Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Lebenserwartung Rußland’


Heute ist ganz Rußland in Feierlaune. Sogar die diplomatischen Vertretungen des Kremls rund um den Erdball bleiben zu, denn man begeht den „Tag des Vaterlandsverteidigers“, eingeführt bereits 1922 als „Tag der Roten Armee und Flotte“ und 1946 umbenannt in den „Tag der sowjetischen Armee und Kriegsmarine“, seit 1993 unter der heutigen Bezeichnung bekannt und beliebt. Wie man hört, nicht nur bei den Männer aller Altersgruppen.

Alles Gute zum Tag des Vaterlandsverteidigers!

Alles Gute zum Tag des Vaterlandsverteidigers!

Der Wladimirer TV-Kanal Zebra hat aus gegebenem Anlaß dem durchschnittlichen Vaterlandsverteidiger auf den Zahn gefühlt und dabei folgende Ergebnisse ans Tageslicht gebracht.

Der Durchschnittsmann in der Region Wladimir ist 38 Jahre alt, hat eine Berufsschulausbildung und eine Familie. Er arbeitet brav seine 40 Stunden in der Woche, also acht am Tag, zumeist in der Produktion. Seine Arbeitsbedingungen können durchaus schädlich sein, dafür verdient er im Schnitt um ein Drittel mehr als seine Frau. Wenig Grund zum Optimismus bietet der Blick auf den demographischen Aspekt. Ab dem 55. Lebensjahr stellen sich ernsthafte gesundheitliche Probleme ein, und längst nicht jeder erlebt seinen 65. Geburtstag. Die 2013 geborenen, künftigen Vaterlandsverteidiger dürfen mit einer Lebenserwartung von kurzen 62,8 Jahren rechnen, fast 13 Jahre weniger die Mädels. Einige Ausnahmen bestätigen die Regel: 3.919 Männer in der Region Wladimir sind 85 Jahre und älter, und immerhin noch 25 haben das 100. Lebensjahr vollendet. Der natürliche Geburtenüberschuß hält bis zum 35. Geburtstag an, bis dahin haben die Vaterlandsverteidiger also zumindest theoretisch noch die Herrenwahl. Doch danach schlägt es rasch um: Anfang 2014 hatten die Männer gerade einmal 45,1% Anteil an der Gesamtbevölkerung, sprich, auf 1.000 Männer kommen 1.217 Frauen. Damenwahl!

Tag des Vaterlandsverteidigers

Alles Gute zum Tag des Vaterlandsverteidigers

Zum gleichen Zeitpunkt waren von den 638.100 Männer in der Region Wladimir 17,5% (111.400) Jungs im Alter bis 15 Jahre, während die Altersgruppe der arbeitsfähigen Männer im Alter von 16 bis 59 Jahren 66,4% ausmachte. Nur 16,1% der Männer, ungefähr 103.000, hatten das Pensionsalter erreicht. Dennoch ist gerade diese Gruppe in den letzten fünf Jahren um 8,4% gewachsen.

23. Februar. Alles Gute zum Tag des Vaterlandsverteidigers

23. Februar. Alles Gute zum Tag des Vaterlandsverteidigers!

Als die „männlichsten“ Arbeitsbereiche gelten in der Region Wladimir Rohstoffgewinnung, Produktion und Verteilung von Strom, Gas und Wasser, Bauwirtschaft, Verkehr und Telekommunikation. 60% aller berufstätigen Männer arbeiten in diesen Sektoren. 45,5% sind in der Verwaltung und allen möglichen Leitungs- und Führungsfunktionen tätig.

Fast die Hälfte der Studenten an den Hochschulen der Region Wladimir waren zum Wintersemester 2013/14 männlichen Geschlechts. Bei Promotionen und Habilitationen steigt ihr Anteil allerdings auf mehr als 80%.

Ergeben Sie sich! Sie sind umzingelt!

Ergeben Sie sich! Sie sind umzingelt!

Nach dem 2010 erhobenen Material der letzten Volkszählung gibt es 103.411 Alleinerziehende. Davon sind aber nur 6.036 Männer. Dafür zieht es fast ein Viertel der Männer vor, ein Leben als Hagestolz zu führen. Womit wir wieder bei der Damenwahl wären…

Amüsiert euch ruhig, Jungs, wir halten derweil Wache.

Amüsiert euch ruhig, Jungs! Wir halten derweil Wache…

P.S.: Warum die russischen Männer so jung dahinwelken? Ein trauriges Thema, unpassend für den heutigen Festtag, wo es doch zu gratulieren gilt! Aber nur aufgeschoben.

Read Full Post »


„Nach Angaben des Staatlichen Amtes für Statistik sterben die Russen vor allem daran, daß sie in Rußland leben.“ So lautet ein bitter-schwarzer Witz, der leider sehr nahe an der Wirklichkeit ist. Und der bei uns noch immer so gern gehörte Udo Jürgens würde mit seinem Altershit vor russischem Publikum schlichtweg als Zyniker gelten.
 

Engel Anton: "In meiner Kindheit hatten mich alle lieb, malten Bilder von mir..."

 
Aus den nun für 2011 veröffentlichten Zahlen für die Region Wladimir kann man bei der Demographie immerhin einen Trend zum Besseren ablesen: Die Sterblichkeit fiel von 18,7 im Jahr 2007 auf 17,1 je 1.000 Einwohner. Demgegenüber stieg die Geburtenrate im gleichen Zeitraum leicht von 10,1 auf 10,9 je 1.000 Einwohner. Besonders erfreulich der Rückgang der Kindersterblichkeit, die gegenwärtig bei 6,1 auf 1.000 Geburten liegt. Die Lebenserwartung hingegen beträgt gerade einmal gute 66 Jahre. Dabei ist zu bedenken, daß die Männer oft kaum die 60 erleben, während Frauen mit ihren immerhin 75 Jahren und ihrer Mehrheit den Schnitt nach hoben heben.

Nichts kommt unerwarteter als das Alter.

 
Experten sind sich einig: Die demographische Entwicklung läßt sich nur zum Besseren wenden, wenn das Gesundheitssystem effektiver wird und gleichzeitig vor allem die Männer mehr Fürsorge in eigener Sache betreiben und nicht länger nach dem Motto leben „live fast and die young“.
 

Humor kann sogar das Alter verschönern.

 
Vor allem aber – und den Zusammenhang kennt man ja auch in Deutschland – müssen sich die sozialen Verhältnisse ändern. 70% der Russen sehen sich trotz wachsendem Mittelstand noch immer in Armut oder zumindest von selbiger bedroht. Keine Umstände also, in denen man gern in Ruhe alt wird und wo mit 66 Jahren das Leben erst so richtig anfängt.

Read Full Post »


Statistiker bescheinigen den Erlangern, länger zu leben als alle anderen Einwohner Bayerns. Die hohe Ärztedichte, die vielen Kliniken, das Gesundheitsbewußtsein, die vielen Angebote einer Stadtverwaltung, die den gesamten Medizinbereich schon vor Jahren erfolgreich als strategisches Ziel ausgegeben hat, ausgewogene Ernährung… Der Faktoren mag es viele geben, die dazu führen, daß Frauen in Erlangen durchschnittlich 78 und Männer fast 76 Jahre alt werden.

Davon ist man in Wladimir leider noch weit entfernt, wenngleich sich eine erfreuliche Tendenz abzeichnet. Gegenüber der Volkszählung von 2002 hat der Zensus vom letzten Jahr nämlich bestätigt, daß die Lebenserwartung langsam, aber stetig steigt: Frauen erreichen nun im Schnitt 78, 5 und Männer 59,5 Jahre, fast zwei Jahre mehr als im Vergleichszeitraum. Doch die Freude wird getrübt, wenn man weiß, daß allein im Vorjahr von den mehr als 13.000 verstorbenen Männern in der Region Wladimir, fast die Hälfte noch nicht die Pensionsgrenze von 60 Jahren erreicht hat. Es herrscht also nach wie vor Damenwahl in Rußland – die Ergebnisse aus Wladimir sind mehr oder weniger landesweit übertragbar -, wo es allein in der Region Wladimir einen Frauenüberhang von 140.000 gibt. Ein demographisches Problem, das zu lösen in den nächsten Jahren für Rußland überlebenswichtig wird.

Read Full Post »


Stent

Stent

250 Mio. Rubel stehen dank einem Regierungsprogramm zusätzlich zur Verfügung, um die Krankenhäuser in der Region Wladimir im Kampf gegen Herz- und Gefäßerkrankungen besser auszurüsten. Mit Hilfe des Gesundheitsministeriums will das Gouvernement an möglichst vielen Krankenhäusern einen geschlossenen Therapiekreis anbieten und mehr Herzschrittmacher und Stents bereitstellen. In der Praxis bedeutet der geschlossene Therapiekreis, daß der Patient mit kardio-vaskulären Symptomen von der ersten Minute an jede denkbare medizinische Hilfe erfährt; von der Intensivstation bis hin zur Rehamaßnahme soll alles auf seine besonderen Bedürfnisse abgestellt sein. 

Hämodialyse

Hämodialyse

Gleichzeitig zeigt sich auch der Haushaltsplan der Region großzügig gegenüber der Medizin: Einem bis 2012 angelegten Programm zufolge soll mehr als eine Milliarde Rubel ausgegeben werden, um etwas gegen die Kinder- und Müttersterblichkeit zu tun. Noch in dem Jahr will man für Krankenhäuser in Wladimir, Kowrow, Murom und Alexandrow neue Geräte für die Hämodialyse anschaffen. Auf der Einkaufsliste stehen darüber hinaus moderne Apparate für Ultraschalluntersuchungen und ein System für Videoendoskopie im Bereich der Onkologie. Ein großer Teil der Mittel ist aber auch für eine Diagnose des Gesundheitssystems selbst eingeplant: Man will herausfinden, inwieweit die Krankenhäuser effektiv und kostenbewußt arbeiten. Da werden sich gewiß Einsparpotentiale auftun.

Demgegenüber spart die Bevölkerung an der falschen Stelle. Zur Zeit läuft ein großangelegtes staatliches Programm im Bereich Vorsorge, doch die Nachfrage hält sich in Grenzen. Die Politik hat die Volksgesundheit als zentrales Problem erkannt und will dagegen vorgehen, doch das Volk scheint sich nicht groß zu sorgen um das eigene Wohlbefinden. Dabei besteht durchaus Anlaß zum Handeln. Man geht davon aus, daß gerade einmal 10% der Wladimirer so gesund sind, daß man sie ohne Bedenken auf einen Weltraumflug schicken könnte. Alle anderen haben ernstzunehmende Wehwechen, leiden an chronischen Krankheiten oder gehören zu einer Risikogruppe. Ein halbes Jahr läuft das Programm schon, und man hat jede Menge Krebs-, TBC- und Diabetesfälle im Frühstadium erkannt. Noch 15.000 Wladimirer sollten bis Ende des Jahres die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen durchlaufen, bisher aber hat gerade einmal die Hälfte davon Gebrauch gemacht. Die Ärzte warnen denn auch, daß so schnell nicht wieder ein derart umfangreiches Programm laufen werde, wo man sich innerhalb von eineinhalb bis zwei Stunden so gründlich auf Herz und Nieren untersuchen lassen kann. Das geringe Interesse an Prophylaxe führen die Ärzte auf die russische Mentalität zurück. Die Menschen seien es nicht gewohnt, auf ihre Gesundheit zu achten. Das täten sie aber wohl besser gerade in Zeiten der Krise, wo es bei Entlassungen die Kranken als erste erwischt.  Und dann ist da noch ein alarmierender Vergleich: Die russischen Männer sterben im Mittel 17 Jahre früher als ihre deutschen Geschlechtsgenossen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der russischen Männer liegt bei 58,9, die der russischen Frauen bei 72,4 Jahren. Wer da also zu spät oder gar nicht zur Vorsorgeuntersuchung kommt, den bestraft das Leben – mit einem frühen, viel zu frühen Tod.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: