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Posts Tagged ‘Klaus Worbel’


Am späten Montagabend in Nürnberg gelandet, sitzt die 16köpfige Gruppe aus dem Erlangen-Haus nun seit Dienstag jeden Morgen bis Freitag nächster Woche im Deutschkurs von Heide Thies im Club International der Volkshochschule, paukt Grammatik und übt Konversation. In der Freizeit und am Wochenende sollen die Gäste dann Erlangen – von „Klassik am Berg“ bis zu den Regnitzwerkstätten – und möglichst viel von Franken kennenlernen und sogar einen Ausflug bis nach Kloster Weltenburg unternehmen. Ein vielseitiges Programm, zusammengestellt vom Freundeskreis Wladimir, der auch diese, die zwölfte Sprachreise des Erlangen-Hauses in Folge, aufmerksam vorbereitete und begleitet. Immer für die zweiten Julihälfte schreibt das Erlangen-Haus in Kooperation mit der Volkshochschule Erlangen für seine jährlich gut 200 Deutsch-Kursteilnehmer diese Möglichkeit der Vertiefung von Sprachkenntnissen aus. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Was von Klaus Wrobel, dem seinerzeitigen Direktor der VHS, und seinen Nachfolgen, Christine Flemming und Markus Bassenhorst, mit der tatkräftig-kompetenten Unterstützung des Sprachenbeauftragten, Reinhard Beer, schon Mitte der 90er Jahre ins Werk gesetzt wurde und unermüdlich fortgesetzt wird, trägt nicht nur erstaunliche Früchte, sondern entwickelt eine großartige Eigendynamik.

Markus Bassenhorst

Dank den Bemühungen von Klaus Wrobel und Reinhard Beer kamen die Deutsch-Kurse des Erlangen-Hauses unter die Fittiche des Goethe-Instituts Moskau, die wachsende Dozentenschar aus Wladimir wurde dort geschult und auf die eigenen pädagogischen, an der Sprachpraxis ausgerichteten Lehrmethoden eingeschworen. Mit Erfolg. Das Konzept hebt sich offenbar so wohltuend von den Angeboten anderer Einrichtungen – vor allem der Schulen und Universitäten – ab, daß die Kurse ungeachtet des allgemein zu Gunsten des Englischen nachlassenden Interesses an der deutschen Sprache immer stärker nachgefragt werden, besonders übrigens von jungen Leuten.

Florian Janik und Irina Chasowa

Beim gestrigen Treffen mit Oberbürgermeister Florian Janik zeigte denn auch Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, eine gehörige Portion Selbstbewußtsein, als Markus Bassenhorst bei seiner Begrüßung meinte, man werde an seiner Volkshochschule erst demnächst das erste Smartboard einsetzen können, eine Technik, die im Wladimirer Sprachlernzentrum bereits vor gut zwei Jahren den Praxistest bestanden hatte. Die Besucherin bot nämlich gleich schlagfertig ein Praktikum in der Partnerstadt vor, um die Erlanger Dozentenschaft von den Vorteilen der schlauen Weißwandtafel zu überzeugen. Ein Angebot, das Florian Janik, der als Gastgeschenk seine russische Lieblingsleckerei erhielt, gern aufgriff, denn: „Gründe, Wladimir zu besuchen, gibt es viele!“

Aber natürlich gibt es auch nicht weniger Gründe, Erlangen zu besuchen. Gerade in diesen Zeiten, wie das Stadtoberhaupt anmerkte, wo, ohne Schuldzuweisungen aussprechen zu wollen, das Verhältnis zwischen unseren Staaten besser sein könnte. Gerade da komme es auf den bürgerschaftlichen Austausch, auf die Volksdiplomatie an. Und die lebt tatsächlich zwischen Erlangen und Wladimir, zumal wieder alle Gäste in Familien untergebracht sind und so, wie sich Florian Janik wünscht, neue Verbindungen und Freundschaften zwischen Deutschen und Russen entstehen. Denn davon kann es gar nicht genug geben. Gerade in diesen Zeiten.

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Am Jahresende stellt sich immer die Frage nach dem Rückblick, nach der Auswertung. Man will wissen, was unter dem Strich bleibt. Nun, im Fall der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir fällt die Bilanz wieder unerwartet erfreulich aus. Ungeachtet der Verwerfungen seitens der „großen Politik“ fanden in den letzten zwölf Monaten erneut mehr als einhundert Austauschmaßnahmen in allen nur denkbaren Bereichen statt, wohlgemerkt allein die aktenkundigen. Ungezählte neue Verbindungen wurden zwischen den Städten geknüpft, bestehende Freundschaften fanden ihre Fortsetzung und Vertiefung. Unmöglich, den Lesern die ganze Statistik der Begegnungen zumuten zu wollen. Selbst die täglichen Meldungen des Blogs schaffen es oft nicht, all die mitunter zeitgleich agierenden Austauschpartner angemessen zu Wort kommen zu lassen. Deshalb auch heute nur der Hinweis auf die exemplarische Freundschaft der Schwimmer, die sich mit der Kappe auf dem Kopf und dem Anstecker am Revers zu ihren besonderen Beziehungen bekennen.

Freundschaft der Schwimmer aus Erlangen und Wladimir

Freundschaft der Schwimmer aus Erlangen und Wladimir

Beziehungen, die Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg mit beherztem Blick in die Zukunft schon vor mehr als drei Jahrzehnten aufnahm, und für die er im Januar beim Empfang zu seinem 80. Geburtstag in Anwesenheit seiner drei Kollegen aus Wladimir – Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow – von Vizekonsul Andrej Isjurow mit dem Abzeichen des Außenministeriums der Russischen Föderation geehrt wurde. Beziehungen, die auch in den vier Büchern ihren Ausdruck finden, allesamt in diesem Jahr und ganz im Geist von Dietmar Hahlweg erschienen.

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Im Band zum zwanzigjährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses, mit dessen Errichtung Dietmar Hahlweg der Bürgerpartnerschaft ein Dach geschenkt hat; in der Monographie des wissenschaftlichen Trios Wiktor Malygin, Natalia Judina und Klaus Steinke zum „russisch-deutschen sprachlichen Dialog“, dem Erlangens Altoberbürgermeister sich immer eng verbunden fühlte; in der Anthologie mit „Gedichten aus dem Land der Sonderlinge“, einem zweisprachigen Zeugnis des Literaturaustausches, den Wolf Peter Schnetz, ein politischer Weggefährte des Erlanger Ehrenbürgers bereits in den 70er Jahren aufgenommen hatte; schließlich in der Sammlung von Überlebensberichten aus Kriegsgefangenenlagern in und um Wladimir mit dem Titel „Komm wieder, aber ohne Waffen!“, geprägt von jenem Geist der Versöhnung und Verständigung, der von Beginn an das Miteinander der Partnerstädte belebt und bewegt.

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Pädagogischen Instituts Wladimir an Dietmar Hahlweg im Mai 1995. Es gratuliere oben Klaus Wrobel und Percy Gurwitz, unten Wiktor Malygin und Tamara Anischtschuk. Photo: Wladimir Filimonow

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Pädagogischen Instituts Wladimir an Dietmar Hahlweg im Mai 1995. Es gratulieren oben Klaus Wrobel und Percy Gurwitz, unten Wiktor Malygin und Tamara Anischtschuk. Photo: Wladimir Filimonow

Der Blog erhebt heute, am 81. Geburtstag von Dietmar Hahlweg, das Glas auf jenen Menschen, ohne den es weder die offizielle Partnerschaft noch all die freundschaftlichen Kontakte zwischen Erlangen und Wladimir gäbe. Mit den dankbaren Glückwünschen an den Jubilar nimmt auch dieses Jahr wieder ein gutes Ende, und das schönste Geschenk für diesen lebensfrohen Menschenfreund ist sicher das Wissen, daß gerade seine beiden in ihrer Anbahnung wohl schwierigsten außenpolitischen Kraftakte – die Verbindungen zu Wladimir und Jena – nun schon seit acht Jahren in einer fruchtbaren trilateralen Zusammenarbeit aufgegangen sind. Es war eben wohlgetan, was Dietmar Hahlweg behutsam begonnen und seine Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis und Florian Janik, umsichtig mit ihrem jeweiligen Gegenpart in Wladimir und Jena fortgesetzt und zur Freundschaft geführt haben. Ach, gäbe es nur mehr davon zwischen Deutschen und Russen. Gerade jetzt. Das bleibt zu wünschen für das Neue Jahr!

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