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Posts Tagged ‘Luch’


Heute nimmt der Blog seine Leser mit auf eine Reise zu den Wisenten im Kljasmensko-Luchskij-Nationalpark, etwa 100 km östlich von Wladimir in einem noch ganz ursprünglichen Zweistromland gelegen. Hier wilderte man 1989 eine kleine Herde von Wisenten aus, der gottlob keine Trophäenjäger, sondern nur noch Wildheger und Wissenschaftler auf der Spur sind, manchmal in deren Schlepptau auch Journalisten, wie von Gubernia 33, die dann grandiose Bilder aus einer Welt mitbringen, die der Mensch bislang so erfolgreich um sich her zu zerstören wußte.

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Jetzt, im Hochwinter, gelangt man nur per Schneemobil tief ins Herz der neuen Heimat der fast schon ausgerotteten europäischen Bisons. Auf einer Fläche von 40.000 ha, bedeckt auf der einen Seite mit Laub-, auf der anderen mit Nadelwald, leben mehr als 30 Exemplare dieser imposanten Wiederkäuer. Und sie sind fruchtbar und vermehren sich.

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An einer Futterstelle, tief im Forst, dann die Begegnung mit den winterharten Riesen. Alles unter Aufsicht eines Wildhüters, der erklärt, wie scheu die Tiere seien, wie schreckhaft sie auf ungewohnte Laute und Gerüche reagieren. Die Wisente zogen sich denn auch nach einem ersten Auftauchen an den Raufen gleich wieder ins Dickicht zurück und ließen sich Zeit: Erst nach zwei Stunden kamen sie wieder und ließen sich aus dem Versteck photographieren und filmen.

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Wo die einen satt werden, können wir uns auch gütlich tun, denken sich da offenbar auch die Wildschweine, die sich in ganzen Rotten – ohne Futterneid oder gar gegenseitige Feindseligkeiten – Seit an Seit mit den Wisenten stärken. Großartige Bilder der Eintracht im Hunger entstehen so.

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Die erste Herde blieb ohne Nachwuchs. 1994 setzte man deshalb weitere Tiere aus. Doch erst zehn Jahre später stellte sich der erste natürliche Nachwuchs ein. Ganz so, als hätten die Wisente zunächst dem Frieden nicht getraut und erst einmal prüfen wollen, wie sich die Gegend für die Familienplanung langfristig eigne. Nun aber haben sie sich das Revier zu eigen gemacht. Eine der Herden wird von der Leitkuh Prima angeführt, die vor fast vier Jahren mit einem Peilsender versehen wurde, der seither stündlich vermeldet, wo sich der Trupp gerade aufhält.

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So weiß man, daß die Wisente sich bevorzugt im Nadelwald aufhalten und Sumpfgebiete meiden, während sie im Sommer gern Ausflüge in die Auen des Luch unternehmen, der nach 240 km Lauf in die Kljasma mündet. All die vielen Erkenntnisse, die man hier gewinnt, teilen die Zoologen mit ihren Kollegen aus Orjol, wo ein ähnliches Auswilderungsprogramm läuft. Und dann denkt man natürlich auch an naturbegeisterte Touristen, denen man eines Tages die Beobachtung der friedlichen Herrscher der Wälder erleichtern möchte. In Zukunft vielleicht auch ein Ziel für Entdecker aus Erlangen?

Hier geht es jedenfalls schon einmal zu den Anfängen des Wisent-Projekts: http://is.gd/ORLBcA, und da ist der Film zu sehen, auch ohne Textverständnis sehenswert: http://is.gd/waHobp

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Ganz im Nordosten der Region Wladimir, am Zusammenfluß des Luch mit der Kljasma, schon an der Grenze zum Gouvernement Iwanowo, liegt ein einzigartiges Naturschutzgebiet mit einer Fläche von 43.450 ha mit einer Pufferzone von 9.040 ha. Hier, in diesem Nationalpark im Landkreis Wjasniki, nahm man im April und Mai eine Bestandsaufnahme der Vögel vor und entdeckte einige Vertreter, die man ansonsten nur noch in der Roten Liste findet: Schwarzstorch und Schelladler, Grauer Kranich und Seeadler, Wasserralle und Schlangenadler, Rohrdommel und Weißflügelseeschwalbe. Hier, wo sich Luchs und Wisent Gute Nacht sagen, erholen sich auch die Bestände der Rauhfußhühner und Waldschnepfen, weil seit drei Jahren ein totales Jagdverbot herrscht.

Schwarzstorch

Schwarzstorch

Aber auch in der Partnerstadt selbst gibt es für Vogelfreunde einiges zu entdecken. Eine Art können sogar ornithologische Laien in der Regel am Gesang erkennen: die Nachtigall. In Abendstunden der letzten Tage hatte der Russische Vogelschutzbund die Wladimirer dazu aufgerufen, diese Sänger der Nacht zu zählen und die Standorte unter der sprechenden Mail-Adresse vogel-33@yandex.ru zu melden. Immerhin 17 Freiwillige beteiligten sich und orteten insgesamt 48 dieser Königinnen der Nacht, von denen allein 18 Paare im verwilderten Graben der Lybjed nisten, dieser Tage hier im Blog schon in einem anderen Zusammenhang Gegenstand der Beschreibung. Zum Vergleich: 2013 führte der NABU im Landkreis Erlangen-Höchstadt eine Zählung mit dem Ergebnis durch, daß in 54 Gärten 2304 Vögel erfaßt wurden. Ganze zwei davon waren Nachtigallen.

Nachtigall

Nachtigall

Möge deshalb der Wonnemonat hier im Blog mit dem Gesang der Nachtigall ausklingen, aufgenommen im Mai 1942 von der BBC, als sich englische Bomber nach Mannheim aufmachten. Ein unvergleichliches Hörerlebnis – und eine hoffnungslos schmerzlich-schöne Stimme, die wohl auch im Osten der Ukraine beim Anbrechen der Nacht vergeblich gegen das Wüten der Menschen ansingt. Trotzdem reinhören in Nightingale and Bombers: http://is.gd/j9eMsx. Wissenswertes zum Thema aus Berlin gibt es hier: http://is.gd/j62DjZ%5B

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An der Tesa

Eine gute Wendung nimmt es mit dem Kljasminsko-Luchskij Naturschutzgebiet in der Region Wladimir. Der Protest der Umweltschützer vor Ort, aber auch die Einschaltung von Staatsduma, Word Wildlife Fund und Europaparlament – ja, so wichtig ist diese Sumpf- und Waldlandschaft in den Auen der Kljasma – hat ein Einlenken von Gouverneur Nikolaj Winogradow bewirkt, der vor fast einem Jahr zwei Drittel der Fläche aus der strengen Schutzzone herausnehmen und zum Pufferbereich machen wollte. Für viele der Dutzende Tierarten, die sich alle auf der Roten Liste tummeln, hätte diese Entscheidung möglicherweise das endgültige Verschwinden aus einem der letzten Rückzugsgebiete bedeutet.

Wisent

Der Widerstand der Ökologen und der Öffentlichkeit tat das Seine. Bereits jetzt ist festgelegt, daß sich an den Schutzgrenzen nichts ändert. Bei den nun anberaumten Anhörungen ist nur noch zu klären, wie die einzelnen Zonen sich genau zueinander verhalten, wie sie am besten bewahrt werden können. Ilja Wachromejew vom Lehrstuhl für Botanik, Zoologie und Ökologie an der Staatlichen Universität Wladimir freut sich jedenfalls schon jetzt darüber, daß „der gesunde Menschenverstand doch noch gesiegt hat“. Um diesen Sieg zu erringen, waren im vergangen Jahr aber einige Expeditionen in das Gebiet bei Wjasniki notwendig, wo 100 km östlich von Wladimir der Luch in die Kljasma mündet. Viele Expertisen werden noch angefertigt, viele Fachleute werden sich noch streiten, aber die Hauptsache ist: Das Naturschutzgebiet bleibt in seinen ursprünglichen Grenzen erhalten

Biberspuren

Es geht um 21.000 ha, die bereits 1978 am Zusammenfluß von Kljasma, Luch, Uwod und Tesa im Grenzgebiet der Gouvernements von Wladimir und Iwanowo zum Naturschutzgebiet erklärt worden waren. Entstanden ist es aus den bereit 1935 eingerichteten Schutzzonen für Biber und Wassermaulwurf bzw. Desman, eine einzigartiger Kleinsäuger, der nur noch in wenigen Rückzugsgebieten Rußlands und in den Pyrenäen in zwei Unterarten vorkommt. Das Sumpfgebiet zählt 67 Seen mit einer Fläche von 5 bis 45 ha, 19 kleinere mit weniger als einem Hektar Fläche und an die einhundert Tümpel und Weiher, zusammen mehr als 440 ha Ausdehnung. Hinzu kommen die vielen kleinen fischreichen Flüsse, die alle am Südrand des Gebiets in die Kljasma münden. 73% der Fläche sind von Mischwäldern und Lichtungen bedeckt. Ein wahres Dorado findet sich hier für Botaniker, die hier sogar die Wassernuß entdecken können, eine Pflanze, die hierzulande fast als ausgestorben gilt.

Wassermaulwurf

Nicht minder vielfältig zeigt sich die Tierwelt mit dem wunderlichen Wassermaulwurf, gefolgt vom Biber, Baummarder, Fischotter, Elch, Dachs, Hermelin, Fuchs und Wildschwein, um nur einige zu nennen. Die Liste wäre aber unvollständig ohne die Wisente, die sich von hier aus, seit 1996 vom WWF betreut, wieder in ihrer ursprünglichen Heimat verbreiten können. Besonders reich auch die Vogelwelt mit Schelladler, Sumpfweihe, Habicht, Sperber, Auer- und Birkhahn, Reb- und Haselhuhn, Wachtel, Wald- und Doppelschnepfe, Bekassine, Ringeltaube und der Wachtelkönig mit seinem so schön lautmalerischen lateinischen Namen crex crex. Im reichlich vorhandenen Wasser tummeln sich Hecht, Rotauge, Schleie, Brachse, Aland, Karausche, Gründling, Quappe, Zander, Barsch und Kaulbarsch, um nur die wichtigsten Arten zu nennen.

Angemerkt sei aus aktuellem Anlaß, daß auch Erlangen so seine liebe Not mit der Erhaltung von Naturschutzgebieten hat. Just heute soll in der Staudtstraße gegen den Bau des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts demonstriert werden, weil Umweltschützer fürchten, damit gehen wichtige Rückzugsgebiete für gefährdete Arten verloren. Und man erinnert sich an den Biber im Kreis Höchstadt, der sogar Landrat Eberhard Irlinger auf den Plan gerufen hat. Da könnte man fast auf den Gedanken kommen: Von Wladimir protestieren lernen, heißt siegen lernen.

Mehr zur Vorgeschichte unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/04/23/ein-federstrich-gegen-die-umwelt

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