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Olga Dejewa zum Geburtstag


Ende September 2015 wurde in der Nachfolge von Michail Swonarjow, Wladimir Kusin, Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow mit Olga Dejewa die erste Frau in das Amt des Stadtoberhaupts gewählt. Bürgermeisterinnen hatte es in der Partnerstadt schon einige gegeben, aber ganz an der Spitze hatte noch nie zuvor eine Politikerin gestanden.

Florian Janik und Olga Dejewa

Ihr Standvermögen hatte die Wirtschafts- und Finanzwissenschaftlerin schon vor diesem Karrieresprung in den unterschiedlichsten Ämtern unter Beweis gestellt, etwa in der Zivilgesellschaftlichen Kammer der Region Wladimir. Aus Erlanger Sicht von besonderer Bedeutung ihre Rolle als ehrenamtliche Leiterin des Ortsverbandes Wladimir des Russischen Roten Kreuzes. Unter der Ägide von Olga Dejewa erst gelang es der humanitären Organisation im vertrauensvollen Zusammenspiel mit dem Förderverein und dem BRK, in Politik und Gesellschaft wieder Ansehen und Autorität zu gewinnen.

Susanne Lender-Cassens, Julia Obertreis, Olga Dejewa und Peter Steger

Mit Ihrer Wahl entschied sich Wladimir auch für eine Kontinuität in der Städtepartnerschaft. Ein Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist. Oft meint man nämlich, die gerade in dieser durchaus gelungenen deutsch-russischen Verbindung entstandene Volksdiplomatie sei auch ohne das Mitwirken der Politik – aus sich selbst schöpfend – stark genug, die zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu pflegen. Doch die Praxis vieler trauriger Beispiele zeigt ein anderes Bild: Sobald die gewählten Vertreter auch nur das Interesse aneinander verlieren – von schlimmeren Entwicklungen, etwa dem offiziellen Abbruch der Kontakte, ganz zu schweigen – hält auch die beste Bürgerpartnerschaft nicht mehr lange dagegen.

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Jelena Owtschinnikowa

Olga Dejewa, Mitglied der Partei Einiges Rußland, also ein Glücksfall für die Partnerschaft, zumal sie auch bestens mit dem Erlangen-Haus in Wladimir zusammenarbeitet und sich stets auf dem neuesten Stand des Austausches befindet. Vor allem aber verleiht die Mutter und Großmutter der eigenen Stadt, in der sie heute vor 60 Jahren geboren wurde, ein weltoffenes und sympathisch-gewinnendes Gesicht.

Olga Dejewa und Siegfried Balleis

Zu ihrem Jubiläum gratulierte denn auch Florian Janik seiner Kollegin mit Worten des Danks für die so erfolgreiche Zusammenarbeit und in der Vorfreude auf eine weitere Vertiefung der Kontakte. Der Blog kann sich da nur anschließen und die Glückwünsche im Namen all der vielen aussprechen, die bei eigenen Besuchen in Wladimir oder bei einem Termin in Erlangen Gelegenheit hatten, mit Olga Dejewa ins Gespräch zu kommen, sie kennen und schätzen zu lernen.

Melitta Schön und Olga Dejewa

Deshalb hier ein virtuelles „Hoch soll sie leben“ auf die Jubilarin. Auf Russisch klingt das mit abschließendem Geburtstagsgruß dann so: https://is.gd/fvgmDe

 

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Wer den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir verfolgt, weiß, welche herausragende Rolle der Medizinaustausch spielt. Da nimmt es denn auch nicht wunder, wenn man beim Besuch des Regionalkrankenhauses, am Stadtrand jenseits der Kljasma gelegen, auf viele bekannte Gesichter trifft.

Iwan Seliwjorstow, Ljubow Bykowa, Majra Bulanowa und Peter Steger

Ljubow Bykowa, seit gut zwei Jahren ärztliche Direktorin des 800-Betten-Komplexes, kennt Erlangen von einem Besuch in ihrer damaligen Funktion als stellvertretende Leiterin des regionalen Gesundheitsamtes und berichtet gern von den vielen organisatorischen Veränderungen, die sie dank dem Austausch einführen konnte, während  Iwan Seliwjorstow, Radiologe und Koordinator des Rotary-Austausch-Programms vor allem das konkrete Fachwissen betont, das bei den Hospitationen in Franken auf den neuesten Stand gebracht wird. Etwas, das auch Majra Bulanowa, stellvertretende Leiterin des Krankenhauses, verstärkt fördern will.

Alexej Junjew

Erfreulich zu sehen, wie sich innen wie außen alles zum Besseren, um nicht zu sagen zum Besten, verändert hat. Etwa eine halbe Milliarde Rubel flossen in den letzten Jahren in bauliche Maßnahmen und die technische Ausstattung. Kein Vergleich mehr mit dem, was sich hier noch vor zehn oder gar zwanzig Jahren dem traurigen Blick des Gastes bot. So ist nun ein Austausch möglich, der wegkommt vom ursprünglich humanitären Ansatz, der sich ganz den Inhalten und der Fortbildung widmen kann.

OP der Neurochirurgie

Bei der Ausstattung findet man auf Schritt und Tritt Firmenlogos aus Deutschland, sogar der OP-Tisch, über den sich der Neurochirurg Nikolaj Nikitin besonders freut, ist made in Germany. Freilich hätte man gern noch mehr von deutschen Herstellern gekauft, wenn da nicht die hohen Preise wären, derentwegen ein weltweit agierender Elektrokonzern aus Erlangen unlängst bei einer Ausschreibung außen vor blieb.

Deutsches Gerät im Einsatz

Auch Andrej Mnjow, Oberarzt der Neurologie und kundiger Führer durch sein Reich, kennt Erlangen aus eigener Anschauung. Und so entstehen bald Ideen für neue Austauschprojekte, denn das Krankenhaus will sich neu organisieren und erweitern. Der Masterplan des Universitätsklinikums in der Partnerstadt könnte da für Wladimir eine gute Blaupause abgeben.

Andrej Mnjow, Peter Steger, Anna Judina und Nikolaj Nikitin

Und – auch der Austausch im Bereich der Pflegekräfte soll vorankommen, ein besonderes Anliegen von Oberschwester Anna Judina.

Zentrum für Surdologie und Mikrochirugie des Ohrs sowie Kind-Interhören

Wer also in der Region Wladimir, immerhin so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz zusammen, vor Ort in den Kreiskrankenhäusern nicht ausreichend versorgt werden kann oder keinen Platz mehr findet, ist hier gut aufgehoben. Die Sterblichkeit liegt unter dem landesweiten Schnitt, die Zimmer und Behandlungsräume zeigen sich licht und freundlich, und das Personal erweist sich als motiviert. Schließlich freut man sich auch schon auf den nächsten Fachbesuch aus Erlangen: Jürgen Binder und ein Medizinstudent der FAU haben ihr Kommen für Anfang Juni angekündigt.

Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale im Abendlicht

Aber auch die Politik weiß die Bedeutung des Medizinaustausches zu schätzen. Nicht von ungefähr ist deshalb Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses „Rotes Kreuz“, zum gestrigen Abendessen mit Oberbürgermeisterin Olga Dejewa geladen. Seine Klinik unterhält bereits seit Ende der 80er Jahre Kontakte zur Chirurgie in Erlangen, und die will man weiter ausbauen, gerade auch – siehe oben – im Bereich der Pflegekräfte, deren Bedeutung für die Therapie zunehmend in den Fokus gerät.

Marina und Jewgenij Jaskin, Wjatscheslaw und Olga Dejew, Peter Steger

Schließlich wird sogar noch diskutiert, ob man nicht auch ein Schmerz-Zentrum einrichten sollte, nachdem es doch nach Erlanger Vorbild bereits gelungen ist, Palliativstationen zu eröffnen. In der Sache wird man also bald schon Fachbesuch aus Wladimir erwarten dürfen. Willkommen!

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Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

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„Ich hatte mir schon überlegt“, meinte gestern abend bei der Rückfahrt nach Erlangen, „ob es sich denn lohnt, den weiten Weg nach Jena zu machen. Gute zwei Stunden einfach unterwegs, nur um die Honneurs zu machen. Aber jetzt bin ich richtig froh, dabei gewesen zu sein.“

Erlangen auf dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters

Der stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, sprach damit wohl allen russischen Gästen aus dem Herzen, denn, so Olga Dejewa, die klimatischen Bedingungen – immerhin gilt Jena als der zweitwärmste Ort Deutschlands – übertragen sich offenbar auch auf das Wesen der Menschen.  Die Oberbürgermeisterin ist die einzige in der Delegation, die Jena bereits von einem Besuch aus dem Jahr 2013, damals noch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes, kennt und seither zu schätzen weiß.

Olga Dejewa und Albrecht Schröter

Als Stadtoberhaupt war dies nun gestern ihr Antrittsbesuch und die erste Gelegenheit mit Ihrem Amtskollegen, Albrecht Schröter, über die weitere Ausgestaltung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir zu sprechen – und an seiner Seite ein wenig die Stadt zu erkunden.

Dabei treffen die beiden auf Schritt und Tritt auf russische Spuren: mal auf die Ankündigung eines Vortrags über Michail Gorbatschow, den in seiner Heimat wohl erst künftige Historiker vom Makel des Totengräbers der Sowjetunion befreien werden, mal die Erinnerung die Station Jena auf dem langen Lebensweg von Lew Tolstoj.

Gedenktafel am Frommannschen Anwesen

Wichtiger als der Blick zurück – auch in die bereits zehn Jahre währende Dreieckspartnerschaft – ist den Deutschen und Russen die Überlegung, was sie in Zukunft gemeinsam angehen könnten. Und da bietet sich ein breites Spektrum.

Über den Dächern von Jena

Das Freiwilligenprogramm soll fortgesetzt werden, das Rahmenabkommen zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und der Wladimirer Universität bietet noch ungenutzte Möglichkeiten für den Wissenschaftsaustausch, bei Kultur und Sport gäbe es noch viel zu tun… Und dann ist da noch der Vorschlag von Albrecht Schröter, gern einmal jemanden aus der Wladimirer Stadtverwaltung einzuladen, um auszuloten, in welchen Bereichen der Administration ein Erfahrungsaustausch nützlich sein könnte.

Albrecht Schröter und seine Gäste

Und natürlich darf die Gegeneinladung nicht fehlen: vielleicht schon zum Wirtschaftsforum im Juni oder spätestens zum Stadtfest im Herbst. Gleichviel, Hauptsache man bleibt im Gespräch und Austausch, so die einhellige Meinung.

Albrecht Schröter und Olga Dejewa, im Hintergrund Norbert Hebestreit

Schon sehr weit gediehen sind die Überlegungen für eine konkrete Zusammenarbeit auf Initiative von Norbert Hebestreit im Bereich der Krankenpflege. Da versprechen sich beide Seiten einen Gewinn, da wollen beide Seiten voneinander lernen, da soll noch heuer ein Austauschabkommen zwischen der Berufsfachschule in Wladimir und dem Klinikum Jena abgeschlossen werden.

Nach der Führung durch das Klinikum Jena

Da darf natürlich auch eine Führung durch die größte Klinik Thüringens und eines der modernsten Krankenhäuser in ganz Deutschland, wenn nicht gar europaweit, nicht fehlen. Immer im Blick auf die künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir.

Alexander Krutow, Renate Winzen, Olga Dejewa, Nadja Steger, Wladimir Rybkin, Anette Christian und Guram Tschjotschjew

So ein Tag endet natürlich beim Abendessen zurück in Erlangen mit Stadträtin Anette Christian am besten mit einem Trinkspruch, den Wladimir Rybkin in ebenso einfachen wie einprägsamen Worten ausbringt: „Ich stehe auf, um mein Glas auf die Gastgeber zu erheben, und ich knöpfe meine Jacke zu dem festlichen Anlaß zu, aber mein Herz ist bis auf den letzten Knopf aufgeknöpft nach all den wunderbaren Begegnungen hier in Deutschland.“

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Mit einem „Willkommen im schönsten Konferenzraum Erlangens“, eröffnete Florian Janik gestern gegen 9.00 Uhr die zweite Sitzung des Gesprächsforums „Prisma“ und konnte die Diskussionsrunde gegen 16.30 Uhr mit der Vorfreude auf das nächste Treffen der Diskussionsrunde, möglichst schon im November diesen Jahres, schließen.

Sogar über das Thema ist man sich einig, das sich vor allem auch aus einem Diskussionsbeitrag von Alexander Krutow, stellvertretender Vorsitzender des Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, des Dachverbands der Nichtregierungsorganisationen, aus seiner Frage ableitete, ob es denn auch in Deutschland denkbar sei, wie in den USA einen russischen Nachrichtenkanal zum „ausländischen Agenten“ zu erklären und ihm, am Beispiel von „Russia Today“ zu sehen, etwa den Zutritt zu Pressekonferenzen zu verwehren. Die einzige Frage in der von der Richterin im Ruhestand, Gerda-Marie Reitzenstein, und der Historikerin, Julia Obertreis, moderierten Runde, die unbeantwortet blieb und auf das nächste Treffen verschoben wurde.

Olga Dejewa und Florian Janik

Dann, wieder in Wladimir, so die Einladung von Oberbürgermeisterin Olga Dejewas an Ihren Erlanger Kollegen, Florian Janik, wolle man sich dem Komplex der Medien zuwenden und ihren Einfluß auf in Ost und West so unterschiedliche Wahrnehmung von Ereignissen rund um den Erdball untersuchen. Im Vis-à-Vis, als Vertreter der „Volksdiplomatie“, die der Gewerkschafter Wladimir Rybkin in der Städtepartnerschaft segensreich am Werk sieht.

Oxana Kirej, Anette Christian und Gerda-Marie Reitzenstein

Überhaupt, das Werk der Partnerschaft: Olga Dejewa hält nicht zurück mit ihrem Lob. Unter den 21 Städtefreundschaften, die Wladimir pflegt, nehme Erlangen unangefochten die erste Position ein. Wörtlich: „Mit den anderen haben wir Beziehungen, aber hier in Erlangen ist das Leben!“

Alexander Krutow, Wladimir Rybkin, Elisabeth Preuß und Gerda-Marie Reitzenstein

Folgte man gestern der Diskussion über Fragen der Beteiligung und des zivilgesellschaftlichen Engagements, spürte man, daß es sich hierbei nicht um ein wohlfeiles Kompliment an die Gastgeber handelte, sondern um das Wesen dieser nun schon fünfunddreißigjährigen deutsch-russischen Bürgerpartnerschaft. Und man spürte vor allem, wie ähnlich man einander auch da ist, wo man das bisher gar nicht vermutet hätte.

Kristina Kapsjonkowa, Wladimirer Studentin am IFA, und Oxana Kirej in der „Dolmetscherecke“

Etwa in Fragen der Bürgerbeteiligung. Man mag die Dinge unterschiedlich nennen – in Erlangen „Vorhabenliste“, in Wladimir „laufende Projekte“ -, aber der Geist ist derselbe: Bei allen Infrastrukturplänen und sonstigen Fragen der Kommunalpolitik die Stadtgesellschaft möglichst früh einzubeziehen und die Menschen nie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Mitbestimmung wo irgend möglich auf allen Ebenen.

Julia Obertreis, Olga Dejewa und Florian Janik

Tut man das nicht, so Alexander Krutow, im Brotberuf Bankier, gibt man der „größten Gefahr für die Demokratie“ Raum, dem Populismus. Er ist es auch, der auf die Macht des einzelnen Bürgers hinweist, auch in einem zentral geführten Land: Baut da nämlich jemand ohne die vorher notwendigen Abstimmungen mit den Nachbarn, kann auch eine bereits erteilte Genehmigung wieder zurückgezogen werden. Mit allen Konsequenzen für den Träger und die Behörde.

Das nachmittägliche Plenum von „Prisma“

Die Themenpalette – von der Frage des Einsatzes von Ehrenamtlichen etwa im Hospizverein über die Bedeutung des Jugendparlaments bis hin zur Rolle der Kommunen in der Gestaltung des öffentlichen Lebens – wurde jeweils durch Präsentationen beider Seiten vorgestellt, von Nadja Steger vorab übersetzt, kundig moderiert – und vor allem meisterhaft von Oxana Kirej, unterstützt durch ein sechsköpfiges Nachwuchsteam vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, in beide Richtungen gedolmetscht. Über weite Strecken hinweg sogar simultan. Höchstes Lob dafür!

Oxana Kirej, Olga Dejewa, Florian Janik und Julia Obertreis

Das Fazit. Erlangen und Wladimir sprechen mit einander, lernen einander immer besser kennen und beweisen, man kann sich gar nicht genug austauschen. Nur so vermeidet man ja auch im eigenen Land, wie Julia Obertreis zum Ende hin bemerkte, das Entstehen von „Filterblasen“, wo jeder nur noch sich selbst und Seinesgleichen hört und anspricht.

Gruppenbild „Prisma“

Es gilt spätestens seit gestern die Maxime: Gäbe es „Prisma“ nicht schon, sollte man es schleunigst erfinden. Zur Nachahmung empfohlen!

 

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Im April vergangenen Jahres hatte die Auftaktveranstaltung des Gesprächsforums „Prisma“ in Wladimir stattgefunden, und schon im November wollte man die Begegnung in Erlangen fortsetzen. Doch der Termin ließ sich nicht halten und wurde auf diese Tage verschoben. Am späten Montagabend nun traf die Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa ein und absolvierte gestern gleich ein umfangreiches Arbeits- und Besuchsprogramm – als Vorspann zu der heutigen ganztägigen Diskussion mit dem Themenschwerpunkt „Zivilgesellschaft, Bürgerbeteiligung, Teilhabe“.

Wladimir Rybkin, Olga Dejewa, Julia Obertreis, Alina Kartuchina; Wolfram Howein, Guram Tschjotschjew, Alexander Krutow, Gabriele Schöner und Amil Scharifow

Um sich miteinander zu diesen Sachfragen austauschen zu können, sollten die Gäste auch praktische Erfahrung machen, Einblick nehmen können in die Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement ganz unterschiedlicher Bereiche.

Guram Tschjotschjew

Etwa wie man in Erlangen 2015/2016 die Aufnahme der Flüchtlinge im Stadtteil Tennenlohe organisierte – von der Grundversorgung bis hin zu Sprachkursen und Integrationsangeboten seitens der Stadtverwaltung aber auch der Zivilgesellschaft, aus der heraus die unterschiedlichsten Projekte entstanden, etwa ein „Kleider-Café“ in der Sebaldussiedlung.

Willkommen im Kleider-Café

Ursprünglich hatten hier Ehrenamtliche nur daran gedacht, die vielen Kleiderspenden der Bevölkerung geordnet an Flüchtlinge weiterzugeben, doch rasch stellte sich heraus: Auch unter den Einheimischen gibt es Bedarf nicht nur nach günstigen Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch nach einem Raum, wo gern für eine Zeitlang verweilt, wo man andere Menschen trifft, wo man zu einem Stück Kuchen oder Gebäck zusammen eine Tasse Tee oder Kaffee trinkt.

Gruppenbild mit Ehrenamtlichen

Gleich ob noch im Studium oder schon im Ruhestand, an den beiden Öffnungstagen kommt die Kundschaft gern und in so großer Zahl, daß sich das von Ehrenamtlichen betriebene Projekt des ASB selbst trägt. Ein wirklich gelungenes Beispiel für Bürgersinn.

Guram Tschjotschjew

Ein ganz anderes Thema wurde dann am späteren Vormittag im Gerätewerk der Siemens AG im Stadtwesten angeschlagen: Integration und Inklusion von behinderten Beschäftigten in die unterschiedlichsten Arbeitsprozesse.

Gruppenbild bei Siemens

Erstaunlich für die Gäste dabei besonders die enge Einbeziehung der betroffenen in die Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes, das hohe Maß an Flexibilität bei der Anpassung an sich stets verändernde Voraussetzung und die Erkenntnis, eine Behinderung führe nicht zwangsläufig zu einer Einschränkung der Produktivität, sofern es denn gelingt, Mensch und Technik auf das Handicap abzustimmen. Etwas, das ganz offensichtlich bei der Siemens AG vorbildlich funktioniert.

Guram Tschjotschjew, Alexander Krutow und Hans-Michael Behnke

Viel Zeit am Nachmittag nimmt sich der Besuch dann für eine Führung durch die Justizvollzugsanstalt. Vor allem unter dem Fokus, was das Ehrenamt bei der Resozialisierung leisten kann, wie die Betreuung von Häftlingen beim sogenannten Übergangsmanagement, also der Vorbereitung auf die Haftentlassung bis hin zur Begleitung zurück in die Gesellschaft, aussehen kann.

Treffen mit Ehrenamtlichen

Hier, im Gespräch mit Anstaltsleiter Hans-Michael Behnke, lassen sich auch Unterschiede im Verständnis von Strafvollzug erkennen. Während die russische Seite das Prinzip von Strafe und Vergeltung postuliert, betonen die Erlanger den sozialtherapeutischen Ansatz mit dem Ziel einer möglichst gelungenen Resozialisierung.

Der Geschenk-Ball aus dem Zentralgefängnis Wladimir

Doch in der Praxis geht auch das Wladimirer Zentralgefängnis, aus dessen Werkstatt ein Ball als Geschenk überreicht wird, längst den Weg des humanen Strafvollzugs mit dem Ziel, die Häftlinge für die Rückkehr in die Gesellschaft zu ertüchtigen. Dafür sprechen unter anderem Fußballturniere der Insassen gegen das Wachpersonal, Kunstausstellungen, Fortbildungsmöglichkeiten.

Treffen mit Ehrenamtlichen und Melitta Schön (links im Bild)

Zur letzten Arbeitsrunde findet sich die Delegation dann beim Bayerischen Roten Kreuz ein, wo 1990 alles begonnen hatte mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“ und wo seit nun auch schon zwei Jahrzehnten das „Seniorennetz“ seine ehrenamtlichen Angebote rund um Computer, Tables, Smartphone und Internet macht. Übrigens eine Initiative, die es ganz ähnlich auch in Wladimir gibt. Dort veranstaltet man sogar Computer-Wettbewerbe in der vorgerückten Altersklasse. Eine Anregung vielleicht auch für das „Seniorennetz“.

Im Brauereimuseum: Susanne Lender-Cassens, Alina Kartuchina, Olga Dejewa, Birgit Marenbach, Wladimir Rybkin, Horst Hirschfelder, Wolfgang Niclas, Christoph Gewalt und Alexander Krutow

Angeregt jedenfalls endete dann der Abend mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und Stadrätin Birgit Marenbach in der Steinbach Bräu und deren Museum über die Bierstadt Erlangen. Und heute dann den ganzen Tag lang Gespräche im Rahmen von „Prisma“. Was es mit diesem Forum auf sich hat, ist hier nachzulesen: https://is.gd/Z2F75y

 

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Seit genau einhundert Jahren, seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders durch die Sowjetmacht, feiert man in Rußland am 14. Januar nach dem einstigen Julianischen Kalender das „Alte Neue Jahr“. Ein längst ins Brauchtum eingegangenes Fest, mit dem die zweiwöchigen Winterferien enden.

In Wladimir beging man diesen inoffiziellen Jahreswechsel am Sonntag mit der mittlerweile siebten Auflage des „Väterchen-Frost-Laufs“, an dem heuer bei frischen -6° C etwa 2.000 Weihnachtsmänner mit ihren Enkelinnen, den „Schneeflöckchen“, teilnahmen.

Die 600 m lange Strecke führte vom Goldenen Tor auf den Kathedralenplatz, wo Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und Oberstadtdirektor Andrej Schochin die schnellsten ebenso wie die am originellsten kostümierten Teilnehmer auszeichneten.

Lauf, Väterchen, lauf!

Der sportliche Ehrgeiz stand freilich nicht im Vordergrund. Es ging um den Spaß an der Gaudi, um gute Laune vor dem Start in den Alltag des neuen Jahres.

Deshalb gab es auch Preise für die jüngsten und ältesten Läufer ebenso wie für alle, die in Familienstärke antraten. Dabei sein war eben alles, gleich ob Hobby- oder Profisportler.

Olga Dejewa und Andrej Schochin

Und dann gab es da noch eine Ankündigung von Olga Dejewa. Sie sei als Schülerin immer gerne gelaufen, habe an Wettkämpfen teilgenommen und wolle nun im nächsten Jahr am 14. Januar selbst an den Start gehen, als „Schneeflöckchen“, die Enkelin von „Väterchen Frost“, in dessen Kostüm ihr Kollege, Andrej Schochin, schlüpfen werde. Wenn da nicht Vorfreude aufkommt!

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