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Posts Tagged ‘Nadja Steger’


Gäste aus Wladimir ohne Dolmetscher auf Deutsch begrüßen zu können, passiert Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens nicht bei jedem Empfang. Aber eine Gruppe aus dem Erlangen-Haus bringt natürlich ganz andere Voraussetzungen mit: das Sprachniveau A2 und eine zehnjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.

Gerhard Kreitz und Susanne Lender-Cassens

Am Donnerstag angekommen und auf die Gastfamilien verteilt, stand gestern zunächst einmal auf dem Programm, die gastgebende Volkshochschule kennenzulernen und zu erfahren, was in den kommenden zwei Wochen alles an Kursangeboten und Freizeitmöglichkeiten auf sie wartet. Stets begleitet und betreut vom Freundeskreis Wladimir und dessen Sprecher, Gerhard Kreitz.

Susanne Lender-Cassens und Heide Thies

Nach dem Wochenende in der Fränkischen Schweiz und bei landeskundlichen Exkursionen beginnt dann am Montag für die zwölf Gäste im Club International die Arbeit. Vormittags steht Deutsch auf dem Stundenplan, unterrichtet von Heide Thies und koordiniert von Reinhard Beer, dem Leiter der Sprachenabteilung an der VHS. Ein bewährtes Duo für Wladimir!

Die Gäste und ihre Gastgeber mit Reinhard Beer ganz rechts im Bild

Am Nachmittag und Abend geht es hinaus in das bunte deutsche Leben in und um Erlangen, wo es gilt, die Sprache zu sprechen, Sicherheit in der Praxis zu gewinnen.

Natalia Korssakowa, Dozentin am Erlangen-Haus und Leiterin der Gruppe, mit Susanne Lender-Cassens

Zum Abschiedsabend übernächste Woche hat sich die Bürgermeisterin übrigens schon angekündigt. Da will sie sich persönlich von den sprachlichen Fortschritten der Gäste überzeugen. Die Prüfungsergebnisse werden sicher im Blog nachzulesen sein, aber keine Sorge, ein Rigorosum dürfte das schon nicht werden.

Bilder: Nadja Steger

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„Hier hat für mich vor 17 Jahren alles begonnen“, erinnerte sich gestern Jelena Gorbunowa an ihre ersten Begegnungen im Rahmen einer Veranstaltung der Volkshochschule, wo die Leiterin des Klöppelvereins Wladimir mit an diesem selten gewordenen Kunsthandwerk Interessierten Kontakt aufnahm und ihre filigranen Kleinodien erstmals im Ausland zeigte. „Ohne diese Kontakte von damals würden wir heute nicht in ganz Europa unsere Arbeiten zeigen“, fuhr sie fort und meinte dabei die Ausstellung in Spanien, wo ihr Sohn Michail vor kurzem einen Stand auf einer Ausstellung betreute, und ihre eigene Meisterklasse, die sie dieser Tage in Limburg abhielt, bevor die beiden zu einem Kurzbesuch nach Erlangen kamen. Mit neuen Plänen:

Michail Paryschew, Jelena Gorbunowa, Reinhard Beer und Peter Steger. Photo: Nadja Steger

Im Februar 2018 plant Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der VHS, wieder die „Russisch-Deutschen Wochen“ und bietet an, in das Programm auch das Thema „Spitzenklöppeln“ einzubauen – in Form einer Schau aus dem Schaffen des Wladimirer Vereins und eines Kurses, geleitet von der Meisterin ihres Fachs, Jelena Gorbunowa. Mehr soll noch nicht verraten werden, nur so viel: Die Vorbereitungen für die Veranstaltungen laufen bereits an, und die ersten Vorschläge versprechen wieder ein vielseitiges Programm von russischer Geschichte bis zu Literatur und Malerei zum Auftakt des fünfunddreißigjährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft.

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Was Sie über Wladimir wissen sollten:

Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit Wladimir-der-Täufer-Denkmal

  1. Wladimir und Erlangen sind 1983 das erste Partnerschaftspaar zwischen der UdSSR und Bayern.
  2. Wladimir nannte sich früher Wladimir an der Kljasma und Wladimir hinterm Wald, um Verwechslungen mit der gleichnamigen Stadt im Südwesten des Russischen Reiches, Wladimir Wolynskij, in Wolhynien (heute Ukraine) gelegen, zu vermeiden.
  3. Wladimir ist eine der ältesten russischen Städte, doch bis heute streiten sich zwei Fürsten um den Titel des Gründervaters: Wladimir der Täufer im Jahr 990 und Wladimir Monomach im Jahr 1108.
  4. Wladimir war nach dem Fall Kiews und vor dem Aufstieg Moskaus vom 12. bis 14. Jahrhundert Hauptstadt des Russischen Reiches.
  5. Am Stadtrand von Wladimir liegt Sungir mit Ausgrabungen aus dem Jungpaläolithikum (25.000 bis 30.500 Jahre v.Chr.) und ca. 70.000 Funden aus der Frühzeit des Menschen.
  6. Die Wladimirer Gottesmutter, eine wundertätige und besonders verehrte Ikone, soll Moskau vor dem Angriff Tamerlans im Jahr 1395 gerettet haben, als er mit seinem Reiterheer ohne erkennbaren Grund bei Jelzo umkehrte, ohne weiter auf die künftige Hauptstadt vorzurücken, wo sich damals das Heiligenbild befand. Seither gilt die Wladimirer Gottesmutter als Schutzpatronin des ganzen Landes und kehrte nie mehr in die alte Hauptstadt zurück. Das Original ist heute in der Tretjakow-Galerie zu sehen.
  7. Der weltbekannte Ikonenmaler Andrej Rubljow gestaltete die berühmte Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir aus und schuf damit sein größtes zusammenhängendes Fresko, deren zentraler Teil das Jüngste Gericht darstellt, wo die traditionell so bedrohliche Szene sich in ein lichtes Fest des Triumpfes von Gerechtigkeit und Glorie verwandelt, ein Beleg für den spirituellen Wert des Menschen.
  8. Alexander Newskij, ein später heiliggesprochener Feldherr, regierte elf Jahre lang Wladimir und wurde dort auch im Weihnachtskloster begraben, bevor man seine sterblichen Überreste unter Zar Peter I nach Sankt Petersburg überführte. Der Großfürst wurde im Jahr 2008 beim Wettbewerb „Der Name Rußlands“ von Internetnutzern, Fernsehzuschauern und Radiohörern zum Sieger gewählt.
  9. Der italienische Architekt Aristotele Fioravanti baute in den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts die Entschlafenskathedrale im Moskauer Kreml nach dem Vorbild der gleichnamigen Kirche in Wladimir.
  10. In Wladimir gab es früher fünf oder sogar sieben Tore. Heute steht nur noch das Goldene Tor, der Einlaß in das prächtige Innere der Stadt.
  11. In den 60er Jahren drehte Andrej Tarkowskij in Wladimir einen Film von Weltruf: „Andrej Rubljow“.
  12. In Wladimir gibt es drei Bauten, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen: das Goldene Tor, die Demetriuskathedrale und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale.
  13. Einzigartig an der Demetriuskathedrale – ihre dekorative Fassadengestaltung. Der gesamte obere Teil ist wie von einem Teppich von Steinmetzarbeiten bedeckt, Figuren und Gestalten, die auch nach acht Jahrhunderten noch Rätsel aufgeben. Was bedeuten die galoppierenden Reiter, was sagt uns der auf einem Thron sitzende biblische König David, warum steigt Alexander der Große in den Himmel auf, wozu zeigt Herakles hier seine berühmten Heldentaten, welche Funktion haben die die Löwen, Vögel, Greife und Fabelwesen?
  14. Das Goldene Tor in Wladimir ist das einzige Denkmal, das drei Funktionen in sich vereint: Triumphbogen, Verteidigungsanlage und Turmkirche.
  15. Eine der bekanntesten Legenden der Stadt hängt mit dem Besuch von Zarin Katharina II im Jahr 1767 zusammen, die – nach der einen Version – mit ihrer Kutsche im Goldenen Tor steckenblieb, obwohl es fünf Meter breit ist, oder – wie eine andere Überlieferung behauptet – einfach die Durchfahrt fürchtete, weil das Gebäude in einem baufälligen Zustand war. Jedenfalls befahl die Herrscherin eine Renovierung und den Abriß des Teils vom Befestigungswall, der damals noch unmittelbar bis zu den Mauern des Goldenen Tors reichte, um ungehindert in die Stadt gelangen zu können.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Zusammengestellt von Jelena Ljubar und Nadja Steger. Fortsetzung folgt.

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Es ist ein wenig wie im „Winterlichen Gedicht“ von Alexander Puschkin in der Übertragung von Friedrich Fiedler, wo es heißt: „Ein böser Schneesturm da begann / und brach die dünnen Zweige. / Der Sturmwind blies die Sterne weg, / die Lichter, die wir lieben…“ Eisregen mit Stromausfällen, frühen Schnee mit Verkehrsunfällen erlebte Wladimir bereits in diesem Spätherbst, und nun klirrende Kälte aus dem Stand mit Temperaturen, die gestern noch beim Gefrierpunkt lagen und heute nacht auf bis zu – 16° C sinken.

Nadjas Schneefee

Nadjas Schneefee; Arrangement, Rezeptur und Photo von Nadja Steger

Da auch hierzulande der erste Schwall Polarluft zu erwarten steht, sei heute der Rat erteilt, sich mit einer Teekreation aus Wladimir, „Nadjas Schneefee“ genannt, gegen all die Widrigkeiten des Wetters zu wappnen, indem man Thymian, gefrorene Moos- oder Preißelbeeren mit Ingwer und Orange aufkocht, honigsüß abschmeckt und dann unter der Lieblingskuscheldecke – zu zweit spendet sie erfahrungsgemäß zusätzlich kräftigende Wärme – die wohltuende Wirkung des köstlichen Heiltranks genießt. Sollte die Rezeptur eine heraufziehende Erkältung nicht mehr verhindern können, hilft sie, ganz dem sinnlichen Vergnügen ergeben, zumindest die schlimmsten Folgen des Infektes klaglos zu erdulden, der natürlich ohne jede innere und äußere Anwendung mindestens eine Woche sein Unwesen treibt, während er bei Einnahme von Hausmitteln wie diesem und ärztlich verordneten Medikamenten zumeist nur sieben Tage wütet wie jener „böse Schneesturm“, dessen Spuren anderntags der Dichter preist: „Und jetzt? So schau doch nur hinaus: / Die Welt ertrinkt in Wonne. / Ein weißer Teppich liegt jetzt aus. / Es strahlt und lacht die Sonne.“

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1964 erschien „Herzog“, ein Roman von Saul Bellow, der heute so lesenswert ist wie damals und einen Aufruf enthält, den man angesichts der Menschenschlächterei in Syrien hinausschreien möchte in eine Welt, die scheinbar nur noch weghören will:

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Dreiländertreffen Soroptimist International

Die Sache war, daß es Menschen gibt, die die Menschheit vernichten können, und daß sie töricht, anmaßend und verrückt sind und gebeten werden müssen, es nicht zu tun. Laßt die Feinde des Lebens abtreten. Laßt jeden Menschen sein Herz prüfen. Ohne einen großen Wandel meines Herzens würde ich mir nicht zutrauen, eine führende Stellung zu bekleiden. Liebe ich die Menschheit? Genug, um sie zu verschonen, wenn ich imstande wäre, sie in die Hölle zu schießen? Laßt uns alle unsere Leichentücher umhängen und nach Washington und Moskau marschieren. Laßt uns alle, Männer, Frauen und Kinder, uns hinlegen und schreien: „Laßt das Leben fortdauern – wir mögen es nicht verdient haben, aber laßt es dauern.“

Christine Faigle

Christine Faigle

Dem Flehen und Bitten setzt der Literatur-Nobelpreisträger, dessen Eltern aus Sankt Petersburg in die Neue Welt emigriert waren, freilich einen wenig hoffnungsfrohen Kontrapunkt entgegen:

Dreiländertreffen Soroptimist International

Dreiländertreffen Soroptimist International: Rentia van Eldik und Inge Richter

In jeder Gemeinschaft gibt es eine Kategorie von Menschen, die für die übrigen unsäglich gefährlich ist. Ich meine nicht die Verbrecher. Für die haben wir Strafmaßnahmen. Ich meine die Führer. Ohne Ausnahme streben die gefährlichsten Leute nach der Macht.

Karin Roberts, Gabriele Saemann und Natalia Serdjukowa

Karin Roberts, Gabriele Saemann und Natalia Serdjukowa

Auch wenn sie es nicht für sich öffentlich reklamieren, wirken die Verantwortlichen der Lokalpolitik in Erlangen und seinen Partnerstädten fast wie wider besseren Wissens fünf Jahrzehnte später noch immer dem drohenden Weltenbrand entgegen, unterstützt von ihrer internationalen Armee der kleinen Leute, die da guten Willens sind. Gäbe es nur mehr von ihnen…

Schulleiterin und Gastgeberin Carmen Vogt

Schulleiterin und Gastgeberin Carmen Vogt

Mehr von ihnen – wie von Soroptimist International, die gestern in der Pestalozzischule ihr Dreiländertreffen abhielten, dessen Ergebnis Schatzmeisterin Doris Lang ebenso spontan wie treffen auf die Formel brachte: „Viele Unterschiede, aber keine Differenzen!“

Die drei Gäste aus Riverside: Lynn Scecina, Jeanne Hatcher und Karin Roberts

Die drei Gäste aus Riverside: Lynn Scecina, Jeanne Hatcher und Karin Roberts

Just an dem Tag waren Mitglieder des Service-Klubs für Frauen aus den amerikanischen und russischen Partnerstädten, Riverside und Wladimir, mit ihren Schwestern aus Erlangen zusammengekommen, als der diplomatische Faden zwischen Washington und Moskau auf der Bühne der UNO zum Zerreißen gespannt war, just an dem Tag suchten die Sorores gemeinsam nach Ähnlichkeiten und Verschiedenartigkeiten der Rolle von Frauen in den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen.

Natalia Serdjukowa

Natalia Serdjukowa

Moderiert von Christine Faigle kamen in Kurzreferaten und Diskussionen all die Fragen zur Sprache, die nirgendwo auf der Welt bisher zufriedenstellend geklärt sind: Warum haben es Frauen noch immer so schwer, in Führungspositionen aufzurücken? Wann gibt es für gleiche Leistung endlich auch gleiche Entlohnung? Wie lassen sich junge Frauen auf ihrem Weg ins Berufsleben begleiten und unterstützen?

Naina Akimowa und

Naina Akimowa und Marianne von der Emde

Während amerikanische und deutsche Frauen sich in der Karriere oft ähnlich behindert erleben, betonen die russischen Gäste, ihnen stünden alle Türen zum Aufstieg offen, und unterschiedliche Löhne und Gehälter gebe es ohnehin nicht. Dafür sei es in Wladimir wiederum erheblich schwieriger – wegen der Steuergesetzgebung -, Spenden einzuwerben und überhaupt eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Wohl auch, weil dort nach dem allgemeinen gesellschaftlichen Verständnis noch immer und schon wieder die öffentlichen Einrichtungen für die Daseinsfürsorge als zuständig gesehen werden. Ganz anders als in den USA, wo ein mit Steuern finanziertes Sozialsystem – vom Gesundheitswesen ganz zu schweigen – von einem großen Teil der Bevölkerung mit Argwohn betrachtet wird.

Naina Akimowa und Doris Lang

Naina Akimowa und Doris Lang

Wie enorm auch in einer durchaus wohlhabenden Stadt wie Riverside der Bedarf an Wohltätigkeitsorganisationen ist, zeigt eine beeindruckende Zahl: Mehr als 70 Benefizvereine tun Gutes in der kalifornischen Partnerstadt, in der Region, dem County, sind es über 300 solcher Serviceklubs. Will man da ehrenamtlich erfolgreich sein, sollte man sich kreativ zeigen bei der Suche nach Sponsoren und bei der Organisation von Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar und Rentia van Eldik

Und noch so ein Unterschied: Während an Soroptimist Riverside zumeist von außen Anträge auf Unterstützung gestellt werden, sucht sich der Erlanger Klub seine Projekte selbst aus – ebenso wie die seit 2001 in Wladimir bestehende Organisation.

Natalia Serdjukowa und Galina Larytschewa

Natalia Serdjukowa und Galina Larytschewa

Aber da gibt es auch überraschende Übereinstimmungen zwischen den amerikanischen und russischen Schwestern: Hier wie dort kostet es buchstäblich ein Vermögen, wenn man studieren will und nicht gerade ein Stipendium erhält. Da sehen es die Frauen von Soroptimist International als ihre Aufgabe, junge Talente zu fördern, denen die finanziellen Mittel fehlen. Überhaupt die Bildung und im weitesten Sinne Aufklärung – ein gemeinsames Betätigungsfeld, angefangen von der Beratung für Mädchen, um nicht ungewollt schwanger zu werden, bis hin zur Berufsorientierung.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar

Viele Gemeinsamkeiten bei allen Unterschieden, ein Arbeitstag, der mit einem Kochabend ausklang und alle zufrieden stimmte. Mehr noch: Im April 2018 feiert Soroptimist Riverside sein siebzigjähriges Bestehen, und spätestens dann will man sich wiedersehen zum nächsten Dreiländertreffen. Bis dahin lassen die Führer dieser Welt unser Leben hoffentlich weiter fortdauern, damit die Armee der kleinen Leute guten Willens um einige weitere Köpfe und Herzen wachsen kann.

Bilder: Nadja Steger

P.S.: Heute ist der Internationale Tag zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen.

 

 

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Amstelveen gilt als eine der beliebtesten Wohnstädte der Niederlande. Wen wundert’s, wenn man die gepflegten Häuserzeilen durchfährt, die das einstige Bauerndorf, fast in Rufweite von Amsterdam gelegen, durchfährt und diese Atmosphäre aus ländlicher Idylle und großstädtischem Flair erlebt! Da versteht man auch rasch, warum Jelena und Iwan Paponow vom betriebsamen Haarlem hierher gezogen sind: näher an der Arbeit des Familienvaters in der Hauptstadt dran, mit dem Fahrrad erreichbar, und zugleich in einem Umfeld, wo Tochter Eva zwischen Metropole und Moorlandschaft heranwachsen kann – mit der Muttersprache Russisch.

Familie Paponow: Jelena, Iwan und Eva

Familie Paponow: Jelena, Iwan und Eva

Russisch hört man zumindest in dem Stadtteil fast an jeder Ecke, und wer von den Emigranten gut Englisch spricht, macht sich oft gar nicht erst die Mühe, Niederländisch zu erlernen. Ohnehin für Ausländer wohl eine der schwierigsten Sprachen im Erdenrund, denn kaum versucht man, seine Anfängerkenntnisse an den Einheimischen zu erproben, antworten die zungenfertig auf Englisch oder Deutsch. Nicht eben ermutigend.

Nadja Steger und Jelena Paponowa

Nadja Steger und Jelena Paponowa

Fünf Jahre sind ins Land gegangen, Jelena und Iwan fühlen sich nach wie vor wohl hier, einmal zumindest im Jahr geht es aber für ein paar Tage zurück nach Wladimir zum Verwandtenbesuch, zurück in die Stadt, wo die beiden aufgewachsen sind und einander kennengelernt haben, wo Iwan als Computerfachmann von einer niederländischen Firma angeworben wurde, für die er bis heute arbeitet, wo Jelena zusammen mit ihrem Vater, Witalij Gurinowitsch, hingebungsvoll ungezählte Gäste aus Erlangen betreute, Jugendliche wie Kriegsveteranen, wo sie – auch dank den vielen Besuchen in der Partnerstadt – Deutsch lernte, das ihr später den Zugang zum Holländischen erleichtern sollte. Auch wenn die beiden das so wohl nicht sagen würden, sind sie doch ein kleiner niederländischer Vorposten von Wladimir, wo Erlanger wie Wladimirer in der Ferne ein wenig Heimat tanken können.

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„Ein historisches Meisterwerk“ nennt Bürgermeisterin Elisabeth Preuß den im Dezember des Vorjahres erschienenen Band „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ und fährt fort:

Elisabeth Preuß, 22. Juni 2011, Platz des Sieges in Wladimir

Elisabeth Preuß, 22. Juni 2011, Platz des Sieges in Wladimir

Manchmal kommt im Leben das richtige Buch zur richtigen Zeit. Das Kompendium „Komm wieder, aber ohne Waffen“, herausgegeben von Peter Steger, ist so ein Buch. (Und bevor Sie sich jetzt fragen: Nein, die Namensgleichheit ist kein Zufall, sondern der Herausgeber ist tatsächlich jener Peter Steger, der Autor dieses Blogs ist, unzählige Reisen nach Wladimir vor- und nachbereitet, die Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir gestaltet, auch noch für Jena, Umhausen, Cumiana, Riverside, Stoke-on-Trent sowie die Vertriebenen aus Brüx und Komotau zuständig ist, daneben russische Literatur übersetzt und auch noch Zeit findet, im heimischen Wald ungezählte Kilometer zu laufen, freilich über die Jahre mit wachsendem Tempo.) Dieser Peter Steger also ist Tausende von Kilometer gefahren und geflogen, um mit jenen Menschen, Veteranen des unfaßbaren Grauens, des Zweiten Weltkrieges zu sprechen, um ihre Erlebnisse, ihre Gedanken, ihre Sehnsüchte und ihre Lehren zu hören und niederzuschreiben.

Wie gut, wie unermeßlich gut, daß er das getan hat, daß er schon vor Jahren damit begann! Denn viele von ihnen haben ihre Augen schon für immer geschlossen. Dank der einfühlsamen und gleichzeitig gründlichen Recherchearbeit von Peter Steger aber ist ihr Erinnerungsschatz bewahrt und in diesem Buch allen, die Hirn und Herz haben, zum Studium empfohlen.

Danke, Peter. Danke! Gäbe es einen Nobel-Preis für historische Recherche: Du hättest ihn verdient. So aber bleibt mir nur ein Eintrag in Deinem Blog, in der Hoffnung, daß viele Deiner Leser mit mir einig sind: Du bist ZU RECHT Ehrenbürger unserer Partnerstadt!

PS: Noch in einem anderen Sinn kommt im Leben manchmal das richtige Buch zur richtigen Zeit: Ich habe ein paar Tage Urlaub und kann mich kaum lösen von dem Werk!

Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin der Stadt Erlangen, 08.02.16

Da die angesprochene Publikation auf der Rückseite keine Kritikerstimmen abgedruckt hat, die das Werk zur Lektüre empfehlen, sollen hier einige weitere Reaktionen veröffentlicht werden, die in den letzten Wochen eingegangen sind:

Ingeborg und Heinz Bartl mit ihrer Tochter Adelheid

Ingeborg und Heinz Bartl mit ihrer Tochter Adelheid

Danke für die wunderschöne Weihnachtsüberraschung mit dem sinnvollen Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen!“. Als ich das Buch ausgepackt hatte, habe ich erst ein bißchen darin geblättert, habe mich dann aber darin festgelesen. Es sind so viele berührende Schicksale geschildert, – voller Leid, aber auch voller Hoffnung. Besonders berührend war für mich natürlich das Wiedersehen mit meinem Heinz in dem Bericht „Heinz Bartl – Der Jüngste im Lager“. Damit verbunden ist auch die Erinnerung an Ihren Besuch hier in Lößnitz. Es ist so viel Schönes, was mein Heinz durch Sie erleben durfte, sei es die Aufnahme in den Kreis der ehemaligen Kriegsveteranen aus der Region Wladimir, sei es der Aufenthalt im Erlangen-Haus während der unvergeßlichen Reise nach Wladimir. Damit konnte dank Ihrer großen Unterstützung – trotz der bereits fortgeschrittenen Herzerkrankung meines Mannes – ein letztes großes Lebensziel in Erfüllung gehen. Durch dieses Vor-Ort-Sein und die Gespräche mit den Kriegsveteranen in Wladimir hat Heinz die schlimmsten Wunden seines Lebens aufarbeiten können. Ein großes Dankeschön an Sie und Ihre Frau Nadja!

Ingeborg Bartl, 22.12.15

Ernst Fasan und Asja Tarasenko

Ernst Fasan und Asja Tarasenko

Vielen und ganz besonders herzlichen Dank für den ausgezeichneten Band „Komm wieder, aber ohne Waffen!“. Das ist ein hervorragendes Kompendium wichtiger Erinnerungen, eine klare Stellungnahme zu all den Problemen der russischen Gefangenschaft von uns damaligen deutschen Soldaten und vor allem der seriösen und korrekten Haltung uns gegenüber. Es ist ein in dieser Form einmaliges, historisch äußert bedeutsames Werk! Und für uns nun recht alten damaligen Gefangenen ein wunderbares Werk der Erinnerung. Wer, so wie ich, einen Beitrag in Form meines seinerzeitigen Vortrages leisten konnte, ist natürlich besonders dankbar und geradezu gerührt. Mit der Organisation meiner damaligen Reise, mit Ihrer so wichtigen wissenschaftlichen Arbeit und jetzt mit diesem Band haben Sie ein echtes Denkmal errichtet, das zur Festigung des russisch-deutschen Verständnisses und auch der Freundschaft unserer beiden Völker sehr stark beiträgt.

Ernst Fasan, 28.12.15

Otmar Koch und Richard Dähler

Otmar Koch und Richard Dähler

Das Buch habe ich in drei Tagen nicht nur gelesen, sondern in vielem verinnerlicht. (…) Eure Lebensgeschichten sind es wert, wenigstens in Kurzform der Nachwelt erhalten zu bleiben. Peter Steger ist für die feinfühlige Arbeit großer Dank geschuldet. (…) Sein unermüdliches Bemühen um Verständigung ist das Vorbild, dem zu folgen ist.

Richard Dähler, 30.12.15

Josef Krichel

Josef Krichel

Mit großer Freude habe ich das Erinnerungsbuch an Krieg und Gefangenschaft erhalten. Das war eine schöne Überraschung kurz vor Weihnachten. Sie haben schon viel für die deutsch-russische Freundschaft getan. Ich finde es großartig, daß Sie den Bericht von mir geschrieben haben.

Josef Krichel, 30.12.15

Claus Fritzsche und Wolfgang Morell

Claus Fritzsche und Wolfgang Morell

Einen großen Dank für die Zusendung der – wie ich dieses wertvolle Werk nennen möchte – Steger-Chronik deutsch-russischer Versöhnung. Meiner Meinung nach ein einmaliger Edelstein im Kopfsteinpflaster der Literatur über Erinnerungen deutscher Kriegsgefangener in sowjetischem Gewahrsam. Angesichts dieser Chronik schäme ich mich ein wenig, daß ich nicht ähnliches zustande gebracht habe. (…) Ich freue mich über die Steger-Chronik auch ganz persönlich wegen der prächtigen Übersetzung des Protalin-Artikels und noch mehr wegen des Berichts über Schanna.

Claus Fritzsche, 30.12.15

Alfons Rujner

Alfons Rujner

Es ist mir ein Bedürfnis, für diese Stunden in Erlangen Dank zu sagen. Dank für die Einladung zur Vorstellung Eures großen Werkes, an dem Ihr beide viele Jahre gearbeitet habt. Ich könnt beide stolz sein, ein solches Werk in Deutschland zusammengestellt zu haben. Diese Aufzeichnungen – denn in zwei, drei Jahren gibt es keine Zeitzeugen mehr – haben, wie ich es Euch schon einmal geschrieben habe, einen hohen geschichtlichen Wert. Für dieses Werk werde ich hier in Berlin noch einige Schritte tun. Einen ersten Schritt habe ich bereits getan. Am 40. Geburtstag meines ältesten Enkels (Weihnachten, 25.12.), an dem ca. 30 Personen teilnahmen, ging es ziemlich fröhlich zu. Doch es wurde still, als der Enkel mir das Wort erteilte. Ich überreichte der Familie mit einigen Worten Euer Werk, und Lars las laut meine Widmung vor. Das war ein guter Anfang, und ich laß mir noch weiteres einfallen.

Alfons Rujner, 01.01.16

Witalij Gurinowitsch, P. Wladimir, Philipp Dörr, Anni und Otmar Koch

Witalij Gurinowitsch, P. Wladimir, Philipp Dörr, Anni und Otmar Koch

Für mich ein Buch, um mir ein wenig die Grausamkeit der Gefangenschaft und die Leiden der gesamten Bevölkerung vorstellen zu können. Großartig die einzelnen Erzählungen der noch lebenden ehemaligen Gefangenen.

Otmar Koch, 08.01.16

Igor Schamow, Hellmut Schultz-Pernice und Peter Steger

Igor Schamow, Hellmut Schultz-Pernice und Peter Steger

Ich darf Ihnen zu Ihrem Buch gratulieren! Es ist wirklich sehr gut gelungen und ein schönes, bleibendes Zeugnis dafür, daß Menschen schlimme Zeiten nicht nur überlebt, sondern letztlich gute Schlüsse daraus gezogen haben. Beim Lesen der Texte und Beiträge der ehemaligen Gefangenen ist mir erst klar geworden, wie viel persönliches Engagement Sie eingebracht haben, um das Buch zu verwirklichen! Dafür gebührt Ihnen auch mein herzlicher Dank! Ich habe einen Auszug gleich an meine Schwestern weitergeleitet, die ebenfalls sehr angetan sind.

Lothar Schultz-Pernice, 03.02.16

buch-umschlag_0002

Es hat mich riesig gefreut, daß Sie mir im Dezember – während meines Weihnachtsurlaubs – Ihr Buch „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zugeschickt haben. Wie erbeten, habe ich auf diese Publikation verschiedentlich aufmerksam gemacht. Zudem steht das Buch in unserer Präsenzbibliothek im Konferenzraum des Hauptstadtbüros des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Thomas Rey, Referat Erinnerungskultur und Netzwerkarbeit

„Komm wieder, aber ohne Waffen!“ wurde möglich dank der Unterstützung durch die drei Rotary-Klubs Erlangen, die Max-und-Justine-Elsner-Stiftung, die Bürgerstiftung, die Städte Erlangen und Jena sowie Privatspender. Das Werk ist nicht über den Internethandel erhältlich, allerdings kann jeder Buchladen die Publikation zum Preis von 24 Euro jederzeit per ISBN 978-3-944452-09-8 bestellen. Es geht aber auch direkt beim Stadtarchiv,  Luitpoldstraße 47, 91052 Erlangen, Tel.: 09131/862157, Fax: 09131/862876, E-Mail: stadtarchiv@stadt.erlangen.de

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