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Nach dem Bericht der Erzieherin Natalia Tarakanowa https://is.gd/OWVQ6r über das Sozialpraktikum von sieben Waldorfschülerinnen aus Erlangen in Wladimir kommen nun auch einige der Mädchen selbst zu Wort:

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Katharina Bayer, Paula Politov, Eva Eger, Elisa Salzbrunn, Mona Schleicher , Johanna Hofmann und Maja Politov mit ihren russischen Begleiterinnen

Für zwei Wochen habe ich in Wladimir in einer Gastfamilie gelebt und dort ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert. Mir und meinen sechs Klassenkameradinnen ist besonders die außerordentliche Gastfreundlichkeit sofort aufgefallen. Schnell wurde uns aber auch klar: Mit Englisch werden wir nicht recht weit kommen. Das war allerdings überhaupt kein Problem, denn so kamen wir mit den Menschen noch näher in Kontakt! Mit meinen Gasteltern verständigte ich mich meistens pantomimisch, und so hatten wir stets eine Menge zu lachen:) Sehr positiv sind uns auch die öffentlichen Verkehrsmittel aufgefallen. Busfahrpläne gab es zwar keine, das war aber nicht weiter schlimm, da alle paar Minuten ein Bus fuhr und man somit sehr schnell von A nach B kam. Die Busse waren meist gut gefüllt, und somit hielt sich der Verkehr gut in Grenzen. Die russischen Kirchen sind zudem überall vorzufinden mit ihren wunderschönen Sahnehäubchen-Türmen. Besonders viele gab es davon in Susdal. Ich fühlte mich dort, wie in einem Märchenland. Jeden Tag kochte meine Gastmutter etwas typisch Russisches, was jedes Mal vorzüglich schmeckte. Einiges davon vermisse ich schon sehr, wie zum Beispiel Borschtsch, das ist eine Fleischsuppe. Wladimir hat mich auf jeden Fall an allen Ecken und Enden sehr positiv überrascht und ich möchte jedem ans Herz legen, dieses wunderbare Land einmal zu besuchen. Nach der Schule möchte ich meine Gastfamilie unbedingt ein zweites Mal besuchen kommen.

Johanna Hofmann

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Ich habe mein Sozialpraktikum vom 24. Juni bis 5. Juli in Wladimir, der Partnerstadt von Erlangen, in einem Waldorfkindergarten absolviert. Mit einer Freundin wurde ich sehr herzlich von einer netten Gastfamilie aufgenommen. Wir wohnten in einem schönen Einfamilienhaus. Die Familie hatte zwei Töchter im Alter von 15 und zwölf Jahren. Die Arbeit im Kindergarten hat mir auch gut gefallen, da die Kinder uns gegenüber sehr offen und nett waren. Zu unseren täglichen Aufgaben im Kindergarten gehörten u.a.: Gartenarbeiten, wie Blumen gießen und Unkraut zupfen, außerdem Tischdecken und Putzen. Mit den Kindern haben wir einige Spiele gemacht und ihnen beim Umziehen der Kleidung geholfen. Dies hat uns selbstverständlich am meisten Spaß gemacht, auch wenn die Verständigung oft nicht ganz einfach war. Wir konnten kein Russisch, und die Kindergartenkinder und unsere Gastfamilie kein Deutsch und kaum Englisch. Trotzdem haben wir uns alle sehr gut verstanden. Am Nachmittag haben wir uns oft im Erlangen-Haus getroffen und eine Gruppe von Jugendlichen beim Deutschlernen unterstützt. Es war sehr lustig, und es haben sich in dieser Zeit sogar ein paar Freundschaften entwickelt. Wir würden uns freuen, diese Leute auch einmal in Erlangen zu treffen. Meine Familie würde sich auch bereit erklären, russische Gastschüler aufzunehmen. Die Stadt Wladimir und der Ort Susdal haben mich mit ihren zahlreichen Kathedralen und Museen sehr beeindruckt. Besonders der Ausflug nach Moskau war nochmal ein „Highlight“ der Reise. Es ist eine sehr bunte, kulturelle Stadt, die mich mit ihrer Architektur zum Staunen gebracht hat. Der Besuch auf dem Roten Platz war für mich ein unglaublicher Augenblick. Das Land hat mich sehr überrascht, weshalb ich auch vorhabe, es noch einmal zu besuchen. Zu meiner Freude konnte ich noch ein paar Wörter aus meinem einwöchigen Russischkurs vom letzten Jahr abrufen, und auch das Lesen in russischer Schrift fiel mir zum Ende immer leichter. Ich bedanke mich bei der Stadt Erlangen und Peter Steger, die mir dieses Praktikum ermöglicht haben, und vor allem bei Heidi und Jürgen Binder für die Organisation, die Mühe und Fürsorge. Es war eine schöne Erfahrung mit bleibenden Eindrücken und Erlebnissen. Abschließend möchte ich sagen: „Ich kann jedem ein Praktikum bzw. einen Aufenthalt in einem anderen Land empfehlen.“

Katharina Bayer

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Als wir das erste Mal auf die Gastfamilien trafen und zu ihnen nach Hause fuhren, war es ein komisches Gefühl. Denn du kennst diese Menschen nicht und wirst für die nächsten zwei Wochen bei ihnen wohnen. Jede Familie hat schließlich ihre eigenen Gewohnheiten und Eigenheiten. Zudem kamen noch die anderen Gewohnheiten der Russen dazu, da es in diesem Land so üblich ist, zum Beispiel um 22 Uhr Tee zu trinken. Die Familien empfingen uns aber sehr nett. Am Anfang brauchte man natürlich seine Zeit, um sich an die „neue Familie“ zu gewöhnen, doch das ging sehr schnell. Die Russen sind nämlich sehr gastfreundlich und immer hilfsbereit und freundlich. Teilweise haben die Kinder der Familien im Wohnzimmer geschlafen, um uns ein Zimmer frei zu machen, was natürlich nicht selbstverständlich ist. Schließlich ist nicht jeder Mensch dazu bereit, fremde Jugendliche aufzunehmen und auch noch ein Zimmer frei zu machen. Wir hatten bei den Familien alles, was man brauchte. Auch das Essen war sehr gut. Einige Familien konnten nur wenig oder sogar überhaupt kein Deutsch (oder sie trauten sich nicht). Doch man konnte sich immer irgendwie verständigen. Mit Hand und Fuß ging es 😉 Und wenn gar nichts mehr geholfen hat, unterhielt man sich auch über den Google-Übersetzer. Allerdings kommt da teilweise so ein Schwachsinn raus, den man dann trotzdem nicht verstand. Doch irgendwie klappte es am Ende immer. Bei der Verabschiedung schenkten uns die Gastfamilien sogar noch etwas, obwohl ja wir zwei Wochen bei denen geschlafen hatten (natürlich schenkten auch wir unseren Gastfamilien etwas). Das war eine sehr nette Geste. Am Ende war es schwer, „Auf Wiedersehen“ zu sagen, man hatte ja schließlich eine Zeit mit dieser Familie verbracht und sich aneinander gewöhnt. Doch ein paar Familien werden auch nach Deutschland kommen, und darauf freuen wir uns sehr!

Mona Schleicher

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Der erste Eindruck war sehr spannend, da vieles anders als in Deutschland war. Wir (Johanna, Eva, Mona und Maja) wurden auf zwei Kindergärten aufgeteilt (Johanna & Eva kamen in einen staatlichen Kindergarten, Mona & Maja in den Waldorfkindergarten). Die Kinder waren zunächst schüchtern, aber dies verflog schnell. Manches war zunächst sehr fremd, doch mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Nach ein paar Tagen erlebten wir es als Alltag an, und wir konnten uns auf alles einstellen. Nach einer Woche durften Mona und Maja einen anderen, einen staatlichen Kindergarten kennenlernen. Beide Einrichtungen hatten ganz unterschiedliche Methoden, die Kinder zu betreuen. Fazit: Es hat sehr viel Spaß gemacht, den Kindergarten zu besuchen, und es war eine tolle Erfahrung.

Maja Politov

Siehe auch: https://is.gd/OWVQ6r

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Gleich nach den Pfingstferien absolvierten zum zweiten Mal in Folge, angeleitet und begleitet von Heidi Binder, Waldorfschülerinnen aus Erlangen ein Praktikum in Wladimir. Hierzu ein kurzer Bericht der Pädagogin Natalia Tarakanowa.

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Schon ist das Praktikum der Erlanger Waldorfschülerinnen wieder zu Ende. Wie schon im Vorjahr machten auch heuer Mädchen aus den höheren Klassen der Waldorfschule in der Partnerstadt ein Sozialpraktikum an Wladimirer Kindergärten.

Dieses Mal hatten sich sieben Mädchen für diesen Aufenthalt bei uns beworben. Vier von ihnen kamen an den Kindergarten Nr. 108 und drei an den Waldorfkindergarten, der übrigens mit Unterstützung aus Erlangen in den 90er Jahren gegründet wurde. Ich war selbst für diese drei wunderbaren jungen Gäste – Maja, Mona, Johanna und Eva – zuständig. Konkret in meiner Gruppe arbeiteten Maja und Mona.

Der Lebensrhythmus erwies sich als vertraut für die Mädchen, und sie klinkten sich rasch in die Arbeit ein. Eva und Johanna kamen in die traditionelle Gruppe zu den dreijährigen Kindern. Das Team war anfangs besorgt, wie die Kleinen mit den Praktikantinnen kommunizieren würden. Doch diese Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Die Mädchen waren ausgesprochen kontaktfreudig und aufgeschlossen. Außerdem spricht Eva gut Russisch.

Die Praktikantinnen nahmen am Gruppenleben teil, halfen in der Hauswirtschaft, kümmerten sich um die Beete und strichen die Wippe. Der wichtigste Teil ihrer Arbeit bestand aber natürlich darin, auf die Kinder einzugehen.

Und bitte glauben Sie nicht, es sei leicht, zu verstehen und zu antworten, wenn mehrere Kinder gleichzeitig etwas wissen wollen, hierhin oder dorthin rufen und etwas von sich erzählen möchten. Das fällt nicht einmal Muttersprachlern leicht, doch die Mädchen ließen sich nicht beirren. Zu Hilfe kamen ihnen dabei ihr Sinn für Humor sowie Lieder und Spiele. Für unsere Kinder war diese Erfahrung sehr wichtig, sie entwickelten die Fähigkeit neue Wege der Kommunikation zu suchen und zu finden.

Die Kleinen gewannen ihre neuen Bekannten lieb und fragen jetzt schon dauernd, wann sie diese denn wiedersehen. Auch die Eltern wollten sich mit den Gästen unterhalten und luden die Mädchen zu Ausflügen und Picknicks nach Bogoljubowo ein.

Ich hoffe, unseren Praktikantinnen – Mona, Maja, Johanna und Eva – gefiel es bei uns. Es wäre schön, wenn sie bei uns nicht nur das erhalten und erfahren hätten, was für ein Sozialpraktikum gefordert wird, sondern auch das Wichtigste: Herzenswärme und ungezwungenen Umgang mit einfachen Menschen. Ein großer Gruß und ein herzlicher Dank geht an das Ehepaar Heidi und Jürgen Binder. Dank dem Enthusiasmus und Optimismus von Heidi Binder ist dieses Miteinander überhaupt erst möglich geworden!

Natalia Tarakanowa

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Unsere Reise begann Ende Oktober vergangenen Jahres. Unsere Eltern beschlossen, mit uns nach Deutschland zu fahren. Das Wetter war damals nicht besonders. Von oben rieselte Schneeregen. Das versprach alles einen nahen und kalten russischen Winter. Als wir Wladimir verließen, herrschte dunkle Nacht, und wir wollten nichts mehr als schlafen. In Moskau flogen wir im Morgengrauen ab. Nach einigen Stunden des Flugs fanden wir uns in Deutschland wieder, wo uns großartige Menschen gastfreundlich in Empfang nahmen und uns ein richtig goldener Herbst freundlich zunickte. Vom Flughafen brachte man uns nach Erlangen. Diese Stadt verzauberte uns mit ihren sauberen Ecken, den gepflegten Häusern, den gemütlichen Restaurants und Bäckereien. Wir atmeten saubere Luft. Vom ersten Moment an spürten wir Gastfreundschaft und eine behagliche Atmosphäre.

Während unseres kurzen Besuchs in Erlangen reisten wir auch viel in Bayern herum. Zu erzählen, wo wir überall waren, würde viel Zeit erfordern. Wichtiger ist wohl, das Schlüsselwort zu all diesen Orten zu erwähnen: „erstmals“. Wir waren ja überall zum ersten Mal. Wir erzählen deshalb lieber nur von einigen besonderen Eindrücken, wie vom Besuch der Höhlen in der Fränkischen Schweiz, die wir mit Lampen betraten, um uns die Stalaktiten und Stalagmiten anzusehen. Zum ersten Mal konnten wir deren Wachsen so genau beobachten und uns den Unterschied zwischen ihnen einprägen. Unglaublich, daß so ein Regentropfen sich seit einer Million Jahren an der Decke einer Höhle halten kann. Nach der Verdampfung des Wassers kristallisierte ein winziger Kalkring an der Decke. Dann kam der zweite Tropfen, der dritte, vierte und fünfte, und alle hinterließen sie Kalk an jener Stelle. Und wir können jetzt diese ungewöhnlichen Formationen sehen, die aus einer unendlichen Zahl von Tropfen im Lauf von vielen Jahren geschaffen wurden. Ein Wunder!

Plötzlich blieben wir stehen… In einer Deckenspalte entdeckten wir eine Fledermaus! Zum ersten Mal sahen wir dieses Tierchen so aus der Nähe. Wir hätten es sogar berühren können, wollten aber den Schlaf der nächtlichen Schönheit nicht stören.

Und dann noch zum Schwimmbad in Staffelstein. Behablich ist es da im Becken mit dem warmen Salzwasser. Eine ruhige und heilsame Atmosphäre. Sprudel, Unterwassermassage, Sauna mit Aromen. Besonders gefallen hat uns die Möglichkeit, nach draußen zu schwimmen. Und alles so sauber und ruhig. Auch das erlebten wir zum ersten Mal!

Unsere Reise nach Deutschland fiel in unsere Ferien. Klar, wer will schon in den Ferien zur Schule gehen? Aber wir brachten das fertig und besuchten die Waldorfschule. Wir begegneten da unseren Freunden wieder, Leonie, Elena und René, die im Sommer ein Praktikum in Wladimir gemacht hatten. Sie fanden Zeit, uns Nürnberg zu zeigen. Natürlich hinderte uns die Sprachbarriere daran, uns in allem ganz auszutauschen, wir verstanden nicht immer, was man uns erzählte, wir konnten nicht immer richtig antworten und den Dialog aufrecht erhalten. Aber spornt uns auch an, jetzt mehr in der Fremdsprache zu sprechen – und sei es auch nur untereinander.

Doch wir haben ja Freunde in Erlangen! Wir sind den Familien Binder und Gruß dankbar für die Organisation der Reise, für ihre Hilfe und Fürsorge. Persönlich danken wir Heidi und Jürgen Binder für die Gastfreundschaft und die angenehmen Gespräche sowie für das außergewöhnliche Frühstück an jedem Morgen und das immer so leckere Abendessen! Unser Dank gilt auch dem Ehepaar Brigit und Hans Gruß für die Aufmerksamkeit, die interessanten Begegnungen und die Unterstützung bei verschiedenen Ausflügen und Konzerten. Und schließlich herzlichen Dank an unsere Fremdenführerin und Ideengeberin für alle möglichen Reisen, die energiegeladene und – wir scheuen uns nicht, das zu sagen – junggebliebene Ute Schirmer

Hoch sollen sie leben, unsere Freunde!

Warwara und Wassilissa Fjodorow, unterstützt von ihren Eltern und Tatjana Parilowa

Siehe auch: https://is.gd/iiv2o1 und https://is.gd/U6YymD

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Der Ärzteaustausch gehört heute zum Standardprogramm der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir. Aber alles hat seinen Anfang, und den machte bereits 1989 Michail Tjukarkin, der heute via Blog seinem Kollegen und Freund, Klaus-Georg Bregulla, zum 80. Geburtstag gratuliert und die Gelegenheit zu einem kleinen Rückblick auf die erste Begegnung nutzt.

Im September 1989 schickten mich mein Krankenhaus und die Stadtverwaltung Wladimir zum Erfahrungsaustausch mit den Universitätskliniken nach Erlangen. Man holte mich am Flughafen Frankfurt am Main ab, brachte mich in einem feinen Studentenwohnheim unter, stattete mich mit einem Fahrrad aus und stellte mich anderntags bei der morgendlichen Ärztekonferenz der Abteilung für Innere Medizin unter der Leitung von Professor Eckhard Hahn vor. Damals war ich 30 Jahre alt, hatte mich in der selbständigen Arbeit auf den Gebieten der Notfall-, Allgemein- und Gefäßchirurgie bewährt, spielte einigermaßen gut Fußball und Eishockey, beherrschte als Autodidakt mehr schlecht als recht die deutsche Sprache und interessierte mich brennend für englischsprachige Medizin. Und ich befand mich zum ersten Mal in meinem Leben außerhalb der Landesgrenzen der UdSSR. Als das Auditorium der deutschen Ärzte nach meiner Vorstellung durch Professor Hahn mit den Fingerknöcheln auf die Tische klopfte (wie man mir später erklärte, war das als Zeichen einer besonderen und großen Ehre zu verstehen), war ich drauf und dran, den Raum zu verlassen (damals war ich noch etwas wunderlich und hasenherzig). Im weiteren wußte ich gar nicht, worüber ich mich mehr verwundern sollte, über das ausgesprochen hohe Niveau der Arbeitsorganisation, der Ausstattung der Klinik oder über die herzliche Aufnahme, die ich seitens der Kollegen und des ganzen Personals erfuhr. Ich sah schon 1989 an der Klinik Behandlungsweisen und Medizintechnik (Werner Matek), die es bis heute in vielen Moskauer Krankenhäusern oder unserem Regionalkrankenhaus in Wladimir so nicht gibt.

2003 am Hotel „Goldener Ring“ in Wladimir, die Medizindelegation mit Thomas Seltmann, Steffen Lanig, Brigitte Mugele, Michael Reitzenstein, Jürgen Binder und Michail Tjukarkin

Am siebten Tag meines Auslandsaufenthalts teilte man mir mit, ein gewisser Medizinprofessor namens Klaus-Georg Bregulla wolle mich treffen. Am Abend holte mich dann mit seinem Auto ein etwa fünfzigjähriger energischer Mann mittlerer Größe am Wohnheim ab und brachte mich im Dunkeln zu seinem Haus. Der riesige Schäferhund Pepper legte mir derart freundschaftlich die Vorderpfoten auf die Brust, daß ich mich beinahe zur ewigen Ruhe gelegt hätte. Doch der Gastgeber hauchte mir rasch neues Leben ein.

Oberschwester Anna Reswowa, Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, Michail Tjukarkin und ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses, Jewgenij Jaskin, 2017

Ungeachtet meiner damals noch unbeholfenen und armseligen Sprachkenntnisse schwankte ich in meiner Begeisterung hin und her zwischen der Bewunderung für des Professors ungewöhnlich weiten medizinischen Horizont (er war der dritte Gynäkologe europaweit und der erste, der in Deutschland erfolgreich das In-Vitro-Fertilisations-Programm einführte, und hatte an dem Abend auch noch berühmte Kollegen aus Ost-Berlin, darunter von der Charité, zu Gast) und der ihm eigenen Herzensbildung und Gastfreundschaft. In diesen nun fast 30 Jahren der Bekanntschaft ließ ich jedenfalls nie etwas auf ihn kommen und versuchte, mich seiner würdig zu erweisen. Manchmal nenne ich Klaus-Georg Bregulla und seine göttliche Frau Uschi meine zweiten Eltern (ohne jede Blutsverwandtschaft) und Lehrer. Ich freue mich, bis heute mit Erlangen nicht nur diese menschlichen und fachlichen Werte zu verbinden, sondern auch eine solche Freundschaft mit Kollegen in Deutschland pflegen zu können.

Michail Tjukarkin

 

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Vor acht Jahren veranstaltete das Bürgermeister- und Presseamt zum ersten Mal einem Empfang für Personen und Gruppen, die sich ehrenamtlich für die Städtepartnerschaften engagieren. Seither entwickelte sich die Feier im Ratssaal zu einer festen Institution, bei der von Mal zu Mal die Sessel und Stühle zahlreicher besetzt sind. Gestern nun, als Wolfram Howein aus den Händen von Oberbürgermeister Florian Janik den Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften entgegennahm, blieb freilich wirklich kein Platz mehr frei. Vielleicht, weil, wie der Laudator, anerkennend und vom Manuskript abweichend, meinte, der Geehrte es beispielhaft verstehe, andere in seine vielfachen Aktivitäten und Initiativen einzubinden.

Wie vielfältig und für das Gemeinwohl entscheidend dieses Engagement gerade auch im Internationalen Bereich wirkt, betonte Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens in ihrer Begrüßung. Durchaus auch aus eigener Anschauung vor Ort auf dem Feld der Ökologie, Jugendarbeit oder Kulturvereine. Das Stadtoberhaupt ging sogar noch weiter und stellte diese Arbeit in einen globalen Zusammenhang: „Heute bedarf es mehr denn je der Menschen, die Brücken bauen; gerade jetzt, wo so viele andere sich daran machen, Brücken einzureißen und Mauern hochzuziehen.“

Florian Janik und Wolfram Howein

Desto wichtiger, einmal im Jahr all die einzuladen, denen die Zusammenarbeit mit den zehn Partnerstädten und den drei befreundeten Kommunen, von den sonstigen Verbindungen Erlangens in alle Welt zu schweigen, am Herzen liegt. Und eine Person stellvertretend für die anderen auszuzeichnen, gestern Wolfram Howein. Wofür und mit welchen Worten ist hier nachzulesen: Laudatio Wolfram Howein – 21.11.2018

Wolfram und Inge Howein

Florian Janik machte es sichtlich Freude, dem ehemaligen Siemens-Manager das in vierzehn Jahren und auf vierzig Wladimir-Reisen verdiente Lob auszusprechen, kennt er doch die Ergebnisse dieser großartigen Arbeit aus eigener Anschauung, im Blauen Himmel wie beim Roten Kreuz, im Forum Prisma wie bei den wissenschaftlichen Projekten, besonders aber im Erlangen-Haus, wo beide das „beste Frühstück in der Partnerstadt“ zu schätzen wissen, und von wo aus beide sich auch schon auf die Suche nach einem Schlummertrunk machten.

Gratulation von Melitta Schön an Wolfram Howein

Wolfram Howein nahm es in seiner Erwiderung sportlich: „Mein Engagement für Wladimir ist allemal billiger als Golf zu spielen.“ Aber im Ernst: „Mein Leben ist reicher geworden durch diese Begegnungen, und Wladimir ist mir zum Jungbrunnen geworden.“ Möglich aber natürlich auch nur, wenn die Frau diesen Einsatz unterstützt. Deshalb galt denn der erste und größte Dank Inge Howein, die nun auch schon zehn Reisen in die Partnerstadt hinter sich hat.

Gratulanten: Margrit Vollertsen-Diewerge, Ute Schirmer, Jürgen Binder, Inge und Wolfram Howein, Gerda-Marie und Michael Reitzenstein

Was das Ehepaar noch vor sich hat? Hoffentlich noch viele Jahre der Zusammenarbeit mit Wladimir – zumal sich, siehe Blogeintrag von gestern, im Bereich Erlebnispädagogik schon wieder neue Türen öffnen – und die dafür nötige Gesundheit.

Knut Gradert und seine Stadl Harmonists

Zum Gelingen des Abends trugen auf ihre Weise die Stadl Harmonists aus Kosbach mit „Weltmusik“ bei, von „California Dreaming“ über „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Über den Wolken“ bis hin zum abschließenden „Oj, moros, moros“, das der Leiter des Ensembles, Knut Gradert, bereits 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir mit seinem großen Chor einstudierte und zur Überraschung der Gastgeber auf Russisch interpretierte. Gestern nun also auch noch diese musikalische Brücke über ein Vierteljahrhundert Partnerschaft. Was kann schöner sein?!

Karin Günther, Ruth Sych mit der Broschüre über ihr Engagement in Wladimir vor 20 Jahren und Susanne Lender-Cassens

Höchstens noch die vielen Gespräche, die beim Stehempfang zustandekamen – über die Grenzen der jeweiligen Städtepartnerschaften hinweg. Jena stand da neben Riverside und Rennes kam mit San Carlos ins Gespräch, während Wladimir mit Cumiana Erfahrungen austauschte.

Rudolf und Inge Schloßbauer mit Giuseppe Andolina

Eine Börse der internationalen Beziehungen eben, wo, wie Florian Janik bei der Eröffnung des Buffets meinte, „bestimmt wieder neue Ideen und Projekte entstehen“.

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Bereits Anfang Juni unternahm das Ehepaar Jürgen und Heidi Binder eine Reise nach Wladimir. Dazugeladen hatten die pensionierte Lehrerin und der Allgemeinarzt, in der Partnerstadt bestens vernetzt, auch den Medizinstudenten, Fabian Frank, dessen Bericht hier noch einmal nachzulesen ist https://is.gd/2h4ylO, sowie eine dreiköpfige Gruppe aus der Waldorfschule, die nun ebenfalls einen Blick zurück auf die Fahrt wirft:

Mauerbild an der Waldorfschule Wladimir

Vor dem Start nach Wladimir, stellte ich mir viele Fragen, darunter zum Beispiel: Wie werden wir uns verständigen? Was ist das für ein Kindergarten, in dem ich mein Praktikum absolvieren soll? Oder auch ganz generell: Wie ist die russische Kultur wirklich?…

Ich flog mit noch zwei weiteren Schülern, mit einer ehemaligen Lehrerin von uns, ihrem Mann und einem Medizinstudenten, der ebenfalls ein Praktikum zu absolvieren hatte.

Los ging es früh morgens in Erlangen am Busbahnhof zum Münchner Flughafen und von dort aus dann zum Flughafen nach Moskau. Von Moskau aus fuhren wir dann mit dem Zug und der Metro weiter nach Wladimir, wo wir am Bahnhof von unseren Gastfamilien in Empfang genommen wurden.

Zu diesem Zeitpunkt trennten wir uns dann und konnten den restlichen Abend mit unseren Gastfamilien verbringen. Doch das war der Aufregung nicht genug, denn früh morgens sollte es ja gleich weitergehen mit dem Start des Praktikums im Kindergarten. Dort sah ich dann auch meinen Mitschüler wieder, doch lange konnten wir uns nicht austauschen, denn wir waren in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Zunächst stellte man mich in der Gruppe, in der ich die nächsten zwei Wochen verbringen sollte, mit den Worten vor, ich spreche nicht viel bis gar kein Russisch und wir uns wohl im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen würden verständigen müssen.

Vormittags waren die Kinder immer in ihren Gruppen, konnten dort spielen, und es gab ein zweites Frühstück. Dort klappte es gut, sich mit den Kindern sowie Erziehern zu verständigen, denn meistens war es selbsterklärend, was ich gerade zu tun hatte: Puzzeln, Legobauen, Klatschspiele mit den Kindern oder den Erzieherinnen beim Aufräumen helfen. Dann am späten Vormittag ging es raus in den Garten. Dort hatte jede Gruppe einen eigenen Bereich zu spielen, der auch nicht besonders groß war, da es sehr viele Gruppen in diesem Kindergarten gibt. Dort machte ich dann mit den Kleinen Ballspiele, spielte mit ihnen Verstecken oder Fangen, wobei ich immer die Rolle des Fängers zu übernehmen hatte. Dann gab es Mittagessen und wieder eine Spielzeit, bis die Kinder abgeholt wurden. Insgesamt können die Kinder von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends im Kindergarten bleiben.

Mit der Zeit verstanden wir uns immer besser, und die Kinder fingen an, mir russische Wörter beizubringen, wohingegen ich im Gegenzug die Kinder von mir deutsche Wörter lernten. Insgesamt eine supertolle Erfahrung, und am Ende des Praktikums konnte meine Kindergartengruppe mich auf Deutsch verabschieden, und ich konnte dasselbe auf russisch tun. ♥

Es war wirklich eine sehr schöne Reise, gemixt aus Abenteuer, Praktikum und Ferien, einschließlich des Besuchs von Moskau. Dafür möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken, die mir diese Erfahrung ermöglicht, bzw. mich auf der Reise begleitet oder auch beherbergt haben. Ich kann nur jedem empfehlen, auch solch eine Reise zu wagen und die russische Gastfreundschaft kennenzulernen und zu erleben.

Leonie Köppe

 

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Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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