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Posts Tagged ‘Kirill Wedernikow’


Dieser Tage stellte Kirill Wedernikow seine letzte Arbeit, die Ewig blühende Rose, für das zu Ende gehende Jahr fertig. Wie alle gute Kunst, kann man auch dieses Werk verschiedenartig deuten: etwa als Januskopf mit dem abgewandten Blick zurück auf zwölf Monate, die uns die Welt nahmen, so wie wir sie bisher kannten, auf eine Zeit, in der allein in der Region Wladimir nach offiziellen Angaben etwa fünfhundert Menschen an COVID-19 verstarben, darunter Wladimir Rusin, der ehemalige Vorsitzende des Kunstvereins der Region Wladimir, und eben erst der Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow. Das uns anblickende Auge verrät erst gar nicht, was es im Licht des aufgehenden Mondes sieht, während die monochrom-kubistische Rose mit ihrem Hauch von Rot die Wärme der Erdfarben ausstrahlt. Rätselhaft schön.

Kirill Wedernikow: Die Ewig blühende Rose

Niemand von uns weiß, was das nächste Jahr bringt. Ein Ausblick wäre zumindest gewagt angesichts der Unwägbarkeiten, die 2020 als Zeitenwende mit sich brachte. Immerhin gelang es – gerade auch dank Ihrem Interesse -, die Verbindungen zu Wladimir ungeachtet all der notwendigen Absagen von Austauschmaßnahmen zu halten und in manchen Bereichen sogar auszubauen. Exemplarisch genannt sei da nur das großartig zwischen Höchstadt und Krasnogorsk organisierte virtuelle Schachturnier, an dem auch ein Team aus Erlangen teilnahm; der gelungene Photoband von Sergej Skuratow, entstanden unter Mitarbeit eines Trios aus Erlangen; die anrührende Broschüre „Erfahrungswelt Corona“ des Seniorenbeirats mit Beiträgen aus der russischen Partnerstadt; das per Livestream zu empfangende Konzert der Camerata Franconia „Romantik Pur“, das gerade in Wladimir euphorische Reaktionen hervorrief; die vor dem Bildschirm beklatschten Auftritte des Multiinstrumentalisten Sergej Gostjew; all die bunten Video-Grußbotschaften hin und her sowie die Gründung des Partnerschaftskanals TV Мы; die zumindest vorläufige Montage des Filmmaterials über die letzte Reise von Nikolaj Schtschelkonogow nach Erlangen vor einem Jahr; der glückliche Abschluß der Bauarbeiten am Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde…

Schachdesign aus dem Jahr 1962 in der UdSSR

Besonders über all das freuen werden sich zwei Lokalpolitiker, die – wieder so eine wundersame Fügung der Städtepartnerschaft – wie kaum jemand sonst für diese große deutsch-russische Freundschaft stehen: Dietmar Hahlweg, der Vater all dessen, was wir heute zwischen Erlangen und Wladimir erleben dürfen, und Wjatscheslaw Kartuchin, stellvertretender Sprecher des Wladimirer Regionalparlaments und Direktor der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, der seit fünf Jahren das von Erlangens Altoberbürgermeister angeregte Diskussionsforum Prisma russischerseits leitet, das 2020 drei virtuelle Treffen veranstaltete und bereits im Januar wieder zusammentreten will. Aber bevor wir in die Zukunft abschweifen: herzlichen Glückwunsch an die beiden Geburtstagskinder!

Dietmar Hahlweg, Wjatscheslaw Kartuchin, Wiktor Malygin und Rudolf Schwarzenbach, 2014

Ihnen allen nun aber, vor und hinter dem Bildschirm, hier wie dort, einen guten Rutsch in ein gesundes Neues Jahr, danke für die Verbundenheit mit der Städtepartnerschaft und auf viele neue gemeinsame Projekte – hoffentlich auch bald wieder in der unmittelbaren Begegnung, die uns allen derzeit so schmerzlich fehlt! Möge unsere Freundschaft ewig weiterblühen – wie die Rose von Kirill Wedernikow.

P.S.: Da ist aber noch jemand, der heute Geburtstag feiert: Tatjana Oserowa, die Witwe von Genrich Oserow, Deutschdozent an der Pädagogischen Hochschule von Wladimir, der vor allem in den ersten Jahren der Partnerschaft als Dolmetscher unvergessene Dienste leistete. Doch wir bleiben bei seiner Frau und gratulieren mit der Übersetzung Ihrer Skizze „Die Blume“, womit wir fast wieder bei der „Ewig blühenden Rose“ wären:

Tatjana Oserowa mit ihrer Tochter Natalia und den beiden Enkelinnen Sofia und Anastasia

Sie saß in einer Ecke meines Zimmers, schweigend, aufgeplustert, kein einziges neues Blatt austreibend, nicht wachsend, sondern verdorrt…

Ich mochte die Blume und zeichnete sie in verschiedenen Stilleben: Sie lebte in Gesellschaft von roten Äpfeln, gelben Birnen und Muscheln. Ich machte ihr einen schönen Stock, mit Zwirn umwickelt, mit einer flauschigen Spitze, an die sich neue Triebe anlehnen könnten, aber sie blieb stumm und wollte gar nicht wachsen. Sie saß da, schaute sich gleichmütig um und schwieg. Mehrere Jahre schwieg sie.

Eines Frühjahrs stellte ich sie auf den Balkon, und dort richtete sie sich endlich auf und ließ gleich zwei neue Triebe ausschlagen. Wie schön ihre jungen Blätter waren, weiß gesprenkelt mit einem glänzenden Schimmer! Ich lobte sie, machte ihr einen Haufen Komplimente, sagte ihr jede Menge freundlicher und liebevoller Worte.

Die Blume war hin und weg vor Glück und glaubte nun so sehr an sich, daß sie einen langen blattlosen Trieb wachsen ließ. Immer wenn ich auf den Balkon ging, konnte ich sicher sein, daß sie mich wie mit der Pfote eines Kätzchens festhalten und Aufmerksamkeit verlangen würde. Ich drehte ihren Trieb zum Fenster, doch die Blume drehte sich wieder um und streckte mir ihre „Hand“ entgegen. Schließlich band ich eine lange Schnur an ihren übermütigen Trieb.

Was für ein kluges Wesen die Blume doch war, sie umwickelte die Schnur gleich dreimal und öffnete ihre Knospen. Herr im Himmel, da haben wir also, was eine lebendige, sehende und denkende Blume bedeutet, wie sie richtig zu leben weiß und sich an ihrer Stütze festhält!

Lerne, Mensch! Auch du schläfst manchmal ein und erstarrst, aber plötzlich blitzt von irgendwoher ein Funken Hoffnung auf, ein Sonnenstrahl, und auch du willst wieder leben, wachsen und aufblühen.
Wachsen bis zum letzten Tag, zur letzten Stunde, zur letzten Minute – eben das ist der Durst nach Leben!

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Heute begeht der Künstlerverband der Region Wladimir seinen 75. Jahrestag mit der Eröffnung einer großen Ausstellung. Die Verbindungen nach Erlangen reichen bis ins Jahr 1986 zurück, als im Rahmen der Kultur- und Sporttage in Wladimir die ersten Künstlerbegegnungen stattfanden.

Dmitrij Cholin bei der Begrüßung einer Gruppe des Kunstvereins Erlangen in Wladimir 2009

Seither finden immer wieder wechselweise Ausstellungen statt, wobei die letzte, im Mai d.J. zum 75. Jahrestag des Kriegsendes ins Internet verlegt wurde. Unmöglich, alle gemeinsamen Aktionen und Initiativen hier zusammenzustellen – allein schon die erste Ausstellung mit Graphikern aus Wladimir im Jahr 1991, angeregt und betreut vom Journalisten Axel Mölkner mit dem Kunstvereinsvorsitzenden Adam Stupp wäre einen eigenen Rückblick wert -, aber die nun folgenden Glückwünsche mögen einen Eindruck von Intensität und Vielfalt der Verbindungen geben.

Rudolf Schloßbauer und Natalia Britowa 2011 vor Arbeiten des 2010 verstorbenen Wladimirer Künstlers Kim Britow, der bereits 1987 erstmals in Erlangen ausgestellt hatte.

Zuvor aber auch noch ein Wort des Dankes an Jutta Brandis.

Jutta Brandis

Sie betreute über drei Jahrzehnte hinweg die Kunstkontakte seitens der Volkshochschule und feierte mit der von der Gruppe Andersartig mit Kirill Wedernikow gestalteten Ausstellung im Februar 2019 ihren Ausstand.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer, 2019

Lieber Herr Cholin, liebe Künstlerinnern und Künstler,

zu Ihrem 75jährigen Jubiläum wünschen wir Ihnen im Namen des Kunstvereins Erlangen und der Gruppe Plus alles Gute, weiterhin viel Erfolg und eine gute Zukunft!

Auch wenn uns ein paar Steine in den Weg gelegt werden, so bleiben wir weiterhin in Kontakt und hoffen, eine Ausstellung und eine Begegnung nachholen können. Die Beziehungen zwischen unseren Vereinen bestehen ja schon viele Jahre, und wir freuen uns darauf, auch in Zukunft etwas gemeinsam zu gestalten.

Viele Grüße & alles Gute

Jutta Keller (1. Vorsitzende ) & Nils Naarmann (Sprecher Gruppe Plus)

Herzliche Grüße und Glückwünsche aus Erlangen-Tennenlohe!

Der „Kunstkreis Tennenlohe“ gratuliert dem Kunstverein der Region Wladimir sehr herzlich zum 75jährigen Jubiläum. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen, die jetzt genau halb so alt wie Ihr Verein ist, haben zahlreiche Künstler ihres Verbandes Tennenlohe besucht und bei uns Arbeiten geschaffen, die dazu beitragen, diese Partnerschaft fest in unserem Stadtteil zu verankern. Für diesen künstlerischen Beitrag sind wir sehr dankbar.

Sergej Tschernoglasow und Dieter Puschmann, 2019

Ihr Verein ist unmittelbar nach dem Ende des furchtbaren Krieges gegründet worden, der über unsere beiden Völker unendliches Leid gebracht hat. Wir sind glücklich über den Frieden, der seitdem zwischen unseren Völkern herrscht. Heute ist der enge Austausch von Künstlern aus Wladimir und Erlangen ein starkes Zeichen dafür, wie gut sich die Menschen in unseren Regionen verstehen.

Isabelle Brisset, Nuna Frei, Sergej und Igor Tschernoglasow sowie Kirill Wedernikow vor ihrem kollektiv geschaffenen Bild, 2019

Der Beitrag, den Mitglieder Ihres Vereins dazu leisten, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dazu übermitteln wir nochmals unseren Dank und unsere Glückwünsche.

Dietrich Puschmann,Vorsitzender des Kunstkreises Tennenlohe

Liebe Wladimirer und Mitglieder des Kunstvereins der Region Wladimir,

es ist mir eine besondere Ehre, Ihnen, meine liebgewonnenen Freunden und Künstlerkollegen, zu Eurem 75. Jubiläum gratulieren zu dürfen.

Jelena Jermakowa vor dem Trafohäuschen in Tennenlohe, gestaltet von Sergej Jermolin und Anatolij Denissow

Ob Prof. Sergej Jermolin, Igor Tschernoglasow mit Sohn Sergej, Anatolij Denissow, Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa, Kirill Wedernikow oder auch die Gruppe der werdenden Kunsterziehungslehrer, wir können schon auf einige erstaunliche partnerschaftliche Projekte zurückblicken. Igor Tschernoglasow haben wir sogar bis nach Guatemala entführt.

Rolf Schowalter, Dieter Erhard, Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko, 2015

Beim Künstlertreffen im Lewitan-Haus, hat es mir besonders gut gefallen! Das ist und war und bleibt echt gelebte Partnerschaft.

Dieter Erhard und sein im Lewitan-Haus entstandener Stein „Run 2016“

Für Eure und unsere gemeinsame Zukunft wünschen wir, meine Frau Miriam und ich, Euch eine gute Zeit alles erdenklich Gute und ein Glas Wodka zu Eurem 75. Geburtstag. Bleibt gesund!

Dieter und Miriam Erhard aus Erlangen-Tennenlohe

Im Anhang grüßt Euch mein Aquqila Giganteus aus Tennenlohe!

Meine liebe Freunde, meine lieben Kollegen,

Zu Eurem 75. Jubiläum wünschen Euch die Erlanger Künstler und ich alles Gute, weiterhin mindestens noch 75 kreative Jahre und sicherlich noch viele-viele Treffen und gemeinsame Ausstellungen mit uns.

Christian Hamsea und Oleg Modorow im Lewitan-Haus 2014

Ich schätze mich zu den Glücklichen, die die Ehre hatten, solch talentierte, hingebungsvolle und großartige Künstler wie Euch kennenzulernen. Neben gemeinsamen Treffen und Ausstellungen kann ich heute behaupten, unter Euch richtige Freunde für’s Leben gefunden zu haben. Ich bin bis heute dankbar für die gegenseitige Inspiration und die intensiv gemeinsam erlebte Zeit. 

Henrike Franz im Gespräch mit Anatolij Denissow, 2014

Was mit einem kleinen Clash of Civilizations 2002 bei unserem ersten Treffen in Wladimir begann, entwickelte sich zu einer der schönsten Freundschaften aller Zeiten! Hier auch mein Dank an die, die es möglich machten. 

Wladimir Rusin, verstorben an COVID-19 am 16. Juli 2020

Mit Trauer erinnere ich mich auch an die schon Verstorbenen unter uns und versichere, sie in meinen Gedanken, Malereien und in meinem Herzen lebendig zu halten. Ich bin überzeugt davon und glaube fest daran, was unser lieber Wolodja Rusin sagte: „Wir Künstler sind eine Nation mit einer eigenen Sprache!“

„Ausflug mit dem Lehrer“ von Pjotr Dik, verstorben 2002 im Künstlerdorf Worpswede

Seid herzlich umarmt und feiert schön, morgen kann alles anders sein! „Maybe чуть-чуть ЗА нашу дружбу!“

Prof. h.c. Lucian Christian Hamsea, Fine Artist

Zu guter Letzt noch die Grußbotschaft von Nils Naarmann nach Wladimir vom Mai des Jahres:

P.S.: Die besten Wünsche zum 75jährigen Jubiläum des Kunstvereines Wladimir nachgereicht von den Mitgliedern der Gruppe Andersartig, Hans-Peter Singer, Irene Hetzler, Carolin Gugel und Michael Ort, mit dem Wunsch auf zukünftig verstärkte Zusammenarbeit.

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Gestern abend wurde in der protestantischen Annenkirche zu Sankt Petersburg mit einem außergewöhnlichen Konzert die Ausstellung „Schöpfung“ des Wladimirer Künstlers, Kirill Wedernikow, eröffnet und per youtube im Netz übertragen. Trotz einiger technischer Mängel war auch am Bildschirm die magische Atmosphäre dieses Ortes und natürlich des auch in Erlangen bekannten Meisters zu spüren. Hier nun eine kleine Einführung mit dem Versprechen des Blog-Kulturredakteurs, Pablo Kandis-Malinskij, weitere Artikel zu liefern, immer im zeitlichen Spannungsfeld zwischen vita brevis und ars longa.

Der Mensch und die Welt. Der Mensch in der Welt. Die Welt im Menschen. Die Welt des Menschen. Der Weltmensch… Welch eine Vielfalt von Variationen der Verbindung dieser Wörter. Sie alle beschäftigen die Menschheit seit Jahrhunderten. Die Geheimnisse der Schöpfung zu erraten, ist uns nicht gegeben, aber wir werden immer danach streben, sie zu verstehen.

Als Künstler wählt man seinen Weg, das Streben nach der Wahrheit erfolgt in vielfacher Hinsicht intuitiv, ohne Logik. Aber die im Bewußtsein entstehenden und auf die Leinwand übertragenen Bilder erklären die Welt nicht weniger tiefgründig als die Theorien der Wissenschaften.

Ein Bild… Mit seiner Hilfe kann man ABbilden ebenso wie HERAUSbilden. Wenn man als Künstler die Welt nur abbildet, bleibt man nur Spiegel, ein unbeteiligter Betrachter. In dem Fall steht man so wenig mit der Welt in Verbindung wie der Atheist aus dem bekannten Gedicht von Josef Brodskij, der die Welt Gottes, „im Dorf lebt nicht in den Ecken“ nur in Augenschein nimmt.

Wenn man freilich als Künstler nur herausbildet, darstellt, gebiert er das Bild von innen heraus. Dies ist das Alter ego des Autors. Doch es fehlt ihm dann immer noch die Verbindung zur Welt, sein Werk erschließt sich nur ihm selbst.

Abbildung und Darstellung müssen ineinander aufgehen, erst so spricht der Künstler über das Bild mit der Welt, mit uns, und wir kommunizieren mit ihm. Zustande kommt das, wenn im Künstler die Reflexion erwacht. Nicht jene, von der heute so oft unsere Psychologen sprechen, sondern die, welche die Helden Shakespeares und Dostojewskijs in sich trugen, also die Reflexion, über die A. L. Toom schrieb: „Ein zur selbständigen Reflexion befähigter Mensch kann sich geistig aus der Umwelt befreien“. Die im Bewußtsein widergespiegelte äußere Welt treibt die Arbeit der inneren Welt an. Widerspiegelung und Darstellung interagieren, Makrokosmos und Mikrokosmos verbinden sich, Mensch und Welt werden eins. So entstehen dann geniale Werke, die uns als Entdeckung erschüttern.

Es scheint, wenn es schon die Gemälde von El Greco und Leonardo gibt, gebe es auch bereits Antworten auf die ewigen vermaledeiten Lebensfragen. Ja und nein. Die Großen zeigten uns bereits durch ihre bloße Existenz, daß der Weg zur Wahrheit möglich sei. Zugleich begreifen wir, daß ihn jeder ganz für sich zu gehen hat, da er nur zu einem Drittel durch die Abbildung erleuchtet ist, aber zu zwei Dritteln der Darstellung gewidmet ist.

Warum beginne ich mit diesen seltsamen Überlegungen mein Gespräch über das Werk des Künstlers Kirill Wedernikow? Wahrscheinlich weil ihn selbst ebendiese Fragen beschäftigen. Der Weg eines Künstlers gleicht einer Spirale, die sich nach oben dreht, vielleicht aber auch nach unten, denn wer weiß schon, wo sich in der Endlosigkeit oben und unten befinden. Doch diese Spirale strebt einem Punkt zu. Ob der etwas abschließt, oder ob da eine neue Spirale beginnt, bleibt offen. Eines nur kann man sicher festhalten: Der Weg entlang der Spirale führt nicht nur nach vorne, sondern er dreht sich auch im Kreis, will sagen, kehrt um, vom Sein zum Schaffen und vom Schaffen zum Sein.

Jetzt fügen sich 14 Bilder zu einem durch und durch logischen System, auch wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Malweisen entstanden. Der Künstler betastete sein Thema, ließ von ihm ab, kehrte nach einer bestimmten Zeit zu ihm zurück.

Und wir kehren – versprochen! – schon bald zu diesem so außergewöhnlichen Künstler zurück, den wir im Mai – so die Hoffnung gegen alle Corona-Szenarien – wieder in Erlangen begrüßen können.

Bilder: Dmitrij Smirnow

P.S.: Zur Erinnerung: Hier hatte alles zwischen Kirill Wedernikow und Erlangen begonnen: https://is.gd/WOpuWi

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Im Sommer vergangenen Jahres arbeiteten drei Künstler aus Wladimir im Skulpturenpark Tennenlohe. Heuer fiel das Symposium aus bekannten Gründen aus, internationale Gäste hätten nicht anreisen können. Da tröstet immerhin ein Besuch auf dem Gelände, wo Gertrud Reich-Schowalter und Dietrich Puschmann vom Kunstkreis Tennenlohe diesen Sommer über die passenden Standorte für die russischen Skupturen suchten und fanden.

Gerturd Reich-Schowalter und Dieter Puschmann mit der Arbeit von Igor Tschernoglasow

Die Arbeit von Igor Tschernoglasow fand ihren Platz unter den Augen des Schutzengels von Kirill Wedernikow, und die Verliebten von Sergej Tschernoglasow umarmen einander auf einer Grünfläche gegenüber der Sparkasse.

Der Schutzengel von Kirill Wedernikow

Am besten machen Sie sich aber selbst nach Tennenlohe auf und erfreuen sich an diesen und all den weiteren Skulpturen und Figuren.

Bleibt noch der Dank an die Firma Bärnreuther & Deuerlein Schotterwerke, die aus ihrem Werk in Gräfenberg die beiden Steine für die letztjährige „Fiesta“ für einen geradezu lächerlich günstigen Betrag zur Verfügung stellte.

Siehe auch: https://is.gd/oj42Mw

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Kirill Wedernikow nutzte den Sommer zur Teilnahme an zwei Festivals für Straßenkunst. Der in Kennerkreisen auch in Erlangen geschätzte Maler aus der Kreisstadt Wjasniki in der Region Wladimir war zunächst nach Nischnij Nowogord eingeladen, wo er sich von der Geschichte der Handelsstadt am Zusammenfluß von Wolga und Oka inspirieren ließ, wo vor der Oktoberrevolution Kaufleute aus dem Orient mit ihren Lieferanten aus Europa zusammentrafen, wo jedes Volk und jede Kultur ihre eigenen Viertel, jede Religion und Konfession ihre eigenen Gotteshäuser hatten.

Das Gemälde schafft einen Archetypus einer Frau des Ostens, die mit alten Gegenständen handelt, mit Krügen und Teekannen, mit einem Bügeleisen. Inmitten dieser Objekte finden sich auch Elemente der europäischen und östlichen Architektur einer Zeit und von Orten, die längst verschwunden sind. Das Wasser mit dem Boot ganz unten verweisen auf die häufigen Überschwemmungen gerade auch der Märkte.

Und dann, erst dieser Tage vollendet, das bisher größte Wandgemälde des Künstlers in Jekaterinburg mit dem Titel „Hephaistos“.

„Eine echte Herausforderung“, schreibt Kirill Wedernikow dazu. „Vieles stand der Arbeit entgegen, aber trotz allem triumphierte der Akt der Schöpfung. Danke an alle, die halfen, das Bild zu schaffen!“

Gestern nun besuchte der Künstler das Erlangen-Haus und gab dort eine schon lange angekündigte Arbeit ab, die er bei nächster Gelegenheit den deutschen Freunden schicken möchte. Eine Abbildung davon gibt es nicht, der Meister will es spannend machen.

Nur der Titel wird vorab verraten „Der Schutzengel“. Wir warten also geduldig auf die sich wohl – aus bekannten Gründen – leider nicht so bald bietende Möglichkeit, das Geschenk nach Erlangen zu bringen, und trösten uns mit dem Spruch, wonach Vorfreude die schönste Freude sei.

Wer den Künstler noch nicht kennt oder sich noch einmal seine Meisterschaft vergegenwärtigen möchte, gebe seinen Namen in die Suchmaske des Blogs ein und genieße diese einzigartig mythisch-archaisch-spirituelle Handschrift.

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Es hat ein wenig gedauert, doch nun, wie versprochen, ein wenig mehr zu der Ausstellung der Kunstvereine Wladimir und Erlangen, die unter dem Titel „Sieg über den Krieg. Erinnerung.“ am 8. Mai virtuell eröffnet wurde und noch bis Ende des Jahres hier https://vk.com/izo33 und da https://is.gd/K6cVm6 zu sehen ist.

Ausstellung Sieg über den Krieg. Erinnerung.

„Niemand ist vergessen und nichts wird vergessen“, lautet der Wahlspruch des Projekts im 75. Jahr des Kriegsendes, das gerade auch in der für Umbrüche so sensiblen Kunst ein herausragendes Thema bleibt. Im Ergebnis des Krieges, so der Pressetext des Wladimirer Kunstvereins, bleiben weder Sieger noch Besiegte in dieser Tragödie.

Kirill Wedernikow: Sieg über den Krieg

Mehr als 100 Werke von 67 Künstlern aus den Partnerstädten sind zu entdecken, darunter ebenso Arbeiten von bekannten Namen wie Neuentdeckungen. Machen Sie sich am besten selbst ein Bild, legen Sie Modest Mussorgskij auf und lassen Sie sich gerade heute, an Pfingsten, begeistern von der mythisch-alttestamentarischen Kraft des jüngsten Werks von Kirill Wedernikow, Babylon.

Kirill Wedernikow 6

Kirill Wedernikow: Babylon

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Künstler verfügen über ein besonderes Gespür, über einen eigenen Sinn, Stimmungen zu erfassen, die uns alle bewegen. Als hätte Kirill Wedernikow gespürt, was auf uns alle zukommt, schuf er in den letzten Tagen und Wochen zwei Arbeiten, die der Wladimirer gestern virtuell nach Erlangen mit den Worten schickte:

Ich schreibe Ihnen in weltschweren Zeiten, wo ein Virus durch die Länder tobt und unsere ganze Hoffnung einzig auf der Kunst ruht!

Diese unversell-orthodoxe Pietà könnte man sich ebenso im Bamberger Dom wie an den Mauern einer modernen Kirche vorstellen.

Oder dieser Ritter würde doch in die Dürerstadt passen. Von dem fränkischen Renaissancemaler ließ sich Kirill Wedernikow übrigens bei seinen beiden Besuchen in Erlangen 2019 besonders inspirieren. Nicht von ungefähr könnte er sich auch den Titel „Melancholie“ für diese Arbeit vorstellen. Inspiriert jedenfalls wurde sie von einer Besichtigung der Lorenzkirche in Nürnberg. Der Geist des Austausches lebt weiter – auch in Zeiten des Besuchsverbots und der Ausgangssperre.

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Seit gut zwei Jahren geht wladimirpeter mit Facebook fremd, wo auf https://is.gd/Dlyc6c ein kleiner Artikel über Kirill Wedernikow erschien, dessen von der Volkshochschule angekaufte Arbeit einen Handzettel zur Werbung für die Veranstaltungsreihe „Studium generale“ ziert. Nun veröffentlichte der Wladimirer Künstler eine Stellungnahme hierzu, die es verdient, hier in Übersetzung wiedergegeben zu werden:

Kirill Wedernikow reagierte spontan auf diese Publikation mit den Worten: „Das ist SEHR wichtig für mich!“

Vor ungefähr einem Jahr fand in Erlangen (Deutschland) die Eröffnung der Ausstellung (R)Evolution in der Volkshochschule statt. Bevor ich die Einladung zur Teilnahme erhielt, hatte ich durchaus seltsame Mißgeschicke wegzustecken. Das eine ums andere Mal verweigerte man mir die Möglichkeit, Monumentalarbeiten in meiner Heimat, der Region Wladimir, zu verwirklichen. Mal ging es ums Geld, mal kam Druck durch kritische Worte, wonach ich alles andere als ein Künstler sei. Und das, obwohl es damals schon Straßenkunst von mir in Petersburg, Nischnij Nowgorod oder Astrachan gab. Alles Situationen, die ganz gewöhnlich sind für die Kunstwelt! Doch damals nahm ich mir mein Mißlingen sehr zu Herzen.

Und da kam die Ausstellung (R)Evolution! Es drängt mich gleich, einige Worte zu Erlangen zu sagen, wo das alles geschah. Ungeachtet dessen, daß sie eher klein ist, überwältigt Wladimirs Partnerstadt mit ihrer Zahl an wissenschaftlichen Forschungsinstituten und Hochschulen. Natürlich war denn auch das entsprechende Publikum anwesend. Ohne auf Einzelheiten der Ausstellung selbst und der teilnehmenden Menschen einzugehen, kann ich mit Überzeugung sagen: Alles fand auf höchstem Niveau statt! Einfach und lakonisch gesagt! Neben allem anderen gab es einen Runden Tisch, an dem ich mit Kulturschaffenden über die Kunst und über Rußland sprach. Gar nicht so wenige meiner Arbeiten blieben dort, in Deutschland. All das ist zweifellos sehr wichtig für mich. Aber noch wichtiger und wohl die Hauptsache ist jener Impuls der deutschen Kultur und Philosophie, den ich erhielt. Etwas, das ich jetzt in meinem Werk verarbeite. Im Raum irgendwo zwischen Industrieschloten und verfallenen gotischen Gotteshäusern…

Kirill Wedernikow: Ohne Titel, 2019/20

Und dann verweist der Künstler auf den Artikel „der Kollegen“: https://is.gd/BC2Z9s, wobei er auch diesen Eintrag im Blog hätte erwähnen können: https://is.gd/oj42Mw

Kirill Wedernikow: Festmahl der Könige, 2019

Anlaß genug, neben der Gruppe Andersartig und dem Kunstverein Tennenlohe in Zusammenarbeit mit Dieter Erhard wieder einmal besonders der Volkshochschule, namentlich Jutta Brandis, für den unschätzbaren Beitrag zur Städtepartnerschaft und insbesondere für die künstlerische Entwicklung von Kirill Wedernikow zu danken.

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Vor viereinhalb Jahren stand Otmar Koch, begleitet von seiner Frau Anni, an dem Ort, wo sein Vater mutmaßlich Ende August 1947 auf dem Gelände des Wladimirer Traktorenwerks beigesetzt wurde, und besuchte zusammen mit dem Weltkriegsveteranen, Philipp Dörr, jene Kirche, wo der Wehrmachtssoldat einquartiert war, der seine Familie nie mehr sehen sollte.

Peter Steger und Otmar Koch

„Möglich wurde das nur dank dem Blog“, erinnert sich der Künstler dankbar. „Ich war beseelt von dem Gedanken, das Grab meines Vaters zu finden, aber erst eine Frau aus der weiteren Verwandtschaft, der ich von meinen Plänen berichtete, fand die Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir und machte mich auf die Städtepartnerschaft und den Blog aufmerksam. Was da daraus entstanden ist – unglaublich!“

Otmar und Anni Koch mit der Arbeit von Kirill Wedernikow im Skulpturengarten Tennenlohe

Das Ehepaar aus der Wachau verfolgt zwar seither regelmäßig den Blog, erfuhr aber erst gestern in Erlangen vom elften Geburtstag dieses Mediums der deutsch-russischen Verständigung. Wieder so eine Fügung und Wendung, wie sie nur das Leben und der Blog bereithalten. Und so wurde der gestrige Tag unversehens zur kleinen Feier einer vom Blog gestifteten Freundschaft fürs Leben.

Mehr zu Otmar Koch und zum gestrigen Tag unter: https://is.gd/ZwAIeG und https://is.gd/Dlyc6c

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Der Kunstkreis Tennenlohe wurde 1999 gegründet, um der bereits drei Jahre zuvor von Dieter Erhard ins Leben gerufenen „Fiesta de Arte“ zusätzlichen organisatorischen Halt zu geben. Sechsmal führte der Tennenloher Verein die „Fiesta de Arte“ dann selbst durch und schrieb dreimal einen „Tennenloher Kunstförderpreis“ unter Kunststudenten aus.

Dietrich Puschmann eröffnet die Veranstaltung

Jetzt, zum zwanzigjährigen Jubiläum, knüpft der Kunstkreis wieder an seine Anfangsjahre an und lud in der vergangenen Woche noch einmal zu einer – wenn auch kleinen – „Fiesta de Arte“ ein. Zwei der fünf Künstler haben schon einmal bei einer früheren „Fiesta de Arte“ eine Arbeit für Tennenlohe geschaffen: Isabelle Brisset (2008) aus Rennes und Igor Tschernoglasow (2006) aus Wladimir,  die drei übrigen – Nuna Frei aus Nürnberg sowie Kirill Wedernikow und Igor Tschernoglasows Sohn Sergej, beide aus der russischen Partnerstadt – sind zum ersten Mal in Tennenlohe dabei.

Sergej und Igor Tschernoglasow, Kirill Wedernikow, Nuna Frei, Tobias Ott und Isabelle Brisset

Isabelle Brisset hat ein winziges Atelier am schönsten Platz von Rennes. Ihre poetischen, leuchtend farbigen, verspielten Bilder zeigen eine fantastische Welt von Zwergen, Schmetterlingen, Elfen, fliegenden Fischen und anderen zauberhaften Wesen. Zwischen England und China hat sie schon in vielen Ländern ausgestellt. Aber nach Tennenlohe ist sie gerne ein zweites Mal gekommen.

Isabelle Brisset, Nuna Frei, Sergej und Igor Tschernoglasow sowie Kirill Wedernikow vor ihrem kollektiv geschaffenen Bild

Nun Frei, bürgerlich Sabrina Brandstätter, lebt in Nürnberg, stammt aber aus der Oberpfalz. Dazwischen liegt eine lange Reise, die sie durch mehrere Länder Südamerikas – Chile, Argentinien, Peru, Bolivien und Ecuador – führte. Die Farben Südamerikas und die Kunst der Fassadenmalerei, der „Murales“ hat sie von dieser Reise mitgebracht. Gegenwärtig zeigt die Nürnberger „Nordkurve“ in Gostenhof eine Ausstellung mit ihren Arbeiten.

Sergej Tschernoglasow und Dietrich Puschmann mit einem Geschenk aus Stein des Wladimirer Künstlers

Traditionell fand die „Fiesta de Arte“ immer in der Kirchweih-Woche in Tennenlohe am dritten August-Wochenende statt. Deswegen lebten und arbeiteten die Künstler auch jetzt in Tennenlohe, wo gestern Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und ein großer Kreis Interessierter im Skulpturenpark die fertigen Werke abnahm.

Sergej Tschernoglasow und seine „Umarmung“

Fertig? Nicht ganz. Die beiden Bildhauer, Igor und Sergej Tschernoglasow, legen heute noch letzte Hand an ihre Skulpturen an. Der Stein mit den vielen Einschüssen hatte zu viel Widerstand gegen die Bearbeitung geleistet. Doch die beiden Perfektionisten machen keine halben Sachen.

Sergej Tschernoglasow, Susanne Lender-Cassens, Igor Tschernoglasow und seine „Waldfrau“ sowie Kirill Wedernikow

Igor Tschernoglasow, lange Jahre Vorsitzender des Künstlerverbands der Region Wladimir, gehört zu den angesehensten Meistern seines Fachs und erhält Aufträge aus dem ganzen Land – ebenso wie Kirill Wedernikow, der trotz seiner jungen Jahre schon in Moskau, Sankt Petersburg oder Nischnij Nowgorod seine Arbeiten schuf, die in ihrer ikonographischen Verbindung von Tradition und Moderne, in ihrem unverwechselbaren Amalgam aus inniger Spiritualität und manifester Diesseitigkeit beweisen, daß er seinen ganz eigenen Weg gefunden hat.

Susanne Lender-Cassens, Kirill Wedernikow und sein „Schutzengel“ sowie Igor und Sergej Tschernoglasow

Die Arbeiten bleiben auf der Wiese an der Wied, also für jedermann jederzeit zugänglich. Eines der beiden Bildnisse von Tschernoglasow d. Ä. und Tschernoglasow d. J. wird allerdings demnächst einen Platz auf der Skulpturenachse jenseits der B2 im Tennenloher Forst finden. Welche, das entscheidet der Kunstkreis. Es soll ja noch Platz sein für weitere Werke von Künstlern aus dem Großraum und den Partnerstädten.

Detail aus dem „Schutzengel“ von Kirill Wedernikow: die Vielfalt des Glaubens mit nur einer gemeinsamen Tür. Es ist an uns, sie zu öffnen…

Doch jetzt erst noch einmal ein großes Danke, Merci und Спасибо an Mister Puschmann, wie die Gäste aus Wladimir den Vorsitzendenden des Kunstkreises, Dietrich Puschmann, nannten, an sein Team, an die Anwohner und vor allem auch an Dieter Erhard, der mit Rat, Gerät und Tat viel zum Gelingen dieses Festes der partnerschaftlichen Kunst beitrug.

Und hier ist noch einmal alles auf Anfang gesetzt: https://is.gd/DvYEYj

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