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Posts Tagged ‘Olga Dejewa’


Seit genau einhundert Jahren, seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders durch die Sowjetmacht, feiert man in Rußland am 14. Januar nach dem einstigen Julianischen Kalender das „Alte Neue Jahr“. Ein längst ins Brauchtum eingegangenes Fest, mit dem die zweiwöchigen Winterferien enden.

In Wladimir beging man diesen inoffiziellen Jahreswechsel am Sonntag mit der mittlerweile siebten Auflage des „Väterchen-Frost-Laufs“, an dem heuer bei frischen -6° C etwa 2.000 Weihnachtsmänner mit ihren Enkelinnen, den „Schneeflöckchen“, teilnahmen.

Die 600 m lange Strecke führte vom Goldenen Tor auf den Kathedralenplatz, wo Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und Oberstadtdirektor Andrej Schochin die schnellsten ebenso wie die am originellsten kostümierten Teilnehmer auszeichneten.

Lauf, Väterchen, lauf!

Der sportliche Ehrgeiz stand freilich nicht im Vordergrund. Es ging um den Spaß an der Gaudi, um gute Laune vor dem Start in den Alltag des neuen Jahres.

Deshalb gab es auch Preise für die jüngsten und ältesten Läufer ebenso wie für alle, die in Familienstärke antraten. Dabei sein war eben alles, gleich ob Hobby- oder Profisportler.

Olga Dejewa und Andrej Schochin

Und dann gab es da noch eine Ankündigung von Olga Dejewa. Sie sei als Schülerin immer gerne gelaufen, habe an Wettkämpfen teilgenommen und wolle nun im nächsten Jahr am 14. Januar selbst an den Start gehen, als „Schneeflöckchen“, die Enkelin von „Väterchen Frost“, in dessen Kostüm ihr Kollege, Andrej Schochin, schlüpfen werde. Wenn da nicht Vorfreude aufkommt!

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Ob die Premiere gelungen ist, werden später die Abschlüsse und Ergebnisse zeigen. Als nützlich erwies sich der erste Besuch einer Wirtschaftsdelegation des Freistaates Bayern in der Region Wladimir auf jeden Fall. Die nämlich wird häufig noch von außen als ökonomischer „Hinterhof“ von Moskau und mehr als kulturelles Zentrum wahrgenommen.

Dabei kann man in dem Gouvernement von der Größe des Bundeslandes Brandenburg auf eine lange Industrietradition verweisen, die von der Glasverhüttung bis zu chemischen Werken, von der Rüstung bis zur Lasertechnik reicht und auch ein großes Potential im Bereich Fahrzeugproduktion aufweist. Besonders von Bedeutung in jüngster Zeit darüber hinaus, so Vizegouverneur Alexej Konyschew, der Tourismus.

Begrüßung und Vorstellung im Sitzungssaal des „Hauses der Freundschaft“

Die Region Wladimir unterhält dabei engste Beziehungen zu Deutschland: 31 Unternehmen arbeiten unter Führung oder Beteiligung von Partnern aus der Bundesrepublik. Allein in diesem Jahr ist der Handel zwischen dem Gouvernement und Deutschland um 21% gestiegen.

Konrad Beugel und Roman Matwejew

Einen noch stärkeren Anteil daran verspricht sich nun auch die Metropolregion Nürnberg mit ihrer „Perle Erlangen“, wie IHK-Präsident Dirk von Vopelius anerkennend in Richtung Konrad Beugel bemerkt.

Botschaftsrat Thomas Multhaupt, Ministerialrat Martin Grossmann, Wirtschaftsreferent Konrad Beugel, Vizegouverneur Alexej Konyschew, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, Präsident der IHK Nürnberg Dirk von Vopelius, Präsident der IHK der Region Wladimir Iwan Axjonow, Leiter der Repräsentanz des Freistaates Bayern in Moskau Fjodor Chorochordin und Staatsminister a.D. Otmar Bernhard MdL

In der Tat hat Erlangen auch in wirtschaftlicher Hinsicht mit seiner Partnerschaft so manchen Impuls in Wladimir gesetzt, vom ersten Gemeinschaftsunternehmen „Transmoros“ in den frühen 90er Jahren über die Zusammenarbeit mit Busunternehmen bis hin zum Aufbau einer Brauerei und der Lieferung von Malz für das Bier „Jusberg“

Irina Chasowa und Richard Heindl

Aber auch die von Richard Heindl – er war 1993 mit der Fahrradstaffel des damaligen Wirtschaftsreferenten, Siegfried Balleis, zum ersten Mal in Wladimir – Mitte der 90er Jahre gegründete „Wirtschaftsakademie“, die sich, ebenso wie „Transmoros“, im Erlangen-Haus einmietete.

Kirill Gawrilow und Dirk von Vopelius

Alles eine gute Basis, aber Dirk von Vopelius und seine Wladimirer Gesprächspartner wollen mehr. Im nächsten Jahr veranstaltet die Region Wladimir eine Fachmesse mit den Schwerpunkten Automation und Robotertechnik, wo ein eigener Stand für die Bayern eingerichtet werden könnte, und man macht sich erste Gedanken über einen „Wladimir-Tag“ bei der IHK Nürnberg. Ob nun schon nächstes Jahr oder erst 2019 wird sich zeigen.

Dirk von Vopelius, Konrad Beugel, Swetlana Schelesowa, Thomas Multhaupt, Otmar Bernhard, Martin Grossmann, Claudia Schleicher und Axel Just

Während die Gespräche zwischen den Firmenvertretern im „Haus der Freundschaft“, dem ehemaligen Sitz des Stadtrates, weitergehen, besucht auf Initiative von Konrad Beugel eine kleine Abordnung das Erlangen-Haus. Swetlana Schelesowa, stellvertretende Leiterin des Sprachlernzentrums, darf sich dabei wieder einmal über viel Lob und Anerkennung freuen, vor allem dafür, wie es über all die Jahre seit der Eröffnung im Mai 1995 gelungen ist, sich selbst zu finanzieren und dabei nebenbei zu beweisen, daß auch eine von zwei Städten ins Leben gerufene Stiftung versteht, sich als Gästehaus und Sprachkursanbieter auf dem Markt zu behaupten.

Bevor die Delegation am frühen Abend via Moskau und nach einer Übernachtung dort heute wieder die Heimreise nach München antritt, steht aber noch der Besuch bei dem Fahrzeughersteller „Volgabus“ auf dem Programm. Das Anfang der 90er Jahre in Wolgograd gegründete Familienunternehmen produziert Busse in allen Größenordnungen und setzt dabei auch auf mit Erdgas oder Batterie betriebene Fahrzeuge (sogar autonome Prototypen gibt es im Angebot)  für den heimischen Markt, durchaus aber auch mit internationaler Perspektive. Was die Fertigung anbelagt, kooperiert man ohnehin schon vor allem mit Partnern aus Deutschland sowie Japan und China. Noch läuft die Montage – übrigens unter Einsatz von Kuka-Robotern – nicht auf Hochtouren, noch ist der Ausbau der für gut 600 Mitarbeiter geplanten Anlage mit später einmal fast 50.000 qm Fläche, eine halbe Autostunde vom Zentrum Wladimirs entfernt und an der Strecke nach Moskau gelegen, nicht abgeschlossen, aber die landesweit arbeitende Holding mit einem Marktanteil von etwa 17% berichtet bereits von Großaufträgen aus Moskau und Sankt Petersburg und hofft auch, am Standort selbst die eigenen Busse verkaufen zu können, immerhin geplante 1.200 p.a.

Axel Just 30

Volgabus

Wie gesagt, die Abschlüsse und Ergebnisse müssen zeigen, ob die Premiere gelungen ist. Aber bei „Volgabus“ freut man sich schon jetzt über die erste ausländische Wirtschaftsdelegation überhaupt, und bereits im nächsten Jahr will man eine Fachmesse in München besuchen, um spätestens dann die Gespräche fortzusetzen. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht. Ein guter, an dessen Zustandekommen, das soll nicht unterschlagen bleiben, Altoberbürgermeister Siegfried Balleis einen entscheidenden Anteil hatte: Siehe: https://is.gd/kIUW4X

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Beginnen wir bei den Unterschieden: Das Jugendparlament der Region Wladimir, dessen Mitglieder zwischen 16 und 30 Jahre alt sind, gibt es seit 2005, das Pendant in Erlangen blickt bereits auf 15 Jahre Erfahrung zurück. In der russischen Partnerstadt bewirbt man sich mit einer Empfehlung seitens einer Partei, Schule, Universität, Organisation oder Firma bei der Duma, der gesetzgebenden Versammlung des Gouvernements, und dem Nachweis, selbst eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen zu können.  In der Hugenottenstadt bewirbt man sich – ob Schüler oder schon in der Ausbildung im Alter von 12 bis 17 Jahren – selbst und wird, wenn alles gut geht, wie im Fall von Axel Just, für zwei Jahre gewählt, die gleiche Amtsperiode wie in Wladimir. Doch da gibt es – wieder anders als in Erlangen – keinen Haushalt für die Nachwuchspolitiker, sie müssen die notwendigen Mittel selbst einwerben, sei es über Sponsoren oder Ausschreibungen. Und damit machen die jungen Russen dann hauptsächlich Projektarbeit, für die ihre jeweiligen Ausschüsse verantwortlich zeichnen: von Kultur über Sport bis zu Wirtschaft oder Medien. Ausgesprochen ausdifferenziert und ausdrücklich professionell der Ansatz, was sicher auch mit dem Alter zu tun hat.

Axel Just und die Gruppe des Regionalen Jugendparlaments

Dennoch: Das Gemeinsame bei dem Treffen im Erlangen-Haus ist natürlich stärker als alle Unterschiede. Hier wie dort will die Jugend politische Prozesse verstehen, begleiten und gestalten, vor allem aber will man sich näher kennenlernen, und am Ende der Begegnung steht deshalb der Beginn einer neuen partnerschaftlichen Verbindung mit gegenseitigen Einladungen. Ein gelungener Einstand!

Axel Just beim Netzwerken

Während dann Axel Just zu seinem nächsten Treffen mit der katholischen Jugend aufbricht, kommt am späteren Nachmittag mit dem Zug aus Nischnij Nowgorod eine dreißigköpfige bayerische Wirtschaftsdelegation an, der auch Konrad Beugel, berufsmäßiger Stadtrat für Wirtschaft und Finanzen, angehört.

Konrad Beugel, Roman Matwejew und Olga Dejewa

Seit 17 Jahren im Amt – man glaubt es kaum – besucht Erlangens Kämmerer nun erstmals Wladimir. Doch die Gastgeber vermitteln ihm das Gefühl, schon immer dazugehört zu haben, und so besteht er denn auch bravourös die Feuertaufe mit einer Tischrede, gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Olga Dejewa beim abendlichen Empfang an die Geschäftsleute aus ganz Bayern gerichtet. Ein gelungener Einstand, der zuversichtlich macht für die heute und morgen bevorstehenden Gespräche und Besichtigungen.

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Auch am gestrigen Feiertag der „Einheit des Volkes“ blieb in Wladimir – wie offenbar im ganzen Land – alles ruhig. Gar nicht so selbstverständlich, diese Feststellung, wenn man ein paar Tage und Wochen zurückgeht in die Zeit, bevor der Film „Mathilde“ von Alexej Utschitel über die voreheliche Romanze des Zaren Nikolaus II mit einer Ballerina anlief. Was waren da nicht alles an Kapuzinaden und Schimpftiraden seitens selbsternannter Verteidiger der Lehre von der reinen russischen Selbstherrschergeschichte im Umlauf, Hetzpredigten, die in Drohungen religiöser Ultras und handfesten Anschlägen gipfelten, die schließlich gar dem deutschen Hauptdarsteller, Lars Eidinger, so viel Furcht einjagten, daß er es vorzog, der Premiere in Moskau fern und lieber im sicheren Berlin zu bleiben. Natalia Poklonskaja, Mitglied der Staatsduma und ideologische Scharfschützin im Kampf um das keusche Gedenken an den von der russisch-orthodoxen Kirche kanonisierten letzten Kaiser aus dem Hause Romanow, hatte nicht weniger 43 Verfehlungen des vorgeblich unpatriotischen Regisseurs und seines Teams der Staatsanwaltschaft angezeigt, und landauf, landab wetterten seit August überall Häuflein von Unduldsamen gegen den cineastischen Sittenverfall, ohne den Streifen überhaupt je gesehen zu haben. Auch in Wladimir formierte sich ein Stoßtrupp von Sittenwächtern gegen das vorgebliche Machwerk, und immerhin schätzten die Behörden das Bedrohungspotential – wohl auch unter dem Eindruck eines Anschlags in Jekaterinburg – als groß genug ein, um am 26. Oktober, dem Tag, als „Mathilde“ in der Partnerstadt seine Erstaufführung erlebte, Polizeikräfte in der Nähe der Kinos mit der Anweisung in Bereitschaft zu versetzen, im Falle von Provokationen unverzüglich die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

„Der Film Mathilde verleumdet Rußland und das Volk!“ – „Den Verleih des Films Mathilde verbieten!“ – „Den Film Mathilde zu sehen, verdirbt die Seele!“

Aber es blieb ja, gottlob, ruhig bisher. Sicher auch dank der besonnenen Reaktion von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die im Wladimirer Stadtrat meinte, es habe schon immer strittige Filme gegeben und man solle sich doch nicht von Provokateuren an die Leine legen lassen:

Es gibt tatsächlich schräge Persönlichkeiten, die diese Welle in Gang setzen, ganz ohne Anlaß und Grund übrigens. Es ist deshalb jedermanns persönliche Entscheidung, sich den Streifen anzusehen oder nicht, sich dafür zu interessieren oder nicht. In jedem Fall ist das eine kostenlose Werbung für den Film.

Szene aus „Mathilde“

Nun ist das Corpus delicti auch in Deutschland mit dem einordnenden Untertitel „Liebe ändert alles“ zu sehen, und schon diagnostiziert die Süddeutsche Zeitung, der Kostümfilm triefe vor Kitsch und Pathos. Nun, auch dazu mache sich jedermann seinen eigenen Reim, vielleicht nach der Lektüre dieses Artikels aus der FAZ: https://is.gd/hlbdir. Aber es blieb ja, gottlob, ruhig bisher, und das möge auch so bleiben. Nicht nur am „Tag der Einheit des Volkes“, mit dem es übrigens folgende Bewandtnis hat: https://is.gd/VLVER6

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„Wladimir empfängt uns mit einem Regenbogen, wunderschön aufgespannt!“ So macht der Blog von Gertrud Härer auf, der sich noch einmal hat reparieren lassen und all die unglaublichen Berichte von der Strecke Erlangen – Wladimir enthält.

Getrud Härer unterm Willkommen-Regenbogen in Wladimir

Am Donnerstagabend zusammen mit Jonas Eberlein, ihrem Begleiter seit Wolokolamsk, eingetroffen, hat sich die Langstreckenradlerin gestern der Delegation von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens angeschlossen und bereitet sich nun auf den Halbmarathon am Sonntag vor. Mit Ruhephasen und nur kleinen Trainingseinheiten, denn das Strampeln über 3.255 km hat sicher keinen Muskelschwund verursacht.

Jonas Eberlein und Gertrud Härer unter den Bögen des Goldenen Tors

Aber vor den Preis setzten die Götter den Schweiß und die russischen Gesetze eine eingehende ärztliche Untersuchung auf Herz und Nieren. Einfach nur auf eigene Verantwortung die Startnummer angeheftet und losgerannt, – das läuft hierzulande nicht.

Joachim Kokott, Susanne Lender-Cassens, Gertrud Härer, Manuel Schmidt, Jonas Eberlein, Fredi Schmidt

Also geht es nüchtern in Sportmedizinische Zentrum von Wladimir, wo die wichtigsten Körperfunktionen in mehreren Durchläufen untersucht, wo gewogen und gemessen und Urin- sowie Blutproben genommen werden. Eine Prozedur, die normalerweise bis zu zwei Tage dauern kann, für die eiligen Gäste aber so getaktet ist, daß nach zwei Stunden die Ergebnisse vorliegen und die Atteste ausgestellt sind. In einem Fall freilich, der Datenschutz gebietet da Stillschweigen, legt der Befund eine weitere Untersuchung zu Hause nahe. Mal sehen, ob das Feld morgen noch weiter ausgedünnt ist, nachdem ja schon John Stackmann seine Teilnahme hat absagen müssen.

Empfang im Rathaus mit Olga Dejewa für die Gäste aus Erlangen: Othmar Wiesenegger, Jonas Eberlein, Fredi und Manuel Schmidt, Susanne Lender-Cassens, Gertrud Härer und Joachim Kokott

Beim Empfang im Rathaus stellt dann Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens vor allem den Sport und die Umwelt in den Mittelpunkt ihrer Wünsche für den weiteren Austausch. Gefragt nach ihren sonstigen politischen und administrativen Aufgaben, entfährt Oberbürgermeisterin Olga Dejewa ein: „Das schafft nur eine Frau!“ Wer wollte da widersprechen…

Marina Ilina, Nadeschda Troschina, Alexej Panfilow, Susanne Lender-Cassens, Jelena Petrowitschewa und Ljubow Naumowa

Zumal dies auch nur Auftakt des Arbeitsprogramms war, gefolgt von einem Gespräch an der Universität mit Vizerektor Alexej Panfilow, der unlängst ja Erlangen – zum wiederholten Male – besucht hatte und alles daransetzen will, die Verbindungen zur Friedrich-Alexander-Universität  auszubauen. Dazu will Nadeschda Troschina in der nächsten Woche Gespräche im Rahmen eines Erasmus-Plus-Programms mit den fränkischen Kollegen führen, dazu plant Marina Ilina, Leiterin des Instituts für Biologie und Ökologie die Intensivierung ihrer Kontakte zum Lehrstuhl für Umweltverfahrenstechnik, dazu hält Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhl für Neue und Neueste Geschichte an der FAU, im Oktober einen Vortrag in Wladimir zum Thema „100 Jahre Oktoberrevolution“ dazu erwartet man schon am Sonntag wieder für drei Wochen vier Austauschstudenten vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde…

Jonas Eberlein, Susanne Lender-Cassens, Jewgenij Jaskin und Gertrud Härer

Weiter soll es auch im Medizinaustausch gehen. Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses, wünscht sich für eine Gruppe von Pflegekräften eine Hospitation in Erlangen und trifft bei der gelernten Krankenschwester, Susanne Lender-Cassens, damit natürlich auf offene Ohren.

Susanne Lender-Cassens in der Schule Nr. 23 mit Dominik Steger und Robin Bockelmann, zweite Reihe rechts außen

Und dann der Besuch an der Schule Nr. 23, die seit Ende der 90er Jahre einen regelmäßigen Austausch mit dem Emmy-Noether-Gymnasium pflegt und sich immer wieder auch durch Schüler hervortut, die nicht nur über herausragende Sprachkenntnisse verfügen, sondern auch Projekte – etwa zum Thema Kriegsveteranen – über Jahre vorantreiben. Und dann ist da noch die Schülerin, deren Vater in ihrem heutigen Alter zu den ersten gehört hatte, die am Austausch teilnahmen. Nun kommt sie Ende des Monats zum ersten Mal selbst nach Erlangen. Eine Tradition, die sich gerne fortsetzen darf, wenn das Mädchen einmal selbst Mutter geworden. Zu dem Termin dazugestoßen sind übrigens auch noch die beiden Studenten an der Berliner Charité, Robin Bockelmann und Dominik Steger, die gerade ihr Pflegepraktikum in Wladimirer Krankenhäusern abgeschlossen haben.

Susanne Lender-Cassens mit Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Fragt man Susanne Lender-Cassens nach ihren Eindrücken vom ersten Wladimir-Besuch, sprudelt ihr die Begeisterung nur so von den Lippen, auch wenn bisher noch keine Zeit war, die Stadt zu erkunden. Aber: „Es ist wirklich unglaublich, was da für ein Beziehungsnetz aufgebaut wurde, was da alles an Austausch möglich ist.“

Susanne Lender-Cassens und der gemischte Chor des Zentrums für Chormusik

Damit da auch kein Stillstand zu befürchten ist, besucht die musikbegeisterte Bürgermeisterin am Abend dann auch noch eine Probe des gemischten Chors am Zentrum für Chormusik. Das Ensemble steht in der Tradition des von Eduard Markin schon in den 70er Jahren ins Leben gerufenen Chors, der aus der Geschichte der Partnerschaft nicht wegzudenken ist. Nun soll versucht werden, für die Gruppe eine Gastspielreise nach Erlangen zu organisieren. Vielleicht, geht es nach Susanne Lender-Cassens, schon 2018, wenn Erlangen und Wladimir ihr 35jähriges Jubiläum feiern.

Susanne Lender-Cassens im Herzen von Wladimir

Am späteren Abend bleibt dann doch bloß, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa zuzustimmen: „Das schafft nur eine Frau!“ Eine Sentenz, die natürlich auch für Gertrud Härer gilt.

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Als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena pflege ich auch einen sehr regen Austausch zwischen Frauen aus unseren Partnerstädten. Schwerpunkte liegen dabei auf Netzwerkbildung bei den Themen „Häusliche Gewalt“, „Alltagsbewältigung“ und ….

Cornelia Bartlau und Olga Dejewa

Nach Reisen in die Partnerstädte Jenas, Berkeley und Lugoj, fuhren in diesem Jahr elf Frauen nach Wladimir. Vom 5. bis 10. Mai mieteten wir uns im Erlangen-Haus ein und waren dort sogleich begeistert vom herzlichen Empfang durch Irina Chasowa, von den gemütlichen Zimmern und vom praktischen Gemeinschaftsraum mit Balkon. Wir fühlten uns in diesem Haus wie in einer großen Wohngemeinschaft. Von dem üppigen Frühstück, welches jeden Morgen für uns wie ein kleines Kunstwerk vorbereitet wurde, schwärmten vor allem diejenigen, die den süßen Start in den Tag bevorzugen.

Frauendelegation aus Jena im Erlangen-Haus

Für fast alle Frauen war es die erste Reise nach Rußland, die erste Begegnung mit russischer Kultur und Menschen in unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen.

Patriarchengarten

Wir wurden sehr herzlich von der Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, empfangen. Sie begleitete unsere Delegation im Patriarchengarten mit seinem einzigartigen Blick auf die Altstadt, und Walentina Blinowa, seit 25 Jahren dort angestellt, gab uns einen interessanten Einblick in die Geschichte und in die innovativen Zukunftsvorstellungen des Parks. Wir durften uns in das Gästebuch eintragen, welches auch Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew schon für seinen Eintrag in den Händen hielt.


Danach ließ es sich Frau Dejewa nicht nehmen, uns die neugestaltete Fußgängerzone zu zeigen. Auch für mich war vieles neu, vor allem aber überraschte mich, wie ein Stück altes Wladimir so geschmackvoll wiederhergestellt wurde. Ein Bummel bei Sonnenschein wäre ganz sicher noch schöner gewesen, so zog es uns schnell in die warmen Stuben der Souvenirläden. Interessant hier, wie nicht nur viel selbstgemachtes Handwerk verkauft, sondern wie auch Frauen vor Ort ihr Können öffentlich zeigen. Die wunderschönen Schatullen mit der Lackkunstmalerei sind immer wieder ein Hingucker und exotisches Mitbringsel für Freunde zu Hause.
Der Besuch im Wladimirer „Frauenhaus“ wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Mit sehr viel Engagement und großer städtischer Unterstützung finden hier Frauen für einen begrenzten Zeitraum nicht nur eine Unterkunft, sondern auch psychologische und soziale Unterstützung. Den Kontakt zu dieser Einrichtung gibt es schon über einige Jahre, und die Leiterin, Alla Gawrilowa, konnten wir im letzten Jahr zu unserer Tagung „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ in Jena begrüßen.


Susdal, gerade mal 30 Kilometer von Wladimir entfernt, stand ganz oben auf dem Besichtigungsplan. Dank unserem Freund Peter Steger konnten wir diese Fahrt mit Jelena Ljubar machen. Ich war ja schon oft in dort, aber noch nie habe ich es so schön erlebt. Jelena verstand es einfach hervorragend, für uns die Geschichte lebendig werden zu lassen. Wir gingen durch jahrhundertealte Klöster, den Kreml, und immer wieder überraschte unsere Führerin mit einer erfrischend modernen, lockeren Sprache über Details und Zusammenhänge der russischen Kultur. Wir haben es sehr genossen, mit ihr sechs Stunden durch die Stadt zu gehen, und immer hatte sie ein wachsames Auge auf uns. Als eine Teilnehmerin von uns fehlte bemerkte sie es als erste. Mit ihren Anweisungen an den Taxifahrer konnten wir die Vermißte wieder „einfangen“.

Mit Jelena Ljubar in Susdal

Den Abschluß unserer kurzen Reise krönten wir mit dem Besuch der Festlichkeiten zum 9. Mai, dem Tag des Sieges. Obwohl es eiskalt war und leichter Regen fiel, waren viele Wladimirer Frauen, Männer und Kinder auf den Beinen, trugen zu Tausenden das Bild eines gefallenen Angehörigen vom Großen Vaterländischen Krieg. Nach den offiziellen Reden bekam der Tag einen Jahrmarktcharakter mit viel Musik, Tanz zum Mitmachen und Leckerein aller Art.

Wir haben uns in die warme Wohnung einer russischen Familie aufgemacht, die uns alle herzlich eingeladen hatte. Zuerst trauten sich nicht alle Frauen, zweifelten daran, dass wir alle elf Personen Platz hätten. Aber ich kenne die russische Gastfreundschaft und wußte: Das ist kein Problem. Keine fünf Minuten nachdem wir angekommen waren, hatte jede einen Sitzplatz, ein Schnapsglas, und das Essen roch schon aus der Küche. Eine Teilnehmerin fragte unsere Gastgeberin, Sonja Babanina, wie denn das russische Gericht genannt werde und ob es traditionell sei. Mit dem einzigartigen Humor, den ich nur bei Sonja kenne, antwortete sie: „Das sind ja nur Kartoffeln mit Fleisch aus der Dose, ihr seid so viele, und es mußte schnell gehen!“ Gelacht und geredet haben wir viel in den zwei Stunden. Sonja, als ehemalige Deutschlehrerin bei einigen Jugendaustauschbegegnungen im Rahmen von „Mix-Tour“ unsere Übersetzerin, konnte jede neugierige Frage der Deutschen in deren Sprache beantworten.

Uns haben die Begegnungen sehr beeindruckt. Die Menschen in Rußland besitzen eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir hier nicht kennen.


Eine Reise in eine unserer Partnerstädte ist mehr als eine touristische Tour, sie öffnet die Herzen für Verständnis und Freundschaften – in den heutigen Zeiten ein kostbares Gut.


Für uns war es ein großer Schritt nach Wladimir, aber hoffentlich auch viele kleine Schritte für eine kommende Städtepartnerschaft im Dreieck mit Erlangen.

Cornelia Bartlau
Gleichstellungsbeauftragte

s. auch: https://is.gd/37RoHP

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Im vergangenen Jahr hat Cornelia Bartlau, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena, ein Frauentreffen mit Vertreterinnen aus allen Partnerstädten, darunter auch Erlangen und Wladimir, an der Saale organisiert. Eines der Ergebnisse bestand darin, auch einmal die weibliche Lebens- und Arbeitssituation in Wladimir aus eigener Anschauung kennenlernen zu wollen.

Wasserpumpen: Cornelia Bartlau und Olga Dejewa

Nun ist dieser Gegenbesuch auch tatsächlich über die Mai-Feiertage zustande gekommen, wenn auch leider ohne Beteiligung aus Erlangen, und Oberbürgermeisterin Olga Dejewa erwies den Gästen persönlich die Ehre, begleitete die Delegation in den Patriarchengarten mit seinem einzigartigen Blick auf die Altstadt.

Die Frauendelegation aus Jena mit Irina Chasowa, Cornelia Bartlau und Olga Dejewa (2., 3. und 4. v.l.)

Ein Reisebericht steht noch aus, aber aus dem Rathaus der Partnerstadt und dem Erlangen-Haus ist bereits zu erfahren, es habe ein Besuch des Frauenhauses und verschiedener sozialer Einrichtungen stattgefunden. Auch einen ersten konkreten Ansatz für eine künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir im Bereich von Kindergärten sei in Sicht.

Botanische Führung durch den Patriarchengarten

Da kommt aber sicher noch mehr, denn Cornelia Bartlau ist eine Frau der Tat. Sie initiierte bereits in den 90er Jahren einen Jugendaustausch zwischen Jena und Wladimir, der bis heute fortwährt und konnte schon mit ihrer Freiwilligeninitiative das Partnerschaftsdreieck Erlangen – Jena – Wladimir mit vielfältigem Leben erfüllen. Warten wir also ab, was da kommen wird.

Blick aus dem Fenster mit Roman Jewstifejew, gestern in Wladimir

So schön wie zu Beginn des Aufenthalts am 4. Mai blieb es in Wladimir nicht. Während wir hierzulande gestern endlich den Wonnemonat von seiner schönsten Seite genießen durften, verhagelt das Wetter buchstäblich den Frühling in der Partnerstadt. Es ist mittlerweile derart kalt und unwirtlich geworden, daß man für die Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser wieder die Fernwärme aufgedreht hat.

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