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Posts Tagged ‘Nikolaj Winogradow’


Vor hundert Jahren beantwortete Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“, wie beim Diskussionsforum Prisma vorgestern von Roman Jewstifejew zitiert, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit so: „Für die Menge das, was man ständig liest und hört… Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, um sie ununterbrochen zu wiederholen.“ Heute wissen wir, der Okzident ist zwar durchaus krisenanfällig, beweist aber weiterhin seine Vitalität, und gestern erfuhren die Erlanger Gäste nun auch, wie man als ein von zwei Geschäftsleuten Anfang der 90er Jahre gegründetes und bis heute erfolgreich betriebenes Medienunternehmen in Wladimir – zunächst als Radiosender, dann als TV-Station und nun seit einigen Jahren ausschließlich als regional ausgerichtetes Internetportal – anständig Geld verdienen kann und überlebt, ohne dem Publikum und den Werbekunden ein X für ein U vorzumachen: mit ausgewogener Berichterstattung, immer an Fakten und objektiven Maßstäben ausgerichtet, angesiedelt zwischen den regierungstreuen Staatsmedien und einem fundamentaloppositionellen Journalismus. Derart viel und intensiv an einem späten Vormittag über das Wesen der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen Politik und der Freiheit des Wortes, zwischen ökonomischen Zwängen und Berufsethos erfahren zu können, hätte der Journalist Wolfgang Mayer so nicht erwartet, und man darf gespannt sein, wie er über diese Begegnung mit seinem Wladimirer Kollegen, Chefredakteur Sergej Golowinow von Zebra-TV, schreiben wird. Dem soll hier deshalb auch nicht vorgegriffen werden.

Sergej Golowinow, Gerda-Marie Reitzenstein, Julia Obertreis, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Amil Scharifow

Ausgespart bleiben für heute auch viele weitere Stationen des gestrigen Tages, der seinen Höhepunkt in einem Empfang für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei Gouverneur Wladimir Sipjagin in der Staatskanzlei fand, im sogenannten „Weißen Haus“ der Region Wladimir. Eine Zeitenwende – der Begriff erscheint angemessen – wenn man bedenkt, daß es in den letzten fünf Jahren, in der Regierungszeit der abgewählten Landesmutter, Swetlana Orlowa, auf politischer Ebene keinerlei Zusammenarbeit mit dem Gouvernement gab, ungeachtet all der vielen Vorstöße und Vorschläge aus Erlangen, ungeachtet der guten Tradition des Austausches und der Begegnungen unter ihren Vorgängern, Nikolaj Winogradow und Jurij Wlassow.

Wladimir Sipjagin und Elisabeth Preuß

Wladimir Sipjagin, erst vor einem Monat – übrigens mit dem Versprechen, die Pressefreiheit zu schützen und keine Drangsalierung der Medien zu dulden – in sein Amt eingeführt, erweist sich im Gespräch mit seinem Gast als umfassend informiert über die Partnerschaft und hebt nicht nur die Bedeutung des Erlangen-Hauses hervor, sondern weist auch auf die gelungene Aussöhnung zwischen den Kriegsveteranen aus beiden Städten hin und will ganz offensichtlich diese auf Ebene des Gouvernements unterbrochene Tradition fortsetzen, wobei er sich offen für jede Art der Zusammenarbeit etwa mit der Metropolregion Nürnberg oder der dortigen IHK zeigt, sich aber auch gemeinsame Projekte in den Bereichen Umwelt und Soziales oder Medizin vorstellen kann. „Da ist bei allem, was schon im Austausch zwischen unseren Städten passiert, noch viel Luft nach oben“, freut sich Elisabeth Preuß und überbringt dem Gastgeber die herzliche Einladung von Oberbürgermeister Florian Janik nach Erlangen. „Ich komme gerne“, erwidert der Hausherr, „und wir werden meinen Besuch gut vorbereiten, damit wir dann auch gleich Verträge für eine erweiterte Zusammenarbeit unterzeichnen können.“ Willkommen!

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Seit gestern ist Wladimir Sipjagin ganz offiziell Gouverneur der Region Wladimir. Seine gestrige Einführung in das höchste Amt des Gouvernements gestaltete der vormalige Abgeordnete der Regionalduma so, wie er sich seine Regierungszeit vorstellt: ohne Pomp, effektiv und mit Bodenhaftung. Das 48jährige Mitglied der Liberaldemokratischen Partei hatte am 23. September, wie berichtet, seine Vorgängerin, Swetlana Orlowa, in der Stichwahl – allein die Favoritin des Kreml in diesen Zweikampf gezwungen zu haben, galt schon als Achtungserfolg – und deklassierte das Mitglied der Partei Einiges Rußland mit einem Ergebnis von 57,03% vs. 37, 46% der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von für Wladimirer Verhältnisse erstaunlich hohen 38,29%.

Erzbischof Jewlogij, Olga Chochlowa, Alissa Axjonowa und Nikolaj Winogradow bei der Inauguration von Wladimir Sipjagin, gesehen von Sergej Krawzow

Wladimir Sipjagin zieht nun als vierter Gouverneur der postsowjetischen Periode in die „Staatskanzlei“ und folgt Jurij Wlassow (1990 – 1996) von der mittlerweile aufgelösten Partei „Demokratische Wahlen Rußlands“, dem Kommunisten Nikolaj Winogradow (1997 bis 2013) und besagter Swetlana Orlowa, die als politisches Schwergewicht, als stellvertretende Vorsitzende des Föderationsrats, angetreten war und nun – wie sie sich selbst einmal ausdrückte – die „Wladimirer Hölle“ verlassen wird. Bei der gestrigen Amtseinführung von Wladimir Sipjagin ward sie übrigens schon nicht mehr gesehen.

Wladimir Sipjagin, gesehen von Sergej Krawzow

Wladimir Sipjagin, dem Erlangens Oberbürgermeister, Florian Janik, bereits, verbunden mit einer Einladung nach Deutschland, schriftlich gratulierte, wurde zwar in Charkow geboren, doch das eher zufällig, weil sein Vater, ein Militär, gerade dort stationiert war. Leben und Arbeit des neuen Gouverneurs sind eng mit Wladimir verbunden, wo er die ganzen 90er Jahre über in verschiedenen Funktionen in der Wirtschaft sowie im Bankenwesen arbeitete, bevor er 2001 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft besuchte, wo er später dann auch den Magisterabschluß erlangte. 2013 dann der Sprung ins Regionalparlament (Duma), wo er verschiedene Ausschüsse leitete. Übrigens war er damals schon gegen Swetlana Orlowa angetreten, die das Amt zuvor kommissarisch innehatte, landete aber weit abgeschlagen mit nicht einmal 4% der Stimmen ganz hinten im Feld, während die nun unterlegene Politikerin damals fast 75% der Wähler hinter sich hatte bringen können. Der Vater zweier Töchter und Söhne hat nun fünf Jahre Zeit, den Menschen zu zeigen, wie man es besser machen kann als seine Vorgängerin. Dazu wünscht man ihm auch aus Erlangen gutes Gelingen.

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Die Geschichte, die heute erzählt werden will, beginnt Anfang der 90er Jahre, als sich in Nördlingen, angeregt von den Aktionen Rothenburgs in Susdal, eine Initiative mit dem Ziel gründete, in Jurjew-Polskij, etwa 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, humanitäre Hilfe zu leisten, ganz konkret, von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie. Von den Behörden ließ man sich eine Liste bedürftiger Personen geben und immer im Januar besuchte dann über Jahre hinweg eine Bürgergruppe aus dem schwäbischen Bayern die 1152 von Jurij Dolgorukij, dem Gründer von Moskau, erbaute einstige Fürstenresidenz und verteilte Pakete mit vor Ort gekauften Hilfsgütern, die einen Gruß des Absenders enthielten, um der Sache die Anonymität zu nehmen. Diese Art der Hilfe, die auch in den umliegenden Dörfern geleistet und später ganz auf Geldspenden umgestellt wurde, kam gut an, und die vielen nach Nördlingen geschickten Dankesbriefe schufen ein immer engeres Netz von Freundschaften. Im Gefolge der humanitären Aktionen, unterstützt auch von der Erfahrung Erlangens, entstanden auch Verbindungen zum Roten Kreuz, zu Altenheimen und Krankenhäusern, und sogar ein Schüleraustausch kam in Gang. 1993 kam die erste Gruppe aus Jurjew-Polskij nach Nördlingen; auf Einladung von Thomas und Rosi Held auch dabei die damals fünfzehnjährige Jelena Losinskaja. Sie hatte für ihren Großvater – unter Stalin repressiert und später rehabilitiert stand er auf der Bedürftigenliste – den Dankesbrief geschrieben, und die Empfänger luden sie nun spontan ein. Die Schülerin begann, Deutsch zu lernen – übrigens auch im Erlangen-Haus -, kam wieder, die deutschen Gastgeber erwiderten die Besuche, kehrten noch mindestens sieben Mal, sogar mit den eigenen Söhnen, zurück in die Stadt am Kleinen Goldenen Ring mit 17.000 Einwohnern. Eine Freundschaft war geboren, die von Jahr zu Jahr enger wurde: Längst betrachten die Helds Jelena Losinskaja, mittlerweile selbst Mutter eines Sohnes und seit zehn Jahren in Wladimir wohnhaft, wo sie für die Moskauer Schokoladenfabrik „Krasnyj Oktjabr“ die Geldbewegungen überwacht, als ihr drittes Kind.

Thomas und Rosi Held mit Jelena Losinskaja

In den letzten Jahren reist das Ehepaar nicht mehr so viel, aber die „Adoptivtochter“ besucht die beiden ja regelmäßig. Der Austausch zwischen Nördlingen und Jurijew-Polskij hingegen ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Dabei sah es so vielversprechend aus: Sogar Nikolaj Winogradow, damals Gouverneur der Region Wladimir, besuchte mit einer offiziellen Delegation und Peter Steger, Erlangens Partnerschaftsbeauftragter, die ehemalige Reichsstadt, um für eine offizielle Partnerschaft zu werben, aber auf beiden Seiten wagten die Rathäuser den Sprung nicht. Ohne kommunale Strukturen und Unterstützung fehlte es auf Dauer der losen Bürgerinitiative an Kraft, viele der Aktiven wurden alt und krank, verstarben. Heute sind nur noch wenige private Freundschaften am Leben, darunter die nun schon „deutsch-russische Familie“ Held-Losinskaja, die bis heute Freud und Leid miteinander teilt und nun ein Wiedersehen in Wladimir plant. Thomas Held, der aus der humanitären Hilfe für sich den Schluß zieht, es sei schwerer zu nehmen als zu geben, meint dazu: „Nach so vielen Jahren würde es mich schon reizen, einmal wieder hinzufahren und mir Zeit zu nehmen.“ Zeit, um zu sehen, was aus den Menschen in Jurjew-Polskij geworden ist, die aus Nördlingen so viel Hilfe erfahren haben, Zeit aber auch, um zu erleben, was Jelena Losinskaja aus ihrem Leben und der schwäbischen Unterstützung gemacht hat, Zeit, um zurückzublicken auf ein gelungenes gutes Werk.

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Ob es nun, wie laut Angaben der Polizei 7.500 oder nach Schätzungen der Veranstalter sowie russischer und ausländischer Medien fast 25.000 Menschen waren, die gestern auf Moskaus Straßen an den ersten Todestag des Oppositionspolitikers, Boris Nemzow, erinnerten, sei dahingestellt. Bemerkenswert aber: Erstmals haben die staatlichen Medien über die friedlichen Protestveranstaltungen berichtet, und das, ohne den ermordeten ehemaligen Gouverneur von Nischnij Nowgorod und stellvertretenden Ministerpräsidenten unter Boris Jelzin, als Volksfeind und Vaterlandsverräter zu beschimpfen. In Zeiten, wo jeder Abweichler vom Kreml-Kurs Gefahr läuft, zumindest der „Fünften Kolonne“ zugerechnet und als „Agent des Westens“ enttarnt zu werden, der seine Silberlinge aus dem Ausland erhalte, darf man das nachgerade als Geste der Verständigung sehen und als Zeichen für einen inneren Frieden begreifen, den man dem Land von Herzen wünschen möchte.

Ermordet für die Freiheit

Ermordet für die Freiheit

In Wladimir war das Häuflein derer, die sich aus Anlaß des Attentats auf den eloquenten Sprecher der Andersdenkenden im Stadtpark versammelt hatten, überschaubarer, leichter durchzuzählen. Zusammengekommen war die Trauergemeinde an der „Speakers‘ Corner“, wo dank einem Erlaß des damaligen Gouverneurs, Nikolaj Winogradow, seit 2013 Demonstrationen und Kundgebungen ohne behördliche Genehmigung gestattet sind.

Zum Gedächtnis

Zum Gedächtnis

Gestört fühlten sich die Veranstaltungsteilnehmer in ihrer freien Meinungsäußerung nur durch den Lärm von Schneeräumfahrzeugen, die in unmittelbarer Nähe ihren unaufschiebbaren Auftrag erfüllten, der freilich nicht länger dauerte als die Kundgebung selbst. Viele fühlten sich deshalb an den Besuch von Michail Kassjanow erinnert, der in der ersten Amtszeit von Wladimir Putin Ministerpräsident war und nun für das „Andere Rußland“ steht. Als der nämlich am 11. Februar zu einer Pressekonferenz nach Wladimir kam, wurde er – medienwirksam – von einer Riege eierwerfender Gegner seines „Westkurses“ und einem defekten Kipper empfangen, die vereint den Zugang zum Veranstaltungsort erschwerten.

Gedenkveranstaltung für Boris Nemzow in Wladimir

Gedenkveranstaltung für Boris Nemzow in Wladimir

Gestern blieben im Schatten des Riesenrades derartige Provokationen mit fliegenden Lebensmitteln aus, sieht man einmal ab von dem einsamen Vertreter der radikal-nationalistischen „Volksbefreiungsbewegung“, die in jüngster Zeit immer wieder mit ähnlichen Plakaten vor den Redaktionen oppositioneller Wladimirer Medien auftaucht und die Öffentlichkeit über die „zersetzende Wirkung“ der „im Sold des Westens“ stehenden Journalisten aufklärt.

Boris Nemzow 1

Willst du den Maidan, dann fahr nach Magadan. Verräter der Nation sind die Fünfte Kolonne. Haut ab aus Rußland!

Nochmals: Nichts ist der russischen Gesellschaft mehr zu wünschen, als eine Kultur der politischen Toleranz, eine Versöhnung mit sich selbst, besonders im Hinblick auf die im Herbst anstehenden Parlamentswahlen. „Wer Mord und Schmerz sät, kann nicht erwarten, Liebe und Freude zu ernten“, galt schon für Pythagoras. Sich gegenseitig zu Feinden zu erklären, einander buchstäblich ins Visier zu nehmen, endet denn auch so, wie vor einem Jahr geschehen. Möge es nie mehr solch blutige Jahrestage geben!

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Fragt man nach dem Erfolgsrezept der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, gehört zu den wichtigsten Zutaten unbedingt die Kontinuität in den kollegial-freundschaftlichen Beziehungen der politischen Spitzen hier wie dort. Das weiß niemand besser als Nikolaj Winogradow, der in seiner Amtszeit von 1996 bis 2013 stets darauf bedacht war, zu Erlangen auf allen Ebenen beste Kontakte zu unterhalten, alte Freundschaften zu pflegen und immer bereit zu sein, auch neue Verbindungen einzugehen. Stets im Geist der Verständigung und unter seinem Motto: „Es gibt keine schlechten Völker, Nationen oder Parteien, es gibt nur schlechte Menschen.“

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Nach Erlangen freilich ist der Politiker im Ruhestand gekommen, um all die guten Menschen wiederzusehen, die er in den Jahren einer engen Zusammenarbeit kennengelernt hatte. Besonders freut es ihn da, nun auch zum ersten Mal mit Florian Janik zusammenzutreffen und sich davon überzeugen zu können, wie sehr sich Erlangens Oberbürgermeister in der Tradition seiner Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, sieht, gerade wenn es um die Bedeutung der deutsch-russischen Verständigung geht. Da verstehen sich die beiden auf Anhieb.

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Von einem alten Freund konnte der Gast nur noch stillen Abschied nehmen. Mit Gerd Lohwasser hatte Nikolaj Winogradow vieles eng verbunden: Geradlinigkeit, Zugewandtheit, Überzeugungskraft, Verläßlichkeit und vor allem dieser besondere Sinn für Humor und Pointe. So unterschiedlich sie ihrer Parteizugehörigkeit nach waren – der eine führender Kopf in der CSU, der andere aus dem Leitungskader der Kommunistischen Partei -, verstanden sie einander doch prächtig und waren einander in freundschaftlichem Respekt zugetan. Gute Menschen eben.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming; Photo: Günter Wolf

Es war wohl sein Credo von der Macht der guten Menschen, sein Glaube an jene, die für Verständigung und Versöhnung eintreten, gemischt mit seinem verschmitzten Witz, was das Publikum am Montagabend im Club International der Volkshochschule so für den Referenten einnahm. Sicher aber auch seine große Dankbarkeit dafür und seine ansteckende Freude darüber, was er alles in seiner aktiven Zeit in der Zusammenarbeit mit Erlangen hat erleben und gestalten dürfen: besonders das Erlangen-Haus und der Blaue Himmel, die ohne Nikolaj Winogradows Unterstützung – auch wenn er selbst das nie so formulieren würde – kaum hätten Wirklichkeit werden können.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel, im Hintergrund Dieter Argast; Photo: Günter Wolf

Zum gestrigen Abschiedsessen lud denn auch Nikolaj Winogradow, der heute wieder die Heimreise antritt, all seine engsten Erlanger Freunde ein – und erlebte etwas, das zu dieser Bürgerpartnerschaft gehört und doch immer wieder überrascht: Er begegnet einem alten Bekannten aus Wladimir, Fjodor Lawrow, der, eben erst angekommen, als Gründungsmitglied von Rotary Wladimir zur Ausarbeitung eines neuen Projekts bei seinen deutschen Klubfreunden zu Gast ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte, die ein andermal zu erzählen ist.

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild; Photo: Nadja Steger

Es blieb schließlich Dietmar Hahlweg überlassen, prägnant dem Geist der Begegnungen mit Nikolaj Winogradow und der Partnerschaft insgesamt Ausdruck zu verleihen: „Wir sind alten Freunden treu und für neue immer offen.“ Ein Wahlspruch, der sich über mehr als 30 Jahre bewährte, eine Maxime, die noch lange Zeit währen möge.

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Der Auftakt ist gemacht. Im bis auf den letzten Platz besetzten Club International der Volkshochschule eröffnete Nikolaj Winogradow, Altgouverneur der Region Wladimir, die mittlerweile schon fünften Russisch-Deutschen Wochen mit seinem Vortrag, in dem er immer wieder betonte, wie wichtig es sei, in seinem Land die Zivilgesellschaft zu fördern und an allen politischen Prozessen teilhaben zu lassen, welche Bedeutung eine freie Presse habe und für wie entscheidend er die Demokratie insgesamt für eine erfolgreiche Entwicklung Rußlands halte. Morgen nun setzt der emeritierte Professor für Slawistik, Klaus Steinke, ab 19.00 Uhr in der Aula der Volkshochschule, Friedrichstraße 17, die Vortragsreihe schon fort und spricht unter dem Motto „Anmerkungen zum deutsch-russischen Dialog“ just auch über den gegenwärtigen Zustand der russischen Zivilgesellschaft. – Bei freiem Eintritt.

Klaus Steinke und seine Co-Autoren Natalia Judina und Wiktor Malygin

Klaus Steinke und seine Co-Autoren Natalia Judina und Wiktor Malygin

Seit seiner Berufung zum ordentlichen Professor und Leiter der Slawistik an der Friedrich-Alexander-Universität im Jahr 1991 hat Klaus Steinke konsequent auch für seine wissenschaftliche Arbeit immer wieder die Möglichkeiten der Städtepartnerschaft genutzt und den Fachaustausch mit den Kollegen von der Wladimirer Universität gepflegt. Im Vorjahr erschien nun auch eine Publikation unter Beteiligung des morgigen Referenten, die sich diesem Dialog widmet und hier im Blog bereits vorgestellt wurde (s. http://is.gd/HEaU1k) . Wer mehr darüber erfahren will, wird bestimmt nicht enttäuscht vom Besuch der Veranstaltung.

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„Nichts brauchen wir derzeit mehr als solche Inseln der Freundschaft“, betont Nikolaj Winogradow immer wieder bei seinem Wiedersehen mit Freunden in Erlangen. Der ehemalige Gouverneur der Region Wladimir hat in seiner Amtszeit von 1997 bis 2013 und bereits davor als Abgeordneter und späterer Präsident der Gesetzgebenden Versammlung (Duma) alles getan, um die Zusammenarbeit der Partnerstädte zu fördern, ohne sich in die interkommunalen Beziehungen einzumischen. Kaum eine offizielle Delegation aus Erlangen, die nicht von ihm empfangen worden wäre, kein Großprojekt – wie das Erlangen-Haus oder der Blaue Himmel -, das er nicht maßgeblich unterstützt hätte. Kurzum: Die Bürgerpartnerschaft wäre nicht, was sie ist ohne das Mitwirken von Nikolaj Winogradow, der bei all seinen Besuchen in Erlangen – der letzte liegt nun freilich schon bald zehn Jahre zurück – immer auch das Gespräch mit Ehrenamtlichen und Interessierten suchte, besonders im Forum der Volkshochschule, wo er bereits in den 90er Jahren in dem von Klaus Wrobel geleiteten „Arbeitskreis Wladimir“ seine Sicht der Dinge vorstellte.

Ludmila und Nikolaj Winogradow

Ludmila und Nikolaj Winogradow

Stets anschaulich, pragmatisch und konstruktiv, ganz so wie er, ursprünglich aus dem Baugewerbe kommend, auch Politik machte. Nie ideologisch, wenngleich leitendes Mitglied der Kommunistischen Partei, sondern stets, wie ihm auch heute noch festzustellen wichtig ist, nach dem Buchstaben des Gesetzes und im Geist der Menschenliebe. Allein schon die lange Amtszeit, die übrigens mit der von Altoberbürgermeister Siegfried Balleis zusammenfällt, weist darauf hin, welch großen Respekt er sich in der Bevölkerung seiner Region erworben hatte. Man darf also gespannt sein, wenn Nikolaj Winogradow morgen um 20.00 Uhr im Club International der Volkshochschule mit seinem Vortrag über die gegenwärtige Lage in seinem Land – mit anschließender Diskussion – die Russischen Wochen eröffnet.

Siegfried und Angelika Balleis, Ludmila und Nikolaj Winogradow sowie Ludmila Kondratenko

Siegfried und Angelika Balleis, Ludmila und Nikolaj Winogradow sowie Dolmetscherin Ludmila Kondratenko

Wer jetzt noch nicht neugierg geworden ist, sei versichert, kein knochentrockenes Polit-Referat absitzen zu müssen, denn bei allem notwendigen Ernst, mit dem er jede Sache angeht, sitzt ihm der Schalk im Nacken, weiß er alles mit Humor zu nehmen. Kleine Kostprobe gefällig? Von seinem deutschen Freund darum gebeten, sich ins Gästebuch einzutragen, überlegt Nikolaj Winogradow kurz und lockert die Gedanken erst einmal mit einem Witz: Trifft ein Wolf im Wald ein Pferd. „Dich will ich fressen“, knurrt der Räuber seine Beute an. „Darfst du nicht!“ bekommt er da als Antwort zu hören. „Wie das? Ich darf, was ich will!“ – „Eben nicht, ich gehöre nämlich der Kolchose.“ – „Das kann jeder behaupten. Beweise mir das erst einmal.“ – „Ganz einfach: Das steht auf meinem Schweif. Schau doch nach, da kannst du es selber lesen.“ Der Wolf geht um das Pferd herum, sieht sich den Schweif an und bekommt im selben Moment einen Schlag mit dem Huf. Als er wieder zu sich kommt, kratzt er sich den Kopf und brummt: „Ich bin dir aber aber auch ein Blödmann. Ich kann doch gar nicht lesen…“

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