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Posts Tagged ‘Ludmila Kondratenko’


Fragt man nach dem Erfolgsrezept der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, gehört zu den wichtigsten Zutaten unbedingt die Kontinuität in den kollegial-freundschaftlichen Beziehungen der politischen Spitzen hier wie dort. Das weiß niemand besser als Nikolaj Winogradow, der in seiner Amtszeit von 1996 bis 2013 stets darauf bedacht war, zu Erlangen auf allen Ebenen beste Kontakte zu unterhalten, alte Freundschaften zu pflegen und immer bereit zu sein, auch neue Verbindungen einzugehen. Stets im Geist der Verständigung und unter seinem Motto: „Es gibt keine schlechten Völker, Nationen oder Parteien, es gibt nur schlechte Menschen.“

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Nach Erlangen freilich ist der Politiker im Ruhestand gekommen, um all die guten Menschen wiederzusehen, die er in den Jahren einer engen Zusammenarbeit kennengelernt hatte. Besonders freut es ihn da, nun auch zum ersten Mal mit Florian Janik zusammenzutreffen und sich davon überzeugen zu können, wie sehr sich Erlangens Oberbürgermeister in der Tradition seiner Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, sieht, gerade wenn es um die Bedeutung der deutsch-russischen Verständigung geht. Da verstehen sich die beiden auf Anhieb.

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Von einem alten Freund konnte der Gast nur noch stillen Abschied nehmen. Mit Gerd Lohwasser hatte Nikolaj Winogradow vieles eng verbunden: Geradlinigkeit, Zugewandtheit, Überzeugungskraft, Verläßlichkeit und vor allem dieser besondere Sinn für Humor und Pointe. So unterschiedlich sie ihrer Parteizugehörigkeit nach waren – der eine führender Kopf in der CSU, der andere aus dem Leitungskader der Kommunistischen Partei -, verstanden sie einander doch prächtig und waren einander in freundschaftlichem Respekt zugetan. Gute Menschen eben.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming; Photo: Günter Wolf

Es war wohl sein Credo von der Macht der guten Menschen, sein Glaube an jene, die für Verständigung und Versöhnung eintreten, gemischt mit seinem verschmitzten Witz, was das Publikum am Montagabend im Club International der Volkshochschule so für den Referenten einnahm. Sicher aber auch seine große Dankbarkeit dafür und seine ansteckende Freude darüber, was er alles in seiner aktiven Zeit in der Zusammenarbeit mit Erlangen hat erleben und gestalten dürfen: besonders das Erlangen-Haus und der Blaue Himmel, die ohne Nikolaj Winogradows Unterstützung – auch wenn er selbst das nie so formulieren würde – kaum hätten Wirklichkeit werden können.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel, im Hintergrund Dieter Argast; Photo: Günter Wolf

Zum gestrigen Abschiedsessen lud denn auch Nikolaj Winogradow, der heute wieder die Heimreise antritt, all seine engsten Erlanger Freunde ein – und erlebte etwas, das zu dieser Bürgerpartnerschaft gehört und doch immer wieder überrascht: Er begegnet einem alten Bekannten aus Wladimir, Fjodor Lawrow, der, eben erst angekommen, als Gründungsmitglied von Rotary Wladimir zur Ausarbeitung eines neuen Projekts bei seinen deutschen Klubfreunden zu Gast ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte, die ein andermal zu erzählen ist.

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild; Photo: Nadja Steger

Es blieb schließlich Dietmar Hahlweg überlassen, prägnant dem Geist der Begegnungen mit Nikolaj Winogradow und der Partnerschaft insgesamt Ausdruck zu verleihen: „Wir sind alten Freunden treu und für neue immer offen.“ Ein Wahlspruch, der sich über mehr als 30 Jahre bewährte, eine Maxime, die noch lange Zeit währen möge.

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„Nichts brauchen wir derzeit mehr als solche Inseln der Freundschaft“, betont Nikolaj Winogradow immer wieder bei seinem Wiedersehen mit Freunden in Erlangen. Der ehemalige Gouverneur der Region Wladimir hat in seiner Amtszeit von 1997 bis 2013 und bereits davor als Abgeordneter und späterer Präsident der Gesetzgebenden Versammlung (Duma) alles getan, um die Zusammenarbeit der Partnerstädte zu fördern, ohne sich in die interkommunalen Beziehungen einzumischen. Kaum eine offizielle Delegation aus Erlangen, die nicht von ihm empfangen worden wäre, kein Großprojekt – wie das Erlangen-Haus oder der Blaue Himmel -, das er nicht maßgeblich unterstützt hätte. Kurzum: Die Bürgerpartnerschaft wäre nicht, was sie ist ohne das Mitwirken von Nikolaj Winogradow, der bei all seinen Besuchen in Erlangen – der letzte liegt nun freilich schon bald zehn Jahre zurück – immer auch das Gespräch mit Ehrenamtlichen und Interessierten suchte, besonders im Forum der Volkshochschule, wo er bereits in den 90er Jahren in dem von Klaus Wrobel geleiteten „Arbeitskreis Wladimir“ seine Sicht der Dinge vorstellte.

Ludmila und Nikolaj Winogradow

Ludmila und Nikolaj Winogradow

Stets anschaulich, pragmatisch und konstruktiv, ganz so wie er, ursprünglich aus dem Baugewerbe kommend, auch Politik machte. Nie ideologisch, wenngleich leitendes Mitglied der Kommunistischen Partei, sondern stets, wie ihm auch heute noch festzustellen wichtig ist, nach dem Buchstaben des Gesetzes und im Geist der Menschenliebe. Allein schon die lange Amtszeit, die übrigens mit der von Altoberbürgermeister Siegfried Balleis zusammenfällt, weist darauf hin, welch großen Respekt er sich in der Bevölkerung seiner Region erworben hatte. Man darf also gespannt sein, wenn Nikolaj Winogradow morgen um 20.00 Uhr im Club International der Volkshochschule mit seinem Vortrag über die gegenwärtige Lage in seinem Land – mit anschließender Diskussion – die Russischen Wochen eröffnet.

Siegfried und Angelika Balleis, Ludmila und Nikolaj Winogradow sowie Ludmila Kondratenko

Siegfried und Angelika Balleis, Ludmila und Nikolaj Winogradow sowie Dolmetscherin Ludmila Kondratenko

Wer jetzt noch nicht neugierg geworden ist, sei versichert, kein knochentrockenes Polit-Referat absitzen zu müssen, denn bei allem notwendigen Ernst, mit dem er jede Sache angeht, sitzt ihm der Schalk im Nacken, weiß er alles mit Humor zu nehmen. Kleine Kostprobe gefällig? Von seinem deutschen Freund darum gebeten, sich ins Gästebuch einzutragen, überlegt Nikolaj Winogradow kurz und lockert die Gedanken erst einmal mit einem Witz: Trifft ein Wolf im Wald ein Pferd. „Dich will ich fressen“, knurrt der Räuber seine Beute an. „Darfst du nicht!“ bekommt er da als Antwort zu hören. „Wie das? Ich darf, was ich will!“ – „Eben nicht, ich gehöre nämlich der Kolchose.“ – „Das kann jeder behaupten. Beweise mir das erst einmal.“ – „Ganz einfach: Das steht auf meinem Schweif. Schau doch nach, da kannst du es selber lesen.“ Der Wolf geht um das Pferd herum, sieht sich den Schweif an und bekommt im selben Moment einen Schlag mit dem Huf. Als er wieder zu sich kommt, kratzt er sich den Kopf und brummt: „Ich bin dir aber aber auch ein Blödmann. Ich kann doch gar nicht lesen…“

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Heute, in der Fortsetzung des gestrigen Berichts, schildert Angela Schubert Eindrücke vom Blauen Himmel sowie aus Susdal und Nischnij Nowgorod.

Der zweite Tag

Weitere Einblicke brachte uns der Montag. Am Morgen besuchten wir das Kinderzentrum „Blauer Himmel“, ein Gebäudekomplex wie eine frühere Sommerfrische in ländlicher Umgebung. Hier erholen sich Kinder mit psychischen Belastungen jeweils zwei Wochen. Leonhard Hirl wurde als wichtiger Begleiter der Institution freudig von der Leiterin empfangen, denn im Rahmen der Städtepartnerschaft nutzt die Einrichtung viele Erfahrungen von deutschen Freunden. Die älteren Jugendlichen waren mit einem männlichen Betreuer fast alle draußen am Werkeln für ihren Spielplatz und Sportbereich, die Mädchen, warm angezogen, mit ihren Erzieherinnen neugierig die Gäste erwartend.

Blauer Himmel

Blauer Himmel

Viele, viele Fragen richteten wir an die Leiterin zum Tagesablauf, nach der Herkunft der Kinder aus problematischen Familienverhältnissen wegen fehlender oder trinkender Väter, den Belastungen der Mütter auch durch die starken Umbrüche im Alltagsleben. Wichtig sei die feste Struktur mit unbedingtem Einhalten der Regeln im Haus, das Üben, sich miteinander zu beschäftigen, z.B. in der Gestaltung des Hauses, das Zusammenleben ohne Handy und sonstige Medien. In den Gängen viele Kinderzeichnungen, ein nach Großmutterart geschmückter Wintergarten, ein ruhiger Raum für Arbeiten am Tisch mit einer Bilderecke für die Begleiter und Gönner aus Erlangen. Die kurzen zwei Wochen können wegen der großen Nachfrage der die Kinder sonst betreuenden Einrichtungen nicht länger sein. Hier verschenkten wir nur zu gern einen Gutteil unserer süßen Mitbringsel.

Blauer Himmel

Blauer Himmel

Herzlich verabschiedet, fuhr die vollzählige (das war immer wichtig!) Gruppe weiter nach Susdal, etwas nördlicher und heute abseits der großen Straßen gelegen, bis ins 13. Jahrhundert aber gemeinsam mit Wladimir Hauptstadt der Rus. Unterwegs neben der Boris und Gleb geweihten, ältesten Steinkirche im nordwestlichen Rußland eine Dorfsiedlung mit ausgebauten Datschen, aufgereiht am Mittelweg, farbig, mit liebevollen Holzschnitzereien um Fenster und Türen, wenig Garten (das ist mir eine ungelöste Frage geblieben, denn es heißt immer, in ihren Hausgärten beschäftigen und versorgen sich die Familien im Frühjahr und Sommer und bauen die Vorräte für den Winter an). Dazwischen ein größeres Steinhaus im Entstehen, – die neuen Zeiten!

St. Boris und Gleb

St. Boris und Gleb

Susdal wirkt jetzt ländlich, es ist einfach abseits erhalten geblieben mit einem großen Kremlbereich, geschützt von einem hohen Erdwall. Ein Toreingang führt zu Kathedrale und Metropolitenpalast, Zeugnisse der früheren Bedeutung der Stadt. Unsere erfahrene Führerin erklärte uns im Inneren der Kirche genau den Aufbau einer Ikonenwand, an die sich der für die Gemeinde nicht zugängliche Altarraum anschließt. Alle Wände sind farbigst bemalt mit vergoldeten Umrahmungen und „Stockwerkbändern“, die im 17. Jahrhundert nach Zerstörungen wiederentstanden sind. Ein großer Schatz sind zwei Eingangsportale mit feuervergoldeten Kupferplattentüren, die Szenen aus dem Neuen Testament erzählen und eine Trageleuchte in Form einer Kathedrale mit fünf Kuppeln. Sie stehen für die vier Evangelisten, wobei die fünfte Christus symbolisiert. Die blauen Kuppeln versinnbildlichen den Himmel, der Sternenschmuck gilt Maria. Sie ist in der Orthodoxie eine sehr wichtige Anbetungsfigur, ganz viele Kathedralen tragen, verbunden mit Begebenheiten im Leben der Gottesmutter, ihren Namen.

Unterwegs in Susdal

Unterwegs in Susdal

Neben dem Gotteshaus liegt der Metropolitenpalast mit langgestrecktem Sitzungssaal, Rundumband für die à-deux-Besprechungen (?) und dem Verhandlungstisch mit Codici und Schreibwerkzeug für die ganze Versammlung. Das Gebäude wirkt von innen und außen gesund, ist weiß gestrichen, die vielgestaltigen Dächer mit Falzblech geschützt. Auf dem weiteren Weg über das Burggelände wurde gerade eine erneuerte Kuppel auf einen Turm gehoben, ein lebendiges Bildmotiv und Beleg für den Einsatz von Kirche und Staat, die Kulturdenkmale wieder in Ordnung zu bringen.

Im Freilichtmuseum Susdal

Im Freilichtmuseum Susdal

Durch die Flußniederung wanderten wir zum Holz-Freilichtmuseum, ein wie ein kleines Runddorf angelegtes Areal mit zentraler Sommer- und kleinerer Winterkirche, Radbrunnen und Mühle. In einem der Häuschen wurden wirklich Kaffee und Glühwein angeboten. Derlei touristische Begleiterscheinungen wie Verkaufsstände, Postkartenständer, Steh- oder gepflegtere Sitz-Cafés findet man sonst kaum. Hier freuten wir uns sehr über das Angebot.

Rund ums Universitätsseminar

Beim Abendessen fand die Vorbesprechung über Themen und Ablauf des in der Universität Wladimir für zwei Tage geplanten Seminars mit der Vorsteherin der psychologischen Abteilung, zwei Mitarbeiterinnen und einer Dolmetscherin statt. Für das derzeitige Rußland ist die Drogenfrage sehr im Vordergrund. Den Inhalt unserer Vorträge und die Referate von ihrer Seite fasse ich hier nicht zusammen. Nur zum Rahmen: Wir saßen im Auditorium Maximum, das praktisch vollbesetzt war mit Studenten aber auch mit Jura- und Polizeiaspiranten in Uniform. Handys in den Taschen… Am zweiten Tag gingen auch einige Fragen an die russisch Vortragenden; die Studenten stellten sich dazu vor…

Leonhard Hirl auf dem Platz des Sieges

Leonhard Hirl auf dem Platz des Sieges

Die Treppenhäuser zweckmäßig und sauber, die Gänge, geschmückt mit Landschaftsaquarellen und aktuell mit Illustrationen zum 70jährigen Ende des Großen Vaterländischen Kriegs, wie man hier den Zweiten Weltkrieg nennt. Dieses Krieges und seiner Opfer gedenkt man in den Städten mit Ehrenmalen, Ewigen Flammen und frischen Blumen. Wir erlebten das live nach unserer Kranzniederlegung: Ein junges Hochzeitspaar legte vor der Ewigen Flamme Blumen nieder. Unsere russischen Begleiterinnen bestätigten, daß ein solcher Gang zum Ehrenmal dazugehöre. Bei unserem dreistündigen Aufenthalt in Moskau vor dem Rückflug zählten wir am Samstag vier Hochzeitspaare mit Gesellschaft rund um den Roten Platz, – wohl nicht nur der Photomotive wegen.

Ausflug nach Nischnij Nowgorod

Die Stadt, als „Unter-Nowgorod“ tiefer gelegen denn das ältere Nowgorod im Nordwesten des Landes, breitet sich entlang der Wolga an ihrem Zusammenfluß mit der Oka aus. Zwei den Hirls verbundene Ehepaare haben das Programm vorbereitet – und was für eines! Großer Bahnhof beim Aussteigen aus dem Zug, als drei in Trachten gekleidete Sängerinnen mit Ziehharmonikabegleitung uns erwarteten.

Tanzbein-Schwingen auf dem Bahnhof von Nischnij Nowgorod

Tanzbein-Schwingen auf dem Bahnhof von Nischnij Nowgorod

Solch eine Schnellzugreise macht man nicht einfach kurzentschlossen: Paßkopie, lange Vorlaufzeit, Sicherheitskontrolle vor der Sperre, Personenkontrollen durch das Zugpersonal beim Einsteigen. wofür der Wagen an auf dem Bahnsteig genau markierter Stelle hält, – unter den Augen weiterer Aufsichtsleute. Die zweistündige Fahrt bequem, ein Endlos-Sketch am kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirm, das Land rechts und links nicht sichtbar bearbeitet, im Oktober farbige Waldsäume, Gleissicherungszäune habe ich nicht gesehen. Unsere diesmal vier Begleiterinnen waren auch das erste Mal auf dieser Städtetour, und der musikalische Empfang löste unserer adretten Galina gerade das Tanzbein, – wir im Kreis herum.

Musikalischer Empfang mit Brot und Salz für Ludmila Kondratenko und die Gruppe

Musikalischer Empfang mit Brot und Salz für Ludmila Kondratenko und die Gruppe

Nischnij Nowgorod ist das frühere Gorkij, Verbannungsort von Andrej Sacharow, damals eine wegen ihrer Rüstungsindustrie verbotene Millionenstadt. Deren klassisch gewordenen Waffen stehen aufgereiht an der dortigen Kremlmauer. In deren Stützbogen sind die Paßbilder von im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten auf eine solche Weise zusammengefügt, daß sie das davor stehende Kriegsgerät noch einmal abbilden, ungewöhnlich und ausdrucksstark. Wir sind in der hoch über dem Zusammenfluß von Wolga und Oka gelegenen Oberstadt mit repräsentativen Aussichtsterrassen, an denen die prunkvollen Häuser einheimischer Kaufleute dieser Messestadt zu finden sind.

Am Zusammenfluß von Wolga und Oka in Nischnij Nowgorod

Am Zusammenfluß von Wolga und Oka in Nischnij Nowgorod

In einem dieser Häuser, das jetzt Museum ist, sahen wir die innere, restaurierte Aufgangstreppe, die gewiß einmal zum ehemaligen Konzert- und Ballsaal geführt hatte. Olga (von der Wolga, gut einprägsam!), unsere Stadtführerin, arbeitet am Deutschen Institut der Universität, sie pendelt mit der U-Bahn von der Unterstadt hinüber: Siegie, ein ortsansässiger Deutscher, benutzte früher für seinen Arbeitsweg die Seilbahn. Er ist aus beruflichen Gründen nach Nischnij Nowgorod gezogen, erwarb mit seiner russischen Frau eine Eigentumswohnung und ist auch nach seinem Ausscheiden dem Betrieb durch den Rentnerchor, einer Gruppe von ca. 50 Damen und Herren, verbunden geblieben. Sie gaben uns im Künstlerhaus der Stadt nach einem kleinen Abendimbiß ein bewegendes Konzert, in langer Robe die Frauen. Wirklich russische a-cappella-Klänge, getragen oder wehmütig ernst und dann wieder melodisch froh. Nach der ersten Danksagung von Leonhard Hirl, der die gegenseitigen Kämpfe und Wunden ansprach und für Verstehen, Austausch und ein friedliches Miteinander warb, antwortete der Chor mit einem die Freundschaft der Völker ausmalendem Lied, das in ein gegenseitiges Versichern dieses Wunsches überging. Druschba, Freundschaft – vom Chor und zurück zu uns. Das war sehr bewegend und hat mich eindringlich spüren lassen, daß die Menschen dort und hier wirklich ein europäisches Haus beleben und befruchten sollten.

Im Museum mit Jochen Preuß und Rose Ebding

Im Museum mit Jochen Preuß und Rose Ebding, rechts im Bild

Den Vormittag über hatten wir mit einem alten Straßenbahnwagen bei Tee und Hefestückchen die Stadt durchzuckelt. Olga erklärte die öffentlichen Gebäude, Plätze und die Geschichte der Stadt, z. B. wies sie uns auf die drei Bauepochen für Wohnungen hin: aus der Stalinzeit überarbeitete Altbauten mit hohen Fenstern und größeren Räumen, aus der Chruschtschowzeit die Backsteingebäude in deutlich kleinerem Maßstab. Später kamen die Plattenbauten, begehrt wegen ihrer abgeschlossenen, eigenen Wohnungen mit Fernheizung, aber – wie in der DDR – nicht isoliert und absolut hellhörig.

Unterwegs mit Leonhard Hirl und Tamara Skworzowa

Unterwegs mit Leonhard Hirl und Tamara Skworzowa

Wir spazierten auch durch die Einkaufs- und Fußgängerzone mit gußeisernen Laternen, unaufdringlich werbenden Läden, ohne Kettenniederlassungen und sicher keinem McDonald’s. Es fiel mir aber auf, daß ich weder private Bäckereien noch Metzgerläden in den Orten sah, auf der Suche nach einer Brotauswahl landete ich im Kaufhaus. Um den Bahnhof herum bieten Verkaufsstände Anziehsachen von der Stange, mehr noch aber Selbstgestricktes und -hergestelltes und Brockiware (umgangsspr. in der Schweiz für Sachen vom Flohmarkt) an. Wehgetan und tief eingeprägt hat sich mir eine alte Frau, die schwarzen und weißen Heftfaden anbot. Ich sah auch einen zentral gelegenen Hinterhof, in dem offensichtlich Altmetall zur Wiederverwertung gehandelt wurde. Auf den Gehwegen ist tags und erst recht nachts Vorsicht geboten wegen Unebenheiten und ungesicherten Baustellen. Wie lebt wohl die alte Frau, dachte ich, es wird nicht reichen…

Angela Schubert

Fortsetzung folgt.

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Rechtzeitig zu Weihnachten erreicht den Blog wieder ein Reisebericht, zusammengestellt von der aus Erlangen stammenden und in der Schweiz lebenden Angela Schubert, die im Oktober mit einer Fachgruppe in Wladimir war. Doch dazu kann sie selbst viel mehr sagen:

Hirl-Gruppe

Vorbereitungen

Am Eßtisch zu Hause studierte ich den großen Bildband und die Westrußlandkarte in Vorbereitung auf diese für mich ungewöhnlich weite und andersartige Reise. Hier mein Bericht.

Um nach Rußland einreisen zu dürfen, braucht man ein Visum und für dieses einen gültigen Paß, den man in Photokopie schon für die Flugkarte verlegen muß, damit jedes kleinste Detail später stimmt. Als Deutsche in der Schweiz weiterhin noch die Aufenthaltsbewilligung in Kopie, eine Krankenkassenbestätigung, ausdrücklich für die Russische Föderation mit Rückführungsbestätigung im Falle von Krankheit. (Mir konnte als zwischen Deutschland und der Schweiz lebend nur unser deutscher Versicherungsmakler helfen.) Es bedarf auch einer Einladung von russischer Seite. Diese konnten wir mit Hilfe der sehr lebendigen Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir bekommen.

So war die ganze Reise überhaupt entstanden: Leonhard und Edith Hirl führen seit drei Jahrzehnten in Erlangen eine Einrichtung mit psychisch beeinträchtigten Bewohnern. Das Ehepaar hat über die Jahre viele Besuche in Wladimir gemacht und regen Austausch mit Psychiatriemitarbeitern aus Rußland gepflegt. Im Erlangen-Haus hatten diese vor ihrer Reise jeweils Deutschkurse besuchen können.

Gruppenbild auf dem Platz des Sieges in Wladimir

Gruppenbild auf dem Platz des Sieges in Wladimir

Die Reisegruppe

Wir waren eine Gruppe von dreizehn Teilnehmern aus der Schweiz und sieben aus dem Umfeld von Familie Hirl in Erlangen. Ab Zürich konnten wir zusammen für acht Tage vom 10. bis 17. Oktober über Moskau in die Partnerstadt reisen. Bei einem Vorbereitungstreffen mit dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, und seiner Frau Nadja am Bodensee erhielten wir den Rat, als Wichtigstes gutes Schuhwerk mitzunehmen, da es regnen oder auch schneien könne und nicht überall gute Fußwege vorhanden seien. Das hatte mich schon im Bildband gewundert, daß Wege rund um die Kremlmauern in Wladimir und Susdal nicht befestigt waren. Wegen des Oktobers empfahl Frau Steger auch gleich Mütze, Schal und Handschuhe. Nur der Schirm erwies sich später als überflüssig, weil wir zwar Wind und Kälte erlebten, aber keine Nässe.

Allerdings stand bei diesem Vorbereitungstreffen mehr der Ablauf von zwei Seminartagen an der Universität von Wladimir im Vordergrund, wo wir uns mit pädagogischen, psychologischen und psychiatrischen Fragen und Erfahrungen der jeweils anderen Seite befassen würden. Dank der breiten menschlichen Kontakte der Familie Hirl würden wir auch Betreuungseinrichtungen in und um Wladimir besuchen können.

Erste Erlebnisse

Da Wladimir als ehemalige Hauptstadt mit dem nahen Susdal und weiteren Städten den historischen Goldenen Ring bildet, wollten uns Leonhard Hirl und die Gastgeber Geschichte, Bauten und Musik ihres Landes vermitteln. Es entstand ein dichtes, reiches und sorgfältiges, manchmal notwendigerweise auch ganz kurzfristig organisiertes Programm: Immer saßen im Bus schließlich wir Zwanzig, ein Stadtführer und mehrere Begleiterinnen vom Erlangen-Haus. Galina, eine ehemalige Lehrerin, und Alla, eine beschlagene Biologin, begleiteten uns gerade in praktischen Fragen – wo bekommt man Postkarten, Briefmarken, Reisemitbringsel oder Andenken, welchen öffentlichen Bus brauchen wir für den Weg zwischen dem Erlangen-Haus, wo die sieben Erlanger wohnten, und unserem Hotel? -, denn alles ist kyrillisch geschrieben! Für alle sprachlichen Wegweisung und Erklärung sorgte aber vor allem unsere Ludmila Kondratenko aus Erlangen, die in Rußland geboren und in der Ukraine bei Siemens-Projekten als gelernte Dolmetscherin gearbeitet hatte und uns hervorragend und unermüdlich, selbst bei strapazierter Stimme, alles vermitteln konnte; schon gleich auf der siebenstündigen Busfahrt vom Flughafen quer durch Moskau und dann über eine vierspurige, autobahnähnliche Fernstraße nach Wladimir. Eine erste Begegnung mit russischen Lösungen erlebten wir beim Halt an einer Raststätte, einer langgezogenen Ladenbaracke auf unbefestigtem Terrain neben der Straße. Dort erfuhr unsere sprachkundige Begleiterin, daß uns eine Baustelle erwarte, und das lange Stop und wenige Go fraß dann die Zeit bis Mitternacht – für eine Strecke von gut 200 km. In der Stadt dann rot leuchtender Glasschmuck quer über der Straße, der in der Region hergestellt wird. Bei der Stadtführung sollten wir weiteres Kunsthandwerk im Glasmuseum betrachten können.

Ludmila Kondratenko auf der Aussichtsplattform in Wladimir

Ludmila Kondratenko auf der Aussichtsplattform in Wladimir

Der erste Tag

Am Sonntag Frühstück im Hotel. Auf der russisch und englisch geschriebenen Speisekarte konnten wir zwischen Porridge (Kascha), Bliny (in etwa Crèpes), lockerem Quarkkuchen, Würstchen, gestocktem Ei, Weißbrot, zu allem Sauerrahm, Kaffee und Tee auswählen. Nach zwei Tagen wußte die Bedienung Bescheid, was jeder bevorzugte, und machte sich einen Spaß daraus, es uns vorzuschlagen.

Hirl-Gruppe 14

Erste Erkundungen in der Fußgängerzone

Unser Stadtführer hieß Alexander Tschinakow und hatte diesen Beruf schon zu Zeiten der UdSSR ausgeübt. Jetzt erklärte er, gewiß mit Stolz, seine Stadt mit viel Geschichte und den sorgfältig wieder hergerichteten Bauten – bei russischem Oktoberwetter mit kaltem Wind und Sonnenschein. Wahrzeichen von Wladimir ist das Goldene Tor, früher Durchgang durch den künstlich aufgeschütteten Erdwall. Im Gebäude ist ein dreidimensionales Schaubild von der Erstürmung der Stadt durch die Tataren aufgebaut: rechts und links des steinernen Tores Holzbarrikaden, die die Feinde in Brand steckten und so die Stadt erobern konnten… Das hatte dann das Ende von Wladimir als Regierungssitz zur Folge.

Wasserturm in Wladimir

Wasserturm in Wladimir

Neben unserer Gruppe besuchte auch eine Anzahl Schulklassen, die sonntags mit ihrem Lehrer unterwegs waren, diese historische Ausstellung. Auch sonst waren viele russische Besucher auf den Beinen, dort, in der in Renovation befindlichen Mariä-Entschlafens-Kathedrale und im Heimatmuseum im Wasserturm, wo u.a. Lackminiaturen in vielen Varianten und klassische Stickereien versammelt sind.

Hirl-Gruppe 15

Demetriuskathedrale

Besonders eindrucksvoll sind die Fassaden der Demetrius-Palast-Kathedrale, deren weißer Kalkstein rundherum mit gemeißelten Tierornamenten, biblischen Gestalten und Fürstenfiguren geschmückt ist. Das Christentum in seiner orthodoxen Form wurde durch Fürst Wladimir im 10. Jahrhundert eingeführt nachdem man den oströmischen Ritus studiert und für gut befunden hatte. Im umgebenden Park sind die Laubbäume – wie sonst auch alle Straßenbäume – im unteren Stammteil weiß gekalkt; das macht einen sehr gepflegten und fürsorglichen Eindruck.

Hirl-Gruppe 17

Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl

Der Nachmittag führte uns ins nahe der Stadt gelegene Bogoljubowo-Kloster. Es ist von Nonnen bewohnt, renoviert, von tiefblauen Kuppeln gekrönt, die Glockentürme einzeln stehend; die Glocken werden mit Seilen durch das Anschlagen des Klöppels zum Klingen gebracht. Hier konnten wir uns mit deutschsprachigen, farbigen Broschüren über Wladimir, das Kloster und unser morgiges Ziel, Susdal, versorgen; diese helfen mir auch jetzt beim Schreiben dieses Berichts mit Namen und Details.

In den nahegelegenen Wiesen ließ eine Alte ihre drei Ziegen weiden, und in der Ferne standen auch einige wenige Kühe. Das ist uns sonst nicht begegnet. Am Einstieg des Weges zu einer Wallfahrtskirche boten Frauen ihre fein aus Ziegenwolle gehäkelten Schals, Dreiecksschulterstolen und viele wärmende Handarbeiten an. Leider waren wir dort die einzige Besuchergruppe.

Hirl-Gruppe 19

Abendessen mit Milena Prochorowa

Jetzt war jedoch noch keineswegs Abendessenszeit, denn uns erwartete noch das Chorkonzert einer international bekannten Jungenkapelle mit allen Stimmlagen und einem Solotenor, eine erste Kostprobe russischer Musikliebe. Das erste Abendessen fand im Wintergarten eines distinguierten Lokals statt. Wir saßen an einer langen Tafel, sonst aber gab es eher verteilte, tiefe Sitzgruppen für sehr private Treffen. Aus dem komplizierten Palaver des Bestellens à la carte und dem langgezogenen Ablauf leiteten unsere Gastgeber den Schluß ab, für weitere Essen im Vorhinein die Gänge alle zu bestellen. Ein großes Essen besteht aus Vorspeisensalat, d.h. im Oktober Winterrohkost, vermengt mit Kartoffeln und Haschiertem, gefolgt von deftiger russische Soljanka oder Borschtsch, Fleisch mit kleiner Beilage und Wodka als gutem Bekömmlichkeitshelfer. Ungeübt, wie wir waren, brachten dazu nur Leonhard Hirl und unsere russischen Begleiterinnen Toasts aus, aber dankbar und erfüllt von unserem reichen Tag waren wir gewiß alle!

Angela Schubert

Fortsetzung folgt.

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Die trockene, offizielle Vokabel „Städtepartnerschaft“ drückt schon lange, vielleicht von Anfang an, nicht aus, was dieser Vertrag zwischen Erlangen und Wladimir den Menschen gebracht hat: Ein fein geknüpftes Netz von Beziehungen, Freundschaften sowie Liebesbeziehungen und Eheschließungen hat uns zu mehr als Partnern gemacht; der Terminus „Brüder- oder Schwesterstadt“ träfe den Charakter unseres Bandes weitaus besser!

Julia Awerina beim Konzert in der WAB. Photo: Georg E. Kaczmarek

Julia Awerina beim Konzert in der WAB. Photo: Georg E. Kaczmarek

Am vergangenen Wochenende fand wieder so ein Ereignis statt, das es niemals gegeben hätte, wenn nicht viele Rädchen (besser Herzen) der Partnerschaft ineinandergegriffen hätten.

Jegurajew

Stepan Jegurajew

Auf Einladung von Leonhard Hirl, WAB Kosbach, und Vermittlung von Siegfried Wilhelm aus Nischnij Nowgorod (derzeit auf Besuch in Erlangen), verwöhnt mit den Kochkünsten von Rose Ebding und Jochen Preuß (ebenfalls aus Nischnij Nowgorod und derzeit auf Besuch in Erlangen), unter Mitwirkung des Freundeskreises Wladimir und dank der unermüdlichen Ludmila Kondratenko fand ein Konzert mit dem Baß-Bariton Stepan Jegurajew statt. Der Sänger aus Wladimir wurde begleitet von Irina Leopa, einer mehrfach hochklassig für ihr einfühlsames Spiel ausgezeichneten Pianistin. Julia Awerina, eine russische Sopranistin, die derzeit in Hamburg studiert und deren Mutter aus Wladimir stammt, komplettierte das Trio.

Irina Leopa

Irina Leopa

Das Publikum erlebte einen begeisternden Abend, bewegend und facettenreich, der von der Oper („Leporello“) über Kirchenmusik („Halleluja“), die „Puppe“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ bis zu russischen Volksliedern führte. Bei „Kalinka“ sangen alle mit, und bei „Uliza, uliza“ zeigte Stepan Jegurajew, daß ein großer Opernsolist auch schauspielerische Qualitäten haben sollte. Daß dann anschließend beim Fränkischen Buffet gute Stimmung herrschte und die Gäste sich mischten, den Abend genossen, wundert nicht mehr. Von der aktuellen Politik bis zur Demonstration alter Instrumente wurde vieles besprochen.

Julia Awerina

Julia Awerina

Lingua franca war dabei, wie so oft, nicht Russisch, sondern Englisch, aber das tat der Harmonie keinen Abbruch. Mir bleibt, wie immer nach so einem beglückenden Abend, der Wunsch, der Traum, Russisch zu verstehen. Dann wäre das Miteinander noch herzlicher, und die Gespräche könnten noch mehr in die Tiefe führen. Und es bleibt jedes Mal die Dankbarkeit gegenüber dem Blogger, Peter Steger, der diese Städtepartnerschaft zu dem geführt hat, was sie heute ist. Das muß man einfach auch mal sagen dürfen!

Dr. Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin

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Es ist nun schon zur guten Tradition geworden, bei der Erlanger Sternennacht auch die Partnerstädte ins funkelnde Licht zu stellen, ihnen mit all ihrer Vielfalt an Vereinen, Freundeskreisen und Projekten ein Podium zu geben. Im Herzen der Stadt, auf dem Hugenottenplatz, an dem kaum jemand beim Flanieren vorbeikommt.

Christine Hubrach im Gespräch mit Siegfried Balleis.

Christine Hubrach im Gespräch mit Siegfried Balleis.

Auch Oberbürgermeister Siegfried Balleis nicht, der alle von Ehrenamtlichen betreuten Stände besuchte und sich über die aktuellen Aktivitäten informieren ließ. Auch über die Spendensammlung für Waisen in Wladimir, ins Leben gerufen von Christine Hubrach und Manfred Bruchner.

Siegfried Balleis im Gespräch mit Elfriede Königsheim und Wolfram Howein.

Siegfried Balleis im Gespräch mit Elfriede Königsheim und Wolfram Howein.

Ohne jetzt schon, vor Abschluß der Aktion, genaue Zahlen nennen zu wollen, dürfen sich die Kinder in Wladimir bestimmt über einen Betrag von 1.000 Euro freuen, den die beiden gesammelt haben: mit Hilfe der Konfirmations-Kinder von Tennenlohe und dank der Spenden bei der Sternennacht.

Ein Stern für Wladimir von Siegfried Balleis.

Ein Stern für Wladimir von Siegfried Balleis.

Jeder Spender erhielt einen Stern, konnte ihn mit seinem Namen beschriften und auf eine Tafel kleben, die zusammen mit dem gesammelten Geld während der Jubiläumsfeierlichkeiten vom 29. Mai bis 2. Juni übergeben werden. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Siegfried Balleis.

Natalia Grebnev, Ludmila Kondratenko, Peter Steger und Olga Wassiljewna.

Natalia Grebnev, Ludmila Kondratenko, Peter Steger und Olga Alexejewa.

Geben mag seliger sein denn nehmen, aber ein kleines Gegengabe für das gute Werk weist dann doch auch niemand zurück. Und so waren denn die gut 50 Piroggen, von Olga Alexejewa, einer Besucherin aus Wladimir, die am Sonntag wieder die Heimreise antritt, und Nadja Steger den ganzen Nachmittag über gebacken, rasch verteilt und verzehrt – mit viel Lob für den vorzüglichen Geschmack und einem großen Dankeschön für die Mühe.

Olga Wassiljewna, die Piroggenbäckerin aus Wladimir. Alle Photos im Bericht von Nadja Steger.

Olga Alexejewa, die Piroggenbäckerin aus Wladimir.

Wer die Piroggen gerne nachbacken möchte, schlage im Blog nach unter http://is.gd/98GNCN, und wem es noch ein Anliegen ist, die Aktion für die Waisenhäuser in Wladimir zu unterstützen, überweise einen Betrag eigener Wahl auf das Konto der Stadt Erlangen, Nr. 31, BLZ 763 500 00, Verwendungszweck FAD 0117537 „Hilfe für Wladimir – Waisen“.

Bio-Markt am Hugenottenplatz

Bio-Markt Vier Jahreszeiten am Hugenottenplatz

P.S.: Piroggen saugen gutes Fett an und geben es großzügig wieder ab, auch an die Hände der Hungrigen. Man verzehrt sie deshalb, wenn kein Besteck greifbar sein sollte, am besten in eine Serviette gehüllt. Gespendet hat für den guten Zweck einen ganzen Packen davon spontan der Bio-Markt am Hugenottenplatz. Dafür ein extra Dankeschön!

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Oberbürgermeister Sergej Sacharow ist gerade erst aus Palästina zurückgekehrt, wo er die 20. Städtepartnerschaft Wladimirs abgeschlossen hat: mit Bethlehem. Und am Abend bricht er nach Berlin auf, um an einer Konferenz zum Thema „Kommunalpolitik und Wirtschaft“ teilzunehmen. Ein Mann zwischen den Kulturen und den Welten, vor allem aber ein Freund seiner Partner, besonders wenn sie aus Erlangen kommen, ein Freund, der sich viel Zeit für das Gespräch nimmt und für das Zuhören.

Jelena Owtschinnikowa und Sergej Sacharow.

Jelena Owtschinnikowa und Sergej Sacharow.

Es gibt freilich auch viel zu besprechen mit den Gästen. Natürlich das aktuelle Arbeitsprogramm, daneben aber auch die Pläne für das dreißigjährige Jubiläum der Partnerschaft. Ganze 33 Punkte sind auf der Agenda abzuarbeiten. Manche davon kann man gleich wieder streichen, doch weniger werden es deswegen nicht, weil immer wieder neue Ideen und Vorschläge kommen. Es ist eben noch alles im Werden und Entstehen. Aber das Gerüst steht, nun kann die Arbeit an den Feinheiten beginnen.

Großer Empfang im Rathaus.

Großer Empfang im Rathaus.

Kultur, Sport, Wirtschaft, Wissenschaft sind nur einige der Themen, die während des Jubiläums ihren Platz im Programm finden werden. Schwerpunkt aber soll die Jugend werden, die wesentlich auch selbst das Programm gestaltet. Es genüge hier, die Akteure aus Erlangen zu nennen: Stadtjugendring, Jugendparlament, Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums, Flötenensemble der Sing- und Musikschule, zwei Rockbands. Und auch an die Kinder ist gedacht, die sich auf eine Aufführung von Petterson und Findus des Theaters Kuckucksheim aus Heppstadt freuen dürfen.

Wladimirer Küche.

Wladimirer Küche.

Immer wieder bekommt man in Wladimir die Frage gestellt, was sich denn so aus der Sicht der Besucher verändert habe. Da darf man getrost die Gastronomie nennen: Feinschmecker finden hier Raffinesse, Liebhaber von russischer Hausmannskost können sich auf eine deftige Küche verlassen, und kulinarisch sind längst alle Länder dieser Welt in der Partnerstadt daheim. Am schönsten weiß Alexander Bersenjew, Chefpsychiater der Region Wladimir, zusammenzufassen, was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat: die Eleganz der Franzosen vereint mit dem Geschmack der Russen.

Alexander Bersenjew und Eliisabeth Preuß.

Alexander Bersenjew und Eliisabeth Preuß.

Alexander Bersenjew braucht man hier nicht mehr eigens vorzustellen. In Erlangen kennt man ihn seit 1998 als sympathischen Streiter für die Sache der Psychiatrie, die in der Sowjetunion und in den ersten Jahren des Bestehens der Russischen Föderation so sehr im dunklen Schatten der übrigen Medizin stand. Mit Hilfe von vielen Freunden aus Erlangen ist es aber nun nicht nur gelungen, die akute Therapie wesentlich zu verbessern, vor allem wurde es möglich, seine Anregung umzusetzen, den Blauen Himmel, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, aufzubauen, eine Einrichtung, die mittlerweile landesweit Beachtung findet. Mitgebracht hat Elisabeth Preuß dem Chefarzt und Professor ein Sprungtuch für die Kinder aus der Psychiatrie, ein Geschenk, das er sich selbst zum Geburtstag gewünscht hatte, für sich, damit er „seinen“ Kindern bei der Bewegungstherapie eine Freude machen kann. Das spricht für sich und für ihn!

Leonhard Hirl und Alexander Bersenjew.

Leonhard Hirl und Alexander Bersenjew.

Leonhard Hirl hat für die Zusammenarbeit mit der Psychiatrie in Wladimir unschätzbar viel geleistet. In seiner WAB (Wohnen Arbeit Betreuen) haben Dutzende von Fachkräften aus Wladimir Praktika und Hospitationen absolviert, und erst im November war ja Alexander Bersenjew gemeinsam mit Wladimir Besrukow, dem Gesundheitsminister der Region, bei dem Kollegen zu Gast. Nun soll es bald weitergehen. Das Jahr ist ja noch jung, viel Zeit also, um weitere Austauschmaßnahmen zu planen und umzusetzen.

Nadja Steger, Wladimir Besrukow, Elisabeth Preuß, Alexander Bersenjew, Andrej Sirin, Swetlana Makarowa, Ludmila Kondratenko,, Stephan Beck, Thomas Grützner, Leonhard Hirl, Peter Steger.

Nadja Steger, Wladimir Besrukow, Elisabeth Preuß, Alexander Bersenjew, Andrej Sirin, Swetlana Makarowa, Ludmila Kondratenko,, Stephan Beck, Thomas Grützner, Leonhard Hirl, Peter Steger.

Alexander Bersenjew kennen seine Freunde aber auch als Meister der Gastlichkeit. Besonders gerne wartet er dabei mit einer Überraschung auf. Außer ihm wußte denn auch niemand davon, wer da noch alles zum Essen eingeladen war: Mediziner, die sich natürlich alle gut kennen, die aber auch die enge Zusammenarbeit mit Erlangen vereint. Swetlana Makarowa als Chefärztin der Kinderklinik, die übrigens auch wieder Spenden aus Erlangen für ihre Krebsstation in Höhe von mehr als 1.700 Euro entgegennehmen darf; Andrej Sirin, der Chefonkologe der Region, früher einmal auch Leiter des Wladimirer Gesundheitsamtes; Wladimir Besrukow, seines Zeichens Psychologe und Herr über die Medizin des ganzen Gouvernements. Seit mehr als 20 Jahren hat die Zusammenarbeit der Ärzte in der Partnerschaft eine besondere Stellung, und die Gastgeber werden denn auch nicht müde, für die viele Unterstützung aus Erlangen zu danken, vor allem in den schweren 90er Jahren.

Irina Sokolowa und Wera Guskowa.

Irina Sokolowa und Wera Guskowa.

Ebensolange währt auch die Kooperation mit dem Roten Kreuz in Wladimir. Fast von Beginn an mit dabei Projektkoordinatorin Irina Sokolowa und Wera Guskowa vom Vorstand des Ortsverbands, die über Jahre hinweg als Fachbürgermeisterin für Soziales und Gesundheit, aber auch als Ärztin mit charmanter Durchsetzungskraft viel getan hat für die Hilfsorganisation. Sie wird sich besonders darüber freuen, welch erfolgreichen Weg das Rote Kreuz nun in Wladimir eingeschlagen hat.

Vorstandssitzung des Roten Kreuzes Wladimir mit Pjtor Panasenko.

Vorstandssitzung des Roten Kreuzes Wladimir mit Pjotr Panasenko.

Zusammen mit vielen Partnern vor Ort: der Schwesternschule, der Jugendorganisation „Retter“ mit Pjotr Ponassenko als treibender Kraft, aber auch nach wie vor der Stadtverwaltung, die der außerordentlichen Vorstandssitzung des Roten Kreuzes die Türen des Rathauses weit öffnet und den Konferenzraum für die Veranstaltung zur Verfügung stellt. Sichtbare Zeichen der Wertschätzung.

Medien bei der Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Medien bei der Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Auch seitens der Medien, die seit dem Wiederaufbau des Roten Kreuzes vor fast zwei Jahren keine Gelegenheit verstreichen lassen, um über die Fortschritte in der Arbeit und die einzelnen Projekte ausführlich zu berichten.

Elisabeth Preuß und Peter Steger, Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Elisabeth Preuß und Peter Steger, Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Wertgeschätzt werden natürlich besonders die Gäste aus Erlangen, für die Elisabeth Preuß und Peter Steger bei der Veranstaltung sprechen dürfen. Und die das gerne tun, wenn man all die jungen Gesichter sieht von ehrenamtlichen Kräften, die davon berichten, wie lieb sie bei der häuslichen Pflege ihre Schutzbefohlenen gewonnen haben, wie sehr ihnen die Arbeit eine Sache des Herzens geworden sei; wenn man von der Leitung der Schwersternschule hört, für wie wichtig man es erachte, den Nachwuchs nicht nur als Fachkräfte zu entlassen, sondern vor allem als Menschen, die eine soziale Verantwortung wahrnehmen können; wenn der Wunsch ausgesprochen wird, einen Jugendaustausch im Bereich Wohltätigkeit ins Leben zu rufen; wenn in allen Gesprächen der Aufbruch zu spüren ist.

Winter in Wladimir.

Winter in Wladimir.

Zeit bleibt da kaum, um auch einmal abseits der Sehenswürdigkeiten das winterliche Wladimir zu erkunden, aber es ist ja auch ein Arbeitsbesuch. Mit immer neuen Ausblicken.

Wiktoria Borowych und Elisabeth Preuß.

Wiktoria Borowych und Elisabeth Preuß.

Elisabeth Preuß hat im Blog http://is.gd/ptUqNt von Wiktoria Borowych gelesen und sich sofort gesagt: „Die Frau will ich kennenlernen!“ Sie sollte es nicht bereuen. Auf Anhieb waren sich die beiden sympathisch und einig darin, daß man gar nicht rasch genug mit der Zusammenarbeit beginnen kann. Seit einem Jahr ist Wiktoria Borowych Vorsitzende des Vereins Sozialdemokratischer Frauen mit schon etwa 200 Mitgliedern allein in Wladimir. Auch wenn der Name nach Partei klingt, handelt es sich dabei um eine gemeinnützige Organisation, die landesweit für die Gleichstellung der Geschlechter eintritt und für Familien kämpft. Ein besonderes Anliegen ist der 31jährigen das Schicksal von krebskranken Kindern und deren Familien. Ein Kinderhospiz einzurichten, ist ihr Ziel, und erste Gespräche mit Krankenhäusern führt sie dazu schon. Ein weiteres Thema ist die Betreuung von werdenden Müttern – gleich welchen Alters -, um sie dazu zu ermutigen, ihr Kind zur Welt zu bringen. Und dann ist da noch dieser, wie Elisabeth Preuß weiß, auch in Deutschland gefährdete Teil der Bevölkerung, der zwar zum Mittelstand gehört, aber mit seinem Einkommen knapp über den Fördergrenzen liegt und stets befürchten muß, in die Sozialsysteme abrutschen zu können. Genug Themen, um sie möglichst bald in Erlangen zu vertiefen, und Wiktoria Borowych zögert denn auch nicht lange, die Einladung der Bürgermeisterin in die Partnerstadt anzunehmen.

Elisabeth Preuß und Jekaterina Alexejenko.

Elisabeth Preuß und Jekaterina Alexejenko.

Man kann richtig neidisch werden, wenn man die Medienvielfalt in Wladimir erlebt – und das Interesse von Presse, Rundfunk und Fernsehen an der Partnerschaft. Eine ganze Handvoll von Sendern, darunter auch eine staatliche lokale Anstalt, nicht weniger Rundfunkstationen und ein knappes Dutzend von Zeitungen und Illustrierten berichten über alles, was so passiert. Und laden immer gerne Gäste aus Erlangen zum Interview ein. Eine ganze dreiviertel Stunde widmet der Privatsender Variant Geschichte und Gegenwart der Partnerschaft und gibt Elisabeth Preuß und Peter Steger reichlich Gelegenheit von den engen Beziehungen zu erzählen. Besonders schön dabei zwei Aspekte: Zum einen war Jekaterina Alexejenko, die Moderatorin, bereits im Vorjahr mit den Pfadfindern in Erlangen, weiß also, wovon sie spricht, und zum andern sind da die Anrufe von Zuschauern mit all den liebgewordenen Erinnerungen an Begegnungen mit Freunden aus der Partnerstadt. Man hätte die Sendezeit gut verlängern können. Wie auch immer. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Da ist auf die Wladimirer Medien Verlaß.

Olga Dejewa, Olga Chochlowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa und Ludmila Kondratenko.

Olga Dejewa, Olga Chochlowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa und Ludmila Kondratenko.

Anders als das Bild vermuten läßt, endet der Tag nicht mit einem reinen Frauentreffen. Zum Abendessen waren auch die Ehemänner der drei Gastgeberinnen gekommen. Wieder so ein Zeichen der Verbundenheit, auch wenn sie die Partnerschaft nur vom Hörensagen kennen. Bisher zumindest. Und auch Olga Chochlowa, stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Regionalduma, kennt Erlangen noch nicht aus eigener Anschauung. Sie hatte mit Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa im Januar zwar kommen wollen, konnte die Reise dann jedoch aus dienstlichen Gründen nicht antreten. Aber den Besuch wird sie sicher eines Tages nachholen. Es ist ja noch viel Zeit, wenn man einem der Trinksprüche folgt, in dem es hieß: „Wir trinken auf die nächsten 30 Jahre der Partnerschaft und auf all die Generationen, die nach uns die Früchte unserer Freundschaft ernten können!“

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