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Posts Tagged ‘Jurij Katz’


Die Stadt

Es war Ende August 2018 nach 14 Jahren meine vierzigste Reise nach Wladimir. Strahlend blauer Himmel, die ganzen zehn Tage lang, der „Jubiläumsreise“ angemessen, meine ich.

Fußgängerzone Wladimir

Es ist immer wieder beeindruckend, zu erleben, wie sehr sich die Stadt in den wenigen Jahren entwickelt hat. Vor 14 Jahren waren Spaziergänge, vor allem bei schlechtem Wetter, eher ein Hindernislauf um Pfützen und Stolperfallen herum, heute sind Gehsteige gepflastert, und man wird allenfalls gelegentlich von Radfahrern gestört, die verständlicherweise die Bürgersteige den von Autos beherrschten Straßen vorziehen.

Fußgängerzone Wladimir

Auch die Straßen wurden modernisiert, nördlich von der Altstadt entstand eine neue, vierspurige Trasse, um den Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besser zu verteilen. Allerdings kann der Straßenbau mit der Zunahme der Fahrzeuge nicht mithalten, und damit wird „Stop and Go“ zum Standard während der Rushhour. Das Internetportal mit der aktuellen Verkehrssituation zeigt jeden Tag morgens und nach Feierabend über die Stadt verteilt rot eingefärbte Straßenabschnitte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 2 km/h.

Patriarchengarten

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist dagegen die neue Fußgängerzone neben der Hauptstraße am Abhang zur Kljasma. Alte, restaurierte Häuser, Boutiquen und Andenkengeschäfte, kleine Museen sowie drei Aussichtsplattformen mit Blick zur Kathedrale, zur Kljasma und zum Patriarchengarten laden zum Verweilen ein. Dieser Park (Eintritt 80 Rubel) mit einer großen Fontäne und Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale ist besonders schön im Mai, wenn die Kirschen blühen.

Springbrunnen im Zentrum von Wladimir

Ganz neu und erst zum Stadtfest am 26. August eingeweiht, ist der Springbrunnen vor dem Schauspielhaus am Goldenen Tor. Der Brunnen ist ebenerdig mit Gitterrosten angelegt, und so kann man zwischen den in der Intensität ständig wechselnden Fontänen einherspringen, ein Magnet für Kinder und gelegentlich auch für jung gebliebene Erwachsene. Abends erstrahlt das Ensemble dann in bunten Farben, und stündlich wird das Ganze noch mit Musik untermalt.

Wasserfreuden

Nicht weit entfernt liegt die Kirche der katholischen Rosenkranzgemeinde. Natürlich hat Pfarrer Sergej Sujew Zeit, mir die Fortschritte auf der Baustelle des Pilgerzentrums zu zeigen. Strom, Wasser, Abwasser und Heizung sind installiert, jetzt steht der Innenausbau an. Zurzeit wird aber noch an der Außenanlage gearbeitet. Durch einen Gerichtsentscheid wird das Grundstück geschätzte 100 m² größer, was z. B. zusätzliche Parkflächen ermöglicht. Leider erschweren und belasten immer wieder neue Auflagen die Kostenseite und damit den Fortgang der Arbeiten. So müssen jetzt alle Stromzuführungen unterirdisch verlegt werden, und dies trifft nicht nur den Neubau, sondern auch das Pfarrhaus und die Kirche. Bis zur Einweihung des Zentrums wird sicher noch mindestens ein Jahr vergehen, vorausgesetzt, die Spenden kommen rechtzeitig an.

Die Initiative Swet

Seit 1995 besteht in der Region Wladimir die Initiative Swet, in der sich mehr als 800 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die jungen Leute aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird. Swet erfuhr vielfältige Unterstützung durch die Partnerschaft mit Erlangen. Mit Einzelspenden und Spendenaktionen wurden die Projekte gefördert. Mit Unterstützung von Erlangen entstanden Kontakte zu deutschen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenarbeit, die WAB in Kosbach stellte z. B. Hospitationen zur Verfügung.

Jurij Katz in Susdal

Einer der Initiatoren und engagierten Repräsentanten ist Jurij Katz, mit dem ich über die Wiederbelebung von Hospitationen bei den Barmherzigen Brüder in Gremsdorf geredet habe. Diese Zusammenarbeit geht zurück auf das Projekt „Lichtblick“ mit dem Kinderzentrum „Blauer Himmel“. Aus dieser Zusammenarbeit erhielt Swet 2015 ein Datscha-Grundstück am Nerl zur geeigneten Verwendung. Das Grundstück wurde dann verkauft, weil die von Swet betreuten Menschen in der Gesellschaft, in Städten leben sollen, ein Leben auf dem Land würde wieder eine Isolierung bedeuten.

Swet-Baustelle in Susdal

Jurij Katz fuhr deshalb mit mir nach Susdal, um die aus dem Erlös des Grundstücks gekaufte Wohnung zu besichtigen. Sie liegt in der Mitte der Stadt, direkt gegenüber von den Handelsreihen. Es handelt sich um eine von drei Wohnungen in einem alten Holzhaus. Zurzeit läuft eine umfassende Renovierung, drei Handwerker waren auf der Baustelle tätig. Es entstehen drei Wohn-/Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein WC mit Dusche und ein kleiner Lagerraum. Das Ganze soll als Schulungszentrum für Behinderte (ggf. mit Angehörigen) genutzt werden. Bis zu neun Personen können unterkommen und sollen in ein- bis mehrwöchigen Kursen die Grundlagen eines eigenständigen Lebens erlernen.

Jurij Katz im neuen Zentrum

Danach besuchten wir noch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder in Susdal. In sozial schwachen Susdaler Familien sind 80 behinderte Kinder bekannt. Das Zentrum wurde von einer privaten Initiative gegründet, die Organisation Swet hilft beratend.

Therapiezentrum in Susdal

Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, auch die Stadt Susdal gibt mit kleinen Anteilen Unterstützung. Ein verfallener Gebäudekomplex wird, getaktet durch die Verfügbarkeit von Spenden, Raum für Raum ausgebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einfachen Mitteln erreicht werden kann!

Jurij Katz

Auf dem Weg zurück fällt uns etwa in der Mitte zwischen Susdal und Wladimir auf der linken Seite ein großer Neubau ins Auge, ein privates Museum mit Autos und Motorrädern. Darin befindet sich ein Café, an dessen Bar man auf Motorrädern Platz nimmt.

Wolfram Howein

Wir machen eine Sitzprobe, verziehen uns für unser Gespräch aber gerne auf die Stühle an den nebenstehenden Tischen. Ob sich das Investment rechnet? Ich bin mal gespannt, was daraus in einem Jahr geworden ist, wenn ich mal wieder nach Susdal fahren werde.

Wolfram Howein

Fortsetzung folgt.

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Persönliche Beratung und Assistenz für Menschen mit Behinderungen ist das zentrale Anliegen des 1989 gegründeten „Zentrums für Selbstbestimmtes Leben“, Themen, mit denen Jürgen Ganzmann als langjähriger ehrenamtlicher Behindertenberater des Landkreises Erlangen-Höchstadt bestens vertraut ist, Themen, die den seit Anfang Juni als Geschäftsführer der Einrichtung tätigen Weisendorfer auch eng mit Wladimir verbinden.

Jürgen Ganzmann

Noch als Leiter der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf baute er das Projekt „Lichtblick“ mit der Psychiatrie in der russischen Partnerstadt ab 1999 auf und führte dieses einzigartige und mehrfach ausgezeichnete Werk, das schließlich im „Blauen Himmel“ mündete, über alle seine weiteren Stationen als Direktor des Altenheims in Etzelskirchen und später als Geschäftsführer der WAB Kosbach fort.

Jürgen Ganzmann

Nun also das ZSL mit fast 200 Assistenzkräften und einem dreißigjährigen Erfahrungsschatz, der übrigens schon Anfang der 90er Jahre auch in Jena beim Aufbau eines ähnlichen Zentrums fruchtbar wurde. Wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, es wird nicht lange dauern, bis er auch in dieser Funktion im Austausch mit Wladimir ganz neue Akzente setzt. Es sei nur auf die wiederholten Besuche von Jurij Katz hingewiesen, der ja mit seiner Selbsthilfeorganisation „Swet“ etwas durchaus Vergleichbares geschaffen hat.

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Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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Fast von Beginn ihrer Gründung vor mehr als 20 Jahren an begleitet Erlangen die Selbsthilfeorganisation „Swet“ von Familien mit behinderten Kindern. Alles hatte mit der Spende von Siemens-Hörgeräten für inklusiven Schulunterricht, vermittelt vom Kinderschutzbund Erlangen, und entwickelte sich zu einem umfassenden Projekt von der gezielten Förderung bestimmter Projekte bis zur Überschreibung eines ganzen Grundstücks durch die Stiftung „Lichtblick“ zur weiteren Verwendung durch die Wladimirer Elterninitiative. Besonders wichtig dabei, laut dem Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, die als Gründer der Organisation diese bis heute mit weltenversetzender Energie leiten, nicht nur die materielle Unterstützung, sondern vor allem die inhaltliche Zusammenarbeit, die fachliche Anregung, der Wissenstransfer.

Elisabeth Preuß und Ljubow Katz

Elisabeth Preuß und Ljubow Katz

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß will bei keinem ihrer Besuche in Wladimir ein Treffen mit den Kämpfern für Teilhabe und Integration missen, kennt das Begegnungs-, Beratungs- und Therapiezentrum „Mischutka – Der kleine Meister Petz“ mit seinem „Erlangen-Saal“ seit dessen Entstehung mit Unterstützung aus der Partnerstadt, und ist doch immer wieder überrascht von den erstaunlichen Erfolgen. Erst vor kurzem ist es beispielsweise gelungen, die Zahl der Kinder, die an der Pferdetherapie teilnehmen können, auf einhundert zu erhöhen.

Elisabeth Preuß

Ljubow Katz, Elisabeth Preuß und Jurij Katz mit einer Eltern-Kind-Gruppe im „Erlangen-Saal“

Längst sind die Kinder aus den Anfangsjahren erwachsen, ihre Eltern älter und möglicherweise selbst schon pflegebedürftig geworden, wenn nicht gar verstorben. Deshalb die hatte man vor zwei Jahren – mit über die Partnerschaft vermittelten Zuschüssen des katholischen Hilfswerks „Renovabis“ – eine Wohnung für eine betreut-selbständige Gruppe junger Männer eingerichtet. So erfolgreich, daß dieses Projekt landesweit Schule macht – demnächst gründet sich eine derartige Initiative nach Wladimirer Vorbild auch in Tula – und russischen Fachleuten als Blaupause für geglückte Integration gilt. Erfolgreich aber auch in der Hinsicht, daß immer mehr Wladimirer die Arbeit unterstützen, wie etwa ein Monteur, der unlängst für die teuere Reparatur der Spülmaschine keinen Rubel verlangte.

Elisabeth Preuß mit Jurij und Ljubow Katz in der Wohngruppe

Elisabeth Preuß mit Jurij und Ljubow Katz in der Wohngruppe

Und schon ist ein nächster Schritt in Planung: Das Grundstück der Stiftung „Lichtblick“ in Barskoje Gorodischtsche, von Wladimir auf halbem Weg nach Susdal gelegen, ist bereits vermessen, demnächst soll ein Zaun um das Gelände gezogen werden, und dann könnten im nächsten Jahr schon die Bauarbeiten für ein Erholungsheim für Eltern mit behinderten Kindern beginnen, ein Projekt, das die Partnerschaft noch einige Zeit begleiten wird, zumal Jurij Katz zu dessen Umsetzung wieder auf die inhaltliche Unterstützung der Erlanger Freunde von der WAB Kosbach, dem Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, der Barmherzigen Brüder Gremsdorf und all der anderen Organisationen hofft – und wohl auch auf die eine oder andere Spende. Vor Ort jedenfalls ist man schon fleißig dabei, Anträge für Zuschüsse auf lokaler wie regionaler Ebene zu stellen.

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Herbert Mainka, Irina Chasowa, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß und Dieter Kümpers

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Herbert Mainka, Irina Chasowa, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß und Dieter Kümpers

Als die Erlanger Delegation gestern gegen Mittag die Heimreise antrat, war man sich denn auch in einem einig: Man hat viele Freunde hinzugewonnen, die Freundschaft mit alten Bekannten vertieft und nun auf vielen Gebieten neue Kooperationen und Projekte angeregt, die der Partnerschaft zusätzliche Schubkraft geben werden. Was kann man sich mehr von einer solchen Reise erwarten! Gerade in diesen Zeiten… Jurij Katz meinte denn auch anerkennend: „Ein großartiges Zeichen habt Ihr da mit Eurem Besuch zum 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion gegeben, ein Zeichen, wie es nur Freunde geben können.“

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Wenn Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am 20. Juni mit einer kleinen Delegation nach Wladimir reist, um an den Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR teilzunehmen, wird sie als Beauftragte für Inklusion sicher auch nach Beispielen für die gelungene Einbeziehung von Behinderten in das öffentliche Leben suchen. Dazu könnte schon ein Spaziergang durch die Altstadt genügen, denn, wie das Internetportal „Pro Wladimir“ berichtet, dieser Tage fand in der im Vorjahr eröffneten Fußgängerzone eine Abnahme der besonderen Art statt.

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Das Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, Gründer der Selbsthilfeorganisation „Swet“ für Familien mit schwerbehinderten Kindern und in der Partnerschaftsarbeit vor allem mit der WAB Kosbach eng verbunden, machte nämlich die Probe aufs Exempel und luden den Journalisten, Jurij Kusnezow vom TV-Sender „Sankt Petersburg“ ein, mit dem Elektromobil die gesamte autofreie Strecke abzufahren – so, als säße er im Rollstuhl.

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Das Ergebnis macht Freude: Alle Aussichtspunkte sind barrierefrei erreichbar, sämtliche Steigungen oder Neigungen lassen sich ohne hinderliche Stufen überwinden, nirgendwo ist man auf Hilfe angewiesen. Keine Klagen, nur Lob für die Planer der Fußgängerzone, die übrigens demnächst noch erweitert werden soll. Sicher im Geist und nach dem Buchstaben der UN-Konvention zur Inklusion, unterzeichnet auch von der Russischen Föderation und umgesetzt in Wladimir. Gut so!

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Vier junge Männer beweisen in Wladimir auf 170 qm Wohnfläche seit zwei Jahren ihre Fähigkeit zum selbständigen Leben, unterstützt nur durch eine Pädagogin. Ein erfolgreicher Probelauf für die unterschiedlich Behinderten, zwischen 20 und 35 Jahren, die ohne die bewundernswerte Initiative der Selbsthilfeorganisation „Swet“ von Ljubow und Jurij Katz mit Sicherheit in einem Heim leben untergebracht wären. So können sie selbst entscheiden, wie ihr Tagesablauf strukturiert ist, wofür sie ihre Invalidenrente ausgeben, welchen Freizeitbeschäftigungen sie nachgehen.

Ljubow Katz und ihre Schützlinge

Ljubow Katz und ihre Schützlinge

Der Erfolg des Projekts ist auch möglich geworden durch die Städtepartnerschaft, durch die inhaltliche Beratung etwa seitens der WAB Kosbach, wo man schon seit mehr als 30 Jahren Erfahrung sammelt mit betreutem Wohnen; durch Spenden aus Erlangen und von der katholischen Hilfsorganisation „Renovabis“. Man darf sich also hier wie dort freuen, zumal die Initiative in Wladimir dabei ist, schon die nächsten Schritte zu gehen, sprich ein ganzes Haus für betreutes Wohnen zu errichten, und seit einigen Monaten ist „Swet“ ja auch im Besitz eines großen Grundstücks, übertragen von der Partnerschaftsstiftung „Lichtblick“, wofür es schon große Pläne gibt. Aber davon ein andermal wieder – in Ihrem Blog. Hier für heute nur nochmals DANKE an alle, besonders Wolfram Howein, Leonhard Hirl und Jürgen Ganzmann, für die Unterstützung.

 

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