Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Irina Platowa’


Auf den 22. Juni ist das Gedicht datiert, das Stanislaw Katkow Bürgermeisterin Elisabeth Preuß am 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR überreichte. Der von Kindheit an gelähmte und zunehmend auch sprechbehinderte Autor, der bereits auf ein gutes Dutzend Lyrikbände zurückblicken kann, wurde zwar erst zwei Jahre nach Beginn des unerklärten Vernichtungskrieges geboren, aber die Folgen jenes Feldzugs der verbrannten Erde bekam natürlich auch er zu spüren. Und hätte das „Unternehmen Barbarossa“ – horribile dictu – sein Ziel der Versklavung aller Völker des Ostens erreicht, wäre der kranke Junge aus Saransk in Mordwinien nicht mit zehn Jahren in ein Heim gekommen, sondern die Herrenmenschen hätten ihn als „lebensunwert“ selektiert und eliminiert. Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man die Verse des Stanislaw Katkow liest, die der Dichter – durchaus im Kontext der neuen Spannungen zwischen Ost und West – Erlangen und Wladimir und einer Freundschaft widmet, an der er selbst seit zwei Jahrzehnten auf seine poetische Weise voll Lebensmut und Schaffenslust mitwirkt.

Sinaida Gagulajewa, Irina Morosowa, Stanislaw Katkow und Irina Platowa, der die Reinschrift der Verse zu verdanken ist

Sinaida Gagulajewa, Irina Morosowa, Stanislaw Katkow und Irina Platowa, der die Reinschrift der Verse zu verdanken ist

***

Wir hielten Freundschaft viele Jahre,

und allem Schlimmen ungeachtet

Wladimir-Erlangen stets machte,

was nötig, um sie zu bewahren.

 

So möge es für immer bleiben,

damit das Unheil uns verschone,

Wladimir-Erlangen sich lohne,

was immer auch die andern treiben.

Stanislaw Katkow, Übersetzung: Peter Steger

Read Full Post »


Olga Dejewa ist weiter zuversichtlich. Die ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes in Wladimir setzt auf die Jugend und Mäzene. Die Zusammenarbeit mit Schulen liegt ihr besonders am Herzen, was man unschwer sehen kann, wenn man einmal die vielen kleinen Zeichnungen und die detailfreudigen Plakate betrachtet, die in den letzten Wochen entstanden sind. Ergebnis einer erfolgreichen pädagogischen Arbeit mit dem Ziel, die Aufgaben des Roten Kreuzes der jungen Generation nahezubringen. Wer so viel vorzuweisen hat, tut sich auch leichter, private Geldgeber für die Rot-Kreuz-Sache zu begeistern. Und so ist denn zur Freude von Olga Dejewa schon die erste größere Spende in Höhe von 5.000 Rbl. eingegangen. Dabei soll es natürlich nicht bleiben, denn neben den bereits laufenden Projekten „Licht des Guten“ und „Das sollte jeder wissen“, also Programmen, die zum einen häusliche Pflege für Kriegsveteranen, zum andern Ausbildungskurse für Erste Hilfe umfassen, ist jetzt auch noch ein Kurs für Notversorgung in Planung. Und alles begleitet durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Fehlt nur eine eigene Homepage, für die allerdings rasch einmal 30.000 Rbl. zu bezahlen wären. Vielleicht aber tut es für den Anfang ja auch ein Blog, der keinerlei Kosten verursacht, freilich regelmäßig gepflegt werden will, wie die geneigten Leser aus eigenem Erleben wissen.

 

Olga Dejewa und Peter Steger vor dem Erlangen-Haus

Was und wie auch immer: Olga Dejewa freut sich schon jetzt auf den Besuch der offiziellen Delegation unter Leitung von Bürgermeisterin Birgitt Aßmus Anfang September und hofft, dann auch das Raumproblem lösen zu können. Schon heute nämlich reicht der Platz nicht mehr für all die vielfältigen Aktivitäten, und gerade für die geplanten Kurse braucht man ja auch Unterrichtsräume. Und dann, wie weiter? Einen Deutsch-Kurs im Erlangen-Haus möchte die hauptamtliche Direktorin des Wladimirer Sozialwerks belegen – und möglichst noch in diesem Jahr ihre erste Reise nach Erlangen und Jena unternehmen. Da kann man jetzt schon sagen: Herzlich willkommen! In Erlangen hat sie ja bereits erste Freunde. Und das werden bestimmt bald mehr!

 

Vorgarten des Alten- und Pflegeheims

Willkommen ist auch Irina Morosowa, die Leiterin des Alten- und Pflegeheims mit seinen fast 700 Plätzen für Senioren und Behinderte. Dessen bekanntester Bewohner heißt Stanislaw Katkow und hat schon mehr als ein halbes Dutzend Lyrikbände veröffentlicht, aus denen einige Gedichte auch in deutscher Übersetzung von Ute Schirmer und Peter Steger vorliegen. Zeugnisse der unbändigen Lebenslust eines Menschen, dem das Schicksal übel mitgespielt hat, der, kaum auf der Welt, so schwer erkrankte, daß er bis heute halbseitig gelähmt ist und nur schwer verständlich sprechen kann. Und doch hält er sich selbst für ein Glückskind, sprüht vor Witz und ist nie um ein Lächeln verlegen. Wenn man sieht, mit welcher Aufmerksamkeit sich Irina Platowa um ihn kümmert, die viele seiner Gedichte auswendig rezitiert und seit der Autor wegen der fortschreitenden Lähmung kaum mehr selbst leserlich schreiben kann auch dessen Lyrik ins reine schreibt, wundert man sich freilich nicht mehr allzu sehr über seine Frohnatur. Und dann ist da noch Sinaida Gagulajewa, im Heim zuständig für das Kultur- und Freizeitprogramm, die den Dichter versteht wie kaum jemand sonst. Fast sollte man meinen, ihm fehlte fast nichts mehr zu seinem Glück. Zumal es da in Erlangen auch noch zwei Damen gibt, Ruth Sych und Ute Schirmer, die Stanislaw Katkow seit zwei Jahrzehnten begleiten und die Ausstellungen in Etzelskirchen und in Dreycedern mit Illustrationen von Alewtina Sínowjewa zu seinen Gedichten organisiert haben.

 

Sinaida Gagulajewa

Die beiden würden ihren Augen nicht trauen, wenn sie sehen könnten, was sich alles zum Guten gewendet hat seit ihren ersten Besuchen in den frühen 90er Jahren. Der Garten blüht, was das Zeug hält, überall wird gewerkelt und renoviert, die Bewohner machen einen zufriedenen und heiteren Eindruck, und Irina Morosowa will es dabei nicht bewenden lassen. Geht es nach ihr, werden schon bald alle ihre Schutzbefohlenen moderne Hilfsmittel nutzen können, sogar ein Schwimmbad schwebt ihr vor. Das mag alles noch dauern, aber die Aufbruchstimmung ist jetzt schon da. Und es gibt ein konkretes Ziel: Zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft vom 29. Mai bis 2. Juni 2013 soll es in Wladimir eine Ausstellung geben – mit Arbeiten von behinderten Künstlern aus Erlangen.

Sinaida Gagulajewa, Irina Morosowa, Stanislaw Katkow, Irina Platowa

Stanislaw Katkow, der 2013 seinen 70. Geburtstag feiert, wird sicher im Organisationskomitee sitzen. Und vielleicht ein wenig Deutsch mit Irina Platowa lernen. Seine fehlenden Sprachkenntnisse beklagt er nämlich in einem Gedicht, das er den beiden Freundinnen aus Erlangen gewidmet hat und das mit dem Vers endet: „Zu den Deutschen, nach Erlangen / schick ich diese Zeilen ab. / Euch will ich von Herzen danken / und dem Glück, daß ich Euch hab.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: