Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Jurij Katz’


Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

Read Full Post »


Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

Read Full Post »


Fast von Beginn ihrer Gründung vor mehr als 20 Jahren an begleitet Erlangen die Selbsthilfeorganisation „Swet“ von Familien mit behinderten Kindern. Alles hatte mit der Spende von Siemens-Hörgeräten für inklusiven Schulunterricht, vermittelt vom Kinderschutzbund Erlangen, und entwickelte sich zu einem umfassenden Projekt von der gezielten Förderung bestimmter Projekte bis zur Überschreibung eines ganzen Grundstücks durch die Stiftung „Lichtblick“ zur weiteren Verwendung durch die Wladimirer Elterninitiative. Besonders wichtig dabei, laut dem Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, die als Gründer der Organisation diese bis heute mit weltenversetzender Energie leiten, nicht nur die materielle Unterstützung, sondern vor allem die inhaltliche Zusammenarbeit, die fachliche Anregung, der Wissenstransfer.

Elisabeth Preuß und Ljubow Katz

Elisabeth Preuß und Ljubow Katz

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß will bei keinem ihrer Besuche in Wladimir ein Treffen mit den Kämpfern für Teilhabe und Integration missen, kennt das Begegnungs-, Beratungs- und Therapiezentrum „Mischutka – Der kleine Meister Petz“ mit seinem „Erlangen-Saal“ seit dessen Entstehung mit Unterstützung aus der Partnerstadt, und ist doch immer wieder überrascht von den erstaunlichen Erfolgen. Erst vor kurzem ist es beispielsweise gelungen, die Zahl der Kinder, die an der Pferdetherapie teilnehmen können, auf einhundert zu erhöhen.

Elisabeth Preuß

Ljubow Katz, Elisabeth Preuß und Jurij Katz mit einer Eltern-Kind-Gruppe im „Erlangen-Saal“

Längst sind die Kinder aus den Anfangsjahren erwachsen, ihre Eltern älter und möglicherweise selbst schon pflegebedürftig geworden, wenn nicht gar verstorben. Deshalb die hatte man vor zwei Jahren – mit über die Partnerschaft vermittelten Zuschüssen des katholischen Hilfswerks „Renovabis“ – eine Wohnung für eine betreut-selbständige Gruppe junger Männer eingerichtet. So erfolgreich, daß dieses Projekt landesweit Schule macht – demnächst gründet sich eine derartige Initiative nach Wladimirer Vorbild auch in Tula – und russischen Fachleuten als Blaupause für geglückte Integration gilt. Erfolgreich aber auch in der Hinsicht, daß immer mehr Wladimirer die Arbeit unterstützen, wie etwa ein Monteur, der unlängst für die teuere Reparatur der Spülmaschine keinen Rubel verlangte.

Elisabeth Preuß mit Jurij und Ljubow Katz in der Wohngruppe

Elisabeth Preuß mit Jurij und Ljubow Katz in der Wohngruppe

Und schon ist ein nächster Schritt in Planung: Das Grundstück der Stiftung „Lichtblick“ in Barskoje Gorodischtsche, von Wladimir auf halbem Weg nach Susdal gelegen, ist bereits vermessen, demnächst soll ein Zaun um das Gelände gezogen werden, und dann könnten im nächsten Jahr schon die Bauarbeiten für ein Erholungsheim für Eltern mit behinderten Kindern beginnen, ein Projekt, das die Partnerschaft noch einige Zeit begleiten wird, zumal Jurij Katz zu dessen Umsetzung wieder auf die inhaltliche Unterstützung der Erlanger Freunde von der WAB Kosbach, dem Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, der Barmherzigen Brüder Gremsdorf und all der anderen Organisationen hofft – und wohl auch auf die eine oder andere Spende. Vor Ort jedenfalls ist man schon fleißig dabei, Anträge für Zuschüsse auf lokaler wie regionaler Ebene zu stellen.

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Herbert Mainka, Irina Chasowa, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß und Dieter Kümpers

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Herbert Mainka, Irina Chasowa, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß und Dieter Kümpers

Als die Erlanger Delegation gestern gegen Mittag die Heimreise antrat, war man sich denn auch in einem einig: Man hat viele Freunde hinzugewonnen, die Freundschaft mit alten Bekannten vertieft und nun auf vielen Gebieten neue Kooperationen und Projekte angeregt, die der Partnerschaft zusätzliche Schubkraft geben werden. Was kann man sich mehr von einer solchen Reise erwarten! Gerade in diesen Zeiten… Jurij Katz meinte denn auch anerkennend: „Ein großartiges Zeichen habt Ihr da mit Eurem Besuch zum 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion gegeben, ein Zeichen, wie es nur Freunde geben können.“

Read Full Post »


Wenn Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am 20. Juni mit einer kleinen Delegation nach Wladimir reist, um an den Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR teilzunehmen, wird sie als Beauftragte für Inklusion sicher auch nach Beispielen für die gelungene Einbeziehung von Behinderten in das öffentliche Leben suchen. Dazu könnte schon ein Spaziergang durch die Altstadt genügen, denn, wie das Internetportal „Pro Wladimir“ berichtet, dieser Tage fand in der im Vorjahr eröffneten Fußgängerzone eine Abnahme der besonderen Art statt.

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Das Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, Gründer der Selbsthilfeorganisation „Swet“ für Familien mit schwerbehinderten Kindern und in der Partnerschaftsarbeit vor allem mit der WAB Kosbach eng verbunden, machte nämlich die Probe aufs Exempel und luden den Journalisten, Jurij Kusnezow vom TV-Sender „Sankt Petersburg“ ein, mit dem Elektromobil die gesamte autofreie Strecke abzufahren – so, als säße er im Rollstuhl.

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Jurij Katz und Jurij Kusnezow

Das Ergebnis macht Freude: Alle Aussichtspunkte sind barrierefrei erreichbar, sämtliche Steigungen oder Neigungen lassen sich ohne hinderliche Stufen überwinden, nirgendwo ist man auf Hilfe angewiesen. Keine Klagen, nur Lob für die Planer der Fußgängerzone, die übrigens demnächst noch erweitert werden soll. Sicher im Geist und nach dem Buchstaben der UN-Konvention zur Inklusion, unterzeichnet auch von der Russischen Föderation und umgesetzt in Wladimir. Gut so!

Read Full Post »


Vier junge Männer beweisen in Wladimir auf 170 qm Wohnfläche seit zwei Jahren ihre Fähigkeit zum selbständigen Leben, unterstützt nur durch eine Pädagogin. Ein erfolgreicher Probelauf für die unterschiedlich Behinderten, zwischen 20 und 35 Jahren, die ohne die bewundernswerte Initiative der Selbsthilfeorganisation „Swet“ von Ljubow und Jurij Katz mit Sicherheit in einem Heim leben untergebracht wären. So können sie selbst entscheiden, wie ihr Tagesablauf strukturiert ist, wofür sie ihre Invalidenrente ausgeben, welchen Freizeitbeschäftigungen sie nachgehen.

Ljubow Katz und ihre Schützlinge

Ljubow Katz und ihre Schützlinge

Der Erfolg des Projekts ist auch möglich geworden durch die Städtepartnerschaft, durch die inhaltliche Beratung etwa seitens der WAB Kosbach, wo man schon seit mehr als 30 Jahren Erfahrung sammelt mit betreutem Wohnen; durch Spenden aus Erlangen und von der katholischen Hilfsorganisation „Renovabis“. Man darf sich also hier wie dort freuen, zumal die Initiative in Wladimir dabei ist, schon die nächsten Schritte zu gehen, sprich ein ganzes Haus für betreutes Wohnen zu errichten, und seit einigen Monaten ist „Swet“ ja auch im Besitz eines großen Grundstücks, übertragen von der Partnerschaftsstiftung „Lichtblick“, wofür es schon große Pläne gibt. Aber davon ein andermal wieder – in Ihrem Blog. Hier für heute nur nochmals DANKE an alle, besonders Wolfram Howein, Leonhard Hirl und Jürgen Ganzmann, für die Unterstützung.

 

Read Full Post »


Heute nun Teil 3 und – leider schon – Abschluß des Berichts von Angela Schubert:

Freitag morgen teilen wir uns, zurück in Wladimir, in zwei Gruppen auf: Die Ärzte und Psychiater unter uns konnten das Rot-Kreuz-Notfallkrankenhaus und die Psychiatriestation besuchen, Pädagogen, Sozialarbeiter und sonst familiär engagierte Mitreisende bekamen die sozialtherapeutischen Einrichten von Jurij Katz gezeigt, Vater eines behinderten Kindes, der seine gesicherte Anstellung aufgab, um für körperlich und geistig behinderte Kinder und ihre Familien Hilfe zu schaffen. Ich denke, daß er in Erlangen durch Hirls Verbindungen Frühförderung, Werkstätten und gemeinsame Wohnsituationen junger Erwachsener kennengelernt hatte und diese Möglichkeiten mit ganzem Einsatz in Wladimir, zusammen mit seiner Frau, nach und nach geschaffen hat. Sie leitet die Frühförderung in einer großen Wohnung mit Bewegungs- und Schulraum; dort trafen wir ca. fünf Kinder beim Buchstabenlernen mit Musik und Lautreimen, jedes Kinder mit einer Betreuerin. Wie auch im Blauen Himmel gibt es einen Raum für Sinneserfahrung, hier speziell ein Elektropferd für die Gleichgewichtsschulung – und sicher auch, um einfach Spaß zu haben. Die Eltern beobachten und lernen von den Therapeuten, es gibt ein größeres Eßzimmer auch für Gespräche untereinander, in der Vitrine Auszeichnungen für dieses in Rußland seltene Unterstützungsangebot. Wir hörten, daß im allgemeinen Kinder und Jugendliche mit Handicaps einfach der Familie überlassen und nicht eingeschult werden.

In der Nähwerkstatt von Swet, Februar 2013: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Ljubow Katz, Ludmila Nikolina, Leonhard Hirl, Jurij Katz und Behindertenberater Thomas Grützner

In der Nähwerkstatt von Swet, Februar 2013: Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Ljubow Katz, Ludmila Nikolina, Leonhard Hirl, Jurij Katz und Behindertenberater Thomas Grützner

In der altersmäßig darauf aufbauenden Werkstatt an anderer Stelle trafen wir ca. zehn Jugendliche mit zwei Betreuerinnen an, die je nach ihren Möglichkeiten Tischdecken, Sets, Schürzen oder Stofftiere nähten. An unserem Besuchstag wurden die gerade mit Fullfill gestopft. Wir kauften eifrig ein. Ob sie auch große Posten Stofftaschen anfertigen könnten, die Erlanger Geschäfte gerne als Werbung weitergeben? Das sei nur eine Frage der Termine, vielleicht in Portionen? (Leonhard Hirl denkt unermüdlich über Möglichkeiten zur Unterstützung nach.) Die letzte Station war sicher die außergewöhnlichste: Betroffene Eltern hatten in einem Wohnblock am Stadtrand schon in der Bauplanung drei Erdgeschoßwohnungen als große Gemeinschaftsunterkunft einplanen und als Eigentum erwerben können, – sicher ein Kunststück. Nun können dort junge Erwachsene mit Betreuern das Zusammenleben und -wirtschaften üben. An einer Flurwand eine topographische Karte von ganz Rußland, ein halber Globus auf Papier. Wo ist denn da das kleine restliche Europa zu finden?

Gruppenbild auf dem Platz des Sieges

Gruppenbild auf dem Platz des Sieges

Der Nachmittag brachte uns noch eine große Überraschung. Nach dem Besuch der Ewigen Flamme gingen wir zu Fuß zum Musikinstitut, wo Studenten in Russenkitteln uns mit einem Volkstanz einstimmten auf Auftritte konzertant gespielter Ziehharmonikamusik; dieses Instrument gibt es in unterschiedlicher Größe, Schwere und Tastatur, die Musikstücke sind kunstvoll gesetzt. Die jungen Studenten traten selbstverständlich in gepflegter Garderobe auf und freuten sich beim gemeinsamen Abschlußphoto über die Anerkennung. Das Konzert steigerte sich, ein junger Balalaikaspieler – das ist ein dreieckiges Saiteninstrument mit unterschiedlicher Klangkörpergröße – trat auf mit einer verschwindend kleinen Ausführung, aber wie füllten zum Abschluß die beiden Lehrer mit ebensolcher Balalaika und Ziehharmonika den Raum, die Ohren, den ganzen Menschen, fulminant!

Im Präsidium der Konferenz an der Universität von Wladimir: Alexander Bersenjew, Leonhard Hirl und Olga Filatowa

Im Präsidium der Konferenz an der Universität von Wladimir: Alexander Bersenjew, Leonhard Hirl und Olga Filatowa

Das Abschiedsessen fand weit vor der Stadt im Russischen Dorf, einem großen Blockhaus mit Lichterdekoration und Gartenanlage, statt. Dort saßen und aßen wir mit allen universitären Gastgebern bei Dankes- und Grußreden im allgemeinen Rahmen und mit unseren Begleiterinnen, Milena, Galina, Alla und Tamara, bunt durchmischt in nachbarschaftlicher Unterhaltung. Tamara erzählte mir von ihrem Aufwachsen mit vier Schwestern, die Mutter Tierärztin bei der Genossenschaft, der Vater hinauskomplimentiert, was sich auch in ihrer Generation fortsetzte. Die Frauen sind die feste Stütze der Gesellschaft.

Festtafel im Russischen Dorf

Festtafel im Russischen Dorf

Für die Rückfahrt nach Moskau brauchte es zwei Busse – die Erlanger Gruppe flog mittags, die Züricher gegen 18 Uhr -, um uns noch einen dreistündigen Aufenthalt in Moskau zu ermöglichen, eben getrennt. Für alle Wege muß genug Pufferzeit eingerechnet werden, und unser Reisetag war ein Samstag. Eine rechte Autokolonne sah ich bei der Einfahrt in die Stadt in der Gegenrichtung. Auf dem Weg zur berühmten Datscha? Zum großen Verabschieden und Bedanken waren schließlich alle parat, es war ja erst fünf Uhr früh. Nur unsere Begleiterin Milena schlief den Schlaf der Gerechten nach ihrer anstrengenden Organisationsverantwortung und kam mit dem Zug nach. So übernahm der Busfahrer die Führung und setzte uns direkt am Roten (dem Schönen) Platz ab. Er ist auf einer Seite von der Kremlmauer, gegenüber vom Kaufhaus GUM, vor Kopf vom historischen Museum begrenzt. Den ersten Eindruck bestimmte die farbige Basiliuskathedrale, die oft Kalenderblätter schmückt.

GUM

GUM im Festtagsglanz

Bis Milena ankäme, entschieden wir, uns im Kaufhaus umzusehen: eine Welt für sich mit hintereinander gereihten Hausfluchten, über Treppenaufgänge und Bogenbrücken erschlossen, entlang der Balustraden die (sehr ruhigen) Geschäftsniederlassungen mit aufwendigen Schaufenstern, überhaupt viel kulturelle Inszenierung durch das Management. Im Erdgeschoß erinnere ich mich an Modepuppengruppen quer durch die Jahrhunderte, eine Vitrine mit Edelsteinkronen aus Zarenzeiten; weiter oben und in der Tiefe herbstliches Dekor. Wir begegneten einander da und dort und winkten einem Grüppchen auf einer Brücke zu, für’s Kaffeehaus war die Zeit zu schade.

Eingang zum Alexandergarten

Eingang zum Alexandergarten

Um 11 Uhr trafen wir uns mit Milena am Eingang und berieten erneut, wie wir die nächsten zwei Stunden nutzen könnten. Die Schlange am Kremleingang ließ einen Besuch nicht möglich erscheinen, auch nicht mit „Beziehung“ über Milenas Schwester. Also wanderten wir in die vor der Kremlmauer angelegten Gärten, geschäftig von Hobbyphotographen zu Erinnerungsschnappschüssen aufgefordert. Eine eindrucksvolle Ewige Flamme mit Ehrenwache, entlang der Terrassenmauer die Namen großer, umkämpfter russischer Städte, viele promenierende Besucher. Der Versuch, eine der berühmten Jugendstil-Metrostationen zu sehen, gelang nicht, weil man nur mit Ticket in die tieferen Stockwerke kommt. So blieb noch Zeit, in einem Museumsladen die verbliebenen Rubel auszugeben und die Schülerbroschüre zu kaufen, deren Titelbild den Einband meiner Reisenotizen zeigt. Schließlich fuhren wir durch den Samstagmittagsverkehr zum Flughafen. Die Gepäckkontrolle war nicht so gründlich wie gedacht. Wartezeiten, schließlich ein wirklich vollbesetztes Flugzeug der Swiss.

Gruppenbild während der Konferenz an der Universität Wladimir

Gruppenbild während der Konferenz an der Universität Wladimir

Unser wunderbares, vielfältiges Erlebnis verdanken wir der lebendigen, 32jährigen Städtepartnerschaft und dem, was die Menschen in Wladimir und Erlangen daraus haben wachsen lassen.

Danke!

Angela Schubert

Read Full Post »


Es müssen nicht immer die chronisch verstopften Straßen sein, auf denen Gäste Wladimir erreichen. Freilich wagen nicht alle eine Bahnfahrt alleine in russischen Zügen. Dabei ist das so entspannt, und auf die russische Pünktlichkeit ist Verlaß. Elisabeth Preuß jedenfalls weiß diese Vorzüge zu schätzen, zumal wenn sie am Bahnhof auch noch von Irina Chasowa abgeholt wird, dann aber freilich, kaum dem Abteil entstiegen auch schon umgehend ins Arbeitsprogramm einsteigen muß.

Irina Chasowa und Elisabeth Preuß

Irina Chasowa und Elisabeth Preuß

Die letzten juristischen Klippen sind genommen, und das von der Erlanger Stiftung „Lichtblick“ der Selbsthilfegruppe „Swet“ übereignete Grundstück in Barskoje-Gorodischtsche, auf halber Strecke zwischen Wladimir und Susdal, etwas abseits von der Hauptstraße zu finden,  harrt nun der Dinge, die da kommen sollen. Die gut 3.000 qm, vor gut zehn Jahren, als hier ursprünglich einmal der „Blaue Himmel“ entstehen sollte, noch ganz am Rand des Dorfes gelegen, ist nun umgeben von Anwesen mit selbstbewußten Landhäusern. Dennoch, genau hier möchte „Swet“ für behinderte Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region ein Erholungs- und Freizeitzentrum errichten.

Oxana Storoschuk, Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Oxana Storoschuk, Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Erfahrung mit derlei Projekten hat man hier schon. So entstand in diesem Jahr erst im Westen von Wladimir ein Obst- und Gemüsegarten, wo die behinderten Kinder und Jugendlichen unter Anleitung von Pädagogen und Eltern gärtnern und die Früchte ihrer Arbeit ernten können. Zunächst durchaus nicht immer zur Begeisterung der Nachbarn. Doch die konnte man rasch für sich gewinnen. Etwas, das man nun auch in Barskoje Gorodischtsche schaffen will.

a 7

Ljubow Katz, Oxana Storschuk, Jurij Katz und Elisabeth Preuß mit der Wohngruppe

Aber man wird auch wieder die Unterstützung von der Politik brauchen, um alle Pläne umzusetzen – und sicher auch die Hilfe von Mäzenen und Stiftungen. Wohl auch aus Deutschland, denn es waren ja just neben vielen anderen Geldgebern, etwa der Erzdiözese Bamberg, die Aktion „Sternstunden“ und das katholische Hilfswerk „Renovabis“, die Mittel für die Projektarbeit von „Swet“ zur Verfügung stellten. Auch zur Einrichtung der Räume für betreutes Wohnen, wo die Gäste aus Erlangen nach dem Ausflug in die Zukunft zum Tee erwartet werden.

Demetrius-Kathedrale im Schnee

Demetrius-Kathedrale im Schnee

Doch zum Verweilen bleibt nur wenig Zeit. „Gerne würde ich noch mehr über Fragen der Inklusion mit Ihnen sprechen“, verabschiedet sich Jurij Katz von Erlangens Bürgermeisterin, „aber wir bleiben ja in Kontakt.“ Und die Juristin, Oxana Storoschuk, bereitet unterdessen die Unterlagen vor, die notwendig sind, um Anträge für das neue Projekt in Deutschland zu stellen.

Treppe im Landesmuseum Wladimir

Treppe im Landesmuseum Wladimir

Im Museum erwarten die Besucher die Direktorin Swetlana Melnikowa und ihre Mitarbeiterin, Jelena Ljubar. Nicht zu einer Führung. Die muß noch warten. Vorher ist es an der Zeit, die Herrin über 400 Beschäftigte in all den Filialen ihrer Einrichtung in der ganzen Region Wladimir endlich einmal nach Erlangen einzuladen. Da war sie nämlich noch nie, obwohl es schon so viele gemeinsame Ausstellungen und Austauschmaßnahmen gab. Doch zunächst einmal kommt zu den „Russisch-Deutschen Wochen“ der Volkshochschule – sie finden von Mitte Januar bis Anfang Februar in Erlangen statt – Jelena Ljubar, um einen Vortrag über die Wladimirer Baukunst des Mittelalters zu halten.

Jelena Ljubar, Swetlana Melnikowa und Elisabeth Preuß

Jelena Ljubar, Swetlana Melnikowa und Elisabeth Preuß

Inzwischen ist es längst Abend geworden. Zeit, der Einladung von Sergej Sacharow zu folgen. Der ehemalige Oberbürgermeister von Wladimir und frischgebackene Stadtdirektor von Susdal bringt die Gäste in das russische Rothenburg und widmet sich schon mit ganzer Kraft seiner neuen Aufgabe. Und die hat es in sich! 2024 ist das Datum, auf das er nun hinarbeitet. Die 1000-Jahr-Feier Susdals, dieser einzigartigen Museumsstadt, die schon jetzt ein Schmuckstück ist. Der Abschied von Wladimir ist Sergej Sacharow sicher nicht leichtgefallen, aber die neue Aufgabe in Susdal erfüllt ihn schon ganz und gar. Er ist in Susdal angekommen.

Sergej Sacharow und Elisabeth Preuß

Sergej Sacharow und Elisabeth Preuß

Strahlen soll Susdal bis zum Geburtstag, leuchten wie ein Nordlicht. Und wer Sergej Sacharow und seinen Tatendrang kennt, zweifelt nicht an seinem Erfolg. Den jedenfalls wünschen ihm seine Erlanger Freunde von Herzen!

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: