Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Jürgen Ganzmann’


Persönliche Beratung und Assistenz für Menschen mit Behinderungen ist das zentrale Anliegen des 1989 gegründeten „Zentrums für Selbstbestimmtes Leben“, Themen, mit denen Jürgen Ganzmann als langjähriger ehrenamtlicher Behindertenberater des Landkreises Erlangen-Höchstadt bestens vertraut ist, Themen, die den seit Anfang Juni als Geschäftsführer der Einrichtung tätigen Weisendorfer auch eng mit Wladimir verbinden.

Jürgen Ganzmann

Noch als Leiter der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf baute er das Projekt „Lichtblick“ mit der Psychiatrie in der russischen Partnerstadt ab 1999 auf und führte dieses einzigartige und mehrfach ausgezeichnete Werk, das schließlich im „Blauen Himmel“ mündete, über alle seine weiteren Stationen als Direktor des Altenheims in Etzelskirchen und später als Geschäftsführer der WAB Kosbach fort.

Jürgen Ganzmann

Nun also das ZSL mit fast 200 Assistenzkräften und einem dreißigjährigen Erfahrungsschatz, der übrigens schon Anfang der 90er Jahre auch in Jena beim Aufbau eines ähnlichen Zentrums fruchtbar wurde. Wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, es wird nicht lange dauern, bis er auch in dieser Funktion im Austausch mit Wladimir ganz neue Akzente setzt. Es sei nur auf die wiederholten Besuche von Jurij Katz hingewiesen, der ja mit seiner Selbsthilfeorganisation „Swet“ etwas durchaus Vergleichbares geschaffen hat.

Read Full Post »


Um das allenthalben unterschätzte Berufsbild der Pflegekräfte in der Medizin aufzuwerten, veranstaltet das Gesundheitswesen der Russischen Föderation landesweit in verschiedenen Kategorien Wettbewerbe für die besten Fachleute, die nur allzu oft unbemerkt im Hintergrund bleiben und den Ärzten die Bühne überlassen. Dabei ist doch deren Arbeit nicht nur näher am Patienten, sondern schafft auch die Voraussetzung für eine gelungene Therapie und Rehabilitation. In der Nomination „Für Berufstreue“ belegte nun Tamara Skworzowa, Oberschwester am Psychiatrischen Krankenhaus Nr. 1 in der Partnerstadt, mit ihrer Arbeit über das Projekt „Lichtblick“ den ersten Platz der Region Wladimir.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Die Krankenschwester mit reicher Austauscherfahrung legte ihrer Analyse die Zusammenarbeit mit Erlangen seit dem Jahr 2000 zugrunde und reichte das Papier mittlerweile beim Gesundheitsministerium in Moskau ein. Gut möglich, daß dank Tamara Skworzowa im Herbst, wenn die Jury ihre Entscheidung fällt, das Partnerschaftsprojekt, erdacht und koordiniert von Jürgen Ganzmann, auch die verdiente überregionale Anerkennung genießen darf. Zu gönnen wäre es allen Beteiligten.

Read Full Post »


Welche Bedeutung für die Stadtgesellschaft der Rotary Preis in den zehn Jahren gewonnen hat, seit er von allen drei Erlanger Klubs in einer Gemeinschaftsaktion vergeben wird, bringt Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrem Grußwort zum Ausdruck. Dank ihrer Funktion als Referentin für den Sozialbereich kennt sie wie kaum jemand sonst die Lage von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Sie weiß aber auch, welche ehrenamtlichen Initiativen, karitative Einrichtungen und Serviceklubs es hier gibt, die mit Sachverstand und Herz großzügig zu helfen bereit sind. Und sie ist dankbar für deren Engagement, das auch in Erlangen notwendig bleibt, auch wenn man hier die Chance hat, älter und glücklicher als andernorts zu werden.

Rotary 5

Elisabeth Preuß

Schön und ermutigend, wenn es da Netzwerke wie Rotary gibt, die sich nicht nur selbst auf vielfache Weise für das Gemeinwohl einsetzen, sondern auch Menschen auszeichnen, die ihren Beitrag leisten, um das Leben anderer reicher zu machen. Der Preis, der gestern im „Haus der Kirche Kreuz & Quer“  nach einem erhellenden Festvortrag des Stadtarchivars, Andreas Jakob, zum „Gemeinsinn in Erlangen in der guten alten Zeit“ an den „Sonderfonds für Kinder der Bürgerstiftung“ und an den „wabe e.V.“ sowie an Peter Steger vergeben wurde, gilt denn auch als die höchste zivilgesellschaftliche Ehrung in Erlangen.

Andreas Knorr und Peter Steger

Als solche verstand sie denn auch Peter Steger, der den Preis aus den Händen des Präsidenten von Rotary Erlangen, Andreas Knorr, entgegennehmen durfte. Als Anerkennung und Ermunterung stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen, die in der Völkerverständigung, besonders in der Partnerschaft mit Wladimir, tätig sind. Als Verpflichtung, gerade jetzt, wo die geopolitische Lage es mehr denn je erfordert, die bürgerschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Ländern zu erhalten und zu festigen.

Peter Steger

Gerade in der Zusammenarbeit mit Wladimir hat Rotary bereits die unterschiedlichsten Projekte unterstützt: von der Aktion „Hilfe für Wladimir“ in den frühen 90er Jahren über Schul- und Bildungsprojekte bis hin zum bis heute geförderten Austausch von Medizinern und Hospitanten im Bereich Gastronomie.

Rotary 6

Andreas Jakob

Und schließlich der Band „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ mit Erinnerungen von Wehrmachtssoldaten an ihre Zeit in den Gefangenenlagern in und um Wladimir, der ohne den finanziellen Beitrag von Rotary und die Unterstützung durch Stadtarchivar Andreas Jakob so nicht hätte erscheinen können.

Evelin Lehmann-Leopold, Ursula Kosmalla (wabe e.V.), Michaela Weiß (Präsidentin RC Erlangen-Ohm), Andreas Knorr (Präsident RC Erlangen), Peter Steger, Ute Hirschfelder (Sonderfonds für Kinder der Bürgerstiftung Erlangen) und Andreas Magerl (Präsident RC Erlangen-Schloß)

In seiner Dankrede wies denn Peter Steger auch auf die Besonderheit Erlangens hin, wo gerade die Partnerschaft mit Wladimir, aber auch die anderen internationalen Kontakte, von der Politik gewollt sind und von der Gesellschaft getragen werden: „An welche Tür man auch klopft, es wird einem aufgetan.“ Besonders das Haus der Rotarier steht immer offen, wenn man Hilfe braucht.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Eine schöne Fügung: Vor zehn Jahren wurde bereits Jürgen Ganzmann, damals noch Werkstattleiter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, später Leiter der WAB Kosbach und heute designierter Geschäftsführer des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, mit just diesem Preis für sein Psychiatrie-Projekt mit Wladimir ausgezeichnet. Nun kehrt die Auszeichnung noch einmal in die Partnerstadt zurück, und bald wird davon zu berichten sein, wofür das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro eingesetzt wird. Fortsetzung folgt.

Read Full Post »


Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

Read Full Post »


Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

Read Full Post »


Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

Read Full Post »


„Gerade weil man an der gegenwärtigen Lage in der Welt verzweifeln könnte“, so Susanne Lender-Cassens, „ist Ihr Beispiel der Versöhnung und Verständigung so wichtig.“ Ganze zwei Stunden nahm sich Erlangens Bürgermeisterin Zeit für die zum Teil von weither angereisten Veteranen, um mit ihnen am Samstagmorgen im Rathaus zu sprechen.

Susanne Lender-Cassens, Fritz Rösch und Friedhelm Kröger

Von den regelmäßigen Treffen der ehemaligen Kriegsgefangenen in Lagern in und um Wladimir weiß Susanne Lender-Cassens, seit sie die Runde im Vorjahr empfangen hatte. Nun, bei der mittlerweile vierzehnten Begegnung dieser Art, ist auch Zeit für längere Gespräche.

Philipp Dörr und Jürgen Ganzmann

Doch erst noch einmal kurz zurück in die Geschichte dieses Veteranenkreises. Friedhelm Kröger reiste mit seiner Frau Christa im Jahr 2000 als Mitglied einer Bürgergruppe nach Wladimir, um die Stätten seiner Gefangenschaft wiederzusehen. Obwohl er sich 1949, nach der Entlassung aus dem Lager, geschworen hatte, nie wieder hierher zurückzukehren. Nun aber kam er von der Reise mit der Idee zurück, Kameraden von damals zu suchen, die seinerzeit auch in Wladimir und Umgebung interniert waren.

Paul und Werner Hütter

Auf sein Inserat im „Heimkehrer“ hin meldeten sich zunächst einige, später kamen mehr dazu, und über die Jahre traf man sich immer an verschiedenen Orten, wo einer der Veteranen lebte, von Burg auf Fehmarn über Minden, Walkenried, Schmalkalden, von Fränkisch Crumbach bis Erlangen, wo man schließlich in den letzten Jahren auch blieb.

Gruppenbild mit Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens

Man könnte meinen, es sei nun alles erzählt und berichtet – zumal der Blog die letzten neun Begegnungen protokolliert hat, zumal es mittlerweile den Erinnerungsband „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ gibt -, aber aus dem Gedächtnis der ehemaligen Wehrmachtsangehörigen tauchen immer wieder neue Episoden aus Krieg und Gefangenschaft auf.

Paul Hütter und Philipp Dörr

Da ist die Erinnerung von Wolfgang Morell an den „Blauen“ im Lager, den Vertreter des NKWD, des Geheimdienstes, bei dessen Erscheinen alle spurten, aber er berichtet natürlich auch von seiner Reise nach Wladimir und Nischnij Nowgorod im April, vor allem aber von dem Theaterstück, das nach seinen Erlebnissen entstand und nun im Oktober auch in Erlangen von russischen Schülern aufgeführt wird.

Christa Kröger, Kurt Seeber, Philipp Dörr; Clara Müller, Wolfgang Morell, Paul Hütter und Friedhelm Kröger

Da ist die Erinnerung von Paul Hütter, der mit seinen 93 Jahren noch alle Treppen bis hinauf in den achten Stock des Wohnstiftes Rathsberg zum Café läuft, ohne Stock und Handlauf, geraden Rückens – und wieder hinunter -, an den Posten mit der Pistole, auf die Gefangenen gerichtet, die sich weigern, zwangsfreiwillig an ihrem freien Tag gemeinnützige Arbeit zu verrichten. Schießen will der Wachmann dann aber doch nicht und marschiert nach einem saftigen Fluch mit dem Trupp unverrichteter Dinge wieder zurück ins Lager.

Wolfgang Morell und Paul Hütter

Paul Hütter, der noch immer Radtouren von bis zu 60 km Länge unternimmt, auf einen E-Motor mit dem Hinweis verzichtet, davon bekomme man nur einen dicken Bauch, und dafür auf „Kräuterspeck“ – Knoblauch, Zwiebeln und Dill – schwört, wußte sich aber auch mutig zu wehren. Als ein Wachposten ihn einmal schlagen wollte, nahm er die Gabel zur Hand, mit der die Kartoffeln verladen werden sollten, und drohte – erfolgreich. Vielleicht wurde der Schlesier deshalb auch erst später aus dem Lager entlassen als die anderen…

Philipp Dörr und Fritz Wittmann

Früher nach Hause durften besonders Männer wie der Thüringer, Kurt Seeber, die aus der sowjetisch besetzten Zone stammten und von denen man glaubte, sie zum Aufbau der DDR gebrauchen zu können. Sie mußten sich für die „bewaffneten Kräfte“ – Polizei, Grenzschutz etc. – verpflichten, durften dann aber gar nicht zur Familie, sondern wurden gleich kaserniert. Kurt Seeber türmte zunächst, wurde festgesetzt und quittierte den Dienst bereits nach einem Jahr.

Friedhelm Kröger, Paul Hütter, Clara Müller und Kurt Seeber

So unterschiedlich die Herkunft, so verschieden auch die Behandlung in der Gefangenschaft. Fritz Wittmann, der sich als „Friedensgefangener“ bezeichnet, weil er sich erst in den letzten Kriegstagen der Roten Armee ergab, wundert sich bis heute, nie geschlagen oder beschimpft worden zu sein. Aber es mag wohl schwerer gewesen sein, schon wie Wolfgang Morell nach nur zwölf Tagen an der Front bereits im Winter 1942 in Gefangenschaft geraten zu sein – und acht Jahre lang zu büßen.

Philipp Dörr und Fritz Wittmann, Christa Kröger, Clara Müller, Kurt Seeber, Friedhelm Kröger, Paul Hütter und Elisabeth Wittmann

Glück hatten sie jedenfalls alle und einen guten Schutzengel, trotz Hunger und Krankheit – und dank manch einem Stück Brot, das man ihnen zugesteckt hatte, sowie dank der Hilfe von russischen Ärzten und Krankenschwestern – überlebt zu haben und noch heute davon Zeugnis ablegen zu können, wie aus einstigen Feinden heute Freunde werden. Denn eines eint all die Veteranen, die heute wieder in den Odenwald, nach Minden, in den Thüringer Wald und in den Westerwald zurückkehren: Sie sind alle zurückgekehrt nach Wladimir – manche wie Philipp Dörr und Wolfgang Morell sogar mehrmals – und leben uns vor, wie Versöhnung und Verständigung wirken, gerade dann, wenn man an der Lage in der Welt verzweifeln könnte.

 

 

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: