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Posts Tagged ‘Jekaterina Zwetkowa’


Wolfgang Morell, der sein in der Gefangenschaft erlerntes Russisch bis heute erstaunlich präsent hält, stimmte sich gestern mit den Weihnachtsgedichten des in die USA emigrierten russischen Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky auf das Fest ein.

Wolfgang Morell und Peter Steger

Doch auch in Wladimir gibt es Lyrik, auch zum heutigen Anlaß, zu entdecken, etwa von Jekaterina Zwetkowa, mit ihren vom 21. Januar 2004 datierten und heute vom Chefübersetzer der Blog-Redaktion ins Deutsche übertragenen Zeilen:

Jekaterina Zwetkowa mit Väterchen Frost

Dem Wunder der Wunder, ein Segen – / den Augen der Jungfrau vom Kind, / die Allzärtlichkeit der Frauen-Mütter-Bräute gegeben: / Liebe, Unnahbarkeit, gehorsamkeitsblind.

Segnet die Freude, segnet die Trauer / im Unkenntnis-Einheits-Glück, / dem allergeheimsten Sakrament, auf dem  wir alles bauen: / eine Handvoll Rußland, von der russischen Erde ein Stück.

 

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Von allen Medizinkontakten zwischen Erlangen und Wladimir erweisen sich die Verbindungen der Pädiatrie als die beständigsten. Seit 1990 im Kinderkrankenhaus die ersten Hilfskonvois eintrafen, besteht auch der ärztliche Austausch zwischen den Partnerstädten, und seit 1999 spendet auf Initiative von Christine Delfs, Lehrerin an der Heinrich-Kirchner-Schule, alle Jahre wieder in der Adventszeit ihr Taschengeld bzw. verkauft Leckereien in der Pause zu Gunsten der kranken Kinder in Wladimir. 300 Euro sind dieses Mal zusammengekommen, eine Rekordsumme, die vor allem auf der Krebsstation Freude machen soll, wie Swetlana Makarowa, ärztliche Direktorin des Krankenhauses, bei der Übergabe versichert.

Peter Steger und Swetlana Makarowa

Gebastelte, gezeichnete und gemalte kleine Kunstwerke gehen im Gegenzug als Dankeschön nach Erlangen. Aber auch schon als Grundstock für eine Ausstellung, die 2019 zum zwanzigjährigen Jubiläum der Aktion an der Heinrich-Kirchner-Schule zu sehen sein wird. Wie eng die kreative Bewältigung der Krankheit hier Erlangen und Wladimir verbindet, zeigen die vielen Bilder in den Korridoren, die 2008 im Rahmen des Projekts „Heimat“ entstanden, wo, unterstützt von Soroptimist International, Kinder Einblicke in ihre Vorstellung von Heimat gaben.

Weltkarte der Kinder mit Swetlana Makarowa und Peter Steger

Eine Freude für alles Sinne ist es mittlerweile, die Klinik zu besuchen: hell und farbenfroh die Gestaltung und patientenorientiert die Verwaltung. Vorbei die Zeiten der Warteschlangen. Bei der Anmeldung bekommt man zentral alle notwendige Auskunft bis hin zur Terminvergabe.

Anmeldung

Und die Ausstattung? Auch die mittlerweile auf modernstem Niveau. Dabei war man ohnehin immer vorne mit dabei. Etwa als – ebenfalls im Rahmen einer Aktion von Soroptimist International – 2001 hier ein gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen eingerichtet wurde. Das erste seiner Art in der ganzen Region. Erst in jüngster Zeit gibt es diese Angebote auch andernorts, die Politik hat am Beispiel von Wladimir landesweit die Notwendigkeit solcher Beratungs- und Therapiemöglichkeiten für junge Frauen verstanden und handelt nun.

Gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen

Nur ein großer Wunsch ist noch nicht erfüllt: das Perinatalzentrum für Wladimir. Zwar, so Swetlana Makarowa, sei man stolz, mittlerweile sogar Frühgeburten mit einem Gewicht von 450 Gramm gesund groß zu bekommen, aber es bleibe noch einiges in der Neonatologie zu tun. Möglichst gemeinsam mit den Kollegen aus Erlangen, von denen man schon so vieles gelernt und übernommen habe.

Heimat

Für diese Erfolge steht eine kontinuierlich sinkende Kindersterblichkeit. Auf 1.000 Geburten kommen statistisch nur noch fünfeinhalb Todesfälle. Schon ganz nah an den Daten für Deutschland, die bei etwa dreieinhalb Toten liegen – und weit entfernt von den fast zweistelligen Zahlen aus den 90er Jahren. Schön, wenn die Partnerschaft dazu – etwa mit den ersten Inkubatoren oder einem Rettungswagen – etwas hat beitragen können.

Heimat

Als Pjotr Dik im August 2002 in Worpswede während eines Studienaufenthalts unerwartet mit gerade einmal 63 Jahren verstarb, hinterließ der deutsch-russische Künstler seiner Witwe, neben all seinen Graphiken und Gemälden auch das gemeinsam erbaute Haus in Susdal. Von hier aus organisiert Kira Limonowa bis heute Ausstellungen ihres Mannes im ganzen Land.

Das Haus von Peter Dik

Aber hier, bei der Architektin des Erlangen-Hauses, gehen auch nach wie vor Musiker, Maler und Meister des Wortes ein und aus – wie die Lyrikerin Jekaterina Zwetkowa, die auch als Filmemacherin tätig ist und der italienisch-spanischstämmige Nicolas Celoro, in Paris geboren, und derzeit als Pianist auf russischen Bühnen zu erleben. Der kosmopolitsche Komponist arbeitet derzeit an einem Werk über Susdal. Bis zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Rothenburg im Sommer dürfte der Maestro die Arbeit zwar kaum abschließen, aber vielleicht ist sie ja später einmal in Erlangen zu hören. Bis dahin begnügen wir uns mit einem Epigramm von Jekaterina Zwetkowa:

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger

Ich fand im Schreibtischfach auf einem Fetzen Papier die Notiz: Ich lebe, wenn ich Gedichte schreibe, einfach einer Eingebung folgend, schlicht in die Welt hineinhörend… Mehr noch liebe ich es, zu schweigen und in der Stille zu verharren. Und wenn man einen andern schätzt und mag, ist man mit ihm schweigend viel glücklicher, weil die Worte… Sie sind zu einer gewaltigen zerstörerischen Kraft geworden.

Blickfang in Susdal an der Kamenka

So soll denn auch dieser Bericht mit einem stillen Blick auf Susdal glücklich enden.

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