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Posts Tagged ‘Jutta Schnabel’


Eben erst aus Wladimir zurückgekehrt sind Jutta Schnabel und Felix Mörsberger, und schon liefern sie einen Bericht für den Blog.

Es gibt Jugendleiter, die haben Wladimir noch nie im Winter gesehen. Da das auf alle Fälle ein Versäumnis ist, das man schnellstmöglich beseitigen sollte, machten wir uns von der Nadjeschda-Jugend, leider nur zu zweit, dieses Jahr schon im Februar in die Partnerstadt auf, um die Begegnung mit der Universität und der Rosenkranzgemeinde für dieses Jahr vorzubereiten. Der frühe Termin hatte wohl auch damit zu tun, daß wir uns heuer schon im April mit zwanzig erwartungsfreudigen jungen Leuten aufmachen werden, unsere russischen Freunde in wiederzusehen. Also trotzten wir den windigen -14 Grad und dem Schnee und machten uns auf ins kalte, aber winterlich schöne Wladimir.

Jutta goldenes_tor_schnee_klein

Goldenes Tor im Schnee

Nach der üblichen Anreise per Flugzeug und Zug über Moskau nach Wladimir setzten wir uns am ersten Tag gleich nochmal in den Zug, um mit drei unserer Partner bis nach Nischnij Nowgorod weiterzufahren, die Stadt der Wahl für unseren diesjährigen Austausch. Hinter zwei verfallenen Häusern fanden wir hier die katholische Gemeinde, in der wir warm empfangen wurden und gleich das Komplettpaket für unseren Besuch in Aussicht gestellt bekamen, mit Unterkunft im Klostergebäude, jeder Menge guter Tips für das Programm, wenn wir denn zu Ostern kommen würden, und einer guten Erklärung zu der manchmal schwierigen Lage der Gemeinde in der Stadt. Danach genossen wir wegen des weniger einladenden Wetters vor allem die Buntheit der Pelmeni und die verwirrende Vielfalt koffeinhaltiger Heißgetränke der Gastonomieangebote in der Fußgängerzone, der ideale Platz, um gemeinsam das planerische Großprojekt für den nächsten Tag vorzudenken, da wir tags darauf bei einem Seminar die Weichen für den gesamten Austausch für das Jahr 2019 stellen wollten.

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Felix Mörsdorfer, sechster v.l. und Jutta Schnabel, ganz rechts im Bild, vor der Planungswand

Vielleicht dank dieser kaffeegestärkten Vorgespräche schafften wir es wirklich, an einem Seminartag mit insgesamt zehn Leitern zwei komplette Austauschprogramme zu planen – natürlich noch mit ein paar Platzhaltern und offenen Stellen, doch schon einer guten Vorstellung, wie unsere Tage in Wladimir und der Besuch der russischen Gruppe im Sommer ablaufen würden. Das funktionierte vor allem, weil wir uns inzwischen untereinander gut kennen und auch über die Jahre gelernt haben, daß dieses persönliche Verständnis die Grundlage eines guten Austauschs bildet. Das wurde uns besonders bei unserer Diskussion zu Beginn des Seminars klar, als wir uns über unsere gemeinsamen Ziele in der Begegnung austauschten und feststellten: Kern einer erfolgreichen Begegnung sind gegenseitiges Vertrauen und Kennenlernen der anderen in kleinen Gruppen oder ganz persönlich. Mit kreativen Wortneuschöpfungen wie „Nuklearisation“ für die Begegnung in diesen Kernbeziehungen oder durch die schöne Sprachfigur „ответная открытость“, welche die gegenseitige „antwortende Offenheit“ für uns als Leiter – aber auch gegenüber neuen Teilnehmern – beschreiben soll, versuchten wir, unsere bisherigen Erlebnisse zu reflektieren, um die diesjährige Begegnung tatsächlich nicht nur zu einem informativen Ausflug in ein neues Land, sondern eine teifgreifende Erfahrung werden zu lassen.

So innerlich erwärmt, stellten wir uns auch noch dem letzten kalten Tag, an dem ein Treffen mit den „alten Herren“ unserer Begegnung, Pfarrer Sergej Sujew, dem Universitätsseelsorger, Vater Warfolomej und Professor Jewgenij Arinin die offizielle Seite des Austausches in den Blick nahm. Hier ging es um die Rahmenbedingungen, denn über die Jahre entstanden im Umfeld der Begegnungen nicht nur neue Formen der Zusammenarbeit, sondern auch ein Forschungsprojekt der Universität, das den Einfluß interkultureller Begegnungen auf die Wertebildung von Jugendlichen untersucht. Neben der Einbeziehung von Nischnij Nowgorod ist heuer noch etwas ganz neu: Dieses Jahr nehmen mehr russische Jugendliche an unserem Programm teil, die von der namensgleichen, aber nicht verwandten Organisation Nadjeschda für Waisen in Wladimir betreut werden, und auch die orthodoxe Seite wird die Begegnungen durch Angebote und Treffen unterstützen. Nach dieser intensiven Arbeit genossen wir schließlich einen unserer Meinung nach wohlverdienten letzten Abend im Kreis unserer alten Bekannten, um bei Tee und Nudeln zu pflegen, was im Austausch begonnen wurde – unsere Freundschaft.

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Vor hundert Jahren beantwortete Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“, wie beim Diskussionsforum Prisma vorgestern von Roman Jewstifejew zitiert, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit so: „Für die Menge das, was man ständig liest und hört… Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, um sie ununterbrochen zu wiederholen.“ Heute wissen wir, der Okzident ist zwar durchaus krisenanfällig, beweist aber weiterhin seine Vitalität, und gestern erfuhren die Erlanger Gäste nun auch, wie man als ein von zwei Geschäftsleuten Anfang der 90er Jahre gegründetes und bis heute erfolgreich betriebenes Medienunternehmen in Wladimir – zunächst als Radiosender, dann als TV-Station und nun seit einigen Jahren ausschließlich als regional ausgerichtetes Internetportal – anständig Geld verdienen kann und überlebt, ohne dem Publikum und den Werbekunden ein X für ein U vorzumachen: mit ausgewogener Berichterstattung, immer an Fakten und objektiven Maßstäben ausgerichtet, angesiedelt zwischen den regierungstreuen Staatsmedien und einem fundamentaloppositionellen Journalismus. Derart viel und intensiv an einem späten Vormittag über das Wesen der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen Politik und der Freiheit des Wortes, zwischen ökonomischen Zwängen und Berufsethos erfahren zu können, hätte der Journalist Wolfgang Mayer so nicht erwartet, und man darf gespannt sein, wie er über diese Begegnung mit seinem Wladimirer Kollegen, Chefredakteur Sergej Golowinow von Zebra-TV, schreiben wird. Dem soll hier deshalb auch nicht vorgegriffen werden.

Sergej Golowinow, Gerda-Marie Reitzenstein, Julia Obertreis, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Amil Scharifow

Ausgespart bleiben für heute auch viele weitere Stationen des gestrigen Tages, der seinen Höhepunkt in einem Empfang für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei Gouverneur Wladimir Sipjagin in der Staatskanzlei fand, im sogenannten „Weißen Haus“ der Region Wladimir. Eine Zeitenwende – der Begriff erscheint angemessen – wenn man bedenkt, daß es in den letzten fünf Jahren, in der Regierungszeit der abgewählten Landesmutter, Swetlana Orlowa, auf politischer Ebene keinerlei Zusammenarbeit mit dem Gouvernement gab, ungeachtet all der vielen Vorstöße und Vorschläge aus Erlangen, ungeachtet der guten Tradition des Austausches und der Begegnungen unter ihren Vorgängern, Nikolaj Winogradow und Jurij Wlassow.

Wladimir Sipjagin und Elisabeth Preuß

Wladimir Sipjagin, erst vor einem Monat – übrigens mit dem Versprechen, die Pressefreiheit zu schützen und keine Drangsalierung der Medien zu dulden – in sein Amt eingeführt, erweist sich im Gespräch mit seinem Gast als umfassend informiert über die Partnerschaft und hebt nicht nur die Bedeutung des Erlangen-Hauses hervor, sondern weist auch auf die gelungene Aussöhnung zwischen den Kriegsveteranen aus beiden Städten hin und will ganz offensichtlich diese auf Ebene des Gouvernements unterbrochene Tradition fortsetzen, wobei er sich offen für jede Art der Zusammenarbeit etwa mit der Metropolregion Nürnberg oder der dortigen IHK zeigt, sich aber auch gemeinsame Projekte in den Bereichen Umwelt und Soziales oder Medizin vorstellen kann. „Da ist bei allem, was schon im Austausch zwischen unseren Städten passiert, noch viel Luft nach oben“, freut sich Elisabeth Preuß und überbringt dem Gastgeber die herzliche Einladung von Oberbürgermeister Florian Janik nach Erlangen. „Ich komme gerne“, erwidert der Hausherr, „und wir werden meinen Besuch gut vorbereiten, damit wir dann auch gleich Verträge für eine erweiterte Zusammenarbeit unterzeichnen können.“ Willkommen!

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Was tun Sie, wenn Sie in der Fußgängerzone ein junger Mensch anlächelt und auf einem Schild „Free Hugs“, also kosenlose Umarmungen, anbietet? Manch einer schüttelt wohl nur den Kopf und geht weiter, andere aber nehmen das Angebot gerne an – und holen sich eine Umarmung für den Tag ab. So geschehen am vorvergangenen Donnerstag, als die deutsch-russische Gruppe vom Jugendaustausch zwischen Nadjeschda e.V. in Erlangen und der katholischen Gemeinde und Universität in Wladimir mit Schildern durch die Innenstadt zogen, um mit dem Angebot, Leute zu umarmen, ein positives Zeichen zu verschenken.

Elisabeth Preuß mit der deutsch-russischen Gruppe, gesehen von Georg Kaczmarek

Dabei ging die Gruppe erst sehr sektiererisch vor: Erst einmal verkündeten die Schilder, es würden nur „Katzenliebhaber“, „Bartträger“, „Vielleser“ oder „Fußballspieler“ umarmt – denn das waren die Gruppen, mit denen sich die Schildträger am meisten identifizieren konnten. Spalter! Warum nur die einen umarmen, aber nicht die anderen? Doch die Sektiererei war nur ein Anstoß, einmal umzudenken: Das Lied „Wind of Change“ singend, besserten die Umarmer schnell ihr Angebotsschild aus, auf dem nun „Free Hugs for Everyone“ zu lesen war. Denn, wie im Lied der Scorpions schon anklingt, wer sich erlaubt, anders zu denken, kann Unterschiede überwinden.

Elisabeth Preuß und Wolfgang Schneck mit der deutsch-russischen Gruppe vor der Hugenottenkirche, gesehen von Georg Kaczmarek

Auf dem Hugenottenplatz traf die Gruppe schließlich auf  Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die die Gruppe willkommen hieß in Erlangen, das „offen aus Tradition“ diese Aktion begrüße, und die schließlich auch in das gemeinsame Singen von „Wind of Change“ einstimmte. Daß diese Zeichen wohl nicht verschwendet sind, konnte man auch bei dem kurzen Treffen merken, denn ein Herr mit etwas provokanten Thesen verteilte an die Gruppe Aufkleber zur Unterstützung der rechten Identitären Bewegung, was dankend abgelehnt wurde. Eine Umarmung wollte er nicht.

Jutta Schnabel

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Gerade noch rechtzeitig, um den Salut zum Tag des Sieges vorgestern abend mitzuerleben, traf das vierköpfige Jugendleiterteam von Jutta Schnabel in Wladimir ein. Kurz über das Programm in der katholischen Rosenkranzgemeinde gesprochen – und dann schon hinein ins nächtliche Festgetümmel.

Salut am Tag des Sieges in Wladimir

In welcher Atmosphäre die Gespräche gestern an der Universität stattfanden, gibt das Bild besser wieder als noch der elaborierteste Hintergrundbericht. Man versteht sich, probt immer wieder neue Konzepte, gibt sich nie mit dem Erreichten zufrieden – und stellt in den nächsten Tagen das Programm für den Jugendaustausch im Sommer und Herbst zusammen.

Jutta Schnabel (links im Bild) und Iwan Wikulow (sitzend) beim ersten Treffen in der Universität

Und, wie Jewgenij Arinin am 8. Mai hier im Blog ankündigte, die Jugendbegegnungen stehen nun in den nächsten drei Jahren unter der analytischen Aufsicht der Wissenschaft. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein. Die „Versuchsreihe“ beginnt.

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Vom 23. bis 29. April hielten sich wieder einmal Wissenschaftler von der Universität Wladimir in Erlangen auf: Jewgenij Arinin, Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften, Natalia Markowa, stellvertretende Leiterin des Instituts für Geisteswissenschaften, und Irina Pogodina, Leiterin des Lehrstuhls für Finanzrecht. Ziel des Besuches war die Absprache einiger Fragen zum Komplex „Philosophie Religionskunde als globales Projekt: die deutsche und russische Jugend im Religionsdialog“, ein Vorhaben, das die Russische Stiftung für Grundlagenforschung in Moskau für die Jahre 2018 bis 2020 fördert. Das Projekt begann vor etwa zehn Jahren als Initiative der katholischen und orthodoxen Gemeinden von Wladimir und Erlangen, dem sich die Wladimirer Universität anschloß.

Irina Pogodina, Karl Christian Felmy, Jewgenij Arinin und Natalia Markowa

Das neue Projekt nimmt die religionswissenschaftliche Analyse der Ergebnisse einer soziologischen Befragung von Jugendlichen in den Blick, die am internationalen Austausch zwischen den Partnerstädten teilgenommen haben. Dabei steht die Klärung von drei wesentlichen Aufgaben im Vordergrund: weitere soziologische Forschungen zur Jugend, die am Austauschprogramm zwischen Wladimir und Erlangen teilnimmt; die philosophische Analyse des Terminus „Beobachter erster Ordnung“, sprich der Teilnehmer am internationalen Austausch, und des Begriffs „Beobachter zweiter Ordnung“, also der Wissenschaftler, verantwortlich für die Fixierung der Veränderungsprozesse der kulturellen und religiösen Identität der Jugend als Ausdruck grundlegender Tendenzen im lokalen wie globalen Maßstab; Analyse der Dialogpraxis bei der Interaktion von deutschen und russischen Jugendlichen, wo neue Bedeutungen und Inhalte allgemein verwendeter Begriffe entstehen und die Vorstellungen vom „Eigenen“ und „Anderen“ neue Formen annehmen.

Einige Details des Projekts standen im Mittelpunkt von Treffen mit Jutta Schnabel, Organisatorin des Jugendaustausches, Andreas Nehring, Leiter des Lehrstuhls für Religions- und Missionswissenschaft an der FAU, Prof. em. Karl Christian Felmy (Diakon Wassilij), und Renate Winzen, die seit vielen Jahren die wissenschaftlichen Kontakte zwischen den Partnerstädten begleitet. Die Hauptarbeit bestand allerdings im Studium von Literatur in der Universitätsbibliothek, und ein Tag war dem Besuch von Bamberg mit all seinen Sehenswürdigkeiten und großartigen Museen vorbehalten.

Jewgenij Arinin

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Da sage noch jemand, zwischen den Jahren und Festen ereigne sich kaum etwas, der Berichterstattung wert. Für die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir gilt das jedenfalls nicht. Ein HURRA erscholl da nämlich gestern in der Redaktion des Blogs, als folgende Eilmeldung vom Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaft, Jewgenij Arinin, einging:

Die Universität Wladimir erhält seitens der „Russischen Stiftung für Grundlagenforschung“ auf den Zeitraum von drei Jahren (2018 bis 2020) die Förderungszusage zum Thema „Philosophische Religionswissenschaft als globales Projekt: deutsche und russische Jugendliche im Dialog über Religion“.

Jelena Woronzowa, Julia Matuschanskaja, Ojuna Dorschiguschajewa, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Wadim Schdanow

Doppelt erfreulich: Als Forschungsgegenstand der Studie dienen die Begegnungen der Katholischen Jugend Erlangens mit Gleichaltrigen aus Wladimir – unter Einbeziehung der Universität, der Rosenkranzgemeinde und der orthodoxen Erzdiözese, begleitet und koordiniert auf deutscher Seite von Jutta Schnabel und Sabrina Pfau mit ihrem Team aus Ehrenamtlichen. Bei aller Freude sollte nicht vergessen werden, daß die entscheidenden Weichen für diesen in der Art bundesweit einzigartigen interkonfessionellen Austausch jemand gestellt hat, dessen ersten Todestag wird bald begehen müssen: Rolf Bernard. Sein gutes Werk erfährt nun die Weihen der Wissenschaft; den Segen von ganz oben genießt sein Wirken mit all den angenehmen Nachwirkungen ja schon von Beginn an. Ein neuer Anfang ist nun gemacht, frisch also, mutig ans Werk!

Siehe auch: https://is.gd/A1rrtg

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30.09.: Alle Welt fährt nach Wladimir

Die Schülergruppe, die mit uns schon am Nürnberger Flughafen durch die Sicherheitskontrolle gingen, stand nun am Anschlußflug nach Moskau in Frankfurt schon wieder da! Ein kurzes Gespräch am Gepäckband in Domodjedowo schaffte Gewißheit – wir sind nicht die einzigen, die gerade von Erlangen nach Wladimir unterwegs sind, und nicht die einzige Gruppe, die sich im 5 Uhr morgens verschlafen in die Schlange vorm Lufthansaschalter einreihte. Während unsere Mitreisenden direkt in den Bus nach Wladimir einstiegen, wurde unser eigener Trupp aus sechs neuen Rußlandabenteurern und zwei alten Hasen am Flughafen von drei freudig winkenden Studenten unserer Partnergruppe in Empfang genommen. Unseren Plan, das Gepäck am Bahnhof zu lassen und die paar Stunden zwischen Flug und Zugfahrt nach Wladimir mit einer Schnelltour durch Moskau zu füllen, konnten wir mit unseren begrenzten Sprachmöglichkeiten einigermaßen kommunizieren, und so führte unser erster Weg direkt auf den Roten Platz zum ersten Selfie vor der Basilius-Kathedrale. GUM, Lenin, Kreml von außen, Ewiges Feuer, Christ-Erlöser-Kathedrale von Innen, nächtlicher Blick von der Brücke über die Moskwa, Spaziergang zum Gorkij-Park – kaum sechs Stunden im Land, den Ohrwurm von „Wind of Change“ leise summend und philosophierend über die russisch-englisch-deutschen Wikipedia-Erklärungen unserer um ein paar Freunde unserer Moskauer Freunde erweiterten Tourigruppe, sind wir schon längst angekommen, mittendrin und herzlich willkommen in Rußland.

Jutta Schnabel

Auf dem Roten Platz

01.10. Oktober: Besuch bei den Kosaken

Den ersten Tag, bei unseren Austauschpartnern in Wladimir begannen wir mit lustigen Kennenlernspielen in der großen Gruppe. Nach diesem Einstieg machten wir uns auf den Weg in die Stadt, um dort einen katholischen Gottesdienst zu besuchen, schließlich war ja Sonntag.

Danach fuhren wir zu einem kleinen Dorf außerhalb von Wladimir, das von Kosaken geführt wird. Der Ort wird von einer großen Kirche dominiert. Diese war das erste, was uns vorgeführt wurde. Innen sagte uns der Priester, die Akustik sei hier sehr gut. Daraufhin fing er laut an zu singen, um das zu beweisen. Er hatte recht.

Wer wollte, durfte auch selber Lärm machen. Der Priester führte uns auf den Kirchturm, der neben einer weiten Aussicht auch mehrere verschiedene Glocken hat. Nach einer kurzen Demonstration drückte der Priester uns die Glockenseile in die Hand.

Jetzt begann das eigentliche Kennenlernen der Kosaken und derer Kultur. Uns wurde erklärt, was einen Kosaken ausmacht und welche Aufgaben er hat. Besonders einprägsam war die Beziehung eines Kosaken zu seiner Waffe. Ein Kosake wächst schon ab dem Säuglingsalter mit einem Säbel auf, mit viel Erfahrung kann er dann eine Wasserflasche mit Schwung zerhacken. Nach dieser Vorführung durften wir uns selber in der Waffenkunst erproben. Leider nur mit Holzschwertern.

Ein Kosake ist kein echter Kosake ohne sein Pferd. Gegen Ende des Besuches wurde uns noch gezeigt, welche Kunststücke die Männer auf dem Rücken der Pferde beherrschen. Das war sehr beeindruckend.

Am Ende des Tages haben uns unsere russischen Freunde noch mit einem sehr guten Schaschlik-Essen überrascht. Eine schöne Willkommens-Geste.

Michael Flebsen

Vor Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl

… zu viel zu erzählen…

Würden wir mit dieser Genauigkeit weitererzählen wollen, könnten wir wohl ein ganzes Buch über die Begegnung schreiben, die, wie jedes Mal, so voll von Erlebnissen war, daß in der Erinnerung schon fast die Tage verschwimmen. Da gab es den Besuch des Deutschunterrichts an der Universität, bei dem sich vor allem die Frage stellte: Wie kann man an dem Austausch teilnehmen, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern? Dann führte unser Vormittag als Voluntäre uns zu verschiedenen “Veteranen der Arbeit”, alten Menschen, die Unterstützung zu Hause brauchen, wo wir uns bei allerlei Hilfsstellungen nützlich machen konnten. Anderentags  wurden alle Deutschen bei dem „Rent-a-German-Tag“ sozusagen “vermietet”, eine Aktion, angefüllt mit besonderen Erlebnissen zwischen Kochen in der Stundentenbude und Tagesausflug zu den nahen Verwandten. Banja, Karaokeabend, Schlittschuhfahren – keine wache Stunde blieb übrig, in der nicht etwas los war. So nahmen wir auch gefühlt zwei Abende lang Abschied von Wladimir und, viel wichtiger, von unseren Freunden.

Jutta Schnabel

Zeit zum Spielen in Wladimir

07.10.: Der letzte Tag in Wladimir

Am Samstag besuchten wir, in Gruppen aufgeteilt, die Innenstadt von Wladimir. Begleitet wurden Ernie und ich von Denis und Wiktoria, die manchmal Halt machten, um uns ein paar geschichtliche Fakten von den Gebäuden zu erzählen. Die ersten Gassen führten uns, an einem kleinen Flohmarkt vorbei, zu einem Geschäft, in dem handgefertigte Lederwaren, wie zum Beispiel kleine Beutel und Taschen, angeboten wurden. Der Verkäufer begrüßte uns freundlich, konnte ein wenig Deutsch und erzählte davon, wie er einmal im Europa-Park für kurze Zeit gearbeitet habe. Auf dem Weg durch die Stadt begegneten wir ein paar der in Wladimir aufgestellten Skulpturen wie dem Apotheker und dem Maler, mit denen wir uns gemeinsam ablichten ließen. Vorbei kamen wir auch an einem Platz, von dem aus man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt hat. Wir besuchten eine kleine Schmiede, welche für Touristen kleine Souvenirs (zum Beispiel Hufeisenmagnete) von Hand fertigt. Zum Mittagessen lud uns unser neuer Freund Denis zu sich ins orthodoxe Kloster ein. Dieses hatte, wie das in Susdal, eine Kirche, einen Pavillon und einen Glockenturm im Innenhof. Drinnen in der Kantine gab es (landestypisch) eine Suppe als Vorspeise, zum Hauptgang Hähnchen mit (dem hier üblichen) Buchweizen und Gemüse als Beilage. Gegessen wurde alles mit einem Löffel. Alles war einfach, aber sehr lecker. Danach kauften wir für Ernie eine Mütze im Stil der Kosaken. Diese patriotische Reitereinheit half früher bei der Verteidigung der Grenzen. Nachdem wir Postkarten gefunden und abgeschickt hatten, war der Nachmittag auch leider schon vorbei und wir trafen uns mit den restlichen Austauschleuten im Café.

Barbara Heller

Blockade-Museum in Sankt Petersburg

Ein letztes „Do swidanija“ in Piter

Gemeinsam mit unseren russischen Freunden ging es schließlich noch im Schlafwagen nach Sankt Petersburg, im Volksmund „Piter“ genannt, wo uns Teilnehmer aus dem Vorjahr, die inzwischen an der Newa leben, eine “besondere Tour” durch die Hinterhöfe der Stadt versprachen. Und es wurde etwas Spezielles, denn jenseits von Eremitage und Isaaks-Kathedrale wanderten wir einen Tag lang von einem verstecken künstlerischen Kleinod zum nächsten, gespickt mit Geschichten über die Menschen und Ideen, die diese Stadt geprägt haben. Nach einem Stop im Museum der Leningrader Blockade durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg (in dem es inzwischen deutsche Audioguides gibt!) schlossen wir den Tag stilecht auf dem Dach eines Petersburger Pendants zum Erlanger E-Werk ab und sagten wieder einmal “Auf Wiedersehen” – denn das ist ziemlich sicher!

Jutta Schnabel

Über den Dächern von Sankt Petersburg

Und hier geht es zum Reisebericht der eingangs erwähnten Erlanger Schülergruppe: https://is.gd/NqsNjw

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