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Posts Tagged ‘Nina Olschewskaja’


Gestern vormittag verstarb in einem Moskau Krankenhaus mit 89 Jahren einer der ganz Großen des „Goldenen Zeitalters“ des sowjetischen Films, Alexej Batalow, nachdem er tags zuvor noch die Sterbesakramente erhalten hatte. Der vielfach ausgezeichnete und ganz außerordentlich populäre Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Pädagoge hatte mütterlicherseits Wladimirer Wurzeln, die das Portal Zebra-TV nachzeichnet. Der Publikumsliebling wurde nämlich am 20. November 1928 in Wladimir als erster Sohn des Schauspielerpaars Nina Olschewskaja und Wladimir Batalow geboren, obwohl seine Eltern damals bereits in Moskau lebten. Die Ehe ging bald auseinander, doch die Verbindung – wenngleich problematisch – zu Wladimir blieb bestehen.

Alexej Batalow

Der Halbbruder und Schriftsteller, Michail Ardow, berichtet in seinen Erinnerungen, der Vater der gemeinsamen Mutter, Anton Olschewskij sei Tierarzt und Sohn des Oberförsters im Gouvernement Wladimir gewesen, verheiratet mit einer polnischen Gräfin aus dem Hause Poniatowki. Die beiden hatten ohne den Segen der Eltern geheiratet und waren von Polen nach Wladimir gekommen. Außerdem sei Nina Olschewskajas Großvater ein Nachfahre eines Teilnehmers am Polnischen Aufstand 1863 und im Wladimirer Zentralgefängnis eingesperrt gewesen. Des Schauspielers Großmutter, Antonina Olschewskaja, entstamme mütterlicherseits dem Dienstadelsgeschlecht der Narbekows und habe in Wladimir erfolgreich als Zahnärztin gearbeitet sowie sich politisch als Mitglied der Sozialistischen Revolutionäre betätigt, also in Opposition zu den Bolschewiken. Die Familie hatte ein Haus ganz im Zentrum, unweit der Kathedralen, wo Nina Olschewskaja schon als Kind den Gottesdienst besuchte. Doch schon 1925 zog sie nach Moskau, wo sie mehr Gelegenheit hatte, ihr schauspielerisches Talent zu entwickeln.

Zum lebenslangen Bruch mit Wladimir kam es allerdings mit der Verhaftung der Eltern von Nina Olschewskaja im Jahr 1937. Die Kommunisten hatten Nina Olschewskaja ihre führende Rolle in der Opposition nicht verziehen. Zehn Jahre war sie im Zentralgefängnis eingesperrt, ihr Mann überlebte die Haft nicht. Erst in den 70er Jahren besuchte die Schauspielerin mit ihrem Sohn Michail noch einmal ein Dorf in der Region Wladimir, weigerte sich aber kategorisch, in Wladimir auf den Zug nach Moskau zu warten. Anders Alexej Batalow, der ab und an noch – im weißen „Wolga“ – den Ort besucht haben soll, wo sein Elternhaus in Wladimir gestanden hatte. Freilich auch ohne besonders herzliche Gefühle angesichts der Geschichte seiner Großeltern. Traurig, aber verständlich.

Alexej Batalow

Hinterlassen hat Alexej Batalow unsterbliche Filme, von denen auch viele im Westen bekannt sind wie „Moskau glaubt den Tränen nicht“, „Die Kraniche ziehen“, „Die Dame mit dem Hündchen“ oder „Ein Regenschirm für Verliebte“. Beigesetzt wird er nun auf dem Preobraschenskij-Friedhof in Moskau neben seiner Mutter aus Wladimir. Den Tränen dort darf man glauben.

 

 

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