Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Nikolaj Schtschelkonogow’


Gestern erschien auf der Internetplattform Zebra eine Nachbetrachtung der Videokonferenz von Prisma aus der Feder des Politologen, Roman Jewstifejew, der wichtige Ergänzungen zu dem bereits hier erschienenen Rückblick enthält:

Jedes historische Ereignis großen Ausmaßes führt mehrere Leben. Zunächst wird es von den Zeitgenossen unmittelbar erlebt, später setzt ihre Erinnerung ein, es bilden sich mündliche und schriftliche Traditionen der Beschreibung des Ereignisses heraus und die Erinnerungen gehen über an die nächsten Generationen, denen wiederum das eine wichtig, das andere unwichtig erscheint, so daß sich die Erinnerung an das Ereignis unweigerlich verändert und korrigiert wird. Wissenschaftler, Historiker, Philosophen, Soziologen und viele andere erwecken das Ereignis zu neuem Leben, indem sie versuchen, mit wissenschaftlichen Methoden objektive Umstände und Merkmale des Ereignisses zu ermitteln. Die Literatur, Kunst und Filmwelt schaffen und neue Bilder und Bedeutungen aus ihrem Blickwinkel und füllen sie mit ihren eigenen Mitteln mit Leben. Gleichzeitig werden soziokulturelle und politische Institutionen einbezogen, die ihre je eigenen Versionen und Deutungen schaffen und der Gesellschaft vermitteln.

Prisma Roman

Roman Jewstifejew

Da kann es nicht überraschen, wenn es oft zu regelrechten Kollisionen von unterschiedlichen Interpretationen, Einschätzungen und Schlußfolgerungen hinsichtlich der historische Erinnerung an bestimmte Ereignisse kommt, insbesondere dann, wenn wichtige politische Akteure, wie Staaten, beteiligt sind.

Leider bildet die Geschichte des Zweiten Weltkriegs keine Ausnahme. Eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte wurde oft zu einem Instrument der politischen Einflussnahme und des Einflusses, der nationalen Konkurrenz und sogar der nationalen Überlegenheit. All dies ist leicht zu erkennen, auch ohne Spezialist zu sein, in einer offenen und für jedermann zugänglichen modernen Informationsumgebung.

Ausgehend von diesen Überlegungen nahm ich die Einladung sehr aufmerksam und gewissenhaft an, mich an der nächsten Sitzung des bekannten russisch-deutschen Diskussionsklubs „Prisma: Wladimir – Erlangen“ zu beteiligen.

Das vor einigen Jahren auf Initiative der Stadtoberhäupter von Wladimir und Erlangen und unter Beteiligung der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Verwaltung und Wirtschaft gegründete Forum hat bereits mehrere Sitzungen abgehalten, die sich allesamt als recht angeregt und interessant erwiesen und durchaus aktuelle und drängende Themen behandelten, die sowohl für die russische als auch für die deutsche Seite von Interesse sind: Probleme der Migration, Rolle der Medien in der modernen Gesellschaft, Ökologie und viele andere mehr.

Thema der Diskussion war diesmal die Erörterung der Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg. Etwas, das an sich schon faszinierend klang. Fakt ist, daß die Erörterung eines solchen Themas innerhalb eines Landes – und erst recht innerhalb Rußlands – als reine Formalität, nahe an der Banalität, erscheinen mag. Natürlich, was gibt es denn auch zu streiten, wenn fast jede Familie noch die Erinnerung an jene bewahrt, die in diesem Krieg umkamen und litten, ebenso wie an die, deren Leben und Schicksal durch den Krieg gebrochen wurden. Sprechen sie doch für sich selbst und bestimmen weiterhin unsere Haltung gegenüber diesem Ereignis.

Aber über die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg unter Beteiligung von Russen und Deutschen zu sprechen, ist natürlich eine ganz andere Sache. Ich würde sogar sagen, es ist eine schwer kalkulierbare.

Aber die Leitung der Plattform „Prisma“, vertreten durch den Direktor der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, Wjatscheslaw Kartuchin, die Oberbürgermeisterin von Wladimir, Olga Dejewa, und den Partnerschaftsbeauftragten Peter Steger, die keine Angst vor dieser Unberechenbarkeit hatten, ergriffen die Initiative und luden mutig und offen aktive Bürger, junge Menschen und Wissenschaftler zur Diskussion ein. Genau so, wie es sich die Gründer des Diskussionsforums seinerzeit gedacht hatten.

Ich werde hier nicht alle Berichte, Referate und Diskussionsbeiträge wiedergeben, ich will vielmehr nur einige allgemeine Eindrücke aus dem Meinungsaustausch festhalten.

Ich beginne damit, dass aus hinlänglich bekannten Gründen die Teilnahme nur in Form von Projektionen auf Computerbildschirmen möglich war, sprich alle beteiligten sich aus der Ferne an der Diskussion. Wenn ich hier vorgreifen darf, wäre zu sagen, daß dieser Umstand die Qualität des Treffens in keiner Weise beeinträchtigte, sondern im Gegenteil das Gespräch reicher und intensiver machte. So war es möglich, ganz unterschiedliche Menschen aus zwei Ländern in einem Diskussionsraum zusammenzubringen. Diese erfolgreiche Erfahrung brachte übrigens einen der Organisatoren der Konferenz, Wjatscheslaw Kartuchin, auf die Idee, in künftige Diskussionen über ähnliche Themen auch Vertreter anderer Länder, etwa der Vereinigten Staaten, einzubeziehen.

Zweitens möchte ich anmerken, daß an dem Gespräch über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg Vertreter mehrerer Generationen teilnahmen, darunter der Veteran des Großen Vaterländischen Krieges, Nikolaj Schtschelkonogow, der mit seiner Energie, seinem Optimismus und seinem Glauben an unsere gemeinsamen Kräfte die ganze Runde buchstäblich mit Kraft betankte.

Das Thema der historischen Verbindung zwischen den Generationen und insbesondere die Frage, wie diese Verbindung erhalten werden könne, war Gegenstand eines Beitrags von Oleg Gurejew, stellvertretender Direktor des Landesmuseums Wladimir-Susdal. Interessant dabei, daß diese Verbindungen weit über die nationalen Grenzen hinausgehen und die freundschaftlichen Beziehungen unserer Region und ihrer Bewohner zu Deutschland, Italien und anderen Ländern stärken. So wahrt man in den Niederlanden ehrend das Gedenken an einen Militärpiloten, Iwan Smirnow, einen gebürtigen Wladimirer, der in Holland zu einem Nationalhelden wurde.

Drittens war für mich persönlich die Position des deutschen Volkes hinsichtlich der Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg besonders interessant. Dies gilt desto mehr, als den Beiträgen der deutschen Teilnehmer ein Bericht von Wjatscheslaw Kartuchin vorausging, in dem er unmißverständlich darauf hinwies, eine Verzerrung der Geschichte sei absolut unzulässig; es seien gerade diese Entstellungen und Verfälschungen, die in einer Reihe von Ländern zur Entwicklung radikal nationalistischer Ansichten und Bewegungen führen.

Die Erlanger Historikerin, Julia Obertreis, präsentierte einige der neuesten Forschungsergebnisse zum Zweiten Weltkrieg und, was am interessantesten ist, einige der Themen, die im heutigen Deutschland Aufmerksamkeit erregen. Und sie erinnern sich nicht nur an ihre Verluste und Opfer, sondern auch an das unvorstellbare Leid und die Trauer, die die faschistische Invasion über das sowjetische Volk brachte. Die Professorin sprach sehr aufrichtig und authentisch darüber. Und auch darüber, daß man in Deutschland versucht, die Erinnerung an unsere Landsleute zu bewahren, die zwangsweise nach Deutschland gebracht wurden, um in deutschen Unternehmen zu arbeiten. An diese Menschen und ihre Angehörigen wird in Deutschland erinnert, man schafft spezielle Hilfsprogramme. Mir scheint dies ist ein interessantes Beispiel für die Überwindung der traumatischen historischen Erinnerung durch die Hilfe und Unterstützung derer zu sein, die unter dem Krieg zu leiden hatten.

Übrigens sei angemerkt, daß die russischen Teilnehmer nach ihrem Beitrag von Julia Obertreis eine Reihe von Fragen stellten, die einige Diskrepanzen aufwiesen, etwa zu der Bewertung historischer Fakten, den aufgeführten Statistiken und so weiter. Im Verlauf der Diskussion stimmte Julia Obertreis den Hauptargumenten und Ausführungen zu, die von den russischen Teilnehmern vorgebracht wurden.

In dieser Hinsicht gefiel mir viertens die Tatsache, daß bei dem Treffen Diskussionen, ja sogar Streitgespräche geführt wurden, allerdings immer mit der Absicht aller, die Wahrheit zu finden, die Meinung der anderen zu verstehen, und nicht mit dem Ziel, zu gewinnen und den eigenen Standpunkt durchzusetzen. Zu einer Vielzahl von Fragen wurden unterschiedliche Meinungen geäußert, aber gegenseitiger Respekt und Vertrauen ermöglichten es, aus diesen Streitgesprächen wechselseitigen Nutzen zu ziehen und die Fehler des anderen zu korrigieren. Wahrscheinlich funktioniert genau so Vertrauen, indem es nämlich unsere gemeinsamen Fähigkeiten stärkt und vervielfacht.

Fünftens empfanden alle Diskussionsteilnehmer die Notwendigkeit, das Gespräch über das historische Gedächtnis fortzusetzen, und zwar nicht nur in Form eines professionellen Gesprächs unter Historikern, sondern auch in Form von Diskussionen innerhalb der Gesellschaft, die ja tatsächlich die dieses historische Gedächtnis zu tragen hat. Dies desto mehr, als für viele Beiträge leider einfach nicht genügend Zeit zur Verfügung stand. Deshalb kam man klar überein: Das Gespräch sollte ohne Aufschub fortgesetzt werden, möglichst schon im September dieses Jahres.

Doch als wohl wichtigstes Fazit des Treffens erlaube ich mir, die Worte von Nikolaj Schtschelkonogow zu zitieren, der als Frontsoldat vielleicht sogar scharf aber poitiert sagte:

Sie alle, die jetzt gesprochen haben, haben alles richtig gesagt, aber Sie alle haben den Krieg nicht gesehen, und Sie können nicht wissen, wie schrecklich und fürchterlich er ist. Aber Sie können einen neuen Krieg verhindern. Und Sie sind verpflichtet, das zu tun!

Roman Jewstifejew

Read Full Post »


In Zeiten von Corona, wo der leibhaftige Austausch zwischen den Partnerstädten ruht, bleibt als einziges und gern genutztes Mittel der Kommunikation neben dem guten alten Fernruf das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten. Insbesondere ist das die Videokonferenz, zu der man sich von zu Hause, vom Arbeitsplatz oder von unterwegs dazuschalten kann, wenn man von einem Gastgeber, „Host“ genannt, eingeladen wird. Diese Rolle übernahm nun vorgestern die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir mit ihrem Leiter, Wjatscheslaw Kartuchin, für das Diskussionsforum „Prisma“, das mit dem Thema „Gedenkkultur“ eigentlich bereits im Juni in der Partnerstadt hätte stattfinden sollen, wenn da nicht die Pandemie dazwischengekommen wäre.

Nun sitzt man sich also per Bildschirm gegenüber – und arrangiert sich mit den Umständen, die zwar, wenn die Sitzung, wie im gegebenen Fall, ganze zweieinhalb Stunden dauert, durchaus Sitzfleisch und Konzentration fordern, die aber auch eine erstaunlich gut funktionierende Plattform bieten, um Argumente und Meinungen auszutauschen. Technisch ohne jede Störung, vor allem aber nutzbar auch von digitalen Laien, sofern der Rechner mit Kamera und Mikrophon ausgestattet sein sollte, was, wie man hört, noch nicht für alle Arbeitsplätze im Erlanger Rathaus gilt.

Oleg Gurejew, Nikolaj Schtschelkonogow und Alexander Illarjonow

Und so sitzt man sich also gegenüber und beschnuppert sich in einem fünfzehnköpfigen Kreis schon ein paar Minuten vor Beginn der Konferenz mit virtuellen Lockerungsübungen, prüft die Leitung, den Ton, die Kameraeinstellung, die Sitzhaltung und sagt sich, wie weiland der Schöpfer: „Es ist gut!“

Olga Dejewa

Schwierig freilich ist das Thema der Sitzung, die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, den Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, in ihrer Begrüßung eine „große Tragödie“ nennt, unter der auch ihre eigene Familie – wie fast alle in der Sowjetunion – zu leiden hatte: Ein Onkel fiel an der Front, ein zweiter kam versehrt zurück… Es sei deshalb von überragender Bedeutung, das Gedächtnis an jene Jahre an die nächsten Generationen weiterzugeben und zu einer patriotischen Haltung zu erziehen.

Wjatscheslaw Kartuchin

Schwierig, weil sich, wie Wjatscheslaw Kartuchin mit Bezug auf den jüngst veröffentlichten Aufsatz von Wladimir Putin, ausführt, um ihren entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Faschismus betrogen sehen. Geschichtsklitterung, Verzerrung und Entstellung der Fakten, Relativierungen, alles Entwicklungen, denen man sich entgegenstellen müsse.

Julia Obertreis

Schwierig, weil, wie Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, in ihrem Beitrag ausführte, die Forschung in Deutschland der russischen Sicht etwa einer Mitschuld Polens am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht teile.

Wehrmachtsangehörige in sowjetischer Gefangenschaft

Schwierig vor allem aber, wenn dann die Wladimirer Seite fragt, wie es denn so weit habe kommen können, daß ein Kulturvolk wie die Deutschen so habe verrohen, so bestialisch habe wüten können wie besonders an seiner Ostfront. Da kann keine Erklärung ausreichen, da kann kein Verweis auf Propaganda weiterhelfen. Darüber wird man weiter sprechen müssen: Wie ist ein solcher Kulturbruch möglich?

Botschafter Géza Andreas von Geyr übergibt am 6. Mai 2020 Dokumente aus deutschen Archiven an Michail Schwydkoj, Beauftragter des russischen Präsidenten für internationale Kulturzusammenarbeit

Bei allem Schwierigen setzt Julia Obertreis aber auf die weiteren Gespräche im Rahmen der deutsch-russischen Historikertreffen, und vor allem die virtuellen Gastgeber loben immer wieder die Rolle der Städtepartnerschaft, die sich seit dem 22. Juni 1991, dem 50. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR, besonders der Versöhnung zwischen den Veteranen verpflichtet sieht, wofür neben dem einstigen Frontkämpfer – 140 von ihnen leben noch in Wladimir – Nikolaj Schtschelkonogow auch Witalij Gurinowitsch steht, der 1995, damals noch Leiter der zeitgeschichtlichen Abteilung des Landesmuseums, eine Ausstellung zum Thema „Kriegsgefangene in Wladimirer Lagern“ nach Erlangen brachte. Sein einstiger Kollege und heutiger stellvertretender Direktor des Museums schlägt nun eine Neuauflage der Ausstellung mit zusätzlichem Material vor. Ein Angebot, das Erlangen gewiß nicht ausschlagen wird, zumal auch hier die Stoffsammlung fleißig weitergeht und es Überlegungen gibt, eine aktualisierte Fassung des Erinnerungsbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen“ herauszugeben.

Peter Steger

So schwierig sie sein mag, bei allem Trennenden verbindet kaum etwas die Deutschen und Russen so sehr wie die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Da ist es gut, die verbindliche Stimme des ebenfalls zugeschalteten Politikwissenschaftlers, Roman Jewstifejew, zu hören, der meint, alles sei eine Frage der Wahrnehmung und der Beeinflussung durch Politik und Medien. Er plädiert deshalb für die „soft power“ der Wissenschaft, die sich gegen jede Propaganda stellen und offenbleiben müsse. Offen bleiben aus Zeitgründen dann auch noch die Beiträge von Jutta Schnabel mit Beispielen aus der Erinnerungsarbeit im Rahmen des Jugendaustausches und von Peter Steger zum Beitrag der Städtepartnerschaft zur deutsch-russischen Verständigung. Doch schon plant man die nächste Konferenz dieser Art, um – auch anhand dieser Referate – die so notwendige Diskussion fortzusetzen, denn auch das Trennende sollte uns verbinden.

Read Full Post »


Im August vergangenen Jahres besuchte Wiktoria Kossenjuk vom Sender „Belarus 1“ aus Minsk mit ihrem Team Erlangen, um ein Interview mit dem Weltkriegsveteranen Wolfgang Morell zu machen, nachzulesen hier: https://is.gd/YDNfSi Im Anschluß fuhren die Gäste noch nach Gera, um mit dem mittlerweile verstorbenen Günter Kuhne zu sprechen, der ebenfalls einen Teil seiner Kriegsgefangenschaft in Wladimir verbracht hatte. Nun wurde die fast einstündige Reportage im Rahmen des Projekts „Ich ВОЙНА“ – „Ich bin der KRIEG“ am 10. Mai erstausgestrahlt und gestern im Internet vorgestellt. Leider nur auf Russisch, aber dennoch sehenswert!

Ganz kurzfristig, ausgerechnet im April, als noch die strengen Corona-Regeln galten, wandte sich Anna Kisseljowa von Russia Today an den Partnerschaftsbeauftragten im Erlanger Rathaus mit der Bitte um Vermittlung von Kontakten zu Kriegsveteranen. Wieder erklärte sich Wolfgang Morell bereit, Rede und Antwort zu stehen, dieses Mal zusammen mit Philipp Dörr aus Fränkisch Crumbach im Odenwald. Beide hatten übrigens zum 75. Jahrestag des Kriegsendes mit nach Wladimir reisen wollen. Nehmen Sie sich eine Viertelstunde Zeit, um den beiden Männern, kommentiert von Witalij Gurinowitsch aus der Partnerstadt, unter der Überschrift „Geheilte Wunden“ zuzuhören: https://deutsch.rt.com/kriegstrauma/chapter/5

https://deutsch.rt.com/static/kriegstrauma/img/share.webp

Wer mehr Zeit und Interesse mitbringt, mache sich mit allen sechs Kapiteln dieses Projekts https://deutsch.rt.com/kriegstrauma vertraut, das den Augenzeugen Gelegenheit gibt, vom Unsagbaren zu sprechen.

Das teuerste Kalenderblatt. 9. Mai 1945: Sieg Mai 9. Mittwoch Sieg. 9. Mai 1944: Einheiten der Roten Armee eroberten Sewastopol und befreite die Krim vollständig von den deutsch-faschistischen Okkupanten.

Leider noch nicht fertiggestellt ist das Material von Jekaterina Zwetkowa, die Ende November, Anfang Dezember mit ihrem Team und Nikolaj Schtschelkonogow gekommen war, um den Weltkriegsveteranen auf seiner wohl letzten Deutschlandreise zu begleiten. Es hakt noch an der Finanzierung auf russischer Seite, aber eine Lösung ist in Sicht. Noch etwas Geduld also, dann gibt es auch ihren Film unter dem Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zu sehen geben. Und bis dahin kann man sich ja die beiden obigen Reportagen mit viel Gewinn ansehen – und diesen so gar nicht reißerischen Anreißer mit Bildern aus Erlangen, Baiersdorf, Jena, Berlin, Potsdam und Buchenwald: https://is.gd/nOTPzW

Read Full Post »


Ein einziges Bild zeigt, wie anders heuer der Tag des Sieges in Wladimir begangen wurde.

Oberstadtdirektor Andrej Schochin, Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow und Oberbürgermeisterin Olga Dejewa

Aber auch für all die Tausende, die ansonsten auf dem Platz des Sieges gestanden oder die Straßen gesäumt und an den Massenveranstaltungen teilgenommen hätten, verlief der 75. Jahrestag des Kriegsendes ganz anders als sonst: zu Hause, in Quarantäne, mit nur wenig Kontakt nach draußen und – besonders im Fall von kinderreichen Familien oder alten Menschen – oft auch in schierer materieller Not. Diese zu lindern sind derzeit Freiwilligentrupps unterwegs, die von Tür zu Tür gehen, um Essenspakete zu verteilen und Zuspruch zu geben.

Michail Mojsejantschik

Einer dieser Helfer und Tröster in Zeiten von Corona ist Michail Mojsejantschik, der hier im Blog mit seiner Aktion bereits vorgestellt wurde: https://is.gd/MHecfm

Sein Bericht von einer alten Frau, die er dieser Tage fast ohnmächtig vor Hunger vorgefunden habe, gab den Anstoß für eine Gemeinschaftsaktion: Mit einem Zuschuß der Stadt Erlangen in Höhe von 1.500 Euro kochte das Hotel Wosnessenskaja Sloboda unter Leitung von Anna Schukowa ein Festessen, das von den jungen Leuten um Michail Mojsejantschik an bedürftige Familien und Weltkriegsveteranen verteilt wurde.

Von dieser humanitären Geste der Partnerschaft berichtet der Regionalsender Gubernia 33 in folgender Sendung.

Bleibt noch die traurige Corona-Statistik nachzutragen: Mittlerweile sind, Stand 11. Mai, 10.00 Uhr 1.326 Menschen in der Region Wladimir infiziert, 249 davon in der Partnerstadt,  15 Personen verstarben, 100 gelten als genesen.

Read Full Post »


Eigentlich wäre ich heute zum 75. Jubiläum des Tags des Sieges in Wladimir. Ich hätte eine Delegation aus der Partnerstadt Erlangen begleitet. Vor genau 25 Jahren, am 9. Mai 1995, war ich zum 50. Jahrestag des Kriegsendes auch in Wladimir. Eine von fünf Reisen dorthin in den 90ern, auf der ich viel gelernt habe über Rußland und die Russen. Dafür profitiere ich bis heute und bin sehr dankbar dafür. #niewiederkrieg hat für mich damals eine sehr klare Bedeutung bekommen. Und ich spüre bis heute eine sehr enge Verbindung nach Wladimir und zu den Freunden dort. Deswegen habe ich ein paar alte Dias zum 9. Mai herausgesucht.

So schrieb gestern der Journalist Axel Mölkner-Kappl auf Facebook und fügte dann in einer Notiz für die Blog-Redaktion hinzu:

Ich spüre in diesen Tagen, wie wichtig es ist, daß wir dahinreisen – sobald es die Gelegenheit dazu gibt. Ich freue mich drauf.

Diesen Erinnerungsschatz will der Blog gerne zu heben helfen. Deshalb hier eine Abfolge von Aufnahmen, die ein Vierteljahrhundert alt, aber auch von ungeahnter Aktualität sind.

An bekannten Gesichtern auf dem Bild zu sehen: Andrej Filinow, Journalist und heute Intendant des Lokalsenders Wladimir, Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Peter Steger; der Herr, der sich zu dem Kind umdreht, ist Jurij Fjodorow, Vater der Partnerschaft auf russischer Seite. 9. Mai 1995

Erlangen-Haus Jubiläum 11

Andrej Filinow mit seiner Frau Tatjana am 9. Mai 2019

Gabriel Lisiecki vom Erlanger Bürgermeister- und Presseamt und Dietmar Hahlweg legen am Platz des Sieges einen Kranz nieder.  9. Mai 1995

 

Rechts im Bild der Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkongow. 9. Mai 1995

Erlangen-Haus Jubiläum 7

Der 50. Jahrestag des Großen Sieges. 9. Mai 1995

Ganz bewußt zum 50. Jahrestag des Kriegsendes wurde vor 25 Jahren als Zeichen des Friedens und der Verständigung in Wladimir das Erlangen-Haus eröffnet. Auch hierzu hat Axel Mölkner-Kappl ein Dia ausgegraben und digitalisiert.

7. Mai 1995: Peter Steger, die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, sowie Tatjana Garischina, die erste Leiterin des Erlangen-Hauses; dahinter Percy Gurwitz, Jurij Fjodorow, Frank Hoffer, Deutsche Botschaft Moskau, Gouverneur Jurij Wlassow und Nikolaj Winogradow, Vorsitzender der Regionalduma

Und wenn wir schon bei Botschaften sind. Elisabeth Preuß, die – man kann es kaum anders sagen – eine Seelenverwandtschaft mit Wladimir verbindet, nahm in den letzten Stunden ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin auf bewegende Weise Abschied vom Erlangen-Haus. Sicher nur in ihrer politischen Funktion. Sicher nicht als Wahl-Wladimirerin. Aber hören und sehen Sie selbst:

Read Full Post »


Wäre nicht die Corona-Pandemie, hielte sich derzeit Oberbürgermeister Florian Janik an der Spitze einer fünfzehnköpfigen Delegation in Wladimir auf und spräche heute auf dem Platz des Sieges. Nun, da alles anders gekommen ist, legte das Stadtoberhaupt gestern, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, an den sogenannten Russengräbern auf dem Zentralfriedhof einen Kranz nieder und wandte sich mit folgenden Worten an die Partnerstadt:

Peter Steger und Florian Janik (gesehen von Othmar Wiesenegger)

Liebe Freundinnen und Freunde in Wladimir,

vor fünf Jahren durfte ich auf dem Platz des Sieges zu Ihnen sprechen. Heute, am 75. Jahrestag des Kriegsendes, wende ich mich aus Erlangen an Sie alle. Auch wenn die Corona-Krise uns gegenwärtig trennt, eint uns doch in dieser Zeit die gemeinsame dankbare Erinnerung an den Sieg über den Nationalsozialismus.

Dieser Kampf gegen eine menschenverachtende Ideologie forderte besonders aufseiten der Sowjetunion einen unermesslichen Blutzoll. Kein anderes Land hatte unter dem Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht mehr zu leiden als die UdSSR, kein Staat trug mehr zur totalen Niederlage des Deutschen Reiches bei. Und ungeachtet der schrecklichen Kriegsfolgen leistet auch niemand einen größeren Beitrag als die Russische Föderation zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren.

Ich betrachte es deshalb als ein Wunder der Geschichte, wie wir diese Bürgerpartnerschaft pflegen dürfen, die bereits 1983, noch zu Zeiten des Kalten Krieges, von weisen Menschen hier wie dort begründet wurde. Ich bin darum dankbar für die zum Frieden und zur Verständigung ausgestreckte Hand, die wir gern ergreifen. Und ich freue mich, hoffentlich schon bald wieder in Ihre wunderschöne Stadt kommen zu können.

Ich lege heute diesen Kranz an den Gräbern nieder, wo die sterblichen Überreste von 271 russischen Soldaten ruhen, die in der Folge des 1. Weltkriegs in Erlangen verstarben. Ich tue dies in ehrender Erinnerung an die vielen Kriegsveteranen aus Wladimir, die bereits an dieser Gedenkstätte standen.

Ihnen allen, die den Krieg besiegt und den Frieden geschaffen haben, gilt nicht nur heute meine besondere Verehrung. Ihnen möchte ich an diesem Tag mit dieser Geste danke sagen für die Befreiung vom Nationalsozialismus und danke für 75 Jahre Frieden zwischen unseren Völkern. Unsere Verpflichtung ist es nun, diesen Frieden zu bewahren.

Ich gratuliere Ihnen zum Tag des Sieges und wünsche Ihnen ein schönes Fest des Friedens und des Guten.

Florian Janik (gesehen von Othmar Wiesenegger)

 

Дорогие друзья во Владимире!

Пять лет назад мне выпала честь выступить с речью на Площади Победы во Владимире. Сегодня, 75 лет после окончания Второй мировой войны, я обращаюсь к Вам всем из Эрлангена. И, несмотря на то, что сейчас нас разъединяет коронавирус, нас объединяет огромная благодарость за Победу над фашизмом.

Эта борьба против идиологии, направленной на уничтожении всего человеческого, потребовала особенно со стороны Советского Союза неизмеримых потерь. Ниодна другая страна не пострадала от уничтожающего всё на своём пути плана Барбаросса больше, чем Советский Союз, ниодно государство не внесло такого вклада в уничтожение Третьего Рейха как СССР. И, несмотря на ужасные последствия войны, ниодна другая нация не внесла такой вклад в мирное Объединение Германии 30 лет назад как Россия.

Для меня стало чудом истории то, что сегодня мы можем поддерживать побратимство между нашими гражданами. Это – партнёрство, которое началось в 1983 году, ещё во времена Холодной войны, это – связи, которые были заложены мудрыми людьми здесь и там. Поэтому я так благодарен за этот мир, за это взаимопонимание между нами, за эту протянутую руку дружбы, которую мы приняли с такой радостью. И я надеюсь, что уже очень скоро снова смогу приехать в Ваш прекрасный город.

Сегодня я возлагаю венок на могилы 271 русского военнопленного, умершего в Эрлангене во время и после Первой мировой войной. Я делаю это в память о многочисленных ветеранах из Владимира, которые столько раз стояли здесь, вспоминая своих боевых товарищей. Вам всем, победившим войну и сохранившим мир, моё искреннее уважение и почтение. Этим жестом я благодарю Вас за освобождение мира от фашизма и говорю спасибо за 75 лет мира между нашими народами. Наша обязанность сегодня – сохранить его.

С Днём Победы! С праздником мира и добра!

Doch damit nicht genug. Die Partnerschaft kann COVID-19 zwar am unmittelbaren Austausch hindern, hat aber nicht das Zeug, alle Verbindungen abbrechen zu lassen, wie folgendes Projekt beweist:

Gestern hätte in Wladimir nämlich auch eine Ausstellung der Kunstvereine beider Partnerstädte mit dem Titel „Sieg über den Krieg – Erinnerungen“ eröffnet werden sollen. Nun ist sie hier wie dort und überall auf der Welt im Internet zu sehen, und Nils Naarmann stellt das Projekt im Video kurz vor:

Zu sehen ist die Ausstellung hier auf der Homepage des Kunstvereins Erlangen https://is.gd/K6cVm6 sowie des Künstlerverbands Wladimir https://izo33.ru – noch das ganze Jahr und rund um die Uhr. Eine ausführlichere Besprechung des Projekts folgt noch.

Sieg über den Krieg 1

Amil Scharifow und Nils Naarmann

Aber kein Fest ohne Lieder. Deshalb zu guter Letzt für heute noch ein Ständchen im Sitzen mit dem Weltkriegsveteranen Wolfgang Morell, der mit seiner musikalischen Einlage seine Kameraden in Wladimir grüßt.

Und noch eine Zugabe: Wolfgang Morells Freund, Nikolaj Schtschelkonogow, erwidert den musikalischen Gruß und berichtet – freilich auf Russisch – von seinen Begegnungen in Deutschland. Besser kann deutsch-russische Verständigung wohl kaum gelingen… Mit einem Klick hier https://is.gd/bVLgUH sind Sie dort in Wladimir.

Read Full Post »


Gestern nacht gegen drei Uhr schlief Günter Kuhne ebenso unerwartet wie friedlich und ohne Schmerzen in Gera für immer ein. Dabei hatte doch der so lebensfrohe und kregle Weltkriegsveteran Anfang Dezember noch seinen russischen Kameraden, Nikolaj Schtschelkonogow, zum „sozialistischen Wettbewerb“ herausgefordert, um gemeinsam mit dem einstigen Feind die 100 Jahre vollzumachen und sich noch mindestens einmal wiederzusehen. Nun wird es bei diesem letzten Treffen vor gut drei Monaten bleiben.

Günther Kuhne und Nikolaj Schtschelkonogow, Dezember 2019

Der Thüringer, Günter Kuhne, wie sein Freund aus Wladimir Jahrgang 1926, gehörte zu der Generation, die als Kanonenfutter an die bereits verlorene Front geschickt wurden, zunächst in die trügerische Adrennenoffensive, dann, nach einer Zwischenstation in Remagen und bei Hannover, verwundet ins Hilfslazarett Rostock, das er im März 1945 verließ, um im Sportlazarett von Neustrelitz, Brandenburg, eine Reha zu machen. Der Angehörige der Hitler-Jugend Waffen-SS ging noch an zwei Krücken, als er vom Stabsarzt gemustert und mit den von abgrundtiefem Zynismus zeugenden Worten „Sie brauchen nicht laufen können, Hauptsache Sie können im Loch stehen und schießen!“ für tauglich erklärt wurde. Mit einem zusammengewürfelten Haufen wurde der Kriegsversehrte von Nauen bei Berlin aus ohne Stammeinheit Richtung Oder verfrachtet, um die längst verlorenen Rückzugskämpfe bei Halbe zu unterstützen. In dieser schlimmsten Kesselschlacht nach Stalingrad standen 2.100.000 Rotarmisten gerade einmal 200.000 Wehrmachtssoldaten gegenüber. Marschall Georgij Schukow hatte die Kapitulation angeboten, aber General Theodor Busse lehnte ab und setzte auf die 4. Panzerarmee. „Doch wir hatten keine Chance!“ erinnerte sich Günter Kuhne. „Im Kessel bin ich zum Glück in Gefangenschaft geraten!“ Immerhin noch besser, als zu den 30.000 toten deutschen Soldaten zu gehören, die auf dem Schlachtfeld blieben, ohne den Vormarsch der Roten Armee aufhalten zu können.

Günter Kuhne, August 2016 in Erlangen; ganz links im Bild sein Kamerad, Philipp Dörr, ebenfalls Kriegsgefangener in Wladimir

Bis Juli 1948 arbeitete Günter Kuhne in der Schlosserei des Traktorenwerks in Wladimir, bevor er an den Wolga-Don-Kanal weitergeschickt wurde, von wo er Anfang 1950 in die Heimat zurückkehrte. Ohne Groll gegen die Sowjets („Russen“ zu sagen, war in der DDR jener Tage nicht opportun), von Beginn an zur Aussöhnung bereit, auch wenn die niedrigen Mannschaftsgrade, zu denen er ja gehörte, nie in den aus seiner Sicht ohnehin zweifelhaften Genuß kamen, in die den Parteibonzen vorbehaltenen Zirkel der offiziellen deutsch-sowjetischen Freundschaft aufgenommen zu werden.

Günter Kuhne, März 2016 in Jena

Nach der Friedlichen Revolution, deren Früchte Günter Kuhne gern gegen Kritik verteidigte, betätigte er sich im Veteranenverband und nahm dann auch früh Kontakt zum Kreis der Wladimirer Kriegsgefangenen um Friedhelm Kröger auf, wo er sich mit seinem verschmitzten Humor nur Freunde machte. Klagen war nicht seine Sache. Nur ein Umstand verdroß ihn sehr: Das völlige Desinteresse von Schulen seiner Heimatstadt an einer Begegnung mit ihm als Zeitzeugen. Und nun ist es zu spät dafür… Umso freudiger ergriff der Versöhner unserer Völker jede Gelegenheit – etwa bei der Vorstellung des Bandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ in Jena oder bei den Interviews mit Schülern an der Franconian International School in Erlangen -, seine Lebenserfahrung und seine Mission mitzuteilen: „Haltet Freundschaft mit den Russen, bewahrt den Frieden, es gibt nichts, was kostbarer wäre!“

Günter Kuhne hat nun seinen ewigen Frieden gefunden. Seine Mahnung sollten wir zeit unseres Lebens beherzigen. Und das mit dem „sozialistischen Wettbewerb“? Der Geraer war ein guter Verlierer, und er hätte wohl mit einem schelmischen Lächeln gesagt: „Nicht traurig sein, man kann nicht immer gewinnen. Ich bin dankbar für mein glückliches Leben. Es hätte ja schon vor 75 Jahren zu Ende sein können, damals in jenem Loch, in das man mich schickte…“

Mehr zum Verstorbenen, der nun seiner Frau folgt und einen Sohn hinterläßt, im Blog u.a. hier https://is.gd/sg1uul und da https://is.gd/XAsPKG

Read Full Post »


Die Veröffentlichung eines Briefes ist immer so eine Sache. Es gilt ja gerade auch für den Blog das Fernmeldegesetz. In der Redaktion gab es deshalb durchaus kontroverse Ansichten beim Eintreffen des Schreibens des Weltkriegsveteranen, Nikolaj Schtschelkonogow. Doch bei der folgenden Epistel aus Wladimir handelt es sich um ein Zeitzeugnis, um nicht zu sagen um ein Manifest, das nicht im Ordner „Persönliches“ verschwinden sollte. Urteilen Sie selbst.

Lieber Peter!

Lassen Sie mich der Führung Ihrer herrlichen Stadt und Ihnen persönlich für die Organisation einer meiner weiteren Reisen zu Ihnen, für die Fahrt nach Erlangen, meine aufrichtige und herzliche Dankbarkeit aussprechen. Alles ereignete sich so rasch und unerwartet.

Damals bei dem Musikabend (am 6. September 2019 in Wladimir, Anm. der Redaktion) erinnerte ich einfach nur an die Absicht von Fritz Rösch, mich irgendwohin zu bringen. Aber ich hätte doch nicht im Ernst an eine solche Reise zu denken gewagt, und dann war ich ja auch ängstlich; schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste. Seit meinem Militärdienst auf dem Gebiet der DDR sind 62 Jahre vergangen, und in Erlangen war ich zuletzt vor elf Jahren. In dieser Zeit hat sich viel verändert, eine phantastische Idee also.

Nikolaj Schtschelkonogow mit Johanna und Paul Sander vor dem Konzert

Natürlich freute ich mich über die Maßen, noch einmal die Familien derer zu besuchen, die vor ihrer Zeit aus dem Leben geschieden waren, unsere gemeinsamen Freunde wiederzusehen, all die Veteranen verschiedener Kategorien noch einmal zu treffen, mit der russischen Diaspora und den Freunden Rußlands in den vielen Städten zusammenzukommen und einen herzlichen Empfang auf allen Ebenen zu erleben.

Nikolaj Schtschelkonogow mit Fritz Rösch und Ulrich Girschner

Ihnen allen wollte ich noch einmal meine tiefe Dankbarkeit aussprechen, ihnen die besten Wünsche der Veteranen aus Wladimir überbringen, die zu vertreten ich das Glück habe. Sie hegen größte Hochachtung für das Volk Deutschlands, vor seiner Kultur, seinen Sitten und Bräuchen, vor der internationalen Autorität des Landes. Wir sind für den Frieden, für die Freundschaft, für die Sicherheit der Völker, für die Ungestörtheit und das Glück der ganzen Menschheit.

Elisabeth Wittmann und Nikolaj Schtschekonogow

Bei uns hat jetzt die aktive Vorbereitung auf die Organisation und Durchführung der Veranstaltungen zum 75. Jahrestag des Kriegsendes begonnen. Ich erinnere mich an die Maitage des Jahres 1945 und die ersten Begegnungen mit Zivilisten im Umkreis von Zerbst. Wie die Menschen da erleichtert aufatmeten, weil der Krieg endlich vorüber war. Heute komme ich jeden Tag mit Jugendlichen, Schülern und Veteranen zusammen. Sie fragen dann immer: „Wie war es denn dort, in Deutschland?“ Worauf ich vor allem auf diese erstaunlich umfangreiche Arbeit zu sprechen komme, die notwendig war, um meine Reise zu ermöglichen, die so warmherzig und gelungen verlief. Und sie wurde ja auch zu einem bezeichnenden Ereignis, einem Parameter für die Gründlichkeit, Genauigkeit und Zuverlässigkeit, angelegt im Charakter der Deutschen. Das kam schon in der Nachkriegszeit klar zum Ausdruck: „Die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk bleibt.“

Wolfgang Morell und Tatjana Jazkowa (sitzend), Hans-Joachim Preuß, Nikolaj Schtschelkongow, Elisabeth Preuß und Jekaterina Zwetkowa

Bitte übermitteln Sie nochmals allen-allen meine tiefe Dankbarkeit und Verbundenheit für die herzliche und freundschaftliche Aufmerksamkeit, die mir zuteil wurde. Offen gestanden, träumte ich nach meiner Rückkehr mehrere Nächte hintereinander von dieser Reise, und beim Aufwachen fühlte ich mich jedes Mal, als hielte ich mich noch in Deutschland auf. Erst nachdem ich mir die Augen gerieben hatte, wurde mir klar, zu Hause im Bett zu liegen. Und dank allen Heiligen bewahren wir füreinander die Freundschaft.

Ich gebe zu und sehe ein, nur ein alter Mann zu sein, ein einfacher Mensch ohne große Bedeutung. Doch wenn diese Reise auch nur ein klein wenig dazu dienen sollte, die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Städten und damit auch unserer beiden Völker, der Russen und der Deutschen, zu festigen, kann ich meinem Schicksal unendlich dankbar sein. Friede und Wohlergehen Ihnen allen und dem deutschen Volk eine blühende Zukunft.

Hochachtungsvoll, Nikolaj Schtschelkonogow (16.12.2019)

Nachzulesen ist das Protokoll der Reise des ehemaligen Rotarmisten nach Deutschland im Blog vom 28. November bis 7. Dezember 2019.

Read Full Post »


Heute feiert Dietmar Hahlweg seinen 85. Geburtstag. Zu den großen und bleibenden Erfolgen des Altoberbürgermeisters und Ehrenbürgers der Stadt Erlangen gehören über die kommunalpolitischen Leistungen hinaus die Begründung der Städtepartnerschaften mit Wladimir, Jena, Stoke-on-Trent und San Carlos. Dabei war dem gebürtigen Schlesier die Aussöhnung mit der UdSSR und Polen sowie die Verständigung mit der DDR im Geist der Ostpolitik während seiner segensreichen Amtszeit von 1972 bis 1996 das wohl wichtigste Anliegen.

Nikolaj Schtschelkonogow und Dietmar Hahlweg, 9. Mai 2010, Wladimir

Die Tiefenschärfe dieses Bildes mit dem heute 94jährigen Kriegsveteranen in Wladimir erschließt sich erst nach der Lektüre des folgenden Berichts, den Dietmar Hahlweg dieser Tage im Rahmen des deutsch-russischen Projekts „Kriegskinder“ (siehe auch die Erinnerungen von Ute Schirmer: https://is.gd/OpWO3J) zu Papier brachte, vorab exklusiv im Blog veröffentlicht.

Flucht der Familie Hahlweg vom 20.1. bis 10.9.1945 aus Jagdschütz, Schlesien, bis nach Lorenzreuth bei Marktredwitz in Bayern

Zum Jahreswechsel 1944/1945 lebte meine Mutter, Elisabeth Hahlweg (34), mit ihren vier Kindern, Bärbel (12), Dietmar (10), Harald (8) und Hubertus (6), im Gutshaus in Jagdschütz, Kreis Trebnitz, ca. 30 km nördlich von Breslau. Mein Vater war seit 1939 ununterbrochen im Krieg; seither führte meine Mutter den 334 ha großen Gutsbetrieb mit etwa 40 Beschäftigten alleine.

Meine Mutter ahnte, Deutschland werde den Krieg verlieren, und begann heimlich (offen durfte darüber nicht gesprochen werden, das wäre Wehrkraftzersetzung gewesen) Kisten und Koffer vorzubereiten. Wir Kinder ahnten davon nichts.

Dann kam, vermutlich von der Nationalsozialistischen Kreisleitung, am 20. Januar 1945 der sogenannte „Treck-Befehl“. Innerhalb von 24 Stunden mußte der Gutsbereich geräumt werden. Treckleiterin war meine Mutter.

24 Stunden später zog der Treck, meine Mutter mit ihren vier Kindern und allen auf dem Gut beschäftigten Familien (darunter 25 Kinder und viele ältere Menschen), auf zwei Traktoren mit Anhängern und zehn Pferdegespannen bei 20 Grad minus Richtung Westen.

In den folgenden drei  Wochen waren die Ziele 1. Etappe Penzig bei Görlitz (ca. 200 km), 2. Etappe Görlitz – Dresden  (ca. 100 km) und die 3. Etappe Dresden – Richtung Leipzig mit dem Gut Zöschau bei Oschatz (ca. 70 km), das wir am 15. Februar 1945 erreichten. Wir bewältigten also mit dem Treck in 26 Tagen insgesamt ca. 370 km.

Obwohl das im Treckbefehl vom 20. Januar 1945 angegeben Treckziel Bayreuth in Bayern lautete und meine Mutter auch von sich aus mit dem Treck ohne Unterbrechung direkt nach Bayern weiterziehen wollte, beugte sie sich höchst widerwillig dem Willen meines Vaters, der zu dieser Zeit verwundet in einem Lazarett  in der Nähe von Breslau lag und mit dem sie telefonieren konnte. Auf sein Anraten hin blieb sie mit dem Treck auf Gut Zöschau. Mein Vater hatte auf diesem Gut sein Praktikum als angehender Landwirt abgeleistet, wußte, die Gutsfamilie von Oppel werde uns gut aufnehmen und meinte zudem, von dort sei die Rückkehr nach Schlesien leichter möglich.

Mein Vater meinte es gut, aber sein dringender Rat, zunächst in Zöschau zu bleiben, sollte sich als sehr falsch erweisen.

Die US-Armee, die bei Kriegsende am 8. Mai 1945 auch Thüringen und Sachsen und damit auch Zöschau befreit hatte, zog sich wenig später im Ausgleich für einen US-Sektor in dem von der sowjetischen Armee eroberten Berlin aus Thüringen und Sachsen wieder zurück. Einheiten der Roten Armee kamen deshalb auch nach Zöschau, requirierten Traktoren und Pferde. Wir mußten aus unserer Bleibe im Gutshaus auf den Scheunenboden umziehen.

Für meine Mutter war klar: Sie wollte so schnell wie möglich mit ihren Kindern und ihrer inzwischen zu uns gestoßenen Schwägerin nach Westen, gen Bayern. Sie organisierte im Tausch gegen eine goldene Uhr drei Handwagen, und am 20. Juni 1945 brachen wir mit dem Nötigsten Richtung Grimma (40 km) auf, wo zu dieser Zeit an der Mulde die Grenze zwischen Amerikanern und Sowjets verlief. An der Mulde verbrachten wir fast zwei Wochen im Freien, weil die Amerikaner nur so viele Flüchtlinge aus dem Osten aufnahmen, wie andererseits Menschen von Westen nach Osten wechseln wollten. Schließlich gelang das Übersetzen mit einem Kahn. Von Grimma ging es dann weiter nach Hof in Bayern (ca. 180 km) und von dort Richtung Bayreuth. In Gefrees, wo wir im bergigen Gelände baten, uns beim Hinaufschieben der Handwagen zu helfen, bot uns jemand zwei Ponys an, und meine Mutter kaufte diese spontan. Jetzt zogen die beiden Ponys unsere drei Wagen, und ich war von heute auf morgen stolzer Kutscher.

Unser Fluchtweg führte uns zunächst Richtung Nürnberg – manchmal am Tag nur acht km, dann einmal sogar 38 km –, dann aber bogen wir nach 50 km in Richtung Bamberg ab, weil es dort ein milderes Klima und eine günstigere Versorgung geben sollte. Inzwischen war es August / September geworden, und wir konnten gegen Kost und Übernachtung in der Scheune beim Ernten helfen. Mein Onkel Fredi, der jüngste der drei Brüder meiner Mutter, war nach seiner frühen Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft schon im Juli zu uns gestoßen, begleitete uns sporadisch, schwärmte aber immer wieder aus, um nach seiner Frau, dem Treck seiner Eltern, nach unserem Vater und seinen Brüdern zu suchen. Anfang September 1945 kam Onkel Fredi freudestrahlend mit einem Brief der Eltern meiner Mutter zurück, den diese an Bekannte aus Breslau geschrieben hatten, die inzwischen in Mindelheim im Allgäu gelandet waren.

Demnach waren meine Großeltern, Pächter des Gutes Großpeterwitz, ca. 15 km westlich von Jagdschütz gelegen, mit ihrem Treck auf einer Südroute durch das Sudetenland im Juni 1945 in Lorenzreuth bei Marktredwitz gelandet und hatten dort eine kleine Hofstelle pachten können. Wir waren auf unserem Weg im Juli Richtung Bayreuth nur weniger als 50 km von Lorenzreuth entfernt und zogen nun die ca. 150 km dorthin zurück und waren glücklich, dort am 10. September 1945  die Großeltern wiederzusehen und, obwohl äußerst beengt, dort auch unterzukommen und etwas zum Essen zu haben. Dies nach fast drei Monaten auf der Landstraße, ohne ein festes Dach über dem Kopf.

Die realistische Einschätzung meiner Mutter bewahrheitete sich: Ein Zurück nach Schlesien auf unseren Gutshof gab es nicht. Mit dem Potsdamer Abkommen der Siegermächte vom August 1945 fiel Schlesien an Polen. Meine Familie gehörte zu den Deutschen, die nicht nur den Krieg, sondern auch ihre Heimat verloren hatten, im Fall meiner Eltern mit dem Gutshof auch ihre ganze Existenz. Trotzdem gab es in meiner Familie nie Kritik an Polen oder der Sowjetunion.

Es war, wie wir sahen, Hitler-Deutschland gewesen, das diesen furchtbaren Zweiten Weltkrieg „vom Zaun gebrochen“, das heißt mutwillig begonnen hatte. Und man erfuhr mehr und mehr, wie gerade die beiden Länder, Polen und die Sowjetunion, es waren, die in besonders unvorstellbarem Ausmaß unter diesem Krieg gelitten hatten. Aus diesem Wissen und der bleibenden Scham darüber war es mir in meinem Amt als Oberbürgermeister, aber auch als Mitmensch, stets ein Anliegen, bei der Aussöhnung und dem Aufbau einer guten Nachbarschaft mit Polen und Russen mitzuhelfen. Es bleibt mein sehnlichster Wunsch, daß dies dauerhaft gelinge.

Dietmar Hahlweg

P.S.: Mit den besten Wünschen für den Jubilar hier noch der Hinweis auf seine Würdigung zum 80. Geburtstag, zu finden hier im Blog unter: https://is.gd/YegSNn

Read Full Post »


Den emotionalen Höhepunkt setzte Nikolaj Schtschelkonogow gestern morgen zum Ende seiner fast zweiwöchigen Reise in die eigene Vergangenheit mit dem Besuch der Roten Kaserne in Potsdam, wo er von 1951 bis 1957 stationiert war. Hierher holte er nach Stalins Tod 1953 seine Frau nach, von hier aus wurde er zur Niederschlagung des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 nach Berlin kommandiert, wo sich aber bei seinem Eintreffen die Lage bereits beruhigt hatte, und hier, im Militärkrankenhaus von Beelitz, in der einstigen Doktor-Koch-Klinik, kam sein Sohn zur Welt. Hier liegt der Grund für seine tiefe Verbundenheit mit den Deutschen, die sich übrigens, wie der Veteran betont, in all den sechs Jahren seiner Stationierung auch nur im Ansatz feindselig ihm gegenüber benommen hätten, ganz im Gegenteil, sogar Familienfreundschaften seien in jener Zeit entstanden, von denen Nikolaj Schtschelkonogow immer wieder gerne erzählt.

Jekaterina Zwetkowa, Andrej Maximow, Nikolaj Schtschelkonogow, Tatjana Jazkowa und Maxim Lortschenko vor dem Hauptkomplex der Roten Kaserne in Potsdam

In dem riesigen Komplex der Roten Kaserne, benannt nach dem Baumaterial Klinker und entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts, war ab 1948/1949 bis 1993 die Sowjetische bzw. Russische Armee einquartiert, und bot Platz für die ganze 34. Artillerdivision, in der Nikolaj Schtschelkonogow diente. Nach dem Abzug der Soldaten nutze die Stadt Potsdam – ähnlich wie das in Erlangen geschah – das Areal zur Neugestaltung eines ganzen Viertels mit Wohnungen, Büros und Forschungseinrichtungen.

Auf dem Weg zur Alexander-Newskij-Gedächtniskirche in Potsdam

Doch dann ging es schon hinauf zur Alexander-Newskij-Kirche, erbaut auf Anordnung König Friedrich Wilhelms III. in den Jahren 1826 bis 1829 als Manifest der engen Freundschaft von Preußen und dem Russischen Reich, auf dem Kappellenberg, unweit der Kolonie Alexandrowka, die eigens für die russischen Soldaten angelegt wurde. Heute ist sowohl die Siedlung als auch die Kirche, das älteste russisch-orthodoxe Gotteshaus in ganz Westeuropa, Teil des UNESCO-Welterbes.

Alexander-Newskij-Kirche in Potsdam

Der Schutzpatron wiederum steht in enger Beziehung zu Partnerstadt. Der einstige Großfürst von Wladimir wurde in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale beigesetzt, Peter I ließ aber die Gebeine des mittlerweile heiliggesprochenen Siegers über den Deutschherrnorden und dessen Drang nach Osten in seine neue Hauptstadt überführen, wo sie wohl auch bleiben werden.

Gottesdienst in der Alexander-Newskij-Kirche zu Potsdam

Aber wer wollte schon groß an diesen Reliquienraub denken, wenn doch, wie es der Himmel will, gerade an diesem Freitagmorgen ein Festgottesdienst gefeiert wird. Übrigens war die Kirche auch damals, in den 50er Jahren, geöffnet. „Auch wenn ich, als Kommunist erzogen, kein gläubiger Mensch war“, erinnert sich Nikolaj Schtschelkonogow, „kam ich doch immer wieder hierher. Denn es ging uns materiell zwar recht gut, und wir fühlten uns wohl hier, aber Heimweh hatten wir doch alle, und da bot die Kirche uns ein Stück Rußland.“ Allerdings, und auch das gehörte zum Leben der Sowjetsoldaten: „In den Büschen, wo es zu dem einen oder anderen Stelldichein mit den Fräuleins gekommen sein mag, saßen gern auch Geheimdienstleute, um über die Moral der Truppe zu wachen.

Schloß Cecilienhof

Zu den festen Ausflugszielen gehörten natürlich auch Schloß Cecilienhof, wo die Potsdamer Konferenz stattgefunden hatte, dessen viele Zimmer Nikolaj Schtschelkonogow noch heute fast alle beschreiben könnte. Für eine Besichtigung bleibt freilich ebensowenig Zeit wie für eine Führung durch Sanssouci.

Sanssouci

Aber es war ja auch keine touristische Reise für den Veteran. Er konnte sich seinen Herzenswunsch erfüllen: zum sechsten Mal nach Erlangen kommen, um Abschied von seinen deutschen Kameraden und Freunden zu nehmen, um noch einmal die wichtigsten Stationen seiner Zeit als Soldat in Deutschland zu besuchen, vor allem aber, um sein ganz persönliches Zeugnis für die russisch-deutsche Aussöhnung über die ungezählten Gräber hinweg abzulegen, um zu beweisen, daß man den Krieg in sich besiegen kann. Davon wird nun bald die Dokumentation von Jekaterina Zwetkowa berichten, die bereits im April fertiggestellt sein soll, um sie dann – möglichst mit Gästen aus Erlangen – zum 75. Jahrestag des Kriegsendes in Wladimir uraufzuführen.

Nikolaj Schtschelkonogow

Nikolaj Schtschelkonogow will so lange nicht warten. Viel zu ungeduldig ist er dafür, zumal er keinen Tag ungenutzt verstreichen lassen möchte. Und so wird er schon heute – im Geiste der Verständigung – von seinen Erlebnissen und Eindrücken in Deutschland berichten und sicher einen Reisebericht schreiben, ganz im Sinne seiner Mission der Aussöhnung mit den einstigen Feinden. Welch ein großer Mensch!

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: