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Posts Tagged ‘Nadja Steger’


In der ganzen sozialistischen Welt kursierte die Idee, dem Generalissimus, der die Völker vom Faschismus befreit hatte, zu seinem 70. Geburtstag ein Geschenk zu machen. Für die Stadt, die seinen Namen trug und gelitten hatte, wie vielleicht nur noch Leningrad, wollten die deutschen Genossen ein Planetarium errichten.

 

Nadja Steger und Marina Gadyschewa vor dem Planetarium Wolgograd

Da lag es nahe, den Auftrag nach Jena, an die Zeiss-Werke, zu vergeben. Überliefert sind die Worte des damals 82jährigen Professors Johannes Hartling:

Das Geschenk versteht sich als Symbol für das Streben unseres Volkes nach Frieden und Fortschritt. Die Sowjetunion hat die Weltzivilisation gerettet, und wir, die deutschen Wissenschaftler, die ihr Leben der Optik gewidmet haben, faßten mit enormer Begeisterung den Beschluß, auf dem heldenhaften Grund von Stalingrad ein Planetarium zu erbauen.

Familienaufstellung

Wofür man ansonsten mindestens 16 Monate brauchte – die Fertigstellung des „Innenlebens“ eines Planetariums -, schaffte man jetzt mit Unterstützung des zehntausendköpfigen Kollektivs innerhalb von gerade einmal vier Monaten. Für die Bauarbeiten sammelte man in Jena 1.350.177 Mark, die im Januar 1950 auf dem Konto der eigens eingerichteten Stiftung eingingen. Mehr noch, auch die Baupläne und teilweise Bauarbeiter für das Projekt an der Wolga kamen aus Deutschland ebenso wie – in mehr als 260 Güterwaggons – die gesamte technische Ausrüstung.

Das Foucaultsche Pendel zu Wolgograd

Allerdings stellte sich vor Ort heraus, daß Plan und Wirklichkeit nicht ganz zusammenpaßten, weshalb russische Architekten noch die eine oder andere Korrektur vornehmen mußten. Auch die Figur auf dem Gebäude, die „Frau mit erhobenen Händen, die eine Friedenstaube fliegen läßt“ wurde erst vor Ort konzipiert.

Sternenatlas

Am 19. September 1954 – der Jubilar war da bereits seit mehr als einem Jahr tot – eröffnete man schließlich den Neubau des ersten Planetariums im Süden der Sowjetunion. Das Portrait im Eingangsbereich sollte freilich wegen der Entstalinisierung gleich wieder zerstört werden, doch die Mitarbeiter des Planetariums widersetzten sich der Anordnung und versteckten das Kunstwerk hinter Schichten von Abdeckungen, wovon nur ein ganz kleiner Kreis Eingeweihter Kenntnis hatte. Erst in der Perestrojka legte man das Bildnis wieder frei, und so ist es bis heute zu sehen. Ob zu aller Freude, sei dahingestellt.

Bamberg in Wolgograd

Nicht so weit in die deutsch-russische Geschichte zurückzugehen braucht man, wenn man die Brauerei Bamberg betritt, ganz im Zentrum gelegen und erst vor zehn Jahren eröffnet.

Brauerei Bamberg

Eigentlich dürfte man hier, in der Partnerstadt von Köln, eher erwarten, ein Kölsch kredenzt zu bekommen, doch man hält es an der Wolga eher mit der Tradition der Franken.

Ein Prosit der Gemütlichkeit

Das Restaurant bietet nicht nur selbstgebrautes dunkles Bier, sondern auch deftige Kost, freilich an den russischen Gaumen angepaßt. Erstaunlich freilich, daß sogar das hierzulande eher unbekannte Radler angeboten wird.

Die Brauerei Bamberg, eröffnet 2008, hält sich an das 1515 erlassene Reinheitsgebot

Die Innenausstattung hat zwar etwas Eklektizistisches, aber Heimatgefühle kommen durchaus auf, wenn man sich an einem der wuchtigen Holztische niederläßt.

Rotary dient der Menschheit

Und gleich gegenüber eine Mauer, die mit Motiven des 1998 in Wolgograd gegründeten Rotary Klubs http://rotary-volgograd.org geschmückt sind. Weltoffen und den Gästen zugewandt, so erlebt man die Stadt heute – auch und gerade als Deutscher.

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Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

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„Ich hatte mir schon überlegt“, meinte gestern abend bei der Rückfahrt nach Erlangen, „ob es sich denn lohnt, den weiten Weg nach Jena zu machen. Gute zwei Stunden einfach unterwegs, nur um die Honneurs zu machen. Aber jetzt bin ich richtig froh, dabei gewesen zu sein.“

Erlangen auf dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters

Der stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, sprach damit wohl allen russischen Gästen aus dem Herzen, denn, so Olga Dejewa, die klimatischen Bedingungen – immerhin gilt Jena als der zweitwärmste Ort Deutschlands – übertragen sich offenbar auch auf das Wesen der Menschen.  Die Oberbürgermeisterin ist die einzige in der Delegation, die Jena bereits von einem Besuch aus dem Jahr 2013, damals noch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes, kennt und seither zu schätzen weiß.

Olga Dejewa und Albrecht Schröter

Als Stadtoberhaupt war dies nun gestern ihr Antrittsbesuch und die erste Gelegenheit mit Ihrem Amtskollegen, Albrecht Schröter, über die weitere Ausgestaltung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir zu sprechen – und an seiner Seite ein wenig die Stadt zu erkunden.

Dabei treffen die beiden auf Schritt und Tritt auf russische Spuren: mal auf die Ankündigung eines Vortrags über Michail Gorbatschow, den in seiner Heimat wohl erst künftige Historiker vom Makel des Totengräbers der Sowjetunion befreien werden, mal die Erinnerung die Station Jena auf dem langen Lebensweg von Lew Tolstoj.

Gedenktafel am Frommannschen Anwesen

Wichtiger als der Blick zurück – auch in die bereits zehn Jahre währende Dreieckspartnerschaft – ist den Deutschen und Russen die Überlegung, was sie in Zukunft gemeinsam angehen könnten. Und da bietet sich ein breites Spektrum.

Über den Dächern von Jena

Das Freiwilligenprogramm soll fortgesetzt werden, das Rahmenabkommen zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und der Wladimirer Universität bietet noch ungenutzte Möglichkeiten für den Wissenschaftsaustausch, bei Kultur und Sport gäbe es noch viel zu tun… Und dann ist da noch der Vorschlag von Albrecht Schröter, gern einmal jemanden aus der Wladimirer Stadtverwaltung einzuladen, um auszuloten, in welchen Bereichen der Administration ein Erfahrungsaustausch nützlich sein könnte.

Albrecht Schröter und seine Gäste

Und natürlich darf die Gegeneinladung nicht fehlen: vielleicht schon zum Wirtschaftsforum im Juni oder spätestens zum Stadtfest im Herbst. Gleichviel, Hauptsache man bleibt im Gespräch und Austausch, so die einhellige Meinung.

Albrecht Schröter und Olga Dejewa, im Hintergrund Norbert Hebestreit

Schon sehr weit gediehen sind die Überlegungen für eine konkrete Zusammenarbeit auf Initiative von Norbert Hebestreit im Bereich der Krankenpflege. Da versprechen sich beide Seiten einen Gewinn, da wollen beide Seiten voneinander lernen, da soll noch heuer ein Austauschabkommen zwischen der Berufsfachschule in Wladimir und dem Klinikum Jena abgeschlossen werden.

Nach der Führung durch das Klinikum Jena

Da darf natürlich auch eine Führung durch die größte Klinik Thüringens und eines der modernsten Krankenhäuser in ganz Deutschland, wenn nicht gar europaweit, nicht fehlen. Immer im Blick auf die künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir.

Alexander Krutow, Renate Winzen, Olga Dejewa, Nadja Steger, Wladimir Rybkin, Anette Christian und Guram Tschjotschjew

So ein Tag endet natürlich beim Abendessen zurück in Erlangen mit Stadträtin Anette Christian am besten mit einem Trinkspruch, den Wladimir Rybkin in ebenso einfachen wie einprägsamen Worten ausbringt: „Ich stehe auf, um mein Glas auf die Gastgeber zu erheben, und ich knöpfe meine Jacke zu dem festlichen Anlaß zu, aber mein Herz ist bis auf den letzten Knopf aufgeknöpft nach all den wunderbaren Begegnungen hier in Deutschland.“

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Kennen Sie den schwarzen Peter? Den „schiebt man“ in der Regel jemandem zu, um Unannehmlichkeiten, ein unliebsames Problem, eine Schuld oder die Verantwortung auf diese andere Person abzuwälzen. Mögen Sie schwarzen Humor? Oder steht jemand auf Ihrer schwarzen Liste? Haben Sie in der Familie ein schwarzes Schaf? Oder redet manchmal einer mit Ihnen, bis Sie schwarz werden?

Heute treffen wir im Blog einmal ins Schwarze und geben für einen Moment das Schwarz-Weiß-Denken auf, denn wir widmen uns jetzt etwas Köstlichem und ausnahmsweise nicht schwarz auf weiß, sondern schwarz auf rot! Und es geht nicht um die abgewählte Große Koalition im Bundestag, sondern wir hängen eine neue Delikatesse aus Wladimir ans schwarze Brett: Haben Sie schon einmal schwarzen Rettich probiert?

In Wladimir gehört das Wurzelgemüse zum Standardrepertoire der Winterkost. Wir nennen ihn auch „König des Gemüses“, denn der schwarze Rettich gilt bei uns  – gleich ob für ein Festmahl oder in den schwierigen Stunden einer Erkältung –  als ausgezeichnetes Mittel für Wohlbefinden und Genuß.

Der schwarze Rettich trägt seinen Beinamen nicht einfach so. Es ist leider nicht genau bekannt, seit wann wir ihn kennen und verzehren. Fest steht allerdings, daß bereits die Römer dieses Gemüse sehr schätzten und es als Mittel bei Pilzvergiftung einsetzten. Man behauptet, in einem der ägyptischen Tempel sei bis heute das Relief des schwarzen Rettichs zu sehen. Auch die alten Griechen himmelten ihn an und servierten ihn angeblich auf goldenen Tabletts. Was davon wahr ist, wissen wir natürlich nicht.

Ganz genau bekannt ist allerdings, daß diese Rübe außerordentlich reich an Vitaminen ist. In ihr läßt sich eine unglaublich hohe Zahl an ätherischen Ölen und freien Organsäuren nachweisen, außerdem zahlreiche Mikroelemente, Kalium, Magnesium, Kalzium, Schwefel, Vitamine der B-Gruppe, Vitamin C etc. pp.

In der Volksmedizin werden vor allem die Rübe selbst und deren Saft verwendet. Die Ballaststoffe sollen das böse Cholesterin abbauen, gelten also als ideales Mittel gegen Arteriosklerose. Auch bei Erkältungen, Grippe, viralen Infekten oder eitrigen Wunden wird das Zaubergemüse angewandt. Im Frühjahr stärkt es das Immunsystem, im Winter erspart es den Griff in den Medikamentenschrank.

In Wladimir haben wir sogar einen sehr beliebten und leckeren Salat, der nicht nur mit schwarzem Rettich zubereitet wird, sondern auch noch den Namen der Kljasma trägt, ganz zu schweigen davon, daß die Wurzel auch als Heilmittel bei Erkältung zum Einsatz kommt s. https://is.gd/5xEz0m hier im Blog.

Aber heute gibt es schwarz auf rot! Schwarzer Rettich trifft auf rote Bete – ein Genuß, dazu noch voller Vitamine!

Schwarzer Rettich – 1 Stück; rote Bete – 1 Stück; Zwiebel – 1 Stück (groß); Öl; je 1 Prise Zucker und Salz; Pfeffer, frische Kräuter, eine kleine Handvoll Nüsse.

Rezept 6

Große Zwiebel schälen, mittelfein würfeln und in ausreichendem Öl anbraten bis sie gold-braun ist. Wer möchte, kann dazu eine kleine Prise Zucker hinzufügen.

Schwarzen Rettich und rote Bete schälen und getrennt voneinander mittelfein bzw. mittelgroß reiben.

Rezept 4

Vorsichtig Zwiebel, schwarzen Rettich und rote Bete vermischen. Salzen und pfeffern. Lassen Sie den Salat ein wenig ziehen, eine halbe Stunde vielleicht. Frische Kräuter fein schneiden, ebenso Nüsse. Den Salat damit oben dekorieren.

Das Dressing haben wir nicht vergessen – an seine Stelle treten die fantastischen Säfte vom schwarzen Rettich und der roten Bete, unterstützt vom Öl, von der Zwiebel und vom Geschmack der frischen Kräuter. So, jetzt haben wir schwarz auf weiß eine Köstlichkeit, dank der Sie garantiert schwarze Zahlen bei der Anzahl Ihrer Gäste schreiben werden! Denn: „Was man schwarz auf rot gekocht / kann man getrost dem Gast servieren“, hat schon so oder ähnlich Johann Wolfgang von Goethe als Küchenmeister gedichtet.

Nadja Steger

P.S.: In der Nachbarregion von Wladimir, in Kostroma, gibt es sogar schwarzes Salz. Kennen Sie das schon? Wenn nicht, bitte gleich nachlesen in einem Reisebericht von Hans Gruß unter: https://is.gd/jlwunU

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Deutsche Sprache, schöne Sprache. Allerdings nicht nur die deutsche. Jede Sprache ist auf ihre Weise wunderschön, so reich und lebendig, wenn man sie nur liebt und in ihr lebt! Gerade in einer Zeit, wo sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beim Anblick eines Toten den Drehbuchschreibern kein anderer Kommentar als ein expressives Exkrement einfällt und einige Politiker meinen, sie müßten einander stilistisch unterbieten, sollten wir vielleicht vermehrt auf unsere Sprache achten, sie pflegen und respektieren. Kaum nämlich tut man das, zeigt sie sich schon von ihrer besten Seite. Sie läßt sich richtig kneten wie ein leckerer Teig, mit sich spielen wie ein Puppentheater, sie bietet in jeder Situation eine Fülle an unerschöpflichen Möglichkeiten, unseren Gedanken und Gefühlen einen Ausdruck zu verleihen, der Schiller und Goethe, die Gebrüder Grimm oder Thomas Mann sich nicht im Grab umdrehen und uns alle nicht länger fragen macht, ob denn keiner mehr auf dieser Welt wisse, was Sprache jenseits von „Sch…“, „Fresse“ oder „vor uns herjagen“ vermag.

Auch in der Kulinarik lädt die Sprache zum Spiel ein, das oft einiges auf den Kopf stellt oder zum Denken anregt. Wie zum Beispiel in diesem Fall: Die russische Küche kennt, nicht anders übrigens als die deutsche, Kohlrouladen. Diese schmecken sicherlich unterschiedlich, aber die Idee ist in beiden Kochtraditionen ähnlich. Allerdings kennt die russische Hausmannskost noch eine andere Version dieses Gerichts, nämlich eine für diejenigen, denen das Vorbereiten von Kohlblättern zu aufwendig und langwierig ist, das Einwickeln ein bißchen zu viel Geschick verlangt, ohne beim Geschmackserlebnis Abstriche machen zu wollen. Und das in einer Zeit, wo viele immer weniger selbst die Schürze binden und den Kochlöffel in die Hand nehmen. Schade drum! Für viele gilt eben: lieber gleich Fertigprodukte, am besten sogar geschnittene Zwiebeln und geschälte Kartoffeln vakuumverpackt in den Einkaufskorb werfen und dann nur noch für ein paar Minuten in die Mikrowelle schieben – fertig. Fertig ist auch der Geschmack, der bereits vom Hersteller vorgegeben wird, fertig ist die gemeinsame Zeit beim Kochen und Genießen. Alles fertig!

Nicht mit uns! Wir kochen und genießen, genießen und kochen! So auch heute.

Faule Kohlrouladen

Die erste Schwierigkeit ist gleich auch die letzte, nämlich: Wie nennen wir unser Gericht richtig. Die wörtliche (in diesem Fall unpassende) Übersetzung wird wohl einiges auf den Kopf stellen und dem einen oder der anderen, die Lust auf ein diese Leckerbissen vielleicht gleich wieder verderben. Denn es geht heute um … „faule“ Kohlrouladen oder besser Faulenzer-Kohlrouladen, sollten wir den Funktionalisten der Übersetzungswissenschaft folgen, eine Speise also für alle, die Kohlrouladen zwar sehr gern essen, aber die aufwendige Zubereitung meiden möchten. Und wenn wir sie bei ihrem russischen Namen nennen, also wörtlich „faule Kohlrouladen“, denken vielleicht einige, da sei etwas faul mit dem Rezept. Nein!!! Sie sind einfach fantastisch leicht zuzubereiten, gerade richtig für Faulenzer, die trotzdem gerne kochen, aber gerade heute nicht eben die große Lust zu all dem haben, was die Kohlrouladen einem ansonsten abverlangen. Also, machen wir es anders, und dieses Mal sogar ohne Kohl:

Faule Kohlrouladen

Man nehme ein paar Handvoll zarter Haferflocken, dazu eine kleine Karotte, die wir mittelfein reiben. Dasselbe mache man mit einer halben Zucchini. Zwei bis drei getrocknete Tomaten fein schneiden. Nicht vergessen: eine Zwiebel, ebenfalls fein oder mittelfein geschnitten. All das mit ca. 100 ml heißem Wasser übergießen und quellen lassen. In der Zwischenzeit koche man ca. 100 g Reis gar. Und dann alles zusammengeben mit zwei Eiern, abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer und für alle, die Kräuter mögen, mit je einen halben Bund Petersilie und Dill, fein gehackt. Fehlt noch eine Handvoll fein gehackter Nüßchen, egal welche, oder Körner, und schon kommt alles in eine gut eingefettete Pfanne. Dann mit ca. 50 g geriebenem Käse bestreuen und bei ca. 200 g etwa 30 Minuten überbacken. Mit saurer Sahne schmecken die Kohlrouladen (ohne Kohl) für Faulenzer (und deren noch faulere Kostgänger!) einfach köstlich.

Faule Kohlrouladen

Gerne aber kann man auch Faulenzer-KOHLrouladen zubereiten. Dann los: 50 bis 100 g Weißkraut fein reiben, per Hand gut durchkneten und zur Masse hinzufügen. Für diejenigen, die etwas fleißiger sein wollen, ein Tip – machen Sie daraus kleine Bratlinge oder Buletten oder Frikadellen oder wie auch immer Sie diese rundlichen Gestalten in der wunderschönen und so reichen deutschen Sprache nennen möchten; wichtig ist nur, daß sie Ihnen munden, so oder so – trotz der in letzter Zeit so vielfachen Zumutungen an die Anmut des Deutschen und all die Anschläge auf Anstand und Geschmack. Guten Appetit und приятного апетита!

Nadja Steger, Dipl.-Philologin, staatl. geprüfte Dolmetscherin

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Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Gestartet war Peter Smolka mit zehn Briefen von Oberbürgermeister Siegfried Balleis an dessen Kollegen in den zehn Partnerstädten zu seiner Tour de Friends am Morgen des 23. März 2013. Heute, pünktlich um 16.00 Uhr, noch vor dem großen Regen, traf er nach 88.000 km rund um die Welt vor dem Rathaus Erlangen ein, begleitet von einer kleinen Gruppe, die ihm auf der letzten Strecke bis Lichtenfels bzw. Forchheim entgegengefahren war, und empfangen von Freunden sowie Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und Altoberbürgermeister Siegfried Balleis, beide voll der Anerkennung und Bewunderung für diese einzigartige Leistung.

Peter Smolka bei der Einfahrt auf den Rathausplatz

„Wahnsinn“, sei das, „unglaublich“, was der Kurier des Rathauses da geleistet habe, rief die Hausherrin zur Begrüßung aus und umarmte den Rückkehrer, während das einstige Stadtoberhaupt, selbst sattelerprobt im Besuch fast aller europäischer Partnerstädte – allerdings in der Staffel, abgesehen von Umhausen und Jena, die er im Alleingang erreichte – voller Anerkennung das Durchhaltevermögen des Ausnahmeradlers lobte: „Respekt vor dieser großartigen Leistung!“

Susanne Lender-Cassens, Peter Smolka und Siegfried Balleis

Seine zweite Weltumradlung, so Peter Smolka selbst, werde er wohl nicht mehr übertreffen können: eine Herausforderung an Psyche wie Physis gleichermaßen, immer auf sich alleine gestellt. Nur in den Partnerstädten habe er sich wie zu Hause gefühlt – und eben jetzt hier in Erlangen, „wo meine Freunde leben.“

Susanne Lender-Cassens, Peter Smolka und Siegfried Balleis

In den letzten Tagen, besonders ab Jena, seiner letzten Station, kam der ehrenamtliche Postbote fast nicht mehr zum Radeln vor lauter Anfragen der Medien, die natürlich auch beim Empfang auf dem Rathausplatz – vor einer Woche startete von hier Gerturd Härer zu ihrer Solo-Rad-Tour nach Wladimir –  zahlreich anwesend waren.

Peter Smolka durch die Blume

Schon heute, am Freitag, ist denn auch Peter Smolka live in der Abendschau des Bayerischen Rundfunks ab 18.00 Uhr zu sehen, von den vielen Rundfunkinterviews und Presseberichten den Äther und Blätterwald rauf und runter ganz zu schweigen. Und dann im Rahmen des Fernwehfestivals am Donnerstag, den 16. November, der Reisereport um 20.00 Uhr im E-Werk. Noch gibt es Karten!

7. Mai 2013 vor dem Erlangen-Haus in Wladimir, der ersten Station auf der Tour de Friends: Walter Költsch, Jörg Gruner, Peter Smolka und Gertrud Härer. Ab Wladimir ging es dann alleine weiter…

Doch selbst da wird Peter Smolka, der als „Beifang“ auch noch 20.000 Euro als Spende für „Ärzte ohne Grenzen“ einfahren konnte, nicht von allen Erlebnissen berichten können. Etwa von der Fahrt durch Piszowo in der Region Iwanowo auf dem Weg nach Wladimir, der ersten Etappe der Tour, durch den Ort, den Nadja Steger im Tour-Film von Walter Költsch als das Städtchen wiedererkannte, wo ihr Vater zur Welt gekommen war und wo sie einen großen Teil ihrer Sommerferien bei Oma verbracht hatte.

Posttasche, in der die zehn Briefe sicher verwahrt wurden

Oder von dem kleinen Ort in Polen mit dem schwer aussprechbaren Namen, durch den die Strecke führte, ohne zu wissen, daß von dort die Großmutter herstammt, die er als Überraschungsgast zu ihrem 80. Geburtstag in Biberach besuchte, wofür Peter Smolka seine Route änderte…

Peter Roggenthin hält Ausschau nach Peter Smolka

Berichten wird er aber sicher von seinen Begegnungen in Beşiktaş, die er wegen der politischen Lage für die wichtigsten auf seiner ganzen Reise hält, oder von Äthiopien, das er einst ins Herz geschlossen hatte und nun als so abweisend erlebte, von seinem Fahrrad, das man ihm in einem argentinischen Dorf entwendete, von der Eröffnung des Ötzi-Dorfes in Umhausen und von so vielem anderen, was für jemanden am Wegrand zu erleben ist, der mit offenen Sinnen durch die Welt fährt.

Peter Smolka bei der Autogrammstunde für Nadja Steger

Nachtrag: Nadja Steger ließ es sich nicht nehmen, den Heimkehrer um ein Autogramm auf ihrem Fahrrad zu bitten. Nicht vergeblich. Ein bleibender Gruß und große Freude – und willkommen zu Hause!

Viel mehr, als der Blog berichten könnte, findet sich hier: www.tour-de-friends.dehttps://is.gd/gNHcY2, https://is.gd/Sm6yqA  und da unter Eingabe von „Peter Smolka“ in die Suchmaske: https://is.gd/Nvslvw

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