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Posts Tagged ‘Kljasma’


Die Krebspest und die Zerstörung des Lebensraums im Verein mit der Gewässerverschmutzung brachten im vergangenen Jahrhundert die Krustentiere an den Rand des Aussterbens. Nun ist es zumindest an der einen oder anderen Stelle gelungen, die Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung zu schaffen. In der Region Wladimir etwa durch das Einsetzen des Europäischen Sumpfkrebses in der Kljasma, die heute deutlich sauberer ist als noch vor 20 oder 30 Jahren. In der Region Sobinka beobachtet man derzeit die Vorbereitung auf die Winterzeit. Wenn man übrigens auf Russisch jemandem zeigen will, wo der Barthel den Most holt, droht man an, zu zeigen, wo die Krebse überwintern. Und dann gibt es noch das Sprichwort vom Krebs, der in der fischlosen Zeit auch als Fisch durchgeht. Das ist freilich lange her…

Europäischer Sumpfkrebs

Parallelität der Ereignisse: Naturschutzverbände in der englischen Partnerstadt Stoke-on-Trent melden, die Bestände des Dohlenkrebses hätten sich in den Gewässern des nahegelegenen Peak Districts erholt.

Dohlenkrebs

Gute Indikatoren für einen kleinen Erfolg beim Artenschutz in Zeiten des globalen Artenschwundes. Wenn die Natur nämlich den Krebsgang einlegt, geht es ihr zumindest lokal auch ein wenig besser. Und den Menschen wohl auch.

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Es sind Archäologen, deren Funde auf Fische hinweisen, die in früheren Zeiten die Gewässer der Region Wladimir bewohnten, deren Bestand dort heute jedoch als erloschen gilt. Eine Vielzahl von Haken und Senkbleivarianten weisen darauf hin, daß die Fischerei an der Oka und Kljasma sowie ihren Nebenflüssen viele Menschen ernährte.

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Schriftliche Aufzeichnungen hingegen gibt es kaum über die Fische, die man fing, und wenn, beziehen sie sich auf die gängigsten Spezies, die regelmäßig auf den Tisch kamen. Darunter drei Arten, die wohl nie mehr in Wladimirs Flüsse zurückkehren: der Russische Stör, der Kaspische Lachs und der Weißlachs.

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Russischer Stör

Der wegen Überfischung und Zerstörung des Lebensraums ohnehin bereits seltene, auch Waxdick genannte Stör verbringt die ersten drei seiner bis zu 50 Lebensjahre im Süßwasser, bevor er ins Kaspische Meer abwandert und erst zum Laichen wieder zurückkehrt. Aber wie bei all den Staustufen, bei all den Anglern mit und ohne Schein, bei all den Giften und bei all dem Müll in der Wolga?

osetr.JPGKnorpel vom Stör

Wie häufig der Stör früher war, beweisen nicht nur Funde von Knorpeln in allen erforschten Erdschichten seit dem 12. Jahrhundert, sondern auch Einträge in Handelsbücher, aus denen hervorgeht, daß aus der Oka und ihren Nebenflüssen in der Saison 1687/88 allein an einer Fangstelle in der Nähe von Murom fast 6.000 Sterlets erbeutet wurden, darunter auch ein Glattdick, der sich heute ebenfalls im Roten Buch als stark gefährdet wiederfindet. An anderer Stelle liest man von einem Jahresbedarf von 6.000 Stören für ein einziges Kloster, von den anderen Fischen ganz zu schweigen. Bereits im 18. Jahrhundert scheint dieser Raubbau zu einem starken Rückgang der Vorkommen geführt zu haben. Ein Susdaler Chronist jener Zeit bemerkt bereits, es gebe in der Kljasma nur noch Sterlets, aber weder Russische Störe noch Hausen.

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Kaspischer Lachs

Verschwunden ist auch der einst häufige Kaspische Lachs, der ebenfalls über die Wolga bis nach Wladimir wanderte. Doch schon in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese Spezies immer seltener. Heute gilt sie in der Oka und Kljasma als erloschen.

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Weißlachs

In früheren Zeiten wanderte schließlich auch noch der bis zu 20 kg schwere Weißlachs von September bis Februar die 3.000 km vom Kaspischen Meer zum Laichen hoch bis in die Flüsse des Gouvernements Wladimir, denn man fing ihn, laut verschiedenen Aufzeichnungen, in großer Zahl. Tempi passati. Heute versucht man zumindest, den Sterlet wiederanzusiedeln. Aber um den Glattdick, den Russischen Stör, den Kaspischen Lachs und den Weißlachs ist es wohl endgültig geschehen. Und wir lassen es ja auch geschehen, folgen ganz dem alten russischen Sprichwort „Wenn es keinen Fisch gibt, geht auch der Krebs als Fisch durch“. Blöd nur, daß der auch sauberes Wasser braucht, das sich der Mensch ja in Plastikflaschen kaufen kann.

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Leider gelingt es auch der Redaktion des Blogs nicht immer, alle – in diesem Jahr waren es wieder 110 an der Zahl – Austauschmaßnahmen zwischen Erlangen und Wladimir zu erfassen. Aus den unterschiedlichsten Gründen gehen auch längst nicht zu allen Begegnungen Berichte ein, etwa zu einer wissenschaftlichen Konferenz Anfang September, wo es unter Erlanger Beteiligung um Fragen der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt am Beispiel der Gewässer im Kljasmabecken ging.

Ökologischer Atlas des Kljasmabeckens

Ein Thema dabei – der Biber und die Nebenwirkung seiner Aktivitäten auf das Ökosystem. Ähnlich wie in Bayern und ganz Deutschland war der Nager auch in der Region Wladimir und auf dem Gebiet der Sowjetunion vor allem durch Bejagung fast ausgerottet. Mit dem Biberschutz begann man in der UdSSR verstärkt ab den 70er Jahren, und seither erholt sich der Bestand merklich. Abzulesen an den Zahlen, die nach der letzten Erhebung – sie fand vom 1. Oktober bis zum 30. November landesweit statt – bei gut 17.000 Exemplaren für die gesamte Region Wladimir mit einer Gesamtfläche von 29.000 qkm liegen, etwa 2.000 mehr als im Jahr 2010.  Fast so hoch schätzt man übrigens die Biberpopulation in Bayern mit seinen gut 70.000 qkm.Und noch etwas ist nachzutragen. Just zu der Konferenz erschien ein aufwendig gestalteter Atlas zu Ökologie des Beckens der Kljasma mit dem Untertitel „Der Mensch in der Umwelt“, herausgegeben von der Wladimirer Universität in Zusammenarbeit mit der Michail-Lomonossow-Universität Moskau und der 1845 gegründeten Russischen Geographischen Gesellschaft. Auf gut 300 Seiten ist da fakten- und tabellenreich die Wechselwirkung von Mensch und Natur am Beispiel der Region Wladimir dargestellt, von der Geologie über die Hydrologie bis zu Fauna und Flora; sogar Demographie, Klima oder Brauchtum haben ihre eigenen Kapitel.

Eine Schatztruhe für alle, die alles über die Partnerstadt und ihr Umland wissen wollen. Nur ein Desiderat bleibt anzumahnen: die Übersetzung des Kompendiums zumindest ins Englische.

 

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„Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet“, meinte einmal Paul Cézanne. Was den französischen Maler zum Pinsel greifen ließ, ist für viele Photographen heute Antrieb, nach Orten zu suchen, wo die Vergänglichkeit alles Irdischen zerfallende Gestalt annimmt. Die sogenannten „lost places“ sind die modernen Motive der Vanitas und ersetzen die Attribute Totenschädel und Sanduhr durch den mensch- und gottverlassenen Ort.

Die Region Wladimir bietet diesem Genre ein Übermaß an Anschauungsmaterial, etwa ein ehemaliges Wasserkraftwerk an der Nerl, das, vor 65 Jahren in Betrieb genommen, einmal mit vier Turbinen und einer Leistung von 525 Kilowatt das größte von 68 seiner Art werden sollte. 30 Dörfer und vier Kolchosen erhielten von hier Strom, die bis dahin ihre Elektrizität von störanfälligen Dieselgeneratoren erhalten hatten.

Eine ganze Kaskade weiterer Wasserkraftwerke sollte an der Nerl entstehen, doch bereits Anfang der 60er Jahre stellte man in der Region hauptsächlich auf Kohle, später auf Gas um, und die Bauten blieben sich selbst überlassen.

Vor acht Jahren dann noch ein Architektenwettbewerb mit dem Vorschlag, das Ensemble zu einer Wassermühle mit Gastronomie umzubauen, doch es fand sich kein Investor.

Nur wenige Kilometer weiter, in Starodub, die Überreste einer vor einhundert Jahren gebauten Textilmanufaktur, die in den 90er Jahren aufgegeben wurde. Auch so ein Ort, den sich die Natur zurückholt. Doch bevor er verschwindet, besuchen ihn noch die Chronisten mit der Kamera. Vielleicht auch Othmar Wiesenegger, der Ende August wieder nach Wladimir aufbricht, um dort die Patina des Verfalls zu bewahren.

Vielleicht auch den Zauber der Landschaft, in dem diese verlorenen Orte liegen, wie Starodub an der Kljasma, wo 1935 ein Naturschutzgebiet zur Wiederansiedlung des Wassermaulwurfs und einige Jahre später zur Biberzucht eingerichtet wurde. Beide einst von der Ausrottung bedrohte Arten findet man heute übrigens wieder im Einzugsbereich der Kljasma. Lost places und Natur gehen eben gut zusammen.

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Im September veranstaltet die Staatliche Universität Wladimir ein Symposium zum Thema „Ökosystem der Flußläufe“, an dem auch eine Mitarbeiterin des Umweltamtes der Stadt Erlangen teilnimmt. Unterdessen geschieht einiges, um die Biodiversität der Gewässer in der Region Wladimir zu verbessern. Bis Oktober, so das Nachrichtenportal Gubernia 33, will man zum Beispiel fünf Millionen junge Exemplare der Spezies Sterlet in der Oka aussetzen, eine Aktion, finanziert von den Betreibern der Brücken und Sandwerke entlang des Zuflusses der Wolga als Ausgleichsmaßnahme für den Schaden, den sie durch ihre Eingriffe dem Ökosystem zufügen. In den beiden vorangegangenen Jahren hatte man übrigens bereits im großen Stil eine Sterletpopulation in der Kljasma aufgebaut.

Die Kljasma

Nun hat sich für den Sommer in der Region Wladimir eine Gruppe von Wissenschaftlern auf dem Forschungsinstitut für Fischwirtschaft und Ozeanographie angekündigt, die erkunden will, wie sich die Ichtyofauna vor allem in den Fließgewässern entwickelt. Schon jetzt aber beunruhigt der Rückgang der Besatzzahlen bei Hecht und Zander, der wohl mit dem zunehmenden Fang vom Motorboot aus per Echolot zusammenhängt. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres liefen bereits 40 Verfahren wegen illegaler Fangmethoden, während es 2017 insgesamt nur 49 Fälle waren. Meistenteils handelt es sich dabei um das Aufstellen von Netzen in der Laichzeit, während die früher häufige Verwendung von Dynamit und Stromschlägen zurückgeht. Überhaupt sollen Quoten eingeführt werden, denn bisher gibt es beim Fang von nicht als gefährdet eingestuften Arten keine Obergrenze, während in der Sowjetzeit noch ein Limit von fünf Kilogramm pro Tag und Angler galt.

Die Uschna im Landkreis Murom

Positiv hingegen: Die Qualität des Wassers scheint mancherorts sogar den Flußkrebsen zu bekommen. In der Uschna und Kolp sind sie ebenso zu finden wie in der Kljasma, wo sie ein halbes Jahrhundert nicht mehr gesichtet wurden. Besonders bei Kowrow, wo das Flußbett steinig ist, kommen die Krustentiere häufig vor. Doch, kaum klappern sie wieder mit ihren Zangen, will der Mensch sie gleich auch fangen, gern verbotenerweise mit der Hand in ihren Höhlen, wobei oft die Scheren abgerissen werden, oder wenn sie noch nicht die Mindestgröße von zehn Zentimeter erreicht haben…

Die Kolp im Landkreis Gus-Chrustalnyj

Welch ein Versäumnis der Evolution, die geschuppte und gepanzerte Fauna stumm belassen zu haben. Was wäre wohl, wenn Fisch und Krebs ihre Todesangst und Schmerzen ihren Peinigern vernehmlich kundtun könnten?!

P.S.: Ein russisches Sprichwort lautet in freier Übersetzung: Gibt es einmal keinen Fisch, kommen Krebse auf den Tisch.

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Schon erstaunlich, was man so alles an den Gestaden der Kljasma finden kann, wenn man genau hinsieht wie das der Landeskundler Jurij Koslow bei einem Sommerspaziergang unweit des Badestrandes des Dorfes Perwowo im Landkreis Wjasniki tat. Er stieß da nämlich auf eine ungewöhnlich regelmäßig gebogenes Objekt, das man, oberflächlich betrachtet, für einen alten Ast halten könnte. Sieht man freilich genauer hin, erkennt man einen Boten aus dem Pliozän, einen Stoßzahn eines Mammuts.

Jurij Koslow und sein Fund

Untersuchungen bestätigten die Vermutung des Mitglieds der Geographischen Gesellschaft, und vor kurzem präsentierte er nun auch seinen Fund der Öffentlichkeit. Im Nachhinein erst meldeten sich auch andere „Strandläufer“, die das etwa 10.000 Jahre alte und 155 cm lange Artefakt gesehen, aber nicht in seinem Wert für die Wissenschaft erkannt hatten. Und es wurde bekannt, man habe unweit jener Stelle bereits in den 80er Jahren den Stoßzahn eines Mammuts gefunden. Offenbar wäscht da die Kljasma immer wieder Schichten der Erdgeschichte aus. Mal sehen, was da noch alles zutage tritt.

Quelle: ein Bericht von Zebra-TV: https://is.gd/OiLa4Z

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Jetzt, wo am Wochenende der erste Schnee in der Partnerstadt gefallen ist, heißt es wieder – wie im preisgekrönten gleichnamigen Film – „wenn die Kraniche ziehen“. Vor dem weiten Flug ins Winterquartier machen die Schreitvögel aus dem Kljasma-Reservat in der Region Wladimir allerdings gern noch einen Abstecher ins angrenzende Gouvernement Iwanowo, um sich daselbst an der Gerste gütlich zu tun. Es schmecken eben nicht nur Nachbars Kirschen am besten…

Graue Kraniche in den Auen der Kljasma

Es ist ein gewaltiges Schauspiel, wenn die bis zu 3.000 Hungerleider auf den Feldern einfallen, ein Spektakel, das freilich den landwirtschaftlichen Betrieben nicht gar so gefallen mag. Um die 150 t Getreide verputzen die Kraniche angeblich als Wegzehrung, von 25 möglichen Doppelzentnern fährt man gerade einmal neun in die Scheune ein, weil die Kostgänger nicht nur gern picken, was ihnen vor den Schnabel kommt, sondern auch zertrampeln, was ihnen im Weg steht. Dank gesetzlichem Schutz läßt man sie freilich gewähren, versucht schlimmstenfalls, sie mit Schreckschüssen zu vergrämen, und freut sich ansonsten, wenn die geflügelte Scharen – plenus venter volat libenter – endlich in Richtung französische und spanische Winterquartiere abheben, um im Frühjahr ausgehungert zurückzukehren in die Auen der Kljasma. Same procedure eben as every year.

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