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Posts Tagged ‘Jurij Tkatschow’


Am 3. März bereits verstarb, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, dem die Städtepartnerschaft, angeregt vom Journalisten Axel Mölkner, die erste Gemeinschaftsausstellung von vier Wladimirer Künstlern verdankt. Im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung im November 1992 schreibt er selbst:

Freundschaftliche Beziehungen zu den bildenden Künstlern unserer russischen Partnerstadt Wladimir bestehen nun schon seit einer Reihe von Jahren. Wir erinnern uns dankbar an die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik aus Erlangen in Wladimir 1986. Im darauffolgenden Jahr konnten wir einen Maler aus Wladimir – es war Kim Britow – im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage als Gast bei uns begrüßen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Begegnungen in beiden Partnerstädten fortgeführt werden können.

Johann Adam Stupp

Und Andrej Filinow, heute Direktor des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, der damals die Gruppe als Journalist begleitete, erinnert sich:

Erlanger Nachrichten, 24./25. Oktober 1992

Vor fast dreißig Jahren… Damals taten Wladimir und Erlangen, wenn ich es richtig sehe, mit dem Austausch von Kulturschätzen einen der ersten und ausgesprochen erfolgreichen Schritte in der Volksdiplomatie aufeinander zu. Ich meine jene Ausstellung mit Arbeiten von Wladimirer Graphikern in Erlangen, organisiert unter Mitwirkung des Kunstvereins und persönlich von Johann Adam Stupp, die zu einer ausgezeichneten Visitenkarte unserer altrussischen Stadt zu einer Zeit wurde, als sich die partnerschaftlichen Beziehungen, angetrieben von dem glänzenden Russisten und großartigen Organisator, Peter Steger, erst so richtig zu entfalten begannen. Mit glühendem Enthusiasmus halfen ihm und den Künstlern die jungen Journalisten, Axel Mölkner von den „Erlanger Nachrichten“ und der Autor dieser Zeilen, Andrej Filionow, damals Mitarbeiter der Lokalzeitung „Mestnoje Wremja“ („Ortszeit“). Die Zusammensetzung der Ausstellungsteilnehmer erwies sich als einzigartig. Vorneweg mit den Arbeiten von zwei bereits damals anerkannten Meistern, Pjotr Dik und Boris Franzusow. Letzterer konnte nicht mit nach Deutschland kommen, weil er bereits todkrank war, aber seine Arbeiten, die zu den allerbesten Beispielen der russischen Graphik gehören, fanden viel Raum in der Ausstellung. Aus seinem Schaffen in der Technik der klassischen Radierung bildete sich eine eigene Schule heraus. Aber auch die damals noch jungen und später mit dem Titel „verdiente Künstler Rußlands“ ausgezeichneten Anatolij Denissow und Jurij Tkatschow erhielten die Möglichkeit, ihr reiches Können zu zeigen. Diese klassische Tradition umschatteten großartig die tiefgründigen, emotionalen und philosophisch aufgeladenen Pastelle von Pjor Dik. Der Umstand, daß er ethnischer Deutscher war, brachte eine besondere Note in die Betrachtung seiner Arbeiten und zeugte von der schon seit langer Zeit wirkenden gegenseitigen Durchdringung der russischen und deutschen Kultur, zweier großer europäischer Völker. Aber diesem Austausch wohnte noch eine weitere interessante Synergie inne: Die Arbeiten der Künstler wurden im Katalog von Gedichten des Autors dieser Zeilen in der Übersetzung von Peter Steger kommentiert. Ein weiterer Beweis dafür, wie eng Kunst und Literatur unsere Völker verbinden. Dieses Ereignis hinterließ jedenfalls in den Herzen der Teilnehmer (leider weilen Pjotr Dik und Boris Franzusow bereits nicht mehr unter uns, und nun ist dieser Tage auch Johann Adam Stupp von uns gegangen) die farbenfrohesten Erinnerungen und wurde auf viele Jahrzehnte zum Unterpfand der guten Beziehungen zwischen den Partnerstädten.

Johann Adam Stupps Hoffnung sollte sich erfüllen: Es folgten ungezählte weitere Ausstellungen in Zusammenarbeit der Kunstvereine Erlangen und Wladimir, auch längere Aufenthalte hier wie dort, um vor Ort an Kulturprojekten mitzuarbeiten. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die Partnerschaft in dieser Hinsicht vor einem Jahr, als sich die beiden Verbände darauf vorbereiteten, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eine gemeinsame Ausstellung in Wladimir zu zeigen, die dann freilich wegen Corona nur virtuell gezeigt werden konnte.

Eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung entstand zwischen Pjotr Dik und dem Erlanger Kunstfreund. Auf Initiative von Johann Adam Stupp verlieh im Jahr 2000 dem Wladimirer Graphiker denn auch den Hauptpreis des Rußlanddeutschen Kulturpreises in der Kategorie Kunst. Zweifellos ein Höhepunkt auch für die Partnerschaft insgesamt. Auch mit Percy Gurwitz verband den Verstorbenen viel, denn seine Frau stammte, ebenso wie der Wladimirer Gelehrte, aus Riga.

Der Dichter

Er sieht so manches lang voraus,
sobald es ihn zu sprechen drängt.
Kaum macht man sich etwas daraus,
man ihn am liebsten gleich erhängt.
Andrej Filionow

Im gemeinsamen Vorwort zum Ausstellungskatalog schreiben Axel Mölkner und Andrej Filinow ein Wort des Dankes, das heute noch Gültigkeit besitzt und deshalb abschließend hier zitiert werden soll:

Vielen in Erlangen gebührt für ihre Unterstützung Dank. Die Ausstellung ermöglicht hat der Kunstverein und sein Vorsitzender, Adam Stupp. Bei der Stadt Erlangen haben sich der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, der die Gedichte mit viel Liebe übersetzte, und Kulturreferent Wolf-Peter Schnetz für die Ausstellung eingesetzt. Für die finanzielle Unterstützung durch die Siemens AG haben sich Rita Werneyer und Jörg Hahn stark gemacht; beim OBI Baumarkt Franken sorgte dafür Hermann Gumbmann.

Ausstellungseröffnung im Palais Stutterheim: Johann Adam Stupp, Jelena Prokofjewa, Andrej Filinow und, fast verdeckt, Jurij Tkatschow. Im Hintergrund: Hermann Gumbmann, Axel Mölkner, Natalia Oserowa und Anatolij Denissow

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Wladimir hat sich nicht nur durch die Landschaftsmalerei mit einer eigenen, von Kim Britow begründeten Schule einen wohlklingenden Namen bei Kunstfreunden gemacht, Erlangens Partnerstadt ist auch berühmt für seine Graphiker, von denen als der bekannteste Boris Franzusow gilt. Nun wurde in Uljanowsk der Arkadij-Plastow-Preis an den Wladimirer Künstler Jurij Tkatschow verliehen, eine Auszeichnung, die nur einmal im Jahr an nur eine Person vergeben wird. Und erstmals in der Geschichte des Preises erhält ihn ein Künstler aus Wladimir.

Jurij Tkatschow, 2. v.l.

Jurij Tkatschow, 2. v.l.

Benannt ist der Preis nach dem russischen Realisten Arkadij Plastow (1893 – 1972), den man einmal den „Sänger der sowjetischen Bauernschaft“ genannt hat. Stilprägend sind seine lyrischen und weitgehend konfliktfreien Genrebilder und Landschaftskompositionen. Ausgezeichnet mit dem Stalinpreis 1946 und dem Leninpreis 1966, brachte es der aus der Region Uljanowsk (früher Simbirsk) stammende Maler sogar dazu, daß die Post der UdSSR Briefmarken nach seinen Motiven gestaltete.

Jurij Tkatschow: Ljubez im Winter.

Jurij Tkatschow: Ljubez im Winter.

Der mit 200.000 Rbl. dotierte Preis wurde 2007 von der Regierung der Region Uljanowsk an der Wolga erstmals auf lokaler Ebene ausgelobt und hat seit 2011 den Status einer internationalen Auszeichnung, die an Künstler verliehen wird, die sich der Tradition der Landschaftsmalerei verpflichtet sehen. Die Wahl fiel sicher nicht zufällig auf Jurij Tkatschow, der bereits den Titel „verdienter Künstler Rußlands“ trägt, denn der 1955 in Wladimir geborene Graphiker und Aquarellmaler ist seit 1990 Mitglied des Russischen Künstlerverbands und zeigt seine Arbeiten immer wieder auf nationalen und internationalen Ausstellungen. Auch in Erlangen, wo er 1992 zum ersten Mal überhaupt in Deutschland auf sich aufmerksam machen konnte.   

Jurij Tkatschow: Russische Puppe.

Jurij Tkatschow: Russische Puppe.

Im Interview mit Wladimirer Medien sagt Jurij Tkatschow: „Wir gehören zu den Stillen im Land. Realisten, die das russische Dorfleben darstellen. Und einiges andere mehr. Wir sind ein eingeschworener Haufen.“ Viele sind es in der Tat nicht, die sich der handwerklich so anspruchsvollen Radierung widmen und sich fern von Kitsch halten.

Jurij Tkatschow: Stilleben.

Jurij Tkatschow: Stilleben.

Selbst sagt Jurij Tkatschow zu seiner Technik, in der er seit drei Jahrzehnten arbeitet: „Die Radierung ist etwas, das man, wenn man einmal damit begonnen hat, nicht so leicht wieder aufgibt. Hier findet man nämlich immer wieder etwas, das noch nicht vollkommen ist, das noch nachgebessert werden muß. Eine Radierung scheint nie abgeschlossen, immer will man noch weiter an ihr arbeiten. Und immer ist da das Gefühl, die nächste Arbeit müsse besser werden. Das bleibt wohl so das ganze Leben.“ Das hoffentlich noch lange währt und der Kunstwelt viele weitere Schätze beschert.

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