Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Iwan Wikulow’


Eben erst aus Wladimir zurückgekehrt sind Jutta Schnabel und Felix Mörsberger, und schon liefern sie einen Bericht für den Blog.

Es gibt Jugendleiter, die haben Wladimir noch nie im Winter gesehen. Da das auf alle Fälle ein Versäumnis ist, das man schnellstmöglich beseitigen sollte, machten wir uns von der Nadjeschda-Jugend, leider nur zu zweit, dieses Jahr schon im Februar in die Partnerstadt auf, um die Begegnung mit der Universität und der Rosenkranzgemeinde für dieses Jahr vorzubereiten. Der frühe Termin hatte wohl auch damit zu tun, daß wir uns heuer schon im April mit zwanzig erwartungsfreudigen jungen Leuten aufmachen werden, unsere russischen Freunde in wiederzusehen. Also trotzten wir den windigen -14 Grad und dem Schnee und machten uns auf ins kalte, aber winterlich schöne Wladimir.

Jutta goldenes_tor_schnee_klein

Goldenes Tor im Schnee

Nach der üblichen Anreise per Flugzeug und Zug über Moskau nach Wladimir setzten wir uns am ersten Tag gleich nochmal in den Zug, um mit drei unserer Partner bis nach Nischnij Nowgorod weiterzufahren, die Stadt der Wahl für unseren diesjährigen Austausch. Hinter zwei verfallenen Häusern fanden wir hier die katholische Gemeinde, in der wir warm empfangen wurden und gleich das Komplettpaket für unseren Besuch in Aussicht gestellt bekamen, mit Unterkunft im Klostergebäude, jeder Menge guter Tips für das Programm, wenn wir denn zu Ostern kommen würden, und einer guten Erklärung zu der manchmal schwierigen Lage der Gemeinde in der Stadt. Danach genossen wir wegen des weniger einladenden Wetters vor allem die Buntheit der Pelmeni und die verwirrende Vielfalt koffeinhaltiger Heißgetränke der Gastonomieangebote in der Fußgängerzone, der ideale Platz, um gemeinsam das planerische Großprojekt für den nächsten Tag vorzudenken, da wir tags darauf bei einem Seminar die Weichen für den gesamten Austausch für das Jahr 2019 stellen wollten.

dav

Felix Mörsdorfer, sechster v.l. und Jutta Schnabel, ganz rechts im Bild, vor der Planungswand

Vielleicht dank dieser kaffeegestärkten Vorgespräche schafften wir es wirklich, an einem Seminartag mit insgesamt zehn Leitern zwei komplette Austauschprogramme zu planen – natürlich noch mit ein paar Platzhaltern und offenen Stellen, doch schon einer guten Vorstellung, wie unsere Tage in Wladimir und der Besuch der russischen Gruppe im Sommer ablaufen würden. Das funktionierte vor allem, weil wir uns inzwischen untereinander gut kennen und auch über die Jahre gelernt haben, daß dieses persönliche Verständnis die Grundlage eines guten Austauschs bildet. Das wurde uns besonders bei unserer Diskussion zu Beginn des Seminars klar, als wir uns über unsere gemeinsamen Ziele in der Begegnung austauschten und feststellten: Kern einer erfolgreichen Begegnung sind gegenseitiges Vertrauen und Kennenlernen der anderen in kleinen Gruppen oder ganz persönlich. Mit kreativen Wortneuschöpfungen wie „Nuklearisation“ für die Begegnung in diesen Kernbeziehungen oder durch die schöne Sprachfigur „ответная открытость“, welche die gegenseitige „antwortende Offenheit“ für uns als Leiter – aber auch gegenüber neuen Teilnehmern – beschreiben soll, versuchten wir, unsere bisherigen Erlebnisse zu reflektieren, um die diesjährige Begegnung tatsächlich nicht nur zu einem informativen Ausflug in ein neues Land, sondern eine teifgreifende Erfahrung werden zu lassen.

So innerlich erwärmt, stellten wir uns auch noch dem letzten kalten Tag, an dem ein Treffen mit den „alten Herren“ unserer Begegnung, Pfarrer Sergej Sujew, dem Universitätsseelsorger, Vater Warfolomej und Professor Jewgenij Arinin die offizielle Seite des Austausches in den Blick nahm. Hier ging es um die Rahmenbedingungen, denn über die Jahre entstanden im Umfeld der Begegnungen nicht nur neue Formen der Zusammenarbeit, sondern auch ein Forschungsprojekt der Universität, das den Einfluß interkultureller Begegnungen auf die Wertebildung von Jugendlichen untersucht. Neben der Einbeziehung von Nischnij Nowgorod ist heuer noch etwas ganz neu: Dieses Jahr nehmen mehr russische Jugendliche an unserem Programm teil, die von der namensgleichen, aber nicht verwandten Organisation Nadjeschda für Waisen in Wladimir betreut werden, und auch die orthodoxe Seite wird die Begegnungen durch Angebote und Treffen unterstützen. Nach dieser intensiven Arbeit genossen wir schließlich einen unserer Meinung nach wohlverdienten letzten Abend im Kreis unserer alten Bekannten, um bei Tee und Nudeln zu pflegen, was im Austausch begonnen wurde – unsere Freundschaft.

Read Full Post »


Rechtschaffen müde traf die fünfköpfige Forschungsgruppe um Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie an der Universität Wladimir, gestern gleich nach der langen Reise – um kurz nach Mitternacht waren sie aufgebrochen – am frühen Abend bei der Professorin für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, Julia Obertreis, ein und kamen rasch zum Objekt ihrer wissenschaftlichen Analyse. Anhand eines zusammen mit der Erlanger Seite ausgearbeiteten vierseitigen Fragebogens sollen unter religionswissenschaftlichen und soziologischen Aspekten deutsche und russische Jugendliche Auskunft über ihre Haltung zum Glauben geben. So ungleich bisher noch die Datenlage – ca. 500 Respondenten in Wladimir stehen bis dato erst gut 50 Befragte in Erlangen gegenüber -, so anders auch die Auseinandersetzung mit religiösen Fragen: Erste Ergebnisse deuten wohl auf ein komplexeres Verständnis der deutschen Teilnehmer an der Umfrage hin. Ob sich diese erste Analyse erhärtet, kann aber nur eine Erweiterung des Kreises bestätigen. Deshalb auch die Bitte der Gäste, diese in deutscher Sprache vorliegenden Fragebögen möglichst breit an der Friedrich-Alexander-Universität zu streuen. Denkbar wäre aber auch die Einbeziehung der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit ihren Instituten für Slawistik und Theologie. Eines aber, so der Soziologe Dmitrij Petrosjan, lasse sich aber jetzt schon konstatieren:

Zwei Drittel bezeichnen sich zwar als gläubig, aber wenn es ans Eingemachte geht und nach Glaubensinhalten und die Ausübung des Glaubens gefragt wird, kommen wir rasch in den einstelligen Bereich, bei etwa fünf Prozent, die tatsächlich auch zumindest an Feiertagen den Gottesdienst besuchen. Eine Zahl, die übrigens auch die Statistik der Polizei bestätigt, die gerade zu Weihnachten und Ostern zu deren Schutz Schätzungen der Kirchgänger vornimmt.

Natalia Markowa, Witalij Galkin, Dmitrij Petrosjan, Julia Obertreis, Iwan Wikulow und Jewgenij Arinin

Ansonsten freuen sich die Gäste darauf, noch bis Dienstag ohne jede Ablenkung durch Anrufe und administrative Aufgaben am Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften sowie vor allem in der Synodalbibliothek mit ihren mehr als 6000 Bänden in russischer und kirchenslawischer Sprache aus allen theologischen Disziplinen zu lesen und zu exzerpieren. Das, so Jewgenij Arinin, könne man in Erlangen wesentlich unkomplizierter als im viel näheren Moskau. Was man dort erst langwierig bestellen müsse, hole man sich hier zur Lektüre oder Kopie einfach aus dem Regal.

Julia Obertreis auf der Weihnachtsfeier mit den Gästen aus Wladimir

Aber auch die Wissenschaft lebt nicht vom Buch allein. Nach dem zweistündigen Gespräch über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit wartet Kommunalka, der vor zwei Jahren während der Wladimir-Exkursion ins Leben gerufene studentische Kreis für osteuropäische Kultur, mit einer vielfältigen Bewirtung auf, vom Hering im Mantel über den Vinaigrette-Salat bis hin zu polnischen Bonbons. Einen besseren Auftakt kann man sich kaum vorstellen.

Zum Thema siehe auch: https://is.gd/kTaCd8

Read Full Post »


Gerade noch rechtzeitig, um den Salut zum Tag des Sieges vorgestern abend mitzuerleben, traf das vierköpfige Jugendleiterteam von Jutta Schnabel in Wladimir ein. Kurz über das Programm in der katholischen Rosenkranzgemeinde gesprochen – und dann schon hinein ins nächtliche Festgetümmel.

Salut am Tag des Sieges in Wladimir

In welcher Atmosphäre die Gespräche gestern an der Universität stattfanden, gibt das Bild besser wieder als noch der elaborierteste Hintergrundbericht. Man versteht sich, probt immer wieder neue Konzepte, gibt sich nie mit dem Erreichten zufrieden – und stellt in den nächsten Tagen das Programm für den Jugendaustausch im Sommer und Herbst zusammen.

Jutta Schnabel (links im Bild) und Iwan Wikulow (sitzend) beim ersten Treffen in der Universität

Und, wie Jewgenij Arinin am 8. Mai hier im Blog ankündigte, die Jugendbegegnungen stehen nun in den nächsten drei Jahren unter der analytischen Aufsicht der Wissenschaft. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein. Die „Versuchsreihe“ beginnt.

Read Full Post »


Der Jugendaustausch zwischen dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und seinen Partnern in Wladimir geht in eine neue Runde. Vom 4. bis 8. Mai besuchte eine fünfköpfige Delegation des BDKJ Erlangen die Partnerstadt, um den diesjährigen Jugendaustausch gemeinsam mit den Verantwortlichen der Universität, der orthodoxen Erzdiözese und der katholischen Rosenkranzgemeinde zu planen.

Teamarbeit

Teamarbeit

Die diesjährige Vorbereitungsfahrt für den alljährlichen Austausch war jedoch alles andere als „the same procedure as every year“, denn die Struktur des Jugendaustauschs hat sich grundlegend verändert. Während es beim BDKJ von Beginn an gang und gäbe ist, die Begegnungen von ehrenamtlichen Jugendleitern organisieren zu lassen, wurde auf russischer Seite bisher alles von Hauptberuflichen vorbereitet. In den letzten Jahren waren dies vor allem der katholische Gemeindepfarrer, Sergej Sujew, und Iwan Wikulow von der Universität Wladimir.

Teamarbeit

Teamarbeit

Erstmals werden jetzt jedoch die Programmplanung und Organisation zum Großteil in die Hände von russischen Jugendlichen gelegt. Die Freiwilligengruppe besteht aus Jugendlichen, welche schon mindestens einmal am Austausch teilgenommen haben. Das russische Team soll in enger Zusammenarbeit mit dem Gegenpart aus Erlangen die Treffen organisieren, um ein möglichst ansprechendes und vielfältiges Programm hier wie dort zu gestalten. Um dies zu erreichen, besuchten die russischen und deutschen Jugendleiter ein zweitägiges Seminar an der Universität Wladimir, geleitet von Jutta Schnabel, Mitglied des Dekanatsvorstands beim BDKJ Erlangen mit langjähriger Erfahrung in der Jugendarbeit und im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir.

Teamarbeit mit Jutta Schnabel, sitzend in der Mitte

Teambesprechung mit Jutta Schnabel, sitzend in der Mitte

In dem Seminar reflektieren und diskutierten die Teilnehmer ihre Vorstellung von Führungsstilen und wie sie den perfekten Leiter sehen. Zusätzlich gab es eine Einheit zum Thema Projektplanung und Zeitmanagement, welche die Jugendlichen auf ihre Aufgaben für die kommenden Monate bis zum Austausch vorbereitete. Neben den vielen inhaltlichen Schwerpunkten wurde die binationale Gesamtgruppe mit Kooperationsübungen noch mehr zu einem Team geformt. Eben diese Mannschaft hatte dann die Möglichkeit, den Austausch und seine Ziele einer Gruppe russischer Studenten vorzustellen, welche gerne in diesem Jahr zum ersten Mal am Austausch teilnehmen möchten. Am Ende des Seminars wurden dann erste Ideen für den Austausch im Sommer gesponnen.

Arbeitsessen im Pfarrhaus der Rosenkranzgemeinde mit Sergej Sujew am Kopf der Tafel

Arbeitsessen im Pfarrhaus der Rosenkranzgemeinde mit Sergej Sujew am Kopf der Tafel und Iwan Wikulow, rechts von ihm

Nach diesen zwei anstrengenden, aber sehr produktiven Tagen blieb der Delegationsgruppe noch ein letzter Tag in Wladimir. An diesem wurden die Ergebnisse des Seminars den offiziellen Verantwortlichen der russischen Seite vorgestellt. Pfarrer Sergej Sujew, Jewgenij Arinin, Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften, und Erzpriester Warfolomej zeigten sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Nicht minder die Gruppe des BDKJ. Der diesjährige Austausch wird viel Neues bringen und sicherlich anders sein als alle vorherigen Begegnungen. In diesem Sinne: Auf zu neuen Ufern!

Nicolai Gellwitzki

Read Full Post »


„Dieses Mal sind gar keine Jugendlichen aus der Rosenkranzgemeinde in der Gruppe dabei“, schränkt Pfarrer Sergej Sujew beim Empfang im Rathaus gegenüber Bürgermeisterin Elisabeth Preuß gleich ein, „die einen sind schon herausgewachsen, die anderen noch nicht so weit. Aber im nächsten Jahr sieht das wieder anders aus. Und wir erwarten ja schon im August den Gegenbesuch des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) bei uns in Wladimir.“ Gar nicht so leicht zu verstehen, was da überhaupt für junge Besucher aus der Partnerstadt seit vorgestern und noch bis Ende des Monats zu Gast sind. Das Programm ist überschrieben mit „Unsere Russen kommen wieder!“, was alles offenläßt, abgesehen von der Wiedersehensfreude und der inneren Verbindung. Hauptsächlich handelt es sich um Studierende der Staatlichen Universität Wladimir vom Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Philosophie sowie für Journalistik. Möglich dank einem vierseitigen Abkommen, seit drei Jahren in Kraft, das der BDKJ mit der Hochschule, der orthodoxen Erzdiözese Wladimir und der katholischen Rosenkranzgemeinde abgeschlossen hat. Ein wohl einmaliges Konstrukt in der deutsch-russischen Austauschlandschaft und von besonderer Güte, weil es sich gerade auch in schweren Zeiten bewährt.

Elisabeth Preuß und die Studentengruppe der Universität Wladimir

Elisabeth Preuß und die Studentengruppe der Universität Wladimir

Elisabeth Preuß weist denn auch ausdrücklich darauf hin, für wie wichtig sie diese Begegnungen hält, gerade jetzt, wo es auf jedes Treffen zwischen Deutschen und Russen ankomme und wo die Kommunen, Vereine und Verbände das tun sollten, was die große Politik nicht zuwege bringt. „Sprachloses Verstehen“, wie es das Orga-Team um Jutta Schnabel nennt. Ein Miteinander, das sich ausdrückt in einem gemeinsamen Zeltlager übers kommende Wochenende in der Fränkischen Schweiz, Ausflüge nach Bamberg  Bad Windsheim, Eisenach oder Regensburg, gemeinsame Kneipenbesuche, Grillabende oder der Besuch des Klassik-Open-Air in Nürnberg. Aber auch, worauf Iwan Wikulow, Dozent am Lehrstuhl für Religionswissenschaften und Leiter der Gruppe, besonderen Wert legt, im Kennenlernen von sozialen und kirchlichen Einrichtungen, etwa der Werkstätten der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf.

P. Warfolomej (Sergej Minin), Iwan Wikulow, Elisabeth Preuß und Sergej Sujew

P. Warfolomej (Sergej Minin), Iwan Wikulow, Elisabeth Preuß und Sergej Sujew

Begleitet werden die Jugendlichen von den beiden Geistlichen, Sergej Sujew und P. Warfolomej (Sergej Minin), die freilich teilweise auch ihr eigenes Programm haben, vor allem der katholische Pfarrer, der seinen Besuch nutzen will, um weitere Spenden für sein großes Projekt, das Pilgerhaus seiner Gemeinde, einzuwerben. Vereint sind die beiden Praktiker der Ökumene mit langjähriger Erlangen-Erfahrung aber auch in der Suche nach neuen Partnern des interkonfessionellen Dialogs. Und da wurde man in der Evangelischen Stadtakademie, in der Villa an der Schwabach, mit Jürgen Belz vom theologisch-pädagogischen Team dieser kirchlichen Bildungseinrichtung auch schon am Abend des ersten Besuchstages fündig. Ganz im Geiste des göttlichen Wortes, das am Anfang war und von dem sich eine theologische Konferenz im November in Wladimir inspirieren lassen will. Wenn irgend möglich schon unter Mitwirkung des promovierten Theologen aus Erlangen.

Sergej Sujew, Jürgen Belz und P. Warfolomej (Sergej Minin)

Sergej Sujew, Jürgen Belz und P. Warfolomej (Sergej Minin)

Damit nicht genug, die beiden Gäste hätten den evangelischen Pfarrer auch am liebsten gleich zu der für diesen November und für Mai nächsten Jahres an der Wladimirer Universität geplanten Vortragsreihen als Gastreferenten. Denn gerade P. Warfolomej, in seiner Diözese – und damit in der ganzen Region Wladimir – für die Jugendarbeit und den Religionsunterricht zuständig, möchte dem deutschen Kollegen, der evangelische Religionslehre unterrichtet, Gelegenheit geben, eigene Erfahrungen aus fast dem ganzen mittel- und südosteuropäischen Raum und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema „Verhältnis Staat und Kirche“ einem breiten Fachpublikum – Studenten, Pädagogen, Schulleitern, Politikern – vorzustellen. Lange überreden müssen die Besucher den Gastgeber nicht, denn der brennt selbst vor Neugierde auf die Lebens- und Glaubenspraxis von Christen in Rußland. Alles ist nur noch eine Frage des Termins. Was man aber auch schon im ersten Gespräch an Gemeinsamkeiten entdeckt! Hier wie dort eine spürbare Abkehr von der Amtskirche bei gleichzeitiger Sehnsucht nach einer spirituellen Kraft, nach einer individuellen Religionsausübung; hier wie dort ein Suchen der Jugend nach neuen Formen des Glaubenslebens; hier wie dort Versuche des Staates, Einfluß auf die Kirchen zu nehmen, seine oft willkürlichen Grenzen zu ziehen. Spätestens da, in der Gesamtschau des Verbindenden unter den Gottesmännern, erinnert Sergej Sujew, während die Jugend gerade eine Kneipentour durch die Erlanger Altstadt unternimmt, die morgendlichen Worte von Elisabeth Preuß von den zwei Welten, in denen wir gegenwärtig leben, die der hohen Politik und die der gelebten Partnerschaft: „Es stimmt, was die Bürgermeisterin sagt: Wir tun, was die große Politik auch tun sollte. Wir sprechen miteinander, begegnen einander ohne Vorbehalte und gehen gleich auch konkrete Projekte an.“ So soll es weitergehen zwischen Erlangen und Wladimir – und hoffentlich bald wieder zwischen Berlin und Moskau. Dann wird es auch demnächst in Wladimir voller Vorfreude erneut heißen: „Unsere Deutschen kommen wieder!“

Read Full Post »


Am Morgen noch ein Empfang im Rathaus, wo Bürgermeisterin Elisabeth Preuß sich wieder einmal nur wundern und freuen konnte über die Vielzahl der Ehrenamtlichen, die an dieser intensivsten aller Erlanger Städtepartnerschaften mitwirken. Besonders im Jugendaustausch, den der Bund der Deutschen Katholischen Jugend nun schon seit 2001 pflegt. Von Mal zu Mal erfolgreicher.

Iwan Winkulow

Iwan Wikulow mit den guten und schlechten Murmeln

Als es dann am Abend beim Abschiedstreffen im Garten der Gemeinde St. Sebald darum geht, mit Hilfe von „guten“ und „schlechten“ Murmeln zum Ausdruck zu bringen, spricht Olga Arsenjewa, am Lehrstuhl für Philosophie zuständig für den Fachbereich Sozialarbeit, allen 19 Teilnehmern an der zehntägigen Begegnung aus dem Herzen, wenn sie sagt: „Hier gibt es keinen Platz für schlechte Murmeln. Es war eine großartige Zeit, und wir sind den Gastgebern, den Familien und allen Organisatoren unendlich dankbar für die überwältigenden Eindrücke, die wir hier gewinnen konnten.“

Gute und schlechte Murmeln

Gute, große, und schlechte, kleine, Murmeln

Gemeinsam mit Iwan Wikulow, der als Vertrauter von Pfarrer Sergej Sujew auf katholischer Seite bereits über Erfahrung im Jugendaustausch verfügt und als Religionswissenschaftler auch enge Kontakte zu den Kollegen von der FAU unterhält, hat die Kulturologin und promovierte Philosophin die Reise vorbereitet und die Studenten ihres Lehrstuhls, denen sich auch zwei russische Katholikinnen und angehende Journalisten (sie haben nach eigenen Angaben Material für eine ganze Serie gedreht) auf allen Stationen begleitet. Von Vorteil dabei ihre Deutschkenntnisse, die sie sich von einem mehrjährigen Aufenthalt mit ihrem Mann, einem Militärarzt, in den 80er Jahren in Potsdam, Cottbus und unweit von Ost-Berlin bewahren konnte.

Olga Arsenina im Gespräch mit künftigen Wladimir-Reisenden

Olga Arsenina im Gespräch mit künftigen Wladimir-Reisenden

Zum ersten Mal ist nun eine Gruppe der Einladung des Bundes der Katholischen Jugend auf der Grundlage des im Vorjahr abgeschlossenen trilateralen Vertrags mit der Universität Wladimir und der Rosenkranzgemeinde in der Partnerstadt gefolgt. Und wenn es nach Olga Arsenina und Iwan Wikulow geht, soll sich der guten Sache auch bald die russisch-orthodoxe Erzdiözese anschließen. Erste Gespräche in diese Richtung wurden bereits geführt, wie beide zuversichtlich versichern. Für sinnvoll halten dies beide, weil sie überrascht sind von der Vielfalt der Aufgaben, die in Deutschland die Kirchen als Träger von Sozialeinrichtungen übernehmen. Deshalb war es gerade für die künftigen Sozialarbeiter, die einmal in Stadt und Land als öffentliche Bedienstete für das Funktionieren dieser für die Gesellschaft so wichtigen Dienstleistungen zuständig sein sollen, so wichtig, dank der Gastgeber zu sehen, wie hierzulande ein Hospiz, ein Altenheim oder die Flüchtlingsaufnahme organisiert sind. Besonders auch deshalb, weil es den Fachbereich Sozialarbeit – mit insgesamt nur 30 Studierenden – am Lehrstuhl für Philosophie erst seit drei Jahren gibt und man für jede Anregung dankbar ist.

Abschiedsabend in St. Sebald

Abschiedsabend in St. Sebald

Voller Ideen und energiegeladen geht es heute „beim frühen Morgenlicht“ nach einer kurzen Nacht wieder nach Hause. Doch vor dem Austausch ist nach dem Austausch, denn schon Mitte August sind die Gäste selbst Gastgeber, wenn der Gegenbesuch aus Erlangen kommt. Der Wunschzettel ist lang und reicht von dem Besuch einer Datscha und einer Banja bis hin zu Ausflügen in den Blauen Himmel und andere soziale Einrichtungen. Und natürlich will man den neuen deutschen Freunden auch ein Freizeitprogramm bieten. Gerade da, so Iwan Wikulow, habe man auch viel gelernt: Wie vieles man eigenständig organisieren kann, mit wie wenig man auskommt, wie viel von der eigenen Initiative abhängt, wie beflügelnd es sein kann, wenn man die Dinge selbst in die Hand nimmt und nicht darauf wartet, was einem vorgesetzt oder gar aufgetragen wird. „Das wird schon klappen“, ist Jutta Schnabel, die Leiterin des Orga-Teams mit recht trittsicheren Russischkenntnissen, überzeugt, denn: „Olga und Iwan sind cool,  beide haben einen super Draht zu den Studenten!“

Alina Naumowa und Xenia Judina

Alina Naumowa und Xenia Judina

Etwas, das Alina Naumowa aus Wladimir, die ins dritte Studienjahr kommt, und Xenia Judina aus Murom, die im Herbst das siebte Semester beginnt, nur bestätigen können. „Wir wollen gar nicht mehr heim“, bekennen sie. „Es war umwerfend schön, besonders auch in der Gastfamilie. Und dann die ganzen Ausflüge, das Freizeitprogramm in der Fränkischen Schweiz und die vielen Fachgespräche. Wie im Flug ist die Zeit vergangen. Ständig unterwegs waren wir, nie untätig! Wir würden sofort wiederkommen, dann aber mit besseren Englischkenntnissen. Danke an alle, die das möglich gemacht haben!“

Hier sollte nun eigentlich das Photo zu sehen sein, wo das Orga-Team zusammen mit dem Spiritus Rector des Austausches, Rolf Bernard, vor dem St.-Sebald-Brunnen Aufstellung genommen hat. Aber der Mann hinter der Kamera hat, ebenso wie am Morgen bei der Aufnahme mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß auf dem Rathausplatz, in seinem technischen Unvermögen die falsche Einstellung gewählt, so daß die Bilder schlichtweg keinem noch so unkritischen Betrachter zuzumuten sind. Leider! Deshalb hier zumindest namentlich die Anerkennung an die Mannschaft, der sich mittlerweile auch Ehrenamtliche aus Ebermannstadt angeschlossen haben, denen der Bamberg-Ausflug der Gruppe gutgeschrieben werden darf: Claudia Gebele, Jonas Zelkowicz, Nicolai Gollwitzki, Jutta Schnabel, Sabrina Pfau, Annika Walser und Jonas Beyerlein. Wohl der Partnerschaft, die solche Aktive hat!

Read Full Post »


Rolf Bernard hat den Stab an Nicole Freund übergeben, die vor wenigen Wochen von ihrem Antrittsbesuch in Wladimir zurückgekehrt ist und nun für die so dringend erwünschte Kontinuität im Jugendaustausch mit der Rosenkranzgemeinde steht.

Rolf Bernard, Jutta Schnabel und Peter Steger.

Mitte August führte eine Delegation der ehrenamtlichen Dekanatsleitung des BDKJ Erlangen (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) ausführliche und (hoffentlich) zukunftsweisende Gespräche mit Pfarrer Sergej Sujew von der katholischen Rosenkranzgemeinde und Iwan Wikulow,  Assistent an der Fakultät für Religionswissenschaft der Universität Wladimir, über die Fortführung der seit mehr als zehn Jahren bestehenden Jugendbegegnungen. Zum ersten Mal dabei auch Nicole Freund, die neue Bildungsreferentin im Erzbischöflichen Jugendamt in Erlangen. Sie ist Nachfolgerin von Rolf Bernard, der sich nach 35 Jahren der Jugendarbeit in die Freizeitphase der Altersteilzeit verabschiedet hat. Seit 1988 im Jugendaustausch mit Wladimir engagiert, wollte er als Pionier der deutsch-russischen Begegnungen mit diesem gemeinsamen Besuch die Fortführung der Kontakte sicherstellen.

Besprechung mit Iwan Wikulow und Sergej Sujew im katholischen Pfarrhaus. Photo: Rolf Bernard

Nach den verheerenden Waldbränden vor zwei Jahren und der Verweigerung des Visums durch die russischen Behörden für Jutta Schnabel, gewählte Dekanatsleiterin des BDKJ, im letzten Jahr, war es auch heuer nicht möglich, eine Begegnung zu organisieren. Denn leider sah sich das Erzbischöfliche Jugendamt in Bamberg nicht in der Lage, rechtzeitig die Nachfolge von Rolf Bernard zu regeln.

Doch das soll für 2013 anders aussehen! Annika Walser, Sabrina Pfau und Valentin Kopp von der BDKJ-Dekanatsleitung sowie Nicole Freund als Bildungsreferentin sind fest entschlossen, alles daran zu setzen, die Partnerschaft erfolgreich weiter zu gestalten. In Gesprächen mit Pfarrer Sergej Sujew und Iwan Wikulow wurden  für Juli 2013 in Erlangen und September 2013 in Wladimir die Programme der beiden Gruppen für diesen interkulturellen Austausch geplant.  Besuche bei sozialen und caritativen Einrichtungen, kulturelle Elemente und ein erlebnispädagogisches Wochenende sollen den jungen Menschen aus Wladimir und Erlangen die jeweilige Region und Stadt näherbringen. Die geplante Unterbringung in Gastfamilien ermöglicht den jungen Erwachsenen zwischen 16 und 22 Jahren einen Einblick in die Realität und den Alltag.

Treffen mit Erzabt Sossima (Mitte). Photo: Rolf Bernard.

Nach Möglichkeit soll die Begegnung gemeinsam mit der orthodoxen Kirche in Wladimir gestaltet werden. Dazu traf sich die Delegation mit Erzabt Sossima zu einem sehr intensiven und persönlichen Austausch in seinem Haus. Der Archimandrit hatte vor zwei Jahren die erste gemischte katholisch-orthodoxe Jugendgruppe nach Erlangen begleitet und unterstützt das ökumenischen Projekt mit aller Kraft. Damit der  Erzbischof von Wladimir Jewlogij diese interkonfessionelle Initiative auch abgesegnet, traf sich die Delegation mit Pater Michail, einem seiner Sekretäre. Mit ihm wurden weitere Inhalte und Programmangebote besprochen, und die Mitglieder der Delegation sind gemeinsam mit Sergej Sujew zuversichtlich, was seine Beteiligung an diesem ökumenischen Vorhaben angeht.

Treffen im katholischen Pfarrhaus mit Iwan Wikulow, Sergej Sujew und P. Michail. Erste Reihe Mitte: Nicole Freund. Photo: Rolf Bernard.

Bei allem Optimismus dank guter Gespräche und Planungen darf aber auch eines nicht verschwiegenen werden: Die russischen Behörden verweigern Jutta Schnabel noch immer ohne Angabe von Gründen ein Einreisevisum. Jutta Schnabel ist seit mehr als zehn Jahren in der Partnerschaft mit Wladimir aktiv und seit einigen Jahren eine der treibenden Kräfte in der Jugendbegegnung. Sie bei den Begegnung vor Ort nicht dabeizuhaben, ist ein schweres Handicap für die Arbeit des BDKJ und vor allem für die neue Bildungsreferentin, Nicole Freund, die auf Jutta Schnabels Unterstützung und Erfahrung angewiesen ist. Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine demokratisch gewählte Vertreterin der katholischen Jugend durch die russischen Behörden von der vielgepriesenen deutsch-russischen Freundschaft ausgeschlossen wird! Ein Akt der Völkerverständigung ist dies bestimmt nicht!

Es bleibt zu hoffen, unsere politischen Vertreter und die Verantwortlichen in den diplomatischen Behörden werden sich weiterhin dafür einsetzen, es Jutta Schnabel zu ermöglichen, ihr Engagement für die Jugendbegegnung zwischen Erlangen und Wladimir bald wieder ungehindert  fortzusetzen.

BDKJ Erlangen

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: