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Posts Tagged ‘Natalia Tarakanowa’


Um das allenthalben unterschätzte Berufsbild der Pflegekräfte in der Medizin aufzuwerten, veranstaltet das Gesundheitswesen der Russischen Föderation landesweit in verschiedenen Kategorien Wettbewerbe für die besten Fachleute, die nur allzu oft unbemerkt im Hintergrund bleiben und den Ärzten die Bühne überlassen. Dabei ist doch deren Arbeit nicht nur näher am Patienten, sondern schafft auch die Voraussetzung für eine gelungene Therapie und Rehabilitation. In der Nomination „Für Berufstreue“ belegte nun Tamara Skworzowa, Oberschwester am Psychiatrischen Krankenhaus Nr. 1 in der Partnerstadt, mit ihrer Arbeit über das Projekt „Lichtblick“ den ersten Platz der Region Wladimir.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Die Krankenschwester mit reicher Austauscherfahrung legte ihrer Analyse die Zusammenarbeit mit Erlangen seit dem Jahr 2000 zugrunde und reichte das Papier mittlerweile beim Gesundheitsministerium in Moskau ein. Gut möglich, daß dank Tamara Skworzowa im Herbst, wenn die Jury ihre Entscheidung fällt, das Partnerschaftsprojekt, erdacht und koordiniert von Jürgen Ganzmann, auch die verdiente überregionale Anerkennung genießen darf. Zu gönnen wäre es allen Beteiligten.

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Als im Juli vergangenen Jahres Gennadij Stachurlow, in Wladimir ein Pionier der Grünen Bewegung und des Ökotourismus, Erlangen besuchte, bat er seine deutschen Freunde um Unterstützung bei der Förderung des Radverkehrs. Dietmar Hahlweg griff diese Anregung gerne auf und schrieb an Oberbürgermeister Sergej Sacharow einen Brief, in dem er auf die Bedeutung des Fahrrads für eine lebenswerte Stadt hinwies und seinen Rat anbot. Knapp ein Jahr später nun schon der Besuch aus Erlangen und die erfreuliche Feststellung, die bereits gegebenen und neu geschaffenen Voraussetzungen für ein Umsteigen vom Auto auf das Rad seien viel besser, als gemeinhin angenommen, wenngleich natürlich Gennadij Stachurlow sich mehr und raschere Initiativen wünscht.

Josef Weber, Gennadij Stachurlow, Marlene Wüstner und Dietmar Hahlweg

Josef Weber, Gennadij Stachurlow, Marlene Wüstner und Dietmar Hahlweg

Doch als er am gestrigen Morgen Marlene Wüstner und Josef Weber zu einer Tour mit seinem Radklub „Weles“ nach Bogoljubowo – mit Picknick unterwegs – abholt, treten diese Überlegungen in den Hintergrund. Wichtig ist jetzt nur noch die gemeinsame Unternehmung, das Zusammensein, ein geteiltes Ziel, das man zusammen erreichen will, wie bei allen Partnerschaftsprojekten.

Jurij Fjodorow, Dietmar Hahlweg und Alexander Rasow

Jurij Fjodorow, Dietmar Hahlweg und Alexander Rasow

„Ein gemeinsames Ziel“, so Dietmar Hahlweg, „ist für uns Erlanger, wenn wir in Wladimir sind, auch immer ein Ausflug nach Susdal, in diese zauberhafte Stadt, die von Jahr zu Jahr immer schöner wird.“ Erlangens Altoberbürgermeister ließ sich schon 1983, bei seinem ersten Besuch, von diesem architektonischen Juwel mit all seinen Kirchen und Klöstern verzaubern und gewann seinen damaligen Kollegen aus Rothenburg o.d.T., Oskar Schubart, für eine Reise zum Goldenen Ring. Am Ende stand bereits 1988 die bis heute recht lebendige Partnerschaft zwischen den beiden Touristenmagneten. A propos: Susdal zählt mehr als 800.000 Gäste pro Jahr, gut 80 je Einwohner, im Pro-Kopf-Verhältnis mehr als Moskau! Nur leider, beklagt Alexander Rasow, seit eineinhalb Jahren City-Manager, der Erlangen noch aus seiner Zeit als Polizeichef in Wladimir kennt, bleibe kaum Geld von den Besuchern im Stadtsäckel hängen. Bestenfalls indirekt, denn das Geschäft machen die fast einhundert Hotels und Gästehäuser sowie die Händler und Dienstleister, während die Kommune trotz Intervention an höchster Stelle keine Tourismusabgabe oder Gästetaxe erheben dürfe, obwohl man nicht nur die ganze Infrastruktur schaffe, sondern sie auch unterhalte. Das freilich, so der Besuch aus Erlangen mit großem Erfolg.

Alexander Rasow, Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow mit zwei Sängern des Klosterquartetts

Alexander Rasow, Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow mit zwei Sängern des Klosterquartetts

Überall Grünanlagen, bestens gepflegt von einem „Eigenbetrieb Stadtgrün“, auf Schritt und Tritt eine nachgerade vorbildliche Sauberkeit und das sichtbare Bemühen, nicht nur die fünfzig denkmalgeschützten und drei zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Bauten zu bewahren, sondern auch die so ansprechenden Holzhäuser in ihrer Substanz zu erhalten. Und dann dieser besondere Geist, der jeden ergreift, der dem einzigartigen Glockenspiel im Erlöser-Euthymius-Kloster lauscht, sich der Pracht der Fresken öffnet oder gar in der erst jüngst so einfühlsam restaurierten Erlöser-Verklärungs-Kirche den erschütternd schönen Gesang des Kloster-Quartetts erlebt, für Dietmar Hahlweg die vielleicht schönsten Minuten dieser an berührenden Eindrücken doch so reichen Tage, Minuten der Innigkeit, in denen ein stilles Gebet um den Frieden, dieses oberste gemeinsame Ziel der Städtepartnerschaft, gen Himmel stieg.

Äbtissin Sophia begrößt Dietmar Hahlweg

Äbtissin Sophia begrößt Dietmar Hahlweg

Ganz nahe kommt man diesem Frieden im Mariä-Schutz-Kloster, wo Äbtissin Sophia, Oberin von vierzig Nonnen, gerne das Lied von der kleinen Friedenstaube rezitiert, das sie noch aus dem Deutsch-Unterricht an der Schule erinnert. Die Ordensfrau steht in einer langen Tradition, denn ihr Kloster an der trägen Kamenka wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet und wuchs vor allem, wie Alexander Rasow weiß, ab 1525 zu einem der größten und mächtigsten Anlagen heran, als der Moskauer Großfürst, Wassilij III, seine Frau, Solomonia Saburowa (sie nahm als Nonne den Namen Sophia an und ist in der Mariä-Schutz-Kirche beigesetzt), wegen „Unfruchtbarkeit“ hierher verbannte und den neuen Wohnort dafür reichlich mit Land entlohnte. Ihm taten es später die Zaren vielfach gleich, bis hin zu Peter I, der seine erste Gattin, Jewdokia Lopuchina, für immer nach Susdal schickte.

Mariä-Schutz-Kathedrale in Susdal

Mariä-Schutz-Kathedrale in Susdal

„Hier ist ja ein zweites Mainau entstanden“, meint Dietmar Hahlweg und freut sich an den vielen Kleinodien am Wegrand, an den bunten Rabatten, den naturbelassenen Wiesen, an der Beschaulichkeit des Stadtensembles – und an den offenen Gesprächen mit den Gastgebern, auch und gerade über die bedrohliche weltpolitische Lage, wo es sich so schwierig gestaltet, den Auffassungen von Wahrheit die Gegensätzlichkeit und die Widersprüche zu nehmen.

Jurij und Tatjana Fjodorow mit Dietmar Hahlweg und Swetlana Kusina

Jurij und Tatjana Fjodorow mit Dietmar Hahlweg und Swetlana Kusina

Wenn es denn je Mißverständnisse zwischen Erlangen und Wladimir gegeben hat, werden sie rasch wieder im Gespräch ausgeräumt. Zu fest ist das Fundament des gegenseitigen Vertrauens, gelegt vom Sozialdemokraten Dietmar Hahlweg und Kommunisten Jurij Fjodorow vor 32 Jahren mit dem gemeinsamen Ziel der Aussöhung und Verständigung. In dieser guten Tradition der Volksdiplomatie stand auch Wladimir Kusin, von 1987 bis 1990 Stadtoberhaupt und 2003 verstorben, auf dessen Bitte hin schon 1990 die erste humanitäre Hilfe aus Erlangen in die russische Partnerstadt geschickt wurde.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Eine Aktion, aus der fast zehn Jahre später auch das Projekt „Lichtblick“, gewidmet der Zusammenarbeit der Psychiatrie Wladimir und der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, initiiert und koordiniert von Jürgen Ganzmann, der mit den beiden Projektpartnerinnen, Natalia Tarakanowa und Tamara Skworzowa, am frühen Abend ins Stadion Torpedo kam, um seine Mitarbeiterin, Elke Sausmikat, beim Zehn-Kilometer-Lauf anzufeuern und daneben auch noch die folgenden Photos zu machen.

Peter Steger und Elke Sausmikat vor dem Start

Peter Steger und Elke Sausmikat vor dem Start

Der Lauf sollte das erste Leichtathletikfest dieses Jahres auf Regionalebene abschließen, als einzige Langstrecke. Beschwerlich genug bei drückender Schwüle und unter den für beide, Elke Sausmikat wie Peter Steger, ungewohnten Stadionbedingungen: 25 Runden im Kreis, ohne Steigung oder Gefälle, ohne die sinnlichen Anregungen bei Wald- oder Stadtläufen.

Dmitrij Kuschpita, Elke Sausmikat Alexej Butakow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Anatolij Mitrofanow

Dmitrij Kuschpita, Elke Sausmikat Alexej Butakow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Anatolij Mitrofanow

Aber eine Herausforderung, die beide mit freudiger Spannung erwarteten, gerade im Kreis der Athleten, die alle schon in Erlangen beim „Winterwaldlauf“ in der Brucker Lache dabei waren. Deshalb wurde die Sache wohl auch mehr zu einer Freundschaftsveranstaltung, zumal die russischen Läufer zu den besten ihres Fachs weit und breit gehörten.

Alexej Kruglow, Elke Sausmikat und Peter Steger

Alexej Kruglow, Elke Sausmikat und Peter Steger

Und der schnellste Langstreckler von allen, Alexej Kruglow, erwies den beiden Gästen dann auch noch den Freundschaftsdienst des Tempomachers – über all diese 25 Runden hinweg – und zog sie regelrecht über die Ziellinie. Womit wir schon wieder bei den gemeinsamen Zielen wären.

Elke Sausmikat und Peter Steger

Elke Sausmikat und Peter Steger

Die Zeit mag deshalb allenfalls für die Statistik nachgereicht werden: 53 Minuten und 9 Sekunden. Für beide Gastläufer, die auf die Auswertung des Zielphotos verzichten. Was geht schon über einen gemeinsamen Sieg, ein gemeinsam erreichtes Ziel.

Peter Steger, Elke Sausmikat und Alexej Kruglow

Peter Steger, Elke Sausmikat und Alexej Kruglow

Und da stehen sie nun auch – ebenso erschöpft wie überglücklich ob des gemeinsamen ersten Platzes: Elke Sausmikat als die beste und schnellste Läuferin aus Deutschland und Peter Steger als der beste und schnellste bei den deutschen Herren im Feld. Alexej Kruglow hingegen als der beste deutsch-russische Sportsfreund im Stadionrund, ohne den die beiden Rundenneulinge vielleicht gar nicht ins Ziel gekommen wären, und der verspricht, zum nächsten Winterwaldlauf auch wieder nach Erlangen zu kommen. Wieder zu einem dieser vielen gemeinsamen Ziele auf dem beglückend schönen Weg zu Versöhnung und Verständigung.

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Als Natalia Tarkanowa zum dreißigjährigen Jubiläum der WAB Kosbach kurz vor Ostern mit ihren Kolleginnen aus Wladimir in Erlangen zu Gast war, hatte Leonhard Hirl, Gründer und langjähriger Geschäftsführer der Behinderteneinrichtung, ein besonderes Geschenk versprochen: ein Laufrad für kleine Kinder, das schon wenig später Jutta Schnabel in ihr Reisegepäck für die Partnerstadt verstaute. Jetzt schickt Natalia Tarkanowa mit einem kleinen Dankbrief diese Photos vom ersten Einsatz des Gefährts in ihrem Waldorfkindergarten, den sie selbst – mit ideeller und fachlicher Unterstützung aus Erlangen – Anfang der 90er Jahre zu gründen geholfen hat.

Laufrad 1Für viele Kinder und Eltern ist so ein Laufrad eine ganz neue Art der Fortbewegung. Es hilft bei der Entwicklung der Koordination, unterstützt das Gleichgewichtsgefühl und bereitet wohl auch auf den Umstieg auf das Fahrrad vor. Die Kinder aus der Gruppe haben sich jedenfalls gleich darangemacht, das neue Ding zu erproben und hatten ihre helle Freude damit! Die Eltern und wir Erzieherinnen bedanken uns herzlich bei Familie Hirl sowie bei der Überbringerin des Geschenks.

Laufrad 2Bleibt nur zu hoffen, daß das kleine Goldkäppchen auch einmal ihre Spielgefährtinnen in den Sattel steigen läßt…

Mehr zu Natalia Tarakanowa unter: http://is.gd/0L7vNM

 

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Dem Talmud zufolge spannte Jahwe den Regenbogen am sechsten Tag der Schöpfung als Brücke zwischen Himmel und Erde, und laut dem 1. Buch Mose steht das selten schöne Wetterphänomen für das Versprechen des Herrn, keine Sintflut mehr über die Welt zu bringen. Der Regenbogen gilt als strahlender Thron Gottes am Tag des Jüngsten Gerichts, als leuchtender Vorbote für eine reiche Ernte, als hohes Tor zwischen dem Diesseits und Jenseits. Eine Erklärung für die Etymologie des russischen Worts für Regenbogen „raduga“ verweist auf die Verbindung zwischen Paradies „raj“ und Bogen „duga“.

Regenbogen über Erlangen, gesehen von Kosbach aus

Regenbogen über Erlangen, gesehen von Kosbach aus

Mit der Symbolik ist das immer so eine Sache. Jeder legt sie auf seine Weise aus. Aber auf dem Weg zum Abschlußtreffen mit den Besucherinnen aus Wladimir bei der WAB Kosbach gleich von zwei Regenbogen begleitet zu werden, hat schon etwas Zeichenhaftes für die Freundschaft zwischen Erlangen und Wladimir und paßt gut zur Aufbruchsstimmung bei dem Gespräch mit dem Gründer der WAB, Leonhard Hirl, und deren Geschäftsführer, Jürgen Ganzmann.

Milena Prochorowa, Tamara Skworzowa, Leonhard Hirl, Arschanych, Natalia Tarakanowa und Jürgen Ganzmann

Milena Prochorowa, Tamara Skworzowa, Leonhard Hirl, Irina Arschanych, Natalia Tarakanowa und Jürgen Ganzmann

Da geht es nämlich nach den 30 Jahren, die ja dieser Tage gebührend gefeiert wurden und von denen fast die Hälfte eng mit Wladimir verbunden ist, um neue Aufgaben und Ziele. Zwei der langjährigen Hospitantinnen, Die Erzieherin Milena Prochorowa und die Psychologin Irina Arschanych, wollen bereits im Sommer für drei Monate wiederkommen, und letztere möchte sogar eine wissenschaftliche Arbeit über die WAB Kosbach schreiben. Wichtiger aber noch: Gemeinsam mit der Krankenschwester aus der Wladimirer Psychiatrie, Tamara Skworzowa, und der Pädagogin, Natalia Tarakanowa, wollen sie einen Deutschkurs für Anfänger wie Fortgeschrittene ins Leben rufen, zu dem die Anschubfinanzierung von der WAB Kosbach kommt. Gemeinsam mit der Selbsthilfeorganisation Swet sollen in Wladimir Interessierte gefunden werden, die bereit sind, für den Deutschkurs mit ehrenamtlichem Einsatz zu „bezahlen“: in der Arbeit mit behinderten Kindern, in der häuslichen Pflege von Schwerkranken, in pädagogischen Einrichtungen. Darüber hinaus bietet die WAB Kosbach in Ergänzung zum bereits bestehenden Projekt Lichtblick zusätzliche Plätze für Hospitationen an und kann dabei das große Netz der Lebenshilfe, unter deren Dach sie arbeitet, nutzen. Wer sich mit ausreichenden Sprachkursen erfolgreich bewirbt, erhält einen Fahrtkostenzuschuß, muß aber den zehnten Teil der Praktikumsvergütung ans Projekt zurückgeben, um die Sprachkurse zu refinanzieren. Ein bereits erprobtes Verfahren, das nun in eine neue Runde gehen soll. Ein zweiter Regenbogen, der sich da über Erlangen und Wladimir wölbt, der Menschen beider Städte leuchtend verbindet und ein offenes Tor bildet, durch das wir nur hindurchgehen brauchen.

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Am 24. Februar erfuhren wir vom Tod unseres großen Freundes und Wohltäters, Alexander Kefeli.

Alexander Kefeli

Es war 1994, zu Beginn der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Waldorf-Kindergärten in Erlangen und Wladimir, als unsere lange und feste Freundschaft mit diesem ungewöhnlichen Menschen begann. Als echter Aristokrat beherrschte er mehrere Fremdsprachen, kannte bestens die Geschichte und Literatur Rußlands und der Welt, spielte Klavier, besaß einen einzigartig feinen Humor und verfügte über ein phänomenales Gedächtnis. Alexander Kefeli half unseren deutschen Kolleginnen, indem er die hin- und hergehenden Briefe übersetzte, und nahm großen Anteil an den Lebensumständen der russischen Erzieherinnen.

Alexander Kefeli und Natalia Tarakanowa

Alexander Jakowlewitsch interessierte sich immer mit viel Aufmerksamkeit für das Schicksal Rußlands und der einfachen Menschen dort. Über viele Jahre hinweg unterstützte er auch materiell viele-viele Menschen in Wladimir, Charkow und in einem Städtchen in Brasilien. Dabei lebte er selbst ausgesprochen bescheiden und zurückgezogen, übte in vielerlei Hinsicht Verzicht. Dank der Unterstützung von Alex Kefeli konnten die Erzieherinnen von zwei Waldorf-Gruppen ihre gebührenpflichtige Ausbildung am Moskauer Waldorf-Seminar abschließen und sich und ihren Kindern immer einmal wieder eine kleine Lebensfreude machen.

Alexander Kefeli und Swetlana Balaschowa

Herr Kefeli war immer mit seinem Schicksal zufrieden und wiederholte oft, je mehr und länger er anderen Menschen helfen könne, desto glücklicher werde er selbst. Er wurde 96 Jahre alt und hörte nie auf, anderen Menschen zu helfen! Er ruhe nun in Frieden! Wir werden ihm ein liebevolles Andenken bewahren! Wir alle werden ihn nie vergessen und trauern um ihn. Wir, die ehemaligen und noch immer tätigen Mitarbeiterinnen der Kindergärten Nr. 108 und Nr. 35: Natalia Tarakanowa (mit Familie), Swetlana Balaschowa (mit Familie), Swetlana Manguschewa, Irina Bowikina, Marina Muratowa, Olga Arinina, Galina Kornejewa, Jelena Schumilina.

S. auch: Alexander Kefeli und http://is.gd/Dmmvt0

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Natalia Tarakanowa und Elisabeth Preuß

Eine der Säulen des Blauen Himmels ist Natalia Tarakanowa. Die Pädagogin, seit den 90er Jahren über viele Stationen vom Erlanger Waldorfkindergarten bis zu den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf unwiderstehlich und mitreißend aktiv, prägt entscheidend die Atmosphäre der Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik. Nachdem sie bereits die Winteruniversität der Organisation Erlebnistage besucht hatte, erhielt sie nun von Werner Michl, Pädagogikprofessor an der Ohm-Fachhochschule in Nürnberg, bei dessen jüngstem Besuch in Wladimir anläßlich eines Fachkongresses im Juni erneut eine Einladung. Dieses Mal zur Sommeruniversität. Von da nun ihr Bericht, von dem wir sicher sein können, daß er im Kollegenkreis ausgiebig diskutiert wurde und praktische Anwendung findet. 

Die Sommeruniversität fand vom 1. bis 6. August in dem malerischen Ort Hohegeiß im Harz statt. Dorthin waren Studenten von zwölf Hochschulen aus Deutschland, Österreich und Luxemburg gekommen.

Erlebnistage Harz 2011

Das Leitthema lautete dieses Mal „Risiko Alltag – Keine Bewegung ohne Wagnis“. Das Programm der Universität hatte es in sich: Die morgendlichen Vorlesungen waren ausgesprochen emotional, inhaltsreich und lebendig. Besonders beeindruckte mich der Beitrag „Grenzverschiebung in der Erlebnispädagogik“ von Daniel Mastalerz, ein Erfahrungsbericht über die Arbeit eines Reha-Zentrums für schwierige Jugendliche, wo Fernstrecken (bis zu 2.000 km) per Fahrrad zurückgelegt werden. Da wird nicht Prüfung gespielt, sondern da werden Verantwortung, Willenskraft, Ausdauer sowie Erwerb neuer Erkenntnisse von der Welt und des Platzes, den man als Mensch darin einnimmt, einer echten Prüfung unterzogen. Begeistert war ich auch von der Vorlesung „Wilderness Experience“ Tommi Pantzars aus Finnland. Sein Vortrag erwies sich als Liebeserklärung an die endlosen Weiten seiner Heimat, an deren heilsame und erzieherische Wirkung auf die Seelen großer wie kleiner Menschen.

Natalia Tarakanowa, 3. v.l.

Das praktische Programm bot eine derartige Vielfalt, daß mich häufig ein Gefühl des Ärgers darüber befielt, daß ich es nicht schaffte, überall teilnehmen zu können. Ich kam nicht umhin, ein bis zwei Angebote von zehn Möglichkeiten auszuwählen! Da waren Übungen zum Zusammenwirkens und der gemeinsamen Überwindung von problematischen Situationen, zur Bekanntschaft mit unterschiedlichen Methoden der Reflexion und des Transfers, zur Orientierung, zur Zubereitung von Mahlzeiten in der freien Natur, zum Bau von Biwaks, zum Felsklettern, zum Bau einer Seilbrücke und von Floßen, wir besuchten einen alten Bergwerksschacht und so weiter und so fort.  

Erlebnistage Harz 2011

Die Abende gehörten dem Humor, den Liedern am Lagerfeuer und vielen interessanten Dingen, auf die sich Studenten verstehen: Jonglieren mit allen möglichen Gegenständen, Feuershow, Slackline und natürlich Rollenspiele. Diese sechs Tage haben eine tiefe Spur in meiner Seele hinterlassen. Ich habe eine Vielzahl neuer Ideen und Möglichkeiten für meine Arbeit im Blauen Himmel mitgebracht. Ein herzliches Dankeschön an Werner Michl für die Möglichkeit, die Universität besuchen zu können, an das Team Erlebnistage im Harz für die großartige Organisation, an die Barmherzigen Brüder Gremsdorf, wo ich anschließend noch für einige Wochen hospitieren durfte, sowie an Wolfram Howein und Peter Steger für deren Unterstützung in allen Dingen.

Für alle, die den Kontrast lieben, geht es hier zum Bericht von der Winteruniversität: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/03/02/der-blaue-himmel-auf-dem-richtigen-weg/

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Wolfram Howein, Ulrich Lakemann, Werner Michl

Als wir vor ca. fünf Jahren die ersten Ideen zu dem Projekt „Blauer Himmel“ in Wladimir, dem Rehabilitationszentrum für Kinder mit geistigen Behinderungen, diskutierten, kam die Sprache auch auf die Verbreitung dieser nicht nur für Russland neuen Form der Behandlung psychisch kranker Menschen. Unsere Vision: Vielleicht könnte einmal in ferner Zeit der „Blaue Himmel“ zu einem „Leuchtturm“ für Erlebnispädagogik als Therapie für Menschen mit Behinderungen über Russland hinaus auch für andere Regionen in Europa werden. Mit einem „Aber bis dahin…“ gingen wir dann immer wieder zur Tagesordnung über. Jetzt, fünf Jahre später, kann dieser Traum Wirklichkeit werden. Die Staatliche Universität Wladimir veranstaltete am 24. und 25. Juni eine internationale Konferenz, welche die wissenschaftliche und praktische Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie, Psychologie und alternativer Pädagogik zum Inhalt hatte.

Werner Michl

Am 24. Juni versammelten sich ca. 80 – 100 Teilnehmer im großen Saal der Staatlichen Universität. Das Präsidium war mit Wladimir Besrukow, dem Leiter des Gesundheitswesens der Region Wladimir, mit Wissenschaftlern aus Wladimir sowie den deutschen Sozialpädagogik-Professoren, Werner Michl, Ohm-Hochschule Nürnberg, und Ulrich Lakemann, Fachhochschule Jena, hochrangig besetzt. Die Initiatoren der Konferenz, Olga Filatowa, Dekanin der Psychologischen Fakultät, und Alexander Bersenjew, ärztlicher Direktor der Psychiatrie Nr. 1 in Wladimir, saßen ebenfalls auf dem Podium. Als Projektkoordinator des „Blauen Himmels“ hatte auch ich als Nichtfachmann einen Sitz in der erlauchten Runde.

Natalia Tarakanowa und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am Vorabend der Konferenz

In ihren Grußworten betonten Wladimir Besrukow, Prof. Wladimir Nemontow, Prorektor der Universität Wladimir, und Prof. Werner Michl den Bezug zum Projekt „Blauer Himmel“ sowie den wissenschaftlich-praktischen Aspekt der Konferenz. Die Vorträge der Veranstaltung waren etwa in gleichen Anteilen von Pädagogen und Psychiatern besetzt, wobei die russisch  sprechenden Referenten nicht nur aus Wladimir sondern auch aus der Region Wologda und aus der Ukraine kamen. Die russischen Beiträge betrafen mehr allgemeine Aspekte der Psychiatrie und der Pädagogik, wobei die Vortragenden auf audio-visuelle Mittel vollständig verzichteten. Die beiden deutschen Beiträge befassten sich mit der Erlebnispädagogik, unterstützt durch bildhafte und informative Präsentationen. Gut aufeinander abgestimmt sprach Werner Michl über die Grundlagen der Erlebnispädagogik und -therapie, während Ulrich Lakemann auf die Auswirkung dieser Therapie auf Menschen mit Behinderungen einging. Die Rückkoppelungen in den Pausen und nach der Veranstaltung zeigen, dass das Thema in Russland auf großes Interesse stößt. Am Abend traf man sich in Susdal zu einem Essen mit folkloristischen Einlagen und Tanz, ein Spiegel der überwältigenden russischen Gastfreundschaft. Nicht nur für Russland-Neulinge ein unvergesslicher Abend.

Runde im Blauen Himmel

Das Programm des zweiten Tages fand im Zentrum „Blauer Himmel“ in Penkino statt. Das Publikum, in erster Linie Dozenten des Vortages und Mitarbeiter der Psychologischen Fakultät sowie zwei Vertreter der Elterninitiative „Licht“  (eine Vereinigung von Eltern mit behinderten Kindern), konnten die Einrichtung umfassend besichtigen. Ich selbst hatte die Gelegenheit, erstmalig den in den Tagen zuvor fertiggestellten Kinderspielplatz zu besichtigen, der mit Spenden der Gästen der Geburtstagsfeier, von meiner Frau und mir ausgerichtet, finanziert wurde. Die Geräte passen sich gut in den Erlebnispark „Sternstunden“ ein und stellen für die kleineren Kinder unter den Teilnehmern der zweiwöchigen Therapieeinheiten eine wertvolle Ergänzung dar.  

Wolfram Howein

Anschließend durfte ich in einer DIA-Show die Geschichte des „Blauen Himmels“ erzählen. Danach entspann sich eine lebhafte Diskussion zwischen Elternvertretern und Wissenschaftlern über die nicht ganz den ursprünglichen Zielsetzungen entsprechende Entsendung von verhaltensauffälligen Kindern (es sollten  ursprünglich mehr psychisch kranke Kinder berücksichtigt werden).  Mein Hinweis auf die offenbar bevorstehende stärkere Anbindung an die Psychiatrie beruhigte die Gemüter. Die beiden Pädagoginnen, Natalia Tarakanowa und Swetlana Balaschowa, zeigten dann in einer gut strukturierten, interessanten Präsentation Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit. Eine schöne Bilderfolge, begleitet von freier Rede. Mancher Dozent vom Vortag hätte sich daran ein Beispiel nehmen können. Es kam deutlich heraus, dass die Pädagogik der dominierende Anteil an der Arbeit zum Wohle der Kinder im „Blauer Himmel“ ist. Danach gab es wiederum eine Diskussion der beiden Teilnehmerkreise, wobei es diesmal auch um die Definition von Behinderungen ging

Kreatives im Blauen Himmel

Die Tagung endete mit einem gemeinsamen Picknick, wobei Alexander Bersenjew wieder einmal seine Qualitäten als Gastgeber ausspielen konnte. Es kam dabei aber auch zu einer sehr interessante Diskussionen mit Olga Filatowa, der Dekanin der Psychologischen Fakultät, in die sich vor allem die beiden deutschen Professoren mit Vorschlägen einbrachten. Die Wladimirer Wissenschaftlerin scheint dabei zu sein, ihre Fakultät mehr auf praktische Anwendungen ausrichten zu wollen; immer wieder stattfindende Praktika von Studenten ihrer Fakultät im „Blauen Himmel“ beweisen dies. Praktika russischer Studenten in Deutschland und auch Gastvorlesungen der deutschen Professoren in Wladimir könnten die nächsten Schritte sein. Kein Fortschritt konnte leider bei der Suche nach einem Verlag für die vorliegende russische Version des Buches von Werner Michl erzielt werden. Es fehlt auf russischer Seite die Bereitschaft, in einem überschaubaren Rahmen in Vorleistung, konkret beim Druck des Buches, zu gehen.

Wolfram Howein, gemeinsam mit Frau Inge Stifter des Spielplatzes

Fazit: Die Konferenz, als Schaufensterveranstaltung geplant, hat die Erwartungen sicher nicht voll erfüllt. Die Anzahl der Teilnehmer und die Reaktion auf den „Call for papers“ belegen dies. Wenn man aber die Einzelgespräche mit all ihren Ideen und Vorschlägen als Grundlage für die Weiterarbeit hinzunimmt, kann man davon ausgehen, dass die Arbeit im „Blauer Himmel“  und die Erlebnispädagogik ihren Eintritt in die Welt der Bildung und Wissenschaft in Russland geschafft haben. Und damit hat die in einem kleinen Kreis von Enthusiasten entstandene Idee eine tragfähigere Basis gefunden, der „Leuchtturm“ strahlt ins Land!

Wolfram Howein

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