Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Luchtonowo’


Am 12. September berichtete wladimirpeter hier im Blog über das Zentrum „Blauer Himmel“ in Penkino:

Wegen neuer föderaler Gesetze, die eine unmittelbare Anbindung von Reha-Einrichtungen an die jeweils zuständige Klinik fordern, wurde der „Blaue Himmel“ in Penkino geschlossen. Die Kinder sollen aber nach ihrer Behandlung in der Psychiatrie oder ihrem Aufenthalt in einer sozialen Einrichtung auch in Zukunft zur Rehabilitation und erlebnispädagogischen Nachsorge ein neues Dach, ebenfalls außerhalb Wladimir in naturnaher Lage finden.

Mehr war dazu im September nicht zu erfahren, für mich Grund genug, bei meinem Besuch vom 11. bis 19. Oktober der Sache weiter nachzugehen. Ich bekam erfreulicherweise schnell einen Termin bei der Leitung des Gesundheitswesens der Regionalverwaltung und erfuhr, man plane tatsächlich die Fortführung eines Rehazentrums, allerdings wegen der gesetzlich geforderten unmittelbaren Anbindung an die zuständige Klinik auf dem Gelände der Psychiatrie Nr.1 in Wladimir. Das dazu vorgesehene Gebäude bedarf aber noch einer umfassenden Renovierung, weshalb mit einer Eröffnung erst in einigen Jahren zu rechnen ist.

Offen bleibt die Frage, ob in einer innerstädtischen Einrichtung dann das Konzept der Natur- und erlebnispädagogischen Rehabilitation überhaupt fortgesetzt werden kann, was ja die Grundlage der Arbeit in Penkino schuf. Zudem ist zu befürchten, die für Penkino gespendeten Spielsachen sowie die Geräte und Materialien für Sport, Camping, Wanderung und Skilanglauf könnten zwischenzeitlich ungenutzt verrotten und unbrauchbar werden. In offener und freundlicher Diskussion kamen wir deshalb zu dem Ergebnis, die Materialien besser einer bereits bestehenden Einrichtung im Umland von Wladimir zur unmittelbaren Weiterverwendung zu überlassen. Nach Rücksprache mit dem Schulamt der Partnerstadt bot sich dafür ein Internat für Waisenkinder mit Behinderungen im Landkreis Sudogda an.

Das Heim in Luchtonowo

So fuhren dann am nächsten Tag Julia Arsenina, stellvertretene Direktorin des Gesundheitswesens, Viktoria, eine Mitarbeiterin des Schulamtes, und ich zu dem 40 km von Wladimir entfernt liegenden Internat in Luchtonowo. Wir wurden von der Direktorin, Jelena Winogradowa, erwartet und herumgeführt. In einem gut erhaltenen Gebäude in parkähnlicher Landschaft leben hier 64 Kinder, behinderte Voll- und Sozialwaisen, 7 bis 17 Jahre alt. Die Kinder mit leichten bis schweren Behinderungen werden von Pädagogen, Sozialpädagogen sowie je einem Psychologen und einem Sportlehrer rund um die Uhr betreut. Der Sportlehrer betreibt nach Aussage der Direktorin besonders gerne Aktivitäten in den umliegenden Wäldern, was unseren Intentionen entgegenkommt.

Wir sahen kleine Klassenzimmer im laufenden Unterricht mit bis zu 15 Schülern, eine Bibliothek, eine Sporthalle und ein Behandlungszimmer für die psychologische Betreuung. Auch Kochen und Wäschewaschen stehen auf dem Lehrplan. In einer kleinen Werkstatt erlebten wir Kinder beim Polstern und Reparieren von einrichtungseigenen Stühlen, im Hintergrund eine Reihe von Nähmaschinen.

Die Direktorin zeigte sich beglückt von den unerwarteten, neuen Möglichkeiten, sie sprach von einem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder. Die Gesundheitsbehörde der Region und das Schulamt sagten den umgehenden Transfer der Materialien zu, und ich hoffe, bei meiner für das Frühjahr 2018 vorgesehen Reise Vollzug vermelden zu können!

Julia Arsenina, Viktoria, Wolfram Howein und Jelena Winogradowa

 

Alle Beteiligten in Erlangen und vor allem auch in Wladimir hätten sich lieber einen Fortgang der Arbeiten in Penkino gewünscht. Aber immerhin kamen in den neuneinhalb Jahren seit Januar 2008 mehr als 4.000 Kinder, manche davon mehrfach, für jeweils zwei Wochen nach Penkino und erfuhren dort liebevolle Zuwendung und Pädagogik in freier Natur. Mir bleibt, allen Beteiligten und Helfer in den Partnerstädten herzlich zu danken sowie alles Gute für die nun in Penkino nicht mehr beschäftigten engagierten Pädagogen, Ärzte und Schwestern zu wünschen.

Durch die Übergabe an das Internat in Luchtonowo konnten wir schließlich die bestimmungsgemäße weitere Verwendung der Geräte und Materialien sicherstellen, der Blaue Himmel hat so zu mindestens vorübergehend eine neue Heimat gefunden. Die Erlanger Wladimir-Freude werden auch diese Einrichtung hilfsbereit begleiten und sicherlich die Psychiatrie Nr. 1 nicht minder unterstützen, wenn es in ein paar Jahren zu einer wie auch immer gearteten Neuauflage kommt.

Wolfram Howein

Nachtrag: Die seit 40 Jahren bestehende Einrichtung hat eine recht informative Plattform im Internet, freilich bisher nur in russischer Sprache: https://is.gd/eo7Tdw

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: