Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Nikolaj Kaplenko’


Es wurde ja bereits angekündigt: Zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ sollte es mit der Auszeichnung herausragender Projekte im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eine Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben. Preisträger der Blog, den Sie gerade lesen, und das Gesprächsforum „Prisma“, das Sie aus der Lektüre des Blog bereits kennen.

Sergej Lawrow, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß und Heiko Maas

Mehr als 250 Projekte hatten sich beim Deutsch-Russischen Forum, dem für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung nicht genug gedankt werden kann, um die Urkunde beworben, die gestern im Außenministerium zu Berlin Heiko Maas und Sergej Lawrow am späteren Nachmittag an die 30 von der Jury ausgewählten Partnerschaftspaare überreichten. Einzig Erlangen und Wladimir wurden dabei mit einer doppelten Urkunde ausgezeichnet.

Im Wimmelbild der Ausgezeichneten: Alina Kartuchina und Elisabeth Preuß

Für Erlangen nahm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Auszeichnung entgegen, selbst häufig mit eigenen Beiträgen im Blog vertreten und regelmäßige Leserin der Plattform, aus Wladimir war zu der Zeremonie Alina Kartuchina angereist, die selbst Ende Januar d.J. als Jugendvertreterin an dem Diskussionsforum „Prisma“ teilgenommen hatte und die Partnerschaft schon vom Schüleraustausch her bestens kennt. Eine gute Wahl also, eine gute Vertretung für Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die ihren Besuch kurzfristig hatte absagen müssen, weil das Ergebnis der Gouverneurswahlen vom vergangenen Sonntag eine Stichwahl am übernächsten Sonntag notwendig macht und somit Präsenzpflicht für alle Kommunalpolitiker gilt.

Die Partnerschaftsdelegation: Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Mit dabei aber auch die Historikerin, Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neue und Neueste Geschichte an der FAU und Sprecherin von Prisma deutscherseits, sowie Jürgen Ganzmann, seit 1999 mit seinen Projekten im Bereich Behindertenarbeit und Psychiatrie einer der großen Akteure der Partnerschaft.

Alina Kartuchina und Peter Steger

Warum nun die Auszeichnung für den Blog? Unter den mittlerweile offiziell geführten 105 deutsch-russischen Städtepartnerschaften ist er wohl das einzige Medium, das seit nunmehr zehn Jahren Tag für Tag über den Austausch berichtet und dabei bereits deutlich über eine Million Aufrufe zu verzeichnen hat. Mehr noch: Den aktuell 3.860 Einträgen stehen 1.172 Kommentare gegenüber, die – all die Gastbeiträge gar nicht berücksichtigt – beweisen, welch ein interaktives Leben diese Internetplattform führt. Es ist also eine Auszeichnung nicht nur für den ehrenamtlichen Betreiber des Blogs, sondern vor allem auch für Sie alle, die jetzt gerade diese Zeilen lesen. Ohne Ihre Rückmeldungen, Kommentare, Ermunterungen, kritische Anmerkungen und eigenen Beiträge wäre der Blog längst wieder eingestellt. Danke also an Sie alle!

Großer Saal, voller Saal im Außenministerium zu Berlin

Vor dem Preis floß dann aber auch der Schweiß. In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Strategien für eine Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen und Regionen, Zivilgesellschaft und Ihre Gestaltungskraft für Städtepartnerschaften oder Projekte der Zusammenarbeit im sozialen Bereich.

Volle Arbeitsgruppen

Zu einem weiteren Arbeitskreis war eigens Konrad Wölfel, im Erlanger Amt für Umweltschutz und Energiefragen zuständig für Klimaschutz und Energieberatung, angereist – und traf auf Sergej Siwajew, in den 90er Jahren Vizebürgermeister von Wladimir, mittlerweile als Professor für Urbanistik in Moskau und seit kurzem auch als Fachgebietsleiter bei Rostelecom tätig. Die beiden fanden auf Anhieb zueinander – und schon zeichnet sich ein neues Projekt ab.

Sergej Siwajew und Konrad Wölfel

Sergej Siwajew berät nämlich russische Kommunen dabei, effizienter mit Energie umzugehen. Dabei soll auch das deutsche Modell helfen, wonach – wie in Erlangen – städtische oder staatliche Einrichtungen in Fragen wie Strom und Heizung von einem eigenen Gebäudemanagement betreut werden. In russischen Städten und Gemeinden zeichnet dafür noch immer die Schulleitung oder die Direktion des Krankenhauses verantwortlich – und ist damit häufig überfordert.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Dies soll sich nun ändern, und so darf man also mit einer baldigen Annahme der Einladung nach Erlangen rechnen, ausgesprochen an Sergej Siwajew natürlich auch von Elisabeth Preuß. Am Rande der Begegnungen dann ein weiteres Projekt, an dem Erlangens Bürgermeisterin beteiligt sein wird: Anfang November, wenn sie ohnehin zum nächsten Treffen von Prisma nach Wladimir kommt, nimmt sie in der Partnerstadt an einer Konferenz zu Fragen der kommunalen Selbstverwaltung teil, organisiert von Emil Markwart, Professor an der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung in Moskau. Man ruht sich ja nicht auf den Lorbeeren der Partnerschaft aus…

Jurij Katz aus Wladimir

Wie weit diese Partnerschaft über Erlangen hinaus wirkt, sieht man etwa an obigem Bild, das, rechts stehend, Jurij Katz zeigt, den Gründer der Selbsthilfeorganisation Swet, hier bei einer Konferenz mit dem Verein „Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg – Dagestan“, wo der Vorreiter einer russischen „Lebenshilfe“ gerade auch seine in Franken gesammelten Erfahrungen vermitteln kann.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Unterdessen ging Jürgen Ganzmann, Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, auf Autogrammjagd. Gabriele Krone-Schmalz hatte 2001 den Vorsitz bei der Jury, die den „Preis für bürgerschaftliches Engagement“ in vier Kategorien an die Partnerschaft Erlangen-Wladimir vergab, darunter an das Projekt „Lichtblick“ von Jürgen Ganzmann, der dann im Jahr 2002 den 1. Preis zusammen mit Fritz Wittmann, Brüne Soltau und Peter Steger aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau entgegennehmen konnte. Da kommen Erinnerungen hoch.

Jürgen Ganzmann und Sergej Lawrow

Aber es geht ja weiter, wie beide Außenminister, die sich vertraut beim Vornamen nennen, es sich wünschen. Gerade in politisch schwierigen Zeiten. Die Zivilgesellschaft ist da gefordert wie nie zuvor, aber sie wird auch gefördert. Das Außenministerium stellt als Gastgeber Millionen für die Förderung des Austausches zur Verfügung, die Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften, das Deutsch-Russische Forum – sie alle unterstützen Initiativen und Projekte des Miteinanders.

Nikolaj Kaplenko und Konrad Krebs

Und schließlich gibt es da auch noch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der etwa auch die Arbeit der Eurowerkstatt in Jena unterstützt, von wo Konrad Krebs mit Nikolaj Kaplenko aus Wladimir zur Konferenz kam, auch wenn ihr Projekt dieses Mal keine Auszeichnung erhielt. Aber auch da geht die Verständigungsarbeit weiter.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Dennoch: Es könnte noch viel getan werden für das deutsch-russische Miteinander. In der gemeinsamen Erklärung der Veranstaltung  fordern die Veranstalter deshalb auch neben Erleichterungen bei der Erteilung von Visa und Verbesserungen bei den Bedingungen für Praktika und Hospitationen Unterstützung bei der Gründung eines deutsch-russischen Koordinationsrates der Partnerstädte.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Vor allem aber: Es kann und darf nicht bei den etwa einhundert kommunalen Partnerschaften bleiben, die in keinem Verhältnis zu den 2.200 deutsch-französischen Verbindungen stehen. Immerhin liierten sich während der Tagung drei neue deutsch-russische Paare – Greifswald & Wyborg, Schwedt & Tuapse siwie Lahr & Swenigorod -, und 2019 soll dann das Deutsch-Russische Jahr der Wissenschaften ausgerufen werden. Es geht also weiter – schon Ende September mit dem deutsch-russischen Jugendforum in Hamburg, an dem Gruppen aus Jena und Wladimir teilnehmen…

Auszeichnung 16

Doch, weil’s so schön war, hier noch einmal das Gruppenbild.

Read Full Post »


Nun ist der Jugendaustausch beendet

Vom 20. bis 27. April fand in Jena im Rahmen des Partnerschaftsdreiecks Jena-Wladimir-Erlangen, ein Jugendaustausch statt. Für die Vorbereitung und Durchführung der Begegnungen waren die ÜAG Jena GmbH und der Euroklub Wladimir zuständig, die Euro-Werkstatt Jena e.V. unterstützte sie. Die Jugenddelegation bestand aus Mitgliedern des Euroklubs, Schülern des Gymnasiums Nr. 35, Studentinnen der Berufsfachschule für Pflegeberufe und der Staatlichen Universität. Finanziert wurde der Austausch durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/2018“ (www.russlandpartner.de).

Nikolaj Kaplenko, 2. v.l. sowie Frederick Mathol, Cornelia Bartlau und Iwan Nisowzew, rechts im Bild

Während der Zeit in Deutschland berichteten die Besucher den Schülern der Staatlichen Berufsbildenden Schule (SBBS) für Gesundheit und Soziales von ihrer Heimatstadt Wladimir. Sie besuchten die Friedlich-Schiller-Universität mit einer Präsentation über Wladimir, besichtigten das Universitätsklinikum Jena sowie das Altersheim des Roten Kreuzes. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des KZ Buchenwald. Außerdem pflanzten sie 250 Bäume in der Nähe der Stadt Jena. Selbstverständlich kam auch das Treffen mit der deutschen Jugend und internationalen Freiwilligen nicht zu kurz.

Deutsch-russische Graffiti-Wand in Jena

Wir hoffen, den Gästen hat die Reise gefallen, und sie nehmen nicht nur Souvenirs mit nach Hause, sondern auch viele schöne Eindrücke. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch und die Fortsetzung des Austausches!

Partnerschaft – unsere Zukunft

Wir hatten es kaum geschafft, die Jugendgruppe aus Wladimir zu verabschieden, als schon Jelena Guskowa, die Vorsitzende des Euroklubs, gemeinsam mit Schülern und Studenten nach Jena kam.

Diskussionskreis

Diese Gruppe hielt sich vom 29. April bis zum 01. Mai in Jena auf. Für sie wurde eine Stadtführung sowie ein Kennenlernen mit der deutschen Kultur organisiert. Die Exkursion wurde von den Freiwilligen und dem Leiter der Euro-Werkstatt Jena e.V., Iwan Nisowzew, durchgeführt. Die russischen Gäste brachten den deutschen Jugendlichen süße Geschenke aus ihrem Heimatland mit. Sie hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit der Partnerstädte und freuen sich auf deutsche Gäste in Wladimir.

Willkommen und Abschied

Diese Reise verlief unter der Devise „Partnerschaft – unsere Zukunft“ und fand im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres lokaler und regionaler Partnerschaften 2017/2018“ (www.russlandpartner.de) statt. Das Projekt wurde durch den Euroklub Waldimir und seine Partnerorganisationen in Jena, die Euro-Werkstatt e.V. und die ÜAG GmbH Jena, unterstützt durch die Stadtverwaltung Jena, durchgeführt.

Nikolaj Kaplenko, Übersetzung: Johanna Grosser

Read Full Post »


Heute darf ich, Nikolaj Kaplenko, Sie herzlich begrüßen. Ich bin 22 Jahre alt, habe 2017 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir abgeschlossen und dann die Gelegenheit wahrgenommen, in Jena ein Jahr im Rahmen des „Europäischen Freiwilligendienstes“ zu verbringen. Vorher war ich schon Mitglied des Wladimirer „Euro-Klubs“ und engagierte mich dort im Bereich der Städtepartnerschaft. Meine Entscheidung für Jena kam also nicht zufällig zustande, denn auch hier beschäftige ich in der „Eurowerkstatt“ mit der deutsch-russischen Zusammenarbeit und dem Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Zu meinen Aufgaben gehört es, meinen Leiter, Iwan Nisowzew, den Vorsitzenden der „Eurowerkstatt“ bei der Durchführung von Kulturveranstaltungen, bei der Kommunikation mit dem Euro-Klub, beim Austausch zwischen dem Universitätsklinikum Jena und der Wladimirer Fachschule für Medizinische Berufe ebenso zu unterstützen wie bei der Vorbereitung von Delegationsbesuchen aus den Partnerstädten oder bei der Arbeit im Büro der „Eurowerkstatt“, bei Freiwilligenfestivals und bei vielem anderen zu helfen. Mit Alexander Fomin hält sich derzeit ein weiterer Freiwilliger aus Wladimir in Jena auf.

Nikolaj Kaplenko und Iwan Nisowzew

In meiner Freizeit treffe ich mich mit anderen Freiwilligen und Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Der Austausch mit ihnen hilft mir, andere Menschen besser zu verstehen und zu begreifen, daß wir so verschieden gar nicht sind. Ich erlerne die deutsche Sprache und reise viel, um die deutsche Kultur besser zu verstehen.

Vom 19. bis 23. Februar besuchte ich unsere Partnerstadt Erlangen, um an den „Russisch-Deutschen Wochen“ teilzunehmen. Daneben wollte ich neue Kontakte knüpfen, von der Erfahrung bei der Durchführung derartiger Veranstaltungen profitieren und einen ausländischen Blick auf die russische Kultur verstehen lernen.

Cornelia Bartlau und „ihre“ Freiwilligen

In dieser Woche sah ich den Film „Hundeherz“ aus dem Jahr 1988, versuchte mich in der russischen Kaligraphie und fühlte mich wieder wie in der ersten Klasse, als ich überlegen mußte, wie man die Buchstaben untereinander verbindet. Dann war da jener überwältigende Vortrag zum Thema „Russische Klassik gestern und heute“ mit einem Lektor, Dorian Keilhack, der nicht nur erzählte, sondern auch zusammen mit seiner Frau und Tochter selbst einige Stücke spielte. Auch der Abend, der einer Radfahrt von Erlangen nach Wladimir gewidmet war, hat mir sehr gut gefallen. Schön auch, nach dem Bericht all die vertrauten Bilder aus Wladimir und der Region um meine Stadt wiederzusehen.

Anastasia Blasch, Wolfgang Morell und Nikolaj Kaplenko

Besonders freute mich die Bekanntschaft mit dem Weltkriegsveteranen, Wolfgang Morell. Er lieh mir sein Exemplar der russischen Fassung des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger. Es handelt sich dabei um die Sammlung von Erinnerungen ehemaliger Kriegsgefangener an ihre Lagerzeit auf dem Gebiet der Region Wladimir.

Meine Eindrücke von dieser Woche waren durchweg positiv, ich hatte das Gefühl, eine Woche lang gar nicht in Erlangen, sondern zu Hause, in Wladimir, zu sein. Ich hoffe nun, mit meinen in dieser Zeit erworbenen Kenntnissen eine ähnliche Veranstaltung auch in Jena organisieren zu können.

Nikolaj Kaplenko

Read Full Post »


Zur russischen Tischkultur gehört er ebenso wie Banja und Datscha als feste Bestandteile der angenehmsten Seiten russischer Lebensart gelten. Nun steht der Samowar auch symbolisch für „Expats“, die, größtenteils noch in der Sowjetunion geboren und aus Städten wie Moskau, Kirow, Baku, Donezk und natürlich Wladimir stammend, in Erlangen leben bleiben wollen. Gestern traf sich erstmals eine – die Kinder eingerechnet – fast dreißigköpfige Gruppe, um sich näher kennenzulernen, einander wiederzusehen, sich auszutauschen. Ohne Tagesordnung, Protokoll oder Satzung, dennoch mit dem Vorsatz, diese Begegnungen regelmäßig zu veranstalten, ähnlich wie das etwa die niederländische „Auslandsvertretung“ in Erlangen schon seit langem tut.

Samowar

Ein schöner Ansatz und ein gelungener Auftakt am Ende der „Russisch-Deutschen Wochen“ in der Volkshochschule; sicher auch eine Bereicherung für die Städtepartnerschaft mit Wladimir und ihre bereits so bunte bürgerschaftliche Struktur, die vom „Förderverein Rotes Kreuz“ und „Nadjeschda“ bis zum „Freundeskreis Wladimir“ oder zu „Kommunalka“ und dem Verein „Brücken“ und deren verschiedenen Aktivitäten reicht. Nun also auch noch der Stammtisch „Samowar“, bei dessen nächstem Treffen der Blog dann sicher auch das eine oder andere Interview führt.

Nikolaj Kaplenko

Nicht so lange dauern wird es mit dem Bericht von Nikolaj Kaplenko, in der Städtepartnerschaft erstmals aktenkundig geworden im Mai 2016: https://is.gd/UY2lQW. Der Wladimirer war eigens für acht Tage aus Jena angereist, wo er seit Dezember ein Europäisches Freiwilligenjahr absolviert, um sich das Konzept der „Russisch-Deutschen Wochen“ in der praktischen Umsetzung anzusehen und der Volkshochschule Jena etwas in der Art vorzuschlagen. Außerdem will er gerne wiederkommen, um bei einem Treffen des „Freundeskreises Wladimir“ über seine Aufgaben in Jena zu berichten, wo er gleich nach seiner Rückkehr das Programm für eine Jugendgruppe aus Wladimir vorzubereiten hat. Gut so!

Read Full Post »


Die Wladimirer Jugendorganisation „Euroklub“, eng im Austausch mit Erlangen sowie Jena verbunden, betätigt sich seit einigen Wochen nun auch mit Migrationsfragen – und zwar ganz konkret mit Beratungs- und Gesprächsangeboten. Ein Grund zur Freude für Jelena Guskowa, Leiterin des Verbands, die in einer Zuschrift die Leser des Blogs an ihrer Begeisterung teilhaben lassen will:

Endlich ist es gelungen, Freiwillige für diese Arbeit mit Arbeitsmigranten zu gewinnen! Endlich haben wir gelernt, den Nutzen des interkulturellen Dialogs zu sehen. Ich denke, wenn das Projekt so erfolgreich fortgesetzt wird, wie es begonnen hat, könnte es zu einem Durchbruch im Bewußtsein der Wladimirer Stadtgesellschaft führen, einen Beitrag zu Toleranz und Solidarität leisten. Eine große Leistung des „Euroklubs“!

Interviews mit Arbeitsmigranten

Nikolaj Kaplenko erklärt als Projektleiter in einer Zusammenfassung, es gehe den jungen Leuten um die Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen auf beiden Seiten. Die einheimische Bevölkerung sehe in den Gastarbeitern oft nur ungebildete Menschen, die in Waggons hausen, nur niedrige Tätigkeiten verrichten und mit denen man sich nicht näher einlassen sollte. Die meist aus den zentralasiatischen Republiken stammenden Migranten stehen ihrerseits häufig den Russen mißtrauisch gegenüber, fürchten, man wolle sie übers Ohr hauen und ihnen die sauer verdienten Rubel wieder abnehmen, die sie an ihre daheim gebliebenen Familien schicken wollen. Sobald sie sich freilich von den guten Absichten der Jugendlichen überzeugten, die auch die Moschee besuchten und mit islamischen Geistlichen sprachen, gingen die Usbeken, Tadschiken, Kasachen und Turkmenen richtig aus sich heraus, erzählten gern von ihren Lebensumständen, – auch davon, wie es ihnen in der Region Wladimir gefalle. Arbeit finden sie – bei Vorlage der Erlaubnis, die an einen erfolgreichen Sprachtest gebunden ist – in allen möglichen Bereichen, von der Landwirtschaft über die Gastronomie bis hin zum Bausektor und verarbeitenden Gewerbe. Aber immer nur auf Zeit, denn ausnahmslos alle leiden an Heimweh, wollen so schnell wie möglich mit ihrem Lohn wieder zurück zu ihren Familien.

Nikolaj Kaplenko (links im Bild) mit seiner Jugendgruppe beim Empfang im Mai 2016 mit Stadtrat Christian Lehrmann

Abschließend meint Nikolaj Kaplenko:

Wir fürchten oft das, was wir nicht kennen. Doch sobald wir unbekannte Menschen näher kennenlernen, wird klar, daß sie und wir gar nicht so anders sind.

Eine Erkenntnis, die der junge Mann schon im Vorjahr bei seinem ersten Besuch in Erlangen hatte. Nun will er diese noch weiter vertiefen, wenn er demnächst in Jena als Freiwilliger bei der „Euro-Werkstatt“ mitarbeitet und sicher auch wieder einmal in Erlangen vorbeischaut.

Read Full Post »


Heute klingt der Besuch der vierköpfigen Jugendgruppe aus Wladimir – sicher mit einem letzten Gang auf den Berg – ganz ohne Programm aus, und morgen geht es via München schon wieder zurück in die Heimat. Nach vielen Begegnungen und Gesprächen, geplanten wie spontanen, mit Ausflügen und Museumsbesuchen – und nach mehr als einer Woche in Gastfamilien, denen hiermit nochmals ausdrücklich gedankt werden soll.

Christian Lehrmann

Nikolaj Kaplenko, Wsewolod Kotschetkow, Christian Lehrmann, Anastasia Rybina und Alexandra Rotmann

Ganz oben auf der Wunschliste der Gäste hatte ein Treffen mit der Polizei gestanden. Man wollte wissen, wie es um die Jugendkriminalität in Erlangen bestellt sei. Ein Empfang auf der Wache war zwar wegen der „Ausnahmesituation Bergkirchweih“ nicht möglich, aber in Stadtrat Christian Lehrmann, im Brotberuf bei der Kriminalpolizei Nürnberg tätig, hätten die Jugendlichen kaum einen kompetenteren Gesprächspartner finden können, war er doch lange Zeit im Bereich Prävention tätig und kennt deshalb die Gefährdungen, denen Heranwachsende ausgesetzt sind, von synthetischen Drogen über Alkoholmißbrauch bis hin zu Straßenkriminalität. Alles, gottlob, in Erlangen keine übergroßen Probleme, aber dafür hat man ja auch die Polizeipräsenz und vorbeugende Programme.

Florian Janik mit den Jugendgruppen aus Riverside und Wladimir

Florian Janik mit den Jugendgruppen aus Riverside und Wladimir

Von vielem gäbe es noch zu berichten, etwa vom Treffen mit dem Erlanger Jugendparlament, aber einen letzten Höhepunkt erlebte das Quartett sicher beim gestrigen Empfang im Rathaus mit Oberbürgermeister, Florian Janik, gemeinsam mit den Studenten der California Baptist University aus Riverside, der amerikanischen Partnerstadt, mit denen die jungen Russen – der Blog berichtete davon – bereits den vergangenen Sonntag in der Fränkischen Schweiz verbracht hatten. „This is very important! Good relationship“ kommentierte diese Zusammenkunft ein Leser auf Facebook. Er hätte noch hinzufügen können: „Mehr davon!“

Read Full Post »


In Zeiten, wo ein simpler Schlagerwettbewerb bierernst zur Völkerschlacht stilisiert wird, wo selbsternannte Patrioten den Sieg ihres eigenen Herolds der leicht-seichten Muse zur nationalen Zielvorgabe erklären und für dessen vermeintlich unverdiente Niederlage eine Verschwörung der Kalten Krieger vom CIA im Schulterschluß mit anderen finsteren Mächten verantwortlich machen, in solchen Zeiten fühlen sich Begegnungen wie der gestrige Ausflug nach Betzenstein einer Gruppe der Erlanger Freien Baptisten mit den jungen Gästen aus Riverside und Wladimir wie ein kleines Pfingstwunder an.

Gruppenbild mit Riverside und Wladimir

Gruppenbild mit Erlangen, Riverside und Wladimir in Betzenstein

Je mehr Ost und West in der großen Politik aneinandergeraten, desto wichtiger erscheint es, jetzt vor allem junge Menschen zusammenzubringen, mit denen die Dinge wohlgeraten können. Wo nicht im Überschwang der Zwang und Drang herrschen, in allem, koste es, was es wolle, die Nummer 1 zu sein, wo es nicht darauf ankommt, den anderen auszustechen, ihm eine Lektion zu erteilen oder auch nur, ihn für die eigene Sicht der Dinge einzunehmen.

Anastasia

Anastasia Rybina, Alexandra Rotmann, Wsewolod Kotschetkow und Nikolaj Kaplenko

Die sieben Studenten der California Baptist University in Riverside und die vier Altersgenossen von der Jugendorganisation Lingua in Wladimir leben in der Fränkischen Schweiz vor, wie das funktioniert, worauf es wirklich ankommt: Man geht aufeinander zu und erlebt nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame, das Schöne, die Lebensfreude. So einfach kann das sein, wenn man einandere sein lassen kann, wie man ist.

Madison und Nikolaj

Madison Twomey und Nikolaj Kaplenko

Vor allem, wenn man auch noch eine Sprachmittlerin wie Madison Twomey zur Seite hat, die dank einem längeren Aufenthalt in Kasachstan schon fast akzentfrei Russisch beherrscht, beide Welten kennt und sich über die Möglichkeit freut, wieder mit Muttersprachlern zusammenzusein.

Anastasia

Alexandra Rotmann und Anastasia Rybina

Es ist aber auch der Geist der Baptistengemeinde, der Verbindung schafft, Unterschiede schwinden läßt. Und so nimmt es nicht wunder, wenn die Gäste aus Wladimir auf der Rückfahrt nach Erlangen sagen: „Wir haben gar nicht mehr gemerkt, wer jetzt Deutscher oder Amerikaner ist, und es kam uns oft vor, als hätten die Amerikaner Deutsch gesprochen…“ So etwas kann eben vielleicht wirklich nur an Pfingsten geschehen. Aus der Riverside-Gruppe spricht nämlich an allen übrigen Tagen des Kirchenjahres nachweislich niemand die Sprache der Gastgeber…

Wsewolod

Wsewolod Kotschetkow, Alexandra Rotmann und Oliver Meyer über den Dächern von Betzenstein

Vielleicht ja auch nicht so wichtig, wer was spricht, ob nun Xenoglossie oder Glossolalie, Hauptsache, man versteht sich zwischen Deutschen, Amerikanern und Russen in der Sprache des Geistes und der Herzen.

Madison

Alexandra Rybina, Wsewolod Kotschetkow und Madison Twomey

Das Drei-Länder-Treffen in der luftigen Felsenlandschaft um Betzenstein kam übrigens ganz spontan und ungeplant zustande, als Überraschung für alle Beteiligten und Vorbote weiterer Begegnungen – spätestens am Freitag wieder, beim gemeinsamen Empfang im Rathaus zu Erlangen. Und wer weiß, was sich sonst später so alles ergeben mag.

Gemischt

Zusammen: Erlangen, Wladimir, Riverside

Noch einmal aber zurück zum Eurovisionswettbewerb: Wie glücklich sich doch Deutschland preisen kann, kein Komplott feindseliger Kräfte hinter dem kläglichen letzten Rang der Platzierung zu wittern. Wie schön, daß die angeblichen Russenhasser in der Ukraine dem Kandidaten des großen „Brudervolks“ zwölf Punkte gaben und der ukrainische Beitrag vom russischen Publikum immerhin zehn Punkte erhielt. Wie sehr möchte man Moskau und Washington wünschen, sich und die sich selbst zugedachten Rollen auf der Weltbühne im Geist der Verständigung und mit mehr Gelassenheit zu definieren.

Professor Tom Ferko mit seinen Studentinnen

Professor Tom Ferko und die deutsch-amerikanische Freundschaft

Im kleinen ist das in Betzenstein ja dank der spontanen Gastfreundschaft der Baptistengemeinde auf Anhieb gelungen, im großen harren wir der Dinge, die da kommen sollen. Immer noch in Sorge, aber seit dem gestrigen Tag wieder mit ein wenig mehr Hoffnung.

 

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: