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Posts Tagged ‘Naturschutzgebiete Wladimir’


In Zusammenarbeit mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, beringt man derzeit Vögel gefährdeter Arten in der Region Wladimir. Das von der deutschen Umweltorganisation finanzierte Projekt sieht sogar die Ausstattung der Tiere mit einem GPS-Peilsender vor.

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Erstmals gelang es nun, einen Nestling aus dem Horst eines Schelladlers auf diese Weise in ein Überwachungsprogramm aufzunehmen. Der Greifvogel, der im Winter nach Nordafrika oder Südasien zieht, gilt in seinem gesamten Verbreitungsgebiet als vom Aussterben bedroht, und auch in der Region Wladimir ziert er mit nur noch zehn bis zwanzig Paaren leider die Rote Liste.

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Der Bestand hat am Zusammenfluß von Kljasma und Luch, Kljasminsko-Luchskij Naturschutzgebiet, ein letztes Refugium gefunden, das 2011 von der Politik beinahe aufgegeben worden wäre. Siehe hierzu: https://is.gd/AKjD0K

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Das Junge erwies sich übrigens als Männchen, und anhand einer Genanalyse ließ sich auch feststellen, daß es sich nicht – wie durchaus häufig – um einen Hybriden handelt. Schelladler paaren sich nämlich immer wieder mit dem kleineren Schreiadler, der ebenfalls ausgedehnte Sumpfgebiete bewohnt.

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Die Wissenschaftler hoffen nun, mehr Erkenntnisse über das Verhalten der Vögel zu gewinnen und damit natürlich auch deren Schutz verbessern zu können.

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Dank einer kleinen Solarzelle ist der Sender übrigens energieautark und sollte seine Signale über einen längeren Zeitraum an die Vogelschützer schicken.

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Und besonders schön: Russen und Deutsche arbeiten auch im Bereich des Artenschutzes zusammen. Es gibt eben doch viel mehr Verbindendes als Trennendes zwischen unseren Ländern.

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Im Landkreis Sudogda, 70 km von Wladimir entfernt, liegt das Naturschutzgebiet Djukinskij, wo die Orchideen des Nordens wachsen.

Neottianthe cucullata

Ab Mitte Mai bis Ende Juni findet man hier auf geführten Touren den Frauenschuh, das Helm-Knabenkraut und sogar die 1919 von Rudolf Schlechter erstmals beschriebene Neottianthe cucullata, eine besonders bedrohte Spezies. Aber auch wer an Geologie interessiert ist, kommt hier nicht zu kurz.

Fontäne des Peredel

Die Blumen wachsen in einem Gebiet, wo man urzeitliche Muscheln und Krebse buchstäblich mit Händen greifen kann. Und dann ist da noch der natürliche Springbrunnen des Flusses Peredel zu bestaunen, dessen Druck das Wasser auf bis zu fünf Metern Höhe sprudeln läßt.

Speisemorchel

Aber auch etwas ganz anderes schießt jetzt nach oben: Die Speisemorchel, ein Frühlingspilz, der in der Umgebung von Wladimir gern gesammelt wird. Freilich nur von Kennern, denn wer will sich schon gern eine unbekömmliche Stinkmorchel zu Gemüte führen!

 

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Kennen Sie den Widerstand der Bevölkerung vor Ort gegen die Einrichtung eines Nationalparks im Spessart? Der ist ja mittlerweile derart entschieden, daß die Landesregierung in Bayern wohl lieber die Finger davon läßt. Ganz ähnlich geht es in der Region Wladimir zu, wo etwa 130 km östlich der Partnerstadt im Kreis Seliwanowo auf einer Fläche von 40.000 ha eine geschützte Zone entstehen soll, in der dann 22 Ortschaften mit insgesamt etwa 10.000 Einwohnern liegen. Angeführt von einem Unternehmer, der mit dem Verlust von Arbeitsplätzen nicht nur in seinem Betrieb warnt, spricht sich eine Bürgerversammlung einstimmig gegen das Vorhaben der Regierung aus: Man wolle nicht in einem „Reservat“ leben, wo man nur mit Zugangsberechtigung und Ausweis in den Wald zum Pilze- und Beerensammeln gehen dürfe, so ein Argument neben all den Sorgen um den ökonomischen Niedergang der eigenen Heimat. Ob gegen derartige Opposition die Pläne ad acta gelegt werden, oder ob, wie ein Vorschlag aus der Bevölkerung lautet, der Nationalpark an anderer Stelle eingerichtet wird, wo ohnehin niemand wohne, wird sich zeigen.

Apropos an anderer Stelle: Am westlichen Stadtrand von Wladimir liegt ein Landschaftsschutzgebiet, das teilweise für den Wohnungsbau vorgesehen ist. Aber nun regt sich Widerstand just gegen das Entwicklungsprojekt. Hier soll, geht es nach dem Willen der Anwohner, der „grüne Schild“ der Stadt erhalten bleiben. Widersprüchlich ist er halt der Mensch, hier wie dort, in seinem Widerstand, gleich ob im Spessart oder in Wladimir.

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Zu erwarten war er schon länger, nun ist der mutmaßlich erste Wolf, vor mehr als 200 Jahren in unserer Gegend ausgerottet, wieder in der Nähe von Erlangen aufgetaucht – und wurde bei Möhrendorf auf der Autobahn totgefahren. Der nächste Isegrimm ist hoffentlich vorsichtiger und überlebt, um auch hier – vielleicht im Sebalder Forst – ein Rudel zu gründen.

Aber wie steht es um den grauen Beutegreifer in den Wäldern um Wladimir? Der Frage ging vor dem Hintergrund der Probleme mit den Angriffen von Meuten verwilderter Hunde auf Menschen kürzlich ein Mitarbeiter von Zebra-TV nach. Im Archiv fand der Journalist dann das Statistische Jahresbuch des Gouvernements Wladimir, wo für die Jahre 1876 bis 1884 vermerkt ist:

Die Wölfe haben sich in den letzten Jahrzehnten derart vermehrt, daß sie viel Schaden anrichten. Die erforderte von der Wladimirer Landesverwaltung kraft Beschluß einer Landtagsversammlung im Jahr 1876 eine Prämie für jeden getöteten Wolf anzubieten.

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Für das Jahr 1855 findet sich im Wladimirer Gouvernementsanzeiger sogar ein Vermerk darauf, im Dickicht um die Seen vor der Stadt trieben Wölfe ihr Unwesen und fielen die dort grasenden Viehherden an. Dieses Verhalten wurde den Raubtieren zum Verhängnis, denn nun setzte ein scharfe Bejagung ein – mit allen Mitteln, von der Hetze mit Hunden über Fallen bis hin zum Abschuß. Die Statistik hält es fest:

Vom 1. August 1878 bis zum 1. August 1879 wurden amtlich 55 getötete Wölfe gezählt, denen man in Anwesenheit der Staatsdiener die Ohren und Ruten abschnitt, die sodann von der Polizei verbrannt wurden.

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In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nahm die Population stark ab. Erst während des Zweiten Weltkriegs vermehrten sich die Wölfe wieder, weil die meisten Jäger an der Front waren. Es soll sogar zu Angriffen auf Menschen gekommen sein, 1948 in einem Fall tödlich.

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Gleich nach dem Krieg, 1946, lag die Zahl der Abschüsse bei 252 Exemplaren, und von 1951 bis 1953 erlegte man 641 Tiere. 1964 streiften nur noch vier Wölfe durch die Wälder um Wladimir, und zwei Jahre später galt die Spezies in der Region offiziell als ausgelöscht.

Heute rechnet man wieder mit etwa 30 Wölfen, die vor allem in den Kreisen Wjasniki und Gorochowez im Kljasma-Luch-Naturschutzgebiet Elche jagen und sich vom Menschen möglichst fern halten.

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Ganz im Südosten der Region Wladimir liegt der Landkreis Melenki, eine Gegend mit viel Wald und einem Schutzgebiet mit einer Fläche von fast 15.000 ha. Hier sagen Fuchs und Luchs einander gute Nacht, und hier ist auch eine dieser seltenen Katzen mit ihrem Nachwuchs in die Photofalle gegangen. Bewegte Bilder von der spielerischen Jagd des drei- bis viermonatigen Jungen auf das Muttertier. Der erste Nachweis dieser Art für die Existenz von Pinselohren in diesem Forst. Spuren hatten freilich schon früher auf das Vorkommen von bis zu drei dieser scheuen Jäger hingewiesen, die hier vor Wilderei einigermaßen geschützt sind.

Insgesamt geht man von einer etwa fünfzigköpfigen Population für das Gouvernement Wladimir aus. Gar nicht so wenig. Nur droht auch hier wegen der immer neuen Verkehrsinfrastrukturprojekte eine Verinselung, sprich auf lange Sicht Inzucht mit all ihren Folgen. Aber das soll die Freude am Betrachten des Videos nicht schmälern: https://is.gd/NMJcPm

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Ende Februar erschien in der Partnerstadt ein Buch, zu dem die Idee bereits Anfang 2016 geboren wurde: Naturschutzgebiete der Region Wladimir. Bilder dieser überwältigenden Landschaften mit ihrer reichen Fauna und Flora tauchten immer wieder in den Medien auf, sind natürlich auf der Homepage der zuständigen Behörde zu sehen, aber einem breiten Publikum eröffnet sich diese Welt zum ersten Mal.

Das besondere Moment an dem Buch: Es verbindet Kunst mit Photographie und vereint die Arbeiten von dreizehn Maler und Graphikern sowie von 73 Photographen. Vom Sommer 2016 bis Frühjahr 2017 ging es mehr als ein Dutzend Mal auf Expedition – in undurchdringliche Wälder, in abgelegene Sumpflandschaften, in stille Auenwälder, an verwunschene Seen per Boot, auf Skiern, mit Allradfahrzeugen, zu Fuß.

Dabei war auch die eine oder andere Strapaze zu ertragen, wie aus der Reportage von Zebra-TV zu erfahren ist: rabiate Mückenschwärme, beißende Kälte, Unwetter und nicht zuletzt die Kapriolen der wilden Tiere, von denen man nie weiß, wie sie auf die Beobachter reagieren.

Mehrere Tausend Photos entstanden auf diesen Touren in Gegenden, die keines Menschen Fuß betreten, gut einhundert Gemälde, von denen 340 bzw. 35 ins Buch Aufnahme fanden. Die vielen übrigen Arbeiten sollen auf Ausstellungen gezeigt werden.

Das Buch – leider nicht zweisprachig – hat eine Auflage von nur 400 Exemplaren. Interessenten sollten sich also rasch ihre Ausgabe beim Erlangen-Haus reservieren lassen, um sich dann in die sieben Kapitel entführen zu lassen: „Unsere kleinen Brüder“, „Die gefiederte Welt“, „Mikrowelt“, „Schönheit der Flora“, „Magie des Wassers“, „Landschaft“ sowie „Mensch und Natur“.

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Jetzt, wo am Wochenende der erste Schnee in der Partnerstadt gefallen ist, heißt es wieder – wie im preisgekrönten gleichnamigen Film – „wenn die Kraniche ziehen“. Vor dem weiten Flug ins Winterquartier machen die Schreitvögel aus dem Kljasma-Reservat in der Region Wladimir allerdings gern noch einen Abstecher ins angrenzende Gouvernement Iwanowo, um sich daselbst an der Gerste gütlich zu tun. Es schmecken eben nicht nur Nachbars Kirschen am besten…

Graue Kraniche in den Auen der Kljasma

Es ist ein gewaltiges Schauspiel, wenn die bis zu 3.000 Hungerleider auf den Feldern einfallen, ein Spektakel, das freilich den landwirtschaftlichen Betrieben nicht gar so gefallen mag. Um die 150 t Getreide verputzen die Kraniche angeblich als Wegzehrung, von 25 möglichen Doppelzentnern fährt man gerade einmal neun in die Scheune ein, weil die Kostgänger nicht nur gern picken, was ihnen vor den Schnabel kommt, sondern auch zertrampeln, was ihnen im Weg steht. Dank gesetzlichem Schutz läßt man sie freilich gewähren, versucht schlimmstenfalls, sie mit Schreckschüssen zu vergrämen, und freut sich ansonsten, wenn die geflügelte Scharen – plenus venter volat libenter – endlich in Richtung französische und spanische Winterquartiere abheben, um im Frühjahr ausgehungert zurückzukehren in die Auen der Kljasma. Same procedure eben as every year.

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