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Posts Tagged ‘Medien in Wladimir’


Manchen mag es schon aufgefallen sein, dennoch hier der Hinweis. Seit einigen Tagen bietet der Blog einen neuen Service, zu finden ganz oben in der Leiste neben Startseite, About und Datenschutz. In unregelmäßiger Reihenfolge sollen hier Quellen der Wladimirer Medien erscheinen, aus denen die Redaktion schöpft. Alle in russischer Sprache, aber in Zeiten durchaus brauchbarer maschineller Übersetzungen doch mittlerweile für alle erschließbar.

Julia Kusnezowa

Versuchen Sie es: Den Anfang machen die umfangreichen Berichte der beiden Journalistinnen, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa, die das in Erlangen gesammelte Material zu Fragen der Müllbehandlung und des Umgangs mit Haustieren, aber auch die Begegnungen mit ihren deutschen Kollegen, erstaunlich detailliert dem Wladimirer Publikum vorstellen. – Und jetzt auch Ihnen.

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Immer mehr russische Printmedien stellen – wie wohl fast überall auf der Welt – zunehmend auf Internetausgaben um. Diese Entwicklung trifft nun auch das Wladimirer Amtsblatt, die Wladimirskije Wedomosti“, das seit 1997 von der Staatskanzlei und der Duma der Region Wladimir herausgegeben und finanziert wird. Schon im Dezember hatte Gouverneur Wladimir Sipjagin angekündigt, die amtlichen Mitteilungen, neuen Gesetze und normativen Akte nur noch digital zu veröffentlichen. Nun setzt der Landesvater dies auch um und will damit kräftig sparen: von den bisher p.a. verausgabten 20 Mio. Rubel immerhin dreieinhalb Mio. Rubel. Allerdings offenbar nicht im Konsens mit dem Chefredakteur, der nach sieben Jahren als Chef des Amtsblattes seinen Rücktritt einreichte. Vielleicht ja auch, weil er weitere „Optimierungen und Anpassungen“ fürchtet oder politisch mit dem Gouverneur hadert. Der freilich fordert von den Medien grundsätzlich, wie schon im Wahlkampf, das gesamte Meinungsspektrum widerzuspiegeln, keinen Bereich auszusparen und sich gern auch kritisch mit ihm selbst und seinem Wirken auseinanderzusetzen.

Wladimirer Amtsblatt

Neben dem Amtsblatt leistet sich das „Weiße Haus“, Amtssitz des Gouverneurs und des Regionalparlaments, der Duma, seit März 2015 auch den Fernsehsender Gubernia 33. Auch dieses Medium wird sich auf eine Verschlankung einstellen müssen, denn der Hausherr weist darauf hin, mit dem dafür bereitgestellten Steuergeld könnte man jährlich einen neuen Kindergarten bauen. Wladimir Sipjagin selbst will nun regelmäßig einmal im Quartal bei einer Pressekonferenz den Medien Rede und Antwort stehen – und natürlich jederzeit auf Anfrage zu aktuellen Entwicklungen. Und selbstverständlich gibt es einen Internetauftritt unter https://gubernator33.ru, wo man sich stets auf den aktuellen Stand bringen kann. Mit Facebook und seinem russischen Ableger, dem Portal VKontakte, fremdelt der Gouverneur allerdings noch; in den sozialen Medien ist er persönlich nur sporadisch unterwegs. Schadet ja auch nicht, wenn man besonnen und mit Bedacht zu Werke geht.

Mehr zur Medienlandschaft in Wladimir findet sich hier: https://is.gd/vNv8BW

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Das Thema, das sich das Gesprächsforum Prisma bei seinem mittlerweile dritten Zusammentreffen gestern in der Wladimirer Akademie für Verwaltung und Wirtschaft stellte, erschöpfend an einem Nachmittag abhandeln zu können, auch wenn der sich – eine gute Stunde länger als geplant – bis in den frühen Abend hinein erstreckte, hatte wohl niemand in der Runde erwartet. Aber die Gastgeber, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa und Akademieleiter Wjatscheslaw Kartuchin als Moderator, unterstützt von Fachleuten aus der Journalistik und der Wissenschaft, hatten das richtige Rezept gefunden, um alle, Deutsche und Russen, zur Frage „Objektivität von Massenmedien bei der Globalisierung“ miteinander in einen fruchtbaren Austausch von Meinungen und Argumenten zu bringen. Nur zwei Impulsreferate seitens Wladimir – von Wjatscheslaw Kartuchin und dem Politologen Roman Jewstifejew als Komoderator – sowie ein Vortrag von Wolfgang Mayer, ehemaliger Wirtschaftsredakteur der Nürnberger Nachrichten und zehn Jahre lang Mitglied des Deutschen Presserates, zu der Situation der Medien in Deutschland und weltweit.

Das Plenum von Prisma

Was Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrem Grußwort für die Erlanger Delegation als „kleine Schritte zum großen Ziel Verständigung“ bezeichnete, erwies sich rasch als ein Gang durch offene Türen. Kein noch so kontroverses Thema blieb nämlich ausgespart, von den viel zu schwachen russischen Gewerkschaften, die es nicht schaffen, wie in Deutschland, Tarifverträge für Journalisten zu erstreiten – bis hin zu den gehäuften Morden an Reportern während der letzten 20 Jahre in der Russischen Föderation. Wer bisher glaubte, die russische Medienlandschaft sei weitgehend gleichgeschaltet, sah sich am Konferenztisch einer großen Vielfalt gegenüber, von den Wladimirer Staatssendern bis hin zu den durchaus kritischen Redaktionen von Pro Wladimir und Zebra-TV oder der Position des Bloggers Kirill Nikolenko, der meinte, der Staat versuche viel zu sehr, die Medien und die öffentliche Meinung zu steuern. Demgegenüber vertrat Wjatscheslaw Kartuchin die Auffassung, seine Landsleute vertrauten gerade angesichts der überbordenden und ungefilterten Flut von Nachrichten und Meldungen mehr einer ordnenden Hand der Behörden. Strittig diese Meinung – auch unter den Gastgebern.

Die deutsche Delegation: Wolfgang Niclas, Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Amil Scharifow und Doris Lang

Einig freilich ist man sich in der Verurteilung von Zensur, die auch das russische Grundgesetz verbietet, oder in der Beobachtung, wie das Internet zunehmend die Meinungsführerschaft übernimmt, altersunabhängig, hier wie dort. Oft zu Lasten der festangestellten Journalisten, deren Zahl aus Kostengründen in den letzten zehn Jahren, wie Wolfgang Mayer ausführte, um ein Drittel abgenommen habe. Häufig auch zu Lasten der Qualität der Berichterstattung, eine Lücke, die zunehmend von Webautoren und Bloggern gefüllt wird. Spätestens hier stellt sich dann die Frage nach der Objektivität, die, wie Richterin i.R., Gerda-Marie Reitzenstein, am Beispiel der Justiz darlegte, ohnehin auch in scheinbar übersichtlichen Sachen wie einem Verkehrsunfall vom jeweiligen Blickwinkel abhänge und schwierig einzuschätzen sei. Wie dann gezielte Falschmeldungen von Übermittlungsfehlern unterscheiden, wie klären, wer etwa richtig liege bei der Wertung dessen, was vor vier Jahren auf der Krim geschah, eine Frage, die der in Erlangen promovierte Historiker, Wolfgang Mayer, so zuspitzte: Annexion oder Beitritt nach einem Referendum?

Roman Jewstifejew, Kirill Nikolenko und Sergej Golowinow

Auf großes Interesse stieß vor diesem Hintergrund bei den Gastgebern die Einführung des Unterrichtsfachs Medienkompetenz an bayerischen Schulen. Denn, wie sich gerade als junger Mensch zurechtfinden in dem übergroßen Angebot an Information, wie Tendenzielles, Unseriöses und gar Hetzerisches von dem unterscheiden, was nicht gleich in jeden Bericht, woran Elisabeth Preuß gelegen ist, die persönliche Meinung des Autors in den Vordergrund stellt, was Fakten und Wahrheit vermittelt. Stoff genug möglicherweise für einen Journalistenaustausch, den zwischen den Partnerstädten aufzunehmen, beide Seiten anregen.

Gerda-Marie Reitzenstein, Jutta Schnabel, Wolfgang Mayer und Elisabeth Preuß

Mehr noch: Roman Jewstifejew, neben seiner Professur an der Akademie auch als Blogger und Publizist ausgesprochen aktiv, macht einen ganz konkreten Vorschlag zum Ende der Veranstaltung: ein Medienprojekt, das die Lebensverhältnisse der Menschen in Erlangen und Wladimir zum Thema hätte, eine Plattform, wo jenseits der politischen Schlagzeilen – denen will der Wissenschaftler damit ein großes Dennoch entgegensetzen – zur Sprache kommt, was die Stadtgesellschaften ausmacht und bewegt. Eine Idee, die noch auszuformulieren wäre, für die Mitstreiter nötig würden, die anzugehen aber jede Mühe lohnen könnte.

Roman Jewstifejew, Gerda-Marie Reitzenstein, Olga Dejewa, Elisabeth Preuß, Wjatscheslaw Kartuchin, Juta Schnabel (1. Reihe), Wladimir Rybkin, Julia Obertreis, Irina Chasowa, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Alexander Illarionow und Doris Lang

Am Ende finden sich auch alle in den Worten von Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, wieder, die an allen drei bisherigen Treffen teilnahm: „Dieses Forum ist ein Glücksfall für die Partnerschaft, und wir müssen es unbedingt fortsetzen.“ Wen wundert es da, wenn beim gemeinsamen Abendessen schon nach einem Termin für Prisma IV im Frühjahr in Erlangen gesucht wird.

P.S.: Nachzutragen bleibt noch der Ausspruch des Tages aus dem Mund von Sergej Golowinow, Chefredakteur von Zebra-TV: „Ein guter Journalist ist ein schlechter Journalist.“ Bisher nur einmal in all den Jahren seiner Tätigkeit sei er von allen in einem Bericht dargestellten Seiten gelobt worden. Oder, wie das Franz Josef Strauß einmal formulierte: „Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp.“

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Die Wladimirer Medienlandschaft verändert sich immer rascher. Mitte Dezember erschien die Zeitung „Molwa“ kurz vor ihrem 25jährigen Jubiläum zum letzten Mal. Jetzt, Ende März, druckte auch das Wochenblatt „Business-Navigator“ seine Abschiedsauflage; sogar die Internetausgabe wurde eingestellt. Zu stark waren die Verkaufszahlen zurückgegangen: von 7.300 Exemplaren beim Start im Sommer 2010 auf zuletzt nur noch 5.000. Ebenfalls Mitte März verabschiedete sich der 1998 gegründete Kabel-TV-Sender „De Facto“ – von seinen Zuschauern, der zwei Mal wöchentlich auf Sendung ging. Die Gründe mögen ganz unterschiedlicher Natur sein – mal geht den Betreibern das Geld aus, mal wird eine Lizenz nicht verlängert -, aber bedauerlich bleibt es in jedem Fall, wenn wieder ein Stück Medienvielfalt verloren geht. Allerdings ist Wladimir und die Region weit davon entfernt, sich einem Monopol ausgesetzt zu sehen. Ganz im Gegenteil! Nach Angaben des Journalistenverbands nämlich gibt es im ganzen Gouvernement mit seinen gut 1.400.000 Einwohnern auf einer Fläche so groß wie ganz Franken und der halben Oberpfalz sage und schreibe 326 unterschiedliche Info-Medien und Periodika, davon 160 in gedruckter Form (einschließlich unterschiedlicher Nachschlagewerke und Almanache), 152 als Radio- oder TV-Sender sowie 14 Internetportale.

Die letzte Nummer

Ins Aus navigiert: letzte Nummer des Business-Navigators

Und nun ist am 31. März auch „Gubernia33“ an den Start gegangen. Ein Projekt des „Weißen Hauses“, wie die „Staatskanzlei“ der Region Wladimir im Volksmund genannt wird. Ein Sender, der, wie Gouverneurin Swetlana Orlowa bei der Eröffnung verspricht, der Pluralität der Gesellschaft entsprechend unterschiedliche Gesichtspunkte darstellen, dabei aber auch der Objektivität zu ihrem Recht verhelfen soll. Wie das gelingt, wird man jetzt 14 Stunden pro Woche sehen – mit der Option, eines Tages auch ein Vollprogramm ausstrahlen zu können. Welche Gefahren freilich auch in Medien lauern, die ausschließlich von staatlichen Strukturen finanziert werden, stellt der russische Journalist Wassilij Gatow kritisch-analytisch in der Moscow Times fest: http://is.gd/agFNnp

Auf jeden Fall darf man gespannt sein, wie sich nun der Platzhirsch im Äther, der Staatliche Lokalsender GTRK, gegenüber dem neuen Rivalen behaupten kann. Der Zuschauer hat die Wahl.

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Gestern beging man in Rußland – zeitgleich mit dem Alten Neujahr des Julianischen Kalenders – den Tag der russischen Presse. In Erinnerung an die von Peter I gegründete erste Zeitung des Zarenreiches „Wedomosti – Nachrichten über kriegerische und andere wissenswerter und denkwürdiger Angelegenheiten, geschehen im Moskowiter Staat und in anderen angrenzenden Ländern“, die am 13. Januar 1703 zum ersten Mal erschien. Allerdings erst seit dem Zerfall der UdSSR, denn die Sowjetunion hatte diesen Gedenktag auf den 5. Mai gelegt, in Erinnerung an die erste Nummer der Prawda vom 05.05.1912.

„Die Arbeit eines Journalisten“, so Kirill Nikolenko, Mitarbeiter des Nachrichtenportals Pro Wladimir, „kann in der Tat gefährlich und schwierig sein, wenn er es wagt, gegen den Strom zu schwimmen, Material zu veröffentlichen, das entweder den Machthabern oder der Wirtschaft oder der Unterwelt nicht gefällt.“  Und er fährt fort:

Selbst wenn ein Korrespondent nicht physisch angegriffen wird, hat er es doch immer wieder mit Versuchen zu tun, seine Tätigkeit zu erschweren, etwa durch eingeschränkten Zugang zu Pressekonferenzen, die Verschleppung der Akkreditierung, verbale Ausfälle gegen Leute mit Stift oder Kamera seitens Politikern und Beamten, wenn man ihnen gegen den Strich gebürstete Fragen stellt.

Anläßlich des Gedenktages sind unter Betonung der Bedeutung der Medienarbeit die Glückwünsche der Staatsorgane bereits eingegangen. Unterdessen hat die internationale Organisation „Reporter ohne Grenzen“ die Rangliste der Länder entsprechend der von ihnen gewährten Pressefreiheit für das Jahr 2014 veröffentlicht. Untersucht wurde die Lage in 180 Staaten, angeführt von Finnland.

Rußland nimmt – wie im Vorjahr – den 148. Platz ein, hinter Malaysia und Birma (einem, gelinde gesagt nicht allzu freiem Staat). Von den ehemaligen Sowjetrepubliken liegen hinter uns Weißrußland, Aserbajdschan, Kasachstan, Usbekistan und natürlich Turkmenistan.

Presse

Die Einstufung, laut der Deutschland den verbesserungswürdigen Platz 14 hinter der Tschechischen Republik (sic!) und vor der Schweiz (sic!)  einnimmt – allerdings hat auch die Ukraine auf Rang 127 noch einiges aufzuholen -, ist hier nachzulesen: http://is.gd/YQLZZl

Zurück zur Situation in der Russischen Föderation. Da ist gerade, am 11. Januar, in der Moscow Times ein Artikel unter dem Titel „Rußland muß aufhören, den Krieg in der Ukraine zu glorifizieren“ erschienen, ein Aufruf von  Wladislaw Inosemzew, dem Direktor des Zentrums für Postindustrielle Studien in Moskau, der die Hoffnung auf das Fortleben einer freien Presse nicht sterben läßt, ein Appell an die Mächtigen im Kreml, der allen aufrechten Freunden des russischen Volkes aus dem Herzen geschrieben ist. Er endet mit dem betrüblichen Ausblick: „I am infinitely saddened that Russia chose the path of a rogue state this past year. It will bring neither glory to its leaders nor happiness to its people — not this year or in the years to come.“ Nachzulesen und weiterzuempfehlen unter: http://is.gd/YQLZZl

Die Verteidigungsdoktrin ist von diesen Erkenntnissen leider weiter denn je entfernt. Eben gestern wurde bekannt, daß die russische Armee ihre Positionen auf der annektierten Krim, in der Exklave Kaliningrad und auf der bereits zum eigenen Herrschaftsgebiet reklamierten Antarktis ebenso verstärken will wie in den Einflußzonen Abchasien und Südossetien. Und das, obwohl sogar in der vor kurzem neu entwickelten Militärdoktrin gar kein großangelegter Angriff feindlicher Staaten drohe. Vielmehr sieht man sich einer Verlagerung der militärischen Gefahr von außen auf die inneren Angelegenheiten und den Informationskrieg ausgesetzt.

Wie heftig der bereits tobt, kann hier in einem kurzen Video von Rayk Anders in deutscher Sprache nachgesehen werden: http://is.gd/I28MHN

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Das neue Jahr beginnt in Wladimir mit einer Lücke auf dem Medienmarkt. Die Zeitung „Molwa“, frei übersetzt mit „Was man so redet“, stellt ihr Erscheinen ein. Laut Redaktion sei ein Weiterbetrieb unter den gegenwärtigen Marktbedingungen nicht mehr möglich. Schade, jammerschade um das Blatt, das am 20. Oktober 1990 zum ersten Mal erschien und die Städtepartnerschaft über all die Jahre aufmerksam und stets wohlwollend begleitete. Das geflügelte Wort vom Erlangen-Haus als gemeinsames Dach, „außen russisch, innen deutsch“, wurde vor bald 20 Jahren hier geprägt, die Aktion „Hilfe für Wladimir“ fand immer wieder lobende Erwähnung, kein hoher Besuch aus Erlangen blieb von der „Molwa“ unbemerkt, und auch manch eine Episode zwischenmenschlicher Begegnung von Deutschen und Russen fand auf ihren Seiten Platz.

Molwa

Molwa

In ihren besten Zeiten hatte die Zeitung, die journalistisch etwas auf sich hielt und gern auch heikle und heiße Themen anpackte, einen Auflage von 30.000 Exemplaren. Nicht erstaunlich deshalb, daß sich in der Redaktion viele heute arrivierte Journalisten ihre ersten Sporen verdienten. Drei Ausgaben die Woche im eher ungewöhnlichen DIN-A2-Format mit je vier Seiten erlaubte die Umsetzung des eigenen Anspruchs: „Alles berichten, schnell berichten“. Doch ab dem Jahr 2000 sank die Auflage bis auf heute gerade einmal 3.000 Exemplare mit zuletzt nur noch einer Ausgabe pro Woche, ein Gerichtsurteil wegen der gesetzwidrigen Miete von Räumlichkeiten in einem Korpus der Universität und die damit zusammenhängende Strafe sowie der notwendige Umzug bereiteten finanzielle Schwierigkeiten, Probleme, bei denen auch der Umstand nicht half, daß Altoberbürgermeister Igor Schamow immer als Schirmherr der Zeitung galt.

Das traurige Schicksal der „Molwa“ droht, wie Journalisten befürchten, bald auch anderen Lokalmedien in Wladimir. Schon heißt es, die „Komsolskaja Prawda“ werde Mitarbeiter entlassen, ein städtischer Fernsehkanal stehe vor der Schließung. Noch gibt es in der Partnerstadt aber eine im Vergleich zu Erlangen große Medienvielfalt. Aber wie lange noch? In diesem Jahr wird sich auch das entscheiden.

 

 

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