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Posts Tagged ‘Jürgen Ganzmann’


Eigentlich würde dieses Jubiläum eine ganz eigene Würdigung verdienen, aber wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, wie wenig ihm an Aufhebens um seine Person liegt. Ihm ging und geht es um die Menschen, in deren Dienst er sich beruflich wie ehrenamtlich stellt. So will es denn auch der Blog heute auch bei der schlichten Bemerkung bewenden lassen, daß der Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben heuer sein zwanzigjähriges Jubiläum der Zusammenarbeit mit Wladimir begeht und mit immer neuen Ideen und Impulsen weiterführt, was einmal mit der Kinderpsychiatrie begann und fortgesetzt wurde mit dem 2002 von Bundespräsident Johannes Rau ausgezeichneten Projekt „Lichtblick“, das sich dann mit einem weitverzweigten Austauschprogramm mit hunderten von Hospitationen weiterentwickelte zum „Blauen Himmel“, um schließlich in der Einführung von Erlebnispädagogik und in der inhaltlichen Unterstützung der Selbsthilfegruppe für Eltern mit schwerbehinderten Kindern „Swet“ zu münden, um nur die wichtigsten Stationen zu skizzieren.

Jurij Katz, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann

Im Jahr 2010 dann eine wichtige Wegmarke mit der Aufnahme einer Kooperation mit Bernd Schleberger, der von Pskow aus ein Netzwerk für die Behindertenarbeit in russischen Städten und Regionen aufbaute. Siehe hierzu: https://is.gd/gjzjaw. Was sich in den Jahren seither tat, verdient höchste Anerkennung und jede denkbare Auszeichnung, denn mittlerweile ist da eine regelrechte Bewegung entstanden, die bilateral auf der Ebene von Experten und Praktikern die Fragen von Inklusion und barrierefreier Gesellschaft spürbar voranbringen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, resümiert jedenfalls Jürgen Ganzmann das letzte Treffen in Pskow vom 7. bis 11. April unter dem Titel „Entwicklung eines idealen Modells zu ambulanten Betreuungsdiensten für Menschen mit geistiger Behinderung“.

Jürgen Ganzmann, Ajschat Gamsajewa (Machatschkala), Roman Alexandrow und Jurij Katz

Acht Regionen – von Archangelsk bis Machatschkala, von Kaliningrad bis Irkutsk – und – erstmals als trilateraler Partner eine Delegation aus Minsk – trafen sich mit Jürgen Ganzmann und seiner Mitarbeiterin Arina Alstut – die beiden einzigen Fachleute aus Deutschland! – sowie mit Jurij Katz, Gründer von „Swet“, und Roman Alexandrow, Direktor des Jugendzentrums der Stadtverwaltung Wladimir. Nicht von ungefähr in dieser Konstellation, denn die Kooperation Erlangen-Wladimir gilt mittlerweile in diesen Fragen als Blaupause, und die Erfolge der russischen Partnerstadt – vor allem im Bereich „betreutes Wohnen“ – betrachtet man inzwischen landesweit als wegweisend zu einem idealen Modell. Schon entstanden nun nach dem Vorbild von Wladimir auch in Nischnij Nowgorod und Sankt Petersburg erste Projekte mit betreutem Wohnen. Um einander aber noch besser zu verstehen – die Begriffe sind in ihrer Vieldeutigkeit oft schwer zu übertragen – arbeitet man nun an einem Glossar zum Thema, das auch die unterschiedlichen bürokratischen Systeme transparent machen soll. Ermutigend dabei: Die Nichtregierungsorganisationen erfahren durch die örtlichen Behörden zunehmend Unterstützung, was sich auch darin ausdrückt, daß die Delegationen von Vertretern der kommunalen Verwaltungen begleitet wurden. Nur so lassen sich die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention, die ja auch die Russische Föderation unterzeichnete, erreichen. Die föderalen Gesetze sind nämlich – ähnlich wie in Deutschland – das eine, aber die Durchführung nach Kassenlage vor Ort etwas anderes, das sich nur mit dem Ehrenamt ins Werk setzen läßt.

Jürgen Ganzmann und Bernd Schleberger, stellvertretender Vorstand des BDWO und Koordinator des Projekts

Die nächsten Ziele sind nun neben der Einrichtung weiterer Wohnungen mit Betreuung die Organisation von Reisen für Behinderten. Nischnij Nowgorod denkt da an die Route Moskau –  Wladimir – Kasan, und Jurij Katz lädt eine Behindertengruppe aus Erlangen in sein neueröffnetes barrierefreies Haus nach Susdal ein. Noch nicht genug? Natürlich nicht: Im September reist Arina Alstut nach Irkutsk, um in Vertretung des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben zusammen mit 80 russischen Fachleuten Fragen der Betreuung von Behinderten aller Altersstufen zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Eine Einladung, die zeigt, welches Ansehen sich Erlangen auf dem Gebiet erworben hat. Eine Auszeichnung, die Jürgen Ganzmann im zwanzigsten Jahr seines deutsch-russischen Fachaustausches sicher mehr bedeutet als jede Urkunde.

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Besten Dank nochmals für Ihre ausführlichen Informationen über das vielseitige und erfolgreiche Wirken, in besonderer Weise Ihrerseits und anderen Beteiligten, zur Thematik der Behindertenhilfe im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir. Ihre umfassenden, ganzheitlichen Sichtweisen, die Sie ja auch als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter des Landkreises umsetzen, waren beeindruckend und uns Orientierung gebend – das war ja unser Wunsch und Ziel der Informationsfahrt nach Erlangen. Bei dieser Besuchsgelegenheit konnten wir Ihnen und Peter Steger auch vermitteln, wie die Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim/Enzkreis und ich selbst im beruflichen Bereich (ehemals Jugendamtsleitung kreisfreie Stadt) einige Projekte erfolgreich in Irkutsk (ohne Oblast-Bezug) umsetzen konnten (DRG: z.B. Handwerkerfortbildung, Jugendamt: z.B. Jugendhilfesystem-Transformation Pflegeeltern). Es war interessant und hilfreich zugleich, in wesentlichen Punkten etwaiger Ansatzpunkte für ein Engagement zum Aufbau einer qualifizierten Behindertenhilfe in Irkutsk übereinzustimmen. Sehr angenehm war für uns, von Ihnen und vom Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen zu erfahren, daß in Wladimir Oblast- und Stadtverwaltung auch gemeinsame Kooperationspartner sind und vor allem durch die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit heute eine wesentliche Unterscheidung der formalen Zuständigkeit beider Behörden so gut wie nicht erforderlich ist. Insbesondere spielt es demnach für die städtische Partnerschaft keine Rolle, wenn bei einzelnen Projekten – aus welchen Gründen auch immer – die Region Ansprech- bzw. Kooperationspartner ist. Der wesentliche Grund und die Ausgangsbasis sind dort: die eigentliche Zielgruppe der beabsichtigten Wirkungen sind die betroffenen Behinderten(!). Dies wird für uns nunmehr auch die naheliegende Leitorientierung und Argumentation, um dabei maßgebliche Funktionsträger und sonstige Personen kennenzulernen, die mit entsprechender Kompetenz zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit bereit wären. Für die Reise nach Irkutsk von wenigstens zwei Wochen haben wir uns den Monat Mai 2020 in Aussicht genommen. Bis zum Jahresende 2019 sollte der genaue Reisezeitpunkt abgesprochen werden.

Für die Perspektive unserer Zusammenarbeit darf ich mich sehr bedanken und auch die gleichlautende sehr positive Einschätzung von Jörg Göttlicher mit einbeziehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie im Laufe des Jahres einmal nach Pforzheim kämen, um über Ihre Aktivitäten in Wladimir und Umgebung zu berichten (Rahmen Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim). Das organisieren wir sehr gerne. Nach Rücksprache mit unserer Vorsitzenden, Katharina Leicht, melde ich mich wieder.

Jörg Göttlicher, Albina Alstut, Manfred Becker und Jürgen Ganzmann

Dieses Zitat aus einem Schreiben von Manfred Becker bezieht sich auf eine Besprechung mit Jürgen Ganzmann am vergangenen Donnerstag im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben mit dem Ziel, Erfahrungen in der Behindertenarbeit in Wladimir und Irkutsk auszutauschen und in Zukunft inhaltlich zusammenzuarbeiten. Der Träger des Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland baut in den 90er Jahren in der sibirischen Partnerstadt von Pforzheim das erste System von Pflegefamilien auf, das heute landesweit eingeführt ist und erfolgreich – auch in Wladimir – praktiziert wird. Außerdem stiftete er Kindergartenpatenschaften in einer Zeit, als die Kleinen noch meinten, die Altersgenossen im andern Land trügen grüne Haare. Unterstützt von Jörg Göttlicher, promovierter Naturwissenschaftler im Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft, dürfte die Umsetzung dessen, was besprochen wurde, nicht lange auf sich warten lassen, denn Manfred Becker ist ein Mann der Praxis und der Tat, der Ideen möglich macht. Im Gespräch mit einem hochrangigen Politiker in Irkutsk gab er einmal den Tip: „Ein Antragsteller will kein Vielleicht hören, er braucht ein Ja oder ein Nein!“ Nach diesem Prinzip handelt er auch selbst, ebenso wie Jürgen Ganzmann, der im April mit seiner Mitarbeiterin Albina Alstut nach Pskow reist, um dort bei einer Konferenz u.a. die Partner aus Wladimir und Irkutsk zu treffen und zusammenzubringen.

 

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Begonnen hat alles mit Josefa Üblacker, die 1998 beim ersten Besuch im Psychiatrischen Krankenhaus Nr. 1 in Wladimir meinte, sie kenne da jemanden bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, einen gewissen Jürgen Ganzmann, der dabei helfen könne, die Kinder wie Erwachsenen aus der allgemeinen Sedierung herauszuholen. Ein kleiner Hinweis mit großen, ja großartigen Auswirkungen für die Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten, denn schon ein Jahr später reiste der damalige Leiter der Behindertenwerkstatt nach Wladimir und zündete in der Folge ein ganzes Feuerwerk an Ideen und Projekten vor allem für die jungen, aber auch älteren russischen Patienten unter dem Dach der Initiative „Lichtblick“, deren Wirken mit der Einrichtung von Deutschkursen für Hospitanten, der Aufnahme eines intensiven Fachaustausches und der Durchführung von Ausstellungen, die von Erlangen über Bamberg bis nach Graz und Moskau wanderten, 2002 von Bundespräsident Johannes Rau mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ ausgezeichnet wurde. Als „leuchtendes Beispiel für die deutsch-russische Zusammenarbeit“ bezeichnete die Vorsitzende der Jury, Gabriele Krone-Schmalz, die vielfältigen Anstöße des fränkischen Fachmanns für Behindertenarbeit. Dabei konnte die Journalistin noch gar nicht wissen, was ihm noch alles gelingen würde: die erfolgreiche Umsetzung des Gemeinschaftswerks Blauer Himmel als Zentrum für Erlebnispädagogik, die allseitige Unterstützung der Elterninitiative Swet als Wladimirer „Lebenshilfe“ und später, in seiner neuen Position als Leiter des BRK-Altersheims in Etzelskirchen, die Kooperation mit dem psychoneurologischen Internat in Wladimir. Als Geschäftsführer der WAB Kosbach schließlich intensivierte er den Austausch von Fachleuten aus der Psychiatrie und Behindertenarbeit mit Wladimir und machte sogar Kooperationsangebote in Richtung weiterer Partnerstädte wie Riverside, Stoke-on-Trent, Jena oder Cumiana, immer auch in seiner ehrenamtlichen Funktion als Behindertenbeauftragter des Landkreises Erlangen-Höchstadt.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Erst seit kurzem nun leitet Jürgen Ganzmann das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben und setzt auch hier seine Mission fort, Integration und Inklusion für alle Menschen und besonders in Erlangen und seinen Partnerstädten zu ermöglichen. Dazu reist er, wie erst im Oktober wieder, nach Berlin, um Jurij Katz aus Wladimir und Fachleute aus Irkutsk oder Pskow zu treffen, und der Tag wird wohl nicht fern sein, an dem er auch wieder in die Partnerstadt aufbricht.

Jürgen Ganzmann

Ein runder Geburtstag, wie ihn Jürgen Ganzmann heute feiert, bietet aber auch Gelegenheit, auf das entscheidende Moment hinzuweisen: Der Jubilar versteht es, beseelt vom Teamgeist, Menschen, kleine wie große, Fachleute wie Laien, ehrenamtlich tätige wie Funktionäre, Politiker wie Sponsoren für sich und seine Ideen zu gewinnen und davon zu überzeugen, man werde es schaffen, einander – und damit vor allem den Schwächsten der Gesellschaft – das Leben leichter und froher zu machen. Er ist nicht nur ein pulsendes Kraftwerk für Ideen, sondern beherrscht auch – nicht umsonst war er ja erfolgreich Leiter einer Werkstatt – die hohe Kunst der Praxis mit einem scharfen Blick für das finanziell Machbare. Deshalb: Was Jürgen Ganzmann anpackt, nimmt bald Gestalt an und wirkt rasch strahlend über seinen eigentlichen Bereich hinaus.

Jürgen Ganzmann, Irina Chasowa, Guram Tschjotschjew und Josefa Üblacker

Es gibt vieles, wofür man dem Vater von zwei erwachsenen Söhnen heute danken sollte. Vor allem aber für eines: Er hat am richtigen Ort zur rechten Zeit entscheidend dazu beigetragen, den kleinen wie großen Patienten der Psychiatrie in Wladimir dabei zu helfen, aus ihrem stigmatisierten Schattenleben herauszutreten. Dafür nicht nur heute zum 60. Geburtstag: большое спасибо und ein besonderes Vergelt’s Gott für Josefa Üblacker, ohne deren Vermittlung dieser Glücksfall für die Partnerschaft wohl nie eingetreten wäre.

 

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Noch einmal kurz zurück zu dem Treffen in Berlin zum Thema „Teilhabe für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“, angelegt als „praktische Konferenz“, also in Form von Arbeitsgruppen, wo Möglichkeiten besprochen wurden, wie man Sozialzentren vor Ort einrichten kann, die eine möglichst gelungene Inklusion von Menschen mit schweren Einschränkungen zum Ziel haben. (Siehe: https://is.gd/d6FWrQ) Wie wichtig man diese Fragen gerade auch in Wladimir nimmt, zeigt die Teilnahme von Roman Alexandrow, dem Direktor des Jugendzentrums, das sich auf diesem Feld stärker engagieren will.

Jurij Katz, Roman Alexandrow, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann mit zwei der Redaktion unbekannten Damen in der Mitte

Jurij Katz, Gründer von Swet, einer der landesweit ersten, unserer Lebenshilfe vergleichbaren Initiative für Eltern mit zumeist schwerbehinderten Kindern, nutzte den Besuch in der Hauptstadt gestern auch noch zu einem Arbeitstreffen im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das er, damals noch geleitet von Dinah Radtke, bereits seit 2008 kennt. Ungläubig erinnert er sich noch an seinen Disput von damals mit der heutigen Ehrenbürgerin, die darauf beharrte, nur jemand mit einer Behinderung könne und solle Beratung für Menschen mit einem Handicap leisten, während der Gast aus Wladimir vor allem auf der Qualität der Konsultation bestand, die nicht vom Grad der persönlichen Einschränkung abhänge. Beide blieben damals bei ihrer Position, und beide hätten sich seinerzeit wohl nicht vorstellen können, daß heute das Zentrum von Jürgen Ganzmann geleitet wird, der zwar weiß Gott viel Erfahrung mitbringt, aber keine eigene Behinderung erkennen läßt.

Jurij Katz, Rainer Keßler, Albina Alstut und Axel Ebinger

Heute sei man da tatsächlich flexibler, meint denn auch Rainer Keßler, der als Leiter der Offenen Behindertenarbeit, freilich weiterhin meint, eine persönliche Betroffenheit erleichtere den Zugang zu Menschen mit einer ähnlichen Behinderung. In der Verwaltung freilich könne man aber – so wie Albina Alstut als Teamleiterin und dank ihrer Russischkenntnisse Verbindungsfrau zu Wladimir – auch als jemand ohne Einschränkungen arbeiten. Stichwort „arbeiten“. Jurij Katz bringt ein neues Projekt ins Gespräch: Einen inklusiven Jugendaustausch zwischen den Partnerstädten. Eine durchaus aufwendige Sache, die hier wie dort viel Vorbereitung braucht. Aber versuchen will man es auf jeden Fall, und schon im Dezember will man die Entscheidung treffen. Ganz im Sinne der „praktischen Konferenz“ in Berlin – etwas zum Anpacken.

Siehe auch: https://is.gd/GRGutg

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Jürgen Ganzmann, seit 1999 in der Städtepartnerschaft mit Wladimir aktiv, hielt sich Ende vergangener Woche zu einer Tagung in Berlin auf, wo sich im Russischen Haus der Wissenschaft an der Friedrichstraße eine Expertengruppe aus sieben deutsch-russischen Projektpaaren zum Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderung trafen. Erstmals dabei auch ein Gast aus Minsk.

Jürgen Ganzmann (2. v.l.) und Jurij Katz (6. v.l.) bei einer Tagung in Pskow, November 2017

Besonders freute sich der Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, Jurij Katz aus Wladimir, Gründer der Elternselbsthilfegruppe Swet wiederzusehen, mit dem er seit Jahren zusammenarbeitet, und der dieser Tage auch noch in Erlangen erwartet wird. Doch Jürgen Ganzmann wäre nicht der, als den man ihn kennt, wenn da nicht noch mehr wäre, etwa der Plan, auch mit Initiativen aus Irkutsk und Nischnij Nowgorod eine Projektpartnerschaft einzugehen. Denn:

Wenn wir dazu beitragen können, die Gesellschaft in unseren Ländern zu verändern, und Schritte nach vorne gehen, bringt uns das dem Ziel einer möglichst vollständigen Teilhabe für Menschen mit Behinderung näher. Hierfür lohnt sich jedes Engagement.

Jürgen Ganzmann

Gerade das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das übrigens Anfang der 90er Jahre eine gleichartige Einrichtung in Jena zu gründen half, ist auf diesem Weg sehr weit fortgeschritten, vor allem auch mit der Schaffung von Voraussetzungen für behindertengerechte Arbeitsplätze und damit der Ermöglichung von Inklusion. Da, so Jürgen Ganzmann, ist es besonders wichtig, in Zeiten von politischen Spannungen als Nichtregierungsorganisationen grenzüberschreitend zu kooperieren:

Hier hat sich die Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir als äußerst stabil erwiesen. Ich freue mich somit auf die weiteren Gespräche und Ergebnisse dieser Tagung und die künftige Zusammenarbeit mit Wladimir, Irkutsk und Nischnij Nowgorod.

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Es wurde ja bereits angekündigt: Zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ sollte es mit der Auszeichnung herausragender Projekte im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eine Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben. Preisträger der Blog, den Sie gerade lesen, und das Gesprächsforum „Prisma“, das Sie aus der Lektüre des Blog bereits kennen.

Sergej Lawrow, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß und Heiko Maas

Mehr als 250 Projekte hatten sich beim Deutsch-Russischen Forum, dem für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung nicht genug gedankt werden kann, um die Urkunde beworben, die gestern im Außenministerium zu Berlin Heiko Maas und Sergej Lawrow am späteren Nachmittag an die 30 von der Jury ausgewählten Partnerschaftspaare überreichten. Einzig Erlangen und Wladimir wurden dabei mit einer doppelten Urkunde ausgezeichnet.

Im Wimmelbild der Ausgezeichneten: Alina Kartuchina und Elisabeth Preuß

Für Erlangen nahm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Auszeichnung entgegen, selbst häufig mit eigenen Beiträgen im Blog vertreten und regelmäßige Leserin der Plattform, aus Wladimir war zu der Zeremonie Alina Kartuchina angereist, die selbst Ende Januar d.J. als Jugendvertreterin an dem Diskussionsforum „Prisma“ teilgenommen hatte und die Partnerschaft schon vom Schüleraustausch her bestens kennt. Eine gute Wahl also, eine gute Vertretung für Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die ihren Besuch kurzfristig hatte absagen müssen, weil das Ergebnis der Gouverneurswahlen vom vergangenen Sonntag eine Stichwahl am übernächsten Sonntag notwendig macht und somit Präsenzpflicht für alle Kommunalpolitiker gilt.

Die Partnerschaftsdelegation: Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Mit dabei aber auch die Historikerin, Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neue und Neueste Geschichte an der FAU und Sprecherin von Prisma deutscherseits, sowie Jürgen Ganzmann, seit 1999 mit seinen Projekten im Bereich Behindertenarbeit und Psychiatrie einer der großen Akteure der Partnerschaft.

Alina Kartuchina und Peter Steger

Warum nun die Auszeichnung für den Blog? Unter den mittlerweile offiziell geführten 105 deutsch-russischen Städtepartnerschaften ist er wohl das einzige Medium, das seit nunmehr zehn Jahren Tag für Tag über den Austausch berichtet und dabei bereits deutlich über eine Million Aufrufe zu verzeichnen hat. Mehr noch: Den aktuell 3.860 Einträgen stehen 1.172 Kommentare gegenüber, die – all die Gastbeiträge gar nicht berücksichtigt – beweisen, welch ein interaktives Leben diese Internetplattform führt. Es ist also eine Auszeichnung nicht nur für den ehrenamtlichen Betreiber des Blogs, sondern vor allem auch für Sie alle, die jetzt gerade diese Zeilen lesen. Ohne Ihre Rückmeldungen, Kommentare, Ermunterungen, kritische Anmerkungen und eigenen Beiträge wäre der Blog längst wieder eingestellt. Danke also an Sie alle!

Großer Saal, voller Saal im Außenministerium zu Berlin

Vor dem Preis floß dann aber auch der Schweiß. In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Strategien für eine Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen und Regionen, Zivilgesellschaft und Ihre Gestaltungskraft für Städtepartnerschaften oder Projekte der Zusammenarbeit im sozialen Bereich.

Volle Arbeitsgruppen

Zu einem weiteren Arbeitskreis war eigens Konrad Wölfel, im Erlanger Amt für Umweltschutz und Energiefragen zuständig für Klimaschutz und Energieberatung, angereist – und traf auf Sergej Siwajew, in den 90er Jahren Vizebürgermeister von Wladimir, mittlerweile als Professor für Urbanistik in Moskau und seit kurzem auch als Fachgebietsleiter bei Rostelecom tätig. Die beiden fanden auf Anhieb zueinander – und schon zeichnet sich ein neues Projekt ab.

Sergej Siwajew und Konrad Wölfel

Sergej Siwajew berät nämlich russische Kommunen dabei, effizienter mit Energie umzugehen. Dabei soll auch das deutsche Modell helfen, wonach – wie in Erlangen – städtische oder staatliche Einrichtungen in Fragen wie Strom und Heizung von einem eigenen Gebäudemanagement betreut werden. In russischen Städten und Gemeinden zeichnet dafür noch immer die Schulleitung oder die Direktion des Krankenhauses verantwortlich – und ist damit häufig überfordert.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Dies soll sich nun ändern, und so darf man also mit einer baldigen Annahme der Einladung nach Erlangen rechnen, ausgesprochen an Sergej Siwajew natürlich auch von Elisabeth Preuß. Am Rande der Begegnungen dann ein weiteres Projekt, an dem Erlangens Bürgermeisterin beteiligt sein wird: Anfang November, wenn sie ohnehin zum nächsten Treffen von Prisma nach Wladimir kommt, nimmt sie in der Partnerstadt an einer Konferenz zu Fragen der kommunalen Selbstverwaltung teil, organisiert von Emil Markwart, Professor an der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung in Moskau. Man ruht sich ja nicht auf den Lorbeeren der Partnerschaft aus…

Jurij Katz aus Wladimir

Wie weit diese Partnerschaft über Erlangen hinaus wirkt, sieht man etwa an obigem Bild, das, rechts stehend, Jurij Katz zeigt, den Gründer der Selbsthilfeorganisation Swet, hier bei einer Konferenz mit dem Verein „Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg – Dagestan“, wo der Vorreiter einer russischen „Lebenshilfe“ gerade auch seine in Franken gesammelten Erfahrungen vermitteln kann.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Unterdessen ging Jürgen Ganzmann, Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, auf Autogrammjagd. Gabriele Krone-Schmalz hatte 2001 den Vorsitz bei der Jury, die den „Preis für bürgerschaftliches Engagement“ in vier Kategorien an die Partnerschaft Erlangen-Wladimir vergab, darunter an das Projekt „Lichtblick“ von Jürgen Ganzmann, der dann im Jahr 2002 den 1. Preis zusammen mit Fritz Wittmann, Brüne Soltau und Peter Steger aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau entgegennehmen konnte. Da kommen Erinnerungen hoch.

Jürgen Ganzmann und Sergej Lawrow

Aber es geht ja weiter, wie beide Außenminister, die sich vertraut beim Vornamen nennen, es sich wünschen. Gerade in politisch schwierigen Zeiten. Die Zivilgesellschaft ist da gefordert wie nie zuvor, aber sie wird auch gefördert. Das Außenministerium stellt als Gastgeber Millionen für die Förderung des Austausches zur Verfügung, die Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften, das Deutsch-Russische Forum – sie alle unterstützen Initiativen und Projekte des Miteinanders.

Nikolaj Kaplenko und Konrad Krebs

Und schließlich gibt es da auch noch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der etwa auch die Arbeit der Eurowerkstatt in Jena unterstützt, von wo Konrad Krebs mit Nikolaj Kaplenko aus Wladimir zur Konferenz kam, auch wenn ihr Projekt dieses Mal keine Auszeichnung erhielt. Aber auch da geht die Verständigungsarbeit weiter.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Dennoch: Es könnte noch viel getan werden für das deutsch-russische Miteinander. In der gemeinsamen Erklärung der Veranstaltung  fordern die Veranstalter deshalb auch neben Erleichterungen bei der Erteilung von Visa und Verbesserungen bei den Bedingungen für Praktika und Hospitationen Unterstützung bei der Gründung eines deutsch-russischen Koordinationsrates der Partnerstädte.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Vor allem aber: Es kann und darf nicht bei den etwa einhundert kommunalen Partnerschaften bleiben, die in keinem Verhältnis zu den 2.200 deutsch-französischen Verbindungen stehen. Immerhin liierten sich während der Tagung drei neue deutsch-russische Paare – Greifswald & Wyborg, Schwedt & Tuapse siwie Lahr & Swenigorod -, und 2019 soll dann das Deutsch-Russische Jahr der Wissenschaften ausgerufen werden. Es geht also weiter – schon Ende September mit dem deutsch-russischen Jugendforum in Hamburg, an dem Gruppen aus Jena und Wladimir teilnehmen…

Auszeichnung 16

Doch, weil’s so schön war, hier noch einmal das Gruppenbild.

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Persönliche Beratung und Assistenz für Menschen mit Behinderungen ist das zentrale Anliegen des 1989 gegründeten „Zentrums für Selbstbestimmtes Leben“, Themen, mit denen Jürgen Ganzmann als langjähriger ehrenamtlicher Behindertenberater des Landkreises Erlangen-Höchstadt bestens vertraut ist, Themen, die den seit Anfang Juni als Geschäftsführer der Einrichtung tätigen Weisendorfer auch eng mit Wladimir verbinden.

Jürgen Ganzmann

Noch als Leiter der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf baute er das Projekt „Lichtblick“ mit der Psychiatrie in der russischen Partnerstadt ab 1999 auf und führte dieses einzigartige und mehrfach ausgezeichnete Werk, das schließlich im „Blauen Himmel“ mündete, über alle seine weiteren Stationen als Direktor des Altenheims in Etzelskirchen und später als Geschäftsführer der WAB Kosbach fort.

Jürgen Ganzmann

Nun also das ZSL mit fast 200 Assistenzkräften und einem dreißigjährigen Erfahrungsschatz, der übrigens schon Anfang der 90er Jahre auch in Jena beim Aufbau eines ähnlichen Zentrums fruchtbar wurde. Wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, es wird nicht lange dauern, bis er auch in dieser Funktion im Austausch mit Wladimir ganz neue Akzente setzt. Es sei nur auf die wiederholten Besuche von Jurij Katz hingewiesen, der ja mit seiner Selbsthilfeorganisation „Swet“ etwas durchaus Vergleichbares geschaffen hat.

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