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Posts Tagged ‘Melitta Schön’


Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

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Gestern fand die Jahresversammlung des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir statt. Schwerpunkt der Unterstützung bleibt das Projekt „Häusliche Pflege“, nachdem nun an jeder Klinik in der Partnerstadt zwar eine Stelle für Palliativmedizin eingerichtet wird, aber noch längst nicht für alle Patienten ein Bett zur Verfügung steht. Mit Hilfe von medizinischem Fachpersonal und begleitet von Freiwilligen aus der Fachschule für Pflegeberufe betreut deshalb das Rote Kreuz Wladimir schwerkranke Menschen und berät die Angehörigen in allen Fragen der Betreuung.

Melitta Schön, Barbara Wittig, Petra Müller-Hillebrand, Jürgen Üblacker und Wolfram Howein

Auch wenn der Wirkungskreis (noch) nicht sehr groß ist – ein gutes Dutzend Patienten ist derzeit die Obergrenze des Leistbaren – nimmt sich das Rote Kreuz in der Partnerstadt doch eines bisher unterschätzten und kaum wahrgenommenen Problems von höchster gesellschaftlicher Relevanz an, dessen Bedeutung mittlerweile von der Gesundheitspolitik erkannt wird, abzulesen daran, daß sich an dem Programm auch eine Poliklinik beteiligt, die ambulant die medizinische Versorgung der Kranken gewährleistet. Erste wichtig-richtige Schritte also bei der Pflege für Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt. Schritte, die Erlangen und Wladimir gemeinsam tun. Wie sonst?!

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Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Beide sind sie zum ersten Mal in Erlangen, und doch verbindet beide Gäste aus Wladimir eine lange und ganz persönliche Geschichte mit der deutschen Partnerstadt. Olga Antropowa brachte ihren Sohn 1994 zur Welt, als die russische Wirtschaft, insbesondere auch das Gesundheitswesen, am Boden lagen und die Aktion „Hilfe für Wladimir“ noch auf Hochtouren lief. Nicht einmal der Großvater des Jungen, der heute selbst Arzt ist, konnte als Leiter eines Krankenhauses helfen: Es gab einfach nirgends Babynahrung im Fall, daß Mütter nicht stillen konnten. „Wenn damals nicht die Hilfslieferungen aus Erlangen und das Bayerische Rote Kreuz gewesen wären… Wer weiß, ob ich den Kleinen durchgebracht hätte. Noch heute läuft es mir heiß und kalt über den Rücken, wenn ich daran denke“, erinnert sich die stellvertretende Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege und seit einem Jahr ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prochor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Wladimir Prochor ist seit 1965 mit dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden und hatte eine Vielzahl von Leitungsfunktionen im Gesundheitswesen, später auch in der regionalen Verwaltung, inne. In den 90er Jahren allerdings, während der intensivsten Zeit der humanitären Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK, war der gelernte Mediziner als stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamtes tätig und machte die ganzen Ausschreibungen für die Medikamente und Verbrauchsmaterialien, die vor Ort mit Spendenmitteln gekauft wurden, um sie dann an Wladimirer Krankenhäuser abzugeben. Seit fast zwanzig Jahren betreut Wladimir Prochor ehrenamtlich als Koordinator die Programme des Roten Kreuzes in der russischen Partnerstadt und steht nun Olga Antropowa als Stellvertreter zur Seite. Ein gutes Doppel, von dessen einwöchigen Arbeitsprogramm hier bald mehr zu lesen sein wird.

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„Von Bier verstehe ich, offen gesagt, nicht viel“, bekennt Olga Dejewa beim gestrigen Tag des Bieres zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebots auf dem Schloßplatz. Weder Sorte noch Geschmacksrichtung habe sie bisher für sich entdeckt. Reichlich ehrlich an so einem Festtag der Bierseligkeit, an dem es dann doch nicht lange dauert, bis Wladimirs Oberbürgermeisterin dann, verführt durch die Verkostung des Königinnensuds in der Privatbrauerei Kitzmann, das Radler zu ihrem neuen Lieblingsgetränk erklärt. Ein guter Anfang immerhin, eine gute Mischung. Es muß ja nicht immer das reine Bier sein.

Jochen Buchelt, Florian Janik, Olga Dejewa und Peter Kitzmann

Jochen Buchelt, Florian Janik, Olga Dejewa, Petra „Willy“ Paulsen und Peter Kitzmann

Obwohl: Von ihrem Kollegen, Florian Janik, erfährt sie dann schon, wie eng in Erlangen Gegenwart und Geschichte mit der Tradition des Brauens verbunden seien, und wie man hier bei einem Oberbürgermeister die maßvolle Liebe zum Bier schon fast als naturgegeben voraussetze.

Klaus Karl Kraus in Personalunion als Herzog Wilhelm IV und Ludwig X mit Olga Dejewa

Klaus Karl Kraus in Personalunion als Herzog Wilhelm IV und Ludwig X mit Olga Dejewa

Ein für Olga Dejewa ebenso unerwarteter wie erfreulicher Nebeneffekt des Festes: Ihr begegnen auf Schritt und Tritt Menschen, die alle schon in Wladimir waren und Verbindungen dorthin pflegen. Sei es Heidi Binder, die mit der Partnerstadt den Austausch der Waldorfschulen aufgebaut hat, sei es ihr Mann, Jürgen Binder, der für das nächste Jahr wieder eine Ärztedelegation nach Wladimir begleiten will.

Jürgen Binder, Olga Dejewa und Heidi Binder

Jürgen Binder, Olga Dejewa und Heidi Binder

Sei es Peter Kitzmann, der sich seit dem Fränkischen Fest 1993 in Wladimir, wo er 10.000 l Freibier ausschenkte, eng mit der Partnerstadt verbunden weiß und immer gern Gäste von dort empfängt.

Gruppenbild mit Königinnensud

Gruppenbild mit Königinnensud

Sei es Stephan Bergler, dessen Unternehmen, „Klostermalz“ in Frauenaurach, erst vor kurzem wieder eine ganze Lkw-Ladung seines geschätzten Rohstoff an die Brauerei Jusberg bei Wladimir liefern konnte, die er selbst im Mai vergangenen Jahres besucht hatte.

Florian Janik, Stephan Bergler und Olga Dejewa

Florian Janik, Stephan Bergler und Olga Dejewa

Oder sei es die amtierende Bierkönigin Mia I, die vor zwei Jahren als Schülerin des Christian-Ernst-Gymnasiums mit dem Mädchenchor unter Leitung von Joachim Adamczewski in Wladimir aufgetreten ist. „Eine Zeit, an die ich immer gern zurückdenken werde“, ist sich die heutige Studentin der Theater- und Medienwissenschaften sicher.

Bierkönigin Mia I, Olga Dejewa und Bierkönigin Jasmin I

Bierkönigin Mia I, Olga Dejewa und Bierkönigin Jasmin I

Und Olga Dejewa: „Es ist das eine, bei einer Veranstaltung in der Volkshochschule auf Menschen zu treffen, die sich aktiv in der Partnerschaft betätigen, eine großartige Erfahrung für mich. Aber dann innerhalb einer Stunde auf engstem Raum so vielen Leute zu begegnen, die mit uns schon verbunden sind, das ist wirklich erstaunlich, das ist ein Schatz, den wir bewahren und weiter ausbauen müssen.“

Irina Chasowa, Olga Dejewa, Melitta Schön und Peter Steger

Irina Chasowa, Olga Dejewa, Melitta Schön und Peter Steger

Eine Überzeugung, besonders auch von Melitta Schön geteilt, die sich nun als Vorsitzende des „Fördervereins Rotes Kreuz“ darauf freut, mit Olga Dejewa in der neuen Funktion als Oberbürgermeisterin die humanitäre Zusammenarbeit weiter intensivieren zu können. Wieder einmal gute Nachrichten für die Partnerschaft – und eine gute Mischung für deren Zukunft.

 

 

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Da sprudeln bei den Gästen, Olga Dejewa und Irina Chasowa, gleich die Ideen, als sie vor dem Augenplakat der Ausstellung zum Thema „Die Faszination des Sehens“ im Erlanger Stadtmuseum stehen. So etwas könnte man doch auch mit der Nase, den Ohren, dem Mund oder den Händen machen

Brigitte Korn, Olga Dejewa und Irina Chasowa

Brigitte Korn, Olga Dejewa und Irina Chasowa

Und Gastgeberin, Brigitte Korn, die mit Wladimirs Oberbürgermeisterin den Umstand teilt, noch recht neu im Amt zu sein, erst seit September letzten Jahres, ist ihrerseits begeistert von dem umfassenden Interesse, das Olga Dejewa Fragen der Kultur und des Umgangs mit Geschichte entgegenbringt: „Wenn alle in der Politik so aufgeschlossen für diese Dinge wären, bräuchten wir uns keine Sorgen mehr um die Bewahrung und Deutung der Historie mehr machen.“

Olga Dejewa, Irina Chasowa und Brigitte Korn

Olga Dejewa, Irina Chasowa und Brigitte Korn

Es sprudeln aber auch schon gleich die Ideen, was man in der Museumsarbeit gemeinsam veranstalten könnte, besonders im Ausblick auf das „kleine“, 35jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft im Jahr 2018, das Erlangen austragen wird – mit möglichst großer Bürgerbeteiligung, einem deutsch-russischen Volksfest, einer Tafel, die vom Museum bis hinaus auf den Altstädter Kirchenplatz führt, natürlich mit Musik, Kunsthandwerk und Exponaten aus Wladimir, natürlich mit möglichst vielen gemeinsamen Aktionen.

Wolfgang Niclas und Olga Dejewa

Wolfgang Niclas und Olga Dejewa

Bis dahin ist dann hoffentlich auch der schon Ende der 80er Jahre abgebrochene Dialog zwischen den Gewerkschaften wieder aufgenommen, hofft Wolfgang Niclas, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Erlangen-Höchstadt. Etwas, das auch Olga Dejewa am Herzen liegt, die aus der Gewerkschaftsarbeit kommt, nun aber nur noch den Niedergang der Arbeitnehmervertretung konstatieren kann. Tarifautonomie wie sie hierzulande gepflegt und ausgetragen wird, kenne man so in der Russischen Föderation nicht. Warnstreiks wie dieser Tage auch in Erlangen – in Wladimir undenkbar. Da gelte das Primat der Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich mit dem Gouvernement, schließen trilaterale Verträge, fügen sich den administrativen Vorgaben und gewährleisten so Auskommen und einen möglichst hohen Beschäftigungsgrad. Doch gerade bei allen Unterschieden, da sind sich Olga Dejewa und Wolfgang Niclas einig, sollte man wieder ins Gespräch kommen und einen Austausch aufnehmen.

Dieter Rossmeissl, Irina Chasowa, Olga Dejewa und Dietmar Hahlweg

Dieter Rossmeissl, Irina Chasowa, Olga Dejewa und Dietmar Hahlweg

Wie fruchtbar dieser Austausch auf so vielen anderen Gebieten vorankommt – ungeachtet der ungünstigen politischen Großwetterlage -, zeigt die von Dieter Rossmeissl moderierte Diskussion mit Olga Dejewa am Abend im vollbesetzten Club International der Volkshochschule. Schon auf die einleitende Frage des Referenten für Bildung, Kultur und Jugend, wer denn von den Anwesenden schon einmal in Wladimir gewesen sei, erhält er eine beeindruckende Antwort: kaum ein Arm, der (noch) unten bleibt. Nach der kurzen, immer wieder von Zwischenapplaus begleiteten Darstellung ihrer Person, Funktion und Arbeit der letzten Jahre als Leiterin des Wladimirer Sozialwerks und Geschäftsführerin des Roten Kreuzes stellt sich die Oberbürgermeisterin dann den Fragen und Anregungen aus dem Publikum, das sie schon nach den ersten Augenblicken als einen Kreis von Freunden empfindet, auch wenn darunter viele sind, die sie bisher noch nicht persönlich kannte, wie etwa Altoberbürgermeister, Dietmar Hahlweg, der sich nicht nur über die gelungene Gestaltung einer Fußgängerzone sondern auch über die geplante Weiterentwicklung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik freut und hofft, es werde gelingen, einen paritätisch besetzten Gesprächskreis zu begründen, der helfen könnte, die zwischenstaatliche Vertrauenskrise und Vorurteile zu überwinden, den bei allen politischen Verwerfungen zwischen Ost und West so lebendigen zivilgesellschaftlichen Dialog zu unterstützen.

Melitta Schön und Olga Dejewa

Melitta Schön und Olga Dejewa

Der Abend bietet dem Gast aber auch Gelegenheit, für die fast fünfjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Förderverein Rotes Kreuz zu danken, eine Zeit, in der es Olga Dejewa mit Erlanger Hilfe gelang, die in Wladimir schon fast handlungsunfähige Organisation wieder zu einer aktiven und angesehenen Institution zu machen, die mit ihren Projekten in den Bereichen Erste Hilfe und Häusliche Pflege wichtige soziale Aufgaben übernimmt, Aufgaben, die vor Ort von ehrenamtlichen Kräften übernommen werden und die man nun dank einer weiteren Spende des Fördervereins in Höhe von 1.700 Euro, überreicht von der Vorsitzenden, Melitta Schön, weiter fortsetzen kann, unter neuer Führung, aber weiter mit der Unterstützung durch die Oberbürgermeisterin. Überhaupt scheint sich die Kommunalpolitikerin ihr soziales Wesen bewahren zu wollen, und es ist, als lebte sie nach der Maxime von Lew Tolstoj, der einmal bemerkte, das einzige unbezweifelbare Glück im Leben bestehe darin, für andere zu leben.

Abram Dyck, Olga Dejewa und Rolf Wurzschmitt

Abram Dyck, Olga Dejewa und Rolf Wurzschmitt

Und so nimmt Olga Dejewa mit ihrem gewinnenden Kommunikationstalent denn auch wie bei einer Bürgersprechstunde alles auf, was so an sie herangetragen wird: die Sorge um den Jugend- und Schüleraustausch angesichts knapper Kassen; die Frage des Vereins „Nadjeschda“ nach der Zukunft des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde; den Wunsch nach noch mehr kulturellen Austausch; das Desiderat nach vertiefter wissenschaftlicher Kooperation; die ein wenig futuristische Anregung, einen Fahrrad-Fernweg zwischen den Partnerstädten anzulegen… „Gleich, ob wir Geld haben oder nicht, wenn wir etwas gemeinsam wollen, dann schaffen wir das auch“, lautet Olga Dejewas das Credo. Glaubwürdig und überzeugend. Man nimmt es ihr ab. Und schon sprudeln auch wieder die Ideen.

Dieter Wenzel, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Dieter Wenzel, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Schließlich all die vielen Gespräche am Rand der Veranstaltung: mit dem Pionier des Medizinaustausches, dem Professor für Kinderheilkunde, Dieter Wenzel, der im Sommer wieder nach Wladimir reisen will; mit Rolf Wurzschmitt, dem ehemaligen Vorstand der Erlanger Stadtwerke, und dessen seinerzeitigem Leiter des Heizkraftwerkes, Abram Dyck, die in den 90er Jahren unter vielem anderen die ersten gebrauchten Busse und zwei Heizkessel nach Wladimir gebracht und massiv den Bau des Erlangen-Hauses befördert haben, die sich aber auch an das Fränkische Fest 1993 erinnern, als Olga Dejewa übrigens im Brotkombinat beschäftigt war, das die Brötchen für die Bratwürste lieferte… Da schließen sich Kreise, die offen blieben, wenn hier nicht erwähnt würde, wie oft aus dem Publikum heraus die Arbeit des Erlangen-Hauses und insbesondere die Unterstützung und Gastfreundschaft von Geschäftsführerin, Irina Chasowa, gelobt wurden. Verdientermaßen! Das letzte Wort aber aus dem gestrigen Kreis der Freunde, gerichtet an Olga Dejewa, sei Jelena Ruß erteilt, vor ihrer Verehelichung in Höchstadt als Jelena Bordanowa treibende Kraft beim Projekt „Lichtblick“, dem Fachaustausch im Bereich Kinderpsychiatrie: „Wenn ich noch in Wladimir lebte, hätte ich mit beiden Händen für Sie gestimmt. Ich freue mich für meine Stadt, die jetzt mit Ihnen eine so überzeugende Oberbürgermeisterin hat.“ Und wir in Erlangen freuen uns da ganz offen mit – für Wladimir und die Partnerschaft.

 

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Der am Dienstag so jäh verstorbene Gerd Lohwasser stand in den frühen 80er Jahren einer Städtepartnerschaft mit Wladimir noch ausgesprochen kritisch gegenüber. Die einfachen Menschen werden, so sein Tenor, ohnehin nichts von den Beziehungen haben, und für einen reinen Austausch von Höflichkeiten unter Funktionären könne er nicht stimmen. Zudem führte er mit Verweis auf das Gefängnis, in dem prominente Dissidenten festgehalten wurden, die kritische Menschenrechtslage ins Feld und bezweifelte in Zeiten des Kalten Krieges grundsätzlich die „außenpolitischen“ Möglichkeiten von Kommunen aus entgegengesetzten weltanschaulichen Systemen, in Richtung Entspannung und Verständigung zu wirken.

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Marina Trubizyna, Gastlehrerin aus Wladimir, mit Gerd Lohwasser

Doch als es 1987 im Stadtrat zum Schwur kam und seine Fraktion der CSU aufgefordert war, dem Antrag der SPD zu folgen, hatte Gerd Lohwasser seine Partei längst auf ein Pro eingestimmt und zeigte damit seine vielleicht herausragendste Gabe: die eigene Position nie an ideologischen Standpunkten festzumachen, sondern stets mit den tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten abzugleichen.

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

Gerd Lohwasser und eine Hallenfußballmannschaft aus Wladimir

In den fünf „Probejahren“ der Partnerschaft seit 1983 hatte sich der gelernte Pädagoge davon überzeugen lassen: Wladimir paßt zu Erlangen, und die Menschen hier wie dort wollen ein Miteinander. Wie sollte er sich dem entgegenstellen!

Gerd Lohwasser bei der Feuerwehr in Wladimir

Gerd Lohwasser mit Melitta Schön, Nadja Steger, Brüne Soltau und Helmut Schmitt bei der Feuerwehr in Wladimir

Zumal er, der bereits im Oktober 1974, wie sich der ehemalige Leiter des Bürgermeister- und Presseamts, Helmut Schmitt, erinnert, beim zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum in Rennes das „Feuer der internationalen Kontakte für seine späteren Aktivitäten auf Stadt- und Bezirksebene entdeckte“; er, der Mitte der 80er Jahre mit Stadtratskollegen wie Wolf Peter Schnetz und Claus Uhl in Polen nach einer Partnerstadt suchte und später als Bezirkstagspräsident maßgeblich zum Zustandekommen der Beziehungen zwischen Mittelfranken und Pommern beitrug, von all den anderen Freundschaftskontakten zu Jena, Stoke-on-Trent, Umhausen, Cumiana oder Gabarone sowie zu den Vertriebenen aus Brüx und Komotau ganz zu schweigen. Und das als jemand, der, 1941 in Karlsbad geboren, die Vertreibung am eigenen Leib hatte erleben müssen!

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

Gerd Lohwasser, Heinrich von Mosch, Peter Steger, Jurij Fjodorow und Nikolaj Winogradow

1994 reiste Gerd Lohwasser als Präsident der Bezirkstags von Mittelfranken mit Regierungspräsident Heinrich von Mosch nach Wladimir, und der konservative Besucher verstand sich auf Anhieb mit dem kommunistischen Gastgeber und Kollegen, Nikolaj Winogradow, dem späteren Gouverneur und damaligen Vorsitzenden der Regionalduma. In Statur und als Frohnatur waren sich die beiden auf ganz sympathische Weise ähnlich, vor allem aber in einem: im überparteiischen Pragmatismus, gepaart mit unbedingter Verläßlichkeit. Die beiden hätten sich Ende nächster Woche gern wiedergesehen. Doch nun bleibt nur die Erinnerung.

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser bei der Verabschiedung von Amtsleiter Helmut Schmitt

Gerd Lohwasser beließ es nicht bei diesem Besuch. 2003 nahm er am Stadtfest in Wladimir teil und attestierte den Freunden, sie verstünden sich mindestens ebensogut wie die Erlanger auf das Feiern. 2006 dann die von Thomas Rex in der Partnerstadt gedrehte Reportage „Spasibo Erlangen“ mit dem Bürgermeister als Mitwirkenden, und 2010 seine letzte Reise an den Goldenen Ring, als er die Erlanger Lokalpolitik bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an seinen Mitarbeiter, Peter Steger, vertrat. Immer vertraut, immer gern gesehen, immer ein umsichtiger Gesprächspartner.

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Gerd Lohwasser mit Deutschlehrerinnen im Erlangen-Haus

Dabei zeigte er sich stets besonders verbunden – sicher professionell bedingt – mit dem Schüleraustausch, dem Sport, der Feuerwehr sowie den medizinischen Kontakten. Einzigartig seine Freundschaft mit Jewgenij Jaskin, dem ärztlichen Direktor des Notfallkrankenhauses, aber auch seine Unterstützung für die vom Bayerischen Roten Kreuz Erlangen – Höchstadt getragene Aktion „Hilfe für Wladimir“ und die Aktivitäten des „Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir“.

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Gerd Lohwasser mit Wolfram Howein und Helmut Schmitt auf dem kalten Roten Platz

Stadtrat Robert Thaler hat sich an den Kollegen einmal dank einem genialen Freud’schen Versprecher bei einer Laudatio als „Gott Lohwasser“ gewandt. Der eilig erfolgten Korrektur hätte es nicht bedurft. Niemand im Publikum hätte bei dem tosenden Gelächter widersprochen. Das politische Multitalent hatte nämlich tatsächlich etwas von Jupiter, von einem Göttervater, an sich, ohne dabei je herablassend jovial zu wirken.

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Deutsch-russische Freundschaft: Gerd Lohwasser und Jewgenij Jaskin

Gewiß, er hatte auch menschliche Züge: Er konnte längst nicht alle Wünsche erfüllen.Aber er hörte sich alle Wünsche an und vermittelte dem Gegenüber das Gefühl, sich ihrer nach Kräften anzunehmen. Wenn freilich etwas jenseits seiner Möglichkeiten lag, räumte er das so offen ein, daß ihm niemand gram sein konnte. Im Gegenteil. Auch derartige Begegnungen mit ihm endeten zumeist mit einem versöhnlichen Scherz, mündeten  in ein oft nachgerade homerisches – oder besser lowasserisches – Gelächter.

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stolz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

Gerd Lohwasser und seine Lebensgefährtin Rita Stoltz und seinen Ärzten aus Wladimir und Erlangen

„Wo er war, war das Lachen“, erinnert sich Oberbürgermeister Florian Janik. Fjodor Dostojewskij hat einmal geschrieben: „Wenn du einen Menschen richtig kennenlernen und etwas über sein innerstes Wesen in Erfahrung bringen willst, so mache dir nicht erst die Mühe zu analysieren, wie er spricht, schweigt, weint oder von hehren Gedanken ergriffen wird. Du brauchst ihn bloß beim Lachen zu beobachten. Hat er ein gutes Lachen, ist er ein guter Mensch.“ Gerd Lohwasser hatte wahrhaftig ein gutes Lachen, ein sehr gutes, das uns allen nun so fehlen wird!

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