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Posts Tagged ‘Michaela Spörl’


Ihren zehntägigen Besuch in Erlangen, der heute zu Ende geht, verstand die Schülergruppe unter Leitung von Ludmila Mironowa als Friedensmission, als Reise in ein Land von Freunden, die einmal Feinde gewesen, und mit denen man ungeachtet aller politischer Unstimmigkeiten den vertrauensvollen Austausch fortsetzen und ausbauen möchte. Mehr als nur hehre Worte und Absichten, wenn man sich das Programm der letzten Tage ansieht, etwa mit der Exkursion nach Berlin und der Besichtigung des Treptower Parks, wo wie nur an wenigen Orten bedrückend eindrucksvoll zu erleben ist, wozu Krieg führt.

Die Gruppe im Treptower Park

Hierzu gehört der gestrige Abstecher ins Emmy-Noether-Gymnasium mit der Beauftragten für den Wladimir-Austausch, Michaela Spörl, und die gemeinsame Gestaltung der Partnerschaftsvitrine mit den Erlanger Gymnasiasten oder der gruppenweise Besuch des Unterrichts, zumal hier auch das Wahlfach Russisch auf dem Stundenplan steht.

Die Gruppe im Emmy-Noether-Gymnasium mit Michaela Spörl, 1. v.l., 2. Reihe

Besonders aber der Abschiedsabend bringt dieses Friedensmotto überzeugend zum Ausdruck. Mit Blumen und Bewirtung für die überraschten Gastgeber, mit Dank an sie alle und mit Lob für die gute Organisation des Programms.

Die Gruppe mit den Gastgebern im Club International

Vor allem freilich mit dem Vortrag von Alexej Aljochin, heute Student der Wirtschaftswissenschaften in Moskau, der als Schüler von Ludmila Mironowa ehemalige deutsche Kriegsgefangene und deren Angehörige auf deren Spurensuche nach den letzten noch auffindbaren Zeugnissen der deutsch-russischen Vergangenheit aus Kriegs- und Nachkriegszeiten begleitet. Von diesem Erfahrungsschatz, der spürbar auf seine menschliche Entwicklung einwirkte, berichtet der in klarem Deutsch vortragenden Referent am Beispiel von Herbert Mainka, der den Lebensweg seines Vaters in Gefangenschaft nachzeichnen will. Vieles davon ist hier im Blog nachzulesen. Aber diese Episoden einer deutsch-russischen Annäherungen sind, vermittelt von einem Nachgeborenen, dann doch von ganz anderer Qualität.

Ludmila Mironowa und Alexej Aljochin

Dazu sollte man eines wissen: Alexej Aljochin hat sich eigens für diesen Vortrag von den Vorlesungen und Seminaren in Moskau befreien lassen und stieß erst vor vier Tagen zu der Gruppe. Allein dies Beweis genug dafür, wie sehr ihm seine Mission mittlerweile zur Herzensangelegenheit geworden sein muß.

Im Vortragssaal

Und dann die Begegnung mit Wolfgang Morell, Jahrgang 1922 mit dem jungen Mann in dem Alter, als der Rekrut 1941 eingezogen wurde und an die Ostfront kam, wo er schließlich auf dem Rückzug von Moskau in Gefangenschaft geriet. Lebend nur, weil sein Karbiner in der Januarkälte von 1942 bei -42° C versagte, mit dem er sich hatte erschießen wollen, um den sichergeglaubten Folterungen mit anschließender Hinrichtung zu entgehen. Und am Leben blieb er nur, weil der Wehrmachtssoldat via Moskau, dort auf den Tod erkrankt, im Militärhospital von Wladimir gesundgepflegt wurde.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Zusammen mit 17 weiteren Kameraden, von denen einer dann Wolfgang Morell unbeabsichtigt wiederum das Leben rettete, weil er es mit den Worten „Du schaffst es eh nicht mehr nach Hause, du bist doch bald tot“ auf das Brot des Zimmergenossen abgesehen hatte, der dieses unter dem Bettkissen hortete, während er sich wegen Dysenterie nur noch von Flüssigem ernährte. Erst dieses Verdikt des Landsmanns brachte den aus Breslau stammenden Wahlerlanger zur Besinnung und ließ ihn zum Brot greifen. Und dann all die anderen Stationen, die Wolfgang Morell auf seinem siebenjährigen Marsch durch sowjetische Lager hinter sich brachte, immer mit der jeweils bestmöglichen medizinischen Versorgung. Nicht von ungefähr schätzt er sich denn auch glücklich, als Wehrmachtssoldat in russische und nicht als Rotarmist in deutsche Gefangenschaft geraten zu sein. Er weiß, wovon er redet. Der eigene Vater beaufsichtigte – bis er es nicht mehr ertrug – ein Lager für Gefangene der Sowjetarmee: „Schrecklich, unbeschreiblich, was wir diesen Menschen angetan haben!“ Ihm stockt die Stimme. Der Wehrpflichtige hatte diese Apokalypse mit eigenen Augen gesehen. Wie sollte er da hoffen dürfen, die Kommunisten würden mit den Faschisten anders verfahren. Und doch war es dann so.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Nur Episoden können an einem solchen Abend wiedergegeben werden. Aber zwischen den beiden Referenten ist da etwas Tiefes gewachsen, das sich in Worten nicht mitteilt. Ob sie in Kontakt bleiben, wissen wir nicht, aber es bleibt dieses gegenseitige Verstehen im Blick beider Vertreter dieser so unterschiedlichen Generationen – und die Gewißheit, nicht nur diese zwei, sondern alle Anwesenden vergessen die Botschaft dieses Abends nie, gerade auch am Ende eines Tages, an dem leider all der Opfer von Kertsch zu gedenken ist.

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Ferienzeit – Zeit für die Jahresberichte der Schulen. Und da blättert nun der wißbegierige Bildungsredakteur des Blogs in der aktuellen Dokumentation des Emmy-Noether-Gymnasiums und findet unter der Rubrik „Schüleraustausch und Studienfahrten“ – eingerahmt von Berichten über Begegnungen in Frankreich, England und Polen sowie Exkursionen nach Weimar oder Dresden – einen Rückblick auf den Aufenthalt einer Austauschgruppe aus Wladimir, der es wert ist, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden:

Mit Spannung erwartete ich die Ankunft der russischen Austauschschüler am 26.09.2017, welche sich allerdings um einen Tag verspätete. Neben mir waren besonders meine Eltern über den Besuch meiner Austauschschülerin erfreut, da mein Bruder schon am Austausch mit Wladimir teilgenommen hatte. So kam die Gruppe dann am Mittwochmorgen um 7.45 Uhr am Nürnberger Flughafen an. Nach einem kurzen Zwischenstop zu Hause verbrachte unser Gast den Vormittag mit den anderen russischen Schülern und einigen Deutschen in der Erlanger Innenstadt. Den Nachmittag begannen wir mit der Begrüßung der Gäste im Erlanger Rathaus. Danach erfuhr die Gruppe bei einer Stadtführung Interessantes über Erlangen. Dieses Wissen konnten sie sogleich in der von den deutschen Schülern organisierten Stadtrallye verwenden. Die Teams bestanden dabei immer aus den jeweilig zusammengehörenden Austauschpartnern.

Der nächste Tag begann dann mit der Begrüßung der Gäste durch Schulleiterin Gertrud Reichert-Brod am Emmy-Noether-Gymnasium. Die deutschen Schüler nahmen planmäßig am Unterricht teil, wohingegen die Austauschgruppe das Walderlebniszentrum erkundete. Danach machte ich mit einer deutschen Schülerin und jen jeweiligen Austauschpartnern den obligatorischen Besuch in den Mode-Outlets in Herzogenaurach.

Am Freitag fuhren wir nach München und verbrachten den ganzen Tag dort, wobei wir über das Oktoberfest schlenderten, die Fahrgeschäfte genossen und später die Stadt erkundeten. Michaela Spörl, unsere Lehrerin, zeigte uns die Münchner Innenstadt mittels einer kurzen und informativen Führung. Danach kamen die zwei freien Tage, bei denen für uns zum Beispiel der Besuch der Nürnberger Innenstadt samt hiesiger Sehenswürdigkeiten wie der Lorenzkirche oder der Kaiserburg auf dem Programm standen. Der Wildpark Hundshaupten war am Montag als Besichtigungsziel auf der Agenda. Dieser stellte ein persönliches Highlight dar, weil wir dort zum ersten Mal eine Hirschkuh hautnah füttern konnten. Nach dem dortigen Besuch statteten wir der Binghöhle in Streitberg eine kurze Visite ab, um dann nach Hause zurückzukehren.

Den Tag der Deutschen Einheit verbrachten wir als Zuschauer eines Spiels der Nürnberger Ice-Tigers. Der Mittwoch diente dazu, den russischen Schülern den deutschen Unterricht näherzubringen. So konnte sich meine Austauschschülerin gleich in den Englischunterricht integrieren. Es folgten das gemeinsame Kochen eines Eintopfs und der Sportunterricht. Am Donnerstag kamen wir noch einmal in die Schule, um den Unterricht zu besuchen. Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen brachten wir unsere Gäste zum Flughafen, um sie dort zu verabschieden.

Persönlich empfehle ich jedem, den Wladimir-Austausch zu machen, damit man die Leute und das Land dort kennenlernt. Verbessernd kam hinzu, eine äußerst nette Austauschschülerin zugeteil bekommen zu haben, die fließend Englisch und sehr gut Deutsch sprach.

Johannes Ott, Q11, Michaela Spörl, StRin

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Die elfköpfige Schülergruppe aus Wladimir, am Dienstagabend angekommen und gestern am frühen Nachmittag schon zum Empfang im Rathaus mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß erschienen, zeigt wieder einmal, wie wichtig diese Begegnungen sind, vor allem, wenn sie dem Konzept folgen, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen, vom Unterrichtsbesuch bis hin zu Ausflügen oder Kochen. Einen besonderen Schwerpunkt im Programm setzt Michaela Spörl vom Emmy-Noether-Noether-Gymnasium mit ihrer russischen Kollegin, Olga Wolkowa, Deutschlehrerin an der Schule Nr. 23, auf die Zeit in den Familien. Das Wochenende sowie der Tag der Einheit sind dafür reserviert und geben, bevor es am 5. Oktober wieder nach Hause geht, Gelegenheit, einander im Miteinander so richtig kennenzulernen und die beglückende Erfahrung zu machen, wie Olga Wolkowa hervorhebt, wie großartig die deutsche Gastfreundschaft sei, jedenfalls nicht minder ausgeprägt als in Wladimir. Ist mehr Lob möglich?

Elisabeth Preuß, hockend ganz rechts, schräg hinter ihr stehend Olga Wolkowa und Michaela Spörl, 2. v.l. in der 3. Reihe

Sie wird es aus Erfahrung wissen, betreut sie doch den Austausch seit 1997 und hat in der Gruppe „Wiederholungstäter“, die Erlangen schon von früheren Besuchen her kennen. Den besten Nachweis für Nutzen und Qualität der Begegnungen liefert freilich die Schülerin, deren Vater bereits am ersten Austausch teilgenommen hatte und der nun seine Tochter auf den eigenen Spuren in die deutsche Partnerstadt schickte. Da weiß man, wofür all die Mühe gut ist, die sich Lehrkräfte wie Gasteltern jedes Jahr wieder machen.

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Vom 24. April bis 2. Mai setzte das Emmy-Noether-Gymnasium seinen Austausch mit Wladimir fort und besuchte mit einer Gruppe unter Leitung von Michaela Spörl die Partnerstadt. Hier nun der Bericht vom Aufenthalt in Wladimir, leider ohne Namen.

Nach der späten Ankunft bei den Gastfamilien durften wir erst einmal ausschlafen und trafen uns dann um 11.40 Uhr am Kathedralenplatz von Wladimir. Dort begann die Stadtführung durch Wladimir. Wir besichtigten die Mariä-Entschlafens-Kathedrale und auch den Platz um sie herum. Dabei wurde uns viel über die Geschichte Wladimirs erzählt. Anschließend liefen wir zum Goldenen Tor, das früher ein Stadttor Wladimirs war. In dem Tor befand sich ein Museum, worin man anhand eines Modells und einer Multi-Media-Darstellung den Überfall der Tataren auf Wladimir nacherleben kann. Im Anschluss an die Stadtführung durch Wladimir sind wir in ein weiteres Museum gegangen, welches über die Schule im alten Russland informierte. Uns wurde erklärt, wie der Unterricht früher ablief und was es für Strafen usw. gab. Wir durften dabei auch auf Wachstafeln unseren Namen in altrussischer Schrift schreiben. Das war das Programm für diesen Tag mit der ganzen Gruppe; ich erkundete mit meiner Austauschschülerin und zwei weiteren Jugendlichen Wladimir noch weiter und ging dabei u.a. mit meiner Austauschschülerin noch ins Erlangen-Haus, wo sie Deutsch lernt.

Am Mittwoch mussten wir uns schon früh treffen, da wir alle gemeinsam mit dem Bus nach Nischnij Nowgorod wollten. Die vier Stunden Fahrt haben sich gelohnt, da wir nicht nur eine informative Stadtrundfahrt erlebten, sondern auch mit einer Seilbahn einmal hin- und zurück über die Wolga, den längsten Strom Europas, fahren durften. Aus der Seilbahn hatte man einen wunderschönen Blick über Nischnij Nowgorod und die Natur.

Am Donnerstag wurden wir mit einem tollen Konzert im Gymnasium Nr. 23 empfangen. Die Gastgeber trugen russische, deutsche, englische und französische Lieder und Gedichte vor. Es war ziemlich beeindruckend, dass extra für uns so ein großer Aufwand betrieben wurde und sich einige Schüler dazu bereit erklärt haben, uns etwas vorzuführen. Anschließend durften wir den Deutschunterricht einer 5. Klasse besuchen und sogar selber Lehrer spielen. An verschiedenen Stationen sprachen die Kinder, die erst ein dreiviertel Jahr Deutsch lernen, mit uns auf Deutsch, und wir durften sie mit Noten bewerten. Für beide Seiten war dies ein besonders intensives und gewinnbringendes Erlebnis. Danach bereiteten wir in der Mensa alle zusammen Borschtsch zu und aßen gemeinsam. Gestärkt konnten wir nun in den Kunstunterricht gehen, in dem wir Matrjoschkas und Schutzpuppen bastelten; dabei erzählte man uns viel über die Geschichte der Puppen. Zum Abschluss des Schultages hatten wir gemeinsam mit unseren Austauschschülern Sport. Eine kleine Gruppe von Deutschen mit ihren Austauschschülern ist dann noch in die Trampolinhalle, was sehr viel Spaß machte.

Am Freitag stand eine Exkursion nach Susdal auf dem Programm. Dort besichtigten wir ein Freilichtmuseum, in dem ein nachgestelltes altes Dorf zu sehen war. Wir haben dann auch noch die „richtige“ Stadt besichtigt und unter anderem ein, zwei weitere Kathedralen.

Samstag war ein „freier“ Tag, für den die Gastfamilien sich für die Gastschüler ein Programm ausgedacht hatten. Die meisten entschieden sich, Paintball zu spielen, und so traten wir „Russen gegen Deutsche“ beim Paintball an. Das Spiel ging mit 2:2 unentschieden aus. Anschließend hat eine kleinere Gruppe noch gegrillt und wir saßen gemütlich beieinander. Allerdings mussten wir am nächsten Tag früh aufstehen, da schon um 6:20 Uhr Treffpunkt für die Fahrt nach Moskau war.

Gruppenbild des deutsch-russischen Schüleraustausches auf dem Roten Platz

In Moskau angekommen, konnten wir uns erst einmal selbstständig vor dem Kreml ein bisschen umschauen, bis wir in den Kreml hinein durften. Im Kreml bekamen wir eine Führung, und uns wurden die verschiedenen Kathedralen gezeigt und auch die eine Kathedrale, die nach dem Vorbild der Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir gebaut wurde. Nach dem Kreml sind wir noch auf den Roten Platz mit der bekannten bunten Basilius-Kathedrale und vielem mehr. Leider mussten wir uns an diesem Abend schon von den russischen Schülern verabschieden. Beim Abschied sind viele Tränen geflossen.

Als wir dann unter uns waren, sind wir noch mit der Metro gefahren. Die einzelnen Stationen sind beeindruckend, da jede von einem anderen Thema handelt und dem Stationsnamen angepasst ist. Am letzten Tag sind wir wieder Metro gefahren und haben auch zu Fuß als kleine Gruppe Moskau noch ein bisschen näher erkundet. Wir besichtigten unter anderem einen der bekanntesten Friedhöfe Moskaus, auf dem viele bekannte Persönlichkeiten begraben sind und machten eine Pause im Gorkij-Park.

Der Austausch mit Wladimir war sehr schön, da man nicht nur ein anderes Land kennenlernen konnte, sondern auch viele neue Freunde gewonnen hat.

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Was zwischen dem Emmy-Noether-Gymnasium in Erlangen und dem Linguistischen Stoletow-Gymnasium Nr. 23 in Wladimir gewachsen ist, gehört zu den tragenden Verbindungen der Städtepartnerschaft, die nach den Worten von Florian Janik bestehen bleiben, gleich wer „da oben“ gerade das Sagen haben mag. Olga Wolkowa, die gemeinsam mit Swetlana Gusjewa diesen Austausch schon im achten Jahr begleitet, kann die Worte des Oberbürgermeisters nur bestätigen. Ihrer beider pädagogischen und freundschaftlichen Kontakte zum Emmy-Noether-Gymnasium währen nämlich nun schon acht Jahre, manche Schüler kommen bereits zum zweiten Mal nach Erlangen, andere sind von ihren Geschwistern angeregt worden, am Austausch teilzunehmen.

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir

Die überzeugendste Werbung für die Begegnungen machen aber sicher die beiden Pädagoginnen, die vor 25 Jahren zum ersten Mal mit einer Lehrerdelegation in Erlangen zu Besuch waren und sofort begriffen, welche Chancen sich da für Schüler auftun, die Deutsch lernen wollen. Und wenn dann auch noch jemand wie Michaela Spörl, die am Emmy-Noether-Gymnasium das Wahlfach Russisch anbietet, als nicht minder begeisternde Gastgeberin an seiner Seite weiß, braucht einem auch nicht bange um die Zukunft des Austausches sein.

Swetlana Gusjewa, Olga Wolkowa, Florian Janik und Michaela Spörl

Swetlana Gusjewa, Olga Wolkowa, Florian Janik und Michaela Spörl

Und doch: Jedes Austauschprogramm ist neu – und dieses Mal im Rahmen eines P-Seminars sogar von den gastgebenden Schülern für die Besucher aus Wladimir in eigener Regie zusammengestellt. Wie das gelungen und angekommen ist, dazu wird es demnächst hier im Blog einen eigenen Bericht geben. Über ihre Erfahrungen – unbedingt nachlesen! – haben die Lehrerinnen ja bereits im Blog Auskunft gegeben. Deshalb hier die beiden Links: http://is.gd/8czCAv und http://is.gd/KAESrR

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Heute, am 1. September, beginnt an allen russischen Schulen nach drei Monaten Sommerferien der Unterricht wieder. Da fügt es sich gut, von Olga Wolkowa, einer partnerschaftserprobten Deutschlehrerin aus Wladimir, einen Bericht zu erhalten zu haben, der sich auf den Austauschbesuch vom Jahr 2011 bezieht.

Unser Gymnasium (Stoletow-Gymnasium Nr. 23 der Stadt Wladimir) ist ein Fremdsprachengymnasium mit erweitertem Englischunterricht. Deutsch als zweite Femdsprache wird von zwei Dritteln der Kinder ab der fünften Klasse gewählt, viele besuchen auch noch die Kurse im Erlangen-Haus. Was ist Sprachenlernen ohne Praxis? Darum nehmen unsere Schüler und Lehrer sehr gern an dem Schüleraustausch teil. In den Unterrichtsstunden zuvor lernten wir neue Lexik, übten Grammatik, lasen Texte, machten Hörverstehen. Wir haben natürlich auf die Frage geantwortet, die immer wieder gestellt wird: “Was ist typisch deutsch?“ oder “Was fällt dir ein, wenn du das Wort Deutschland hörst?“ Als Gastgeschenk haben wir eine Umfrage zu deutsch-russischen Vorurteilen mitgebracht. Wir werden sehen, ob unsere Vorurteile stimmen.

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Olga Wolkowa

Unsere Antworten waren: Pflichbewusstheit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Pünktlichkeit, Disziplin, Verschlossenheit, Hochachtung für Ordnung. Die Autobahn, die Sauberkeit, das Auto, der Fußball, das Fahrrad und Sport, Wandern und Berge, Würstchen und das Abendbrot, (man kocht am Abend nicht), Bier, Lufthansa, gut organisierte und entwickelte Industrie und die Alpen. Das waren die Worte, die uns am meisten eingefallen sind.

Und nun fliegen wir mit der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa. Im Flugzeug haben unsere Mädchen sehr aktiv kommuniziert. Auf meine Frage: ”Sprecht ihr Deutsch ?” habe ich die Antwort bekommen: “Mit diesen Nachbarn sprechen wir Deutsch, mit jenen Englisch“. Solche Worte sind, wie wir Russen sagen, “Balsam aufs Herz der Fremdsprachenlehrerin“.

Den Zwischenstopp in Hamburg (3,5 Stunden) haben wir sehr produktiv verbracht: alle Duty-Free- Geschäfte besucht, am Computer im Wartesaal E-Mails geschrieben, auf Deutsch gefragt, wo auf der deutschen Testatur das @ ist und Würstchen gegessen. Wir wurden wieder mit unserem Deutsch überall verstanden! (Offen gestanden hat Englisch uns auch sehr geholfen.)

Als wir im kleinen Flugzeug nach Nürnberg saßen, wussten wir schon, dass wir von unseren deutschen Freunden erwartet wurden, weil wir mit ihnen schöne Erinnerungen an Wladimir teilten. Wir waren nur neugierig, was wir in unseren Gastgeberfamilien am Wochenende alles machen werden. Außer Neugier doch ein bisschen Angst – Deutsche sind doch nicht so offen, nicht so gastfreundlich und nicht so gesellig oder doch? Die Freude und Aufregung war groß, aber in der Viertelstunde nach der Landung fahren wir schon zu unseren Gastgebern. Ja, die Deutschen sind pünktlich, pflichtbewusst und haben Hochachtung für Ordnung.

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Olga Wolkowa

Am nächsten Tag haben wir gesehen, dass die Worte, die uns zuerst eingefallen sind, richtig waren. Zum Beispiel bestimmen den Straßenverkehr in Erlangen die Fahrradfahrer. Sie fahren zur Arbeit, in die Schule, Universität, zum Einkaufen und zur Erholung. Und die Helme, die Erwachsene auf dem Fahrrad tragen! Und das Warten vor der roten Fußgängerampel, auch wenn weit und breit kein Auto in Sicht ist! Und von solchen Autobahnen wie in Deutschland können unsere Autofahrer nur träumen.

Für mich war typisch deutsch ein ausgedehntes Sonntagsfrühstück, als meine Freundin, wir kennen einander schon 16 Jahre, am Morgen frische Brötchen aus der Bäckerei gebracht hat und wir langsam und gemütlich gegessen und geredet haben. Apropos hat meine Freundin sich nicht typisch deutsch benommen, sie kochte viel und sehr lecker, obwohl wir alle wissen, dass die Deutschen anstatt Suppen und einem warmen Gericht belegte Brote zu Abend essen, darum heißt das Abendbrot.

Am Sonntag begann unser Programm, das mit viel Liebe zur Sache und vor allem zu den Gästen von Michaela Spörl zusammengestellt worden war. Der Schwerpunkt unseres Programms war Sport, darum haben wir das Fußballspiel nicht im Fernsehen, sondern auf dem Fußballfeld verfolgt. Greuther Fürth gegen 1860 München. Wir haben zwei glückliche Toren unserer “grünen” Mannschaft miterlebt. Besonders beeindruckend fanden wir, dass die Fans beider Vereine sich gegenseitig höflich und zuvorkommend benahmen, was bei uns nicht immer der Fall ist.

Am Montag wurden wir in der Schule begrüßt, wir hospitierten ein paar Stunden und wurden dann im Rathaus von Elisabeth Preuß und Peter Steger sehr herzlich empfangen. Wie Peter Steger später in seinem Blog geschrieben hat: “Dieses Neusprachliche Gymnasium bildet das aus, was Elisabeth Preuß „das Herz der Städtepartnerschaft“ nennt. Niemanden empfange sie so gerne wie Schülergruppen, geben diese doch die Grundlage für die Zukunft der Zusammenarbeit ab.

Eine der schönsten Erinnerungen für uns war unsere Kanu-Fahrt auf der Regniz in Bamberg. Wir konnten nicht nur Paddeln lernen, sondern auch vom Fluss aus das schöne “Klein Venedig“ bewundern. Die Kanufahrtbegleiter taten ihr Bestes und haben uns die Team-Arbeit beigebracht und mit den schönen Sehenswürdigkeiten Bambergs bekannt gemacht. Wir hatten so auch eine Möglichkeit bekommen, uns sportlich zu zeigen. Die Deutschen treiben gern Sport!

Wir besuchten alle zusammen, die deutschen und die russischen Schüler, die Firma Staedtler. In den Arbeitshallen sieht man überhaupt keine Arbeiter, alles machen nur die klugen Maschinen. Das Lager der Firma sah wie im Science-Fiction Buch aus. Ja, Deutschland hat eine sehr entwickelte Industrie.

Auf dem Oktoberfest

Auf dem Oktoberfest

Einer der Höhepunkte war sicher der Besuch des Oktoberfests. Nach einer relativ langen Busfahrt mit ein paar Staus liefen wir in kleinen Gruppen über das berühmte Oktoberfest und konnten die Atmosphäre genießen. Wir gehen auf die Wies’n.

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München

Frau Spörl erklärte uns in der Deutschstunde, was das bedeutet. Besonders ist uns aufgefallen, dass die Hälfte der Oktoberfestbesucher Nationaltracht trug. Einige unsere russische Mädchen hatten Glück, sie bekamen von den deutschen Freundinnen ein Trachtenkleid mit Schürze, – ein Dirndl. Was es nur alles so gibt!!! Klar, die Deutschen sind ein fleißiges Volk, aber sie verstehen auch zu feiern.

Olga Wolkowa

Olga Wolkowa

Wir, die Lehrer, verbrachten noch ein märchenhaftes Wochenende im Luftkurort Kochel am See. Wir wanderten, fuhren mit der Sesselbahn in die Berge, machten Seeschifffahrt (mit drei f geschrieben!), aßen leckere Spezialitäten (z.B. Windbeutel und Münchner Würstchen), saßen im Café mit Märchenaussicht auf die Felder und genossen das wärmste Wetter (bis +26 Grad Anfang Oktober!!!) – Bilderbuchwetter!!!. Na ja, wenn Engeln reisen, lacht die Sonne. Dieses Sprichwort haben wir in Deutschland gelernt. Bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel haben wir hunderte Erinnerungsfotos geknipst.

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Olga Wolkowa mit zwei Schülerinnen

Der letzte Tag. In den meisten Gesichtern war Enttäuschung zu sehen, weil die Zeit so schnell vergangen war. Wir wurden von unseren Gastfamilien zum Flughafen bei Nürnberg gefahren. Nach dem Einchecken mussten wir uns leider von unseren Austauschpartnern und deren Eltern und Geschwistern verabschieden. Es gab zahlreiche Tränen der russischen und deutschen Austauschschüler, und alle wurden auf einen zweiten Besuch in Deutschland und in Russland eingeladen. Sind die Deutschen nicht gastfreundlich? Die Vorurteile stimmten, wie immer, nicht. Die unerwartete Herzlichkeit der Gastfamilien hat hat uns alle sehr gerührt.

Olga Wolkowa über den Wolken

Olga Wolkowa über den Wolken

Meine Schüler haben mir schon erzählt, dass vier bis fünf deutsche Schüler im Sommer ihre Austauschpartner in Wladimir privat besuchen möchten. Herzlich willkommen!

Nach meinen Erzählungen über unseren Aufenthalt in Erlangen bekommen schon ein paar weitere Schüler Lust, mal nach Erlangen zu kommen und das Emmy-Noether-Gymnasium zu besuchen. Ich lade aber auch andere Schüler des Emmy-Noether-Gymnasiums und die Einwohner unserer Partnerstadt Erlangen ein, Russland zu besuchen.

Wir haben auch viel Sehenswertes: das Goldene Tor im Zentrum der Stadt, viele schöne weiße Kirchen mit goldenen Kuppeln, wir besuchen Moskau, den Kreml und den Roten Platz. Und unsere Familien sind auch sehr gastfreundlich und gesellig. Sehen Sie sich unsere Fotos an, dann bekommen Sie bestimmt Lust, mal nach Russland zu kommen.

Olga Wolkowa, 2011

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Während meiner Tätigkeit am Goethe-Institut Moskau in den Jahren 2002/2003 habe ich das Erlangen-Haus regelmäßig besucht. Ich war Projektleiterin für Sprachkurskooperation und neben Sergijew Possad, Jaroslawl und Nischnij Nowgorod auch für Wladimir zuständig. Das GI fördert die Kooperation mit Sprachinstituten in mittlerweile 21 Städten der Russischen Föderation. Diese Zentren sind Partner des Goethe-Instituts und erhalten Fortbildungen in den Bereichen Management, Methodik und Didaktik.

Kolleginnen untereinander: Olga Wolkowa und Michaela Spörl

Kolleginnen untereinander: Olga Wolkowa und Michaela Spörl

Im Erlangen-Haus bin ich immer äußerst freundlich empfangen worden und ich habe mit der Leiterin, Irina Chasowa, und den Deutschlehrerinnen sehr gut zusammengearbeitet. Wir konnten von unseren jeweiligen Erfahrungen und Kenntnissen profitieren, und es entstanden Freundschaften, die bis heute andauern. Nach meiner Tätigkeit am GI hatte ich das Glück, 2004 ans Emmy-Noether-Gymnasium zu kommen, das bereits seit vielen Jahren den Schüleraustausch mit Wladimir pflegt. Seitdem finden die Begegnungen regelmäßig alle zwei Jahre statt. Dabei ist das Erlangen-Haus nicht nur schon Herberge für uns Lehrer gewesen, sondern wir erhalten hier Unterstützung bei allen organisatorischen Aufgaben, und unsere Schüler kommen mit den russischen Deutschlernern im Erlangen-Haus in Kontakt. Die kontinuierliche und fruchtbringende Zusammenarbeit ist für alle Beteiligten äußerst gewinnbringend und bereichernd, weshalb ich jedes Mal wieder gern nach Wladimir komme.

Michaela Spörl

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