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Posts Tagged ‘Konrad Rottmann’


Diese knapp 30 Seiten umfassende Kladde des Erlanger Künstlers Oskar Stanik dürfte der älteste Kulturschatz sein, der Erlangen mit Wladimir vereint. Der Graphiker nahm nämlich 1980… Aber hören wir lieber, was Klaus Wrobel – damals hatte er noch zwanzig Jahre als Direktor der Volkshochschule und Begründer des „Arbeitskreises Wladimir“ vor sich – im Vorwort zu sagen hat:

Mit Stift und Zeichenblock hat Oskar Johannes Stanik Stationen und Episoden aus Rußland und Karelien festgehalten. die Zeichnungen entstanden im Spätsommer 1980 während einer Studienreise der Volkshochschule Erlangen, die zunächst nach Leningrad sowie ins karelische Petrosawodsk am Onegasee und dann zu den historisch bedeutsamen altrussischen Städten Nowgorod, Kalinin (Twer), Susdal, Wladimir und letztlich Moskau, der alten und neuen Metropole, führte. Dem Maler und Zeichner ist es dabei vorzüglich gelungen, Landschaft und Architektur nicht nur in ihren typischen Erscheinungsformen darzustellen, sondern zugleich Unwesentliches zu eliminieren, um dadurch das Wesentliche umso deutlicher vortreten zu lassen.

Die in dem vorliegenden Band enthaltene Auswahl von Zeichnungen gibt deshalb mehr vom Charakter des bereisten Landes wieder, als es bloße Photographie vermag. Mögen diese Bilder deshalb nicht nur Zeugnisse einer interessanten Reise sein, sondern auch zur Beschäftigung mit diesem schönen und traditionsreichen Land anregen.

Weder Oskar Stanik noch Klaus Wrobel konnten damals ahnen, wie sehr sich Erlangen später noch mit diesem „schönen und traditionsreichen Land“ und insbesondere mit Wladimir beschäftigen würde; die Partnerschaft lag damals noch in dreijähriger Ferne und hatte sich seinerzeit durch nichts angedeutet. Während Klaus Wrobels gewaltiger Beitrag zur Städtepartnerschaft u.a. hier im Blog vielfach dokumentiert ist, gibt es leider keine Angaben darüber, ob der 1921 in Ostpreußen geborene und 1989 in Erlangen verstorbene Oskar Stanik nach dieser Reise noch Kontakte zu Wladimir unterhielt. Wohl eher nicht, denn die ersten Austauschbegegnungen im Bereich Kunst begannen erst ein Jahr nach seinem Tod. Aber vita brevis et ars longa, und die übrigen drei Wladimir und Susdal gewidmeten Graphiken werden sicher noch hier im Blog erscheinen.

Wegen dieses etwa fünf Meter hohen Mosaiks ist des Künstlers Name derzeit allerdings in Erlangen wieder in aller Munde. Stadtheimatpfleger Konrad Rottmann hatte um den Jahreswechsel Alarm geschlagen, weil die Arbeit Oskar Staniks aus dem Jahr 1961 am Wohnhaus neben der Sparkasse in der Schallershofer Straße im Zuge eines Abrisses und Neubaus verlorenzugehen droht.

Die Causa erinnert an einen hier im Blog bereits https://is.gd/WNZpQJ im Herbst vergangenen Jahres wiedergegebenen Konflikt um den Erhalt von Kunst am Bau in Wladimir, wo Mosaike an Häuserfronten durch Wärmedämmung verschandelt wurden.

Möge es hier wie dort weise Entscheidungen geben, damit die Kunst auch wirklich länger lebe als wir sterblichen Menschen und unsere vergänglichen Streitereien.

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Ganze 1.386 Weltkriegsveteranen leben nach offiziellen Angaben noch in der Region Wladimir, 694 von ihnen in der Partnerstadt selbst. Spätestens heute, am Tag des Sieges mit all seinen Paraden und Gedenkveranstaltungen, erinnern sich ihrer auch die Behörden und belohnen die betagten Frontkämpfer mit allerlei Vergünstigungen und Hilfsleistungen. Je weniger der Vaterlandsverteidiger von einst noch am Leben sind, desto bemühter die Anstrengungen von Staat und Gesellschaft, die historische Leistung anzuerkennen.

Heimkehrerdenkmal Gefesselte Hände, geschaffen 1952 von Hans Gügel, heute im Schunk'schen Garten, Burgberg Erlangen

Heimkehrerdenkmal Gefesselte Hände, geschaffen 1952 von Hans Gügel, heute im Schunk’schen Garten, Burgberg Erlangen

Eine der großen Leistungen der Städtepartnerschaft, vielleicht ihre größte überhaupt, ist die Versöhnung der ehemaligen Kämpfer, die vielen Freundberührungen der einstigen Feinde. Bei aller Freude darüber sollte man aber auch nie die Mahnung von Fritz Wittmann vergessen, der in seinem Gedicht „Gedenkstätte“ mit leider schon wieder mit Blick auf die Ukraine aktuellem Bezug schreibt:

Du Mensch, / geh nicht vorüber, / geh in dich / und laß das Geschehene / nicht auf sich beruhn! / Mach dir bewußt, / nicht nur für einen Augenblick, / wozu man Menschen bringen kann, / einander anzutun! / Und halte für immer Wacht, / was man mit dir macht!

Gefesselte Hände von Hans Gügel

Gefesselte Hände von Hans Gügel, Photos Konrad Rottmann

Heute aber, an ihrem Festtag, allen Veteranen der Roten Armee, den gefallenen, den verwundeten, den vermißten und den noch lebenden, ein weithin vernehmliches спасибо für ihr Opfer, ihren Mut, ihre Kraft, gerichtet darauf, das eigene Volk und ganz Europa vom Hitler-Faschismus zu befreien. Deutschland hat den Frieden dank dem Blutzoll dieser Menschen gewonnen. Grund genug, nach Kräften dabei zu helfen, jetzt den Krieg in Europa endlich ganz zu besiegen.

Klawdia Konopljowa

Klawdia Konopljowa

Es waren aber auch Menschen wie Klawdia Konopljowa, die nach der Schule eigentlich hatte Lehrerin werden wollen, dann sich aber bei Kriegsausbruch 1941 dafür entschied, als Krankenschwester im Rot-Kreuz-Hospital zu arbeiten, die Verwundeten von den Transporten am Bahnhof Wladimir abzuholen, sie auf der Station zu pflegen, ihnen Lebensmut zu geben. Erst nach dem Krieg studierte sie dann Pädagogik und wurde Erdkundelehrerin. Ihre Nachkommen können es nicht mit Gewißheit sagen, aber es spricht einiges dafür, daß sie auch deutsche Kriegsgefangene betreut hat. Jedenfalls gehörte die junge Frau zu jenen, die dem Krieg wenigstens einen kleinen Teil seines so übergroßen Schreckens genommen haben. Auch und gerade dieser Menschen sollte heute und für immer gedacht werden. Besonders dann, wenn wieder eilfertig zu den Waffen gerufen wird, wenn man wieder die Gewalt zu seiner Methode macht und damit, wie es Alexander Solschenizyn ausgedrückt hat, die Lüge zu seinem Prinzip erwähl!

 

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