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Gestern abend fand die Eröffnungsveranstaltung der XV. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz im Aachener Krönungssaal mit einer Festrede von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet statt.

Armin Laschet

Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Michail Schwydkoj, Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Außenministerium der Russischen Föderation, Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D., Vorsitzender des Vorstands, Deutsch-Russisches Forum e.V., Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren und Sergej Netschajew, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation, hielten Grußworte.

Krönungssaal zu Aachen in voller Besetzung

Unter dem Motto „Wege der Verständigung: Partnerschaften als Mittler des Deutsch-Russischen Dialogs“ werden sich heute und morgen mehr als 700 Vertreter von Städten und Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Politik und Wirtschaft aus beiden Ländern in sieben Arbeitsgruppen miteinander austauschen.

Elisabeth Preuß und Matthias Platzeck

„Die Konferenz steht in der langen Tradition einer vertrauensvollen städteverbindenden Zusammenarbeit mit Rußland. Sie setzt ein klares Signal für die versöhnende Kraft des Bürgerdialogs in Europas Städten und Gemeinden“, betonte Matthias Platzeck.

Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums

Die deutsch-russische Städtepartnerkonferenz wird alle zwei Jahre wechselnd in Deutschland und in Russland ausgetragen und vom Deutsch-Russischen Forum e.V., dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften e.V. und der Stiftung West-Östliche Begegnungen in Zusammenarbeit mit der Internationalen Assoziation der Partnerstädte in Moskau durchgeführt.

Im Westen nichts Neues? Durchaus! Hier, im Länderdreieck Deutschland, Belgien und Niederlande, wo Karl der Große sein Reich einte, hier, ganz im Westen der Bundesrepublik, bekannte sich mit Armin Laschet ein westdeutscher Ministerpräsident mit ganzem Herzen zum deutsch-russischen Dialog und erinnerte an den Handelsweg, der schon im Mittelalter von Brügge via Aachen bis nach Nowgorod führte, heute noch immer nachzufahren auf der B1, die sogar das Brandenburger Tor passiert. Hier, wo Winston Churchill schon 1955, ausgezeichnet mit dem Karlspreis, betonte, Europa sei ohne die Sowjetunion und die Russen nicht zu denken und gestalten.

Michelle Müntefering

Da hat es dann schon besonderes Gewicht, wenn Staatsministerin Michelle Müntefering öffentlich überlegt, ob es nicht sinnvoll sei, in ihrem Außenministerium eine Stelle zur Koordination der deutsch-russischen Städtepartnerschaften einzurichten. Denn, bei all dem, was die beiden Staaten derzeit politisch trennt – und die Rednerin wurde da durchaus deutlich -, komme es doch vor allem darauf an, das Verbindende zu stärken.

Chor aus Mytischi

Das kann natürlich nur die Unterstützung der vielen Aktiven in den mittlerweile knapp über einhundert deutsch-russischen Kommunalpartnerschaften – zwei neue Vereinbarungen wurden an dem Abend unterzeichnet – finden und macht Hoffnung auf mehr politische Aufmerksamkeit und Begleitung dieser zivilgesellschaftlichen Verbindungen.

Jewgenij Sacharjewitsch, Elisabeth Preuß, Jekaterina Ragusina und Jewgenia Bykowskaja von der Jugendorganisation Euroklub Wladimir

Und es ist auch ein Versprechen an die Jugend, die in einem eigenen Forum eine ganze Woche lang gemeinsame Projekte erarbeitete und sich unter anderem auch über gemeinsame Aktionen zum Thema Klima- und Umweltschutz einigten, am bisher heißesten Tag des Jahres in Deutschland und vor dem Hintergrund von Fridays for Future fast schon zwingend. Der Euroklub aus Wladimir hatte eigens eine dreiköpfige Delegation nach Aachen und Düren entsandt, die gemeinsam mit einem jungen Mann aus Jena – darauf wird noch zurückzukommen sein – ein eigenes Medienprojekt initiierte.

Kurt Förster, Elisabeth Preuß, Sergej Sacharow und Erwin Bauer

Und es ist ein Auftrag an die Kommunalpolitik, der ja gottlob nicht nur in Erlangen, Rothenburg o.d.T., Susdal und Wladimir ernst genommen wird. Und so folgten denn neben Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Bürgermeister Kurt Fuchs und Erwin Bauer vom Partnerschaftsverein in Rothenburg auch Referentin Alina Wedechina, seit sechs Jahren im Rathaus Wladimir für die Städtepartnerschaft zuständig, und Stadtdirektor Sergej Sacharow aus Susdal, vormals Oberbürgermeister von Wladimir, der Einladung nach Nordrhein-Westfalen.

Alina Wedechina, Jonas Eberlein und Elisabeth Preuß

Schön, wenn man dann auch die Früchte der Partnerschaftsarbeit ernten kann. Jonas Eberlein, 2005 im Rahmen eines musikalischen Austausches des Ohm-Gymnasiums erstmals in Wladimir und später von Moskau aus immer wieder ideenreicher Gast in der Partnerstadt – auch als Teilnehmer am ersten Halbmarathon im Jahr 2017, ist jetzt als Dolmetscher für die Jugenddelegation des Kongresses tätig. Und Sergej Siwajew, in den 90er Jahren stellvertretender Bürgermeister von Wladimir und jetzt Professor für Urbanistik in Moskau, nimmt als Fachmann für kommunale Energiesparmaßnahmen mit einem eigenen Beitrag an der Tagung teil.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Viele bekannte Gesichter also bei der Konferenz, aber auch nicht weniger viel Neues im Westen Deutschlands, im Herzen Europas, wo auch Rußland nun endlich angekommen ist, wo es hingehört seit alter Zeit und heute erst recht.

Mehr Bilder zum gestrigen Abend unter: https://is.gd/Dlyc6c

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Bei der Tagung zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ am Freitag im Außenministerium zu Berlin gingen nicht nur, wie berichtet, Auszeichnungen an 30 Projekte der unterschiedlichsten Projekte der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern, sondern es erschien auch eine Broschüre mit dem Titel „Städte, Regionen und Initiativen“ mit weiteren deutschen Bewerbungen anläßlich der Ausschreibung für herausragende Partnerschaftsarbeit. Wie dem Vorwort von Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums, zu entnehmen, „entfaltet dieser Band vor den Lesern einen eindrucksvollen Teppich deutsch-russischer Partnerschaft, geknüpft mit den vielfältigen Qualitäten gesellschaftlicher Diplomatie unserer Länder. Er beinhaltet eine sehr konkrete Erfolgsgeschichte, die viel zu selten durch positive Meldungen, Artikel oder Filmberichte in den Medien gewürdigt wird.“ Wer, vor allem von den Ehrenamtlichen, wollte dem widersprechen!

Broschüre drf

Und so findet man in dieser, mit Zuschüssen des Auswärtigen Amtes geförderten Publikation bebilderte Kurzdarstellungen von Anträgen, die es kaum minder als die 30 ausgewählten verdient hätten, ausgezeichnet zu werden. Darunter auch der Jugendaustausch zwischen Erlangen und Wladimir unter Beteiligung des orthodoxen Erzbistums und der Universität, die Geschichte der deutsch-russischen Raumfahrt aus Sicht des Paares Höchstadt-Krasnogorsk, die deutsch-russische Gruppe der Eurowerkstatt Jena oder die alljährige Hilfsaktion des Partnerschaftsvereins in Rothenburg o.d.T. für Susdal. Ein wahres Kompendium von zivilgesellschaftlichen Kooperationen auch jenseits der offiziellen 105 Städtepartnerschaften, Brücken der Verständigung, von denen es gar nicht genug gibt – und deren es doch durchaus mehr gibt als man gemeinhin zu wissen glaubt. Ebenso ermutigend wie notwendig in Zeiten wie diesen.

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Wie aktiv Jugendliche aus Wladimir weit über den engeren Rahmen der Städtepartnerschaft hinaus wirken, zeigt das Beispiel von Nikolaj Sakuterin und Sergej Trojnitsch, die über den Austausch mit Erlangen zum Deutsch-Russischen Jugendparlament bzw. zu dessen Alumniverein fanden. Grund genug, heute im Blog einmal die Pressemitteilung der Nachwuchsorganisation der deutsch-russischen Zusammenarbeit zu veröffentlichen, auch wenn deren Anlaß, die 13. Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz, schon einige Wochen zurückliegt und im Blog bereits ausführlich dargestellt wurde.

Zwanzig russische und deutsche Jugendliche trafen sich Ende Juni in Karlsruhe zu einem Jugendforum über Städtepartnerschaften und besuchten die 13. Deutsch-Russische Städtepartnerschaftskonferenz. Vorgeschaltet war der Veranstaltung vom 26. bis 30. Juni das erste Deutsch-Russische Jugendforum „Städtepartnerschaften: Neue Perspektiven für die sozial-ökonomische Stadtentwicklung im Bereich Tourismus und Wirtschaft“, organisiert vom Alumniverein des Deutsch-Russischen Jugendparlamentes, kurz DRJUG e.V.

Die Gruppe vor der Stadthalle Karlsruhe; Nikolaj Sakuterin und Sergej Trojnitsch ganz rechts im Bild

Die Gruppe vor der Stadthalle Karlsruhe; Nikolaj Sakuterin und Sergej Trojnitsch ganz rechts, dritte, bzw. zweite Reihe

Das Jugendforum „Städtepartnerschaften“ diente als Plattform für Diskussionen zu Geschichte, moderner Entwicklung der Städtepartnerschaften, zur Rolle der Jugendlichen in der Stadtentwicklung sowie zu kulturellem und wirtschaftlichem Wissens- und Erfahrungsaustausch. Während dieser fünf Tage entwickelten die jungen Leute im Alter von 18 bis 27 Jahren Ideen zur Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern im Bereich der Städtepartnerschaft – in fünf verschiedenen Arbeitsgruppen: Geschichte, Tourismus, Urbanistik, Jugendaustausch und städtische Bürgerinitiativen. Als Referenten des Forums traten nicht nur geladene Experten (Martin Hoffmann, geschäftsführendes Mitglied im Vorstand des Deutsch-Russischen Forums e.V.; Herbert Huber und Christian Friedrich, Vorstand der Freundschaftsgesellschaft; Klaus Hoffmann, Geschäftsführer KTG Karlsruhe Tourismus GmbH; Mohammad Al Kaddah, AStA Ausländerreferent), sondern auch die Teilnehmer selbst in Erscheinung und weckten mit ihren Präsentationen ein reges Interesse beim Publikum.

Die Gruppe vor dem Karlsruher Schloß

Die Gruppe vor dem Karlsruher Schloß

Dank dem Deutsch-Russischen Forum e.V. hatten unser Forum eine hervorragende Möglichkeit, bei der 13. Deutsch-Russischen Städtepartnerschaftskonferenz dabei zu sein. Die Jugendlichen nahmen an  der Podiumsdiskussion „Die deutsch-russischen Beziehungen: Neue Impulse und Wege aus der Krise“, Workshops („Berufliche Bildung im Rahmen von Städtepartnerschaften“, „Kommunale Selbstverwaltung: Kommunalunternehmen, Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung an Entscheidungsprozessen“, „Jugend und Sprache“ u.a.) sowie dem feierlichen Abschluß der Konferenz teil. Die Tagung gewährte den Teilnehmern einen Einblick in die wichtigsten Aspekte der deutsch-russischen Beziehungen und bot Gelegenheit, mit führenden Experten aus Politik und Kultur beider Länder ins Gespräch zu kommen. Dank seiner aktuellen Themensetzung und einem gelungenen Format fand das Jugendforum nicht nur bei den Konferenzteilnehmern, sondern auch den Experten aus den Bereichen Städtepartnerschaften und deutsch-russischer Austausch eine positive Resonanz. Als Ergebnis der gemeinsamen Arbeit wurde die Fortsetzung des Forums „Städtepartnerschaft“ geplant.

Jugendforum 8Jugendforum 7Jugendforum 6Jugendforum 5Jugendforum 4

Der DRJUG e.V. möchte seinen Partnerorganisationen – dem Deutsch-Russischen Forum e.V., dem Koch- Metschnikow-Forum, der Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Robert Bosch Stiftung und vielen anderen – für die Unterstützung und Kooperation ganz herzlich danken!

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„Wir machen keine große Politik, aber was wir machen, macht uns groß.“ Mit diesen Worten leitete Martin Hoffmann, Geschäftsführer des Deutsch-Russischen Forums, die von ihm selbst moderierte Diskussion zum Ausklang der 13. Städtepartnerkonferenz in Karlsruhe. Und recht hat er damit, denn die deutsch-russische Zivilgesellschaft hat sich mittlerweile als feste Macht im Zusammenwirken der beiden Länder etabliert, als eine Kraft, die mehr denn je gebraucht wird und von der großen Politik gehört werden sollte.

Martin Hoffmann

Martin Hoffmann

Denn, so das Fazit und Manifest der Veranstaltung mit ihren gut 800 deutschen und russischen Teilnehmern, die Zusammenarbeit geht in allen Bereichen weiter und muß gerade jetzt intensiviert werden. Ob bei der beruflichen Bildung, in der kommunal-wirtschaftlichen Kooperation, in der Ökonomie, in der Jugendarbeit oder Kultur. Damit dies nicht nur als Appell an die bei der Konferenz vertretenen Städte verstanden werde, soll nun als Antwortschreiben auf die Grußbotschaften aus Berlin und Moskau ein Brief an Wladimir Putin und Angela Merkel gehen. Mit der Forderung nach mehr Finanzhilfen für den Austausch, nach der Einrichtung eines Fonds für Begegnungen bis hin zur Schaffung eines gemeinsamen Friedensministeriums. Ja, der Friede steht wieder ganz im Mittelpunkt, die Sorge vor einem Krieg treibt nicht nur Bürgermeister Gerald Brehm um, der seit zwölf Jahren die Partnerschaft zwischen seinem Höchstadt an der Aisch und Krasnogorsk bei Moskau fördert und an die Friedenserklärung der Jugendparlamente der Städte Nürnberg, Erlangen und Höchstadt erinnert. Es ist wie in einem Déjà-vu der 70er und 80er Jahre, als es in der Annäherung zwischen der BRD und der UdSSR eine große Klammer gab: die Sorge um den Frieden.

Karlsruhe

Karlsruhe

Und – in all der vielen Zeit seither noch immer nicht gelöst – die Sorge wegen der Visabestimmungen, die seitens der Europäischen Union ab dem 14. September insofern verschärft werden, als alle Antragssteller aus Drittländern persönlich ihre zehn Fingerabdrücke abzugeben haben. Anstatt das Europäische Haus barrierefrei zu machen, wirft man damit die Tür in ein neues Sicherheitsschloß. Könnte man nicht, wenn die biometrische Erfassung jedes Nicht-EU-Bürgers denn tatsächlich als notwendig erachtet wird, diese Prozedur bei der Einreise exekutieren?! Abgesehen von den zusätzlichen Kosten, überlege man einmal höherenorts, wo derlei Entscheidungen getroffen werden, was die Neuerung für eine Schulklasse aus Archangelsk oder auch nur Wladimir bedeutet, die gesammelt den weiten Weg nach Moskau machen muß, um den Sichtvermerk zu beantragen. Und was, wenn, wie in der Diplomatie üblich, die russische Seite nachzieht? Müssen dann alle Mitglieder des Partnerschaftsvereins Rothenburg – Susdal, die ihre Spenden vor Ort übergeben wollen, einen Tag Urlaub nehmen und 30 Mann hoch nach München ins Generalkonsulat oder zur Visa-Agentur fahren? Nicht auszudenken!

Karlsruhe

Karlsruhe

Martin Kummer, Altoberbürgermeister von Suhl und Altmeister in der Partnerschaftsarbeit mit Kaluga, wendet sich denn auch beschwörend an die Russen im Saal: „Beantworten Sie Sanktionen und der derlei Maßnahmen nicht mit Gegendruck! Seien Sie größer!“ Ob der Kreml neutestamentarisch tatsächlich die andere Wange hinhält? Es wäre wirklich ein großes Zeichen. Vielleicht zu groß?

So groß die Sorgen sind, so groß sind aber auch die Hoffnungen der Brückenbauer aus beiden Ländern. Matthias Platzeck formuliert es denn auch so in seinem Abschiedsgruß: „Wir scheiden mit Sorge und Hoffnung.“ In der Sorge um den Frieden, in der Sorge um den ungehinderten Austausch über die Ländergrenzen hinweg, aber auch mit der Hoffnung auf eine grenzüberschreitende Freundschaft, die sich in Karlsruhe – übrigens großartig als Gastgeberstadt und überhaupt – bewähren konnte. Wenn, wie jemand in diesen Tagen der Verständigung meinte, die Städtepartnerschaften ein Mosaikstein in der deutsch-russischen Kooperation sind, wertet Matthias Platzeck das Bild auf: „Nein, ein Diamant der deutsch-russischen Beziehungen sind diese kommunalen Kontakte!“

Matthias Platzeck und Andrej Kossolapow, Oberbürgermeister von Wolgograd

Matthias Platzeck und Andrej Kossolapow, Oberbürgermeister von Wolgograd

Bisher, man muß es leider auch sagen, leider nur ein kleines Diadem, wenn man sich nüchtern die Zahlen ansieht: Den gegen 3.000 tendierenden deutsch-französischen Partnerschaften auf der Ebene von Kommunen und Kreisen, stehen laut Statistik des Deutsch-Russischen Forums gerade einmal 97 deutsch-russische Paare gegenüber. Darunter einige russische Städte, die in Deutschland gleich zwei Gegenüber haben wie Wolgograd mit Köln und Berlin-Spandau oder Wladimir mit Erlangen und Jena. Und, man muß es leider sagen, die Zahlen stagnieren seit Jahren. Das Gros der Verbindungen entstand in den 90er Jahren. In diesem Jahrzehnt ist gerade einmal eine Handvoll neu hinzugekommen. Gut so, aber doch viel zu wenig angesichts des Bedarfs nach Dialog, den beispielsweise Ufa dadurch zum Ausdruck bringt, daß die Stadt im Ural schon im nächsten Jahr gern eine ähnliche Veranstaltung organisieren würde, um nicht zuviel Zeit sprachlos verstreichen zu lassen, bis im gewohnten Biennale-Rhythmus 2017 die nächste Städtepartnerkonferenz in Krasnodar stattfindet. Hoffentlich in Zeiten des Friedens und mit erleichtertem Visaverfahren.

Eine dankbare Nachbemerkung: Das Deutsch-Russische Forum hat sich in Zeiten nicht mehr für möglich gehaltener Spannungen auf politischer Ebene als geschickter Makler und Moderator der Verständigung erwiesen. Im Dialog der Zivilgesellschaften beider Länder brauchen wir diese Plattform wieder mehr denn je. Respekt und Anerkennung all jenen, die zusammenführen, was zusammengehört.

Jena in Karlsruhe

Jena in Karlsruhe

P.S.: Eine Anekdote sei noch angemerkt. Martin Hoffmann zu Jenas Altoberbürgermeister, Peter Röhlinger, und Erlangens Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger: Unlängst habe es hektische Betriebsamkeit wegen Wladimir gegeben. Zwei Vertreter des Petersburger Dialogs – nomina sunt odiosa – waren offenbar der Meinung, die alte Hauptstadt der Rus müsse noch mit einer passenden Stadt in Deutschland verpartnert werden und wollten sich schon auf die Suche nach geeigneten Kandidatinnen machen. Bis Martin Hoffmann die beiden aufklärte: „Wladimir und Erlangen sind doch schon längst unsere aktivstes Paar. Um Wladimir braucht ihr euch keine Sorgen machen!“

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Unter diesem Titel ging gestern in Stuttgart der offizielle Teil einer vom Deutsch-Russischen Forum veranstalteten Informationsreise zu Ende, die eine gut zwanzigköpfige Gruppe von Vertretern aus Politik und Verwaltung verschiedener russischer Kommunen eine verlängerte Woche lang durch halb Deutschland geführt hatte. Leider – dieses Mal – nicht nach Erlangen, dafür – wieder einmal – mit Erlangen und Wladimir auf dem Podium, moderiert von Markus Priesterath, Referent im Bundesinnenministerium, der diese Städtepartnerschaft seit einem Seminar für Rußlanddeutsche im Bildungszentrum Mamontowka bei Moskau im Jahr 2000 kennt.

Markus Priesterath

Emden – Archangelsk, Chemnitz – Wolgograd, Stuttgart – Samara, Duisburg – Perm und Erlangen – Wladimir, fünf Paare von knapp über 90 registrierten offiziellen deutsch-russischen Städtepartnerschaften hatten in Kurzvorträgen Gelegenheit, Schwerpunkte ihrer eigenen Arbeit darzustellen und den Gästen Anregungen zu geben für ihre internationalen Kooperationen. In Sachen Erlangen und Wladimir sprachen der 42jährige Kirill Kowaljow, für die Partei Einiges Rußland schon die zweite Legislaturperiode im Stadtrat tätig und dort zuständig für Kultur, Sport und Jugend, sowie Peter Steger, Städtepartnerschaftsbeauftragter und seit einem Vierteljahrhundert zunächst ehrenamtlich und ab 1989 hauptberuflich im Erlanger Rathaus für die Kontakte zu Wladimir verantwortlich.

Peter Steger und Kirill Kowaljow

Den treuen Lesern des Blogs und erst recht den vielen Akteuren der Partnerschaft – Kirill Kowaljow spricht angesichts der innigen Verbindung lieber von einer Verschwisterung der Städte, in die er ausdrücklich auch Jena einbezieht -, all den Mitgliedern des Freundeskreises, der beiden Fördervereine und der zwei Stiftungen, ganz zu schweigen von den Initiatoren und Unterstützern der unterschiedlichsten Projekte oder von den Begründern weltweit wirkender Organisationen in Wladimir wie Amnesty International, Soroptimist oder International Police Association, ihnen allen braucht hier nicht erklärt werden, wie vielfältig sich die Zusammenarbeit in den nun fast 30 Jahren des Miteinanders entwickelt. Deshalb an dieser Stelle nur so viel: Das Augenmerk der Kurzbeiträge lag denn auch auf der Bürgerbeteiligung, auf der Initiative von unten, auf dem zivilgesellschaftlichen Aspekt, der ja in der russischen Gesellschaft – nicht erst seit den Massenprotesten gegen die Wahlfälschungen – eine wachsende Rolle spielt. Und das längst nicht nur im politischen Raum. Man denke in Wladimir nur an die Initiative „Swet“ für Eltern mit schwerbehinderten Kindern oder an den „Blauen Himmel“, unser gemeinsames Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, entstanden auf Anregung von Eltern mit Kinder in psychiatrischer Behandlung.

Das Orga-Team vom DRF: Martin Hoffmann, Anna Kaiser und Marcel Blessing-Schumilin mit Peter Steger

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie unverzichtbar die Rolle des Deutsch-Russischen Forums für den Austausch zwischen beiden Ländern und Gesellschaften ist, allein schon mit diesem Fortbildungsprogramm für russische Kommunalvertreter wäre er überzeugend erbracht. Nur eines sei – zum wiederholten Male – beklagt: Kaum mehr als 90 deutsch-russische Städtepartnerschaften stehen gut und gerne 2.500 deutsch-französischen Jumelages gegenüber. Da freut es zwar, wenn Martin Hoffmann, Geschäftsführer des DRF, die Partnerschaft Erlangen – Wladimir, die von Beginn an den Anspruch einer „Bürgerpartnerschaft“ erhoben und die Aussöhnung der einstigen Feinde zum Ziel hatte, am 71. Jahrestag des Unternehmens Barbarossa mit einem „Leuchtturm“ vergleicht und sich zuversichtlich zeigt, bis zu den Olympischen Winterspielen werde es endlich den visumfreien Reiseverkehr geben. Aber es ist auch unübersehbar, was alles an Arbeit noch zu tun bleibt, auf allen Ebenen hier wie dort: der staatlichen, der kommunalen und der zivilgesellschaftlichen. Da ist es gut zu hören, wie Veranstalter und Gäste der Fortbildungsveranstaltung noch vor deren Ende schon laut über eine Fortsetzung nachdenken. Vielleicht mit einem Abstecher nach Erlangen 2013, wenn es gilt, 30 Jahre Städtepartnerschaft zu feiern. Die Einladung ist jedenfalls ausgesprochen. Herzlich willkommen und добро пожаловать!

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Walter Hartl, OB von Rothenburg

Rothenburg ist eine gute Gastgeberin für die XI. Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz, da sind sich alle einig, Russen wie Deutsche. Eine Gastgeberin, die nicht nur ihre natürlich nur noch mit Susdal vergleichbaren touristischen Pfunde in die Waagschale wirft, sondern auch eine Stadt, die bereits seit 1988 mit einer eigenen Stimme im Kreis der mittlerweile fast einhundert Partnerschaftspaare spricht. Die Zahl dieser Verbindungen geht übrigens auseinander: Manche Redner sprechen von mehr als einhundert, andere von fast hundert, das Deutsch-Russische Forum, das wohl die genaueste Statistik führt, gibt 91 an, das Magazin Ost-West Contact führt in seiner aktuellen Ausgabe nicht mehr als 88 Kombinationen. Fest steht nur, daß es wie überall wohl weniger auf die Quantität als auf die Qualität ankommt. Wobei es natürlich schon erstrebenswert bleibt, die Zahl der deutsch-russischen Städtepartnerschaften deutlich zu erhöhen. Es genüge der Hinweis auf die mehr als 2.000 deutsch-französischen Jumelages, um zu zeigen, was da noch vor den zivilgesellschaftlichen Akteuren liegt. Immerhin haben ja beim Empfang im Schloß Bellevue vorgestern drei neue Paare, darunter Baden-Baden und Sotschi, Partnerschaftsurkunden unterzeichnet. Doch längst nicht genug angesichts der Bedeutung der deutsch-russischen Zusammenarbeit.

Abendempfang für die Gäste

Wie schon zu den vorhergehenden Konferenzen kamen denn auch dieses Mal Vertreter von russischen Städten, die auf Brautschau gingen. Aber wenn da nicht ein Schmuser in Aktion tritt und mit seinem politischen Gewicht und einer aus eigener Erfahrung mit der Zusammenarbeit gewachsenen Autorität als Vermittler agiert, dürfte alles Werben vergebens sein. Wer weiß, ob Rothenburg und Susdal je zusammengefunden hätte, wenn nicht Erlangens Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg seinen Kollegen, Oskar Schubart, für die Idee hätte begeistern können. Wer weiß, ob Höchstadt an der Aisch eine Verbindung mit Krasnogorsk bei Moskau eingegangen wäre, wenn nicht die Firma Bauer aus Vestenbergsgreuth dafür Pate gestanden wäre. Diese Liste ließe sich ad lib. fortsetzen. Es wäre nun an der Zeit, gerade in Bayern nach dem erfolgreichen Besuch von Horst Seehofer in Rußland, eine neue Initiative zu ergreifen. Und vielleicht geht dieser Impuls ja von Rothenburg aus.

Walter Hartl und seine Susdaler Kollegin, Olga Gusjewa

Es kann hier nicht über die Ergebnisse aller fünf Arbeitsgruppen berichtet werden, dafür ist der heutige Morgen mit seinen Abschlußdiskussionen da. Doch zumindest für den Bereich „Partnerschaft für Brand- und Katastrophenschutz“, geleitet von Andreas Schockenhoff, Koordinator für die deutsch-russische Zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit, läßt sich noch vor der Schlußrunde etwas sagen: Präsident Dmitrij Medwedjew hat das System der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland als nachahmenswert bezeichnet. Mittlerweile ist sogar eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, um einen Erfahrungsaustausch in Gang zu bringen. Dabei müßte Rußland nur in die eigene Geschichte blicken – und tut dies nun auch -, um die Bedeutung dieses bürgerschaftlichen Engagements für das Gemeinwohl zu erkennen. Alexander Tschuprijan, stellvertretender Katastrophenschutzminister, referiert denn auch von einer Zeit im 19. Jahrhundert, als man noch hoch angesehen war, wenn man sich unter dem Motto – Gott loben, dem Zaren dienen, dem Nächsten helfen – einer FFW anschloß. Noch in der Sowjetzeit gab es Freiwillige im Brand- und Katastrophenschutz, vor allem auf dem Land, die gewisse soziale Vorteile genossen und bis zu zehn Tage Zusatzurlaub erhielten, deren Arbeit aber zunehmend von professionellen Kräften übernommen wurde, bis noch ganze 70.000 übrigblieben.

Sergej Paramonow, Martin Hoffmann, die Partner der Partner

Nun stellt sich das Land ehrgeizige Ziele. Schrittweise sollen die ehrenamtlichen Feuerwehrleute nicht nur technisch besser ausgerüstet werden, man arbeitet auch an der notwendigen neuen Gesetzesgrundlage, schon in der zweiten Lesung, und strebt an, die Zahl der freiwilligen Feuerwehrleute in wenigen Jahren auf 1.200.000 zu bringen. Zum Vergleich: Deutschland bringt es auf 1.300.000 Angehörige Freiwilliger Feuerwehren in 25.000 Kommandoeinheiten bei nur 102 Berufsfeuerwehren. Der Anfang ist nun gemacht, auch in Wladimir, wo Gouverneur Nikolaj Winogradow in den ländlichen Gebieten der Region die ersten Einheiten gründet. Die fränkischen Erfahrungen können da nur hilfreich sein und versprechen eine intensive Zusammenarbeit, die Anfang Mai in Jena und Erlangen fortgesetzt werden sollen. Da aber auch Susdal im Gouvernement Wladimir liegt, soll auch Rothenburg einbezogen werden. Vielleicht gelingt es ja, ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten, mit dem Katastrophen wie im Sommer 2010 verhindert werden können. Große Erwartungen an die Partnerschaften also.

Walter Leitermann, Irina Chasowa, Wolfram Howein

Übrigens haben sich die Teilnehmer aus Erlangen bzw. Wladimir, Irina Chasowa und Wolfram Howein, in unterschiedlichen Arbeitsgruppen bewegt: Irina Chasowa bei „Jugendaustausch und Sprachförderung“ mit neuen Anregungen für die Deutsch-Kurse im Erlangen-Haus und Wolfram Howein, der im Bereich „Innovative Entwicklung der Kommunalverwaltung“ über seine erfolgreichen Erfahrungen mit der Einführung von E-Government in Wladimir berichten konnte. Die Kollegen in der Partnerstadt haben es dank der ehrenamtlichen Beratung aus Erlangen heute so weit gebracht, daß sie landesweit als führend gelten. Wenn man sich die Homepage von Wladimir www.vladimir-city.ru (übrigens auch in englischer Sprache aufrufbar) ansieht, kann man das fast unbesehen glauben. Und Walter Leitermann, Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, ist sicher, daß gerade die Stadtverwaltungen in vielen Bereichen noch enger kooperieren könnten. Vorschläge dazu wird er schon bald machen.  

Martin Hoffmann, Geschäftsführer des Deutsch-Russischen Forums

Rothenburg, das steht jetzt schon fest, hat viel vorgelegt. Es liegt nun an den teilnehmenden Städten aus beiden Ländern, die Kooperation weiter zu intensivieren. Dazu gehört auch, gemeinsam zu feiern und ohne Stundenplan einer Konferenz zusammenzukommen. Dafür richtete die Gastgeberin ein richtiges mittelalterliches Bürgerfest aus, stilecht, geschmackvoll und einladend zum Kennenlernen und Austausch über die Arbeitsgruppen hinweg. Oberbürgermeister Walter Hartl fand dafür die richtigen Worte, als er zum Meistertrunk schritt: „Heute begrüßen wir mit diesem Humpen Wein nicht mehr unsere Feinde, sondern unsere Freunde!“ Und davon kann man ja gar nicht genug haben, gerade zwischen Deutschen und Russen, die gerne sagen: Besser als 100 Rubel sind 100 Freunde. Noch viel Arbeit auch für das Deutsch-Russische Forum, dem man nicht genug danken kann für die großartige Vermittlungsarbeit auch und gerade für die Partnerstädte.

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