Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Nadja Steger’


Schon lange nichts mehr vom Wladimirer Meister der Kurzprosa, Anatolij Gawrilow, gehört und gelesen? Dem kann abgeholfen werden mit ganz frisch veröffentlichten Texten:

Im Hof unseres fünfstöckigen Hauses stehen verschiedene Bäume.
Der Specht machte sich meist an der Birke zu schaffen.
Heute segnete er das Zeitliche.
Die Todesursache ist unbekannt.
Die Kinder beerdigten ihn im Hof.
Ihre Gesichter waren traurig.
Sie gedachten des Spechts zusammen mit dem Nachbarn bei einem Stamperl Wodka „Russische Valuta“.

Buntspecht gestern beim Füttern im Erlanger Transmontanien

Die Hummel gehört zur Familie der Bienen.
Der Maikäfer ist ein Pflanzenschädling.
Die Moosbeere gehört zur Familie der Preiselbeeren.
Ziegenkäse wird aus Ziegenmilch gemacht.
Ziegen sind Paarhufer.
Im Hof ist niemand.
Niemand, weil es schon dunkel ist.
Dunkel, weil es schon Nacht ist.
Das Wissen wird immer mehr.
Aber da gilt Maß halten, sonst wird man irre.
Ich trank Moosbeerenlikör, aß vom Ziegenkäse und ging schlafen.

Nachtigall, gesehen von Wladimir Tschutschadejew in Wladimir

Du nimmst Weintrauben und preßt sie.
Filterst sie.
Verschneidest sie.
Lagerst sie mal warm, mal kalt.
Filterst und verschneidest sie erneut.
Es scheint, etwas geworden zu sein.
Du lädst Gäste ein.
Sie sagen, der Wein sei natürlich gut, aber jetzt wäre es gut, einen Wodka zu trinken.

Kirschblüte bei Wladimir, gesehen von Roman Jewstifejew

Nebel. Als Mann im Ausguck hast du rechtzeitig das entgegenkommende Schiff ausgemacht und dem Kapitän Signal gegeben, und wir glitten unbeschadet am anderen Schiff vorbei, und der Kapitän bewirtete mich mit Rum, und ich wollte mit ihm etwas besprehcen, aber er hatte keine Lust, und so ging ich schlafen.

Straßenbild in der Wladimirer Altstadt, gesehen von Michail Mojsejantschik

Nacht, ein Zimmer, zwei am Tisch.
Was zum Essen ist da, aber nicht zum Trinken, und es wird auch nicht geben.
Der eine trinkt nichts, der andere ist Alkoholiker.
Der eine spricht von der Spiritualität, der andere denkt traurig ans Trinken.
Sie begeben sich in verschiedene Zimmer zur Ruhe.
Der eine sinkt mit einem Gebet in den Schlaf, der andere geht wieder und macht sich auf die Suche nach Spirituosen.

Read Full Post »


So wie auch der schönste Abend einmal zu Ende geht, schließt selbst der längste Fortsetzungsbericht mit dem letzten Punkt. Und im Fall des Russischen Abends mit einem großen Dankeschön an die vier ehrenamtlichen Köchinnen, die für die russischen Teil des Büfetts sorgten, während das gastronomische Team vom Club International unter Leitung von Bernd Uebel den fränkischen Part und die Getränke beisteuerte.

Natalia Kaiser, Nadja Steger und Jelena Schaab

Alle Getränke? Nein: Wie schon bei den letzten Russisch-Deutschen Wochen spendete Köstlich & Co. in der Friedrichstraße 18, von seinen Delikatessen aus aller Welt die richtige Teemischung für den Abend.

Gabriele Steinbach, Inh. von Köstlich & Co.

Geschmeckt hat es offensichtlich allen, jedenfalls blieb so gut wie nichts übrig, alles wurde brav aufgegessen. Kein Wunder aber auch nach dem gut eineinhalbstündigen Programm mit Reden und Präsentationen. Da war leibliche Stärkung angesagt.

Russischer Abend 46

Jekaterina Korschofski und Natalia Kaiser mit Othmar Wiesenegger als „Kiebitz“

Auch für Jekaterina Korschofski, die nicht nur beim Verpflegungsteam aktiv war, sondern auch am Dienstag, den 11. Februar, und am Donnerstag, den 13. Februar, im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen beweist: „Kyrillisch schreiben… ist gar nicht so schwierig“. Ob das so stimmt? Kalligraphisch ist es auf jeden Fall.

Essen hin, Trinken her, aber nie ohne den Bildungsauftrag der Volkshochschule! Viele grübelten auch noch bei Tisch, wie hier Hans Gruß, über den Quizfragen.

Unterdessen konnte sich das Orga-Team schon einmal erleichtert freuen: gut 130 Gäste beim Russischen Abend, um die 600 Teilnehmer an den bisherigen Veranstaltungen der Russisch-Deutschen Wochen. Eine Statistik, hinter der mehr als Zahlen stehen, sondern vor allem die ungezählten Ehrenamtlichen, die ihre je eigenen Verbindungen zu Wladimir pflegen, ihre je ganz besonderen Projekte entwickeln und einfach Freundschaft halten. Sie alle sind das Salz der Partnerschaft, um es biblisch auszudrücken.

Tatjana Kirssanowa, Natalia Korssakowa, Elisabeth Hein, Nadja Steger, Reinhard Beer und Peter Steger

Da ist Fredi Schmidt, Fahrer des Erlanger Oberbürgermeisters, der sich schon auf seinen nächsten Laufwettkampf in Wladimir freut.

Russischer Abend 32

Nadja Steger, Fredi und Martina Schmidt

Da ist Tom Weinhold, Frontmann der Band Meloco, der zusammen mit Marcel Desch und Christian Marsch von Impvlse so begeistert von dem nun schon zehn Jahre währenden Austausch von Rockgruppen mit Wladimir berichten kann, der im Herbst schon – dann freilich mit anderen Ensembles – fortgesetzt wird.

Tom Weinhold

Da ist John Stackmann, der hofft, nach einem Jahr Pause zum zwanzigjährigen Jubiläum seines Winterwaldlaufs in der Brucker Lache wieder Athleten aus Wladimir am Start begrüßen zu können.

Michael Cassens, Susanne Lender-Cassens und John Stackmann

Da ist der Weltkriegsveteran, Wolfgang Morell, der ungeachtet seiner 96 Jahre noch kaum eine Veranstaltung der Russisch-Deutschen Wochen ausließ und voll des Lobes für das Orga-Team ist.

Russischer Abend 35

Wolfgang Morell

Da sind Helene Decker vom Jugendamt und Haram Dar vom Jugendparlament, die Ende des Monats nach Wladimir reisen, um dort ein ganz neues Austauschprojekt zu starten, von dem sicher hier im Blog bald zu lesen sein wird.

Helene Decker und Haram Dar

Da sind Johannes Tuczek und Jürgen Schwandner vom Städtischen Bauamt, die in der Planungsphase für das Erlangen-Haus die architektonischen Grundlagen schufen und im Mai zu dessen fünfundzwanzigjährigen Jubiläum in die Partnerstadt fahren.

Michael Cassens, Johannes Tuczek und Jürgen Schwandner

Da sind Rolf Wurzschmitt und Abram Dyck, die mit dem „Kesselhaus Erlangen“ und den gebrauchten VAG-Bussen Anfang der 90er Jahre maßgeblich halfen, die Infrastruktur Wladimirs zu stabilisieren und auch bei der Sanierung des Erlangen-Hauses eine hilfreiche Hand anlegten, während Stadtrat und Internist i.R., Jürgen Zeus, bis heute den von Rotary Erlangen finanzierten Medizinaustausch koordiniert.

Rolf Wurzschmitt, Peter Steger, Abram Dyck und Jürgen Zeus

Da ist das Ehepaar Eva und Gerhard Hammer, das im Vorjahr Wladimir besuchte, wo auf Initiative des damaligen Direktors, Gerhard Hammer und mit Unterstützung der seinerzeitigen Partnerschaftsbeauftragten, Nadja Jewrassowa, das Gymnasium Fridericianum seit zwanzig Jahren (!) seine russische Partnerschule hat.

Gerhard und Eva Hammer

Eine Galerie, die sich noch lange fortsetzen ließe, die aber – eingedenk der Einleitung – nun zu einem Ende kommen soll. Aber nicht ohne ein Bild vom Glückspilz des Abends, der die Reise nach Wladimir (und zurück, wie Reinhard Beer verschmitzt anmerkte) gewann. Sehr zur Mitfreude des ganzen Saals.

Sieghard Hellmann, festgehalten von Othmar Wiesenegger

Eine Fortsetzung der Berichterstattung über den Russischen Abend am 31. Januar gibt es jetzt nicht mehr. Aber zum einen werden ja die Russisch-Deutschen Wochen am kommenden Samstag um 15.00 Uhr im Club International der Volkshochschule unter dem Motto „Russischer Humor“ fortgesetzt, und zum andern gibt es schon die ersten Ideen für die nächste russisch-deutsche Biennale Anfang 2022. Es gilt eben auch hierfür der Sepp-Herberger-Spruch in Abwandlung: Nach dem Russischen Abend ist vor dem Russischen Abend!

Finis cum grano salis , Ende auf Anfang gesetzt, конец – молодец!

Read Full Post »


Wir bleiben weiter beim Russischen Abend vom Freitag vergangener Woche, dem Höhepunkt, wenngleich noch lange nicht Abschluß, der Russisch-Deutschen Wochen an der Volkshochschule. Um im Bild der vorangegangenen Berichte zu bleiben: Wenn Bürgermeisterin Elisabeth Preuß der Veranstaltung den wohltemperierten Ton vorgab, dann stammt der ad lib. wiederholte Refrain des Treffens von Konsul Andrej Matwijenko, wie bereits vor zwei Jahren eigens aus München angereist: Wir wollen Freunde sein!

„Ihre Freundschaft mit Wladimir, Ihre Partnerschaft mit Wladimir kann gar nicht überschätzt werden“, rief er ins gut 130 Köpfe zählende Publikum und nahm den Ball auf, den Elisabeth Preuß ihm mit ihrem Wunschtraum zugespielt hatte, es möge doch bald – zumindest für den Austausch der deutsch-russischen Partnerstädte – der visafreie Verkehr eingeführt werden. Das, so der Diplomat, sei gar nicht so unvorstellbar, denn den elektronischen Sichtvermerk, zu beantragen via Internet, gebe es ja bereits für Sankt Petersburg und Kaliningrad. „Und vielleicht wird das auch einmal für Wladimir möglich…“

Andrej Matwijenko, gesehen von Othmar Wiesenegger

Und, wie um den 1. Konsul zu bestätigen, schrieb gestern Reiner F. Schulz, ein Erlanger Künstler mit enger Verbindung zu Wladimir, per Facebook aus dem Venedig des Nordens:

Wunderbare Repin-Ausstellung zum 175. Geburtstag – unglaublich, so viele wunderbare Porträts. Malewitsch und Freunde sind auch immer wieder genial. Für St. Petersburg gibt es jetzt vereinfachte e-Visa, kostet nichts, kurzfristig zu bekommen, im Internet…

 

Reiner F. Schulz

Tatsächlich gilt diese Regelung – wie schon länger auch für Kaliningrad – seit dem Sommer vergangenen Jahres mit einer Aufenthaltsdauer von bis zu acht Tagen in Stadt und Region. Näheres unter: https://is.gd/xlZxXc – Aber auch die Europäische Union führte Erleichterungen für die Visa-Erteilung ein, die seit gestern Gültigkeit haben und einzusehen sind unter: https://is.gd/dYOoQR

Andrej Matwijenko, Oxana Löscher und Daniel Gossel

Bis dieser Wunschtraum auch für den Austausch mit Erlangen  Wirklichkeit wird mag noch einige Zeit verstreichen. Doch die will das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA), seit mehr als 30 Jahren eine tragende Säule der Städtepartnerschaft, nutzen, um sich neben den bisherigen je dreiwöchigen Studienaufenthalten des Dolmetscher- und Übersetzernachwuchses an zwischenstaatlichen Programmen für Praktika und Hospitationen zu beteiligen. Viel Stoff für Gespräche mit Oxana Löscher, der Leiterin der Russischen Abteilung, und Daniel Gossel, Direktor des IFA und Professor am Lehrstuhl für Auslandwissenschaften der FAU.

Nadja Steger und Andrej Matwijenko

Die Gespräche zwischen Erlangen und dem Russischen Generalkonsulat in München, davon darf man ausgehen, werden fortgesetzt, auch wenn eines Tages tatsächlich die Visaschranken zwischen unseren Ländern fallen sollten. Denn, um auf den Refrain des Abends zurückzukommen: „Wir Russen wollen mit euch Deutschen Freunde sein.“ Dafür wird die Partnerschaft auch weiterhin ihren Teil beitragen. Und der sollte, das zeigte der Russische Abend, nicht unterschätzt werden.

Fortsetzung folgt

Read Full Post »


Der Russische Abend am Freitag, um den gestrigen Bericht nun fortzusetzen, brachte den Veranstaltern viel Lob ein. Einige dieser Stimmen, die als Kommentare im Blog und auf Facebook eingingen, seien hier zitiert:

Lieber Peter und liebe alle an der Partnerschaft arbeitenden wunderbaren Menschen: Es war ein grandioser Abend. Danke!

Susanne Lender-Cassens, Bürgermeisterin

Welche Wohltat, im täglichen Ohren und Geist abtötenden nationalen und internationalen Politlärm, solches zu hören,
Den Tag mit so einem Blog zu beginnen.

Richard Dähler, Zürich

Ein wunderbarer Abend mit vielen Erinnerungen , aber auch einem optimistischen Blick in die Zukunft.

Birgitt Aßmus, Stadträtin und Mitglied im Vorstand des Erlangen-Hauses

Das war ein sehr schöner Abend, toll organisiert, interessante Beiträge und coole Unterhaltung: eine wunderbare Freundschaft mit Wladimir. Herzlichen Dank.

Valerie Hellmann, Freundeskreis Wladimir

SCHADE! OHNE MICH! Trotzdem!!

Wiktor Malygin, Altrektor Universität Wladimir und Mitglied des Vorstands des Erlangen-Hauses

Klaus Steinke, Prof. em. und Inhaber des aufgelösten Lehrstuhle für Slawistik der FAU, Elisabeth Preuß, Andrej Matwijenko und Susanne Lender-Cassens im Gespräch mit Sabine Lotter

Nur eitel Lob? Das gibt es nicht einmal an einem solchen Festabend. Vielfach kritisiert wurde nämlich das Quiz mit der Frage, wer sich denn all die schwierigen Fragen ausgedacht habe, die man, wie ein Teilnehmer meinte, zum Teil nicht einmal mit kreativ-modernen Methoden der Suche per Kyrillisch im Internet habe lösen können. Nun, Xaver Y. Enigma, der Ratefuchs der Redaktion, ging daraufhin durchaus streng mit sich selbst ins Gericht, will sich allerdings, eingedenk des Bildungsauftrags der Volkshochschule, keineswegs schuldig sprechen, denn vor den Preis setzten bekanntlich schon die Götter den Schweiß. Und die Preise konnten sich ja auch sehen lassen. Nun aber, wie von Reinhard Beer am Ende des Abends angekündigt, für alle, auch jene, die nicht dabei sein konnten, der Rätsel Auflösung:

  1. Welcher russische Komponist hat ein berühmtes Märchen von E.T.A. Hofmann vertont?
  • Schostakowitsch
  • Tschajkowskij
  • Borodin

Das war verhältnismäßig leicht zu erraten, weil das Flötenquartett zur Einstimmung in den Abend zwei Stücke von Peter Tschajkowskij spielte.

  1. Boris Pasternak war einer der größten russischen Schriftsteller mit Weltruhm. Seine Sprache ist unglaublich reich und faszinierend. Womit vergleicht er die Sonne in seinem Roman „Doktor Schiwago“?
  • mit einer Orange
  • mit dem Auge eines geliebten Menschen
  • mit der russischen Seele

Schwierig, zugegeben, aber wer den Roman gelesen hat, wird sich an die Szene erinnern, wo der Autor Orange und Sonne gleichsetzt.

Russischer Abend 8

Andrej Matwijenko und Rose Ebding, eine der beiden Drittplatzierten

  1. Was bemerken die Gäste aus Erlangen am schnellsten in Wladimir, das sie in Erlangen vermissen?
  • Gastfreundschaft
  • WLAN in der Stadt
  • kostenloser Nahverkehr für Gäste

WLAN ist im Unterschied zu Deutschland nicht nur in Wladimir, sondern landesweit so gut wie in jeder Stadt selbstverständlich; es funktioniert sogar in der Metro von Moskau, tief unter der Erde.

Andrej Matwijenko und Georg Kaczmarek, einer der beiden Drittplatzierten

  1. Welche Sportart nahm 2019 nach einer sehr langen Unterbrechung wieder den Austausch auf?
  • Schwimmen
  • Langlauf
  • Schach

Das kann nur wissen, wer selbst mitgespielt oder aufmerksam die Sportspalte des Blogs gelesen hat. Es ist dank einer Initiative von Höchstadt und Krasongorsk – Schach, und für dieses Jahr ist schon das nächste Turnier geplant.

Georgios Tziafetas als einer der beiden Zweitplatzierten mit Andrej Matwijenko

  1. Zum wievielten Mal finden die Russisch-Deutsche Wochen in Erlangen statt:
  • 10 x
  • 12 x
  • 14 x

Wieder eine Frage zum Durchatmen, denn die Zahl zehn erklang oft genug von der Bühne oder fand im Blog Erwähnung.

  1. Zwischen dem Heiligen Römischen Reich und der Wladimirer Rus bestanden enge Verbindungen. Mit wem tauschte Großfürst Andrej Bogoljubskij Geschenke aus:
  • Kaiser Friedrich I
  • Kaiser Heinrich II
  • Papst Gregor der Große.

Friedrich Barbarossa schenkte Andrej Bogoljubskij zwei Armillae; eines dieser prunkvollen Armbänder ist im Louvre zu sehen, das andere im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Russischer Abend 11

Andrej Matwijenko und Harald Luft, einer der beiden Zweitplatzierten

  1. Der Vernichtungskrieg der Wehrmacht gegen die UdSSR firmierte als
  • Unternehmen Barbarossa
  • Operation Lebensraum
  • Vergeltung für Versailles.

Der schrecklichste Feldzug der Neuzeit, die Überfall auf die UdSSR unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“.

Xenia Sakerowa, Trägerin des Titels „Russionär 2020“, mit Andrej Matwijenko

  1. Wie oft ging der Nobelpreise für Literatur an russischsprachige Autoren?
  • 6 x
  • 7 x
  • 8 x

Bonuspunkt für die Nennung von Namen: _________________________

Iwan Bunin, Boris Pasternak, Michail Scholochow, Alexander Solschenizyn, Josif Brodskij, Swetlana Alexijewitsch.

  1. Russisch ist nicht nur eine der sechs Amtssprachen der UNO, es gilt vielmehr noch immer als lingua franca im postsowjetischen Raum. Wie viele Sprecher gibt es insgesamt?
  • 300 Mio.
  • 420 Mio.
  • 550 Mio.

Es sind knapp 300 Millionen.

  1. Kaum ein Lebensmittel verbindet man enger mit der russischen Küche als Kaviar. Woher aber kommt das Wort? Der Ursprung ist
  • persisch-türkisch
  • südslawisch
  • arabisch

Kaviar galt schon im alten Persien als Delikatesse, und aus diesem Raum stammt auch der Begriff für den Fischrogen.

Überraschungspreis für Reinhard Beer, verliehen vom 1. Konsul Andrej Matwijenko außer Konkurrenz: die Einladung zum Empfang anläßlich des Russischen Nationalfeiertags nach München

  1. Die Partnerstadt Wladimir trägt den Namen eines Großfürsten. Nennen Sie drei sowjetische bzw. russische Politiker mit diesem Vornamen:
  • ………………………………….
  • ………………………………….
  • ………………………………….

Wladimir Lenin, Wladimir Putin, Wladimir Schirinowskij. So verschieden sie sein mögen, der Vorname vereint sie.

  1. Die Initiative zur Gründung der Partnerschaft ging aus von
  • Erlangen
  • Wladimir
  • Bayerisch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft.

1981 schon äußerte Dietmar Hahlweg, damals Oberbürgermeister von Erlangen, in Moskau den Wunsch nach einer sowjetischen Partnerstadt.

  1. Wie viele Austauschprogramme und Projekte gibt es zwischen Erlangen und Wladimir jährlich?
  • bis zu 50
  • bis zu 80
  • gut 100.

Die Zahl der Austauschprogramme pendelt sich in den letzten Jahren bei 100 ein.

  1. Der sowjetische Regisseur Andrej Tarkowskij drehte einen seiner Filme in Wladimir und Susdal. Es handelt sich um:
  • Andrej Rubljow
  • Nostalgia
  • Iwans Kindheit.

Das Leben des Wandermönchs, Andrej Rubljow, verfilmte der Regisseur an Originalschauplätzen in Susdal und Wladimir.

Russischer Abend 14

Sieghard Hellmann, der das große Los mit der Reise nach Wladimir zog, überreicht von Andrej Matwijenko und Reinhard Beer

  1. Die „Stimme des Großen Vaterländischen Krieges“ im Radio stammte aus Wladimir. Hitler erklärte den Sprecher zu seinem persönlichen Feind. Sein Name ist:
  • Jurij Lewitan
  • Isaak Lewitan
  • Boris Diktor.

Wladimir setzte seinem berühmten Sohn, Jurij Lewitan, ein sprechendes Denkmal, eine Statue mit seiner Stimme.

  1. Das Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts Moskau im Erlangen-Haus erhielt unlängst bei einem Audit Bestnoten. Wie viele dieser Zentren gibt es in der Russischen Föderation?
  • 12
  • 17
  • 20

Es sind ihrer zwanzig.

  1. Vor dem Jahreswechsel wurden in Moskau ein Chor und seine Leitung als landesweit bester ausgezeichnet. Es handelte sich um den
  • Knabenchor von Eduard Markin
  • Kammerchor von Tatjana Grin
  • Kammerchor Raspew von Natalia Kolesnikowa

Diesen begehrten Titel erhielt im Dezember der Knabenchor von Eduard Markin, der voraussichtlich im Advent wieder einmal nach Erlangen kommt.

Reinhard Beer und seine Mitstreiterinnen bei Vorbereitung und Organisation der Russisch-Deutschen Wochen und des Russischen Abends, Elisabeth Hein und Nadja Steger

Nochmals die Preise und Sieger: Der Ehrengast des Russischen Abends, der 1. Konsul Andrej Matwijenko, überreichte folgende Preise: an Rose Ebding und Georg Kaczmarek, die sich den dritten Platz teilten, je ein Kunstwerk aus Wladimir; an Georgios Tziafetas und Harald Luft, beide im zweiten Rang, einen Gutschein für einen ihrem Sprachniveau entsprechenden Russischkurs und Xenia Sakerowa als der Siegerin und Trägerin des Titels „Russionär 2020“ eine Einladung zum Empfang des Russischen Generalkonsulats anläßlich des Nationalfeiertags am 11. Juni ins Hotel Bayerischer Hof in München. Und dann die Überraschung: Der Diplomat überreichte auch Reinhard Beer, Hausherr und Cheforganisator der Russischen Wochen, eine Einladung zu diesem Fest in die Landeshauptstadt. Verdient, fürwahr! – Doch dann die Auslosung für den Hauptpreis. Fortuna entschied, und nur einer konnte die richtige Nummer gezogen haben: Sieghard Hellmann vom Freundeskreis Wladimir, der nun eine Reise nach Wladimir – hin und zurück, wie Reinhard Beer betonte – antreten und drei Tage im Erlangen-Haus wohnen darf. Ganz wie Friedrich Schiller sagte: „Das Überraschende macht Glück!“ – Glückwunsch an alle, die Lieblinge der Götter wie jene, die ihren Preis mit Schweiß verdienten!

Fortsetzung folgt

 

 

Read Full Post »


Beim gestrigen Empfang zum 85. Geburtstag von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg im Redoutensaal sprachen für die Partnerstädte Jena und Wladimir Altoberbürgermeister Peter Röhlinger und Jurij Fjodorow, Abgeordneter des Regionalparlaments und „Vater“ der Partnerschaft auf russischer Seite. Die Rede des vormaligen stellvertretenden Bürgermeisters und Staatssekretärs liegt der politischen Redaktion des Blogs vor und möge hier als Zeugnis einer besonderen Freundschaft verstanden werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Dr. Dietmar Hahlweg,

heute haben sich in diesem Saal Ihre Freunde, Genossen und Kollegen versammelt. Sehen Sie sich nur einmal um, wie viele Menschen zusammengekommen sind, um Ihnen zu Ihrem Jubiläum zu gratulieren. Das zeugt davon, was Sie uns allen bedeuten. Für Ihre Landsleute wurden Sie zu einer Legende von Mensch, zu einem Oberbürgermeister, der Erlangen zu einer „Radfahrerstadt“, zu einer Hauptstadt des Umweltschutzes oder ganz einfach zu einer der saubersten, gepflegtesten und lebenswertesten Städte Deutschlands machte. Für uns aus Wladimir sind Sie der Diplomat, der den Grundstein für eine lange und feste Partnerschaft zwischen unseren Städten legte. Und für mich sind Sie ein enger und teurer Freund.

Jurij Fjodorow und Peter Steger

Diese Freundschaft währt nun schon viele-viele Jahre. Im Deutschen gibt es den Begriff einer „Freundschaft fürs Leben“. 37 Jahre ist es her, doch ich erinnere mich noch genau daran, wie wir uns kennenlernten, ich habe keine der Begegnungen vergessen, die später folgten, ich habe alles vor Augen, als wäre es gestern geschehen. Ich weiß noch, wie Anfang der 80er Jahre Dr. Klaus Wrobel, der damalige Direktor der VHS, eine Bürgergruppe in die Sowjetunion begleitete und dabei einen Abstecher nach Wladimir machte. Er war begeistert von unserer altehrwürdigen Stadt und berichtete auch Ihnen von seinen Eindrücken, während die Reiseteilnehmer ihre Erlebnisse natürlich auch weitererzählten. Schon damals pflanzten wir den Setzling der Liebe zu Wladimir. Oder, prosaischer, das Interesse an Wladimir war in jedem Fall geweckt.

Norbert Meyer-Venus und Thomas Fink

1983 empfingen wir die erste offizielle Delegation. Die Namen der Mitreisenden erinnere ich bis heute: Mit Ihnen zusammen kamen Heide Mattischeck, Claus Uhl und Peter Millian. Und dann folgte auch schon unsere Photoausstellung in Erlangen. Wir bereiteten uns sorgfältig darauf vor, schließlich wollten wir all das Beste zeigen, was wir hatten, und die Erlanger zumindest auf diesem Umweg mit den Menschen aus Wladimir bekanntmachen. Ich kam ganz allein mit dieser Ausstellung hierher. Ein damals durchaus unüblicher Vorgang. Ich gebe zu, aufgeregt gewesen zu sein. Wie wird man die Ausstellung aufnehmen, wird man sie verstehen, wird man sehen, was wir ausdrücken wollten? Doch die Ausstellung kam an, sie wurde gut besucht. Ich erinnere mich an einen witzigen Fall: Vor einem der Bilder versammelten sich besonders viele Leute. Ich fragte mich, was es wohl sei, das die Menschen so fesselte. Es stellte sich heraus, es war ein Photo unseres Heiz- und Stromkraftwerks, das damals noch mit Kohle befeuert wurde. Klar, es qualmte aus allen Rohren. Und das in einer Zeit, wo man sich hier in Erlangen bereits ernsthaft mit den ökologischen Problemen beschäftigte und sich um Luftreinhaltung sorgte. Während bei uns der Schornstein rauchte. Da fühlte ich mich doch ein wenig unwohl. Wozu das verbergen!

Henning Zimmermann, Fridays for Future

Ich weiß noch sehr gut, wie herzlich man mich aufnahm, wie Sie selbst mich überall herumführten, mir alles zeigten, alles erklärten. Damals begriff ich, es mit einem richtigen Stadtvater zu tun zu haben, mit jemandem, der seine Stadt aufrichtig liebt. Ich gebe zu, beeindruckt gewesen zu sein.

Die offizielle Vereinbarung über die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Wladimir und Erlangen unterzeichneten wir viel später, erst 1987. Aber mir scheint, alles hatte sich bereits damals entschieden. Wir sprachen viel miteinander, diskutierten die Perspektiven unserer Partnerschaft.

Tatjana Fjodorowa, Jurij Fjodorow, Florian Janik, Ursula Rechtenbacher und Dietmar Hahlweg

Ich kam mit dieser Idee nach Hause, erzählte der Leitung der Stadt davon. Der damalige Vorsitzende des Exekutivkomitees – heute würden wir Oberbürgermeister sagen –, Michail Swonarjow, hörte mir aufmerksam zu und interessierte sich für die Idee, er entbrannte sogar regelrecht dafür. Und so wurde beschlossen, eine offizielle Delegation nach Erlangen zu entsenden.

Wie es dann weiterging? – Der Austausch von Schülern, Studenten, gemeinsame Konzerte und Ausstellungen, Familienbegegnungen… Es setzte eine regelrechte „Volksdiplomatie“ ein, die „Bürgerpartnerschaft“, von der Sie immer sprachen, war geboren. Ich bin sicher, auch Sie erinnern sich noch an das großartige „Fränkische Fest“ zum zehnjährigen Jubiläum unserer Partnerschaft im Jahr 1993. 30.000 Wladimirer nahmen daran teil.

Tatjana Fjodorowa, Jurij Fjodorow, Herbert Lerche und Ursula Rechtenbacher

1995 schließlich eröffneten wir das Erlangen-Haus. Tausende Menschen aus unserer Stadt lernten und lernen dort Deutsch in Kursen, die dank der Zusammenarbeit mit der VHS Erlangen und dem Goethe-Institut in Moskau angeboten werden. Hunderte von unterschiedlichen Projekten und Austauschprogrammen in Wirtschaft, Kultur und Soziales könnte ich aufzählen. Das Wichtigste aber – die vielen deutschen und russischen Familien, die alle dank Ihnen und der Partnerschaft zueinander fanden. Hier gebührt aber auch Deinen Nachfolgern alle Ehre: Dr. Siegfried Balleis und Dr. Florian Janik. Beide ließen und lassen nicht nach in ihrem Bestreben, die Partnerschaft unserer Städte auf diesem hohen Niveau zu halten und weiterzuentwickeln – so wie das in der Nachfolge von Michail Swonarjow auch Wladimir Kusin, Igor Schamow, Alexander Rybakow, Sergej Sacharow und Olga Dejewa taten und weiter tun, immer unterstützt von den Stadträten und ihrem Team in der Verwaltung.

Stefan Barth und Jurij Fjodorow

Unsere Partnerschaft gilt als beispielhaft für andere. Ich bin stolz, zu den ersten Schwalben dieser russisch-deutschen Freundschaft zu gehören. Ich freue mich auch darüber, wie es uns gelungen ist, Rothenburg o.d.T. und Susdal zusammenzubringen. Und ich möchte fast glauben, unsere Volksdiplomatie könnte auch die deutsche Einheit befördert haben, zumal in unsere Zusammenarbeit zu meiner großen Freude Jena erfolgreich eingebunden ist.

Peter Röhlinger

Heute, zu Ihrem Jubiläum, kommt mir natürlich viel in den Sinn. Aus irgendeinem Grund vor allem Sachen zum Lachen. Da war doch zum Beispiel dieser spaßige Kasus, als wir mit Ihrer Delegation spät abends von einem Ausflug zurückkehrten und unterwegs im Wald einen Halt einlegten, um auf dem Kühler im Scheinwerferlicht des Autos ein Picknick zu veranstalten. Für uns die normalste Sache der Welt, während die Gäste, wie wir begriffen, sich einigermaßen unbehaglich fühlten. Später lachten wir alle darüber.

Aber jetzt erlaube mir, mich an Dich als Freund zu wenden:

Lieber Dietmar!

Ich sehe mir immer wieder die Photos jener Jahre an, erinnere mich und danke dem Schicksal dafür, das mir vor 37 Jahren einen so weisen und verlässlichen Freund geschenkt hat.

Ich gratuliere Dir von ganzem Herzen zu Deinem Wiegenfest! Ich wünsche Dir noch ein langes Leben, gesund, munter und glücklich. In Wladimir kennt man Dich, erinnert man sich an Dich, liebt man Dich, freut man sich zu jeder Zeit auf Deinen nächsten Besuch!

Tatjana Fjodorowa und Heidi Hahlweg mit dem Jubilar, Dietmar Hahlweg

Zu diesem Festtag beglückwünsche ich aber auch Deine bezaubernde Frau, die Dich Dein ganzes Leben lang begleitet, Dir bei all Deinen Aufgaben Hilfe leistet und Dich bis heute in allem unterstützt, die Dir, wie man bei uns sagt, den Rücken freihält. Immer wenn meine Frau Tatjana und ich Erlangen besuchten, waren wir bei Heidi und Dir eingeladen. Und jedes Mal führten wir wunderschöne und herzliche Gespräche. Glaube mir, ich weiß diese Begegnungen zu schätzen und die Erinnerung daran zu bewahren.

Liebe Heidi, als Zeichen meiner Anerkennung bitte ich Dich, diese Blumen anzunehmen.

Familie Hahlweg

Und jetzt, lieber Dietmar, gestatte mir bitte, einen wichtigen Auftrag zu erfüllen und Dir zu Deinem 85. Geburtstag die Ehrenurkunde des Regionalparlaments Wladimir zu überreichen für Deinen „großen Beitrag zur Begründung der Partnerschaftsbeziehungen zwischen Erlangen und Wladimir sowie zur Entwicklung der Volksdiplomatie“.

Lieber Dietmar, darüber hinaus überreiche ich Dir eine Grußbotschaft des Vorsitzenden unseres Regionalparlaments, Wladimir Kisseljow. Wir baten unsere berühmten Künstler aus Mstjora darum, diese Ehrenbezeigung zu gestalten. Du kennst das natürlich, aber für alle Anwesenden erkläre ich: Mstjora liegt in der Region Wladimir und gilt als das Zentrum der russischen Lackminiaturmalerei, die Weltruhm genießen.

Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Und schließlich ganz persönlich von meiner Familie diese Ikone der Wladimirer Gottesmutter, ebenfalls aus einer Werkstatt der Meister von Mstjora.

Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie uns Dr. Dietmar Hahlweg Beifall spenden!

Silvia Klein, Sabine Lotter und Altdekan Josef Dobeneck, zurecht hochzufrieden mit dem Ablauf des Abends

P.S.: Jurij Fjodorow richtete sich aber nicht nur an seinen Freund. Abweichend vom Manuskript wünschte er mit ergreifenden Worten allen Gästen des Abends ein gesundes und friedliches Neues Jahr, wo sich auch noch die innigsten und geheimsten Wünsche erfüllen sollten. Wie das gehen könnte? Indem wir einander öfter umarmen, füreinander da sind, unseren Angehörigen und Freunden unsere Zuneigung zeigen… Wenn das mehr Leute täten, dann könnte es auch auf der Welt insgesamt menschlicher zugehen. Eine Botschaft, für die der Redner mit viel Applaus und Sympathie bedacht wurde.

Bleibt nur noch, Nadja Steger für die Bilder des Abends zu danken, der mit dem Lied der Franken ausklang.

Read Full Post »


Welchen Beruf ergreifen? Die klassische Frage, die jeden Schüler belastet, der von einer erfolgreichen Zukunft träumt. Und wenn dann bis zum Abschluß nur noch eineinhalb Jahre bleiben, erhalten die Gedanken über den späteren Berufsweg eine gewisse Priorität.

Iwan Seliwjorstow und Olga Serdjuk

Iwan Seliwjorstow geht in die 10. Klasse des Gymnasiums Nr. 23 in Wladimir. Er ist ein ganz normaler Teenager, der sich für Sport und Musik begeistert sowie Sprachen (Englisch und Deutsch) lernt. Seinen beruflichen Werdegang sieht Iwan schon ganz klar vor sich. Er interessiert sich für Chemie und Biologie. Deshalb wählte er auch als Schwerpunkt im Unterricht der 10. und 11. Klasse der allgemeinbildenden Schule die Fächerkombination „Chembio“. Dies half ihm dabei, in die faszinierende Welt des Studentenlebens an der Wladimirer Staatlichen Universität einzutauchen. Labors, Auditorien, Lehrstühle, „Paare“, wie man die Lehreinheiten an der Hochschule nennt. Dies alles ermöglichte es ihm, das Nahen des neuen Lebens als Erwachsener zu erfahren.

Da Iwan am Erlangen-Haus Deutsch lernt, interessierte ihn die Frage, wie denn das Studium an den Universitäten in Deutschland aussehen könnte, erst recht, wo es doch in der Partnerstadt Erlangen die FAU mit ihrem Weltruf gibt. Dank der altbewährten Partnerschaft beider Städte und der aktiven Unterstützung durch Peter Steger im Bereich des Austausches auf den Gebieten der Kultur und Bildung erhielt Iwan die Möglichkeit, in die FAU hineinzuschnuppern. Und so machte sich der Schüler in den Herbstferien – in der vergangenen Woche – auf den Weg nach Erlangen.

Zunächst einmal: Iwan kam zum ersten Mal nach Deutschland. Erlangen empfing ihn mit herrlich warmem Wetter, anheimelnden und sauberen Gassen, historischen Gebäuden – und mit dem Lächeln der Menschen. Was ihm ebenfalls sofort ins Auge fiel, waren die vielen medizinischen Einrichtungen, alles Unterabteilungen der Universitätskliniken, schöne, lichte und moderne Gebäude, eher futuristischen Bauten oder Hotels ähnlich. Erst nach einem längeren Spaziergang durch die Stadt begriff er, daß die Hörsäle und Verwaltungseinrichtungen der FAU über ganz Erlangen verteilt sind, daß es hier nicht nur einen zentralen Campus gibt, sondern daß das studentische Leben historische Gebäude ebenso erfüllt wie hochmoderne Bauten. Und dann begriff er auch noch, daß der ihm seit der Kindheit bekannte Begriff Siemens ganz direkt mit dieser außergewöhnlichen Stadt verbunden ist. Überhaupt gewann er einen erstaunlichen Eindruck von Erlangen. Ebenso altehrwürdig wie modern, ein Magnet für junge Leute, die hungrig darauf sind, für sich einen Platz in der Zukunft zu finden, einen Platz in einem Beruf, der jungen Leuten ein großes Potential zur Selbstverwirklichung bietet.

Almut Ruyter und Iwan Seliwjorstow

Am Tag darauf kam es zu einem Gespräch an der Naturwissenschaftlichen Fakultät, den Nadja und Peter Steger liebenswürdigerweise organisiert hatten, und wo Iwan mit Fachleuten aus den Fachbereichen Biologie und Chemie sprechen konnte, immer begleitet von Polina Timofejewa, einer Studentin der Wladimirer Staatlichen Universität, die derzeit an der FAU ein Semester absolviert. Das erste Treffen erfolgte mit Olga Serdjuk. Sie kommt aus Rostow am Don und hat einen Doktortitel in der Chemie. Sie erzählte von ihrem eigenen Weg zum Beruf, davon, wie sie die Entscheidung traf, der Arbeit wegen nach Erlangen zu kommen, und schließlich, der wichtigste Punkt, was man sich unter der Arbeit eines Chemikers in Deutschland vorzustellen habe, welche praktischen Möglichkeiten es hier gebe, die praktische Anwendung einer Ausbildung im Bereich Materialchemie oder Pharmazeutik umzusetzen oder in welchen Etappen man in Deutschland in den Fächern zum Profi wird, welche Bedeutung berufliche Kompetenzen und Kontakte besitzen.

Iwan Seliwjorstow und Susanne Morbach

Das nächste Treffen fand im Büro von Almut Ruyter statt. Die promovierte Chemikerin berät zum Bachelor-Studiengang im Bereich Chemie und Molecular Science. Das Studium läuft auf Deutsch. Es geht um eine bodenständige Ausbildung in der biologischen medizinischen Chemie. Einsatz nach dem Studium: Industrie, Behörden, Forschung. Sie berichtete ausführlich über das Propädeutikum, also die Vorbereitung der Studenten auf einen individuellen Ausbildungsweg je nach eigenen Interessen. Schließlich traf Iwan noch Susanne Morbach (Studiengangskoordinatorin Department Biologie). Die promovierte Wissenschaftlerin berät zum Bachelor-Studium im Bereich Biologie. Dabei war von besonderem Interesse, daß in Deutschland das Biologiestudium am Ende auf eine konkrete Spezialisierung zuläuft: Paläontologie, Botanik, Genetik u.s.w. Und dann gibt es da noch all die Besonderheiten beim Bachelor in der Biologie…

Ein großer und erkenntnisreicher Tag für Iwan. Die Städtepartnerschaft macht die Welt unserer Jugend weiter und vielschichtiger, erfüllt sie mit Interaktion und Kontakten in Bildung und Wissen. Die Zukunft liegt in der Hand der Jugend!

Und dann ist da noch Weihnachten, auf das sich Erlangen bereits vorbereitet. Am 1. Dezember feiert man den 1. Advent. Die Weihnachtsmärkte sind in dieser Weltgegend besonders farbenprächtig. Der Geist des nahenden Weihnachtsfestes schwebte jedenfalls bereits über der Stadt…

 Iwan Seliwjorstow

Anm. der Redaktion: Der Bericht stammt vom Vater, der den gleichen Vornamen wie der Sohn trägt. Iwan Seliwjorstow ist Arzt und koordiniert den Medizineraustausch, den Rotary fördert. Siehe: https://is.gd/is4YRk

 

Read Full Post »


Niemand brauchte gestern abend im Kulturpunkt Bruck frieren, aber nicht alle hatten noch Platz in dem überfüllten Saal gefunden, einige wurden wegen Überfüllung wieder hinaus in die dunkle Kälte geschickt, bevor Walter Költsch – zum zweiten Mal in Erlangen – seinen live kommentierten Reisefilm „Eiskalt – Mit dem Fahrrad durchs Baltikum nach Rußland“ vorstellte. Ein Roadmovie, der von Erlangen über Görlitz, via Masuren, Tallinn, Sankt Petersburg und Jaroslawl – auch auf manchen zum Teil unpassierbaren Umwegen – bis nach Susdal, Wladimir und Moskau führt und in gut zweieinhalb Stunden eine Strecke von etwa 4.000 km mit Bildern und Eindrücken bewältigt, die den Zuschauer nicht nur an überwältigenden Landschaften und faszinierenden Städten teilhaben läßt, sondern vor allem an stets offene und hilfsbereite Menschen so hautnah heranführt, daß man deren Atem zu spüren meint, ihrer Seele so nahe kommt, als wäre man ihnen selbst begegnet.

Walter Költsch

Ein etwa zwanzigköpfiger Trupp war es, der kurz vor Ostern 2013 Peter Smolka auf seiner am Ende viereinhalb Jahre dauernden und sich über 80.000 km erstreckende Tour de Friends um die Welt mit Stationen in allen Partnerstädten Erlangens begleitete, im Gepäck Grußbotschaften vom damaligen Oberbürgermeister, Siegfried Balleis, an seine Kollegen auf dem ganzen Erdenrund. Das erste Ziel, Wladimir, erreichten dann aber nur noch vier: besagter Peter Smolka, Gertrud Härer, Jörg Gruner und eben Walter Költsch, der diese Reise nach zweijähriger, unfallbedingter Zwangspause mit zwei geschienten und genagelten Unterarmen antrat, und für den die Fahrt zur bisher kältesten werden sollte.

Getrud Härer, Anneliese Martin, Walter Költsch und Peter Steger

Warum die kälteste, erklärt sich rasch: Im Knoblauchsland erfror in jenem Frühjahr 2013 das Gemüse, in der Fränkischen Schweiz lag Schnee, und bis weit über das Baltikum hinaus hatte die Equipe mit winterlicher Witterung und vor allem einem eisigen Gegenwind zu kämpfen. Aber wiedergeben läßt sich das nur anhand der Bilder des Films, anhand der kopfschüttelnden Menschen am Wegrand und anhand der Frage: „Warum tut ihr euch das an?!“

Nadja Steger

Seine Antwort wird Walter Költsch noch einmal, am 14. November, geben, wenn er um 19.30 Uhr im Redoutensaal mit seinem Vortrag das diesjährige Fernwehfestival eröffnet. Wer diesen einzigartigen Film bisher noch nicht gesehen hat, sollte sich diese vielleicht letzte Gelegenheit nicht entgehen lassen. Eine jedenfalls wird wieder, dann schon zum dritten Mal, im Publikum sitzen, die zur ersten Vorführung fast schon hatte zwangsverpflichtet werden müssen, bis sie – bereits im Vorspann – bemerkte, daß einige kurze Sequenzen auch Piszowo zeigen, jenes Städtchen auf halber Strecke zwischen Jaroslawl und Wladimir, wo ihr Vater geboren wurde und sie als Kind immer wieder die Ferien verbrachte. Mehr als zwanzig Jahre hatte Nadja Steger dieses kleine Stück Heimat nicht mehr gesehen, und nun das: Peter Smolka, Deutschlands wohl bekanntester Weltumradler, Gertrud Härer, eine der weltweit besten Langstreckenläuferinnen, Jörg Gruner, mit seinem Wisch-Handy der findigste Pfadfinder zwischen Franken und dem Ural und – bei all den Pannen – unverzichtbare Fahrradmonteur, sowie Walter Költsch, der unübertroffene Chronist und kurzweiligste Kommentator von Extremtouren rund um den Globus – ausgerechnet dieses Dreamteam legt einen Zwischenhalt in dem russischen Allerweltsdorf Piszowo ein, das für die Wahlerlangerin für immer ein Teil ihrer Kindheit bleibt. Das verbindet – und verpflichtet bis zum nächsten Auftritt von Walter Költsch, zu dessen Homepage mit all den übrigen Terminen und Themen es hier geht, ohne Frostbeulen und Schneegestöber, zum Mitreisen: https://walters-verrueckte-reisen.de

Read Full Post »


Heute ist es zehn Jahre her, seit der Blog mit folgender Anrede an den virtuellen Start ging:

Liebe Wladimir-Freunde,

ein großer Schritt für mich, ein kleiner für die Partnerschaft. Ich lege nun einen Blog an, ohne noch so recht zu wissen, wie das funktioniert und was das überhaupt bedeutet. Nehmen wir es als die zeitgemäße Weise der Mitteilung von Meldungen aus der Partnerstadt Wladimir und dem großen Ganzen der Zusammenarbeit beider Kommunen. Es mag und soll wohl auch so manches an persönlichen Eindrücken seinen Platz finden, hauptsächlich will ich mich aber auf tagesaktuelle Nachrichten beschränken und dazu aufrufen, Fragen zu stellen und möglichst viel Bereitschaft zur Mitarbeit zu bekunden.

Was als Aufbruch ins Unbekannte begann, gehört seit einer Dekade mit durchschnittlich 300 Aufrufen pro Tag zum beständigen Begleitmedium der Städtepartnerschaft, mehr noch, der Blog bietet eine immer breitere Plattform für eine wachsende Zahl von Gastbeiträgen und lebt von der Interaktion, wofür die aktuell 1.186 Kommentare und ungezählten Bewertungssternchen stehen. Die Auszeichnung durch die beiden Außenminister, Heiko Maas und Sergej Lawrow, am 14. September in Berlin brachte schließlich auch eine Anerkennung dieses Partnerschaftsprojekts mit inzwischen 3.872 Beiträgen auf höchster zwischenstaatlicher Ebene.

Wenn der Blog heute sein zehnjähriges Jubiläum feiern kann, ist das freilich vor allem seiner Muse zu verdanken, die sich lieber im Hintergrund hält. Sie ist nicht nur, wie in der Kunst üblich, für die andauernde Inspiration und all die funkelnden Initialzündungen zuständig, sie steuert selbst – nicht nur kulinarische – Einträge bei, sie zeichnet  vor allem auch verantwortlich für den Blogkodex und findet noch die unauffälligste Unstimmigkeit oder den kleinsten Flüchtigkeitsfehler. Schließlich weiß auch nur sie, wie viele Stunden tatsächlich in dieser täglichen Fron stecken, Zeit, die sie mit allen teilt, die diese und all die anderen Zeilen lesen. Danke dafür – bekannterweise.

Die Bildreporterin des Blogs beim Russischen Abend 2018 in der Volkshochschule mit Oberbürgermeister Florian Janik und Konsul Andrej Matwijenko vor dem Objektiv

Aber der Blog ist nicht für zwei, und er wäre nicht der Blog, hätte er nicht gerade auch heute eine kleine Geschichte zu erzählen: Milena Lukjanzewa aus Wladiwostok und Sachar Usenko aus Wladimir, der, damals elfjährig, 2016 beim Newcomer Festival in Erlangen mit seinem musikalischen Mentor, Dmitrij Wladimirow, den ersten großen Auftritt im Ausland hatte, nahmen heuer an den Wettbewerben „Neue Welle“ und „Die Stimme“ in Moskau teil. Dort lernten sich im Studio des Produzenten, Igor Krutoj, die beiden Nachwuchssänger kennen, sie begleitet von ihrer Mutter, er von seinem Vater, und es entstand gleich die Idee etwas Gemeinsames zu machen.

Stephan Beck, Karin Lippert, Susanne Lender-Cassens, Sachar Usenko, Dmitrij Wladimirow und Alexander Usenko, November 2016

Das Pärchen aus dem fernen Osten des Landes hatte im Frühjahr eine Woche für Moskau freigenommen, die beiden aus der Partnerstadt waren für zwei Tage in die Hauptstadt gekommen, wo Sachars Vater, Alexander Usenko, erste Aufnahmen von den Kindern machte, bevor Milena mit ihrer Mutter, Natalia Lukjanzewa, auf einen Sprung nach Wladimir kam, wo das Lied „Die Welt ist nicht für zwei“, geschrieben und gespielt von Dmitrij Wladimirow, aufgenommen wurde. Dann der Abschied. Aber nur räumlich, wenn auch denkbar weit voneinander entfernt, dafür künstlerisch denkbar nah beisammen: In Wladiwostok und in Wladimir entstanden nämlich weitere Videoaufnahmen, die nun Alexander Usenko zu folgendem Clip montierte, der seit zwei Tagen im Netz unter https://is.gd/qbAIyP zu sehen ist und dem Blog ein Ständchen zum Geburtstag darbringt.

Read Full Post »


In der ganzen sozialistischen Welt kursierte die Idee, dem Generalissimus, der die Völker vom Faschismus befreit hatte, zu seinem 70. Geburtstag ein Geschenk zu machen. Für die Stadt, die seinen Namen trug und gelitten hatte, wie vielleicht nur noch Leningrad, wollten die deutschen Genossen ein Planetarium errichten.

 

Nadja Steger und Marina Gadyschewa vor dem Planetarium Wolgograd

Da lag es nahe, den Auftrag nach Jena, an die Zeiss-Werke, zu vergeben. Überliefert sind die Worte des damals 82jährigen Professors Johannes Hartling:

Das Geschenk versteht sich als Symbol für das Streben unseres Volkes nach Frieden und Fortschritt. Die Sowjetunion hat die Weltzivilisation gerettet, und wir, die deutschen Wissenschaftler, die ihr Leben der Optik gewidmet haben, faßten mit enormer Begeisterung den Beschluß, auf dem heldenhaften Grund von Stalingrad ein Planetarium zu erbauen.

Familienaufstellung

Wofür man ansonsten mindestens 16 Monate brauchte – die Fertigstellung des „Innenlebens“ eines Planetariums -, schaffte man jetzt mit Unterstützung des zehntausendköpfigen Kollektivs innerhalb von gerade einmal vier Monaten. Für die Bauarbeiten sammelte man in Jena 1.350.177 Mark, die im Januar 1950 auf dem Konto der eigens eingerichteten Stiftung eingingen. Mehr noch, auch die Baupläne und teilweise Bauarbeiter für das Projekt an der Wolga kamen aus Deutschland ebenso wie – in mehr als 260 Güterwaggons – die gesamte technische Ausrüstung.

Das Foucaultsche Pendel zu Wolgograd

Allerdings stellte sich vor Ort heraus, daß Plan und Wirklichkeit nicht ganz zusammenpaßten, weshalb russische Architekten noch die eine oder andere Korrektur vornehmen mußten. Auch die Figur auf dem Gebäude, die „Frau mit erhobenen Händen, die eine Friedenstaube fliegen läßt“ wurde erst vor Ort konzipiert.

Sternenatlas

Am 19. September 1954 – der Jubilar war da bereits seit mehr als einem Jahr tot – eröffnete man schließlich den Neubau des ersten Planetariums im Süden der Sowjetunion. Das Portrait im Eingangsbereich sollte freilich wegen der Entstalinisierung gleich wieder zerstört werden, doch die Mitarbeiter des Planetariums widersetzten sich der Anordnung und versteckten das Kunstwerk hinter Schichten von Abdeckungen, wovon nur ein ganz kleiner Kreis Eingeweihter Kenntnis hatte. Erst in der Perestrojka legte man das Bildnis wieder frei, und so ist es bis heute zu sehen. Ob zu aller Freude, sei dahingestellt.

Bamberg in Wolgograd

Nicht so weit in die deutsch-russische Geschichte zurückzugehen braucht man, wenn man die Brauerei Bamberg betritt, ganz im Zentrum gelegen und erst vor zehn Jahren eröffnet.

Brauerei Bamberg

Eigentlich dürfte man hier, in der Partnerstadt von Köln, eher erwarten, ein Kölsch kredenzt zu bekommen, doch man hält es an der Wolga eher mit der Tradition der Franken.

Ein Prosit der Gemütlichkeit

Das Restaurant bietet nicht nur selbstgebrautes dunkles Bier, sondern auch deftige Kost, freilich an den russischen Gaumen angepaßt. Erstaunlich freilich, daß sogar das hierzulande eher unbekannte Radler angeboten wird.

Die Brauerei Bamberg, eröffnet 2008, hält sich an das 1515 erlassene Reinheitsgebot

Die Innenausstattung hat zwar etwas Eklektizistisches, aber Heimatgefühle kommen durchaus auf, wenn man sich an einem der wuchtigen Holztische niederläßt.

Rotary dient der Menschheit

Und gleich gegenüber eine Mauer, die mit Motiven des 1998 in Wolgograd gegründeten Rotary Klubs http://rotary-volgograd.org geschmückt sind. Weltoffen und den Gästen zugewandt, so erlebt man die Stadt heute – auch und gerade als Deutscher.

Read Full Post »


Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: