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Posts Tagged ‘Kira Limonowa’


Heute vor 25 Jahren, am Vorabend zum 50. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus, eröffneten die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, das Erlangen-Haus in Wladimir als Botschaft der Bürgerpartnerschaft, der Volksdiplomatie und der Verständigung zwischen Deutschen und Russen. Nach zweieinhalbjähriger Bau- und Sanierungsarbeit einer deutsch-russischen Brigade unter Leitung von Kira Limonowa und Helmut Eichler und einer heute wohl so kaum mehr möglichen Spendenaktion gelang es, am 7. Mai 1995 das einstige Kaufmannshaus, mittlerweile schon fast abrißreif, als Begegnungsstätte einzuweihen, die schon sechs Jahre später vom damaligen Bundespräsidenten, Johannes Rau, mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ ausgezeichnet wurde. In der Zwischenzeit hatte das Team – zunächst unter Leitung von Tatjana Garischina, später von Jelena Jewtuchina-Tschilimowa und schließlich von Irina Chasowa – mit Hilfe der Volkshochschule Erlangen, namentlich Klaus Wrobel und Reinhard Beer, neben dem Gästetrakt die Deutschkurse in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Moskau derart erfolgreich aufgebaut, daß man ein eigenes, zertifiziertes Sprachlernzentrum etablieren konnte, das jedes Audit mit Bestnoten besteht und als erste Adresse für alle Lernwilligen gilt.

Zoom-Konferenz mit dem Erlangen-Haus

Dies und vieles mehr sollte heute eigentlich mit einer großen Delegation aus Erlangen unter Leitung des soeben im Amt bestätigten Oberbürgermeisters, Florian Janik, gewürdigt und gefeiert werden. Aber wenn der Virus es so will, steht die Partnerschaft ganz still. Nicht ganz! Immerhin gibt es ja das Internet mit den Sozialen Netzwerken, den Blog und neuerdings auch Zoom, ein Medium, das auf Initiative von Tatjana Kirssanowa, der Leiterin der Deutschkurse, dieser Tage erstmals genutzt wurde, um aktuelle Fragen mit den Freunden in Erlangen zu besprechen. Sicher nicht zum letzten Mal.

Florian Janik bei der Aufzeichnung seiner Grußbotschaft

Und es gibt die kleinen Videobotschaften, aufgenommen von TV Мы. Das Team Amil Scharifow – Peter Steger verfügt zwar noch nicht über alle technischen Möglichkeiten und Fertigkeiten, aber die ersten Versuche sind es wert, auch wenn manches Mal der Wind gar zu laut ums Smartphone pfeifen mag. Diese technischen Unzulänglichkeiten bittet das Duo, großmütig zu entschuldigen, und gelobt Besserung.

Amil Scharifow und Siegfried Balleis bei der Aufzeichnung der Grußbotschaft

Immerhin erhalten so neben Dietmar Hahlweg, dem Begründer der Partnerschaft und Visionär des Erlangen-Hauses, auch seine Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis und Florian Janik, Gelegenheit, einen Gruß an das Team des Erlangen-Hauses zu richten.

Dietmar Hahlweg bei der Aufzeichnung seiner Grußbotschaft

Aber auch die beiden Stadträtinnen, Birgitt Aßmus und Anette Christian, beide Mitglieder des Vorstands der Stiftung Erlangen-Haus, und Wolfram Howein, Berater und Revisor, sowie Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule und seit einem Vierteljahrhundert Förderer der Deutschkurse, kommen in eigenen Grußbotschaften zu Wort.

Amil Scharifow bei der Aufzeichnung der Grußbotschaft von Reinhard Beer, Wolfram Howein und Anette Christian

Dies alles kann natürlich das geplante Gartenfest im Erlangen-Haus nicht ersetzen, kann nur ein kleiner Trost für die ausgefallenen persönlichen Begegnungen sein, kann lediglich als Versprechen verstanden werden, das Treffen sobald als möglich nachzuholen, denn, wie Dietmar Hahlweg in seinem Grußwort sagt: „Wir brauchen das Erlangen-Haus gerade heute mehr denn je!“

Und so gratuliert denn auch der Blog im Namen all der vielen Gäste aus Erlangen dem liebreizenden Team vom Erlangen-Haus zu der fünfundzwanzigjährigen Erfolgsgeschichte. Man kann ohne jede Übertreibung sagen: Ohne das Erlangen-Haus wäre die Partnerschaft mit Wladimir nicht das, wofür wir alle diese einzigartig intensive und vielseitige deutsch-russische Zusammenarbeit so sehr schätzen. Ihr seid die besten! Молодцы!

Swetlana Schelesowa, Natalia Korssakowa, Irina Chasowa und Tatjana Kirssanowa

Und hier geht es nun zu den Videobotschaften: https://is.gd/ibWNdz und https://is.gd/veqAHA sowie https://is.gd/2F2W69

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Wie notwendig der Austausch gerade auch der jungen Generation zwischen Erlangen und Wladimir ist, zeigen oft Kleinigkeiten. So war Maxim Lortschenko vom Dokumentationsteam, das den Veteranen Nikolaj Schtschelkonogow auf seiner Reise begleitet, der Meinung Fritz sei nichts mehr als die im Zweiten Weltkrieg übliche abwertende Bezeichnung für die Deutschen. Und nun stellt sich heraus: Es handelt sich um einen männlichen Vornamen, wenn auch heute nicht mehr so gebräuchlich wie noch vor ein oder zwei Generationen, hinter denen konkrete Menschen stecken wie Fritz Rösch und eben Fritz Wittmann, dessen Grab die Gäste aus der Partnerstadt am Freitag besuchten.

Für Nikolaj Schtschelkonogow hatte dieser Vorname seit 1991, als Fritz Wittmann zum ersten Mal nach Wladimir kam, ein Gesicht, eine Stimme, eine Geschichte, die ihn bis heute mit Deutschland tief verbindet. Und da, wo es so persönlich wird, haben Feindbilder keinen Platz mehr, da tauscht man nur noch Familienphotos und gemeinsame Erfahrungen aus.

Hans Gruß, Harald Sander, Bridget Gruß, Johanna Sander, Paul Sander, Nikolaj Schtschelkonogow, Tatjana Jazkowa und Elisabeth Wittmann am Grab von Fritz Wittmann

Dabei hätte alles ganz anders ausgehen können: Der „Fritz“ und der „Iwan“ – so ja die deutsche Kollektivbezeichnung für die sowjetischen Feinde – lagen einander in den letzten Kriegstagen bei Küstrin in den Schützengräben gegenüber und fielen einander später in die Arme. Ihnen gelang es, in sich den Krieg zu besiegen, sie wurden beide zu Botschaftern des Friedens, zu den großen Männern der Aussöhnung und Verständigung zwischen den Partnerstädten und weit darüber hinaus.

Lange verharrte Nikolaj Schtschelkonogow in Stille vor dem Grab des Kameraden, das zu besuchen sein Herzenswunsch war. Doch dann brachen sie aus ihm heraus, all die Erinnerungen an die Begegnungen und Gespräche, voll freundschaftlicher Hochachtung für den Verstorbenen und sein Vermächtnis, all die guten Wünsche für dessen Familie und Freunde. All das, was zum Abschied gesagt sein wollte.

Elisabeth Wittmann und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann wieder diese Zugewandtheit zu den Menschen, zum Leben. Man kann es nicht anders nennen als die helle Freude, die einen im Gespräch mit diesem Mann überkommt.

Nikolaj Schtschelkongow, Tatjana Jazkowa und Hans Gruß

Voller Wißbegier: Was dachte und machte der Freund noch vor seinem Tod? Welche Gedichte schrieb er noch? Welche Graphiken zeichnete er, als es mit den Buchstaben nicht mehr so klappen wollte?

Nikolaj Schtschelkonogow

Auch voller Anerkennung dafür, wie die Familie das Andenken an Fritz Wittmann bewahrt, indem etwa sein Arbeitszimmer fast unberührt blieb und wirkt, als könnte er jeden Moment wieder eintreten.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Auch voller Überraschung, den originalen Friedenskreis wiederzusehen, der als Banner, überreicht am 9. Mai 2015 von Oberbürgermeister Florian Janik, im Versammlungsraum des Veteranenverbands Wladimir hängt.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Und dann beim Abendessen wieder, wie am Vorabend im Club International, diese Fülle an Detailwissen mit immer wieder neuen Facetten des Kriegsgeschehens: Hunde, die, mit Sprengstoff am Körper, unter deutsche Panzer geschickt wurden, die bei der Zündung, wenn nicht völlig zerstört wurden, so doch schweren Schaden nahmen, etwa an den Ketten oder am Turm; Vorteile der deutschen Ausrüstung beispielsweise im Tornister mit seinen Fächern und der Abdeckung aus Pferdeleder und den Aluminiumflaschen, während man im eigenen Sack nur Glasbehälter hatte, die brechen konnten; der robuste sowjetische Karbiner, der leichter und weniger anfällig war als das deutsche Pendant.

Wolfgang Morell und Tatjana Jazkowa (sitzend), Hans-Joachim Preuß, Nikolaj Schtschelkongow, Elisabeth Preuß und Jekaterina Zwetkowa

Oder das deutsche Geschirr aus Metall versus das eigene Besteck aus Holz oder die Uhr, die jeder Wehrmachtssoldat trug und dann gern als Beutestück genommen wurde, von Toten wie von Gefangenen; oder die Eiserne Ration, die für die Sowjetsoldaten hauptsächlich aus Graupen und Trockenfisch bestand, während die Deutschen sogar Schokolade mitführten, etwas, das Nikolaj Schtschelkonogow erst beim Auffinden eines Wehrmachtstrosses entdeckte.

Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann die „pornographischen Bilder“, die sich bei den Deutschen fanden. Oder die Vorliebe der Wehrmacht, mit Leuchtschußpistolen die Nacht zum Tag zu machen.

Andrej Maximow, Jekaterina Zwetkowa und Amil Scharifow mit Elisabeth Preuß im Interview

Man fragt sich schon jetzt, wie das Team von Jekaterina Zwetkowa all den Stoff in eine einzige Dokumentation packen will, zumal ja erst die Hälfte der Reise abgeschlossen ist.

Johanna Sander, Adventskonzert Herz Jesu

Und zumal nicht einmal der emsigste Berichterstatter des Blogs alles wiederzugeben vermag. Aber wie soll man auch die Gefühle des Gastes beschreiben, wenn er nach dem Konzert in Wladimir im September nun noch einmal Johanna Sander, die Tochter von Fritz Wittmann, bei einem Auftritt erlebt…

Rosie Zahn und Jekaterina Zwetkowa

Oder wenn es dann zu einer Begegnung von Rosemarie Zahn und Jekaterina Zwetkowa kommt, die eine langjährige Freundschaft mit Kira Limonowa, der Architektin des Erlangen-Hauses und Witwe von Pjotr Dik, verbindet. All diese Querverbindungen verdienten es, gesondert zu erzählen.

Johanna Sander und Nikolaj Schtschelkonogow

Aber wir wollen es dabei belassen und mit dem Bild der Sängerin und des Veteranen enden, einem Bild der Harmonie und des Einvernehmens von zwei Menschen, von dem man sich gern hineinnehmen lassen will, bevor es heute für Nikolaj Schtschelkonogow und seinen Troß weitergeht nach Jena, Leipzig und Berlin.

Nikolaj Schtschelkonogow, Jekaterina Zwetkowa, Tatjana Jazkowa und Andrej Maximow im Nürnberger Bratwursthäusla

P.S.: Gerade rechtzeitig vor der Veröffentlichung dieses Beitrags schickt Othmar Wiesenegger noch eine kleine Rückschau, auf das, was gestern abend noch so alles abging – mit Bildern und vor allem einem Video, das man gesehen haben sollte, um Nikolaj Schtschelkonogow zu kennen:

Ohne Worte…

Lieber Peter, gestern hast Du noch etwas versäumt!

Wir sind nach dem Konzert direkt zur Waldweihnacht am Schloßplatz gegangen und hatten noch eine schöne Zeit bis 21.00 Uhr.

Nikolaj und Tatjana waren bester Stimmung und tanzten, und Nikolaj wollte noch sein Erlangen-Lied auf der Bühne vortragen!

Ich hatte mit der Band gesprochen – leider nicht zu bestimmt -, und so konnte er es nicht vortragen, es wäre echt toll gewesen!

Außerdem haben die beiden mit dem Finalisten von “Deutschland sucht den Superstar” mit Dieter Bohlen und Freundin, getanzt und posiert: ING_6159. Ich schmeiß mich weg, die ganze Zeit waren sie bester Laune!!! Sag niemanden, daß er 94 Jahre alt ist! Ich will mit 94 auch so sein!!!

https://www.rtl.de/videos/fortunato-lacovara-rockt-sich-zum-goldenen-buzzer-5a154717a2ea5024f25304d8.html

Auf jeden Fall haben “unsere Russen” einen schönen Abend verlebt und werden den 1. Dezember hier in guter Erinnerung behalten.

Link mit Bildern und Video

https://www.dropbox.com/sh/6oh6v5m8g2u991j/AAAkBrtSOgnfiw1gLXhl1ImCa?dl=0

Viele Grüße und Dir eine schöne Zeit noch mit den fünfen aus Wladimir. Dein Othmar

 

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Die meisten in Wladimir kennen sie nur als die Witwe ihres 2002 verstorbenen Mannes, des deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik, die sich bis heute um dessen graphisches Erbe kümmert und Ausstellung um Ausstellung organisiert, dabei spielt Kira Limonowa als vielfach ausgezeichnete Architektin für die Städtepartnerschaft mit Wladimir eine im Wortsinne aufbauend-konstruktive Rolle. Unter ihrer kundigen Leitung nämlich erstand das baugeschichtlich wertvolle Erlangen-Haus buchstäblich aus Ruinen. Zusammen mit ihrem Erlanger Gegenpart, Helmut Eichler, achtete sie während der Arbeiten von 1993 bis zur Eröffnung 1995 auf jedes Detail und lieferte – wer wollte da widersprechen – ein Meisterwerk dafür ab, wie man alte Bausubstanz – ein ehemaliges Kaufmannshaus aus dem späten 19. Jahrhundert, jahrzehntelang als Gemeinschaftsunterkunft heruntergewohnt – wieder sinnvoll nutzen kann.

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger im Mai 2018

Bis heute steht Kira Limonowa bei den immer wieder notwendigen Unterhalts- und Renovierungsarbeiten dem Team vom Erlangen-Haus beratend zur Seite und sorgt so dafür, daß diese Schaltstelle der Städtepartnerschaft auch nach bald 25 Jahren nicht erhalten bleibt, sondern immer noch ansprechender und einladender wird. Für die Baumeisterin stellte dieses Heim der deutsch-russischen Begegnung den krönenden Abschluß ihrer beruflichen Karriere dar. Im Ruhestand bleibt ihr die „Erlanger Botschaft“ das Anliegen einer tiefen Freundschaft und Verbindung zwischen Deutschen und Russen, was es zu bewahren gilt. Dafür – nicht nur heute, an ihrem 80. Geburtstag, zu dem der Blog herzlich gratuliert – ein großes Dankeschön!

Und für alle des Russischen mächtigen Leser eine Trouvaille aus dem Netz: In dieser zwanzigminütigen Reportage aus dem Jahr 1982 sieht man nicht nur ein winterliches Wladimir aus einer präpartnerschaftlichen Zeit, sondern man begegnet auch späteren Akteuren des Austausches, dem Chorleiter Eduard Markin und Igor Stoletow, dem ehemaligen Vorgesetzten von Kira Limonowa: https://is.gd/3YtBWq

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Heute würde Pjotr Dik 80 Jahre alt. Der Künstler, als Nachfahre von einst aus Deutschland eingewanderten deutschen Mennoniten im Altai geboren, kam Ende der 60er Jahre nach Wladimir und arbeitete in der Partnerstadt als Graphiker und Bildhauer. Zu den Glücksmomenten seines Lebens, das unvermittelt am 14. August 2002 in Worpswede endete, gehört, dank der Städtepartnerschaft mit seiner Kunst in die alte Heimat zurückgekehrt zu sein.

Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, widmete dem Mittler zwischen den Kulturen einen Artikel, veröffentlicht 2001 zur Verleihung des Rußlanddeutschen Kulturpreises an diese großartige Persönlichkeit.

Kira Limonowa, die Witwe des Künstlers, die bis heute Ausstellungen ihres Mannes kuratiert

Zur Pastellmalerei, der von ihm heute ausschließlich angewandten Technik, fand der Künstler Peter Dik erst im Laufe der Zeit. Am Anfang stand die plastische Metallbearbeitung, die er studiert und einige Jahre ausgeübt hatte. Mit der Zeit wandte er sich dann mehr der Graphik, insbesondere der Monotypie, aber auch der Lithographie zu. Von dort gelangte er zur Handhabung von Pastellfarben. Er entdeckte für sich die überraschenden Effekte, die sich durch sie erzielen lassen. Die Technik seiner Pastelle basierte mit Kohle in schweren Umrissen und in ziemlich starken Farben. Er hatte damit seine persönliche künstlerische Ausdruckssprache gefunden, eine Sprache, die es ihm ermöglichte, die Vielfalt der äußeren Eindrücke aufzunehmen und im Sinne der eigenen Vorstellungen zu realisieren; seine Bildwelt zu erschaffen.

Den großen Vorzügen des Pastellmaterials in bezug auf die Erzielung farblicher Wirkungen steht jedoch bekanntermaßen der Nachteil entgegen, daß es empfindlicher gegen mechanische Verletzungen, zum Beispiel gegen Stoß, ist, weil die Farbe nicht fest auf dem Grund haftet. Demgegenüber besitzt es andere Vorteile: Hier gibt es kein Vergilben, Bräunen und Reißen wie bei Öl. Für seine Bilder verwendet Peter Dik neben weißen sowie schwarzen Spezialpapieren auch etwas Besonderes, von anderen Künstlern nicht Benutztes, nämlich Sand- oder Schmirgelpapier. Die Rauhigkeit dieses Grundes ist Vorteilhaft, schluckt aber natürlich viel Farbe. Das Fixieren – bei Pastell immer eine besondere Schwierigkeit, weil es leicht zu Veränderungen im Farbwert führen kann – ist bei Gebrauch von Schmirgelpapier nicht empfehlenswert, ja praktisch unmöglich. Peter Dik hat seine eigene Technik entwickelt, um das Malmaterial dauerhaft anzubringen: Er trägt die Farbe mit dem Finger auf und erzielt durch kräftiges Reiben ungemein weiche, matte, samtige Töne, bei denen es mehr auf die bestechende Schönheit des Vortrags ankommt als auf peinliche Genauigkeit. Nicht, wie es der überragende Pastellmaler der Kunstgeschichte, Edgar Degas, handhabte, der sehr auf die Zeichnung achtete, setzt Peter Dik seine Farben unmittelbar ein und baut die Wirkung seiner Bilder breitmalerisch auf den kräftigen Kontrasten des reinen Oberflächenlichtes auf. Die leichte Unbestimmtheit in den Umrissen ist gewollt, sie schafft die eigentümliche, traumhaft verschwimmende Atmosphäre, die östliche Stimmungen von den klaren Konturen des Südens unterscheidet. Es sind vor allem dunkle Farbtöne, die hart entgegen den hellen, besonders gegen Weiß, stehen. Der Maler holt durch ständiges Abwägen der Farbwerte des Lichtes und des Schattens und ihrer komplementären Farbtöne in der Entgegensetzung die angestrebte Wirkung heraus. Darauf kommt es ihm an.

Peter Diks Malerei ist expressiv und, obwohl stets vom Gegenständlichen ausgehend, abstrahierend bis zur Grenze völliger Abstraktion. Seine Darstellungen zeigen keine technisch-zivilisatorischen Errungenschaften unserer Gegenwart, die eine Datierung ermöglichen würden. Seine Werke sind nicht für die Zeit bestimmt, in der sie entstehen, sondern sie sind zeitlos in dem Sinne, daß sie eine Verbindung schaffen von der Vergangenheit bis zum Heute und tendenziell darüber hinaus. Das gilt für alle Motivbereiche, in denen er arbeitet, seien es Portraits, Genreszenen, Stilleben oder Landschaften. Dieses konsequente Absehen von einer abbildenden Wiedergabe der Wirklichkeit verweist darauf, daß die Ideen, innere Bilder des Malers, ihn zu seinen Arbeiten inspirieren. In der Tat ist dies so. Der Künstler trachtet danach, Modelle auszuzeichnen, die in seiner inneren Schau auftauchen. Darum auch ist er bestrebt, die Realisierung in jeweils einem Zuge durchzuführen und abzuschließen, damit die Einheit des zugrunde liegenden Gedankens nicht auseinanderläuft und verloren geht. Seine Arbeiten bleiben im kleinen oder mittleren Format.

Die Ergebnisse dieses Bemühens tragen ihre Bedeutung in sich selbst. Sie vermitteln keine wie immer gearteten Botschaften. Sie tragen keine sekundären Bedeutungen; sie sind autonom. Die Werke Peter Diks haben ihren letzten Ursprung in der Seele des Künstlers. Sie sind bestimmt durch eine tiefsitzende Empfindung von Stille und Einsamkeit, ja auch von Schmerz und Trauer. In ihnen läßt sich der Widerhall einer großräumigen, grenzenlos weiten, melancholischen Landschaft mit langen, strengen Wintern spüren, die den Menschen ihren Charakter aufprägt. Dies drückt sich auch in der gebeugten Haltung der Gestalten aus, die allein, als „Zweiheit“, wie Dik sagt, oder zu dritt im Raum stehen oder gehen.

Auf die Frage, welche Richtungen und Schöpfungen der Kunst bei ihm selbst einen tiefgehenden Eindruck hinterlassen haben, nennt Peter Dik die mittelalterlichen Ikonen und Fresken. Diese vielen fremdartig erscheinenden Bilder strahlen eine tiefe innere Ruhe, kontemplativ verinnerlichte feierliche Geschlossenheit und Harmonie aus. Sicher trägt die Rückbesinnung auf die Traditionen der religiösen Kunst der orthodoxen Christen für den gläubigen Menschen Peter Dik programmatischen Charakter. Insofern läßt sich von einer geistigen Kontinuität als einem der bestimmenden Merkmale des Malers Peter Dik sprechen.

Wir ahnen, daß der Schicksalsweg dieses feinnervigen Künstlers durch Not und Entbehrung im Krieg und unter den Bedingungen der kommunistischen Diktatur des Schreckens kein leichter war. Peter Dik kam als Kind schwarzmeerdeutscher Mennoniten, die Stalin nach Sibirien verschleppt hatte, am 1. Januar 1939 im Dorf Gljaden, Bezirk Blagoweschtschensk, Region Altai, zur Welt. Er berichtet: „Ich bin in der Altaisteppe geboren. Ein uferloses Meer von Steppengras und ein gewaltiger Himmel. Der Wind spaziert über die Steppe, das Gras breitet sich aus wie Wellen, die über das Meer hinweglaufen. Jedes Element, das in diesem Raum auftauchte, wurde als bedeutend aufgefaßt, – ein Gefühl, gleichsam kosmischen Ursprungs. Meine Kindheit verlief im krassen Kontrast zu dem, was die Natur dieses erstaunlichen Landstrichs ausmacht. Das erste, woran ich mich aus diesen Jahren erinnere, ist der Tod meines Vaters an Tuberkulose. Damals war auch meine Mutter, entsprechend dem Befehl Stalins zur totalen Mobilisierung aller Deutschen in der UdSSR, in die Arbeitsarmee gepreßt worden. Mich, gerade drei Jahre alt, mußte meine Tante aufnehmen, die schon zwei eigene Kinder hatte. Das Leben in den ersten Nachkriegsjahren war um keinen Deut besser als während des Krieges: der gleiche Hunger, die gleiche Notwendigkeit, ums Überleben zu kämpfen. Und überdies ein Leben unter der Aufsicht der Komendantur. Meine Reaktion auf all das war ein starker Widerstand. Ich konnte nicht glauben, daß meine Eltern verschleppt worden waren, weil sie etwas Schlechtes getan haben sollten, und daß ich mich für sie und dafür schämen sollte, daß ich Deutscher war.“

Nach Beendigung der siebenklassigen Volksschule arbeitete Peter Dik als Lade-, Erd- und Steinbrucharbeiter. In der „Tauwetter-Periode“ durfte er die Kunstschule in Swerdlowsk besuchen und schließlich 1968 – 1973 an der als „Stroganowka“ bekannten Hochschule für Kunst und Industrie in Moskau studieren. Seine Arbeiten fanden freundliche Aufnahme und brachten Anerkennungen ein, so den Titel „Verdienter Künstler“. Dies ermöglichte es ihm, durch Reisen und Studienaufenthalte seinen Horizont zu erweitern, zuerst in den damaligen Sowjetrepubliken Lettland, Georgien, Armenien und Estland, ab 1992 auch in Deutschland, wo er an Ausstellungen in Erlangen, Düsseldorf, Berlin, München, St. Augustin, Hamburg und Pommersfelden teilnehmen konnte. Einzelausstellungen gab es u. a. in Moskau, Wladimir, Sankt Petersburg, London, Erlangen, Nürnberg und Bozen.

Werke Peter Diks wurden erworben von Kunstmuseen in Moskau, Sankt Petersburg, Wladimir, Orjol, Twer, Tula, Tjumen sowie von der Staatlichen Tretjakow-Galerie Moskau und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München.

Im Jahre 2001 wurde Peter Dik mit dem Rußlanddeutschen Kulturpreis ausgezeichnet.

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Von allen Medizinkontakten zwischen Erlangen und Wladimir erweisen sich die Verbindungen der Pädiatrie als die beständigsten. Seit 1990 im Kinderkrankenhaus die ersten Hilfskonvois eintrafen, besteht auch der ärztliche Austausch zwischen den Partnerstädten, und seit 1999 spendet auf Initiative von Christine Delfs, Lehrerin an der Heinrich-Kirchner-Schule, alle Jahre wieder in der Adventszeit ihr Taschengeld bzw. verkauft Leckereien in der Pause zu Gunsten der kranken Kinder in Wladimir. 300 Euro sind dieses Mal zusammengekommen, eine Rekordsumme, die vor allem auf der Krebsstation Freude machen soll, wie Swetlana Makarowa, ärztliche Direktorin des Krankenhauses, bei der Übergabe versichert.

Peter Steger und Swetlana Makarowa

Gebastelte, gezeichnete und gemalte kleine Kunstwerke gehen im Gegenzug als Dankeschön nach Erlangen. Aber auch schon als Grundstock für eine Ausstellung, die 2019 zum zwanzigjährigen Jubiläum der Aktion an der Heinrich-Kirchner-Schule zu sehen sein wird. Wie eng die kreative Bewältigung der Krankheit hier Erlangen und Wladimir verbindet, zeigen die vielen Bilder in den Korridoren, die 2008 im Rahmen des Projekts „Heimat“ entstanden, wo, unterstützt von Soroptimist International, Kinder Einblicke in ihre Vorstellung von Heimat gaben.

Weltkarte der Kinder mit Swetlana Makarowa und Peter Steger

Eine Freude für alles Sinne ist es mittlerweile, die Klinik zu besuchen: hell und farbenfroh die Gestaltung und patientenorientiert die Verwaltung. Vorbei die Zeiten der Warteschlangen. Bei der Anmeldung bekommt man zentral alle notwendige Auskunft bis hin zur Terminvergabe.

Anmeldung

Und die Ausstattung? Auch die mittlerweile auf modernstem Niveau. Dabei war man ohnehin immer vorne mit dabei. Etwa als – ebenfalls im Rahmen einer Aktion von Soroptimist International – 2001 hier ein gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen eingerichtet wurde. Das erste seiner Art in der ganzen Region. Erst in jüngster Zeit gibt es diese Angebote auch andernorts, die Politik hat am Beispiel von Wladimir landesweit die Notwendigkeit solcher Beratungs- und Therapiemöglichkeiten für junge Frauen verstanden und handelt nun.

Gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen

Nur ein großer Wunsch ist noch nicht erfüllt: das Perinatalzentrum für Wladimir. Zwar, so Swetlana Makarowa, sei man stolz, mittlerweile sogar Frühgeburten mit einem Gewicht von 450 Gramm gesund groß zu bekommen, aber es bleibe noch einiges in der Neonatologie zu tun. Möglichst gemeinsam mit den Kollegen aus Erlangen, von denen man schon so vieles gelernt und übernommen habe.

Heimat

Für diese Erfolge steht eine kontinuierlich sinkende Kindersterblichkeit. Auf 1.000 Geburten kommen statistisch nur noch fünfeinhalb Todesfälle. Schon ganz nah an den Daten für Deutschland, die bei etwa dreieinhalb Toten liegen – und weit entfernt von den fast zweistelligen Zahlen aus den 90er Jahren. Schön, wenn die Partnerschaft dazu – etwa mit den ersten Inkubatoren oder einem Rettungswagen – etwas hat beitragen können.

Heimat

Als Pjotr Dik im August 2002 in Worpswede während eines Studienaufenthalts unerwartet mit gerade einmal 63 Jahren verstarb, hinterließ der deutsch-russische Künstler seiner Witwe, neben all seinen Graphiken und Gemälden auch das gemeinsam erbaute Haus in Susdal. Von hier aus organisiert Kira Limonowa bis heute Ausstellungen ihres Mannes im ganzen Land.

Das Haus von Peter Dik

Aber hier, bei der Architektin des Erlangen-Hauses, gehen auch nach wie vor Musiker, Maler und Meister des Wortes ein und aus – wie die Lyrikerin Jekaterina Zwetkowa, die auch als Filmemacherin tätig ist und der italienisch-spanischstämmige Nicolas Celoro, in Paris geboren, und derzeit als Pianist auf russischen Bühnen zu erleben. Der kosmopolitsche Komponist arbeitet derzeit an einem Werk über Susdal. Bis zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Rothenburg im Sommer dürfte der Maestro die Arbeit zwar kaum abschließen, aber vielleicht ist sie ja später einmal in Erlangen zu hören. Bis dahin begnügen wir uns mit einem Epigramm von Jekaterina Zwetkowa:

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger

Ich fand im Schreibtischfach auf einem Fetzen Papier die Notiz: Ich lebe, wenn ich Gedichte schreibe, einfach einer Eingebung folgend, schlicht in die Welt hineinhörend… Mehr noch liebe ich es, zu schweigen und in der Stille zu verharren. Und wenn man einen andern schätzt und mag, ist man mit ihm schweigend viel glücklicher, weil die Worte… Sie sind zu einer gewaltigen zerstörerischen Kraft geworden.

Blickfang in Susdal an der Kamenka

So soll denn auch dieser Bericht mit einem stillen Blick auf Susdal glücklich enden.

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Und dann kam Peter…

1992 – 2018 Eine fränkisch-russische Freundschaft

Mit rührender Loyalität transportiert Peter Steger alljährlich ein unförmiges Paket für uns von Susdal über Wladimir und Erlangen nach Kraftshof. „Der Hönig“ steht in Kiras Schrift darauf. Nein, das sind nicht Eulen nach Athen, obwohl man sehr wohl auch hier hervorragenden fränkischen Honig kaufen kann. „Der Hönig“ ist mehr als nur Konsumware zum Frühstück. Es ist ein Symbol einer nunmehr 29 Jahre alten Freundschaft mit der Familie Dik. Sinnbildlich enthält er den Blick auf ihr Holzhaus in Susdal, die Düfte des gepflegten Bauerngartens im August, das Geläute der umliegenden Klosterkirchen und die wohltuende Ruhe und Gelassenheit der Uferwege entlang des Kamenka mit Blick auf die Stadtkulisse – und sie sind allesamt hier in Franken in keinem Geschäft zu erwerben.

Kira Limonowa und eine ihrem Mann gewidmete Ausstellung in Wladimir, 2009

1992 besuchte uns Peter im Rahmen einer Kunstverein-Ausstellung von fünf Malern und Graphikern aus Wladimir zum ersten Mal. Seine Deutschkenntnisse waren bescheiden, unsere Russischkenntnisse völlig „non-existent“, aber kollektiv konnten sich unsere wenig verbalen Kommunikationsfähigkeiten sehen lassen. Peter mußte man einfach mögen. Er konnte so herzerfrischend und ansteckend lachen. Das Nonverbale wurde so schnell durch gegenseitige Empathie ausgeglichen. Peters unbändige Neugierde für alles, was mit Deutschland, mit der Sprache und ihrer Kultur zu tun hatte, machte uns den Austausch leicht. An Gesprächsthemen fehlte es nie.

Bald entdeckte Peter unser Kraftshofer Atelier für sich und machte oft die Nacht zum Tag. Er war unglaublich fleißig und sehr von der neuen Umgebung beflügelt. Entstanden sind dabei allerlei Bilder von unserem fränkischen Dorf, von der beleuchteten Kirche bei Nacht, von den Scheunen mit ihren typischen Giebeln und Steildächern. Ihm gelang es immer, diese Bilder mit seinem besonderen Merkmal, einer Mischung aus Gegenständlichem mit Reduziertem, ja Abstraktem,  zu prägen, wodurch auch ein ungeschultes Auge sofort erkennen konnte, worum es sich hier nur handeln konnte: ausschließlich um ein typisches, historisches, fränkisches Dorf.

Kraftshofer Kirche, 1993 (?)

Ausflüge in die hiesige Gegend waren mit Peter ein Vergnügen. Mit dem Stift hinters Ohr geklemmt und das Notizbuch zur Hand, hielt er alle paar Meter kurz an, um eine architektonische Form, ein Gebäude-Ensemble, die Umrisse des Walberla, eine Felsformation mit einen wenigen Strichen festzuhalten. Bald hatten wir gelernt, am besten dabei zu schweigen und ihn nicht mit fränkischer Geschichte zuzudröhnen. Seine Augen sahen ohnehin anders, und daran ließ er uns teilhaben. Unsere eigene Umgebung lernten wir allmählich mit seinen Maleraugen gewinnbringend neu wahrzunehmen, denn er sah nicht nur die uns vertraute Landschaft, sondern verlieh ihr auch eine besondere Stimmung, eine seelische Dimension, die zwar noch als fränkisch erkennbar war, aber in der malerischen Umsetzung an Universalität gewann. Ein einfaches Bootshaus an der Donau in Regensburg dient hier als Beispiel dafür. Das Bild strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Bootshaus an der Donau bei Regensburg, 1993 (?)

Auch wenn wir wissen, wo genau und an welchem Tag die Inspiration dazu entstand, bleibt es doch unbedeutend, macht freilich das Bild für alle Betrachter gleichermaßen zugänglich. Für uns aber ist es zusätzlich eine geschätzte Erinnerung.

Auf diesen ersten Besuch folgten viele weitere – ab dem zweiten mit Kira, was noch mehr Humor und Heiterkeit mit sich brachte – und auch Gegenbesuche in Wladimir, später in Susdal. Schriftlich blieben wir in Verbindung und freuten uns  immer, wenn der Steger-Anruf mit der Anfrage eines neuen Besuchs kam. Wir denken mit großer Dankbarkeit an diese Zeiten zurück – an Gespräche am Küchentisch und vor dem Kamin, an Begegnungen mit anderen Künstlern und Kunstinteressierten, an gemeinsame Erlebnisse, ob eine Bauernbeerdigung in der fränkischen Schweiz oder eine Vernissage in Erlangen. Peter und Kira nahmen mit Begeisterung an unserem Leben teil, sind ja auch unauslöschlich selbst ein Teil davon geworden und der ganzen Familie ans Herz gewachsen. Bilder, die wir besonders schätzen, zeigen Peters Fähigkeit, einen Menschen ohne Gesichtszüge, allein durch die Körpersprache und -haltung unverkennbar darzustellen: Unsere Tochter übt abends Flöte in der beleuchteten Scheune. Peter hat die dabei entstandene Musik als Bild festgehalten.

Katie übt, Kraftshof 1997

2002 besuchten wir Peter und Kira in Worpswede und erlebten, wie unser Freund als Stipendiat in der Umgebung der ehemaligen Künstlerkolonie arbeitete und auch dort eine Art zweites deutsches Zuhause fand. Wir konnten dabei nicht ahnen, daß wir uns dort von diesem so lieb gewonnenen Freund für immer verabschiedet hatten. Aber wir sind sehr dankbar, daß Kira den Kontakt zu uns noch so wunderbar pflegt und unentwegt dafür sorgt, daß Peters Werk weiterhin in Ausstellungen und in Veröffentlichungen präsent bleibt.

Worpswede 2002

Das letzte Bild zeigt ein Liebespaar in einem Moorkahn, so wie sie zum Transport von gestochenen Torf bei Worpswede verwendet werden. Für uns beinhaltet dieses Bild die zwei Seiten des Freundes Peter Dik. Erst Tage vor seinem Tod, erzählte er mit wunderbarer Selbstironie, er fertige das Bild als Etikette für einen regionalen Likörhersteller. Kunst für Kommerz war ihm ganz fremd, aber in diesem Fall ließ er eine Ausnahme zu, spricht das Bild doch auch von Sehnsucht, von der Liebe zu zweit und vom Lossegeln in die Dämmerung hinaus… Diese Art von Bild konnte er ohne jeden Kitsch malen.

Hans und Rosie Zahn

Hans und Rosie Zahn im Gespräch mit Frank Steenbeck aus Jena bei dessen Vernissage am 4. November in Erlangen, Galerie am Eck

Aus drei Wochen Unterkunft bei uns sind 29 Jahre herzerwärmender Freundschaft mit Peter und Kira entstanden. Grund genug, um an seinem heutigen 79. Geburtstag mit Freude und Dankbarkeit an Peter zu denken und der Städtepartnerschaft Wladimir-Erlangen in ihrem 35. Jahr für eine weiterhin blühende Zukunft alles-alles Gute zu wünschen.

Rosie und Hans Zahn

Mehr zum Schaffen des Künstlers unter: https://is.gd/wpWREN

 

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Man kann so viel sagen und schreiben über Helmut Eichler, wie man will, und doch ist es immer zu wenig angesichts dessen, was der Jubilar für die Städtepartnerschaft geleistet hat. Andererseits genügt vielleicht auch der schlichte Hinweis: Ohne ihn und seinen unvergleichlichen Einsatz gäbe es das Erlangen-Haus nicht, ohne seine erprobte Leistungskraft und mannigfache Erfahrung hätte der damalige Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg, nie – und erst recht nicht guten Gewissens – dieses ebenso gewagte wie aufwendige Projekt genehmigt. Mit all den damals oft gar nicht absehbaren Risiken. Aber Helmut Eichler und seinem Wort vertraute man eben, – ohne je enttäuscht zu werden.

Helmut Eichler im Gespräch mit seinen damaligen Bauleuten, Josef Schmitt und Willi Merz

Helmut Eichler im Gespräch mit seinen damaligen Bauleuten, Josef Schmitt und Willi Merz, Mai 2015

Auch 20 Jahre nach Fertigstellung des Erlangen-Hauses ist der ehemalige Bauleiter mit seinem Objekt und vor allem mit den Menschen, die ihm das Leben einhauchten und es bis heute so erfolgreich am Leben erhalten, innig verbunden. Wer im Mai die Jubiläumsfeierlichkeiten in Wladimir miterlebte, weiß, was es Helmut Eichler bedeutet, noch einmal zumindest mit einem Teil seiner damaligen Mannschaft das beglückende Ergebnis seiner großartigen Arbeit gewürdigt zu sehen.

Da das Geburtstagskind aber eher zurückhaltend gegenüber öffentlichem Lob ist, hier nur noch der Verweis auf das, was der Blog vor fünf Jahren zum Thema zu sagen und zu schreiben hatte: http://is.gd/wTzKeB – Ach ja, und natürlich alles Gute zum Geburtstag, lieber Helmut, von allen Deinen Freunden in Erlangen und Wladimir.

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