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Posts Tagged ‘Max Firgau’


Auch dieses Jahr hatte ich die Gelegenheit, das Osterfest in Erlangens Partnerstadt zu verbringen. Letztes Jahr fielen das katholisch-reformierte und das orthodoxe Fest der Auferstehung auf dasselbe Wochenende, diesmal liegen sie eine Woche auseinander, weshalb ich heuer bereits mein zweites Ostern feiern durfte.

Kulitsch

Die traditionelle Speise zum Auferstehungsfest ist der Kulitsch, ein kleiner Kuchen, in Konsistenz und Geschmack ähnlich einem Osterbrot.

Das Schauspielhaus wünscht Frohe Ostern

Auf Pascha, eine süße Quarkspeise mit Rosinen, die meine Oma in Deutschland jedes Jahr macht, mußte ich erneut verzichten – ich habe schlichtweg nicht gefunden, wo man sie kaufen kann.

Christ ist erstanden!

Vom Besuch des Osternachtsgottesdienstes sah ich auch dieses Jahr ab, obwohl ich das Spektakel irgendwann doch gerne einmal sehen möchte. Gerüchten zufolge dauert die Messe in der Nacht mehrere Stunden – und die orthodoxen Kirchen haben keine Sitzbänke.

Zum Ostergottesdienst in die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Dafür spielt dieses Jahr das Wetter mit, und bei bis zu 10 Grad und Sonnenschein lassen sich auch viele Russen nicht lumpen und unternehmen samt Familie einen Osterspaziergang.

Osterspaziergang in Wladimir

Zwar sorgen die warmen Temperaturen für die Schneeschmelze und damit für viel Matsch auf den Gehwegen, aber auch das sollte in wenigen Wochen vorüber sein und endgültig einen warmen Sommer einläuten!

Max Firgau

Blick von der Altstadt auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Mehr Bilder vom diesjährigen Auferstehungsfest mit dem Osterfeuer in Wladimir sind hier, auf dem Portal von Gubernia 33 – https://is.gd/PVaLwn und bei Zebra-TV zu sehen – https://is.gd/L2rUda

Erzbischof Jewlogij vor dem Goldenen Tor, gesehen von Zebra-TV

Die Medien berichten, an den 281 Gottesdiensten und Prozessionen in 160 Orten der Region Wladimir, hätten sich mehr als 75.000 Gläubige beteiligt. Damit nicht genug: Noch bis zum 15. April finden verschiedene Veranstaltung im Rahmen des Wladimirer Osterfestivals der orthodoxen Kultur statt.

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Ich verbrachte den Jahreswechsel in Wladimir und erlebte erstmals den russischen Winter. Die Stadt hatte ich während meines Auslandssemesters sehr gut kennengelernt, allerdings nicht zur Weihnachtszeit. Folgend einige Eindrücke, die ich zwischen dem 27. Dezember 2017 und dem 8. Januar 2018 – abseits der Universität – sammeln konnte:

  • Entgegen meiner Erwartung, von klirrender Kälte empfangen zu werden, verhielt sich das Wetter – beinahe schon erschreckend – zahm. Nebel, Regen und Wind machten dem Ruf des russischen Winters bei Temperaturen um den Gefrierpunkt keine Ehre.
  • Das Neujahrsfest entspricht etwa dem Weihnachtsfest in Deutschland. Man trifft sich mit Familie oder Freunden, speist gemeinsam und tauscht Geschenke aus. Ich verbrachte den Abend in der Wohnung einer Freundin, die über die Feiertage verreist war. Zwar bot das Apartment einen tollen Ausblick auf die „Skyline“ Wladimirs, was aber besonders in der Silvesternacht aufgrund des Nebels keinen Mehrwert bot und auch jegliche Feuerwerks-Aktivitäten höchstens erahnen ließ.

  • Wie zu erwarten, gehen an diesem Feiertag die Preise für alles mögliche in die Höhe. Wie bereits erwähnt, konnten ich – zur Freude unserer Geldbeutel – in besagter Wohnung unterkommen, denn die Preise für Mietwohnungen über den Neujahrsabend wäre um ein Vielfaches teurer gewesen. Auch sah ich davon ab, mich mit Freunden in der Stadt zu treffen, da alleine der Eintrittspreis für ein Teehaus 1.500 Rubel (entspricht ca. 25 €) betragen hätte.
  • Wie auch in Deutschland empfiehlt es sich, Einkäufe für das Weihnachtsessen nach Möglichkeit früh zu tätigen. Nachdem ich dieser Devise aus logistischen Gründen nicht hatten nachkommen können, verloren ich am 30. Dezember im völlig überfüllten Supermarkt „Globus“ einiges an Nerven.

  • Die Wladimirer haben sich auch dieses Jahr viel Mühe gegeben, die Stadt in einem weihnachtlichen Glanz erstrahlen zu lassen. Auf dem Kathedralenplatz steht ein gigantischer Neujahrsbaum, daneben gibt es einen kleinen Weihnachtsmarkt, auf dem lokale Produkte wie Kerzen, Honigkuchen, Spielzeug, Schmuck, Schaschlik oder Glühwein verkauft werden. Zudem finden sich beispielsweise auch in Bussen Papierornamente, die auf die Feierlichkeiten hinweisen.

  • Nachdem mich meine Gastgeber in die Tradition von „Dinner for One“ als Pflichtprogramm des Silvesterabends eingeweiht hatten, wurde mir das russische Äquivalent nicht vorenthalten. Der Film „Ironie des Schicksals“ ist ein sowjetischer Drei-Stunden-Kracher aus den Siebzigern. In dieser Verwechslungsgeschichte steigt ein betrunkener Moskauer fälschlicher Weise in ein Flugzeug nach Leningrad, geht aber weiterhin davon aus, er sei in seiner Heimatstadt, was ihm aufgrund der sowjetischen Vereinheitlichungspolitik nicht auffällt. Er fährt zu seiner vermeintlichen Heimatadresse, die unter dem gleichen Namen in Petersburg existiert, wobei das Wohnhaus und sogar seine Wohnung genau wie in Moskau aussehen. Nach einer sehr theatralischen Auflösung des Irrtums mit der eigentlichen Mieterin der Wohnung verliebt sich der Held zum Ende der Handlung in die Gastgeberin.

Um zusammenzufassen: So groß, wie ich erwartet hatte, sind die Unterschiede zwischen dem deutschen Weihnachtsfest und dem russischen Jahreswechsel gar nicht. Zwar sind die Abläufe in den Feierlichkeiten etwas anders, aber letztendlich geht es auch hier um das Zusammensein mit Freunden und Familie. Einzig und allein das Wetter hat nicht so richtig mitgespielt, aber das kenne ich ja zur Genüge aus Deutschland.

Max Firgau

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Ein Schneesturm fegte durch die Welt,
kein Ende kannte,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Wie sommers die Stechmückenschar
die Flammen locken,
umkreist der Fensterrahmen war
von weißen Flocken.

Das Schneegestöber deckte schnell
das Glas so samten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Und an der Decke ließ das Licht
die Schatten schweben,
die Schatten überkreuzten sich
wie auch die Leben.

Und zwei Schnürschuhe klappten leicht
auf die Holzdielen,
aufs Kleid Wachstropfen, tränengleich,
herunter fielen.

Im Schneedunst versank die Welt,
im silberblanken,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Die Kerze flackerte im Hauch,
Lust am Entflammen,
wie Engel schwang die Flügel auch
zum Kreuz zusammen.

Schnee wehte treibend durch die Welt,
die Tage rannten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Boris Pasternak

Bilder aus Wladimir: Max Firgau

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Schon Mitte Juni ging in der Redaktion des Blogs eine Zuschrift von Waltraut Firgau ein, die erst heute veröffentlicht wird, weil die dazugehörigen Bilder noch zu scannen und nachzureichen waren. Aber was bedeutet schon die Frist von einem Monat des Wartens angesichts der Spanne eines Vierteljahrhunderts, die zwischen damals und heute liegt…

Start mit einer Chartermaschine von Aeroflot auf dem Flughafen Nürnberg

Mein Enkel, Max Firgau, verbringt gerade ein Stipendiumssemester in Wladimir. Vielleicht haben Sie hier im Blog schon von und über ihn gelesen. Ich verfolge sein Leben dort mit großem Interesse, weil mein Mann und ich 1993 beim zehnjährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir dort einen Besuch gemacht haben.

Das Rasthaus „Skaska“ („Märchen“), vor fast einem Jahr abgebrannt, siehe: https://is.gd/JY4FfF

Die alten Bilder habe ich mir jetzt wieder angeschaut und mit denen von Max verglichen. Manches ist noch genau so geblieben, wie wir es damals kennengelernt haben.

Neubauvierte in Wladimir

Es war eine große Delegation¹, die damals zum Jubiläum fuhr. Wenn ich mich recht erinnere, wurde alles von Peter Steger² organisiert.

Die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow

Mit dabei waren natürlich Oberbürgermeister Dieter Hahlweg, mehrere Vereine, z.B. der Kosbacher Stadlchor und die Speeldeel Ihna und sehr viele Erlanger Bürger.

Die Kavalkade von Bussen bei einem Zwischenhalt an der Raststätte „Skaska“

Weil damals eine Partnerschaft zwischen einer deutschen und russischen Stadt noch etwas Besonderes war, wurden wir vom Flugplatz in Moskau mit vielen Bussen abgeholt und mit Polizeigeleit nach Wladimir gebracht.

Die Kirche der Altgläubigen, bisher noch Museum für Kristallglas, mit einem Motiv, das man heute dort nicht mehr zu sehen bekommt

Dort empfing man uns mit großer Herzlichkeit. Uns wurden viele Ausflüge und Führungen angeboten, in Wladimir selbst und in der Umgebung.

Auf dem Weg zu Mariä Schutz und Fürbitt

Das Erlangen-Haus war damals schon in der Planung, aber noch nicht eröffnet. Schön war unser Ausflug über die grüne Wiese zu der Kapelle Mariä Schutz und Fürbitt mit ihrer wundervoll gestalteten Fassade.

Bogoljubowo

Wir besuchten natürlich auch Gus Chrustalnyj und Susdal. Besondern hat mich dort das Glockenspiel fasziniert, das wir von außen gut beobachten konnten.

Fränkisches Fest

Der Jubiläumstag wurde bei schönem Wetter groß gefeiert mit Folkloreveranstaltungen und Chordarbietungen von beiden Seiten.

Kosbacher Stadlchor

Den Abschluß unserer Fahrt bildete ein kurzer Aufenthalt in Moskau auf dem Roten Platz, wo wir auch das Innere der Basilius-Kathedrale besichtigen konnten. Interessant dabei:

Folklore-Ensemble Rus

Damals standen das Historische Museum und das Tor daneben noch nicht. Sie wurden nach ihrer  Zerstörung erst 1996 wieder aufgebaut.

Dietmar Hahlweg auf dem Roten Platz im Gespräch

Es war eine beeindruckende Reise und ich freue mich darüber, wie mein Enkel das alles heute auch intensiv erleben kann.

Waltraut Firgau

Hier liegt heute die Fußgängerzone Wladimirs

Anmerkungen: 1) Es handelte sich tatsächlich um die bisher größte Bürgergruppe, die nach Wladimir reiste: 350 Personen. 2) An der Organisation waren natürlich noch viele beteiligt, vor allem, federführend, der Stadtverband Kultur und sein damaliger Vorsitzender, Karl Heinz Lindner, sowie natürlich die Gastgeber mit einem Arbeitsstab unter dem späteren Oberbürgermeister, Alexander Rybakow.

Das Motiv von damals heute

Sollte jemand noch ähnliche Schätze im Album bergen, freut sich die Redaktion immer über ähnliche Funde. Deutlich genug? Immer her damit!

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In Erlangens Partnerstadt am frühen Morgen angekommen, folgte eine etwas längere Wanderung zum Hostel. Wladimir bot bereits auf den ersten Blick einen deutlichen Kontrast zur Metropole Sankt Petersburg. Viele Häuser sind einfach und von der Sowjetarchitektur geprägt. An vielen Fassaden kann man auch noch Hammer und Sichel oder rote Sterne als Ornamente entdecken. Nach dem Einchecken, Frühstück und Erholungspause machte sich die Gruppe per Bus zur Universität auf. Auf dem Weg dorthin konnten wir weitere Eindrücke der Stadt gewinnen, so passierten wir beispielsweise eine weitere Lenin-Statue.

Willkommen in der Welt des Wissens

An der Universität angekommen, wurden wir in einen prachtvollen Konferenzraum geführt, wo eine Delegation russischer Studenten auf uns wartete. Da Wladimir die Partnerstadt von Erlangen ist und auch die Universitäten eine Kooperation pflegen, hatten wir die Möglichkeit, uns auszutauschen und einander anzunähern. So gewannen wir viele Erkenntnisse über den Alltag der russischen Kommilitonen, beispielsweise liegt die zu erwartende Bezahlung für angehende Akademiker hier weit niedriger als in Deutschland. Andererseits war zu erkennen, wie eng an russischen Hochschulen das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden zu sein scheint. Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten entfaltete sich eine lebhafte Diskussion über die Revolution, Geschichtspolitik und Geschichtsunterricht in beiden Ländern. Nach der Diskussionsrunde bot eine längere Mittagspause die Möglichkeit, sich mit den Gastgebern in kleinerem Kreis zu unterhalten. So wurden uns einige Hörsäle gezeigt, und wir probierten die Mensa aus. Außerdem machten wir nähere Bekanntschaft mit dem Erlanger Austauschstudenten Max Firgau, der ebenfalls bei der Diskussion anwesend war und uns für den Rest unserer Exkursion begleitete. Moritz Florin und Julia Obertreis hatten zudem die Gelegenheit, sich mit ihren russischen Kollegen über weitere Pläne zur Zusammenarbeit auszutauschen.

Demetrius-Kathedrale

Nach der Mittagspause folgte eine Stadtbesichtigung, bei der uns die kenntnisreiche Stadtführerin Jelena Ljubar die Sehenswürdigkeiten von Wladimir präsentierte. Zunächst besichtigten wir die Demetrius-Kathedrale, einen von außen reich mit Reliefs geschmückten Kreuzkuppelzentralbau aus dem 12. Jahrhundert. Der Innenraum ist sehr schlicht, allein einige wenige Fresken aus der Erbauungszeit und ein Dachkreuz, das nun am Altar steht, schmücken das Innere der Kirche. Dann gingen wir zur nahe gelegenen Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert und der Zeit des Großfürstentums Wladimir – Susdal stammt. Im Inneren befinden sich eindrucksvolle Fresken von Andrej Rubljow aus dem 15. Jahrhundert, die unter anderem eine Darstellung des Jüngsten Gerichts zeigen. Der letzte Programmpunkt war dann die Besichtigung der Anlage des Goldenen Tors, das aus derselben Zeit wie die anderen Sehenswürdigkeiten stammt und eine Ausstellung beherbergt. Am Abend traf sich die Gruppe wieder mit einigen der russischen Studenten vom Vormittag, um gemeinsam essen zu gehen. Dabei legten sich vor allem die männlichen Exkursionsteilnehmer mächtig ins Zeug, um bei den russischen Studentinnen einen guten Eindruck zu machen, natürlich nur aus Gründen der Völkerverständigung…

Den letzten Tag unserer Exkursion verbrachten wir im kleinen, ländlichen aber historisch wichtigen Ort Susdal. Neben Max begleitete uns hier auch eine russische Studentin und wieder unsere Städteführerin Jelena Ljubar. Die Reise von Wladimir nach Susdal gestaltete sich als ein kleines Abenteuer an sich, denn der Bus war brechend voll, und eine chinesische Touristengruppe schien, sich uns anschließen zu wollen. In Susdal angekommen, besichtigten wir zunächst das Erlöser-Euphemius-Kloster. In der dortigen Erlöser-Verklärungs-Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert durften wir einem fünfköpfigen Männerchor bei der Interpretation eines Abendgebets in Altrussisch zuhören. Der sphärische Klang des Gesangs vor der Kulisse der bunten Fresken im reich ausgemalten Innenraum war ein einmaliges Erlebnis. Eine weitere Sehenswürdigkeit stellte der Glockenturm der Anlage dar. Um 12 Uhr hörten wir dem dort per Hand intonierten Glockenspiel zu, das überraschend dynamisch und rhythmisch klingt. Außerdem legten wir einen kurzen Halt am Mausoleum des Fürsten Dmitrij Poscharskij ein. Vom Kloster aus liefen wir dann zum Susdaler Kreml. Dort besichtigten wir die innerhalb der Kremlmauern befindliche Mariä-Geburts-Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Ihre blauen Zwiebeldächer muten durch ihre Verzierung an wie ein Sternenhimmel.

Mariä-Geburts-Kathedrale

Im Inneren der Kirche kann man ein goldenes Tor bestaunen, das in der Art auch einmal in Wladimir vorhanden war, bevor es geraubt wurde. Eine weitere Besonderheit im Inneren ist die archetypische Ikonenwand, die durch ihr üppiges Gold beeindruckt. Vom Kreml aus spazierten wir durch den Ort über weite Wiesen und über einen Markt, der allerhand Souvenirs und russische Spezialitäten bot. Die letzte Station in Susdal war das Freilichtmuseum für Holzarchitektur, das Bauernhäuser und Holzkirchen aus dem 18. und 19. Jahrhundert ausstellt. In der Holzkirche konnten wir im Vergleich zu den bisher besichtigten Kircheninnenräumen eine sehr einfach gehaltene Ikonenwand sehen. Schnitzereien setzten die Ikonen stimmungsvoll in Szene und handgewebte Läufer sorgten für ein familiäres Gefühl. Verschieden große Bauernhäuser auf dem Gelände veranschaulichten die Lebensweise der Bauern unterschiedlicher sozialer Schichten. Im Inneren konnte man sehen, wie die Menschen früher lebten: mit dem Ofen als wichtigstem Einrichtungsgegenstand, den Bänken entlang der Wand und dem großen Tisch in der Stube, über dem in der rechten Ecke des Raums die Ikonenecke schwebte.

Gruppe in Susdal

Nach diesem ereignisreichen Vormittag in Susdal kehrten wir am Nachmittag zurück nach Wladimir. Dort besuchten wir noch das Erlangen-Haus als zentralen Ort der Städtepartnerschaft. Dann ging es zum Abendessen in ein aserbaidschanisches Restaurant. Ein Teil der Gruppe besuchte zuvor jedoch noch einen orthodoxen Gottesdienst in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Auch dies war ein faszinierendes Erlebnis, da die Art und Weise, wie der Gottesdienst in der orthodoxen Kirche abgehalten wird, so stark von den katholischen und evangelischen Riten abweicht. Die Gläubigen stehen und können umhergehen. In der Mitte des Raums vor dem Altar stehen die Priester mit der heiligen Schrift und halten im Sprechgesang den Gottesdienst ab, während die Gläubigen sich wiederholt bekreuzigen und verbeugen. Da die Orthodoxie so allgegenwärtig ist und Religiosität in ganz Osteuropa immer noch einen hohen Stellenwert besitzt, war es interessant, während dieser Exkursion auch einen Einblick in die spirituellen Traditionen und Praktiken des Landes zu erhalten. Insgesamt kann man sagen: Die Städte Wladimir und Susdal bilden einen enormen Kontrast zur Millionenmetropole Sankt Petersburg mit ihrer westlichen und imposanten Architektur. Wir erhielten so einen vielseitigen Blick auf das Land mit all seinen Facetten.

Gruppe in Wladimir

Nach einer spannenden Woche machten wir uns am 28. Mai wieder auf den Weg zurück nach Deutschland, was sich ein wenig anstrengender gestaltete als die Hinreise. Zunächst hatten wir drei Stunden in einem eiskalten Zug bis nach Moskau auszuharren, der von Kleinwarenverkäufern und einer in Tarnanzügen gekleideten Gesangsgruppe frequentiert wurde. In Moskau konnten wir dann auf dem Weg vom Bahnhof zum Flughafen einen flüchtigen Blick auf die reich verzierten U-Bahn-Stationen erhaschen. Letztlich kamen wir jedoch alle pünktlich und wohlbehalten wieder in Nürnberg bzw. Erlangen an. Die Exkursion hat uns viele neue und lehrreiche Einblicke in die russische Geschichte und Gegenwart eröffnet, an die wir während unseres weiteren Studiums sicher noch oftmals denken werden.

Jessica Wengel

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Passend zum Pfingstwunder, heute ein weiterer Gastbeitrag von Max Firgau:

Mit dem Vorhaben, innerhalb der Städtepartnerschaft die Kooperation auf Universitätsebene zu stärken, reiste eine 19-köpfige Gruppe Geschichtsstudenten der FAU nach Wladimir. Meine Rolle als Austauschstudent vor Ort war es, für Kontakt zu den lokalen, russischen Studenten zu sorgen. Deshalb animierte ich meine Kommilitonen, die ebenfalls Englisch und Deutsch studieren, sich mit der deutschen Delegation zu treffen.

Gemischte Studentengruppe mit Fremdenführerin Jelena Ljubar ganz rechts im Bild

Anfängliche Skepsis und Schüchternheit wichen rasch offenen und spaßigen Unterhaltungen. So verbrachten die Deutschen und die Russen zwei aufeinanderfolgende Abende in Wladimirer Kneipen miteinander, auch bei der Fahrt nach Susdal schloss sich eine russische Studentin der deutschen Reisegruppe an.

Kneipentour

Letztendlich genossen beide Seiten die Chance zum interkulturellen Austausch, und nach den vielen gemeinsam verbrachten Stunden waren viele neue Freundschaften geknüpft worden, wodurch der Abschied auch nicht ganz leicht fiel. So kann Völkerverständigung gerne funktionieren!

Genaueres ist auf meinem Blog zu lesen, den ich laufend zu meinem Auslandssemester in Wladimir schreibe: http://5monatemitwladimir.blogspot.ru/2017/05/kapitel-15-mal-wieder-besuch-aus.html

Max Firgau

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Als ich im Laufe meines Auslandssemesters in Wladimir eine Woche Heimaturlaub in Erlangen einlegte, besuchte ich unter anderem meine Oma, die im Rahmen einer Entrümpelungsaktion einige Kästen mit alten Dias hervorgekramt hatte. Darunter befanden sich auch Bilder, aufgenommen von meinem inzwischen verstorbenen Großvater im Jahr 1993 auf einer Reise nach Wladimir anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft. Bei vielen der Aufnahmen konnte ich verorten, wo sich die jeweiligen Motive in Wladimir befanden, eines kam mir allerdings besonders vertraut vor: Es handelte sich um eine Aufnahme, die von einem Fenster auf der Ostseite des Goldenen Tores geschossen wurde. Nicht einmal zwei Wochen zuvor, nämlich am Ostersonntag, hatte auch ich das dortige Museum besucht und ebenfalls die Bolschaja Moskowskaja aufgenommen – ohne davon zu wissen, dass mein Opa 24 Jahre zuvor schon dieselbe Idee gehabt hatte.

Blick auf Wladimir vom Goldenen Tor aus, 1993

Beim Vergleich der beiden Bilder fällt auf, dass das Stadtbild sich kaum gewandelt hat, es wurde lediglich um einige Gebäude und Renovierungen ergänzt. Wenn auf dem neueren Bild keine Autos fahren, liegt das jedoch nicht etwa an einer Umorganisation der Infrastruktur, sondern schlichtweg an dem Fakt, dass am Ostersonntag die Innenstadt wegen einer Prozession für Fahrzeuge gesperrt ist.

Blick auf Wladimir vom Goldenen Tor aus, 2017

Trotzdem lustig, wie der Zufall der Fotografien am selben Ort zu verschiedener Zeit zustande gekommen ist!

Max Firgau

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