Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Natalia Wolgina’


Im Abstand von gerade einmal zehn Monaten wird schon die zweite Leistungssportlerin aus Wladimir wegen Dopings gesperrt. Nach der Schwimmerin, Jekaterina Andrejewa, der die russischen Prüfer um die Jahreswende die Einnahme eines verbotenen Mittels nachgewiesen hatten (s. Eintrag im Blog: http://is.gd/n1QzfF), ist nun auch die Läuferin, Natalia Wolgina, gesperrt, weil sich in ihrem Blut Stoffe fanden, die da auf natürlichem Wege nicht hineingelangen konnten. Die Sperre für die Wladimirer Athletin, die im Frühjahr in Kapstadt den Two Oceans Marathon (s. im Blog: http://is.gd/BtkngY) gewonnen hatte, gilt rückwirkend ab dem 13. Mai für zwei Jahre. Da tröstet es kaum, wenn auch Olga Golowkina aus Perm, die in Helsinki über die 5.000-Meter-Strecke Europameisterin geworden war, ihre Leistung regelwidrig gesteigert hat und nun für den gleichen Zeitraum nicht mehr an den Start darf.

Natalia Wolgina 2010 als Siegerin des Laufs der Metro-Group Düsseldorf

Natalia Wolgina 2010 als Siegerin des Laufs der Metro-Group Düsseldorf

Der erst fünfzehnjährige Samir Ragimow aus Gus-Chrustalnyj kommt hoffentlich nicht auch eines Tages in dieses verhängnisvolle Fahrwasser und bleibt sauber. Der Nachwuchssportler wurde bei den Shōtōkan-Karate-Weltmeisterschaften in Liverpool in der Mannschaftswertung erster und gewann in der Einzelwertung Bronze. In seiner noch jungen Karriere hat er bereits die russischen sowie die Europameisterschaften für sich entschieden.

Doch Alexej Slepow überstrahlt derzeit alle Sterne am Wladimirer Sporthimmel. Er trainiert gerade in Ramsau am Dachstein und will in Sotschi nicht weniger als Gold im Biathlon gewinnen. Der 26jährige Skilangläufer glaubt sich nach diversen Siegen in der vergangenen Saison – freilich mit etwas Nachholbedarf, wie er selbst meint, beim Schießen – bestens für die Besteigung des Olymp geeignet.

Alexej Slepow

Alexej Slepow

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Da dieses für ihn aber unerreichbar, wollte ein Wladimirer Schüler im Alter von Samir Ragimow zumindest nach dem großen Gelde greifen. Doch man gab ihm eines auf die Finger, bevor er dessen habhaft werden konnte. Wie das zuging? Dieser Tage erwartet man in der Region Wladimir die Olympische Flamme, deren Verlöschen just beim pathetisch-pompösen Eintreffen aus Athen in Moskau dem russischen Hersteller der futuristisch gestalteten Fakeln rauhe vaterländische Kritik eingetragen hatte. Einer der Auserwählten, die nun das Licht aus Hellas von Murom über Wladimir nach Susdal tragen sollten, bevor es auf seinem bisher längsten Weg in der Geschichte der Spiele den hohen Norden des Landes erhellt und später in die Tiefen des Baikals hinabtaucht, hatte nun die bemerkenswert merkantile Idee, seine Fakel als „ganz neu, unbenutzt, orginalverpackt und unbeschädigt“ auf Ebay feilzubieten. Zum Startpreis von 500 $ mit der Zielvorgabe des Jungunternehmers von bis zu 30.000 $. Timur, so der Vorname des kleinen „Luzifers“, hatte sich mit einem Aufsatz um die Ehre des Fakelträgers beworben und davon geschrieben, wie großartig er die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele finde, wie sehr ihn der Sport begeisterte. Im Hinterkopf aber hatte er bereits die Idee, durch den Verkauf des Geräts sich später ein Studium in Moskau finanzieren zu können. Gar nicht schlecht gerechnet, denn tatsächlich gehen die schmucken Leuchter für gerade einmal 13.000 Rubel in das Eigentum ihrer Träger über, wenn diese das wollen.

Die Fakel des Olympischen Staffellaufs, präsentiert von Coca Cola

Die Fakel des Olympischen Staffellaufs für Sotschi 2014, präsentiert von Coca Cola

Nun fallen die offiziellen Würdenträger über den Jungen her, zeihen ihn der Kommerzialisierung und Entehrung ihrer hehren Ideen. Dabei tut er doch nichts anderes als sein Altersgenosse im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Er hat die Spielregeln begriffen: Der Kaiser ist nackt, Olympia ist der Tanz ums Goldene Kalb, und die Gesetze des Kapitalismus gelten gerade auch in Rußland. Man braucht dem Schüler ja nicht gleich den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften antragen, aber er hat nicht geraubt, hat nicht betrogen, hat nicht unterschlagen, hat keinen Wettbewerber ruiniert, hat keinen Mord in Auftrag gegeben. Er wollte nichts mehr, als mit einer pfiffigen Idee seine eigene Zukunft sichern. Die Paten von Sotschi setzen da doch ganz andere Hebel in Bewegung – und kennen wohl gerade deshalb kein Pardon mit dem unternehmerischen Nachwuchs. Aus der Liste der Fakelträger wurde er jedenfalls unehrenhaft gestrichen. Dem Wert des Objekts dürfte diese Entwicklung der Dinge freilich nicht abträglich sein. Auch das ein Gesetz der Marktwirtschaft, wo derartige Schlagzeilen nur verkaufsfördernd wirken.

Anton Schulepow

Anton Schulepow

Nun aber nochmals zum Sport als solchem: Vor wenigen Tagen ist in Sotschi die zweite Etappe des Rußland-Pokals für Eiskunstlauf zu Ende gegangen. Mit dabei Anton Schulepow aus Wladimir, der im Einzel des Pflichtprogramms den ersten Platz belegte, wegen eines Sturzes bei seinem zweiten dreifachen Axel in der Gesamtwertung der Punkte aber „nur“ Bronze holte. Der 1996 geborene Sportler trainiert mittlerweile in Sankt Petersburg, tritt jedoch weiterhin für seine Heimatregion an und gilt als große Zukunftshoffnung auf dem Eis.

Anatoli Iwantschenko (3. v.r.) freut sich mit John Stackmann über seine Leistung beim diesjährigen Winterwaldlauf

Anatoli Iwantschenko (3. v.l.) freut sich mit John Stackmann über seine Leistung beim diesjährigen Winterwaldlauf

Festeren und griffigeren Untergrund bevorzugen Wladimirs Langstreckler, womit sich der Kreis wie im Rundlauf schließt. Artjom Kuftyrjow aus der Partnerstadt gewann mit einer Zeit von 2:26:33 den Samarskaja-Luka-Marathon, und Andrej Burow siegte bei einem 10-km-Lauf in der Region Iwanowo mit exakt 30 Minuten. Beim gleichen Wettkampf kam Anatolij Iwantschenko in der Altersklasse M 60 auf den zweiten Platz. Er hat sich übrigens – dann schon zum dritten Mal! – mit fast 20 weiteren Läufern aus Wladimir wieder zum Winterwaldlauf in Erlangen angemeldet. Und allen, die jetzt noch nicht weggeklickt haben, sei vermeldet, daß heute morgen in der französischen Partnerstadt Rennes John Stackmann, der Organisator dieser Veranstaltung, und sein treuer Begleiter beim Halbmarathon bzw. auf der 10-km-Strecke an den Start gehen. Mit nichts als ihrer Muskelkraft in den Beinen und – zugegeben – einer gehörigen Dosis Adrenalin im Blut. Mehr braucht es doch auch gar nicht zum Läuferglück!

Read Full Post »


Wie kompakt und intensiv die drei Tage in Wladimir, einschließlich Ankunftsabend und Abfahrtsmorgen, doch waren! Nicht nur wegen der rauschenden Geburtstagsfeiern zum Dreißigsten der Partnerstädte mit Bürgern aus Wladimir und den Gästen aus Erlangen, sondern auch ganz unerwartet und furios dank einer Doppelgeburtstagsfeier mit einer russischen Großfamilie. Ein weiterer Höhepunkt war das Wiedersehen mit den befreundeten, ehemaligen russischen Laufprofis nach bis zu 20 Jahren. Gefühle und Glücksmomente, die meinen Herzschlag auch ohne Laufschritt rasant in die Höhe getrieben haben. Für solch schöne Momente im Leben kann man nur dankbar sein!

John Stackmann (4. v.l.) mit seinen Wladimirer Freunden

John Stackmann (4. v.l.) mit seinen Wladimirer Freunden

Der aktiv Sport war beim dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Städten Wladimir und Erlangen (nur) durch drei Läufer in der 200 Köpfe starken fränkischen Delegation vertreten: Helmut Müller, Michael Krug und ich. Wir wurden in Wladimir von unseren Freunden, wie immer, sehr herzlich empfangen und umsorgt, sowohl von den ehemaligen Profiläufern als auch vom Laufklub Bodrost, der von Dmitrij Grischin gesponsert wird. Damit und angesichts der neuen Kontakte nach 2010 sind auch Dmitrij und ich (natürlich unter Peter Stegers übergeordneter Regie) kleine laufsportliche Motoren der Städtepartnerschaft geworden.

Der Laufklub Bodrost hatte 2012 (und auch 2013) mit leistungsstarken Senioren beim Erlanger Winterwaldlauf teilgenommen und dadurch die seit Jahren schlummernde Freundschaft zu neuem Leben erweckt, die auf Kontakte in den Jahren 1991 bis 1997 zurückgeht. Damals starteten die Profiläufer unter Spartak Wladimir, die z.T. der russischen Nationalmannschaft angehörten, wie der 100 km Weltcup-Sieger Alexej Wolgin. Natürlich sprang der Funke auch jetzt im Rahmen des Winterwaldlaufs sofort über – da tut sich der Sport leicht –, obwohl von den russischen Laufstars der 90er Jahre lediglich Alexej Kruglow 2012 wieder nach Erlangen gekommen war.

Nach der langen Anreise am Mittwoch wartete ich vor dem Hotel Goldener Ring gespannt auf Dmitrij Grischin. Er sah genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Unser intensives Gespräch endete erst um 2 Uhr morgens. Wieder verzauberte mich hier die sensible russische Herzlichkeit.

Programm des Marathons in Wladimir 1992

Programm des Marathons in Wladimir 1992

1991 war ich (nur) Zuschauer beim Sportfest mit Athleten aus Wladimir und Erlangen auf dem Uni-Sportplatz an der Gebbertstraße. Ich bestaunte den überlegenen Dmitrij Grischin beim Doppelsieg über 800 m und 5.000 m und unterhielt mich gut mit ihm bei der anschließenden Grillfeier. So richtig hatte die russisch-deutsche Sportfreundschaft für mich dann aber mit dem “Golden-Ring-of-Russia“-Marathon 1992 in Wladimir angefangen. In meinem 15. Marathonjahr kam die Anfrage des Sportamts durch Ernst Bayerlein, ob wir mit einigen Athleten am Marathon in Wladimir teilnehmen könnten, mitten im heißen russischen Sommer des Jahres 1992. Pia Fischer, Herbert Fröhlich, Rudi Kunstmann und ich nahmen diese Gelegenheit wahr. In Wladimir war ich bei Jurij Kissiljows Familie untergebracht. Jurij hatte seinerzeit über 1.500 m mit 3:35 min eine international hervorragende Zeit stehen. Aber dem auf die Funktionstüchtigkeit seiner Beine angewiesenen Laufprofi spielte das Schicksal einen schweren Streich. Er hatte sich damals eine Entzündung der Achillesferse zugezogen, die er später nicht mehr in den Griff bekam. Die wichtige Einnahmequelle aus seinen internationalen Starts im Ausland war entfallen! Jurij und seine Familie ließen es sich trotzdem nicht nehmen, mir damals den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. So fuhr er fast den gesamten Marathon im Auto in meiner Nähe, photographierte, filmte und versorgte mich auch mit meinem Spezialgetränk.

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Die mit dem Marathon gestarteten 10 km hatte übrigens Jurij Michajlow gewonnen, der kurz nach dem Start schon direkt hinter der Spitze lief (im Bild des alten Zeitungsausschnitts hinter der rechten Schulter des Läufers mit Startnummer 165). Denkwürdig und gut in Erinnerung sind mir auch noch die häufigen Zusammenkünfte bzw. Tischrunden der Sportler und Funktionäre damals mit Speis und Trank. Einer hatte nämlich immer ein Aktenköfferchen dabei, das mit etlichen Flaschen Wodka gut gefüllt war. Die „sollten“ dann innerhalb der zwei Stunden alle geleert werden. Nur ich tanzte aus der Reihe, da ich schon immer keinen Alkohol trinke. Schnell hatten sich unsere Gastgeber auch auf meine vegetarische Ernährung eingestellt. Bei den Nachfragen habe ich Dmitrijs damalige Freundin und jetzige Frau Anastasia kennengelernt, die schon damals sehr am Austausch interessiert war.

Herbert, der damals noch seine Fröhlich-Brauerei in Dormitz betrieb, hatte bei den Wodka-Runden eine relativ geringe Hemmschwelle. Das merkte man ihm dann nach zwei Tagen auch deutlich an. Rudi hatte sich damals in Wladimir gesundheitlich nicht so wohl gefühlt und deshalb kurzfristig auf die Teilnahme am Marathon verzichtet. Aber für mich hatte der Aufenthalt ein trauriges Nachspiel: Ich hatte mir einen Virus eingefangen (wahrscheinlich weil öfters Strom und Wasser abgestellt worden waren) und konnte dann zu Hause für ein halbes Jahr eine Lungenentzündung auskurieren.

Auch diesmal habe ich mich in Wladimir sehr wohl gefühlt, auch weil ich bei Dmitrij untergebracht war und er mir sein Reich (neues, edles Schlafzimmer und Bad neben Gregorijs Zimmer im zweiten Stock über ihrer alten Vier-Zimmer-Wohnung) überlassen hatte und ich ganz natürlich in sein Familienleben integriert war. Dies hatte für einen Banausen der russischen Sprache wie mich nämlich den großen Vorteil, mich hervorragend in Englisch unterhalten zu können (auch mit seinen Söhnen Gregorij und Nikita; bei dem Jüngsten, Igor, genügten Gebärden, um zu schäkern und zu blödeln). Dmitrij und seine Anastasia haben nämlich sieben Jahre in Südafrika gelebt und dabei ihre englischen Sprachkenntnisse entscheidend verbessert.

Dmitrij Grischin in seinem Lexus

Dmitrij Grischin in seinem Lexus

Für Dmitrij haben sich diese Jahre besonders gelohnt, hatte er doch mehrfach an dem gut dotierten Comrades-Marathon als (bezahlter) Spitzenläufer teilgenommen, ihn sogar zweimal gewonnen und beim zweiten Sieg durch den dabei aufgestellten Streckenrekord kräftig Kasse gemacht. Aufgrund dieser für einen russischen Laufprofi außergewöhnlich guten Finanzpolster fiel es ihm nach seiner Profizeit in Wladimir leicht, sich beruflich als Bauunternehmer zu etablieren. Natürlich haben ihm auch seine Cleverness und sein gutes Gefühl geholfen, mit dem er sich um schwierige Situationen herummanövrierte – genauso wie ihm das mit seinem brandneuen, edlen Lexus-Offroader mit V8-Motor bei den kratertiefen Löchern auf Wladimirs Straßen gelang, als er mir ganz stolz die unter seiner Regie erstellten und im Bau befindlichen acht Häuser zeigte. Ich hatte den Eindruck, Dmitrij kutschiere am liebsten einfach nur mit seinem „Luxusschlitten“ herum.

Frauenkloster Bogoljubowo

Frauenkloster Bogoljubowo

In Wladimir hatten wir Läufer (oft) unsere eigenen Pläne und nahmen dann nicht am offiziellen Programm teil. So habe ich an allen drei Tagen mit den alten und neuen Sportfreunden trainiert. Schon der Donnerstag hatte es in sich: morgens Ausflug nach Bogoljubowo mit der Bürgergruppe und unserer „wissenschaftlichen“ Busreiseleiterin Jelena. In der Klosterkirche galten nach wie vor traditionell strenge Sitten: Nicht nur die Frauen hatten auf die Sittsamkeit ihrer Kleidung zu achten. Auch dem Männerchor der Stad’l Harmonists, die die hervorragende Akustik des Kirchenraums bemerkt und spontan einen Choral angestimmt hatten, wurde der Gesang untersagt. Sie mußten abbrechen, denn das Singen störe ja die würdevolle Ruhe …

Knut-Wulf Gradert (links) mit seinen Stadl Harmonists

Knut-Wulf Gradert (links) mit seinen Stadl Harmonists

Danach ab 14 Uhr – direkt vor dem offiziellen Partnerschaftslauf – trainierten wir zu viert (Michael, Helmut, Dmitrij und ich) auf einem Reitweg mit Cross-Charakter. Eine Wohltat nach der gestrigen fehlenden Bewegung des langen Anreisetags! Leider hatten sich die ursprünglichen Ankündigungen vom 30-km-Lauf (auf den ich mich im Training vorbereitet hatte) bzw. später das 10-km-Rennen auf einen nur drei bis vier Kilometer langen Partnerschaftslauf  in der Stadt reduziert, an dessen Ende noch ein kleines Stück gemeinsam mit Fahrradfahrern zurückzulegen war. Hatte ich schon beim Cross etwas „fürs Tempo gesorgt“, konnte ich mich jetzt weiter austoben. Denn gleich anschließend rannte ich einen Großteil des Partnerschaftslaufs volle Kanne (hinterher), da ich etwas später gestartet war und die „Spitze“ noch erreichen wollte. Abends folgte dann die offizielle Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem sehr reichhaltigen Kulturprogramm von russischen und deutschen Tanz- und Gesangskünstlern, mit Ballett und Folklore. Nur die Eröffnungsreden haben mir nicht so sehr gefallen, was nicht an den viel zu laut eingestellten Lautsprechern lag – aber man kann ja nicht alles haben. Am besten hat mir neben den Stad’l Harmonists noch der melodische Gesang eines Kammerchors gefallen, nicht nur wegen ihrer samtroten Kleider…

Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von Joachim Adamczewski

Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von Joachim Adamczewski

Am Freitagvormittag nahmen wir an dem großen Ausflug nach Susdal teil und erlebte viermal hintereinander einen ganz unerwarteten Ohrenschmaus! Nach dem Glockenspiel (sieben Minuten lang!)  inspirierten der Auftritt eines gregorianischen Vier-Männer-Ensembles und die hervorragende Akustik in der Klosterkirche unsere zwei Chöre. Jetzt durften die Stad’l Harmonists und der Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium nacheinander ihr Können zu zeigen. Der optische Höhepunkt schwebte als Deckenmalerei über uns mit seinen speziellen, intensiven Blautönen.

Hochzeitskutschen in Susdal

Hochzeitskutschen in Susdal

Wieder in Wladimir zurück, durfte ich ab 16 Uhr sogar das gemeinsame Training im Torpedo-Stadion mit Senioren des Laufklubs Bodrost sowie Helmut und Michael gestalten: mit Warmlaufen, Steigerungen, 3 x bis 6 x 400 m Tempo und Auslaufen, obwohl die Beine von gestern etwas müde waren (danach eiskalte Duschen, brrr!). Direkt darauf hat man uns dort ganz rührig zu einem kleinen Empfang mit Essen eingeladen, bei dem ich die 30 T-Shirts mit einem beidseitigen speziellen Aufdruck übergab (30 Jahre Freundschaft Wladimir – Erlangen, vorne in Russisch und auf der Rückseite in Deutsch). Die Hemden kamen super gut an und waren ab sofort ständig in Wladimir zu sehen. Genauso wie ich dies in meiner Ansprache auch angeregt hatte. „Wir sollen damit unsere Freundschaft auch in der Öffentlichkeit zeigen!“

30 Jahre Freundschaft Wladimir - Erlangen

30 Jahre Freundschaft Wladimir – Erlangen

Dann kam etwas ganz Unerwartetes, als mich Anastasia und Dmitrij (in feinen Zwirn gehüllt, mit Binder) vom Stadion abholten. Erst auf dem Treppenaufgang weihte er mich ein: An diesem Nachmittag bis spät in der Nacht durfte ich bei der furiosen russischen Geburtstagsfeier von Dmitrijs Schwester Irina (50.) und deren Ehemann Slawa (42.) dabeisein. Viel Tanz, Humor und ansteckende Vitalität bei Spielen und Sketchen, Folklore, Gesang, zelebrierten Gratulationsprozeduren und natürlich Speisen und Getränken vom Feinsten.

Wir kamen in den Saal, und sofort – ehe ich mich setzen konnte – schnappte mich eine vollschlanke Russin im roten Kleid, die mich ständig anlächelte, und zog mich auf die Tanzfläche. Das tat meinen müden Beinmuskeln sogar gut, war ich doch im Torpedo-Stadion nicht zum Stretching gekommen. So lockerte ich mich eine ganze Weile im Tanzrhythmus bevor ich am Tischinneneck noch zwischen Anastasia und Dmitrij gesteckt wurde. Während die langen Tische laufend mit leckersten Speisen beladen wurden, sang und tanzte eine kleine Folklore-Gruppe. Dann übernahm eine Animateurin das Kommando, die ständig ihre Spiele und Späße mit den Anwesenden trieb. Derweil schoben mir Anastasia, die unerklärlich ernst wirkte und kaum auch nur lächelte, von links und Dmitrij von rechts unentwegt Häppchen und Köstlichkeiten (u.a. auch Kaviar) zu und versorgten mich mit Fisch- und Gemüsevariationen und Getränken. Alles vom Feinsten

Dmitrij stellte mich seiner Schwester und den beiden Brüdern sowie weiteren Nachbarn am Tisch vor und dann diese mir, darunter auch seine tanzwütige Schwipp-Schwägerin im roten Kleid. Irgendwie waren alle verwandt und verschwägert. Der eine Bruder, ein Bär von einem Mann und äußerst sympathisch, war international erfolgreicher Ringer gewesen und ist jetzt Trainer, den anderen hatte der Alkohol schon etwas im Griff. Es gab ja ständig Programm und Trinksprüche… Diese Ideen, diese Intensität des ausgelassenen Lustigseins sowie die natürliche Herzlichkeit waren überwältigend – und ich mittendrin. Ich konnte gar nicht anders als mitmachen. Ich genoß und ließ mich treiben. Nach der zelebrierten Prozedur der Übergabe von Geschenken mit Glück- und Segenswünschen, die Irina im Stehen entgegennahm, erhob sich Dmitrij und sprach vor dem ganzen Saal über mich. Was erzählt er denn da so lang? dachte ich mir bei dem Applaus. Ich durfte mich als einziger Gast, der nicht irgendwie mit der Familie verwandt oder verschwägert war, zuletzt in die Schar der Gratulanten einreihen. Ich stellte mich kurz in Englisch vor, und Dmitrij übersetzte (und ergänzte wieder!) sogar das kleine deutsche Gedicht, das ich (in englischer Übersetzung) vortrug:

Schon sind die 50 Jahr‘ vorbei! / Doch haltet Geist und Körper fit, / nehmt Euch das Plus des Lebens mit, / dann ist das Alter einerlei. / Für Euer Wohl die Freunde sorgen, /dann bleibt Ihr glücklich auch bis morgen!

Auch Dmitrijs sportlicher Bruder verstand wohl etwas Deutsch und bedeutete mir, Rhythmus und Reime der Originalfassung haben ihm gefallen. Ganz plötzlich ohne große Ankündigung brachen wir so gegen 22.30 Uhr auf.

Das Erlanger Trio mit den Lauffreunden in Wladimir

Das Erlanger Trio mit den Lauffreunden in Wladimir

Am Samstag, dem internationalen Kinderschutztag, stand erst einmal langes Ausschlafen und ab 10.30 Uhr ein lockeres Training in einem kleinen Kiefernwald in einem vor der Stadt gelegenen Areal mit Kindererholungsheim auf meinem Programm. Diesen Parcours kannte ich noch von meinem Aufenthalt vor 21 Jahren. Mit Alexej, der meistens mit seinem Mountainbike unterwegs war, und Dmitrij wurde aus der ruhigen Elf-Kilometer-Strecke noch ein Lauf mit leichten Steigerungen, da mir das Tempo etwas zu langsam war. Später schauten wir bei einem Radrennen zu, bei dessen Ablauf auch Mitglieder des Laufklubs Bodrost gleich in ihren neuen T-Shirts mitorganisierten. Danach wurden wir dann Zeugen bei dem Staffellauf mit dem (olympischen) Feuer zur Universiade 2013.

Natalia, Olga, John Stackmann und Michael Krug

Natalia, Olga, John Stackmann und Michael Krug

Dann ging ich mit Dmitrijs Familie zum Einkauf im Spar-Markt für die abendliche Grillfeier. Es dauerte ganz schön lange, bis alle Sachen zunächst in vier (!) Einkaufswagen und dann in Dmitrijs Lexus verstaut waren. Viel Zeit, um mit dem kleinen Igor Quatsch zu machen. Später holten wir Alexej Wolgin und seine Frau Natalia ab. Sie war uns schon beim Training im Torpedo-Stadion mit ihrem wippenden Pferdeschwänzchen aufgefallen, als sie dort enorm schnell ihre Runden drehte. Als Weltklasse-Athletin steht sie den Erfolgen ihres Mannes in nichts nach, der u.a. 1994 in Japan 100-km-Weltmeister in unglaublichen 6:22 Std. wurde (unter 3:50 min pro km). Wie Dmitrij gewann auch er schon beim Comrades Marathon. Mit Wolgins steuerten wir dem Höhepunkt am Abend entgegen, der Grillfeier in Dmitrijs schmuckem Gartenhäuschen. Hier war neben Helmut, Michael und mir alles anwesend, was Rang und Namen hatte: die alten Freunde (seit 1991) und Profiläufer Dmitrij und Anastasia Grischin, Alexej und Natalja Wolgin, Alexej Kruglow, Jurij Kissiljow mit Ehefrau (bei denen ich 1992 zunächst wohnte), Trainer Alexander Sakow und die junge Berglauf-Weltmeisterin mit der russischen Mannschaft Olga Gorbunowa. Es war für uns alle wunderschön, uns nach dieser langen Zeit wiederzusehen, natürlich zum Teil sehr verändert. Das wurde gefeiert bei intensiven Gesprächen, vielen Trinksprüchen und leckerem Essen in einer sportlich-lockeren Atmosphäre, während sich die Kinder auf dem Trampolin vor dem Gartenhaus austobten. Nur Jurij Michajlow hatte gefehlt (wie auch Rudi, Herbert und meine Frau, nach denen oft gefragt wurde).

Eine lang gelebte Langstrecken-Freundschaft unter Laufsportlern und deren Familien!

John Stackmann

S. auch: http://is.gd/PufvQe

Read Full Post »


Wladimir hat nicht nur die großartigen Hobbyläufer vom Klub Bodrost. Aus der Partnerstadt stammt auch eine der besten Langstreckenläuferinnen der Welt, Natalia Wolgina. Daß sie noch zur Weltspitze gehört, hat die Wladimirerin soeben beim 56-km-Lauf in Südafrika bewiesen, der die beiden Ozeane verbindet. Mehr als 10.000 Sportler waren am Start des Two-Oceans-Marathons. Und als erste Frau ins Ziel kam mit einer Zeit von 3 Studen, 38 Minuten und 38 Sekunden Natalia Wolgina, mit mehr als einer Minute Vorsprung auf die nächste. Vor elf Jahren hatte die 36jährige Athletin, die mit Alexej Wolgin, dem russischen Meister über die 100-km-Distanz, verheiratet ist, schon einmal am gleichen Ort einen solchen Triumph zu feiern. Da sage noch einer: They never come back…

Natalia Wolgina.

Natalia Wolgina.

Gratulieren darf man auch Alexej Slepow, der als einziger Wintersportler aus Wladimir in seiner Disziplin, im Biathlon, zur Gruppe der besten sieben Zweikämpfer im Schnee zählt. Man darf also im nächsten Jahr mit ihm rechnen, wenn die Olympischen Winterspiele in Sotschi stattfinden.

 

Read Full Post »


Montags firmiert in den Lokalteilen der Zeitungen immer der Sport. Da fügt es sich, auch aus Wladimir etwas aus dem Bereich zu berichten, von dem die alten Griechen meinten: Vor den Preis setzten die Götter den Schweiß.

Wahlkampfmüdes Graffiti in Wladimir: Der Russe wählt Sport!!!

Bis zum Preis in London ist es noch weit, aber für 23 Sportler aus der Region Wladimir hat sich der Schweiß bereits gelohnt, denn sie sind vom zuständigen Ministerium in Moskau für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London gesetzt. Sie kommen aus den Disziplinen Boxen, Griechisch-Römisches Ringen, Freistilringen, Reiten, Leichtathletik, Schwerathletik, Schwimmen, Taekwondo und natürlich Turnen. Große Chancen dabeizusein haben Nadeschda Alechina, die russische Meisterin im Dreisprung, und Natalia Wolgina, die eben erst den zweiten Platz beim Supermarathon in Südafrika belegt hat. Als sichere Bank galt aber auch Jekaterina Andrejewa, die dieser Tage in Moskau auf der 200-Meter-Lagen-Distanz mit einer Zeit von 2 Min. 13,30 Sek. zwar Russische Jugendmeisterin wurde, die A-Norm aber nicht erreichte und damit zu Hause bleiben muß. So grausam kann Sport sein. Aber die nächsten Spiele kommen bestimmt.

Read Full Post »


Die Veranstalter nennen ihn den „schönsten Lauf der Welt“. Wir wissen nicht, ob das Natalia Wolgina ebenso sieht, aber eine besondere Bedeutung hat der Two Oceans Marathon, ausgetragen immer am Karsamstag in Kapstadt, für die Athletin aus Wladimir ganz sicher. Die 56 Kilometer zwischen Indischem Ozean und Atlantik ist sie jedenfalls nun schon zum vierten Mal gelaufen und hat nach drei Goldmedaillen in den Jahren 2001, 2002 und 2003 nun dieser Tage den zweiten Platz belegt – mit einer Zeit von 3:45.29, gerade mal eine halbe Minute langsamer als vor elf Jahren bei ihrem ersten Start in Südafrika. Dafür braucht man einen langen Atem!  Wer die Langstreckenläufe dieser Welt verfolgt, kennt die 35jährige Wladimirerin, die beispielsweise 2010 in Düsseldorf den Metro-Group-Marathon gewonnen hat. Hier im Interview: www.youtube.com/watch?v=-rAwEsy2gRg

Natalia Wolgina

Einen langen Atem beweisen auch die Turner von Wladimir, einst Weltspitze, nun bestrebt und auf dem besten Weg, wieder den Anschluß zu bekommen an die führenden Sportler an den Ringen, am Pferd, am Reck und auf der Matte. Die jahrelange Nachwuchsarbeit lohnt sich allmählich, denn soeben ist die Juniorenmannschaft von den russischen Meisterschaften in Pensa in die Partnerstadt zurückgekehrt – mit vier Medaillen, zwei davon aus Gold. Wenn diese Entwicklung anhält, wird die Sportwelt bald wieder staunend nach Wladimir blicken.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: