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Posts Tagged ‘Jelena Owtschinnikowa’


Derzeit hält sich eine siebenköpfige Medizinerdelegation aus Erlangen in Wladimir auf, die vorgestern vom Leiter der Regionalen Gesundheitsbehörde, Alexander Kirjuchin, und seiner Stellvertreterin, Jelena Owtschinnikowa, empfangen wurde. Hauptthema des Treffens – die Palliativmedizin.

Empfang bei Alexander Kirjuchin

Die Homepage der zentralen Verwaltung aller medizinischen Einrichtungen des Gouvernements Wladimir berichtet ausführlich über den Empfang für die deutsche Delegation, die der Hausarzt und medizinische „Wladimir-Beauftragte“, Jürgen Binder, zusammengestellt hatte und über deren Programm noch im einzelnen zu berichten sein wird.

Medizinstudent Felix Wackerbauer, Christiane Schöllhammer und Christoph Ostgathe

Heute deshalb hier nur erste Eindrücke von dem Besuch, der hauptsächlich der Palliativmedizin galt, die in der Region Wladimir noch im Aufbau steckt. Erst 2013 eröffnete man in der Partnerstadt eine Palliativstation, 2015 und 2016 folgten dann weitere Einrichtungen in Murom, Sudogda, Sobinka und im Landkreis Gus-Chrustalnyj mit insgesamt 60 Betten, deren Zahl man bis 2020 verdoppeln will. Ziel ist es, zehn Betten für 100.000 Einwohner bereit zu halten, was in etwa auch dem Angebot in Erlangen entspräche, wo es derzeit zwölf Betten im Universitätsklinikum gibt.

Jürgen Binder, Irina Chasowa, Anette Christian und Stephan Horn

Allein die Station in Wladimir hatte im vergangenen Jahr mehr als 200 Patienten. Allerdings wird – im Unterschied zu Erlangen – noch kaum ambulante Hilfe angeboten, die in der Hugenottenstadt von etwa 500 Patienten jährlich in Anspruch genommen wird.

Anette Christian, Jelena Owtschinnikowa und Alexander Kirjuchin, Jürgen Binder, Christoph Ostgathe, Stephan Horn, Felix Wackerbauer, Thomas und Christiane Schöllhammer

Wichtigstes Ergebnis der Unterredung: Professor Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativklinik an der FAU, sagte zu, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen, und Hospitationen anzubieten. Dies wird dann sicherlich auch Gelegenheit geben, mit Unterstützung von Stadträtin Anette Christian, federführend in der ambulanten Palliativversorgung tätig, die häusliche Pflege in Wladimir besser zu organisieren.

Christoph Ostgathe mit seinen Wladimirer Kolleginnen auf der Palliativstation

Siehe hierzu auch: https://is.gd/xLCt8G

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Alexander Bersenjew, Direktor der Psychiatrie und Professor an der Universität Wladimir, versagt noch immer die Stimme, wenn er daran erinnert, welche Zustände in den 90er Jahren in seinem Tausend-Betten-Klinikum herrschten. „Die Hilfe aus Erlangen betrug damals das Dreifache meines Haushalts, und ohne die Unterstützung aus der Partnerstadt hätten wir unsere Patienten nicht versorgen können, weder mit Lebensmitteln noch erst recht nicht mit Medikamenten. Damals gab es psychiatrische Einrichtungen im Land, wo die Kranken Kräuter und Blätter sammelten…“ In diesen schlimmen Zeiten regte auch Stadtrat Jürgen Zeus in seinem Rotary-Klub an, sich an der humanitären Hilfe zu beteiligen, und so kennen und schätzen sich die beiden Mediziner seit 1997. Damals kam auch viel Unterstützung von der Aktion Sternstunden, und es begann die Zusammenarbeit mit dem Klinikum am Europakanal, der WAB Kosbach, den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, – und ein in seinem Umfang einmaliges Austauschprogramm von Fachkräften begann, das schließlich im Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik „Blauer Himmel“ seine Erfüllung fand und heute auch die Technische Hochschule Nürnberg mit ihrem Bereich für Sozialwesen einbezieht.

JÜrgen Zeus, Herbert Lerche, Alexander Bersenjew, Manfred Kirscher und Elisabeth Preuß

JÜrgen Zeus, Herbert Lerche, Alexander Bersenjew, Manfred Kirscher und Elisabeth Preuß

Heute steht die Psychiatrie noch immer hintan, wenn es um die Mittelvergabe geht; das Haus hat nur noch 800 Betten, und seit einem guten Jahr ist die Kinderabteilung wegen Baufälligkeit des Gebäudes auf unbestimmte Zeit nach Sobinka, ca. 30 km westlich von Wladimir, verlegt. Die Räume, einst mit Unterstützung aus Erlangen renoviert, harren nun wieder einer Generalsanierung. Doch den Chefpsychiater der Region Wladimir plagen auch andere Sorgen: Gerade einmal die Hälfte seiner ärztlichen Planstellen kann er besetzen, und zwei Drittel seines verbliebenen medizinischen Personals erreicht demnächst die Pensionsgrenze oder hat die sogar bereits überschritten. Zu unattraktiv das Berufsbild, zu stark die Magnetwirkung Moskaus, zu gering die Honorierung. Viele Gründe für einen Mißstand, der Sorgen bereitet, weil die wehrlosesten Menschen der Gesellschaft darunter leiden. Aber ganz ohne Hoffnung kann Alexander Bersenjew nicht sein, und so setzt er wieder einmal auf den fachlichen Austausch mit Erlangen, der sicher auch für junge Kollegen zusätzliche Anreize schaffen kann.

Manfred Kirscher, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß, Olga Dejewa, Jürgen Zeus, Olga Dugina und Wladislaw Poldjajew

Manfred Kirscher, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß, Olga Dejewa, Jürgen Zeus, Olga Dugina und Wladislaw Poldjajew

Ein wichtiges Thema deshalb auch beim Empfang im Rathaus mit Oberbügermeisterin Olga Dejewa, die ja als ehemalige Vorsitzende des Sozialfonds und Geschäftsführerin des Roten Kreuzes ihrer Stadt weiß, wo die Not am größten ist. Und die wirkt sich in Zeiten der Wirtschaftskrise natürlich auch auf den städtischen Haushalt aus. Dennoch – auch hier geht der Blick nach vorne: Eine Plattform von Wissenschaftlern und Intellektuellen ist in Planung, die, in beiden Partnerstädten installiert, Fragen diskutieren soll, die angesichts der politischen Verwerfungen zwischen Ost und West offene die häufig unartikulierten gegenseitigen Befürchtungen und Bedrohungsszenarien diskutieren und neue Verbindungen der Verständigung herstellen sollen. Noch in Planung, noch nicht mit Personen und Funktionen besetzt, aber schon vielversprechend als gemeinsames Ziel, über das dieser Tage noch zu sprechen sein wird.

Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus mit zwei Heimbewohnerinnen

Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus mit zwei Heimbewohnerinnen

Das soeben erst eröffnete Altenheim, nur wenige Autominuten außerhalb von Wladimir in Richtung Susdal inmitten von Obstgärten gelegen, wirkt da wie eine Gegenwelt des Umsorgtseins, der Aufmerksamkeit und Mitmenschlichkeit. Auf 110 Personen ist die Einrichtung in einem ehemaligen Schulgebäude für landwirtschaftliche Berufe angelegt, und die ersten drei Dutzend Frauen und Männer – darunter auch ein Ehepaar – sind bereits eingezogen. Zwei Drittel ihrer Rente bezahlen sie als Miete für Unterkunft, Pflege, fünf Mahlzeiten am Tag, alle therapeutischen Anwendungen, den Rest legt der Staat drauf, und die Bedürftigkeit prüft das Sozialamt.

Manfred Kirscher, Herbert Lerche, Swetlana Sergejewa, JÜrgen Zeus und Elisabeth Preuß

Manfred Kirscher, Herbert Lerche, Swetlana Sergejewa, JÜrgen Zeus und Elisabeth Preuß

Überall in der Region entstehen derzeit ähnliche Heime, die allesamt behindertengerecht eingerichtet sind und eine Lebensqualität bieten, die hinter den Ansprüchen an Qualität in Deutschland nicht zurückbleiben. Gepflegte Außenanlagen, großzügige Zimmer mit bester technischer Ausstattung, eine Turnhalle, medizinische Grundversorgung. Swetlana Sergejewa kann stolz auf ihr Haus sein und ist dennoch oder gerade deshalb an einem Fachaustausch mit Erlangen interessiert, denn „lernen kann man nie genug voneinander“.

Elisabeth Preuß, und Manfred Kirscher

Elisabeth Preuß, und Manfred Kirscher

Beeindruckend vor allem aber das Miteinander, das große Angebot an Freizeitgestaltung: etwa der Frauenchor, der täglich seine Proben abhält und eine Sängerin in seinen Reihen weiß, die bei ihrer Aufnahme ins Heim nicht gesprochen hat und erst über das Singen wieder zur Kommunikation zurückfindet. Oder auch die so vergnügte Dame, die am liebsten all ihre schönen Eindrücke vom Leben hier in Reime gießt und sie voll Freude den Gästen vorträgt.

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche mit dem Frauenchor des Altenheims

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Elisabeth Preuß und Herbert Lerche mit dem Frauenchor des Altenheims

Bücherei, Internetzugang, Bastelkurse – und in unmittelbarer Nähe auch noch ein Haus der Kultur, wo regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Gegenüber dem Heim ein weiterer Gebäudeteil, wo Kurzzeitpflege und Kuraufenthalte geplant sind, die dann freilich schon gegen Gebühr. Ein Zukunft mit einem Lächeln verspricht das für die alten Menschen in der Region Wladimir, wenn bald alle staatlichen Heime dieser Art eröffnet sind.

Elisabeth Preuß mit einer Bewohnerin und der Bibliothekarin des Altenheims

Elisabeth Preuß mit einer Bewohnerin und der Bibliothekarin des Altenheims

Wir bleiben beim Blick in die Zukunft. Jelena Tschilimowa, die früherer Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, arbeitet seit einigen Wochen an der Übersetzung des Veteranenbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“. Wenn alles gut geht, kann das Buch noch in diesem Jahr in russischer Sprache erscheinen und damit die Erlebnisse und Erfahrungen der einstigen Gefangenen in Lagern der Region Wladimir auch allen Interessierten in der Partnerstadt und darüber hinaus zugänglich machen. Noch sind aber viele Details – gerade auch bei der Übertragung ins Russische – zu klären.

Jelena Tschilimowa

Jelena Tschilimowa

Herbert Lerche hat unterdessen seinen eigenen Blick auf die Dinge. Als langjähriger Sachgebietsleiter im Bürgermeister- und Presseamt hatte er in den 80er und 90er Jahren u.a. die Städtepartnerschaften zu verantworten und hatte wesentlichen Anteil am Aufbau der Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir. 1987 reiste er schließlich mit einer Kulturdelegation an die Kljasma und wohnte damals auch im gleichnamigen Hotel, wo bis zur Eröffnung des Erlangen-Hauses so gut wie alle Gäste aus Erlangen untergebracht wurden. Fast 30 Jahre sind seither vergangen, aber vieles ist noch wie damals, mehr, viel mehr freilich ganz anders und kaum wiederzuerkennen. Nun als Leiter des Bürgermeister- und Presseamtes wollte er endlich auch mit eigenen Augen sehen, was aus seinem „Frühwerk“ geworden ist, wie sich die vielen Projekte, die seither als Vorlagen, Vermerke und Reiseberichte über seinen Schreibtisch gingen, mit der Zeit entwickelt haben.

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Nun aber auch Zeuge zu werden, wie ganz neue Ideen des Austausches Gestalt annehmen, hätte er nicht erwartet, um nur von dem Vorhaben der Rotarier in Erlangen zu sprechen, die Medizinern und Wissenschaftlern sowie Fachkräften aus dem Bereich Tourimus die Möglichkeit bieten wollen, in der deutschen Partnerstadt Praktika, Hospitationen und Fortbildungen zu absolvieren. Ein Gedanke, vorgetragen von Jürgen Zeus, der auch bei Jelena Owtschinnikowa, der stellvertretenden Leiterin des Gesundheitsamts der Region, und Ljubow Bykowa, der ärztlichen Direktorin des Bezirkskrankenhauses, auf viel Zustimmung stößt. Und da ist ja auch noch der Radiologe, Iwan Seliwjorstow, der soeben erst seine Hospitation in Erlangen abgeschlossen und nun auch schon Gedanken entwickelt hat, wie die Sache in Gang kommen könnte. Davon ganz sicher in nächster Zeit mehr.

Ljubow Bykowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa, Jürgen Preuß, Jewgenij Jaskin, Iwan Seliwjorstow und Herbert Lerche

Ljubow Bykowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa, Jürgen Preuß, Jewgenij Jaskin, Iwan Seliwjorstow und Herbert Lerche

Denn mehr sollen es werden, wenn es nach Elisabeth Preuß geht, mehr Fachleute aus der Medizin, die sich austauschen, wie gerade auch Jewgenij Jaskin, der ärztliche Direktor des Unfallkrankenhauses, der selbst schon mehrfach in Erlangen war und seine Fachärzte regelmäßig zu den deutschen Kollegen schickt. „Man kann eben gar nicht genug voneinander lernen“, meint die Bürgermeisterin zum Ende des Abends – „und das am besten mit und bei Freunden“.

 

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Als Anfang Mai 2009 Brüne Soltau nach 16 Jahren als Vorsitzender des Kreisverbands Bayerisches Rotes Kreuz Erlangen-Höchstadt aus dem Ehrenamt verabschiedet wurde, zollte ihm Siegfried Balleis, der damalige Erlanger Oberbürgermeister, Lob für einen „beispielhaften Einsatz im humanitär-ehrenamtlichen Bereich“ und bescheinigte dem scheidenden Präsidenten, die Aktion „Hilfe für Wladimir“ zu einem „wahren Vorzeigeprojekt gemacht“ zu haben. Florian Janik, Nachfolger im Amt, geht in seinem Glückwunschschreiben zum heutigen 75. Geburtstag noch einen Schritt weiter und hält fest, ohne Brüne Soltau, sei die Aktion „Hilfe für Wladimir“ gar nicht denkbar gewesen.

Brüne Soltau

Brüne Soltau 1994 in Wladimir

Wir wissen nicht, ob der Jubilar die Maxime von Leo Tolstoj kennt, wonach die allerwichtigste Sache sei, Gutes zu tun, weil der Mensch nur dafür lebe, was wir aber wissen ist: Brüne Soltau hat sein Leben danach ausgerichtet – und daran offenbar gut getan. Wenn nämlich heute Erlangen in den Herzen der Menschen von Wladimir untrennbar mit Begriffen wie „Freundschaft“, „Hilfsbereitschaft“ oder „Menschlichkeit“ verbunden ist, kommt dem in Hamburg geborenen Herzogenauracher ein erheblicher Anteil daran zu. Die Anerkennung für sein humanitäres Wirken blieb denn auch nicht lange aus: 1998 der „Ehrenbrief für Soziales Engagement“ der Region Wladimir, 2002 der „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“, verliehen von Bundespräsident Johannes Rau. Vor allem aber die vielen Dankesworte von Ärzten und Pflegekräften, von Patienten und Politikern, von Kindern und Alten, von all den ungenannten Menschen, die Unterstützung durch die Hilfsaktionen des „Ritters vom Roten Kreuz“ erhielten.

Brüne Soltau neben Johannes Rau

Peter Steger, Alexandra Gräfin Lambsdorff, Fritz Wittmann, Brüne Soltau, Johannes Rau und Jürgen Ganzmann

Neben der akuten Nothilfe vor allem zu Beginn der 90er Jahre und in den Krisenmonaten von 1998 war es Brüne Soltau stets besonders wichtig, das Rote Kreuz in Wladimir wieder handlungsfähig zu machen, den weitgehend paralysierten Ortsverband in den Stand zu versetzen, seine Aufgaben wahrzunehmen und Menschen in Notlagen beizustehen. Ungeachtet der vielen Rückschläge hielt der Retter vom BRK Kurs und bewies einen bewundernswert langen Atem. Und wurde für seine Ausdauer und Beharrlichkeit belohnt.

Brüne Soltau, 2013, mit Jelena Owtschinnikowa, damals stellv. Bürgermeisterin, heute stellv. Leiterin des Gesundheitsamts der Region Wladimir, und Olga Dejewa, damals Leiterin des Sozialwerks und Vorsitzendes des Roten Kreuzes, heute Oberbürgermeisterin von Wladimir

Brüne Soltau, 2013, mit Jelena Owtschinnikowa, damals stellv. Bürgermeisterin, heute stellv. Leiterin des Gesundheitsamts der Region Wladimir, und Olga Dejewa, damals Leiterin des Sozialwerks und Vorsitzendes des Roten Kreuzes, heute Oberbürgermeisterin der Partnerstadt

Heute kann das Geburtstagskind erleichtert durchatmen, denn der russischen Partnerorganisation kommt mittlerweile dank ihren Programmen zur Ersten Hilfe und Häuslichen Pflege eine geachtete Rolle in der Wladimirer Sozialpolitik zu, und der von Brüne Soltau 1999 aus der Taufe gehobene Förderverein für das Wladimirer Rote Kreuz sorgt für die notwendige Kontinuität und Verläßlichkeit der Zusammenarbeit. Dafür und für vieles mehr kann der Blog nur DANKE und СПАСИБО sagen sowie die besten Glückwünsche von den Ufern der Regnitz und Kljasma an die Aurach schicken.

 

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Die ersten 40 Minuten seiner Sitzung vorgestern widmete der Wladimirer Stadtrat nur einem Thema: der Grippewelle, die sich zu einer Epidemie ausgewachsen hat. Seit Donnerstag sind alle Schulen für fast zwei Wochen geschlossen, sogar Kindergärten unternehmen Präventivmaßnahmen. Da wollen / sollen auch die Volksvertreter mit guten Beispiel vorangehen und einander und sich selbst durch das Anlegen von Masken vor Ansteckung schützen. Immerhin leiden in der Partnerstadt 45% mehr Menschen an Atemwegserkrankungen und Grippe als per Grenzwert festgelegt. In absoluten Zahlen: 4.000 Fälle, davon fast 2.500 Kinder unter 14 Jahren.

Wladimirer Stadträte

Wladimirer Stadträte

Wie kritisch die Lage einschätzt wird, beweist der Auftritt der ehemaligen Fachbürgermeisterin für Soziales, Kultur und Gesundheit, Jelena Owtschinnikowa, die mittlerweile zur stellvertretenden Leiterin der obersten Gesundheitsbehörde der Region Wladimir ernannt wurde. Die Ärztin berichtete denn auch, derzeit gingen zwischen 400 und 700 Notrufe pro Tag bei der Kinderambulanz ein, das Vier- bis Siebenfache im Vergleich zur Norm. Ein Ansturm, dem die 15 Einsatzteams gar nicht mehr gewachsen seien, weshalb es oft zu zwei- bis dreistündigen Verspätungen komme. Überdies gebe es bereits Engpässe bei den Medikamenten und Atemschutzmasken.

Jelena Owtschinnikowa

Jelena Owtschinnikowa

Noch bedenklicher freilich ist, daß in der Region Wladimir derzeit auch die Schweinegrippe grassiert, unter anderem vom Typ А H1N1 und A H3N2. Mehr als 60 Ansteckungen, davon zwei mit letalem Ausgang, sind in dem Zusammenhang bereits zu beklagen. Da tröstet es wenig, wenn man weiß, daß sich die Lage landesweit ähnlich darstellt und sogar die Staatsduma in der Sache schon aktiv wurde. Uns bleibt nur, Gesundheit zu wünschen, denn der russische Winter kann noch lang werden.

 

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„Wenn Dietmar Hahlweg in unsere Stadt kommt, ist es eine Sache der Ehre, sich mit ihm zu treffen. – Und eine Sache des Herzens“, bekennt Nikolaj Winogradow, von Dezember 1996 bis März 2013 Gouverneur der Region Wladimir. Die beiden Politiker kennen und schätzen einander bereits seit 1995, als sie gemeinsam das Erlangen-Haus eröffneten. Der spätere Landesvater des Gouvernements war damals noch Präsident der Regionalduma.

Nikolaj Winogradow und Dietmar Hahlweg

Nikolaj Winogradow und Dietmar Hahlweg

Auch wenn die Städtepartnerschaft sicherlich nicht zu seinen Kernaufgaben gehörte, haben ihm die Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir viel zu verdanken. Ohne seine persönliche Unterstützung gäbe es beispielsweise den Blauen Himmel nicht, und viele andere Projekte, die über den engeren Rahmen der beiden Städte hinausgehen, wären ohne sein aktives Wohlwollen nur schwer vorstellbar. Desto mehr freut er sich jetzt, wenn er sieht, wie die Zusammenarbeit fortgesetzt wird, – und er bietet, wo nötig und möglich, an, auch in Zukunft beim Austausch anzupacken. „Denn diese Kontakte sind in der momentanen politischen Lage wichtiger denn je. Mindestens ebenso wichtig wie damals gegen Ende des Kalten Krieges“, mahnt Nikolaj Winogradow am gestrigen Vormittag zum Abschied von seinem deutschen Freund.

Anna und Fjodor Lawrow, Wiktor Malygin, Dietmar Hahlweg und Alexander Rybakow

Anna und Fjodor Lawrow, Wiktor Malygin, Dietmar Hahlweg und Alexander Rybakow

Altoberbürgermeister Alexander Rybakow, in der Amtszeit von Dietmar Hahlweg stellvertretendes Stadtoberhaupt von Wladimir und u.a. zuständig für die Organisation des Fränkischen Festes 1993 und die Koordination der Sanierungsarbeiten am Erlangen-Haus, sieht das nicht anders. Der Nachfolger von Igor Schamow und Vorgänger von Sergej Sacharow hat viel Kärrnerarbeit für die Partnerschaft geleistet und ist, wenn auch schon vier Jahre nicht mehr im Dienst, noch immer am Austausch interessiert. Da kommt es auch nicht von ungefähr, wenn er gemeinsam mit Fjodor Lawrow und Wiktor Malygin im Erlangen-Haus erscheint, die beide vor allem in den Bereichen Sport, Tourismus und Bildung ihre ganz eigenen Akzente setzen.

Jurij Iwatko und Jelena

Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Fast gleichzeitig klingeln Jermakowa und Jurij Iwatko an der Tür des Erlangen-Hauses. Das Künstlerehepaar hatte ja schon gleich nach seinem ersten Besuch in Erlangen im vergangenen Dezember angekündigt, möglichst bald wieder in die Partnerstadt kommen zu wollen, nachzulesen unter  http://is.gd/w0ZWqK. Und nun ist es tatsächlich schon im Juli so weit. Jurij Iwatko hat bereits die Skizzen und Modelle für eine Arbeit gefertigt, die er für den geplanten Skulpturenweg in Tennenlohe schaffen will. Ob sie figürlich wird mit einem tiefen Riß durch den Oberkörper als symbolisches Wundmal des Krieges oder eher abstrakt als „erster Stein“, den ein Mensch auf einen anderen geworfen, wird sich vor Ort weisen.

Marlene Wüstner und Soroptimist International Wladimir

Schon seit einigen Jahren trifft sich der Frauenklub Soroptimist International, gegründet 2001 mit Unterstützung aus Erlangen, und entwickelt Projekte, die mit den fränkischen Schwestern umgesetzt werden. Genannt werden sollen hier nur die Unterstützung für die Kinder-TBC-Station, die Einrichtung eines gynäkologischen Behandlungsraums für Mädchen, die Aussstellung zum Thema „Heimat“ mit Schülerarbeiten aus den Partnerstädten oder die Übersetzung eines Romans der Erlanger Krimi-Autorin Ines Schäfer. Gestern nun versammelte sich der Service-Klub, um mit Marlene Wüstner und Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa die nächsten Aktionen zu besprechen, von denen der Blog sicher bald berichten kann.

Margartia Bersenjewa, Elke Sausmikat, Alexander Bersenjew und Jürgen Ganzmann

Margartia Bersenjewa, Elke Sausmikat, Alexander Bersenjew und Jürgen Ganzmann

Ebenso wie von dem, was Alexander Bersenjew, Chefpsychiater der Region Wladimir, mit Jürgen Ganzmann und seiner Mitarbeiterin, Elke Sausmikat, besprochen hat. Seit 1999 sind die beiden Fachleute für die Therapie von Menschen mit psychischen Erkrankungen nun schon befreundet, wollen es aber nicht beim Rückblick auf ihre großartigen Leistungen – das Projekt „Lichtblick“ gehört ebenso dazu wie das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik „Blauer Himmel“ – belassen, sondern arbeiten schon wieder an neuen Ideen für den Austausch, von dem es ja gerade jetzt gar nicht genug geben kann.

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Es verletzt die russischen Kriegsveteranen am Vorabend des 70.  Jahrestages des Sieges über das Dritte Reich, wenn zu ihrem größten Fest, zum Triumph über den Faschismus gerade Deutschland nicht der Einladung des Kreml folgt und damit bei der Parade heute auf dem Roten Platz nicht durch Mitglieder der Bundesregierung vertreten ist. Immerhin versteht man es als Zeichen dafür, die Verbindung nicht abbrechen zu wollen, wenn Angela Merkel morgen gemeinsam mit Wladimir Putin einen Kranz zu Ehren der 27 Millionen sowjetischen Opfer des von Deutschland entfachten Zweiten Weltkriegs niederlegt.

Die Erlanger Delegation und die Veteranen im Erlangen-Haus

Die Erlanger Delegation und die russischen Veteranen mit Philipp Dörr in ihrer Mitte  im Erlangen-Haus. Photo: Wladimir Filimonow

Dennoch der Vorschlag an Oberbürgermeister Florian Janik, er möge doch die Kanzlerin nach Wladimir einladen. Sie werde dann sehen: „Hier sind keine blutdürstigen Krieger unterwegs. Hier sind die Straßen voller friedliebender Menschen, die keinen Krieg wollen!“ Wie auch! Diese Männer haben die verbrannte Erde von der Wehrmacht zurückerobert, haben Leid, Elend und Tod durchlitten, die Konzentrationslager befreit, von Deutschland und Europa das Joch des Faschismus genommen. Sie hatten die Hauptlast des Vernichtungskrieges der Nationalsozialisten zu tragen. Allein vom Jahrgang 1923 sind 80% der Männer nicht mehr von der Front zurückgekehrt. Die Rote Armee hat aber zugleich mehr als Dreiviertel der Wehrmachtseinheiten aufgerieben und 76 von 100 deutschen Panzern zerstört. Gleichwohl, so bekunden die ehemaligen Frontkämpfer, haben sie nie Haß gegenüber dem deutschen Volk empfunden, verstanden sie sich immer als Befreier, schätzen bis heute, vor allem auch dank der Partnerschaft mit Wladimir, die Freundschaft mit den einstigen Feinden. Sie erinnern sich dankbar an die humanitäre Hilfe aus Erlangen, die in ganzen Lastwagenkonvois Anfang der 90er Jahre Lebensmittelpakete für die Veteranen antransportierten, sie denken zurück an die von Nikolaj Schtschelkonogow genau protokollierten Begegnungen – fast 30 an der Zahl – seit 1991 mit den deutschen Schicksalsgenossen, und sie lassen die Freunde in Erlangen grüßen: Wolfgang Morell, Alfred Trautner und – immer wieder – Fritz Wittmann.

Wassilij Samarin

Wassilij Samarin. Photo: Wladimir Filimonow

Erlangens Oberbürgermeister findet da die richtigen Worte, wenn er den Gästen im Erlangen-Haus für ihren unschätzbaren Beitrag dazu dankt, daß die Deutschen seit 70 Jahren in Frieden leben und: „Ich will mir nicht vorstellen, wie unser Land, wie Europa heute aussehen würde, wenn Sie nicht den Hitler-Faschismus besiegt, wenn Sie nicht Deutschland befreit hätten!“ Und er weiß die Gesten der Vergebung zu erwidern. Etwa, wenn er der einstigen Zwangsarbeiterin, Nadjeschda Barinowa, eine Spende aus Erlangen in Höhe von 600 Euro überreicht, gesammelt von Bloglesern und Delegationsmitgliedern für eine Frau, die es durch unglückliche Umstände versäumt hat, fristgerecht die ihr zustehende Kompensation für das erlittene Unrecht zu beantragen. Nun ist mehr zusammengekommen, als sie vom deutschen Staat erhalten hätte, und dabei sind noch einige Spenden angekündigt…

Nadjeschda Barinina und Florian Janik

Nadjeschda Barinowa und Florian Janik. Photo: Wladimir Filimonow

Eine andere symbolische Geste als Gastgeschenk an die Veteranen: der Friedenskreis von Fritz Wittmann, angefertigt in Wladimir. Ein Zeichen, das alle verstehen – als Vermächtnis der Kriegsgeneration, als Mahnung, den Frieden zu bewahren.

Florian Janik und der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Florian Janik und der Friedenskreis von Fritz Wittmann. Photo: Wladimir Filimonow

Auch Wassilij Samarin hat diese Friedensbotschaft erlebt: in der Begegnung mit Erlangern, beim Besuch des Nordfriedhofs in Nürnberg, in den Worten eines deutschen Geistlichen, aber auch schon als Offizier in der DDR, wo er für sein Wirken im Rahmen der Sowjetisch-Deutschen Freundschaft mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde, die er bis heute voller Stolz trägt.

und Florian Janik

Wassilij Nikitenko und Florian Janik. Photo Wladimir Filimonow

Oder Renad Kadyrytsch, ein Kriegskind mit besten Erinnerungen an deutsche Kriegsgefangene, mit denen er gern Fußball spielte, denen man immer wieder aus der Kantine etwas zum Essen mitbrachte, obwohl das ja eigentlich nicht gestattet war. „Meine Eltern haben gegen die Deutschen gekämpft, aber ich habe keinen Haß auf sie empfunden.“ Einer seiner Kameraden an der Militärschule stand sogar in Briefkontakt mit einem in die Heimat zurückgekehrten Kriegsgefangenen. Aber die Post wurde überwacht, und als der Freund dann eine Einladung nach Deutschland erhielt, wurde er vom Studium ausgeschlossen. So waren die Zeiten.

Vor dem Erlangen-Haus

Vor dem Erlangen-Haus. Photo: Wladimir Filimonow

Den Brief von Wassilij Samarin, den er für Fritz Wittmann übergibt, wird niemand außer dem Empfänger aufmachen, und was sich der einstige Wehrmachtssoldat, Philipp Dörr, und die Zwangsarbeiterin, Nadjeschda Barinowa, zu sagen haben, belauscht keiner. Und täte es doch jemand… Man würde Zeuge der Versöhnung und Verständigung.

Philipp Dörr und Nadjescha Barinina

Philipp Dörr und Nadjescha Barinowa. Photo: Wladimir Filimonow

Und der Begegnung. Ganz so, wie sich das auch der Erlanger Künstler, Johannes Koch, mit seiner Skulpturengruppe im Garten des Erlangen-Hauses vorgestellt hat.

Die Besuchergruppe mit den Figuren von Johannes Koch im Garten des Erlangen-Hauses

Die Besuchergruppe, angeführt von Stadträtin Anette Wirth-Hücking, mit den Figuren von Johannes Koch im Garten des Erlangen-Hauses. Photo: Wladimir Filimonow

Aber man blickte nicht nur zurück an diesem Tag. Es war auch wieder viel von Aufbruch zu spüren, und es kündigen sich neue Projekte an. Vor allem im Gesundheitswesen. Alexander Kirjuchin, zuständig für die fast 90 Krankenhäuser in der ganzen Region, regt im Gespräch mit Stadträtin Birgitt Aßmus und Oberbürgermeister Florian Janik an, die ohnehin schon intensiven Kontakte im Bereich Medizin weiter auszubauen. Angeregt von den begeisterten Eindrücken seiner beiden Stellvertreterinnen, Ljubow Bykowa und Tatjana Aninnina, die im April Erlangen besucht haben, wünscht sich der Gastgeber, in Zukunft auch medizinisches Fachpersonal aus anderen Städten des Gouvernements nach Erlangen schicken zu können, um neueste Methoden kennenzulernen, um zu hospitieren und um von den Erfahrungen in der Partnerstadt zu lernen. Wünsche, die man gerne zu erfüllen versucht, sobald die Prioritätenliste zusammengestellt ist. Jelena Owtschinnikowa, in der Stadtverwaltung unter vielem anderen für den Bereich Gesundheit zuständig und selbst Ärztin, zeigt sich da ganz zuversichtlich: „Bisher haben wir noch nie eine Absage aus Erlangen bekommen, wenn es um einen Austauschwunsch ging.“ Und so soll es auch bleiben, versichern die Gäste.

Florian Janik, Alexander Kirjuchin, Tatjana Aninnina, Jelena Owtschinnikowa, Birgitt Aßmus und Ljubow Bykowa

Florian Janik, Alexander Kirjuchin, Tatjana Aninnina, Jelena Owtschinnikowa, Birgitt Aßmus und Ljubow Bykowa

Doch zurück zum Erlangen-Haus: 20 Jahre ohne Zuschüsse, alles selbst erwirtschaftet, immer genug auf dem Konto, um die notwendigen Reparaturen aus eigener Kraft zu finanzieren, längst zur Botschaft Erlangens geworden, zum Sprachlernzentrum, das vom Goethe-Institut Moskau gern anderen Einrichtungen als Musterprojekt empfohlen wird. Demnächst erwartet man sogar Besucher aus Weißrußland, die sich in Wladimir Rat holen wollen, um bei sich Deutsch-Kurse zu starten. Da kann man Irina Chasowa und ihr großartiges Team nur beglückwünschen!

Florian Janik, Peter Steger, Sergej Sacharow und Irina Chasowa

Florian und Max Janik, Peter Steger, Sergej Sacharow und Irina Chasowa. Photo: Wladimir Filimonow

Ein Wunder nennt Sergej Sacharow denn auch das Erlangen-Haus nach der morgendlichen Sitzung des Vorstandes, wo Wolfram Howein, Berater und Revisor der Geschäftsleitung, den erfreulichen Jahresbericht für 2014 mit – wegen der Wirtschaftskrise und möglicherweise ausbleibender russischer Geschäftsreisender, die das Gros der Gäste darstellen  – verhalten positivem Ausblick auf das laufende Jahr vorstellte. Und an diesem Wunder sollen auch die Freunde aus Erlangen und Jena teilhaben, die nach einem Tagesausflug nach Susdal zum Empfang in den Garten des Erlangen-Hauses kommen.

Helmut Eichler, Josef Schmitt und Willi Merz

Helmut Eichler, Josef Schmitt und Willi Merz. Photo: Wladimir Filimonow

Und Florian Janik ist glücklich zu erleben, wie gut es gelungen ist, das Haus mit Leben zu erfüllen, ihm einen ganz besonderen Geist zu verleihen, hier die Menschen zusammenzubringen. Ohne zu zögern, hat er übrigens das ihm als Hausherrn eigentlich zustehende Zimmer den mitgereisten Monteuren von damals, von vor mehr als 20 Jahren, um Helmut Eichler, überlassen: Willi Merz, Josef Schmitt…

Sergej Sacharow, Wjatscheslaw Morosow, Otmar Krafft und Swetlana Schelesowa

Sergej Sacharow, Wjatscheslaw Morosow, Otmar Krafft und Swetlana Schelesowa

… Otmar Krafft, der nicht nur mir kostenlosen Transporten von Material beim Bau der Erlangen-Hauses half, sondern auch mit Swetlana Schelesowa und Wjatscheslaw Morosow Anfang der 90er Jahre das erste Joint Venture zwischen Erlangen und Wladimir, die Spedition Transmoroz, gründete, die dann auch gleich zwei Büroräume anmietete.

Jürgen Pillipp und Irina Chasowa

Jürgen Pillipp und Irina Chasowa

… Jürgen Pillipp, der bereits 1985 als Schüler mit der ersten Austauschgruppe der Wirtschaftsschule nach Wladimir gekommen war, dann beim Bau des Erlangen-Hauses ehrenamtlich anpackte und nun voll Freude sieht, was aus diesem Gemeinschaftswerk geworden ist.

Eduard Markin und Florian Janik

Eduard Markin und Florian Janik

Ein langer, ereignisreicher Tag, der niemanden unberührt gelassen hat, der 70. Jahrestag der Kapitulation Deutschlands, klingt mit einem Konzert des Knabenchors unter Leitung von Eduard Markin stimmungsvoll aus. Eigens für die Gäste aus Erlangen und Jena veranstaltet als „Generalprobe“ für einen demnächst anstehenden Auftritt am Moskauer Konservatorium und – passend zum 8. Mai – mit dem Lied „Buchenwald-Alarm“ am Ende, das mit den Worten schließt: „Bewahrt den Frieden!“ Ein Motto, unter dem der ganze Besuch steht, wie Florian Janik in seiner Danksagung betont.

Das Lied, freilich in einer anderen Interpretation und unterlegt mit jenen erschütternden Bildern der Barbarei, ist hier zu hören: http://is.gd/RwYQm8

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Vor dem Gespräch in großer Runde bei der WAB Kosbach meinte Jelena Owtschinnikowa, im Rathaus Wladimir unter vielem anderen zuständig für Integration und Inklusion, die Strukturen und Voraussetzungen für ein gleichberechtigtes Miteinander von Erwachsenen mit und ohne Behinderung seien in ihrer Stadt weitgehend geschaffen. Bei den Kindern bleibe aber noch viel zu tun.

Jürgen Ganzmann, Jelena Owtschinnikowa, Sylvia Vogel und Leonhard Hirl (1. Reihe), Elke Sienert, Christoph Reichert, Michael Schaab und Thomas Grützner (2. Reihe)

Jürgen Ganzmann, Jelena Owtschinnikowa, Sylvia Vogel und Leonhard Hirl (1. Reihe), Elke Sienert, Christoph Reichert, Michael Schaab und Thomas Grützner (2. Reihe)

Das Team von Geschäftsführer Jürgen Ganzmann, im ehrenamtlichen Nebenberuf auch noch Behindertenbeauftragter des Landkreises, überzeugte jedoch die Besucherin in großer Runde, unterstützt durch den WAB-Gründer Leonhard Hirl und Thomas Grützner, Behindertenbeauftragter der Stadt Erlangen, rasch davon: „Wir haben alle die gleichen Probleme bei diesem Thema. Die Idee der Inklusion ist noch längst nicht in allen Köpfen angekommen, politischen Proklamationen – gerade auch in Bayern – folgen keine Mittelzusagen, und es gibt ernstzunehmende Vorbehalte bei Eltern wie Pädagogen und Lehrkräften hinsichtlich einer kompletten Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die vor sieben Jahren in Kraft getreten ist.“ Und noch eine Erkenntnis für beide Seiten. Es gibt ein Sowohl-Als-Auch. Es kann in bestimmten Bereichen und Fällen durchaus sinnvoll sein und bleiben, behinderten Kindern einen eigenen Weg und Raum zur Entwicklung zu bieten. Da, wo aber auch nur irgend möglich, sollte die Inklusion gewagt werden, auch wenn erste Studien zu belegen scheinen, daß die Kinder insgesamt dadurch weniger gute schulische Leistungen zeigen, denn zugleich scheint bewiesen, daß diese Erziehungsform zu einem deutlich verbesserten Sozialverhalten, zu mehr Akzeptanz, Solidarität und Toleranz führt. Und das sind schließlich Kompetenzen, die eine Gesellschaft nicht minder braucht als Spitzenforschung und Hochtechnologie.

Jürgen Ganzmann, Jelena Owtschinnikowa und Thomas Grützner

Jürgen Ganzmann, Jelena Owtschinnikowa und Thomas Grützner

Dabei ist Wladimir bereits einen weiten Weg gegangen. Es gibt in den Vorschuleinrichtungen erste Gruppen mit behinderten Kindern, die allerdings noch gesondert betreut werden und nur draußen beim Spielen mit ihren nichtbehinderten Altersgenossen zusammenkommen. Eine erste Annäherung, die dann auch dazu führen soll, ab der ersten Klasse einen gemeinsamen Unterricht zu ermöglichen. Und da hat Wladimir schon mächtig vorgelegt: Alle 48 Schulen der Partnerstadt sind mittlerweile barrierefrei gestaltet, ebenso wie sämtliche Freizeiteinrichtungen. Mehr noch, sämtliche Neubauten, auch Privathäuser, müssen diesen Anforderungen entsprechen, und zwar schon im Projekt, andernfalls wird gar keine Genehmigung erteilt. Das hört Thomas Grützner mit Staunen und Respekt, denn von den 33 Schulen in Erlangen sind bisher gerade einmal neun barrierefrei gemacht worden, von den öffentlichen Einrichtungen ganz zu schweigen. Und die Auflage für Neubauten? „Da fehlt es an Kontrolle ebenso wie an Sanktionen. Da können wir uns eine Scheibe von Wladimir abschneiden!“

Jelena Owtschinnikowa

Jelena Owtschinnikowa

Dem entgegnet Jelena Owtschinnikowa freilich, man habe in ihrer Heimat noch Nachholbedarf bei der Betreuung und Unterbringung sowie der Wiedereingliederung in die Gesellschaft von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die bisherige Heimunterbringung wolle man nach dem WAB-Beispiel aufbrechen, Wohngruppen schaffen und nach Möglichkeit (und das heißt wohl vor allem auch nach Kassenstand) eine ambulante häusliche Unterstützung einrichten. Die Ansätze und Fortschritte mögen unterschiedlich sein, aber ein Fazit nahm Jelena Owtschinnikowa gestern nach den Gesprächen mit den Fachleuten mit nach Hause: „Wladimir ist auf dem richtigen Weg.“ Und den Weg wollen alle weiter beschreiten. „Gerade in diesen politisch so turbulenten Zeiten“, unterstreicht Jürgen Ganzmann, der sich im Juni selbst mit einer kleinen Gruppe aus seinem Team wieder einmal auf den Weg nach Wladimir macht. Auf den richtigen Weg, den gemeinsamen.

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