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Posts Tagged ‘Jürgen Ganzmann’


Es wurde ja bereits angekündigt: Zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ sollte es mit der Auszeichnung herausragender Projekte im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eine Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben. Preisträger der Blog, den Sie gerade lesen, und das Gesprächsforum „Prisma“, das Sie aus der Lektüre des Blog bereits kennen.

Sergej Lawrow, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß und Heiko Maas

Mehr als 250 Projekte hatten sich beim Deutsch-Russischen Forum, dem für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung nicht genug gedankt werden kann, um die Urkunde beworben, die gestern im Außenministerium zu Berlin Heiko Maas und Sergej Lawrow am späteren Nachmittag an die 30 von der Jury ausgewählten Partnerschaftspaare überreichten. Einzig Erlangen und Wladimir wurden dabei mit einer doppelten Urkunde ausgezeichnet.

Im Wimmelbild der Ausgezeichneten: Alina Kartuchina und Elisabeth Preuß

Für Erlangen nahm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Auszeichnung entgegen, selbst häufig mit eigenen Beiträgen im Blog vertreten und regelmäßige Leserin der Plattform, aus Wladimir war zu der Zeremonie Alina Kartuchina angereist, die selbst Ende Januar d.J. als Jugendvertreterin an dem Diskussionsforum „Prisma“ teilgenommen hatte und die Partnerschaft schon vom Schüleraustausch her bestens kennt. Eine gute Wahl also, eine gute Vertretung für Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die ihren Besuch kurzfristig hatte absagen müssen, weil das Ergebnis der Gouverneurswahlen vom vergangenen Sonntag eine Stichwahl am übernächsten Sonntag notwendig macht und somit Präsenzpflicht für alle Kommunalpolitiker gilt.

Die Partnerschaftsdelegation: Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Mit dabei aber auch die Historikerin, Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neue und Neueste Geschichte an der FAU und Sprecherin von Prisma deutscherseits, sowie Jürgen Ganzmann, seit 1999 mit seinen Projekten im Bereich Behindertenarbeit und Psychiatrie einer der großen Akteure der Partnerschaft.

Alina Kartuchina und Peter Steger

Warum nun die Auszeichnung für den Blog? Unter den mittlerweile offiziell geführten 105 deutsch-russischen Städtepartnerschaften ist er wohl das einzige Medium, das seit nunmehr zehn Jahren Tag für Tag über den Austausch berichtet und dabei bereits deutlich über eine Million Aufrufe zu verzeichnen hat. Mehr noch: Den aktuell 3.860 Einträgen stehen 1.172 Kommentare gegenüber, die – all die Gastbeiträge gar nicht berücksichtigt – beweisen, welch ein interaktives Leben diese Internetplattform führt. Es ist also eine Auszeichnung nicht nur für den ehrenamtlichen Betreiber des Blogs, sondern vor allem auch für Sie alle, die jetzt gerade diese Zeilen lesen. Ohne Ihre Rückmeldungen, Kommentare, Ermunterungen, kritische Anmerkungen und eigenen Beiträge wäre der Blog längst wieder eingestellt. Danke also an Sie alle!

Großer Saal, voller Saal im Außenministerium zu Berlin

Vor dem Preis floß dann aber auch der Schweiß. In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Strategien für eine Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen und Regionen, Zivilgesellschaft und Ihre Gestaltungskraft für Städtepartnerschaften oder Projekte der Zusammenarbeit im sozialen Bereich.

Volle Arbeitsgruppen

Zu einem weiteren Arbeitskreis war eigens Konrad Wölfel, im Erlanger Amt für Umweltschutz und Energiefragen zuständig für Klimaschutz und Energieberatung, angereist – und traf auf Sergej Siwajew, in den 90er Jahren Vizebürgermeister von Wladimir, mittlerweile als Professor für Urbanistik in Moskau und seit kurzem auch als Fachgebietsleiter bei Rostelecom tätig. Die beiden fanden auf Anhieb zueinander – und schon zeichnet sich ein neues Projekt ab.

Sergej Siwajew und Konrad Wölfel

Sergej Siwajew berät nämlich russische Kommunen dabei, effizienter mit Energie umzugehen. Dabei soll auch das deutsche Modell helfen, wonach – wie in Erlangen – städtische oder staatliche Einrichtungen in Fragen wie Strom und Heizung von einem eigenen Gebäudemanagement betreut werden. In russischen Städten und Gemeinden zeichnet dafür noch immer die Schulleitung oder die Direktion des Krankenhauses verantwortlich – und ist damit häufig überfordert.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Dies soll sich nun ändern, und so darf man also mit einer baldigen Annahme der Einladung nach Erlangen rechnen, ausgesprochen an Sergej Siwajew natürlich auch von Elisabeth Preuß. Am Rande der Begegnungen dann ein weiteres Projekt, an dem Erlangens Bürgermeisterin beteiligt sein wird: Anfang November, wenn sie ohnehin zum nächsten Treffen von Prisma nach Wladimir kommt, nimmt sie in der Partnerstadt an einer Konferenz zu Fragen der kommunalen Selbstverwaltung teil, organisiert von Emil Markwart, Professor an der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung in Moskau. Man ruht sich ja nicht auf den Lorbeeren der Partnerschaft aus…

Jurij Katz aus Wladimir

Wie weit diese Partnerschaft über Erlangen hinaus wirkt, sieht man etwa an obigem Bild, das, rechts stehend, Jurij Katz zeigt, den Gründer der Selbsthilfeorganisation Swet, hier bei einer Konferenz mit dem Verein „Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg – Dagestan“, wo der Vorreiter einer russischen „Lebenshilfe“ gerade auch seine in Franken gesammelten Erfahrungen vermitteln kann.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Unterdessen ging Jürgen Ganzmann, Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, auf Autogrammjagd. Gabriele Krone-Schmalz hatte 2001 den Vorsitz bei der Jury, die den „Preis für bürgerschaftliches Engagement“ in vier Kategorien an die Partnerschaft Erlangen-Wladimir vergab, darunter an das Projekt „Lichtblick“ von Jürgen Ganzmann, der dann im Jahr 2002 den 1. Preis zusammen mit Fritz Wittmann, Brüne Soltau und Peter Steger aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau entgegennehmen konnte. Da kommen Erinnerungen hoch.

Jürgen Ganzmann und Sergej Lawrow

Aber es geht ja weiter, wie beide Außenminister, die sich vertraut beim Vornamen nennen, es sich wünschen. Gerade in politisch schwierigen Zeiten. Die Zivilgesellschaft ist da gefordert wie nie zuvor, aber sie wird auch gefördert. Das Außenministerium stellt als Gastgeber Millionen für die Förderung des Austausches zur Verfügung, die Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften, das Deutsch-Russische Forum – sie alle unterstützen Initiativen und Projekte des Miteinanders.

Nikolaj Kaplenko und Konrad Krebs

Und schließlich gibt es da auch noch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der etwa auch die Arbeit der Eurowerkstatt in Jena unterstützt, von wo Konrad Krebs mit Nikolaj Kaplenko aus Wladimir zur Konferenz kam, auch wenn ihr Projekt dieses Mal keine Auszeichnung erhielt. Aber auch da geht die Verständigungsarbeit weiter.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Dennoch: Es könnte noch viel getan werden für das deutsch-russische Miteinander. In der gemeinsamen Erklärung der Veranstaltung  fordern die Veranstalter deshalb auch neben Erleichterungen bei der Erteilung von Visa und Verbesserungen bei den Bedingungen für Praktika und Hospitationen Unterstützung bei der Gründung eines deutsch-russischen Koordinationsrates der Partnerstädte.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Vor allem aber: Es kann und darf nicht bei den etwa einhundert kommunalen Partnerschaften bleiben, die in keinem Verhältnis zu den 2.200 deutsch-französischen Verbindungen stehen. Immerhin liierten sich während der Tagung drei neue deutsch-russische Paare – Greifswald & Wyborg, Schwedt & Tuapse siwie Lahr & Swenigorod -, und 2019 soll dann das Deutsch-Russische Jahr der Wissenschaften ausgerufen werden. Es geht also weiter – schon Ende September mit dem deutsch-russischen Jugendforum in Hamburg, an dem Gruppen aus Jena und Wladimir teilnehmen…

Auszeichnung 16

Doch, weil’s so schön war, hier noch einmal das Gruppenbild.

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Persönliche Beratung und Assistenz für Menschen mit Behinderungen ist das zentrale Anliegen des 1989 gegründeten „Zentrums für Selbstbestimmtes Leben“, Themen, mit denen Jürgen Ganzmann als langjähriger ehrenamtlicher Behindertenberater des Landkreises Erlangen-Höchstadt bestens vertraut ist, Themen, die den seit Anfang Juni als Geschäftsführer der Einrichtung tätigen Weisendorfer auch eng mit Wladimir verbinden.

Jürgen Ganzmann

Noch als Leiter der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf baute er das Projekt „Lichtblick“ mit der Psychiatrie in der russischen Partnerstadt ab 1999 auf und führte dieses einzigartige und mehrfach ausgezeichnete Werk, das schließlich im „Blauen Himmel“ mündete, über alle seine weiteren Stationen als Direktor des Altenheims in Etzelskirchen und später als Geschäftsführer der WAB Kosbach fort.

Jürgen Ganzmann

Nun also das ZSL mit fast 200 Assistenzkräften und einem dreißigjährigen Erfahrungsschatz, der übrigens schon Anfang der 90er Jahre auch in Jena beim Aufbau eines ähnlichen Zentrums fruchtbar wurde. Wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, es wird nicht lange dauern, bis er auch in dieser Funktion im Austausch mit Wladimir ganz neue Akzente setzt. Es sei nur auf die wiederholten Besuche von Jurij Katz hingewiesen, der ja mit seiner Selbsthilfeorganisation „Swet“ etwas durchaus Vergleichbares geschaffen hat.

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Um das allenthalben unterschätzte Berufsbild der Pflegekräfte in der Medizin aufzuwerten, veranstaltet das Gesundheitswesen der Russischen Föderation landesweit in verschiedenen Kategorien Wettbewerbe für die besten Fachleute, die nur allzu oft unbemerkt im Hintergrund bleiben und den Ärzten die Bühne überlassen. Dabei ist doch deren Arbeit nicht nur näher am Patienten, sondern schafft auch die Voraussetzung für eine gelungene Therapie und Rehabilitation. In der Nomination „Für Berufstreue“ belegte nun Tamara Skworzowa, Oberschwester am Psychiatrischen Krankenhaus Nr. 1 in der Partnerstadt, mit ihrer Arbeit über das Projekt „Lichtblick“ den ersten Platz der Region Wladimir.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Die Krankenschwester mit reicher Austauscherfahrung legte ihrer Analyse die Zusammenarbeit mit Erlangen seit dem Jahr 2000 zugrunde und reichte das Papier mittlerweile beim Gesundheitsministerium in Moskau ein. Gut möglich, daß dank Tamara Skworzowa im Herbst, wenn die Jury ihre Entscheidung fällt, das Partnerschaftsprojekt, erdacht und koordiniert von Jürgen Ganzmann, auch die verdiente überregionale Anerkennung genießen darf. Zu gönnen wäre es allen Beteiligten.

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Welche Bedeutung für die Stadtgesellschaft der Rotary Preis in den zehn Jahren gewonnen hat, seit er von allen drei Erlanger Klubs in einer Gemeinschaftsaktion vergeben wird, bringt Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrem Grußwort zum Ausdruck. Dank ihrer Funktion als Referentin für den Sozialbereich kennt sie wie kaum jemand sonst die Lage von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Sie weiß aber auch, welche ehrenamtlichen Initiativen, karitative Einrichtungen und Serviceklubs es hier gibt, die mit Sachverstand und Herz großzügig zu helfen bereit sind. Und sie ist dankbar für deren Engagement, das auch in Erlangen notwendig bleibt, auch wenn man hier die Chance hat, älter und glücklicher als andernorts zu werden.

Rotary 5

Elisabeth Preuß

Schön und ermutigend, wenn es da Netzwerke wie Rotary gibt, die sich nicht nur selbst auf vielfache Weise für das Gemeinwohl einsetzen, sondern auch Menschen auszeichnen, die ihren Beitrag leisten, um das Leben anderer reicher zu machen. Der Preis, der gestern im „Haus der Kirche Kreuz & Quer“  nach einem erhellenden Festvortrag des Stadtarchivars, Andreas Jakob, zum „Gemeinsinn in Erlangen in der guten alten Zeit“ an den „Sonderfonds für Kinder der Bürgerstiftung“ und an den „wabe e.V.“ sowie an Peter Steger vergeben wurde, gilt denn auch als die höchste zivilgesellschaftliche Ehrung in Erlangen.

Andreas Knorr und Peter Steger

Als solche verstand sie denn auch Peter Steger, der den Preis aus den Händen des Präsidenten von Rotary Erlangen, Andreas Knorr, entgegennehmen durfte. Als Anerkennung und Ermunterung stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen, die in der Völkerverständigung, besonders in der Partnerschaft mit Wladimir, tätig sind. Als Verpflichtung, gerade jetzt, wo die geopolitische Lage es mehr denn je erfordert, die bürgerschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Ländern zu erhalten und zu festigen.

Peter Steger

Gerade in der Zusammenarbeit mit Wladimir hat Rotary bereits die unterschiedlichsten Projekte unterstützt: von der Aktion „Hilfe für Wladimir“ in den frühen 90er Jahren über Schul- und Bildungsprojekte bis hin zum bis heute geförderten Austausch von Medizinern und Hospitanten im Bereich Gastronomie.

Rotary 6

Andreas Jakob

Und schließlich der Band „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ mit Erinnerungen von Wehrmachtssoldaten an ihre Zeit in den Gefangenenlagern in und um Wladimir, der ohne den finanziellen Beitrag von Rotary und die Unterstützung durch Stadtarchivar Andreas Jakob so nicht hätte erscheinen können.

Evelin Lehmann-Leopold, Ursula Kosmalla (wabe e.V.), Michaela Weiß (Präsidentin RC Erlangen-Ohm), Andreas Knorr (Präsident RC Erlangen), Peter Steger, Ute Hirschfelder (Sonderfonds für Kinder der Bürgerstiftung Erlangen) und Andreas Magerl (Präsident RC Erlangen-Schloß)

In seiner Dankrede wies denn Peter Steger auch auf die Besonderheit Erlangens hin, wo gerade die Partnerschaft mit Wladimir, aber auch die anderen internationalen Kontakte, von der Politik gewollt sind und von der Gesellschaft getragen werden: „An welche Tür man auch klopft, es wird einem aufgetan.“ Besonders das Haus der Rotarier steht immer offen, wenn man Hilfe braucht.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Eine schöne Fügung: Vor zehn Jahren wurde bereits Jürgen Ganzmann, damals noch Werkstattleiter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, später Leiter der WAB Kosbach und heute designierter Geschäftsführer des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, mit just diesem Preis für sein Psychiatrie-Projekt mit Wladimir ausgezeichnet. Nun kehrt die Auszeichnung noch einmal in die Partnerstadt zurück, und bald wird davon zu berichten sein, wofür das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro eingesetzt wird. Fortsetzung folgt.

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Auch nach dem erst vor einem Jahr vollzogenen Wechsel des Betreibers – von den Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Malteser – bleibt das Waldkrankenhaus in Erlangen auf seinem internationalen Kurs und weiter offen für den Austausch mit Wladimir. Sogar mehr denn je.

Roman Lorz und Guram Tschjotschjew

Guram Tschjotschjew kam als junger Orthopäde mit der ersten Medizinerdelegation aus der Partnerstadt erstmals 1991 hierher und fand so Anschluß an Forschung und Lehre im Westen. Vor allem aber fand er Freunde und Kollegen, die ihn förderten und ihn auf den Wegen in die weltweit agierenden Gremien und Verbände begleiteten. Der Nordossete, in den 80er Jahren aus dem Kaukasus nach Wladimir gekommen, hatte sich in der neuen Heimat schon einen Namen bei der Behandlung von kleinwüchsigen Kindern gemacht. Nun fand er aber auch in Erlangen Anerkennung und rasch Aufnahme in den Deutschen und Amerikanischen Orthopädenverband, hielt weltweit Vorträge zu seinem Fachgebiet, habilitierte sich und gilt heute als Koryphäe nicht nur in seinem Land.

Raimund Forst und Guram Tschjotschjew, die beiden Professoren der Orthopädie

Bestimmt sieben bis acht Hospitationen folgten am Waldkrankenhaus, doch der letzte Besuch liegt nun doch schon zwölf Jahre zurück. Zeit, die Fäden wieder aufzunehmen. Und in Raimund Forst, Direktor des Universitätsklinikums im Waldkrankenhaus, findet der Gast denn am Freitag auch das Gegenüber, auf das er gehofft hatte. Schon nach wenigen Minuten ist man sich einig, der Austausch soll fortgesetzt werden, und es gibt auch gleich ein Thema, das den Gast brennend interessiert und wo der deutsche Kollege Pionierarbeit leistet: Duchenne, eine seltene, tödlich für die Kinder verlaufende Muskeldystrophie. Dank der Therapie von Raimund Forst werden nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch die Lebenserwartung steigt signifikant an. Bisher kann man den Kindern in Rußland nicht helfen; das könnte sich jetzt bald ändern.

Chefarzt Horst Beyer und Guram Tschjotschjew

Und dann ein Rückblick auf die Geschichte des Waldkrankenhauses mit dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Horst Beyer, der auch seinerseits Bereitschaft zeigt, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen. Beste Voraussetzungen also für ein ganz neues Projekt, das Ingrid Dresel-Fischer, Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege, und Roman Lorz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Waldkrankenhaus, vorschlagen: einen Austausch im Bereich der Pflegekräfte. Guram Tschjotschjew, hocherfreut über das Angebot, will sich in Wladimir umgehend in der Sache kundig machen und schlägt seinerseits vor, das Projekt mit älteren und erfahreneren Schwestern zu beginnen, um dann zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Eines ist klar: Da wächst schon bald ein neues Pflänzchen im fruchtbaren Garten der Partnerschaft.

Roman Lorz, Ingrid Dresel-Fischer und Guram Tschjotschjew

Den viertägigen Arbeitsbesuch beendete die fünfköpfige Delegation von Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Kreis von alten Freunden. Vor genau 20 Jahren war Jürgen Ganzmann, damals Leiter der Werkstatt bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, heute Geschäftsführer der WAB Kosbach, zum ersten Mal in Wladimir und kam mit der Idee zurück, im Bereich der Psychiatrie das Projekt „Lichtblick“ zu gründen, das in einen breiten Austausch mit ungezählten Praktika mündete und schließlich sogar den „Blauen Himmel“ mit seinem erlebnispädagogischem Ansatz hervorbrachte. In das Netzwerk mit Wladimir sind nun auch Städte wie Pskow, Nischnij Nowgorod und Irkutsk eingebunden, wobei Wladimir natürlich auch in Zukunft den Schwerpunkt bilden soll. Immer dem Motto entsprechend: Nicht alles bei uns ist gut, und nicht alles bei euch ist schlecht. Also im Geist des gegenseitigen Lernens.

Nadja Steger, Guram Tschjotschjew, Irina Tartakowskaja, Alina Kartuchina, Melitta Schön, Hans Ziegler, Olga Dejewa, Wladimir Rybkin, Jürgen Üblacker, Arina Alstrud, Jürgen Ganzmann und Alexander Krutow

„So oft ich jetzt schon in Erlangen war und Gäste aus der Partnerstadt in Wladimir empfangen konnte“, meinte am späten Freitagnachmittag kurz vor der Heimreise Olga Dejewa, „einen derart intensiven Einblick in die Dinge, einen derart innigen Kontakt zu den Menschen habe ich bisher noch nie erlebt. Wir gehören wirklich zusammen und können nichts Besseres tun, als noch viel öfter zusammenzukommen.“ Aber auch in Erlangen darf man ein erfreuliches Fazit ziehen. Das Konzept von „Prisma“ bewährt sich und verspricht für die Zukunft noch viele solcher Begegnungen, die zusammenbringen, was zusammenwill.

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Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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