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Posts Tagged ‘Jutta Schnabel’


Findet jetzt zusammen, was zusammengehört? Wenn es nach Oxana Löscher, in der Nachfolge von Heinz Römermann am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA) für den Austausch mit der Staatlichen Universität Wladimir zuständig, und Jutta Schnabel, ehrenamtliche Koordinatorin der interkonfessionellen Jugendbegegnungen zwischen den Partnerstädten, gehen sollte, könnte das schon zu Ostern gelingen, wenn sich die nächste Gruppe aus Erlangen wieder auf den Weg zum Goldenen Ring macht. So gestern abend bei einem Vorbereitungstreffen mit angehenden Russischdolmetscherinnen und dem Orga-Team um Jutta Schnabel vom Förderverein Nadjeschda besprochen, das im Februar zu den russischen Partnern reist, um Inhalt und Programm der Osterfahrt abzustimmen. Eine Reise übrigens mit Bildungsanspruch, wie Jutta Schnabel betont, denn man besuche nicht einfach nur Wladimir und andere, von dort aus erreichbare Städte, sondern wolle auch über konkrete Projektzusammenarbeit – etwa im kirchlichen und sozialen Bereich – Land und Leute von innen heraus kennenlernen. Ideal also für alle jungen Leute, die Erlangens Partnerstadt nicht nur touristisch erleben wollen. Anmeldungen zu der Reise sind noch bis Ende des Monats möglich unter: https://is.gd/HXMk8E

Oxana Löscher (2. v.l.) und Jutta Schnabel (6. v.l.) mit der Jugendgruppe im Henry’s Pub

Ein vielversprechender Auftakt also für den Austausch mit Wladimir, der da gestern in den Jugendräumen von St. Heinrich stattfand, zumal auch Möglichkeiten für die Russische Abteilung am IFA besprochen wurden, sich intensiver an der Städtepartnerschaft zu beteiligen und verstärkt die Gelegenheiten zu nutzen, in diesem Rahmen den jungen Leuten auch Praktika anzubieten. Da geht also bestimmt etwas zusammen, wo bisher je eigene Wege beschritten wurden. Gut so!

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Jelena Woronzowa, Fakultät für Geschichte an der Staatlichen Universität Moskau, und Jutta Schnabel, Physikerin an der FAU sowie Kopf und Herz des Jugendaustausches zwischen den Partnerstädten Erlangen und Wladimir, legten, unterstützt von Iwan Wikulow, Philosophische Fakultät der Staatlichen Universität Wladimir, einen Artikel zum Thema „Interaktion der Jungend im interkulturellen Umfeld: Erfahrung einer soziologischen Untersuchung“ vor, der heute als weiteres Zeugnis der fruchtbaren Hochschulkooperation zwischen den Partnerstädten in der deutschen Übersetzung von Peter Steger auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Jugendaustausch Erlangen-Wladimir

Anmerkung: Der Artikel betrachtet die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung zu den Wertvorstellungen von russischen und deutschen Jugendlichen, die am Austausch zwischen Erlangen und Wladimir teilnahmen. Der dazu ausgearbeitete Fragebogen enthielt eine Reihe von Blöcken mit Fragen aus der Weltweiten Werte-Erhebung, was erlaubte, die Resultate mit den Daten der großangelegten Untersuchung von 2011 für die Russische Föderation und von 2013 für Deutschland zu vergleichen. Auf der Grundlage der gesammelten Daten machen die Autorinnen den Versuch, die Spezifik jugendlicher Einstellungen in den jeweiligen Gruppen herauszuarbeiten.

Um die weltanschaulichen Einstellungen und religiösen Vorlieben der russischen und deutschen Jugendlichen, die am Austausch teilgenommen hatten, zu erfassen, hatte die Forschungsgruppe einen Fragebogen vorbereitet. Die Befragung erfolgte in beiden Sprachen auf der kostenfreien deutschen Internetplattform Face Africa, was es ermöglichte, papierfrei und rasch die erhobenen Daten zu verarbeiten. Etwa 30 umfangreiche Fragen, ausgerichtet an der Weltweiten Werte-Erhebung (World Values Survey), waren zu beantworten, für die deutsche Seite auf der Grundlage der Formulierungen und Daten der Umfrage aus dem Jahr 2013 und für die russischen Jugendlichen auf der Basis der analogen Erhebung aus dem Jahr 2011.

Unser Fragebogen https://is.gd/TKlpkt konzentrierte sich auf die Festigung von weltanschaulichen Haltungen mit der Ausrichtung auf die Religiosität, weshalb folgende Fragegruppen enthalten waren: Einbezogenheit in die Interaktion mit einer Gruppe, Beziehung zu universellen Werten, Politik und Gesellschaft, Religiosität, Selbstwahrnehmung. Über die grundlegenden biographischen Fragen zu Geschlecht und Alter hinaus wurde auch die Frage nach der religiösen Selbstidentifizierung gestellt. Hinsichtlich dieser Frage ist folgender Vorbehalt zu machen: In Rußland ist die religiöse Zugehörigkeit dieser oder jener Person völlig unreglementiert, in den allermeisten Fällen fehlen formale Kriterien einer Mitgliedschaft oder sie spielen für die jeweilige Person keine entscheidende Rolle. So kann also jemand angeben, orthodox zu sein, ohne zur Kommunion zu gehen oder sich als festes Mitglied einer Gemeinde zu bezeichnen. In Deutschland hingegen wird noch immer eine besondere Kirchensteuer erhoben, die dieser oder jener Kirche / Gemeinde zugutekommt. Wer diese Steuer nicht bezahlt, gehört formal nicht mehr zu dieser oder jener Gemeinde, wird in ihren Listen nicht geführt. Allerdings bedeutet die Weigerung, diese Steuer zu bezahlen – ein derzeit lebhaft diskutiertes Thema in der deutschen Öffentlichkeit -, nicht unbedingt, daß man deshalb nicht dennoch religiös sein könne. Diese Menschen können durchaus ihre religiösen Einstellungen beibehalten, allerdings wollen sie nicht mehr zu diesen oder jenen religiösen Institutionen gehören.

Im Lauf des Austausches zwischen Wladimir und Erlangen wurden im April des Jahres 19 deutsche und 20 russische Teilnehmer aus der Studentengruppe befragt. Dabei bezeichneten sich die russischen Jugendlichen zu über 50% als „orthodox gläubig“ (landesweit liegt dieser Wert bei etwa 60%), in der deutschen Gruppe hingegen erklärten sich mehr als 65% zu Gläubigen (Katholiken oder Protestanten), während in Deutschland insgesamt 65% der Bevölkerung sich als konfessionslos bezeichnet. Die Daten zu unseren deutschen Teilnehmern unterscheiden sich also deutlich von der Gesamtheit der Datenlage zu Deutschland.

Zu beobachten ist derweil ein höherer Wert bei den russischen Jugendlichen hinsichtlich der Religiosität: Während 60% der Russen insgesamt und fast 50% der von uns befragten Jugendlichen sich als religiös bezeichnet, sind es auf deutscher Seite nur 40% insgesamt bzw. 30% unter den Jugendlichen.

Paradoxerweise scheinen die russischen Jugendlichen toleranter gegenüber Vertretern anderer Religionen zu sein – und das obwohl gemeinhin davon ausgegangen wird, Deutschland sei stärker auf tolerante Einstellungen ausgerichtet. So verstehen sich mehr als 80% der befragten Studenten aus Wladimir als tolerant gegenüber Vertretern anderer Religionen und Konfessionen, während das nur 50% der deutschen Studenten aus Erlangen tun. Insgesamt aber nimmt aus beiden Gruppen nur eine zu vernachlässigende Zahl eine extreme Haltung bei der Frage nach der einzig akzeptablen Religion ein

Die Analyse des Fragenblocks zum Thema Politik gestattet die Aussage, daß die deutschen Teilnehmer insgesamt ein höheres Interesse an politischen Fragen zeigen (90% vs. 30% der russischen Studenten), sich als Träger demokratischer Werte bezeichnen und sich überwiegend als zufrieden mit den herrschenden Umständen erklären.

Die russischen Jugendlichen neigen nicht dazu, ihr Land für demokratisch zu halten: In Rußland hält sich – im Gegensatz zu Deutschland – die Neigung zu einem „starken Führer“. Sie fühlen sich ungeschützt (50% antworten, ihre Rechte werden „eher nicht gewahrt“, während weniger als 10% der Deutschen das so sehen).

Die Jugend insgesamt könnte man als Träger von universellen und kosmopolitischen Werten bezeichnen. Überwiegend zeigen das jedenfalls die Antworten der deutschen Teilnehmer (90% vs. 65% der russischen Jugendlichen).

Hinsichtlich der Selbstidentifizierung demonstriert die deutsche Jugend mehrheitlich eine Nähe zu den Werten der persönlichen Entwicklung, der Entfaltung der eigenen Individualität u.s.w. So zeigen sich mit der Einschätzung „Ich halte mich für ein autonomes Individuum“ mehr als 80% der deutschen Befragten einverstanden, während es auf russischer Seite nicht einmal 50% sind.

Interessant ist es, diese Angaben den religiösen Selbstidentifizierungen gegenüberzustellen.

Religiöse Überzeugungen

Религиозные убеждания

Ich halte mich für ein autonomes Individuum  Я ситаю себя автономным ндивидом Trifft völlig zu Совершенно согласен Trifft eher zu Скорее согласен Trifft eher nicht zu Скорее не согласен Абсолютно не согласен
Keine Religionszugehörigkeit 7 1 3 1
католичество, röm.-kath. 6 4 1 1
протестантизм, ev. 2 2 1 0
православние, russ.-orth. 1 2 2 4

Die Tabelle zeigt, daß die Werte des autonomen Individuums mehrheitlich von den Befragten geteilt werden, die sich als konfessionslos bezeichnen. Unter den russischen Jugendlichen erreicht die Zahl an Personen, die sich negativ hinsichtlich der individualistischen Werten zeigen, ihr Maximum.

Schließlich ist die Anhängerschaft gegenüber einem Traditionalismus in etwa gleich stark bei den Katholiken und Orthodoxen vertreten, während die Protestanten und Konfessionslosen dem Wert der Tradition eher ablehnend gegenüberstehen.

Religiöse Überzeugungen Религиозные убеждания Für mich ist es wichtig, der Tradition zu folgen Для меня важно следовать традиции Trifft auf mich sehr zu Очень похоже на меня Trifft auf mich zu Похоже на меня Trifft in gewisser Weise auf mich zu  Чем-то похоже на меня Trifft kaum auf mich zu Немного похоже на меня Не похоже на меня Совсем не похоже на меня
Ни к какой религии konfessionslos 0 1 1 1 4 5
католичество röm.-kath. 0 4 3 0 2 3
протестантизм ev. 0 1 0 1 0 1
православние russ.-orth. 0 3 3 3 1 0

So kann die Befragung eine Reihe von Unterschieden zwischen den Teilnehmern an diesem deutsch-russischen Austausch konstatieren. Vor allem sticht der höhere Anteil an Religiosität bei den russischen Jugendlichen ins Auge, aber auch das Gefühl mangelnden Schutzes und eines Mißtrauens gegenüber der Politik bei gleichzeitiger Bewahrung einer Unterordnung unter die Tradition und einer minimalen Neigung zu den Werten des Individualismus. Für die deutschen Teilnehmer ist ein hohes Interesse an Politik ebenso charakteristisch wie das Vertrauen in den Staat, die Betonung der persönlichen Entwicklung und der demokratischen Werte.

Der Fragenblock zur Gruppenarbeit und zu den universellen Werten bedarf einer weiteren Messung anhand der Ergebnisse einer Teilnahme der gleichen Studenten am nächsten Austausch. Eine derartige wiederholte Befragung erlaubt es, herauszufinden, inwieweit sich die Wertevorstellungen und grundlegenden Einstellungen über das andere Land im Lauf der Teilnahme am Austausch ändern.

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Am Mittwoch und Donnerstag wählte der 2001 von Gerhard Schröder und Wladimir Putin ins Leben gerufene Petersburger Dialog erstmals Erlangen für ein Treffen. Die Plattform ist als bilaterale Tagung angelegt, die sich gesellschaftlichen Zeitfragen und Problemen der deutsch-russischen Beziehungen widmet. Teilnehmer sind Experten und Multiplikatoren aus allen Bereichen der Gesellschaft beider Länder. Der Dialog fungiert auch als Ideengeber für konkrete Projekte. Durch die Einbeziehung von zentralen Institutionen und nichtstaatlichen Organisationen, die sich mit den deutsch-russischen Realien befassen, werden bestehende Netzwerke gestärkt und neue Konzepte entwickelt.

In Plenar- und Arbeitsgruppensitzungen werden die Schlüsselthemen der deutsch-russischen Beziehungen diskutiert. Zwischen den Jahrestagungen erörtert man bei weiteren Treffen der zehn Arbeitsgruppen konkrete Fragestellungen im kleinen Kreis. Just ein solcher kleinerer Kreis der Arbeitsgruppe „Kirchen in Europa“ besuchte nun mit 17 Jugendlichen und Geistlichen von theologischen Fakultäten aus Sankt Petersburg, Moskau und Jekaterinburg das Institut für Kirchengeschichte an der FAU, wo Hacik Gazer, Inhaber der Professur für Geschichte und Theologie des Christlichen Ostens, das Arbeitsprogramm koordinierte.

Das erste Ziel der Gäste war natürlich die Synodalbibliothek, die Erlanger Schatzkammer der russisch-orthodoxen Spiritualität mit ihren gut 6.000 Bänden in russischer und kirchenslawischer Sprache. „Hier atmen wir den Geist unseres Glaubens“, meinte denn auch einer der Theologiestudenten.

Doch es ging natürlich auch um Fragen der Wissens- und Glaubensvermittlung, der Forschung und Lehre sowie des internationalen Austausches. In diesen Bereichen bietet sich der Lehrstuhl für Geschichte und Theologie des Christlichen Ostens mit seinen vielfältigen Verbindungen – von Armenien bis Österreich, von Serbien bis Rußland – natürlich besonders für neue wissenschaftliche Projekte an.

P. Wassilij (Christian Felmy) und Hacik Gazer

Eine besondere Rolle spielte der Lehrstuhl übrigens auch beim Zustandekommen der Städtepartnerschaft mit Wladimir. Als nämlich 1982 auf die Anfrage von Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg ein Jahr zuvor in Moskau die Sowjetische Botschaft in Bonn Erlangen vorschlug, Verbindung zu Wladimir aufzunehmen, hatte niemand in der Lokalpolitik eine Vorstellung von der einstigen Hauptstadt des vorzaristischen Russischen Reichs. Also wandte man sich in jenen Zeiten, als es noch kein Internet gab, an Fairy von Lilienfeld, die damalige Inhaberin der Professur, die als profunde Kennerin der russischen Orthodoxie überzeugend erklären konnte, welches historische Juwel Wladimir darstellt. Seither begleitet der Lehrstuhl auch unter den Nachfolgern der vor zehn Jahren verstorbenen Theologin – ihrem ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter, Karl Christian Felmy, und Hacik Rafi Gazer – die Städtepartnerschaft.

P. Wassilij (Christian Felmy)

Besonders interessant für die Gäste – die Begegnung mit Prof. em. Karl Christian Felmy, der nicht nur perfekt Russisch spricht, sondern auch die russisch-orthodoxe Konfession angenommen hat und in der Nürnberger Gemeinde als Geistlicher wirkt. Aber auch das gestrige Treffen mit Dekan Josef Dobeneck und Jutta Schnabel vom Verein Nadjeschda, federführend beim interkonfessionellen Jugendaustausch mit Wladimir, nutzte die Gruppe im Rathaus für Fragen von der Rolle des Religionsunterrichts gerade auch für muslimische Kinder bis hin zum Zusammenwirken von Staat und Kirche.

Die Gruppe des Petersburger Dialogs mit Jutta Schnabel und Josef Dobeneck (ganz links im Bild) mit Hacik Gazer (ganz rechts im Bild)

Und natürlich standen die Projekte des Lehrstuhls für Religionswissenschaften der Universität Wladimir mit der FAU im Fokus des Petersburger Dialogs in Erlangen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen…

Hier noch zwei Links zum Thema: https://is.gd/q5wGYU und https://is.gd/LVUKbl

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Seit dem 13. August und noch bis Freitag dieser Woche ist wieder eine zweiundzwanzigköpfige Jugendgruppe aus Wladimir im Lande, um nicht zu sagen auf dem Lande. Denn – und das hat sich offenbar in den letzten Jahren des Austausches bewährt – die gemeinsame Unterbringung in einer Begegnungsstätte – dieses Mal in Schnaittach – schafft das Gemeinschaftserleben, das diese deutsch-russischen Treffen ausmacht, um dessentwillen das Orga-Team all die Mühen auf sich nimmt. Und die lohnen sich offenbar, wenn man in die Gesichter der jungen Leute blickt.

Susanne Lender-Cassens und die deutsch-russische Jugendgruppe

Auch wenn Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens da beim gestrigen Empfang im Rathaus am späten Vormittag noch viele unausgeschlafene Augen ausmacht – das Programm fort offenbar vollen Einsatz -, dauert das Gespräch dann doch über eine Stunde über die Unterschiede bei den Jugendparlamenten beider Städte, über die Bedeutung (oder Nichtbedeutung) der Bewegung Fridays for Future hier wie dort oder über soziale Einrichtungen.

Der Austausch geht bis in die 90er Jahre zurück und wurde zunächst vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Erlangen und wechselnden Partnern in Wladimir getragen. In den letzten zwei Jahrzehnten entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde und der Universität in der Partnerstadt, die immer stärker von Konzepten und Projekten getragen wird, die deutsche und russische Jugendliche gemeinsam entwickeln.

Eine Konstante der Begegnungen ist zum Beispiel der Tag „Rent a Russian“ oder „Rent a German“, wo man im jeweiligen Gastland Familien kennenlernt, in sozialen Programmen ehrenamtlich mitarbeitet oder einfach den Alltag hier wie dort erfährt.

Aber am besten schildern das wohl einige Stichworte aus dem Programm und natürlich Bilder von den Begegnungen: Dorfrallye, Burgführung, Diskussion über den Film „Die Welle“, Ausflüge nach Nürnberg, München und Dachau, Besuch eines Biobauernhofes, Klettern, Kanufahren, Besuch der Obdachlosenberatung in Erlangen und und und. Als Konstante dabei – jeden Morgen ein spiritueller Impuls und sei es unterwegs im Zug.

Der vielleicht wichtigste Impuls aber: Das Team um Jutta Schnabel und Iwan Wikulow, treu sprachlich unterstützt von Natalia Dumnowa, Deutschdozentin am Erlangen-Haus, plant schon wieder für das nächste Jahr.

Mehr Bilder zum Besuch der Erlanger im Frühjahr in Wladimir und zur aktuellen Begegnung auf Facebook unter JADA: https://is.gd/rYlkLh

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In den Osterferien setzte die Nadjeschda-Jugend ihren Austausch mit Wladimir fort. Hier der Bericht zu den Begegnungen in Wladimir, Nischnij Nowgorod und Moskau:

Erster Treffpunkt war der Nürnberger Bahnhof. Gemeinsam ging es dann mit dem Zug nach Frankfurt und mit dem Flieger nach Moskau. Am Flughafen Domodjedowo angekommen, warteten schon die ersten russischen Teilnehmer und begleiteten uns in einem Bus direkt nach Ladoga. In dem Freizeitcamp nahe Wladimir sollten wir während der nächsten Tage die meiste Zeit miteinander verbringen. Obwohl es schon spät in der Nacht war, als wir ankamen, begrüßten uns viele vertraute und auch ein einige neue Gesichter.

Ladoga – unser Zuhause nahe Wladimir

Ausgeschlafen und gestärkt durchs Frühstück, lernten sich am nächsten Tag alle Teilnehmer bei verschiedenen Spielen auf dem Gelände kennen. Den ersten Abend grillten und kochten wir und ließen ihn zusammen singend ausklingen.

Für den nächsten Tag ließen sich die russischen Gastgeber ein spannendes,  nicht ganz einfaches und Kooperation verlangendes Spiel einfallen, um die Stadt Wladimir kennenzulernen. Am Abend war ein entspannter Filmabend geplant, der sich auf noch einen weiteren Abend ausweiten sollte und eine gute Basis bot, um über Vorurteile und die Wahrnehmung der russischen Gesellschaft zu diskutieren.

Auch die darauffolgenden Tage boten viele Möglichkeiten, sich untereinander auszutauschen und das Leben unserer Freunde kennenzulernen. Auf einem Besuch an der Staatlichen Universität, an der die meisten hier teilnehmenden Russen studieren, folgte eines der Highlights dieses Austausches, der Besuch des Nadjeschda-Fonds in Wladimir.

Dieser staatlich geförderte Verein kümmert sich um Waisenkinder und bietet ihnen einen Ort, an dem sie ein Leben lang willkommen sind. Zusammen mit den anwesenden Jugendlichen lernten wir die traditionellen russischen Pfannkuchen (Bliny) zuzubereiten, mit einer wahrhaften Künstlerin malten wir Ostereier an und übten einen russischen Volkstanz ein. Klar wurden auch zahlreiche Runden Tischfußball gespielt, wenn schon ein Tisch im Raum steht.

Am Abend gingen wir zusammen in eine Bar, wo wir sehr zu unserer Freude Musikinstrumente vorfanden, und so übertrafen sich die musikalischen Talente in unserer Gruppe gegenseitig. Das erste Geburtstagskind im diesjährigen Austausch wurde, wie es sich hier gehört, auf einem Stuhl sitzend hochgehoben und gefeiert.

Jugendgruppe mit Pfarrer Sergej Sujew

Unser Kosake von letztem Jahr (manche Teilnehmer erinnern sich) besuchte uns diesmal direkt in unserem Camp und zeigte uns einige Trainingsspiele, die jedes für sich kräfteraubend war. Zuletzt durfte noch jeder feststellen, wie schwierig es ist, mit einem Pfeil und Bogen eine Zielscheibe zu treffen. Ausgepowert kam uns die Banja an diesem Abend sehr gelegen!

Hand- und Spanndienste auf dem Gelände der Rosenkranzgemeinde

Am nächsten Tag durften wir an einem russischen Sozialprojekt teilhaben. In kleinen Gruppen besuchten wir Senioren und halfen Ihnen in im Haushalt. Aber nicht nur Fensterputzen, Saugen und Wischen gehörte dazu, sondern auch interessante Gespräche mit den älteren Menschen, die uns einiges aus Ihrem Leben erzählten. Die Wiederholungstäter dieses Austausches, die diesen Programmpunkt schon von den letzten Jahren kannten, trugen diesmal dazu bei, das Gelände der katholischen Gemeinde für den Sommer wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Wieder vereint, ging es in die Universität, in der wir uns beim Fußballspielen verausgabten, um uns danach von einem professionellen Karate-Meister Übungen zeigen zu lassen, wie wir uns gewaltlos verteidigen können.

Freunde, Familie und ihr Alltag

Besonders erwartet wurde natürlich der darauffolgende Tag. Rent-a-German stand bevor. Nach einer morgendlichen Freizeit in Wladimir teilten sich die deutschen Teilnehmer auf, um einen typischen Alltag ihrer russischen Freunde kennenzulernen. Ein paar hatten die Chance eines der vielen Studentenwohnheime hier von innen zu sehen und  kamen so mit weiteren Studenten zusammen, mit denen sie gemeinsam Borschtsch kochten. Andere besuchten einen Deutsch-Kurs und staunten nicht schlecht, wie viel die Kursteilnehmer schon verstehen und sprechen konnten. Für manche ging es zu Familien nach Hause, wo sie sich definitiv nicht hungrig verabschiedeten.

 

Nischnij Nowgorod – die Börse des Landes

Um noch etwas mehr vom Land sehen zu können, fuhren wir früh am nächsten Morgen gemeinsam mit dem Zug in das etwa 200 km entfernte Nischnij Nowgorod. Die 1,2 Millionen Einwohner zählende Stadt liegt am Zusammenfluß der Oka und der Wolga und ist von großer Bedeutung für die russische Geschichte.

Abfahrt vom Bahnhof Wladimir

Durch eine spannende Stadtführung erhielten wir einen Einblick in die Drehscheibe des russischen Handels. Ein Besuch im Technikmuseum erlaubte uns, die vielen technischen Meisterleistungen hier zu bewundern, und das Arsenal-Museum gab unter anderem einen Vorgeschmack auf die russische Avantgarde. Zum Besuch dieser Stadt gehörte selbstverständlich auch eine Gondel-Fahrt über die Wolga.

Am Abend wurde gemeinsam gekocht, was die Beteiligung aller erforderte. Wir kombinierten Schnitzel mit Gemüse und Salat aus der russischen Küche. Nachdem alle satt und zufrieden waren, wurde unser zweites Geburtstagskind gefeiert.

Zurück nach Moskau

Mit dem Zug ging es wieder nach Moskau. Dort wartete auch einer der russischen Teilnehmer mit seiner Führung über den Roten Platz auf uns und erklärte all die historischen Sehenswürdigkeiten. Den letzten Abend verbrachten wir mit Speis, Trank und vielen tiefen Gesprächen. Denn wir wußten ja, der morgige Tag bedeutete Abschied nehmen.

Vor der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Auch diesmal entstanden wieder viele neue Freundschaften und alte festigten sich. All die schönen Erinnerungen der vergangenen Tage lassen doch sehr auf ein baldiges Wiedersehen hoffen.

Robert Papon

 

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Eben erst aus Wladimir zurückgekehrt sind Jutta Schnabel und Felix Mörsberger, und schon liefern sie einen Bericht für den Blog.

Es gibt Jugendleiter, die haben Wladimir noch nie im Winter gesehen. Da das auf alle Fälle ein Versäumnis ist, das man schnellstmöglich beseitigen sollte, machten wir uns von der Nadjeschda-Jugend, leider nur zu zweit, dieses Jahr schon im Februar in die Partnerstadt auf, um die Begegnung mit der Universität und der Rosenkranzgemeinde für dieses Jahr vorzubereiten. Der frühe Termin hatte wohl auch damit zu tun, daß wir uns heuer schon im April mit zwanzig erwartungsfreudigen jungen Leuten aufmachen werden, unsere russischen Freunde in wiederzusehen. Also trotzten wir den windigen -14 Grad und dem Schnee und machten uns auf ins kalte, aber winterlich schöne Wladimir.

Jutta goldenes_tor_schnee_klein

Goldenes Tor im Schnee

Nach der üblichen Anreise per Flugzeug und Zug über Moskau nach Wladimir setzten wir uns am ersten Tag gleich nochmal in den Zug, um mit drei unserer Partner bis nach Nischnij Nowgorod weiterzufahren, die Stadt der Wahl für unseren diesjährigen Austausch. Hinter zwei verfallenen Häusern fanden wir hier die katholische Gemeinde, in der wir warm empfangen wurden und gleich das Komplettpaket für unseren Besuch in Aussicht gestellt bekamen, mit Unterkunft im Klostergebäude, jeder Menge guter Tips für das Programm, wenn wir denn zu Ostern kommen würden, und einer guten Erklärung zu der manchmal schwierigen Lage der Gemeinde in der Stadt. Danach genossen wir wegen des weniger einladenden Wetters vor allem die Buntheit der Pelmeni und die verwirrende Vielfalt koffeinhaltiger Heißgetränke der Gastonomieangebote in der Fußgängerzone, der ideale Platz, um gemeinsam das planerische Großprojekt für den nächsten Tag vorzudenken, da wir tags darauf bei einem Seminar die Weichen für den gesamten Austausch für das Jahr 2019 stellen wollten.

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Felix Mörsdorfer, sechster v.l. und Jutta Schnabel, ganz rechts im Bild, vor der Planungswand

Vielleicht dank dieser kaffeegestärkten Vorgespräche schafften wir es wirklich, an einem Seminartag mit insgesamt zehn Leitern zwei komplette Austauschprogramme zu planen – natürlich noch mit ein paar Platzhaltern und offenen Stellen, doch schon einer guten Vorstellung, wie unsere Tage in Wladimir und der Besuch der russischen Gruppe im Sommer ablaufen würden. Das funktionierte vor allem, weil wir uns inzwischen untereinander gut kennen und auch über die Jahre gelernt haben, daß dieses persönliche Verständnis die Grundlage eines guten Austauschs bildet. Das wurde uns besonders bei unserer Diskussion zu Beginn des Seminars klar, als wir uns über unsere gemeinsamen Ziele in der Begegnung austauschten und feststellten: Kern einer erfolgreichen Begegnung sind gegenseitiges Vertrauen und Kennenlernen der anderen in kleinen Gruppen oder ganz persönlich. Mit kreativen Wortneuschöpfungen wie „Nuklearisation“ für die Begegnung in diesen Kernbeziehungen oder durch die schöne Sprachfigur „ответная открытость“, welche die gegenseitige „antwortende Offenheit“ für uns als Leiter – aber auch gegenüber neuen Teilnehmern – beschreiben soll, versuchten wir, unsere bisherigen Erlebnisse zu reflektieren, um die diesjährige Begegnung tatsächlich nicht nur zu einem informativen Ausflug in ein neues Land, sondern eine teifgreifende Erfahrung werden zu lassen.

So innerlich erwärmt, stellten wir uns auch noch dem letzten kalten Tag, an dem ein Treffen mit den „alten Herren“ unserer Begegnung, Pfarrer Sergej Sujew, dem Universitätsseelsorger, Vater Warfolomej und Professor Jewgenij Arinin die offizielle Seite des Austausches in den Blick nahm. Hier ging es um die Rahmenbedingungen, denn über die Jahre entstanden im Umfeld der Begegnungen nicht nur neue Formen der Zusammenarbeit, sondern auch ein Forschungsprojekt der Universität, das den Einfluß interkultureller Begegnungen auf die Wertebildung von Jugendlichen untersucht. Neben der Einbeziehung von Nischnij Nowgorod ist heuer noch etwas ganz neu: Dieses Jahr nehmen mehr russische Jugendliche an unserem Programm teil, die von der namensgleichen, aber nicht verwandten Organisation Nadjeschda für Waisen in Wladimir betreut werden, und auch die orthodoxe Seite wird die Begegnungen durch Angebote und Treffen unterstützen. Nach dieser intensiven Arbeit genossen wir schließlich einen unserer Meinung nach wohlverdienten letzten Abend im Kreis unserer alten Bekannten, um bei Tee und Nudeln zu pflegen, was im Austausch begonnen wurde – unsere Freundschaft.

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Vor hundert Jahren beantwortete Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“, wie beim Diskussionsforum Prisma vorgestern von Roman Jewstifejew zitiert, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit so: „Für die Menge das, was man ständig liest und hört… Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, um sie ununterbrochen zu wiederholen.“ Heute wissen wir, der Okzident ist zwar durchaus krisenanfällig, beweist aber weiterhin seine Vitalität, und gestern erfuhren die Erlanger Gäste nun auch, wie man als ein von zwei Geschäftsleuten Anfang der 90er Jahre gegründetes und bis heute erfolgreich betriebenes Medienunternehmen in Wladimir – zunächst als Radiosender, dann als TV-Station und nun seit einigen Jahren ausschließlich als regional ausgerichtetes Internetportal – anständig Geld verdienen kann und überlebt, ohne dem Publikum und den Werbekunden ein X für ein U vorzumachen: mit ausgewogener Berichterstattung, immer an Fakten und objektiven Maßstäben ausgerichtet, angesiedelt zwischen den regierungstreuen Staatsmedien und einem fundamentaloppositionellen Journalismus. Derart viel und intensiv an einem späten Vormittag über das Wesen der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen Politik und der Freiheit des Wortes, zwischen ökonomischen Zwängen und Berufsethos erfahren zu können, hätte der Journalist Wolfgang Mayer so nicht erwartet, und man darf gespannt sein, wie er über diese Begegnung mit seinem Wladimirer Kollegen, Chefredakteur Sergej Golowinow von Zebra-TV, schreiben wird. Dem soll hier deshalb auch nicht vorgegriffen werden.

Sergej Golowinow, Gerda-Marie Reitzenstein, Julia Obertreis, Wolfgang Niclas, Wolfgang Mayer, Elisabeth Preuß, Jutta Schnabel und Amil Scharifow

Ausgespart bleiben für heute auch viele weitere Stationen des gestrigen Tages, der seinen Höhepunkt in einem Empfang für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei Gouverneur Wladimir Sipjagin in der Staatskanzlei fand, im sogenannten „Weißen Haus“ der Region Wladimir. Eine Zeitenwende – der Begriff erscheint angemessen – wenn man bedenkt, daß es in den letzten fünf Jahren, in der Regierungszeit der abgewählten Landesmutter, Swetlana Orlowa, auf politischer Ebene keinerlei Zusammenarbeit mit dem Gouvernement gab, ungeachtet all der vielen Vorstöße und Vorschläge aus Erlangen, ungeachtet der guten Tradition des Austausches und der Begegnungen unter ihren Vorgängern, Nikolaj Winogradow und Jurij Wlassow.

Wladimir Sipjagin und Elisabeth Preuß

Wladimir Sipjagin, erst vor einem Monat – übrigens mit dem Versprechen, die Pressefreiheit zu schützen und keine Drangsalierung der Medien zu dulden – in sein Amt eingeführt, erweist sich im Gespräch mit seinem Gast als umfassend informiert über die Partnerschaft und hebt nicht nur die Bedeutung des Erlangen-Hauses hervor, sondern weist auch auf die gelungene Aussöhnung zwischen den Kriegsveteranen aus beiden Städten hin und will ganz offensichtlich diese auf Ebene des Gouvernements unterbrochene Tradition fortsetzen, wobei er sich offen für jede Art der Zusammenarbeit etwa mit der Metropolregion Nürnberg oder der dortigen IHK zeigt, sich aber auch gemeinsame Projekte in den Bereichen Umwelt und Soziales oder Medizin vorstellen kann. „Da ist bei allem, was schon im Austausch zwischen unseren Städten passiert, noch viel Luft nach oben“, freut sich Elisabeth Preuß und überbringt dem Gastgeber die herzliche Einladung von Oberbürgermeister Florian Janik nach Erlangen. „Ich komme gerne“, erwidert der Hausherr, „und wir werden meinen Besuch gut vorbereiten, damit wir dann auch gleich Verträge für eine erweiterte Zusammenarbeit unterzeichnen können.“ Willkommen!

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