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Posts Tagged ‘Kljasminsko-Luchskij’


Die Wildnis ist nicht weit von Wladimir zu finden: Gerade einmal 100 km östlich der Partnerstadt liegt am Zusammenfluß von Kljasma und Luch der 1994 gegründete Kljasminsko-Luchskij Nationalpark mit seinen etwa 50 Wisenten, die 43.000 ha Platz haben für ihre Streifzüge durch Wald und Grasland – ohne Straßen, ohne menschliche Ansiedlungen.

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Drei Herden haben sich seit der Auswilderung in den 90er Jahren hier gebildet, die jetzt, im tiefen Winter, gern an die Raufen kommen, um sich mit Kraftfutter, Heu und Stroh zu stärken, bevor sie sich wieder in ihre Deckung zurückziehen.
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Geht es nach der Leitung des Nationalparks, werden die europäischen Bisons allerdings bald einige der Wildwechsel mit Zweibeinern zu teilen haben, denn das Gebiet soll für Besucher zur Naturbeobachtung geöffnet und über einen „Wisentpfad“ erschlossen werden.
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Wer und was einem da so alles begegnen kann, ist in folgendem kleinen Film zu sehen, aufgenommen von einer Videofalle, die freilich nicht preisgibt, ob der Frischling, der am Anfang und Ende durchs Bild flitzt, die Büffelherde antreibt, oder ob sich das Rennschwein vom Fluchttrieb der Wisente hat anstecken lassen. Gleich wie, in jedem Fall drollig zu beobachten, zum Quieken eben: https://is.gd/JcQ1qW

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Heute nimmt der Blog seine Leser mit auf eine Reise zu den Wisenten im Kljasmensko-Luchskij-Nationalpark, etwa 100 km östlich von Wladimir in einem noch ganz ursprünglichen Zweistromland gelegen. Hier wilderte man 1989 eine kleine Herde von Wisenten aus, der gottlob keine Trophäenjäger, sondern nur noch Wildheger und Wissenschaftler auf der Spur sind, manchmal in deren Schlepptau auch Journalisten, wie von Gubernia 33, die dann grandiose Bilder aus einer Welt mitbringen, die der Mensch bislang so erfolgreich um sich her zu zerstören wußte.

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Jetzt, im Hochwinter, gelangt man nur per Schneemobil tief ins Herz der neuen Heimat der fast schon ausgerotteten europäischen Bisons. Auf einer Fläche von 40.000 ha, bedeckt auf der einen Seite mit Laub-, auf der anderen mit Nadelwald, leben mehr als 30 Exemplare dieser imposanten Wiederkäuer. Und sie sind fruchtbar und vermehren sich.

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An einer Futterstelle, tief im Forst, dann die Begegnung mit den winterharten Riesen. Alles unter Aufsicht eines Wildhüters, der erklärt, wie scheu die Tiere seien, wie schreckhaft sie auf ungewohnte Laute und Gerüche reagieren. Die Wisente zogen sich denn auch nach einem ersten Auftauchen an den Raufen gleich wieder ins Dickicht zurück und ließen sich Zeit: Erst nach zwei Stunden kamen sie wieder und ließen sich aus dem Versteck photographieren und filmen.

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Wo die einen satt werden, können wir uns auch gütlich tun, denken sich da offenbar auch die Wildschweine, die sich in ganzen Rotten – ohne Futterneid oder gar gegenseitige Feindseligkeiten – Seit an Seit mit den Wisenten stärken. Großartige Bilder der Eintracht im Hunger entstehen so.

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Die erste Herde blieb ohne Nachwuchs. 1994 setzte man deshalb weitere Tiere aus. Doch erst zehn Jahre später stellte sich der erste natürliche Nachwuchs ein. Ganz so, als hätten die Wisente zunächst dem Frieden nicht getraut und erst einmal prüfen wollen, wie sich die Gegend für die Familienplanung langfristig eigne. Nun aber haben sie sich das Revier zu eigen gemacht. Eine der Herden wird von der Leitkuh Prima angeführt, die vor fast vier Jahren mit einem Peilsender versehen wurde, der seither stündlich vermeldet, wo sich der Trupp gerade aufhält.

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So weiß man, daß die Wisente sich bevorzugt im Nadelwald aufhalten und Sumpfgebiete meiden, während sie im Sommer gern Ausflüge in die Auen des Luch unternehmen, der nach 240 km Lauf in die Kljasma mündet. All die vielen Erkenntnisse, die man hier gewinnt, teilen die Zoologen mit ihren Kollegen aus Orjol, wo ein ähnliches Auswilderungsprogramm läuft. Und dann denkt man natürlich auch an naturbegeisterte Touristen, denen man eines Tages die Beobachtung der friedlichen Herrscher der Wälder erleichtern möchte. In Zukunft vielleicht auch ein Ziel für Entdecker aus Erlangen?

Hier geht es jedenfalls schon einmal zu den Anfängen des Wisent-Projekts: http://is.gd/ORLBcA, und da ist der Film zu sehen, auch ohne Textverständnis sehenswert: http://is.gd/waHobp

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In unseren Landen ist von ihm nur noch die Wiesent in der Fränkischen Schweiz übriggeblieben, an deren Ufer wohl bis ins frühe Mittelalter Wisente gegrast haben. Vor bald einhundert Jahren wurden die letzten noch freilebenden europäischen Bisons im Urwald an der polnisch-weißrussischen Grenze geschossen, bis man in den 20er Jahren mit der gezielten Erhaltung der ausgelöschten Art aus Zooexemplaren begann, die dann erstmals in den 50er Jahren wieder ausgewildert wurden. Heute geht man von etwa 30 Herden aus, die vor allem polnische, ukrainische, weißrussische und russische Wälder durchstreifen.

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Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre brachte man 25 Exemplare in zwei Nationalparks der Wladimirer Region, die sich dort offenbar wohlfühlen. Aber auch wohl genug, um sich zu vermehren? Um das herauszufinden, machte sich eine kleine Expedition in die noch winterlichen Wälder des Nationalparks Kljasmensko-Luchskij, etwa 100 km östlich der Partnerstadt gelegen, auf, um die Häupter der Wildrinder zu zählen. Genaue Daten liefern heute bei derartigen Untersuchungen spezielle Satellitenprogramme. Aber wie die scheuen Wisente mit der modernen Technik kompatibel machen? Nur mit List.

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Mäuse fängt man mit Speck, Wisente lassen sich mit Heu anfüttern. Mit viel Geduld und Ruhe, denn zunächst muß die angepeilte Herde, die ein Revier von bis zu 5.000 ha durchstreift, gefunden werden. Dann ging aber wohl dieser Tage alles recht schnell. Ein Beteiligter schildert das Unternehmen wie folgt: „Zuerst machten sich die alten Bullen an das Futter und zogen sich, als sie satt waren, wieder in den Wald zurück. Einige Zeit später folgte eine Herde von Muttertieren mit Kälbern. Aus der Gruppe wählten wir die größte Kuh und betäubten sie mit einem Schuß aus dem Narkosegewehr. Wir legten ihr das Halsband mit dem Sender um, und nach einer Stunde erwachte das Tier wieder, um das sich die Herde erneut sammelte, bevor es in den Wald zurückging.“

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Erste Ergebnisse zeigen, den Wisenten von Wladimir geht es gut, gut genug, um sich zu vermehren. Schon am ersten Tag der Zählung hatte man 21 Tiere auf dem Schirm, darunter drei ausgewachsene Bullen und vier Kälber, von denen zwei im Vorjahr zur Welt gekommen waren. Mögen sie sich weiter an der Kljasma mehren, wenn sie schon nie mehr zur Wiesent zurückkehren.

Mehr zu dem Thema im Blog unter: http://is.gd/RP8ps8

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Schelladler

In der Region Wladimir droht ein einzigartiges Ökosystem verlorenzugehen. Gouverneur Nikolaj Winogradow hat eine Anordnung unterzeichnet, laut welcher das Naturschutzgebiet Kljasminsko-Luchskij um ein ganzes Drittel verkleinert wird. Sollte das in dem Stil weitergehen, könnten auch andere Gebiete, die letzten Habitate von bedrohten Pflanzen und Tieren, ihren besonderen Status einbüßen. Auf dieses drohende Szenario wies gestern vor dem Weißen Haus in Wladimir, dem Sitz des Gouverneurs, eine Gruppe junger Naturschützer mit einer Demonstration hin.

Es geht aktuell um 21.000 ha Kljasma-Auen mit Karstseen und unberührten Sümpfen, wo noch Fauna und Flora zu finden sind, die es zu traurigem Ruhm im Roten Buch der aussterbenden Arten gebracht haben. Dieser Bereich ist jetzt zur Pufferzone herabgestuft worden. Dabei kommen hier noch Schelladler, Schwarzstorch und Wassermaulwurf vor. Auch Wisente ziehen durch die Wälder. 

Wassermaulwurf

Im Weißen Haus hingegen heißt es, die Sache habe rein formalen Charakter. Das neue Bundesjagdgesetz lasse es nämlich nicht zu, daß es auf ein und demselben Gebiet Reviere und besondere Schutzzonen gebe. Entweder die staatlichen Jäger abziehen, laute die Alternative, oder den Bereich als Pufferzone einstufen. Zöge man die Jäger ab, hätten die Wilderer freie Bahn in der Wildnis, so das Argument. Der administrative Akt werde nichts am Zustand der Natur verändern, im Gegenteil deren Schutz sichern.

Die Naturschützer überzeugt das nicht. Sie beanstanden, die Bürokratie habe in dem Fall weder ein Umweltgutachten eingeholt noch die Öffentlichkeit beteiligt. Einfach vor vollendete Tatsachen wolle man sich aber nicht mehr stellen lassen, zumal man bezweifeln müsse, daß die Jagdverwalter die richtigen Fachleute in Sachen Naturschutz seien. Es sei deshalb zu fürchten, daß an den einzigartigen Karstseen bald Datschen statt Föhren stehen.

Wie auch immer: Die Schelladler sind aus ihren Winterquartieren zurück und brauchen jetzt Ruhe zur Aufzucht des Nachwuchses. Bleibt zu hoffen, daß der Federstrich der Bürokratie sie nicht rupft.

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