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Posts Tagged ‘Löffelmuseum Wladimir’


Der Löffel spielt in der russischen Folklore und Küche eine farbenprächtige Rolle. Aus Holz, mit den unterschiedlichsten Mustern bemalt, kommt das Besteck als Rhythmusinstrument ebenso zum Einsatz wie als Schöpfkelle beim Genuß von Borschtsch. Und kaum ein Tourist, der nicht wenigstens einmal der Versuchung erliegt, so ein Teil zu erwerben, wenn man es nicht ohnehin als Andenken geschenkt bekommt. Doch natürlich ist auch in der russischen Geschichte dieser vermeintlich schnöde Gebrauchsgegenstand immer schon auch ein Objekt der künstlerischen Gestaltungskraft gewesen.
Löffel 6
Die vielen Formen und Ausprägungen des Löffels sind nun seit diesem Sommer in Wladimir in einem eigens von Tatjana Pikunowa eingerichteten Museum zu sehen. Ganz im Zentrum ist es gelegen, in einer engen Seitengasse der Hauptstraße, rechter Hand kurz vor der Brücke, die zum Kathedralenplatz führt.
Löffel 5
Bisher gilt der Besuch in dem Privatmuseum noch als Geheimtip, aber das bleibt gewiß nicht mehr lange so, denn Fachleute aus Moskau stellen den Exponaten ein hervorragendes Zeugnis aus. Folgt man dem Wegweiser zur Ausstellung, findet man nicht nur ein überraschendes Kleinod der russischen Kulturgeschichte, sondern auch ein Gästebuch, in dem sich neben russischen Besuchern aus allen Landesteilen auch die ersten Neugierigen aus Polen, Italien und Deutschland eingetragen haben.
Löffel 4
Die Museumsleiterin macht gerne selbst Führungen in englischer Sprache, aber es gibt auch die Audioführer in deutscher, italienischer und englischer Sprache. Nicht von ungefähr, denn zu sehen sind auch Exponate aus anderen Ländern, wie etwa „Liebeslöffel“ aus Wales, die, aus einem Stück Holz geschnitzt, zur Brautwerbung gehörten.
Löffel 3
Zu einem richtigen Museum gehört auch ein Forschungsansatz, der Anspruch, hinter die Dinge zu dringen und Zusammenhänge zu zeigen. Unmöglich ohne Querbezüge, etwa zur Geschichte des Bestecks im alten Ägypten oder Ausstellungsstücke aus den Anfängen der russischen Kultur. Apropos Anfang.
Löffel 2
Begonnen hat alles mit einem Geschenk der Mutter in der Tradition der Großmutter, die auch schon ganz vernarrt in Besteck gewesen sein soll. Mittlerweile sind Tausende von Objekten zusammengekommen, wobei bisher „nur“ 850 davon ausgestellt sind. Mehr als 1.000 sollen es auch gar nicht werden, um das Museum nicht zu überfrachten.
Löffel 1
Sollte jemand einen Löffel abzugeben haben, der von musealem Interesse sein könnte, tue er das also hier, in Wladimir. Aber man sollte dann auch eine Geschichte dazu mitbringen, die Tatjana Pikunowa dann ihren Besuchern weitererzählen kann.

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