürdigen Begleitung von Mitgliedern des Freundeskreises Wladimir auch noch Regensburg und Forchheim zu sehen. Regensburg ist ja eine der vier ältesten deutschen Städte und liegt an der Donau. Wir konnten den Namen der Stadt sogar wörtlich nehmen, denn wir wurden von Regen und Hagel empfangen, was uns aber nicht abhielt, die einzigartige Architektur zu genießen. Ein ganz anderes Städtchen ist Forchheim, klein und überschaubar, aber schön anzusehen, fast wie ein kleines Venedig.

Nach dem Wochenende voller Ausflüge und Restaurantbesuche machten wir uns in den Bayerischen Wald auf, wo wir an der Winteruniversität für Psychologie ein Praktikum mit der interessanten Bezeichnung „Spuren im Schnee“ absolvieren sollten. Mit dem Schnellzug ging es bis Passau, wo wir die anderen Studenten von deutschen und österreichischen Universitäten trafen.

Schneewanderung im Bayerischen Wald

Als wir die schneebedeckte Landschaft sahen, erinnerte uns das sehr an daheim, wenn hier auch die Temperaturen viel höher waren als wir sie im Winter gewohnt sind. Uns standen nun fünf intensive Tage bevor. Wir besuchten nach eigener Wahl Seminare, Vorlesungen und Meisterklassen. Für jeden war etwas Interessantes dabei, angefangen bei Vorlesungen über die Erlebnispädagogik bis hin zu einer Meisterklasse zur Lawinenrettung oder zum Zirkuswesen.  Langweilig wurde es jedenfalls keiner von uns. Gemeinsam mit den Kommilitonen aus Deutschland und Österreich bauten wir eine Schneestadt, erarbeiteten psychologische Übungen für die Praxis, machten eine eintägige Schneeschuhwanderung. Die Menschen um uns herum waren ausgesprochen liebenswürdig. Mit fast allen Gleichaltrigen kamen wir in Kontakt, und mit einigen halten wir über die sozialen Medien noch immer die Verbindung.

Spuren im Schnee

Bei allen großen Gefühlen und ungeachtet des angenehmen Verlaufs unseres Besuchs zog es uns gegen Ende unserer langen Reise doch wieder nach Hause. Auch wenn uns der Abschied von unseren neuen Bekannten und der uns so angenehm umgebenden Atmosphäre schmerzte, freuten wir uns aufrichtig, wieder zu unseren Verwandten und Freunden in die Heimat zurückzukehren. Mitgebracht haben wir Andenken und interessante Eindrücke von elf unvergeßlichen Tage in einem liebgewonnenen und so schönen Land, in Deutschland.

Natalia Popkowa

Mehr zu dem Projekt Blauer Himmel und dem Besuch der Gruppe u.a. unter http://is.gd/HYPpIN

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