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Posts Tagged ‘Johanna Sander’


Wie notwendig der Austausch gerade auch der jungen Generation zwischen Erlangen und Wladimir ist, zeigen oft Kleinigkeiten. So war Maxim Lortschenko vom Dokumentationsteam, das den Veteranen Nikolaj Schtschelkonogow auf seiner Reise begleitet, der Meinung Fritz sei nichts mehr als die im Zweiten Weltkrieg übliche abwertende Bezeichnung für die Deutschen. Und nun stellt sich heraus: Es handelt sich um einen männlichen Vornamen, wenn auch heute nicht mehr so gebräuchlich wie noch vor ein oder zwei Generationen, hinter denen konkrete Menschen stecken wie Fritz Rösch und eben Fritz Wittmann, dessen Grab die Gäste aus der Partnerstadt am Freitag besuchten.

Für Nikolaj Schtschelkonogow hatte dieser Vorname seit 1991, als Fritz Wittmann zum ersten Mal nach Wladimir kam, ein Gesicht, eine Stimme, eine Geschichte, die ihn bis heute mit Deutschland tief verbindet. Und da, wo es so persönlich wird, haben Feindbilder keinen Platz mehr, da tauscht man nur noch Familienphotos und gemeinsame Erfahrungen aus.

Hans Gruß, Harald Sander, Bridget Gruß, Johanna Sander, Paul Sander, Nikolaj Schtschelkonogow, Tatjana Jazkowa und Elisabeth Wittmann am Grab von Fritz Wittmann

Dabei hätte alles ganz anders ausgehen können: Der „Fritz“ und der „Iwan“ – so ja die deutsche Kollektivbezeichnung für die sowjetischen Feinde – lagen einander in den letzten Kriegstagen bei Küstrin in den Schützengräben gegenüber und fielen einander später in die Arme. Ihnen gelang es, in sich den Krieg zu besiegen, sie wurden beide zu Botschaftern des Friedens, zu den großen Männern der Aussöhnung und Verständigung zwischen den Partnerstädten und weit darüber hinaus.

Lange verharrte Nikolaj Schtschelkonogow in Stille vor dem Grab des Kameraden, das zu besuchen sein Herzenswunsch war. Doch dann brachen sie aus ihm heraus, all die Erinnerungen an die Begegnungen und Gespräche, voll freundschaftlicher Hochachtung für den Verstorbenen und sein Vermächtnis, all die guten Wünsche für dessen Familie und Freunde. All das, was zum Abschied gesagt sein wollte.

Elisabeth Wittmann und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann wieder diese Zugewandtheit zu den Menschen, zum Leben. Man kann es nicht anders nennen als die helle Freude, die einen im Gespräch mit diesem Mann überkommt.

Nikolaj Schtschelkongow, Tatjana Jazkowa und Hans Gruß

Voller Wißbegier: Was dachte und machte der Freund noch vor seinem Tod? Welche Gedichte schrieb er noch? Welche Graphiken zeichnete er, als es mit den Buchstaben nicht mehr so klappen wollte?

Nikolaj Schtschelkonogow

Auch voller Anerkennung dafür, wie die Familie das Andenken an Fritz Wittmann bewahrt, indem etwa sein Arbeitszimmer fast unberührt blieb und wirkt, als könnte er jeden Moment wieder eintreten.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Auch voller Überraschung, den originalen Friedenskreis wiederzusehen, der als Banner, überreicht am 9. Mai 2015 von Oberbürgermeister Florian Janik, im Versammlungsraum des Veteranenverbands Wladimir hängt.

Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Wittmann

Und dann beim Abendessen wieder, wie am Vorabend im Club International, diese Fülle an Detailwissen mit immer wieder neuen Facetten des Kriegsgeschehens: Hunde, die, mit Sprengstoff am Körper, unter deutsche Panzer geschickt wurden, die bei der Zündung, wenn nicht völlig zerstört wurden, so doch schweren Schaden nahmen, etwa an den Ketten oder am Turm; Vorteile der deutschen Ausrüstung beispielsweise im Tornister mit seinen Fächern und der Abdeckung aus Pferdeleder und den Aluminiumflaschen, während man im eigenen Sack nur Glasbehälter hatte, die brechen konnten; der robuste sowjetische Karbiner, der leichter und weniger anfällig war als das deutsche Pendant.

Wolfgang Morell und Tatjana Jazkowa (sitzend), Hans-Joachim Preuß, Nikolaj Schtschelkongow, Elisabeth Preuß und Jekaterina Zwetkowa

Oder das deutsche Geschirr aus Metall versus das eigene Besteck aus Holz oder die Uhr, die jeder Wehrmachtssoldat trug und dann gern als Beutestück genommen wurde, von Toten wie von Gefangenen; oder die Eiserne Ration, die für die Sowjetsoldaten hauptsächlich aus Graupen und Trockenfisch bestand, während die Deutschen sogar Schokolade mitführten, etwas, das Nikolaj Schtschelkonogow erst beim Auffinden eines Wehrmachtstrosses entdeckte.

Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow

Und dann die „pornographischen Bilder“, die sich bei den Deutschen fanden. Oder die Vorliebe der Wehrmacht, mit Leuchtschußpistolen die Nacht zum Tag zu machen.

Andrej Maximow, Jekaterina Zwetkowa und Amil Scharifow mit Elisabeth Preuß im Interview

Man fragt sich schon jetzt, wie das Team von Jekaterina Zwetkowa all den Stoff in eine einzige Dokumentation packen will, zumal ja erst die Hälfte der Reise abgeschlossen ist.

Johanna Sander, Adventskonzert Herz Jesu

Und zumal nicht einmal der emsigste Berichterstatter des Blogs alles wiederzugeben vermag. Aber wie soll man auch die Gefühle des Gastes beschreiben, wenn er nach dem Konzert in Wladimir im September nun noch einmal Johanna Sander, die Tochter von Fritz Wittmann, bei einem Auftritt erlebt…

Rosie Zahn und Jekaterina Zwetkowa

Oder wenn es dann zu einer Begegnung von Rosemarie Zahn und Jekaterina Zwetkowa kommt, die eine langjährige Freundschaft mit Kira Limonowa, der Architektin des Erlangen-Hauses und Witwe von Pjotr Dik, verbindet. All diese Querverbindungen verdienten es, gesondert zu erzählen.

Johanna Sander und Nikolaj Schtschelkonogow

Aber wir wollen es dabei belassen und mit dem Bild der Sängerin und des Veteranen enden, einem Bild der Harmonie und des Einvernehmens von zwei Menschen, von dem man sich gern hineinnehmen lassen will, bevor es heute für Nikolaj Schtschelkonogow und seinen Troß weitergeht nach Jena, Leipzig und Berlin.

Nikolaj Schtschelkonogow, Jekaterina Zwetkowa, Tatjana Jazkowa und Andrej Maximow im Nürnberger Bratwursthäusla

P.S.: Gerade rechtzeitig vor der Veröffentlichung dieses Beitrags schickt Othmar Wiesenegger noch eine kleine Rückschau, auf das, was gestern abend noch so alles abging – mit Bildern und vor allem einem Video, das man gesehen haben sollte, um Nikolaj Schtschelkonogow zu kennen:

Ohne Worte…

Lieber Peter, gestern hast Du noch etwas versäumt!

Wir sind nach dem Konzert direkt zur Waldweihnacht am Schloßplatz gegangen und hatten noch eine schöne Zeit bis 21.00 Uhr.

Nikolaj und Tatjana waren bester Stimmung und tanzten, und Nikolaj wollte noch sein Erlangen-Lied auf der Bühne vortragen!

Ich hatte mit der Band gesprochen – leider nicht zu bestimmt -, und so konnte er es nicht vortragen, es wäre echt toll gewesen!

Außerdem haben die beiden mit dem Finalisten von “Deutschland sucht den Superstar” mit Dieter Bohlen und Freundin, getanzt und posiert: ING_6159. Ich schmeiß mich weg, die ganze Zeit waren sie bester Laune!!! Sag niemanden, daß er 94 Jahre alt ist! Ich will mit 94 auch so sein!!!

https://www.rtl.de/videos/fortunato-lacovara-rockt-sich-zum-goldenen-buzzer-5a154717a2ea5024f25304d8.html

Auf jeden Fall haben “unsere Russen” einen schönen Abend verlebt und werden den 1. Dezember hier in guter Erinnerung behalten.

Link mit Bildern und Video

https://www.dropbox.com/sh/6oh6v5m8g2u991j/AAAkBrtSOgnfiw1gLXhl1ImCa?dl=0

Viele Grüße und Dir eine schöne Zeit noch mit den fünfen aus Wladimir. Dein Othmar

 

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Nach dem Tod ihres Vaters, des großen Versöhners zwischen Deutschen und Russen, Fritz Wittmann, kündigte Johanna Sander im November an, sie wolle im nächsten Sommer mit ihrem Sohn Paul nach Wladimir reisen, um endlich mit eigenen Augen zu sehen und in Begleitung ihres Sohnes Paul zu erleben, warum es den Weltkriegsveteranen immer wieder so in die Partnerstadt zog. Dann, im Dezember, die gemeinsamen Auftritte der Sängerin mit dem Kammerchor Wladimir unter Leitung von Tatjana Grin in Erlangen und Kirchehrenbach, und nun ist Johanna Sander bereits seit einer Woche in der einstigen russischen Hauptstadt und hatte gestern ihren ersten Auftritt im Zentrum für Klassische Musik.

Nikolaj Schtschelkonogow und Paul Sander

Einer der einprägsamen Aphorismen, die Fritz Wittmann hinterließ, lautet: „Wo Deutsche und Russen einander Familienphotos zeigen, können keine Feindbilder mehr entstehen.“ Ganz im Geiste dieses Mottos blätterten denn auch vor dem Konzert der Frontkämpfer, Nikolaj Schtschekonogow, und Paul Sander in einem Album, das zurückreicht bis ins Jahr 1991, als sich die beiden Friedenskämpfer zum ersten Mal trafen. Welch eine Begegnung!

Johanna Sander mit Nikolaj Schtschelkonogow und Sohn Paul

Und Johanna Sander? Sie erlebt ein Wladimir, wie sie es aus den Schilderungen ihres Vaters kennt und wie sie es sich doch nicht vorstellen konnte mit all der Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wird, vom Chor, vom Erlangen-Haus, vom Publikum… Eine Begeisterung, die sie sagen läßt: „Das war bestimmt nicht meine letzte Zusammenarbeit mit Wladimir und diesem Ensemble.“

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander

An der Seite von Tatjana Prokuschkina bestand Johanna Sander dann gestern zur Eröffnung der Konzertsaison eine schwierige Prüfung mit dem Requiem des zeitgenössischen Komponisten, Artjom Semjonow, dessen überwältigendes Werk für Chor, zwei Klaviere und Schlagwerk die Wladimirer Sopranistin oft bis an die musikalische Schmerzgrenze führte, während die deutsche Altistin eine tröstend-warme Stütze bot, ganz so, als gehörte sie schon immer zu dem Ensemble. Nur bei den allerersten Takten merkte man der Baiersdorferin noch die Aufregung an.

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander mit Dmitrij Fjodorow am Klavier

Nun darf sich das Publikum in Erlangen wie in Wladimir auf neue Projekte von Johanna Sander und ihren Wladimirer Freunden freuen. So geht ja auch noch hoffentlich der große Wunsch von Fritz Wittmann in Erfüllung: „Wir mögen die letzten Kriegsveteranen sein.“ Und im Album der Freundschaft von Nikolaj Schtschelkonogow gibt es nun neue Bilder.

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Das Plakat ist einfach zu schön, um es nur in Wladimir zu hängen… Zur Eröffnung der Chorsaison tritt Johanna Sander aus Baiersdorf am kommenden Freitag mit dem Kammerchor der Partnerstadt als Solistin auf. Derzeit probt sie noch mit dem Ensemble, das sie bereits im Advent 2018 bei dessen Gastspielreise durch Franken kennenlernte.

Damit ist wieder einmal bewiesen, wie vielgestaltig der Kulturaustausch ist, welche unerwarteten Wendungen die Wege der Partnerschaft nehmen. Und wenn sie dann auch noch so schön auf die Sinne wirken…

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Nehmen wir vorweg, was Alt-Maestro, Siegfried Brückner, in seiner Laudatio auf alle Mitwirkenden beim gemeinsamen Abendessen nach dem gestrigen Festkonzert in Herz Jesu so treffend sagte: „Wer den Kammerchor Wladimir in Hetzles nicht gehört hat, ist selber schuld.“ Um wie viel mehr mag das für alle gelten, die am ersten Advent den alles überstrahlenden Ausklang zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft nicht miterlebten!

Festkonzert in Herz Jesu

Schöner kann diese deutsch-russische Freundschaft auch gar nicht klingen: Zum Auftakt im März das Konzert der Camerata Franconia unter Leitung von Dorian Keilhack und unter Mitwirkung von Musikern aus Wladimir, nun, zum Finale, der gemeinsame Auftritt der Kirchenchöre von St. Sebald, Herz Jesu und St. Mauritius Röttenbach sowie des Kammerchors Wladimir, begleitet vom Kammerorchester Herz Jesu unter dem Dirigat von Norbert Kreiner. So fein eingespielt und eingestimmt aufeinander, daß sogar ein kleines Stolpern ohne Holpern derart harmonisch abgefedert wird, als wäre alles so und nicht anders in der Partitur vorgesehen. Souverän nennt man das wohl.

Tatjana Grin und ihr Kammerchor Wladimir

Zum zweiten Mal also nach der Generalprobe in Kirchehrenbach vom Samstag das Festkonzert mit dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier und der Cäcilienmesse von Charles Gounod. Musik zum Goutieren! Und zwischen den französischen Meistern, wie das Programm ausweist, „Russische Chormusik“ unter Leitung von Tatjana Grin.

Stille Nacht

Dieser eigene Block bewies einmal mehr das überragende Können der musikalischen Gäste, die in ihrem Zwischenspiel wahre Kleinodien aus ihrem reichen Repertoire aufblitzen ließen, etwa von Sergej Rachmaninow das 1900 entstandene Werk „Pantilej der Heiler“ oder von dessen Zeitgenossen, Pawel Tschesnokow, „Der Engel rief“, ganz zu schweigen von den beiden Werken des Meisters des 20. Jahrhunderts, Georgij Swiridow, und dem Volkslied „Oh, du weite Steppe“, die den Solostimmen Zeit und Raum zur prächtigen Entfaltung boten.

Norbert Kreiner und sein Gesamtensemble mit Tatjana Grin und den Solisten Manuel Krauß, Christopher Kessner, Elisabeth Böhnert, Johanna Sander und Eva-Maria Helbig

Aber auch in Wladimir fallen die Meistersänger nicht vom Himmel. Tatjana Grin leitet den bereits vor vier Jahrzehnten von Eduard Markin gegründeten Chor erst seit drei Jahren und verordnete ihm sogleich eine radiale Verjüngungskur mit sanft vermittelter, aber streng ausgeführter Disziplin. Jeden Werktag probt das Ensemble, und das Repertoire reicht von geistlicher Musik bis hin zu … Na ja, wer es nicht gehört hat, glaubt es ohnehin nicht.

Blick ins beglückte Publikum mit Staatsminister Joachim Herrmann und Stadträtin Anette Wirth-Hücking

Das Publikum jedenfalls wußte zu schätzen – auch abzulesen an den großzügigen Spenden, zu denen Stadträtin Anette Wirth-Hücking bei ihrer Begrüßung aufgerufen hatte – was da im auch in den beiden Querschiffen bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus fast zwei Stunden lang zu hören war: musikalische Partnerschaft à la bonne heure, während andernorts in Europa wieder zu den Waffen gerufen wird. Das deutsch-russische Ensemble setzte dem als Zugabe „Stille Nacht“ auf Russisch, Englisch und Deutsch entgegen, und nach dem Konzert intonierte Siegfried Brückner noch im Pfarrsaal seinen vierstimmigen Lieblingskanon: „Da nobis pacem, Domine!“ Nicht von ungefähr, denn der ehemalige Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule in Erlangen erinnert sich in diesen Tagen immer wieder an seinen älteren Bruder, der bei der Verteidigung von Breslau fiel.

Sabine Kreimendahl und Tatjana Grin

Man darf nun gespannt sein, was Sabine Kreimendahl in den Erlanger Nachrichten über das Partnerschaftskonzert schreiben wird. Da wir dem nicht vorgreifen können, hier ein Zitat von Brigitte Kreppel, Orchestermusikerin: „Man hätte dem Chor aus Wladimir ewig zuhören können. Wunderbar! Es war eine Freude, mit ihm zu musizieren.“

Bleibt noch der Hinweis: In diesem Jahr die letzte Chance, die Gäste singen zu hören, bietet sich heute um 19.00 Uhr im Wohnstift Rathsberg. Und mehr Bilder zum gestrigen Konzert gibt es wieder hier: https://is.gd/Dlyc6c

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„Warum fahrt ihr denn nach Erlangen, um dort französische Musik zu singen?“ Diese Frage hatte Tatjana Grin, Leiterin des Kammerchors Wladimir immer wieder zu parieren. „Warum nicht Bach oder Schubert?“ Ihre Antwort: „Musik ist doch international, und dann ist da ja auch noch das Gounod-Jubiläum, der Komponist der Cäcilienmesse wäre heuer 200 Jahre alt geworden.“

Kammerchor Wladimir in St. Bartholomäus Kirchehrenbach

Und so studierte denn das Ensemble in den letzten Monaten das Te Deum von Marc-Antoine Charpentier mit der aus der Eurovision so bekannten Ouverture ebenso präzise ein wie die Messe solennelle en l’honneur de Saint-Cécile. So präzise und souverän, daß Norbert Kreiner bei der ersten gemeinsamen Probe mit dem Kammerorchester Herz Jesu und den Erlanger Chören von St. Sebald, Herz Jesu und St. Mauritius Röttenbach keine Mühe hatte, die Stimmen mit den trefflich gewählten Solisten, Eva-Maria Helbig, Elisabeth Böhnert, Johanna Sander, Christopher Kressner und Manuel Krauß in strahlenden Einklang zu bringen. Hier und da eine kleine Anmerkung zu dem einen oder anderen Takt, der ihm zu schnell geriet, oder da und dort, wo ihm noch das besondere festliche Element im Ausdruck fehlte.

Kammerchor Wladimir dem Kirchenchor Herz Jesu, Chorkreis St. Sebald und Mitgliedern der Chorgemeinschaft St. Mauritius Röttenbach

Bei der Aufführung dann aber ein makelloses Zusammenfinden der so unterschiedlichen Gesangstraditionen, eine überragende Aufführung der anspruchsvollen Werke, von denen ein Besucher des Auftritts in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche St. Batholomäus meinte:

Norbert Kreiner und Tatjana Grin

Wir haben lange nicht so ein schönes Konzert wie heute in Kirchehrenbach gehört. Es hat eine tiefe spirituelle Befriedigung gebracht.

Eva-Maria Helbig, Johanna Sander und Tatjana Grin

Es war übrigens, um doch noch auf die Nationalitäten in der Musik zu sprechen zu kommen, kein rein französischer Abend. Den Mittelteil zwischen Marc-Antoine Charpentier und Charles Gounod gestaltete der Kammerchor Wladimir in vollendeter Meisterschaft. Pfarrer Oliver Schütz war gar so begeistert, daß er Tatjana Grin einlud, in seinen Kirchenchor einzutreten. Das Publikum würde das sicher auch begrüßen, denn der Applaus am Ende wollte auch nach der Zugabe der Gäste noch lange nicht enden.

Tatjana Grin und Oliver Schütz

Am Ende eines solch denkwürdigen Abends ist es Zeit für den Dank an die mitwirkenden Ensembles und Solisten, die Organisatoren vor Ort, die Sponsoren, den Kirchengemeinderat, die Lokalpolitik, vor allem aber den beiden Künstlern, die nicht nur das musikalische Programm zusammenstellten, sondern auch bei der Gesamtorganisation des Partnerschaftskonzerts – bis hin zur Familienunterbringung der Gäste – Regie führten: Siegfried Brückner und Norbert Kreiner.

Tatjana Grin und Siegfried Brückner

Weh dem, der für das heutige Festkonzert zum Abschluß der Feierlichkeiten zum 35jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir um 17.00 Uhr in Herz Jesu noch keine Karte hat. Bald wird es schnein. Na ja, ganz so ernst sollte man den Anklang bei Friedrich Nietzsche nicht nehmen. Es gibt sicher noch Restkarten an der Kasse zu diesem besten aller möglichen Auftakte für die Adventszeit.

Mehr Bilder gibt es hier zu sehen: https://is.gd/Dlyc6c

 

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Noch einmal zur Erinnerung:

Im Februar 1992 wurde das „Zentrum für Chormusik der Wladimir-Susdaler Rus“ in der Partnerstadt gegründet. Doch schon 1974 hatte Eduard Markin als Leitstern dieser Einrichtung den Kammerchor ins Leben gerufen, den heute Tatjana Grin leitet. Als musikalischer Botschafter der damals noch ganz jungen Städtepartnerschaft kam das Ensemble erstmals 1985 nach Erlangen und begeisterte das Publikum mit seiner so disziplinierten Stimmgewalt. Es folgten viele weitere Gastspiele in Franken und bald schon weit darüber hinaus.

Kaum ein großes Festival für Chormusik, das nicht eine Bühne für die Gruppe aus Wladimir geboten, und kaum eine Auszeichnung, die sich das Ensemble nicht ersungen hätte. Sogar bei Staatsbesuchen des Präsidenten wirkten die Künstler mit, und kaum ein Gast der Stadt, der nicht auch einen Auftritt des gemischten Chors besuchte. Nun kommt er nach längerer Pause – und unter neuer Leitung – zum Adventsauftakt und zum Ausklang des 35jährigen Partnerschaftsjubiläums wieder nach Erlangen. Und das gleich mit vier Konzerten: am Donnerstag, den 29. November, mit einem Programm aus hauptsächlich russischer geistlicher Musik mit einem Zwischenspiel an der Orgel mit Norbert Kreiner und am Samstag, den 1. Dezember, sowie am Sonntag, den 2. Dezember, dann mit der Cäcilienmesse von Charles Gounod – im Zusammenwirken mit dem Kirchenchor und Kammerorchester Herz Jesu sowie dem Chorkreis St. Sebald.

Gastgeber des Ensembles aus Wladimir ist der Chorkreis St. Sebald, der bereits auf eine dreißigjährige künstlerische Verbindung zur Partnerstadt zurückblickt und 2005 selbst ein Gastspiel bei den russischen Freunden gab.

Wer keine Zeit findet, eines dieser drei Konzerte zu besuchen, erhält am Montag, den 3. Dezember, um 19.00 Uhr eine vierte, dann aber auch letzte Chance mit dem Auftritt des Kammerchors im Wohnstift Rathsberg, hier wieder mit einem eigenen Programm mit geistlichen und weltlichen Werken aus der russischen und westeuropäischen Klassik.

Tatjana Grin und ihr Kammerchor

Der bevorstehende Besuch dürfte übrigens nicht nur alle Musikbegeisterten freuen, er beweist auch wieder einmal, wie eng die Partnerstädte im kulturellen Bereich zusammenarbeiten, wie sehr man sich in künstlerischen Dingen vertraut. Die Cäcilienmesse proben die Erlanger und Wladimirer – entfernungsbedingt – nämlich getrennt ein, und nach nur einer gemeinsamen Probe muß der Ton stimmen. Wie das klingen und schwingen wird, bekommen wir ja nun bald zu hören.

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Mädchenchor Wladimir

So groß die Befürchtungen von Alexander Sneschin, Direktor der Wladimirer Kinderkunstschule Nr. 3, bei der Probe waren, man komme mit der etwas unklaren Akkustik in der Hugenottenkirche nicht zurecht, so erleichtert seine Freude, als sich bewahrheitete, was sein Freund Joachim Adamczewski, gemeinsam mit Philipp Barth Leiter des Mädchenchors vom Christian-Ernst-Gymnasium, vorausgesagt hatte: „Wenn erst mal Leute im Saal sitzen, klingt hier alles ganz anders.“ Und die Leute kamen – übrigens in gar nicht so geringer Zahl! – und sahen und hörten ein wahres Jubelfest der Musik, einen Sängerinnenstreit in der evangelisch-reformierten Gemeinde mit einem klaren Sieger namens Sangesfreude.

Gerhard Wolf, Philipp Barth, Joachim Adamczewski, Peter Steger

Es war gestern abend der Höhepunkt einer langen Zusammenarbeit, die an Dreikönig zu Thuisbrunn anno 2009 ihren gelungenen Auftakt gefunden hatte und dann einen harmonischen Fortgang im kalten russischen Winter im gleichen Jahr fand, bis nun der Gegenbesuch aus Wladimir im hochsommerlichen Erlangen zustande kam und gestern mit einem strahlenden Doppelkonzert ausklang.  Wenn heute die Mädchen via München die Heimreise antreten, werden sie, wie Alexander Sneschin versichert, unauslöschliche Erinnerungen an einen wundervollen Aufenthalt in der Partnerstadt mitnehmen. Möglich geworden ist der freilich nur dank der Inititiative von vier Herren: Gerhard Wolf, Direktor des CEG, den beiden Musiklehrern des Gymnasiums und dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger. Vor allem aber dank der überwältigenden Gastfreundschaft vieler Eltern von Thuisbrunn über Möhrendorf bis Erlangen, die den Wladimirer Mädchen eine herzliche Aufnahme bereitet haben. Dafür gibt es nur ein Wort: SPASIBO!

Wladimirer Mädchenchor

Andächtig und introvertiert beginnt das Konzert mit der Vokalise „Unfreiheit“ von Sergej Rachmaninow. Still und zurückhaltend und doch schon mit der konzentrierten Kraft der Stimmen, mit der Geschlossenheit des Chores, für das ihn am Ende so viele Besucher voll Bewunderung loben sollten. Auch das nächste Stück durchaus noch in dieser Manier gehalten, zwar alles andere als in sich gekehrt, vielmehr voll des prallen Markttreibens von Limoges aus den „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgskij, doch ohne jede Ornamentik, nur mit jenem Zauber, der Großes verspricht. Mit dem „Requiem“ von Andrew Lloyd Webber, beseelt und innig vorgetragen von den Solistinnen Jelena Sjomina und Anna Golubjewa, löst der Chor dieses Versprechen bereits ein. Da verzeiht man Anna Golubjewa gerne, daß ihr gleich zwei Mal die Stimme versagt, zumal sie den „Garten“ von Pjotr Tschajkowskij kurz darauf mit aufatmender Sicherheit und leuchtendem Klang zu Gehör bringt. Überhaupt die Solistinnen: Mögen sie im Ensemble noch so bescheiden dem Ganzen dienen, sind sie es doch, die im Konzert die Höhepunkte setzen und erlebbar machen, wie streng und erfolgreich in Wladimir Stimmbildung betrieben wird. In Erlangen bleibt da, wie Joachim Adamczewski berechtigte Klage führt, zu wenig Zeit, und wäre da nicht die Altistin Johanna Sander mit ihrem Minimaldeputat an Stunden, bliebe dieser Bereich ganz der Natur und dem Talent der Mädchen sowie der Mühewaltung der Dirigenten überlassen.

Joachim Adamczewski und Philipp Barth

Nach acht Stücken betritt eine Auswahl des Mädchenchors  den Raum vor der Kanzel und spielt seine fulminanten Stärken aus: begeisternde Lust am Singen, filigrane Mehrstimmigkeit und schimmernde Klarheit der Strukturen. Nach einem kleinen Block von hierzulande zu Unrecht kaum bekannten norddeutschen Volksliedern in reinstem Platt schließlich eine Premiere, ein musikalisches Experiment, bei dem die beiden Dirigenten statt zum Stab zu Gitarre und Kontrabaß greifen, richtigen Groove ins Gotteshaus bringen und die Sängerinnen nebst Publikum mit zwei jazzigen Stücken in ein regelrechtes Fieber versetzen. Rundum gelungen – das Experiment! Da wollen die Gäste nicht zurückstehen und bekennen ebenfalls ihre Liebe zur amerikanischen Popmusik, bevor das ganze, wie es später Alexander Sneschin nennt, in einer Session endet. Zum Abschluß ihrer Konzerte sangen die Mädchen aus Wladimir bisher immer ein Quodlibet aus drei deutschen Volksliedern in russischer Sprache. Nun haben sie am Vorabend des Auftritts in der Hugenottenkirche den deutschen Text erhalten und über Nacht auswendig gelernt. Die Erlanger Sängerinnen hingegen hatten sich in die Singart der Russinnen eingehört. Eine kurze Probe, nicht viel mehr als eine Stellprobe in der Kirche, mußte genügen und reichte in der Tat aus, um dem Abend einen unvergeßlichen Glanzpunkt zu geben. Schöner kann Partnerschaft nicht klingen! Diese in ihrer Art einzigartige Zusammenarbeit von Schulen wird, so darf man hoffen, noch von sich hören lassen.

P.S.: Die Photos hat dankenswerterweise Hans Gruß gemacht.

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