Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Ilse Wierny’


Seit Anfang September war das Schaufenster der Literarischen Buchhandlung Ilse Wierny im Rahmen des 35jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir mit Werken aus den wichtigsten Epochen der russischen Belletristik dekoriert. Gestern bot sich nun zum letzten Mal dieser Blick in diese reiche Literaturgeschichte mit all den bekannten und noch zu entdeckenden Namen. Grund genug für Oberbürgermeister Florian Janik, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Ilse Wierny und Florian Janik

Aber, wie das bei zumindest guter Literatur so ist, der Eindruck kann – und soll manchmal sogar – täuschen. Dafür nur das Beispiel von Daniil Charms, einem harmlos erscheinenden Pseudonym, hinter dem sich das schlimme Schicksal eines Autors verbirgt, der mit gerade einmal 37 Jahren 1942 in einer Gefängniszelle starb, weil der experimentelle Autor partout nicht so schreiben wollte, wie die Parteivorgabe das forderte. Dafür bleibt er unsterblich mit seinen Werken, die er als Kinderbücher ausgab, um die Zensur zu umgehen. Und so entstanden unsterblich absurd-komische Texte wie „Der Hund Bububu“, die so rätselhaft beginnen:

Florian Janik, Fjodor Dostojewskij und Ilse Wierny

Es war einmal ein sehr kluger Hund, der hieß Bububu. Er war dermaßen klug, daß er sogar zeichnen konnte. Einmal hat er ein Bild gezeichnet. Nur daß keiner erkennen konnte, was er auf dem Bild gezeichnet hatte…

Wer dann alles mit welchem Ergebnis dieses Werk eines Hundes interpretierte, sollten Sie sich selbst erlesen. Denn das Schaufenster ist zwar ab heute umdekoriert, doch ein Blick in die russische Literatur lohnt natürlich auch weiterhin.

Siehe auch hier: https://is.gd/9DONLd

Read Full Post »


Jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Wer bisher den Empfehlungen der Bücherecke des Blogs nicht folgen wollte oder keine Zeit hatte, sich im Vorjahr in Meiningen die so überaus gelungene Bühnenfassung von „Moskau – Petuschki“ oder „Die Reise nach Petuschki“ – im Deutschen mit je unterschiedlichem Titel nach der Übersetzung von Peter Urban oder Natascha Spitz – anzusehen, hat nun gleich an vier Abenden in der Reihe TRESENLESEN des Erlanger Theaters unter dem Motto „Reisen auf Russisch“ das Poem des Wladimirer Autors Wenedikt Jerofejew in der Interpretation von Ralph Jung kennenzulernen. In der Ankündigung der Lesung heißt es:

Wenedikt Jerofejew

Die beliebte Reihe TRESENLESEN zieht weiter durch die Kneipen der Stadt und lockt Erlanger Nachteulen aus ihrem Versteck. In der vierten Ausgabe liest Ralph Jung nur einen Bierdeckelwurf von den Bühnen des Markgrafentheaters entfernt aus der kultigsten Sauftour der russischen Literaturgeschichte: Die Reise nach Petuschki von Wenedikt Jerofejew. Was mit einer Zugfahrt zur Geliebten von Moskau in die Provinz beginnt, endet als irrwitzige Reise ins Delirium. Auftritte des Satans, einer rätselhaften Sphinx und mehrerer Schnapsleichen inklusive. Jerofejews hochprozentiges Meisterwerk läßt weder Auge noch Schnapsglas trocken. Na sdorowje!

Wenedikt Jerofejew: Moskau – Petuschki

Da sind keine Hyperbeln am Werk. Der 1969 entstandene Text aus der Feder eines Dichters, der als Student wegen antisozialistischer Umtriebe vom Pädagogischen Institut Wladimir exmatrikuliert wurde, ist tatsächlich nicht stubenrein und erst recht nicht politisch korrekt oder gar gendergerecht, weder damals noch heute, weder dort noch hier, aber darum schert sich ja auch große Dichtung nicht. Und um nichts weniger als große Dichtung handelt es sich hier, um das Prosapoem eines Autors, der Wladimir wie kein zweiter in der literarischen Welt berühmt machte, wie zahlreichen Einträgen hier im Blog zu entnehmen, etwa hier: https://is.gd/M0GMgp

Moskau – Petuschki in Meiningen

Nun also die Lesung dieser halluzinierten Reise von der Hauptstadt nach Petuschki in der Region Wladimir am Tresen der Kulisse, Theaterstraße 8, an vier Abenden, jeweils um 21.00 Uhr, – ohne Eintritt – am 20. Oktober, 14. und 20. November sowie am 1. Dezember. Der Schauspieler, Ralph Jung, stammt übrigens aus Leipzig und arbeitete bis 2016 in Jena: https://is.gd/foT6iY

Der Griff zum Buch selbst sei dennoch erneut mit dem Hinweis auf die Russischen Wochen in der literarischen Buchhandlung Ilse Wierny, Südliche Stadtmauerstraße 40, vorbereitend und begleitend empfohlen.

Read Full Post »


Maxim Gorkij, im Westen mindestens mit seinem Stück „Nachtasyl“ bekannt, meint:

Die russische Literatur ist die pessimistischste Literatur Europas. Bei uns werden alle Bücher über ein und dasselbe Thema geschrieben, darüber, wie wir leiden.

Mag ja sein, aber sicher gehört die russische Literatur auch zu den leidenschaftlichsten und ist mindestens so vielfältig und überraschend wie Land und Leute zwischen Kaliningrad und Kamtschatka.

Überzeugen davon kann man sich im Rahmen der Veranstaltungen zu 35 Jahren Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir seit gestern in der Buchhandlung von Ilse Wierny in der Südlichen Stadtmauerstr. 40, im Februar 2017 vom Börsenblatt für ihren „literarischen Spürsinn“ als „Deutschlands schönste Buchhandlung“ ausgezeichnet und am 31. Oktober d.J. in der Documenta-Halle zu Kassel für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert. Wer im wie immer geschmackvoll und einfallsreich gestalteten Schaufenster nichts für sich finden sollte, tut gut daran, sich von der kundigen Inhaberin, Ilse Wierny, persönlich beraten zu lassen. Nicht nur die kommenden sechs Wochen, die ganz im Zeichen der russischen und übrigens auch georgischen (diesjähriges Thema der Frankfurter Buchmesse) Literatur stehen.

Ilse Wierny 3

Ilse Wierny

P.S.: Wir alle haben es mit unserer Kaufentscheidung in der Hand, wie lange noch derartige Buchhandlungen und Geschäfte anderer Ausrichtung in unseren Städten gegen die krakenhafte Übermacht eines großen Versandmonopols bestehen.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: