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Posts Tagged ‘Jutta Brandis’


Er ließ es sich nicht anmerken, aber ein wenig nervös war Kirill Wedernikow gestern schon, so kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule mit Oberbürgermeister Florian Janik und all den vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und vor allem natürlich Kunst und Kultur. Doch schon im Gespräch mit Erlangens Stadtoberhaupt löste sich die Spannung und wich der Freude darüber, mit welcher wißbegierigen Offenheit man seinen Arbeiten begegnete.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer

Der Künstler hätte es freilich auch schon vorher wissen können. Denn von Beginn an hatte er – „trotz meiner geringen Englischkenntnisse“ – mit der Gruppe Andersartig eine gemeinsame Sprache gefunden, hatte die Verständigung über die Kunst, diese universelle Form des menschlichen Ausdrucks, bestens funktioniert. Und es war manchmal beim Aufbau, als hätten die Bilder ihren Platz an den Wänden und in den Räumen selbst gefunden.

Jutta Brandis

Glücklich und zufrieden jedenfalls waren nicht nur die Künstler, sondern vor allem Jutta Brandis, die mit „(R)Evolution“ nach dreißig Jahren des Wirkens an der Volkshochschule hiermit ihre vorletzte Ausstellung kuratierte, darunter viele mit Gästen aus Wladimir. Doch keine hatte sie nach eigenen Worten bisher so mit Freude über das Gelingen erfüllt wie diese, die nun noch bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, zu sehen sind.

Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Jutta Brandis, Carolin Gugel, Irene Hetzler, Michael Ort und Eva Herrmann

Zeit genug also, sich selbst noch einen Eindruck zu verschaffen von diesem deutsch-russischen Projekt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die Florian Janik in seinem Grußwort als wichtiges Element der Verständigung in Zeiten politischer Konflikte lobte, die aber auch zeigt, wie gut Künstler verschiedener Länder konzeptionell zusammenfinden können. Denn, so Kirill Wedernikow: „Sie entsteht zwar in Raum und Zeit, ist aber nicht an diese Dimensionen gebunden, wirkt darüber hinaus.“ Worte, die so auch gelten könnten für das eigens zu dieser Ausstellung komponierte „Concertino für Vibraphon und Klavier“, uraufgeführt von Michael Ort und Eva Herrmann.

Anke Steinert-Neuwirth, Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Carolin Gugel und Irene Hetzler

Ein großer Teil der Bühne – und auch der Ausstellungsfläche – gehörte gestern dem Gastkünstler, der Gelegenheit erhielt, anhand eines Videos mit beeindruckend animierten Arbeiten aus seiner jüngsten Schaffensperiode und einer Präsentation seinen Werdegang darzustellen. Erstmals im Ausland und erstmals in dieser Ausführlichkeit, denn in der Heimat können sich nicht alle an seiner Ästhetik etwas abgewinnen.

Karin Günther und Peter Millian

Sie hat ja auch tatsächlich etwas Düsteres, und vor allem in seinem Zyklus der Lost Places und Industriebrachen sehe man wenig Optimismus und Aufbruch, wie Peter Millian von den Erlanger Nachrichten bemerkte. „Richtig“, bestätigte der 27jährige Künstler aus Wjasniki, hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegen, „aber aus diesem Schatten bin ich herausgetreten, diese Periode liegt hinter mir.“

Zwar, so der Künstler, ziehe ihn noch immer diese Landschaft des Verfalls mit ihren groben Formen und den unendlichen Räumen des Vergehens magisch an, weil es da so viel Gestaltungsmöglichkeit gebe, aber nach seinen Anfängen im Bereich des Graffiti und der Straßenkunst und all den Lehrjahren durch die Kunsthochschule in Susdal sowie die Aufenthalte in Sankt Petersburg und Moskau wende er sich nun stärker philosophischen, theologischen und mythologischen Themen zu.

Kirill Wedernikow im Gespräch

Man hört es aus seinen Worten heraus, man merkt es seinen Bildern an: Hier wird man Zeuge eines künstlerischen Reifeprozesses, der auf dem Weg zu echter Meisterschaft ist, im Ausdruck wie im Handwerk. Passend zum evolutionären Titel der Ausstellung mit dem R in Klammern.

So richtig zur Geltung kommt das im Musikzimmer, wo die Keramiken von Carolin Gugel und die Arbeiten von Kirill Wedernikow einander nicht nur ergänzen, sondern in ihrer Wirkung verstärken, formal wie inhaltlich. Aber davon sollte man sich selbst überzeugen. Zeit ist ja noch genug.

Und nehmen Sie sich auch ein paar Minuten für die Mappen, wo sich neben Angaben zu den Persönlichkeiten auch die Preise für die Arbeiten finden. Es bietet sich die exklusive Gelegenheit, eine Wedernikow-Sammlung, die erste in Deutschland und außerhalb seiner russischen Heimat, aufzubauen.

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Die Vorbereitungen auf die Vernissage am Sonntag um 11.15 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule sind in vollem Gang. Alle Räume und Korridore im ersten Stock des Gebäudes werden bespielt, und der Gast vom Kunstverein der Region Wladimir, Kirill Wedernikow, kann seine fast dreißig Arbeiten, die er gestern in einer unscheinbaren Mappe mitbrachte, in der „guten Stube“, im Historischen Saal, nachgerade kammermusikalisch hängen.

Ungerahmte Kunst aus Wladimir

Am Vormittag via Moskau und Istanbul eingetroffen, stand der ganze Nachmittag im Zeichen der Rahmung und Hängung der Bilder des 1991 im hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegenen Wjasniki geborenen Künstlers, für Erlangen entdeckt und eingeladen von der Gruppe Andersartig, die grenzüberschreitend hinsichtlich der Techniken und Genres ebenso wie der Länder und Sprachen arbeitet. Und natürlich wollte man einander kennenlernen: Jutta Brandis, die Kuratorin der Ausstellung, Markus Bassenhorst, der Leiter der Volkshochschule, und eben Hans-Peter Singer aus Herzogenaurach, der die Städtepartnerschaften seiner Heimatstadt ebenso wie die internationalen Kontakte Erlangens als Brücken der Kunst und Verständigung nutzt und dies so ausdrückt: „Was die Politik nicht hinbekommt, müssen wir schaffen!“

Planungsgespräch: Hans-Peter Singer, Kirill Wedernikow, Jutta Brandis und Markus Bassenhorst

Und Kirill ist gekommen, um moderne russische Kunst zu zeigen. Und was für eine! Mythische Figuren, verfremdet hineingestellt in stilisierte Industrielandschaften, anatomische Studien an Titanen, Wesen einer Zwischenwelt im Kosmos von Welt und Technik, Evolutionen und Revolutionen der Gestaltung. „Paßgenau das, was die Arbeiten von Irene Hetzler, Carolin Gugel und mir von der Gruppe Andersartig thematisch unter dem Titel „(R)Evolution“ ergänzt, die ja dann gemeinsam mit den Bildern aus Wladimir bis April hier hängen werden“, freut sich Hans-Peter Singer. Das andersartige Kunstquartett ist komplett.

Hängung: Hans-Peter Singer und Kirill Wedernikow

Für Kirill Wedernikow, der seine philosophischen Heimat im christlichen Existenzialismus eines Nikolaj Berdjajew sieht, dem es um nicht weniger als die geistige Wiedergeburt des Menschen und die soziale Umgestaltung der Gesellschaft geht, für den Künstler ist es die erste Ausstellung außerhalb seiner Heimat, wo er noch um Anerkennung ringt, nachdem er seine Lehr- und Wanderjahre mit der Ausbildung in Susdal und Stationen in Sankt Petersburg und Moskau abgeschlossen hat und nun in seine kleine Heimatstadt an der Kljasma mit nur gut 35.000 Einwohnern zurückgekehrt ist. In den Großstädten, so seine Erfahrung, drohe die Kunst inhaltsleer zu werden, zu groß sei die Versuchung, den Moden und Trends nachzulaufen. Seine eigene Sprache und Ausdruckskraft könne man viel besser in der Provinz finden, ohne all die Ablenkung der Metropolen, wo dann auch noch die Kosten für das Atelier kaum mehr zu bezahlen seien.

Schaltkreis einer Ausstellung: Kirill Wedernikow, Fred Ziegler und Dieter Erhard

Am ersten Abend in Erlangen dann noch der Besuch einer Vernissage mit Fred Ziegler im Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen unter dem Motto „Poesie der Schaltkreise“, eine Annäherung von Malerei und Wissenschaft – und wieder so eine Grenzüberwindung, für die auch und gerade Dieter Erhard mit seinem kunstfliegenden Wechsel zwischen den Partnerstädten Riverside und Wladimir steht. Aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte. Hier für heute nur noch einmal der Verweis auf den ersten Blogartikel zu Kirill Wedernikow unter: https://is.gd/6fq2uz

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Zu denen, die unsere Partnerschaft mit Wladimir entscheidend prägen, gehört ohne Zweifel Reinhard Beer, dem gestern im Innenhof seiner Volkshochschule gut einhundert Gäste zum 60. Geburtstag gratulierten. Da er lieber anderen etwas Gutes tut, als für das Gute selbst gelobt zu werden, hier statt der verdienten Eloge nur eine verdichtete Würdigung seiner Rolle im Austausch mit der russischen Partnerstadt.

Reinhard Beer

Obwohl als Leiter der Sprachenabteilung und stellvertretender Direktor der Volkshochschule durchaus gefordert, nimmt er sich Zeit für die Biennale „Russisch-Deutsche Wochen“ mit einem ebenso vielfältigen wie anspruchsvollen Programm und organisiert im elften Jahr in Folge jeden Sommer wieder einen zweiwöchigen Deutschkurs für eine Gruppe aus dem Erlangen-Haus in Wladimir. Ein Verwaltungs- und Gestaltungsaufwand, der so wohl kaum in seiner Arbeitsplatzbeschreibung stehen dürfte, aber in guter Tradition von all seinen Vorgesetzten – Klaus Wrobel, Christine Flemming und Markus Bassenhorst – mitgetragen wird.

Reinhard Beer mit Jutta Brandis und Lux

Entscheidend aber die Unterstützung für den Aufbau der Deutschkurse am Erlangen-Haus, die so nicht denkbar wären ohne Reinhard Beer, der das Goethe-Institut schon 1995 für eine Zusammenarbeit mit dem heutigen Sprachlernzentrum gewann und somit für die international anerkannte Qualität des Unterrichts sorgte. Seine eigenen Fortbildungen für die Lehrkräfte am Erlangen-Haus sind mittlerweile legendär, und all das pädagogische Material, das er von Verlagen für Wladimir gespendet erhielt, füllt ganze Bücherschränke.

Reinhard Beer

Reinhard Beer beim Programmgespräch mit der Gruppe aus dem Erlangen-Haus am 14. Juli 2018, gesehen von Georg Kaczmarek

Und dann noch dies: Dank dem Bemühen von Reinhard Beer kann man an der Volkshochschule Erlangen seine Russischkenntnisse zertifizieren lassen. Da mutet es allerdings verwunderlich an, wenn der bekennende Rockmusikfan und gelernte Hispanologe selbst noch kein Russisch spricht. Deshalb hier als Nachgesang auf den Geburtstag mit den besten Wünschen von Sting der auf Englisch gesungene Song „Russians“: https://is.gd/rukkjm

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Gezählt hat sie niemand, die Gäste des gestrigen „Russischen Abends“ zum Auftakt der „Russisch-Deutschen Wochen“ im Großen Saal der Volkshochschule Erlangen. Aber es dauerte fast eine Viertelstunde, bis die letzten Stühle hereingetragen waren, bis alle einen Sitzplatz gefunden hatten.

Spiramor

Dann erst stimmte „Spiramor“ auf das 35jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir ein. Ganz so, wie man das erwarten darf: mit gepflegter Sangeskunst und deutsch-russischen Melodien.

Großer Saal der Volkshochschule

Die Begrüßung – mit einem Willkommen auf Russisch – schließlich durch den Direktor des Hauses, Markus Bassenhorst, zeigte wieder einmal, welch überragende Rolle die Volkshochschule für die Städtepartnerschaft spielt. Von den ersten Bürgerreisen Anfang der 80er Jahre und dem Arbeitskreis Wladimir unter Klaus Wrobel über die ersten „Russisch-Deutschen Wochen“ unter Christine Flemming bis hin zum breiten Festprogramm unter Markus Bassenhorst, von den Sprachkursen und der didaktischen Unterstützung für das Erlangen-Haus und der Rolle von Reinhard Beer, dem stellvertretenden Leiter ganz zu schweigen.

Markus Bassenhorst

Die gleiche Kontinuität in der Kommunalpolitik sorgt für den Rahmen dieser Bürgerpartnerschaft, wie das Grußwort Florian Janik zeigte. Bruchlos und unangestrengt gelang Erlangens Oberbürgermeister der Bogen vom ältesten Besucher im Saal, dem 95jährigen Weltkriegsveteran Wolfgang Morell, der 1942 – nicht ganz freiwillig – als erster Erlanger nach Wladimir kam und dort von einer schweren Erkrankung genesen konnte, über den 75. Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht in der Schlacht um Stalingrad bis hin zu dem Geschenk der Versöhnung und des Vertrauens nach all dem Leid und Tod zwischen Deutschen und Russen. Freilich ein Geschenk, das gerade angesichts der politischen Spannungen alles andere als selbstverständlich ist, für das man immer wieder dankbar sein sollte.

Wolfgang Morell

Besonders natürlich jenen, die damals, in Zeiten des Kalten Krieges, Mut und Weitblick genug besaßen, um über alle Gräben und Grenzen hinweg das Werk der Verständigung zu beginnen: Dietmar Hahlweg, damals Oberbürgermeister von Erlangen, und Jurij Fjodorow, damals Stellvertreter des Vorsitzenden des Städtischen Exekutivkomitees der Volksdeputierten und, wie er sich selbst gerne nennt, der erste Kundschafter Wladimirs in Erlangen, dessen positiver Bericht in der Stadt am Goldenen Ring die gute Sache der Partnerschaft in Gang brachte.

Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow

Von Beginn an dabei aber auch die hohe Diplomatie, gestern vertreten durch Vizekonsul Andrej Matwijenko, eigens aus München angereist, um Erlangen auch weiterhin der Unterstützung durch seine Gesandtschaft zu versichern. Damals, im Jahr 1982, kam von der Sowjetischen Botschaft in Bonn das Angebot einer Zusammenarbeit mit Wladimir auf den 1981 von Dietmar Hahlweg in Moskau geäußerten Wunsch nach einer Partnerstadt.

Florian Janik und Andrej Matwijenko im Fokus von Nadja Steger

Überhaupt, wie das alles war… Dazu etwas von Zeitzeugen zu erfahren, bot das Podium Gelegenheit. Der Blick zurück, wo auf beiden Seiten Vorbehalte zu überwinden waren, wo es aber auch unerwartet rasch gelang, mit vertrauensbildenden Maßnahmen bei Ausflügen und Treffen jenseits des Protokolls eine Atmosphäre von gegenseitigem Verstehen zu schaffen, die bis heute anhält und auf die auch Florian Janik in der Nachfolge von Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, der gestern Erlangen im närrischen Veitshöchheim vertrat, aufbaut, wenn er jetzt erfreut feststellen kann: „Die Partnerschaft nimmt angesichts der gegenwärtigen politischen Krise keinen Schaden. Es ist allein der Rubelkurs, der den Austausch ein wenig erschwert.“

Peter Steger, Florian Janik, Anna Schellenberger, Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Dennoch, einzig verlassen auf die Selbstheilungskräfte der Partnerschaft will sich Erlangens Oberbürgermeister auch nicht und berichtete deshalb auch erfreut über die bereits zweite und erfolgreich Sitzung des Gesprächsforums „Prisma“, wo im kleineren deutsch-russischen Kreis durchaus „brisante und kontroverse Themen offen und freundschaftlich diskutiert werden“. Ganz in der Tradition der Gründerväter, die denn auch verdiente Dankesurkunden austauschen: für Dietmar Hahlweg und Klaus Wrobel überreicht von Jurij Fjodorow – und für Wiktor Malygin und Jurij Fjodorow ausgehändigt und unterzeichnet von Florian Janik.

Klaus Wrobel, Wiktor Malygin, Florian Janik, Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg

Mit auf dem Podium stand Anna Schellenberger, ein Kind der Partnerschaft, deren Vater, aus Celle stammend, in Erlangen Slawistik studierte – als es das Fach an der FAU noch gab – und dann durch den Austausch sein Glück und seine Familie in Wladimir fand. Nun erlebte sie – mit viel Beifall bedacht – ihre Feuertaufe auf der Bühne als Übersetzerin für Jurij Fjodorow, lobte die Bedeutung des Erlangen-Hauses für die Partnerschaft und dankte für diese „großartigen Beziehungen“, bevor sie hinter den Kulissen verschwand, um sich für ihren nächsten Auftritt vorzubereiten.

Anna Schellenberger

Anna Schellenberger gehört nämlich – ebenso wie ihre Mutter, die daheim in Raduga bei Wladimir geblieben ist – zum vor zwei Jahrzehnten gegründeten Klöppelkreis um Jelena Gorbunowa und besucht als Kunsthandwerkerin zum zweiten Mal Erlangen, zeigte sich aber zum ersten Mal hier auch auf dem Laufsteg.

Susanne Lender-Cassens

Zusammen mit zwei Models, die gestern ebenfalls eine Premiere erlebten. Erlangens Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, hatten sich von Nadja Steger nicht lange bitten lassen, als es darum geht, wer mitmacht bei der Präsentation der kostbaren Einzelstücke.

Elisabeth Preuß

Im Detail zu sehen waren die kleinen Kunstwerke im Historischen Saal, und heute noch den ganzen Tag über bietet Jelena Gorbunowa einen Mitmachkurs an.

Susanne Lender-Cassens, Alexandra Jegorowa, Jutta Brandis und Jelena Gorbunowa

Jutta Brandis, an der Volkshochschule für das Kultur zuständig, kennt übrigens Jelena Gorbunowa seit fast 20 Jahren und hat die Kunsthandwerkerin nach Abendberg vermittelt und damit den Anstoß für eine erstaunliche Entwicklung gegeben, über die der Blog auch immer wieder berichtet: die Aufnahme von Jelena Gorbunowa in den Deutschen und Französischen Klöppelverband, ungezählte Seminar und Ausstellungen – und immer wieder Abstecher nach Erlangen, dorthin, wo alles begann.

Alexandra Jegorowa

Gestern begann nun auch alles für Alexandra Jegorowa, das Nesthäkchen des Abends, die selbst Hand anlegt an die feinen Fäden und sich schon als Model vor das Publikum wagt. Wer weiß, wo sie ihre Kunst später noch überall zeigen wird…

Dietmar Hahlweg und Wiktor Malygin

Vergessen sollte man nicht das Russisch-Fränkische Buffet, vorbereitet von den Wladimirer Expatriots Nadja Steger, Natalia Grebnev, Jekaterina Korschofski und Matwej Grigorjew, einem Studenten aus Wladimir. Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen, auch für Dietmar Hahlweg, Ehrendoktor der Universität Wladimir, und Wiktor Malygin, damals Vizerektor, heute Professor em. und Rektor i.R.

Markus Bassenhorst und Irina Chasowa

Oder auch für Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, und Markus Bassenhorst, den Gastgeber des Abends, der weit nach 23.00 Uhr, als sich nach mehr als vier Stunden die letzten Grüppchen auflösten, rundum zufrieden zurückblickte und sich natürlich auf all die Veranstaltungen freute, die noch den ganzen Monat über anstehen.

Othmar Wiesenegger und Jelena Gorbunowa

Zeit ebenso für Othmar Wiesenegger, dem zusammen mit Nadja Steger die Photos dieses Beitrags zu verdanken sind, sich ein wenig zurückzuziehen und mit Jelena Gorbunowa zu sprechen, die einfach nur glücklich war angesichts des Zuspruchs aus dem Publikum.

Reinhard Beer, Susanne Lender-Cassens und Andrej Matwijenko

Dazwischen dann auch noch das Quiz „Wer wird Russionär?“, erdacht von Reinhard Beer, der gestern, bei der mittlerweile zwölften Austragung der „Russisch-Deutschen Wochen“, endlich auch die verdiente Auszeichnung als „Ehren-Russionär“ erhielt, unterzeichnet von Florian Janik und überreicht von Susanne Lender-Cassens zusammen mit Andrej Matwijenko, dem stellvertretenden Generalkonsul.

Alexandra Jegorowa, Jelena Gorbunowa, Elisabeth Preuß, Susanne Lender-Cassens und Anna Schellenberger

Und ein Geschenk an die Stadt Erlangen vom Klöppelkreis: das Golden Tor, gewirkt aus feinsten Fäden.

Susanne Lender-Cassens und Irina Tartakowskaja

Das Quiz hatte es übrigens in sich. Einige knifflige Hürden ließen selbst treue Blogleser auf dem Weg zum Siegerpodest straucheln, etwa die Frage danach, in welchem Jahr diese Plattform nun schon über die Partnerschaft berichte. Da ärgert sich mancher wohl noch lange der auf die mögliche Antwort „im verflixten siebten Jahr“ hereinfiel und damit falsch ankreuzte. Es sind nämlich bereits zehn Jahre… Alles richtig anzugeben, schaffte denn freilich auch niemand. Aber Hans-Joachim Preuß kam mit 16 von 20 möglichen Punkten diesem Ziel am nächsten – und kann sich jetzt auf eine Gratisreise nach Wladimir mit drei Übernachtungen im Erlangen-Haus freuen.

Hans-Joachim Preuß und Susanne Lender-Cassens

Freuen können sich durchaus auch alle, die gestern still im Hintergrund mitwirkten: Wolfram Howein, der den Abend bebilderte, Othmar Wiesenegger, der für neue Photos sorgte, die Runde um Natalia Kaiser, die für die rasche Auswertung der Antwortbögen zum Quiz sorgte, das Küchenteam, die Hausmeister, die bis zum späten Ende ausharrten. Dank an Köstlich & Co., das Geschäft für Feinschmecker, das zum wiederholten Male Preise stiftete. Vor allem aber ein спасибо an die Gäste aus Wladimir – ein gutes Dutzend – und Erlangen – um die einhundert -, die für eine großartige Stimmung sorgten.

 

 

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Selbst für die nun weiß Gott nicht ereignisarme Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir ist es ungewöhnlich, in so kurzer Abfolge zwei Großveranstaltungen zu haben.

Impressionen aus Wladimir im Großen Saal der VHS

Impressionen aus Wladimir im Großen Saal der VHS

Erst am Mittwoch wurde Ute Schirmer für ihre gut zwanzigjährige sozial-kulturelle Arbeit mit dem Ehrenbrief für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften ausgezeichnet, und nun die Ausstellung von Karin Günther, der Vorsitzenden der Erlanger Fotoamateure.

Karin Günther

Karin Günther

Was wie Zufall aussehen mag, hat seine innere Logik. Ute Schirmer ist durch Karin Günther 1990 zu Wladimir gekommen, und die beiden teilen sich bis heute Freunde in der Partnerstadt. Und dann ist da ja noch das ausklingende dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum.

Jutta Brandis und Karin Günther

Jutta Brandis und Karin Günther

Jutta Brandis, bei der Volkshochschule Erlangen zuständig für Kreatives, ist ebenfalls seit 1990 bei der Sache und hat schon 1989 die Ausstellung von Guram Tuguschi aus Moskau betreut, mit der eine ganze Serie von Präsentationen russischer Künstler begann, die nun mit Fotoimpressionen aus Wladimir einen neuen Höhepunkt erreicht.

Stadl Harmonists

Stadl Harmonists

Für einen musikalischen Höhepunkt sorgte bei der gestrigen Vernissage der Überraschungsauftritt der Stadl Harmonists unter Leitung von Knut-Wulf Gradert. Wer hätte auch besser ein Ständchen geben können, als just das Ensemble, das sich schon bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Wladimir so viele Freunde ersungen hatte!

Fotoimpressionen aus Wladimir

Fotoimpressionen aus Wladimir

Den ca. 70 Bildern von Karin Günther standen mindestens ebensoviele Betrachter bei der Eröffnung gegenüber. Alles Bilder von den Jubiläumsfeierlichkeiten, die ja so vielfältig waren, wie die Partnerschaft bunt ist. Wie gut, da buchstäblich eine Übersicht mit Einblicken in all die Veranstaltungen zu haben, die oft parallel stattfanden und so nie von allen gleichzeitig besucht werden konnten.

Siegfried Balleis, Karin Günther und Maria Filimonowa

Siegfried Balleis, Karin Günther und Maria Filimonowa

Da durfte auch Oberbürgermeister Siegfried Balleis nicht fehlen, um Karin Günther für ihre gelungene Arbeit zu danken und sich selbst noch einmal an die Begegnungen Ende Mai / Anfang Juni in Wladimir zu erinnern.

Karin Günther und Gugel

Karin Günther und Carolin Gugel, Erlanger Kunstverein

Etwa an die Ausstellung des Erlanger Kunstvereins, der nun auch schon seit über 20 Jahren mit Wladimir Austausch pflegt. Etwa an die Auftritte der Sing- und Musikschule oder des Mädchenchors vom Christian-Ernst-Gymnasium oder…

Doris Hinderer, Karin Günther und Amil Scharifow

Doris Hinderer, Karin Günther und Amil Scharifow

Mit von der Partie wieder Doris Hinderer, die wohl alle Mitreisenden als Betreuerin der Bürgergruppe in bester Erinnerung haben. Auch in den unübersichtlichsten Situationen immer mit der notwendigen Ration Ruhe ausgestattet und gestern begleitet von Amil Scharifow, einem russischsprachigen Praktikanten im Partnerschaftsbüro.

Sergej Sacharow sitzt im Regen

Wladimirs Oberbürgermeister, Sergej Sacharow, sitzt im Regen

Die Ausstellung, angereichert durch Arbeiten von drei Wladimirer Photographen, hat es verdient, gesehen zu werden – noch bis zum 14. Februar 2014 in den Räumen der VHS in der Friedrichstraße 19. Bleibt noch Dank zu sagen an Nadja Steger für die Bilder von der Ausstellung!

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Am Sonntag, den 29. September eröffnet Oberbürgermeister Siegfried Balleis mit einem Grußwort um 11.15 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, die Ausstellung „Fotoimpressionen aus Wladimir“, musikalisch umrahmt von David Motsonoashvili.

EFAAn der Bürgerreise nach Wladimir zum dreißigjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft  nahm auch Karin Günther, die Vorsitzende der Erlanger Fotoamateure, teil. Sie zeigte damals – Ende Mai, Anfang Juni – nicht nur eine Ausstellung im Erlangen-Haus, sondern sammelte natürlich auch wieder eigene neue Eindrücke.

Astrid Schirner, Jutta Brandis, Karin Günther und Detlef Maaßen bei der Bilderauswahl im Historischen Saal der VHS

Astrid Schirner, Jutta Brandis, Karin Günther und Detlef Maaßen bei der Bilderauswahl im Historischen Saal der VHS

Zwischen 60 und 70 ihrer Bilder von Konzerten, Begegnungen, Menschen und Stadtansichten sind nun noch bis zum 14. Februar 2014 nicht nur im Großen Saal der VHS zu sehen, sondern auch im Historischen Saal und an den Wänden der Gänge. Die Erlanger Volkshochschule, ohne die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Partnerschaft mit Wladimir gar nicht denkbar wären, also einmal mehr der Raum für den Austausch und die Auseinandersetzung mit den russischen Freunden.

Karin Günther und Jutta Brandis beim Hängen der Bilder in der VHS

Karin Günther und Jutta Brandis beim Hängen der Bilder in der VHS

Zur Partnerschaft gehören mindestens zwei Seiten. Im Falle von Wladimir sind das sogar drei – und ganz besonders hinsichtlich der Kontakte der Erlanger Fotoamateure. Die haben nämlich bereits 1989/1990 Kollegen aus Wladimir und Jena zu einer Drei-Länder-Ausstellung nach Franken geholt. Da versteht es sich von selbst, wenn auch jetzt neben den Bildern von Karin Günther auch Arbeiten des Fotoklubs Unifok aus Jena und der drei Freunde Wladimir Filimonow, Sergej Uchin und Wladimir Fedin zu sehen sind. Bei freiem Eintritt und immer von Montag bis Freitag zwischen 10.00 Uhr und 17.00 Uhr.

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Klöppelarbeiten aus WladimirDas Klöppeln gehört sicher zu den Königsdiziplinen der Handarbeiten. Zeitaufwendig, ausgefeilte Technik, filigrane Muster, Arabesken aus feinsten Fäden, ein Flechtwerk, das mehr kann, als nur die Ränder von Kleidern zu schmücken. Dennoch, das Klöppeln ist längst an den Rand gedrängt, wird längst nicht mehr so häufig praktiziert, wie es sich Liebhaber schöner Accessoires wünschen. Umsomehr macht es Freude zu sehen, daß und vor allem wie dieses Kunsthandwerk in Wladimir gepflegt wird.

Jelena Gorbunowa (r.) mit einem Erlanger SpontanmodelDiese selten gewordene Freude machte sich gestern abend der Club International, der im Rahmen seiner von Inessa Hellwig-Fábián und Nadja Steger geleiteten Deutsch-Russischen Begegnungen den Klöppelkreis von Jelena Gorbunowa in die Räume der Volkshochschule einlud. Die passionierte Kunsthandwerkerin hat bereits vor gut zehn Jahren an der VHS Erlangen ihre Arbeiten vorgestellt – damals gab es hier noch einen Klöppelkurs – und nutzte dank der Vermittlung von Jutta Brandis den Aufenthalt in der Partnerstadt, um Verbindungen zu Abenberg, dem fränkischen Mekka der Klöppelkunst, aufzunehmen. Dort half Maria Groh weiter, und heute kommt Jelena Gorbunowa alljährlich zu den Ausstellungen und Treffen der Klöppelgemeinde und holt sich Auszeichnung um Auszeichnung für die Qualität ihrer Arbeiten.

Klöppelarbeit aus Wladimir„In Rußland haben wir nicht einmal einen Verband“, klagt die Wladimirerin, „umso wichtiger ist es für mich, Anregungen in Deutschland zu finden, wo es 3.600 organisierte Mitglieder gibt.“ So verwundert es nicht, daß Jelena Gorbunowa 2002 in den Deutschen Klöppelverband aufgenommen wurde und keinen Kongreß versäumt. 1996 hatte sie in Wladimir ihr Studio eröffnet, wo sie mittlerweile gut 150 Kinder – zuallermeist Mädchen – und Jugendliche, aber auch einige Erwachsene in die Finessen des Kunsthandwerks einführen konnte. Doch damit nicht genug: Sie gibt mittlerweile auch eine Zeitschrift mit Mustern und Modellen heraus, die bisher einzige ihrer Art in Rußland.

Klöppelarbeit aus WladimirGestern bewunderte das gute Dutzend Gäste im Club International die dekorativen Exponate, heute bricht die fünfköpfige Gruppe um Jelena Gorbunowa via Budapest wieder in Richtung Wladimir auf – und kommt im nächsten Jahr bestimmt mit neuen Spitzenleistungen flinker und geschickter Hände wieder nach Deutschland.

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