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Posts Tagged ‘Kriminalität Wladimir’


Am 30. März vergangenen Jahres kam eine gar düstere Geschichte ans Licht. Jemand hatte geplant, Sergej Sacharow, den ehemaligen Oberbürgermeister von Wladimir und jetzigen Stadtdirektor von Susdal, zu entführen, um Lösegeld zu erpressen. Festgenommen hatte man einen 29jährigen Mann, den der Inlandsgeheimdienst seit Herbst 2015 beobachtete und verdächtigte, den Politiker in einer eigens angemieteten Garage am Stadtrand von Wladimir mit verschiedenem Werkzeug foltern zu wollen – etwa Finger abzuschneiden oder Zähne abzufeilen -, um mittels der Schmerzensschreie, die der Erpresser den Verwandten zuzuspielen vorhatte, seiner Forderung nach zehn Millionen Rubeln Nachdruck zu verleihen. Ausführen wollte der Verkaufsleiter mit einem durchaus ansehnlichen Monatseinkommen von 50.000 Rubeln mit einem vorbestraften Komplizen, der weitere Helfer anwerben sollte, aber an verdeckte Ermittler geriet. Da hatte der Verdächtige aber schon den mutmaßlich reichen Sergej Sacharow im Visier und seinen Weg zur Arbeit von Wladimir nach Susdal ausgekundschaftet. Zwei Mal war er dem Politiker sogar bis in die Nachbarstadt gefolgt, um zu sehen, ob die Entführung dort besser zu bewerkstelligen sei.

Sergej Sacharow vor dem Hintergrund von Susdal

Der Spuk, von dem Sergej Sacharow erst kurz vor der Verhaftung des verhinderten Täters erfuhr, ist nun vorüber und juristisch geklärt. Neun Jahre Haft und ein weiteres Jahr in Sicherheitsverwahrung lautete dieser Tage das Urteil für Lew Kruglow, der übrigens seine Unschuld beteuert, alles auf falsche Freunde schiebt, die ihn angestiftet haben sollen, und die Sache als Provokation ausgibt, während die Ermittler weitere Ergebnisse ihrer Arbeit publik machten: Es waren weitere Entführungen von Politikern aus der Regionalregierung sowie eine führenden Mitarbeiters eines Handelszentrums geplant, und mit der Beute wollte sich der als voll zurechnungsfähig eingestufte Erpresser nach Weißrußland oder Deutschland absetzen. Nun sitzt er aber erst einmal ein, und Sergej Sacharow, der sich übrigens den Gerichtstermin und die damit verbundenen Gegenüberstellung mit seinem vorsätzlichen Peiniger erspart hatte, kann heute unbesorgt das Stadtfest in Susdal feiern, worüber sich seine Freunde freuen, heute und alle Tage.

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Gerade eben konnte die Polizei mit berechtigtem Stolz verkünden, in allen 59 Mordfällen des ersten Halbjahrs in der Region Wladimir die Täter überführt zu haben. Eine hundertprozentige Aufklärungsquote. Und da ist auch schon der nächste Casus gelöst, freilich von einer Art, die selbst erfahrene Kriminalisten schaudern macht. Die Schreckensgeschichte, ein Familiendrama, nahm so ihren Lauf:

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Vor zehn Jahren lernte ein damals 36jähriger Wladimirer seine spätere Frau, ein fünfzehnjähriges Mädchen, kennen, das bei ihrem Stiefvater und Halbbruder aufwuchs. Das schwere Schicksal der Waise rührte nach eigener Aussage das Herz des Mannes, der sich – ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen – als „guter Onkel“ der Halbwüchsigen annahm und sie, gerade volljährig geworden, heiratete. Er brachte einen Sohn mit in die Ehe, selbst blieb das Paar kinderlos und lebte das letzte halbe Jahr getrennt. Als die junge Frau nach dem russischen Nationalfeiertag am 13. Juni nicht zur Arbeit erschienen war, meldete sich eine Freundin bei der Polizei, die bald feststellte, daß der Mann der letzte war, der die Verschwundene gesehen hatte. Der gab an, er habe sich tatsächlich an dem Festtag mit seiner Frau versöhnt, in der Nacht sei sie aber noch in einen Klub, wo sie freilich niemand gesehen hatte. Der Verdacht der Ermittler fiel denn auch auf den Mann – und, wie sich zeigen sollte, berechtigterweise, denn er hatte in jener Nacht seinem Opfer – wohl aus Eifersucht – buchstäblich den Hals umgedreht. Der Gerichtsmediziner stellte an der Leiche den Bruch der Halswirbel fest.

Anderntags, so das Ergebnis der Fahnder, bat der Mörder seinen Sohn um Rat, und der rief einen Freund, um die Leiche zu dritt in einem Dorfweiher unweit von Susdal zu versenken. Doch nach einigen Tagen dämmerte dem Täter, in den Kleidern der Toten könnte noch ihr Handy stecken, das die Polizei auf ihre Spur führen dürfte. Also fuhr er nochmals mit dem Sohn zu dem Gewässer, wo die Tote inzwischen wieder aufgetaucht war. Die beiden holten die Ermordete an Land und vergruben sie unter Büschen am Ufer, an einem Ort, zu dem der geständige Mörder die Polizisten nun führte.

Auch wenn die Statistik stimmt, nimmt einem doch ein derartiges Verbrechen den Atem. Bei Othello, dem klassischen Eifersuchtsdrama, findet man dazu die Worte: „Mein Herz ist zu Stein geworden; ich schlage daran, und die Hand schmerzt mich.“

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Aus „persönlicher Abneigung“ hat in der Nacht vom 22. auf den 23. November im Wladimirer Regionalkrankenhaus ein Patient seinen Bettnachbarn erstochen. Der 58jährige Täter stammt aus der Kreisstadt Koltschugino und war wegen eines Herzinfarkts in Behandlung. Das Opfer, ein 84jähriger Wladimirer, habe ihn, wie er gegenüber der Polizei angab, mit seinem ständigen Gebrabbel genervt. Mehrere Stiche in Hals und Brust führten offenbar so schnell zum Tod, daß selbst in einem Krankenhaus jede Hilfe zu spät kommen mußte.

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Der genaue Tathergang ist noch nicht öffentlich, deshalb läßt sich in Abwandlung des bekannten Schillerworts nur sagen: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden sterben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Und zeitlos gültig vom gleichen Dichter: „Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, / verderblich ist des Tigers Zahn, / jedoch der schrecklichste der Schrecken, / das ist der Mensch in seinem Wahn.“

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Das Böse unter der Sonne gibt es leider nicht nur bei Agatha Christie, sondern auch in der Partnerstadt. Berichtet werden soll davon heute im Blog freilich in der Hoffnung darauf, das Neue Jahr möge weniger Opfer kosten, – und all die schlimmen Dinge sollen möglichst nur zwischen zwei Buchdeckeln stattfinden.

Agatha Christie: Das Böse unter der Sonne

Agatha Christie: Das Böse unter der Sonne

Von Januar bis November 2013 wurden im Gouvernement Wladimir 117 Morde registriert, immerhin ein leichter Rückgang gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr mit damals 147 Kapitalverbrechen. Hinzu kommen 57 Totschlagsdelikte und 32 Vergewaltigungen. Sechs Mordfälle sind noch ungelöst. Tröstlich die Aufklärungsquote von 98% bei Tötungsdelikten und von 96% bei Notzuchtfällen. Auffällig aber, daß die Zahl gemeldeter pädophiler Übergriffe von 15 im Jahr 2012 auf 50 gestiegen ist. Erklären kann man sich diesen Umstand durch die Verhaftung von Serientätern. Da ist der Fall eines Offiziers, bekannt als Familienmensch und Unternehmer, der jahrelang die ganze Region Wladimir nach Mädchen im Alter von neun bis dreizehn Jahren abgesucht hat, um ihnen Gewalt anzutun. Anhand von Videomaterial, das man bei ihm fand, geht man derzeit von 127 zum Teil weit zurückliegenden Verbrechen dieses einen Täters aus. Die Statistik beschäftigte auch der sogenannte „rechtgläubige Poet“, ein Pseudopriester, der ein Heim einrichtete, in das er drei Mädchen einlud, um sie orthodoxe Sittlichkeit zu lehren – und mutmaßlich von den „Feen und Musen“, wie er sie nannte, seine eher pathologischen denn platonischen Bedürfnisse befriedigen zu lassen.

Mord

Ausgerechnet er, ein weiterer Päderast und eine wegen Gewalt gegen ihr Kind angeklagte Mutter kamen nun kurz vor der Jahreswende aus dem Untersuchungsgefängnis frei und wurden bis zur Verhandlung unter Hausarrest gestellt. Möglich geworden aufgrund der Amnestie Wladimir Putins, die im Westen fast nur im Zusammenhang mit der Freilassung von Michail Chodorkowskij und der beiden Mitglieder von Pussy Riot wahrgenommen wurde. Die aber auch Anlaß bietet, einmal darüber nachzudenken, was es bedeutet, wenn der Präsident von der „Diktatur des Rechts“ spricht, deren Herrschaft er propagiert. Da heißt es aufgepaßt, denn schon Alexis de Tocqueville warnte: „Für jede Dikatur kommt der Moment der höchsten Gefahr, wenn sie versucht, sich zu bessern. Nur die höchste Staatskunst kann den Thron des Königs retten, wenn er sich nach langer Unterdrückung auf den Weg macht, das Los seiner Untertanen zu erleichtern.“

Kindesmißbrauch

Doch bleiben wir beim Kindesmißbrauch. Das „Wehe dem, der ein Kind kränkt!“ aus Fjodor Dostojewskijs Roman „Der Idiot“ wird wohl heute besser verstanden denn je. Die Ermittler zumindest meinen, die gestiegene Zahl von Fällen auch damit erklären zu können, daß die Öffentlichkeit für das Thema besser sensibilisiert sei, bei Übergriffen rascher mit Anzeige reagiere als früher. Und auch die Kinder selbst seien wachsamer geworden. Dennoch gehe man – wohl leider wie überall auf der Welt – von einer hohen Dunkelziffer aus.

Und noch einmal zurück zu den Morden, von denen hier nur einige bizarre Fälle aus der ganzen Region rekapituliert werden sollen: Da ist ein ehemaliger Polizist, der einen Rauschgiftsüchtigen in den Wald lockt, ihn dort an einen Baum fesselt und sich selbst und damit dem Tod überläßt; einer lädt seine Straßenbekanntschaft zu sich ein und wird vom Gast erstochen und darauf zerstückelt und im Keller eines Schuppens nebenan verscharrt; ein Mörderpärchen, Mann und Frau, Mitte 50, sie als Postbotin, verschafft sich Zugang in ein Haus, wo die beiden mit einem Beil eine Rentnerin und deren Tochter erschlagen und 48.000 Rubel, etwa 1.000 Euro Bargeld rauben; oder der 22jährige Timofej K., der nun für neun Jahre ins Gefängnis geht, weil er mitten in Wladimir ohne erkennbaren Grund einen geistig behinderten Mann mit einer brennbaren Flüßigkeit übergoß und ihn dann anzündete und wohl hätte verbrennen lassen, wenn es dem nicht selbst gelungen wäre, sich zu einem Brunnen mit Wasser zu retten. Und schließlich ist da noch jene filmreife Geschichte, von der im Blog bereits berichtet wurde: http://is.gd/yIJb9h. Doch damit genug von diesem blutigen Jahresrückblick.

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Zur rechten Zeit am rechten Ort waren in einer dieser kühl-trüben Herbstnächte in Wladimir jene dreisten Diebe, die auf dem Markt „Fackel“ aus einem Verkaufsstand einhundert wertvolle Pelzmäntel entwendeten. Die Verkäuferinnen standen am Morgen ratlos vor den brachialen Spuren des Einbruchs und den entblößten Schaufensterpuppen – und fanden nur noch einen einzigen Mantel vor. Wie zum Hohn zurückgelassen von den Übeltätern, die offenbar nicht nur über Ortskenntnisse verfügten, sondern wohl auch von der Lieferung erfahren hatten. Ein Schaden von etwa zwei Millionen Rubel ist so entstanden oder – je nach Blickwinkel – ein steuerfreier und eher noch größerer Reingewinn.

Mantel

Pelzmäntel

Nun fragt sich, ob die Nachtwächter ihren Dienst getreulich versehen haben, ob da Geschäftsleute untereinander alte oder neue Rechnungen beglichen haben. Dem allen wird nun die Polizei nachgehen müssen. Hoffentlich mit mehr Erfolg, als das in der Erzählung „Der Mantel“ von Nikolaj Gogol der Fall ist, wo der unglückliche und von keiner Unbill verschonte Held, Akakij Akaijewitsch, seines unter großen Entbehrungen erstandenen Mantels mit Katzenfellbesatz (Marder wäre denn doch zu teuer gekommen) des Nachts auf offener Straße beraubt wird. Das bittere Ende der Suche nach dem guten Stück zeichnet sich schon in folgendem Zitat aus diesem Meisterwerk der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts ab:

Kanzleikopist Akakij Akakijewitsch

Kanzleikopist Akakij Akakijewitsch

„Die Kunde vom Raub des Mantels rührte viele Beamte ehrlich, ungeachtet der Tatsache, daß sich auch solche fanden, die sich nicht einmal jetzt die Gelegenheit entgehen ließen, über Akakij Akakijewitsch zu spotten. Man beschloß auf der Stelle, für ihn eine Sammlung zu veranstalten, aber es kam nur ein klägliches Sümmchen zusammen (…). Irgendein Jemand, von Mitleid bewogen, beschloß Akakij Akaijewitsch wenigsten mit einem guten Rat zu helfen, und sagte ihm, daß er lieber nicht zum Revierdirektor gehen solle, weil es durchaus geschehen könne, daß der Inspektor, um sich eine Belobigung seiner Vorgesetzten zu verdienen, den Mantel auf irgendeine Art ausfindig machte, der Mantel aber dennoch bei der Polizei verbliebe, wenn er nicht gesetzliche Beweise beibrächte, daß er ihm gehöre; und daß es am besten sei, sich an eine bedeutende Persönlichkeit zu wenden, da diese bedeutende Persönlichkeit durch schriftliche und mündliche Auseinandersetzungen mit den zuständigen Behörden, diese dazu veranlassen könnte, die Sache wohlgeneigt zu betreiben. Da war nichts zu machen, Akakij Akakijewitsch beschloß, zu einer bedeutenden Persönlichkeit zu gehen. Welches Amt diese bedeutende Persönlichkeit nun innehatte oder welche Stellung sie bekleidete, das ist bis heute unbekannt geblieben. Man muß wissen, daß diese bedeutende Persönlichkeit erst vor kurzem eine bedeutende Persönlichkeit geworden und bis dahin eine unbedeutende Persönlichkeit gewesen war. Im übrigen galt ihre Stellung auch jetzt nicht als bedeutend im Vergleich zu anderen, noch bedeutenderen. Doch es findet sich ja immer ein Kreis solcher Menschen, für die eine in den Augen anderer unbedeutende Persönlichkeit schon eine bedeutende ist. Im übrigen bemühte sich diese bedeutende Persönlichkeit, ihre Bedeutung durch viele andere Mittel zu erhöhen, indem sie zum Beispiel einführte, daß die niedrigeren Beamten sie auf der Treppe empfangen mußten, wenn sie ins Amt kam, daß niemand unmittelbar bei ihr erscheinen durfte, sondern daß alles in streng geregelter Ordnung erfolgen mußte: Der  Kollegienregistrator hatte dem Gouvernementssekretär Meldung zu erstatten, der Gouvernementssekretär dem Titularrat oder irgendeinem anderen entsprechenden Beamten, und auf diese Weise sollte es weitergehen, bis die Sache endlich ihr, der bedeutenden Persönlichkeit, vorgetragen werden konnte. So ist nun einmal im heiligen Rußland alles von der Nachahmungssucht angesteckt, jeder ahmt und äfft seinen Vorgesetzten nach…“

Der Raub des Mantels

Der Raub des Mantels

Fjodor Dostojewskij hat später einmal, bezogen auf sich und seine russischen Schriftstellerkollegen, gesagt: „Wir kommen alle aus Gogols Mantel.“ Ob die Manteldiebe von Wladimir das auch im Sinn hatten, wissen wir nicht, aber Stoff für einen neuen Roman hätten sie dem großen Romancier gewiß geliefert, hat der doch so manche Zeitungsmeldung literarisch veredelt und aus einem Katzenfell einen Zobelkragen gezaubert. Die kommenden langen Nächte bieten genug Gelegenheit, sich davon lesend zu überzeugen. Den Mantel für den kalten Winter wohlverwahrt im Schrank.

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Die zehn roten Tage im Kalender um den Jahreswechsel, die erst am Mittwoch enden, hatte der Seuchenbeauftragte der Russischen Föderation Ende Dezember eine „Dekade des Schreckens“ genannt. In dieser Zeit seien die meisten Bürger unseres Landes sich selbst überlassen. Gefährlich, denn: „Es gibt keinen schlimmeren Feind für unseren Bürger als ihn selbst“, äußerte sich Gennadij Onischtschenko in einer Art Publikumsbeschimpfung zu seinen Landsleuten und keilte gleich auch noch gegen die Medien, die an den Festtagen bestensfalls noch Morde zeigen, um der lieben Quote willen.

In dem 1969 erschienenen Kriminalroman „Schneewittchen-Party“ von Agatha Christie klingt dieses Thema bereits dunkel an, wenn Miss Emlyn zu Poirot sagt: „Nach allem, was man heutzutage so lesen und hören kann, scheint Mord unter bestimmten Gesichtspunkten langsam aber sicher für einen großen Teil der Gesellschaft zu etwas durchaus Akzeptablem zu werden.“

Handschellen

In dem Tenor verlautbart leider auch die Wladimirer Staatsanwaltschaft ihren Rückblick auf das vergangene Jahr: Weniger Einbrüche, aber mehr Morde. Den Dezember noch gar nicht eingerechnet, wurden in der Region mehr als 20.000 Verbrechen begangen, darunter eintausend schwere und besonders schwere. Und leider, so heißt es, sei auch das „Auerwild“ nicht weniger geworden, womit der Polizeijargon unaufgeklärte Fälle meint. In Zahlen heißt das laut Wjatscheslaw Tschebotarjow, Oberstaatsanwalt des Gouvernements Wladimir: „Die Aufklärungsquote erreicht nicht einmal 60%. Bei einigen Verbrechen liegt sie gar nur zwischen 30% und 40%. Ich hoffe, die jetzt eingeleiteten polizeilichen Maßnahmen zeigen schon im ersten Halbjahr 2013 Wirkung.“ Die Region Wladimir liegt damit unter den 83 Subjekten der Russischen Föderation auf der verbesserungsfähigen Position 55.

Und noch ein paar traurig sprechende Zahlen: 2010 zählte man in ganz Rußland 14.574 Tötungsdelikte, wobei nicht nach Waffen differenziert wird. Im Vergleich dazu waren es in den USA – bei gut der doppelten Einwohnerzahl – nur wenig mehr, nämlich 14.748, davon 9.960 durch Schußwaffen, in Deutschland kamen 889 Menschen gewaltsam zu Tode, davon 158 durch Schußwaffen. Nach den jüngsten Massakern in den USA sind die Verkaufszahlen für Waffen ja noch einmal nach oben geschnellt. Dennoch dürften die Relationen in etwa auch aktuell noch stimmen: Pro 100 Einwohner sind in den USA 88,8, in Rußland 8,9, in Deutschland 30,3 (lt. einer Statistik der Süddeutschen Zeitung für das Jahr 2010) Schußwaffen registriert. Im o.g. Roman von Agatha Christie heißt es dazu an einer anderen Stelle: „Wer morden will, der findet auch einen Weg, das zu tun.“ Und sei es mit Hilfe eines Metalleimers voll Wasser, in dem man sein Opfer ertränkt. Traurig, aber wahr, nicht nur in der Fiktion.

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In der „Einladung zur Enthauptung“ des russisch-amerikanischen Großmeisters der Literatur, Vladimir Nabokov, einer beklemmend-düsteren Parabel auf totalitäres Denken – gleich ob mit rechtem oder linkem Vorzeichen – und dem ihm entspringenden Handeln, geht es um einen Mann, der in einer Zelle auf seine Hinrichtung wartet, weil er als Einzelgänger aus dem gesellschaftlichen Rahmen fällt, als Fremdkörper abgestoßen wird. Aber auch das „Uhrwerk Orange“ von Anthony Burgess kommt einem in den Sinn, wenn man von dem bestialischen Mord hört, der die Partnerstadt derzeit schockt.

Fernwärmerohre in der Nähe des Tatorts.

Auf dem Gelände einer Schule fand man die enthauptete Leiche eines Mannes. Das Opfer wurde mit 17 Messerstichen getötet und mittlerweile identifiziert, obwohl die Täter just dieses durch die Abtrennung des Kopfes wohl glaubten verhindern zu können. Bekannt ist nun auch, daß es sich um einen Obdachlosen handelt, der gerne auf den Fernheizungsrohren in der Nähe des Tatorts Platte machte. Unbekannt ist noch das Motiv. Ist hier ein Mensch hingerichtet worden, weil er so ganz anders war? Hat eine Auseinandersetzung innerhalb des Milieus stattgefunden, die eskalierte? Wir wissen es noch nicht. Die Ermittlungen stehen am Anfang. Und ein Leben fand ein schreckliches Ende.

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