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Posts Tagged ‘Kammerorchester Herz Jesu’


Nehmen wir vorweg, was Alt-Maestro, Siegfried Brückner, in seiner Laudatio auf alle Mitwirkenden beim gemeinsamen Abendessen nach dem gestrigen Festkonzert in Herz Jesu so treffend sagte: „Wer den Kammerchor Wladimir in Hetzles nicht gehört hat, ist selber schuld.“ Um wie viel mehr mag das für alle gelten, die am ersten Advent den alles überstrahlenden Ausklang zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft nicht miterlebten!

Festkonzert in Herz Jesu

Schöner kann diese deutsch-russische Freundschaft auch gar nicht klingen: Zum Auftakt im März das Konzert der Camerata Franconia unter Leitung von Dorian Keilhack und unter Mitwirkung von Musikern aus Wladimir, nun, zum Finale, der gemeinsame Auftritt der Kirchenchöre von St. Sebald, Herz Jesu und St. Mauritius Röttenbach sowie des Kammerchors Wladimir, begleitet vom Kammerorchester Herz Jesu unter dem Dirigat von Norbert Kreiner. So fein eingespielt und eingestimmt aufeinander, daß sogar ein kleines Stolpern ohne Holpern derart harmonisch abgefedert wird, als wäre alles so und nicht anders in der Partitur vorgesehen. Souverän nennt man das wohl.

Tatjana Grin und ihr Kammerchor Wladimir

Zum zweiten Mal also nach der Generalprobe in Kirchehrenbach vom Samstag das Festkonzert mit dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier und der Cäcilienmesse von Charles Gounod. Musik zum Goutieren! Und zwischen den französischen Meistern, wie das Programm ausweist, „Russische Chormusik“ unter Leitung von Tatjana Grin.

Stille Nacht

Dieser eigene Block bewies einmal mehr das überragende Können der musikalischen Gäste, die in ihrem Zwischenspiel wahre Kleinodien aus ihrem reichen Repertoire aufblitzen ließen, etwa von Sergej Rachmaninow das 1900 entstandene Werk „Pantilej der Heiler“ oder von dessen Zeitgenossen, Pawel Tschesnokow, „Der Engel rief“, ganz zu schweigen von den beiden Werken des Meisters des 20. Jahrhunderts, Georgij Swiridow, und dem Volkslied „Oh, du weite Steppe“, die den Solostimmen Zeit und Raum zur prächtigen Entfaltung boten.

Norbert Kreiner und sein Gesamtensemble mit Tatjana Grin und den Solisten Manuel Krauß, Christopher Kessner, Elisabeth Böhnert, Johanna Sander und Eva-Maria Helbig

Aber auch in Wladimir fallen die Meistersänger nicht vom Himmel. Tatjana Grin leitet den bereits vor vier Jahrzehnten von Eduard Markin gegründeten Chor erst seit drei Jahren und verordnete ihm sogleich eine radiale Verjüngungskur mit sanft vermittelter, aber streng ausgeführter Disziplin. Jeden Werktag probt das Ensemble, und das Repertoire reicht von geistlicher Musik bis hin zu … Na ja, wer es nicht gehört hat, glaubt es ohnehin nicht.

Blick ins beglückte Publikum mit Staatsminister Joachim Herrmann und Stadträtin Anette Wirth-Hücking

Das Publikum jedenfalls wußte zu schätzen – auch abzulesen an den großzügigen Spenden, zu denen Stadträtin Anette Wirth-Hücking bei ihrer Begrüßung aufgerufen hatte – was da im auch in den beiden Querschiffen bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus fast zwei Stunden lang zu hören war: musikalische Partnerschaft à la bonne heure, während andernorts in Europa wieder zu den Waffen gerufen wird. Das deutsch-russische Ensemble setzte dem als Zugabe „Stille Nacht“ auf Russisch, Englisch und Deutsch entgegen, und nach dem Konzert intonierte Siegfried Brückner noch im Pfarrsaal seinen vierstimmigen Lieblingskanon: „Da nobis pacem, Domine!“ Nicht von ungefähr, denn der ehemalige Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule in Erlangen erinnert sich in diesen Tagen immer wieder an seinen älteren Bruder, der bei der Verteidigung von Breslau fiel.

Sabine Kreimendahl und Tatjana Grin

Man darf nun gespannt sein, was Sabine Kreimendahl in den Erlanger Nachrichten über das Partnerschaftskonzert schreiben wird. Da wir dem nicht vorgreifen können, hier ein Zitat von Brigitte Kreppel, Orchestermusikerin: „Man hätte dem Chor aus Wladimir ewig zuhören können. Wunderbar! Es war eine Freude, mit ihm zu musizieren.“

Bleibt noch der Hinweis: In diesem Jahr die letzte Chance, die Gäste singen zu hören, bietet sich heute um 19.00 Uhr im Wohnstift Rathsberg. Und mehr Bilder zum gestrigen Konzert gibt es wieder hier: https://is.gd/Dlyc6c

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Das war schon eine Leistung gestern vom Kammerchor Wladimir: um ein Uhr in der Nacht Abfahrt mit dem Bus, Ankunft am frühen Morgen in Moskau bei minus 15 Grad und Landung gegen 13 Uhr in Nürnberg, Verteilung auf die Gastfamilien in Erlangen und Umgebung, ein wenig Ruhe – und dann, buchstäblich aus dem Stand, das Auftaktkonzert der Tournee mit vier Konzerten in fünf Tagen. Респект – Respekt, wie man es in solchen Fällen gern auch im Russischen sagt.

Siegfried Brückner

Wenn jemandem besonderer Dank für die Gastspielreise gebührt, dann Siegfried Brückner. Der ehemalige Leiter der Sing- und Musikschule Erlangen und des Chorkreises St. Sebald organisierte nicht nur die private Unterbringung der 25 Gäste, er knüpfte auch all die vielen Fäden zu den Auftrittsorten – gestern zu St. Laurentius in Hetzles, morgen zu St. Bartholomäus in Kirchehrenbach und am Sonntag zu Herz Jesu in Erlangen – und stellte vor allem die Kontakte zu den Ensembles her, mit denen der Kammerchor Wladimir am Wochenende auftreten wird: zum Chorkreis St. Sebald sowie zum Kirchenchor und Kammerorchester von Herz Jesu.

Tatjana Grin

Wie erfolgreich die Netzwerkarbeit des Musikers – selbst Organist und Sänger – wirkt, zeigte sich gestern in der gut gefüllten Kirche von Hetzles, wo sich Tatjana Grin und ihr Chor wahre Beifallsstürme ersangen. Verdient!

Hetzles 13

Mit nur kleinen Verschnaufpausen während der kurzen Orgelimprovisationen führte die Dirigentin mit anmutigem Gestus ihr wohlpräpariertes Ensemble durch die geistlichen Meisterwerke der russischen Musikgeschichte von den Klassikern wie Sergej Rachmaninow oder Dmitrij Bortnjanskij bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Jurij Falik oder Georgij Swiridow. Stets ein wenig zurückgenommen, verhalten, ohne die ganze Vokalkraft einzusetzen, um auch im wuchtigsten Forte und dessen Steigerungen im Tutti nicht die filigrane Eleganz der Stimmen in purer Lautstärke zu ersticken.

Kammerchor Wladimir, gesehen von Georg Kaczmarek

„Im Publikum saßen auch einige Sänger“, meinte Siegfried Brückner nach dem Konzert, „und die sind ganz schön neidisch.“ Kein Wunder bei einem Chor mit einem halben Dutzend Solisten, kein Wunder bei einem Ensemble, das so geschlossen auftritt und sich von den Zuhörern nach „Stille Nacht“ als Zugabe noch mit russischen Weihnachtsliedern und einem „Hoch sollt Ihr leben!“ verabschiedet.

Siehe auch hier: https://is.gd/Dlyc6c

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Noch einmal zur Erinnerung:

Im Februar 1992 wurde das „Zentrum für Chormusik der Wladimir-Susdaler Rus“ in der Partnerstadt gegründet. Doch schon 1974 hatte Eduard Markin als Leitstern dieser Einrichtung den Kammerchor ins Leben gerufen, den heute Tatjana Grin leitet. Als musikalischer Botschafter der damals noch ganz jungen Städtepartnerschaft kam das Ensemble erstmals 1985 nach Erlangen und begeisterte das Publikum mit seiner so disziplinierten Stimmgewalt. Es folgten viele weitere Gastspiele in Franken und bald schon weit darüber hinaus.

Kaum ein großes Festival für Chormusik, das nicht eine Bühne für die Gruppe aus Wladimir geboten, und kaum eine Auszeichnung, die sich das Ensemble nicht ersungen hätte. Sogar bei Staatsbesuchen des Präsidenten wirkten die Künstler mit, und kaum ein Gast der Stadt, der nicht auch einen Auftritt des gemischten Chors besuchte. Nun kommt er nach längerer Pause – und unter neuer Leitung – zum Adventsauftakt und zum Ausklang des 35jährigen Partnerschaftsjubiläums wieder nach Erlangen. Und das gleich mit vier Konzerten: am Donnerstag, den 29. November, mit einem Programm aus hauptsächlich russischer geistlicher Musik mit einem Zwischenspiel an der Orgel mit Norbert Kreiner und am Samstag, den 1. Dezember, sowie am Sonntag, den 2. Dezember, dann mit der Cäcilienmesse von Charles Gounod – im Zusammenwirken mit dem Kirchenchor und Kammerorchester Herz Jesu sowie dem Chorkreis St. Sebald.

Gastgeber des Ensembles aus Wladimir ist der Chorkreis St. Sebald, der bereits auf eine dreißigjährige künstlerische Verbindung zur Partnerstadt zurückblickt und 2005 selbst ein Gastspiel bei den russischen Freunden gab.

Wer keine Zeit findet, eines dieser drei Konzerte zu besuchen, erhält am Montag, den 3. Dezember, um 19.00 Uhr eine vierte, dann aber auch letzte Chance mit dem Auftritt des Kammerchors im Wohnstift Rathsberg, hier wieder mit einem eigenen Programm mit geistlichen und weltlichen Werken aus der russischen und westeuropäischen Klassik.

Tatjana Grin und ihr Kammerchor

Der bevorstehende Besuch dürfte übrigens nicht nur alle Musikbegeisterten freuen, er beweist auch wieder einmal, wie eng die Partnerstädte im kulturellen Bereich zusammenarbeiten, wie sehr man sich in künstlerischen Dingen vertraut. Die Cäcilienmesse proben die Erlanger und Wladimirer – entfernungsbedingt – nämlich getrennt ein, und nach nur einer gemeinsamen Probe muß der Ton stimmen. Wie das klingen und schwingen wird, bekommen wir ja nun bald zu hören.

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