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Posts Tagged ‘Hermann Gumbmann’


Er hat es wieder getan, und Hermann Gumbmann hat wieder gut daran getan. Ende vergangenen Jahres spendete der Unternehmer, der bis zum Mai 2010, 38 Jahre lang, für die CSU im Stadtrat saß, 1.500 Euro zur Anschaffung von iPads für das Sprachlernzentrum am Erlangen-Haus. Als Gebietsleiter Süd der OBI-Bau- und Heimwerkermärkte hatte er bereits tatkräftig den Bau der „deutschen Botschaft“ in Wladimir unterstützt und war immer wieder auch als Sponsor für den kulturellen Austausch in Erscheinung getreten, stets bescheiden im Hintergrund, aber mit großer Wirkung.

Hermann Gumbmann und Rudolf Schwarzenbach, 2012

Nun schickte gestern Irina Chasowa Bilder von den neuen Geräten, die sie dank dem großzügigen Förderer anschaffen konnte, und die, wie die Direktorin des Erlangen-Hauses voll des Dankes schreibt, „besonders aktiv von den Jugendlichen genutzt werden, die begeistert mit den iPads arbeiten“. Trotz Corona läuft mit Einschränkungen der Unterricht übrigens für die etwa 160 eingeschriebenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen weiter, und gestern fand auch noch das Jahresgespräch mit dem Goethe-Institut Moskau statt, das Wladimir methodisch, didaktisch und technisch immer auf dem neuesten Stand hält und sich für seine anderen 20 Zweigstellen in der Russischen Föderation Mäzene wie Hermann Gumbmann nur wünschen kann. Danke und спасибо!

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Am 3. März bereits verstarb, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des Erlanger Kunstvereins, dem die Städtepartnerschaft, angeregt vom Journalisten Axel Mölkner, die erste Gemeinschaftsausstellung von vier Wladimirer Künstlern verdankt. Im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung im November 1992 schreibt er selbst:

Freundschaftliche Beziehungen zu den bildenden Künstlern unserer russischen Partnerstadt Wladimir bestehen nun schon seit einer Reihe von Jahren. Wir erinnern uns dankbar an die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik aus Erlangen in Wladimir 1986. Im darauffolgenden Jahr konnten wir einen Maler aus Wladimir – es war Kim Britow – im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage als Gast bei uns begrüßen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Begegnungen in beiden Partnerstädten fortgeführt werden können.

Johann Adam Stupp

Und Andrej Filinow, heute Direktor des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, der damals die Gruppe als Journalist begleitete, erinnert sich:

Erlanger Nachrichten, 24./25. Oktober 1992

Vor fast dreißig Jahren… Damals taten Wladimir und Erlangen, wenn ich es richtig sehe, mit dem Austausch von Kulturschätzen einen der ersten und ausgesprochen erfolgreichen Schritte in der Volksdiplomatie aufeinander zu. Ich meine jene Ausstellung mit Arbeiten von Wladimirer Graphikern in Erlangen, organisiert unter Mitwirkung des Kunstvereins und persönlich von Johann Adam Stupp, die zu einer ausgezeichneten Visitenkarte unserer altrussischen Stadt zu einer Zeit wurde, als sich die partnerschaftlichen Beziehungen, angetrieben von dem glänzenden Russisten und großartigen Organisator, Peter Steger, erst so richtig zu entfalten begannen. Mit glühendem Enthusiasmus halfen ihm und den Künstlern die jungen Journalisten, Axel Mölkner von den „Erlanger Nachrichten“ und der Autor dieser Zeilen, Andrej Filionow, damals Mitarbeiter der Lokalzeitung „Mestnoje Wremja“ („Ortszeit“). Die Zusammensetzung der Ausstellungsteilnehmer erwies sich als einzigartig. Vorneweg mit den Arbeiten von zwei bereits damals anerkannten Meistern, Pjotr Dik und Boris Franzusow. Letzterer konnte nicht mit nach Deutschland kommen, weil er bereits todkrank war, aber seine Arbeiten, die zu den allerbesten Beispielen der russischen Graphik gehören, fanden viel Raum in der Ausstellung. Aus seinem Schaffen in der Technik der klassischen Radierung bildete sich eine eigene Schule heraus. Aber auch die damals noch jungen und später mit dem Titel „verdiente Künstler Rußlands“ ausgezeichneten Anatolij Denissow und Jurij Tkatschow erhielten die Möglichkeit, ihr reiches Können zu zeigen. Diese klassische Tradition umschatteten großartig die tiefgründigen, emotionalen und philosophisch aufgeladenen Pastelle von Pjor Dik. Der Umstand, daß er ethnischer Deutscher war, brachte eine besondere Note in die Betrachtung seiner Arbeiten und zeugte von der schon seit langer Zeit wirkenden gegenseitigen Durchdringung der russischen und deutschen Kultur, zweier großer europäischer Völker. Aber diesem Austausch wohnte noch eine weitere interessante Synergie inne: Die Arbeiten der Künstler wurden im Katalog von Gedichten des Autors dieser Zeilen in der Übersetzung von Peter Steger kommentiert. Ein weiterer Beweis dafür, wie eng Kunst und Literatur unsere Völker verbinden. Dieses Ereignis hinterließ jedenfalls in den Herzen der Teilnehmer (leider weilen Pjotr Dik und Boris Franzusow bereits nicht mehr unter uns, und nun ist dieser Tage auch Johann Adam Stupp von uns gegangen) die farbenfrohesten Erinnerungen und wurde auf viele Jahrzehnte zum Unterpfand der guten Beziehungen zwischen den Partnerstädten.

Johann Adam Stupps Hoffnung sollte sich erfüllen: Es folgten ungezählte weitere Ausstellungen in Zusammenarbeit der Kunstvereine Erlangen und Wladimir, auch längere Aufenthalte hier wie dort, um vor Ort an Kulturprojekten mitzuarbeiten. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die Partnerschaft in dieser Hinsicht vor einem Jahr, als sich die beiden Verbände darauf vorbereiteten, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes eine gemeinsame Ausstellung in Wladimir zu zeigen, die dann freilich wegen Corona nur virtuell gezeigt werden konnte.

Eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung entstand zwischen Pjotr Dik und dem Erlanger Kunstfreund. Auf Initiative von Johann Adam Stupp verlieh im Jahr 2000 dem Wladimirer Graphiker denn auch den Hauptpreis des Rußlanddeutschen Kulturpreises in der Kategorie Kunst. Zweifellos ein Höhepunkt auch für die Partnerschaft insgesamt. Auch mit Percy Gurwitz verband den Verstorbenen viel, denn seine Frau stammte, ebenso wie der Wladimirer Gelehrte, aus Riga.

Der Dichter

Er sieht so manches lang voraus,
sobald es ihn zu sprechen drängt.
Kaum macht man sich etwas daraus,
man ihn am liebsten gleich erhängt.
Andrej Filionow

Im gemeinsamen Vorwort zum Ausstellungskatalog schreiben Axel Mölkner und Andrej Filinow ein Wort des Dankes, das heute noch Gültigkeit besitzt und deshalb abschließend hier zitiert werden soll:

Vielen in Erlangen gebührt für ihre Unterstützung Dank. Die Ausstellung ermöglicht hat der Kunstverein und sein Vorsitzender, Adam Stupp. Bei der Stadt Erlangen haben sich der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, der die Gedichte mit viel Liebe übersetzte, und Kulturreferent Wolf-Peter Schnetz für die Ausstellung eingesetzt. Für die finanzielle Unterstützung durch die Siemens AG haben sich Rita Werneyer und Jörg Hahn stark gemacht; beim OBI Baumarkt Franken sorgte dafür Hermann Gumbmann.

Ausstellungseröffnung im Palais Stutterheim: Johann Adam Stupp, Jelena Prokofjewa, Andrej Filinow und, fast verdeckt, Jurij Tkatschow. Im Hintergrund: Hermann Gumbmann, Axel Mölkner, Natalia Oserowa und Anatolij Denissow

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Allenthalben spricht man in diesem Corona-Jahr von Digitalisierung. Auch im Erlangen-Haus. Mehr noch, man rüstet sich weiter für den Fernunterricht und moderne pädagogische Formen im Sprachlernzentrum, tatkräftig unterstützt vom Goethe-Institut Moskau, das als Weihnachtsgeschenk eine interaktive Tafel nach Wladimir schickte, die jetzt im Großen Saal hängt.

Aber damit nicht genug: Dem Team stehen für die Anschaffung von iPads auch 1.500 Euro zur Verfügung, gespendet von Hermann Gumbmann. Als der Unternehmer im Mai 2010 nach 38 Jahren (!) sein Amt als Stadtrat niederlegte, ging nicht nur politisch eine Ära zu Ende. Der über alle Parteigrenzen hinweg respektierte CSU-Mann betätigte sich nämlich auch als Mäzen der Städtepartnerschaften mit Jena und Wladimir. Manch ein Ensemble hätte ohne seine Hilfe wohl kaum in Erlangen auftreten können, viele Projekte wären zumindest schwieriger geworden. Darunter das Erlangen-Haus, das Hermann Gumbmann als Gebietsleiter Süd der OBI-Bau- und Heimwerkermärkte während der Bauphase großzügig unterstützte – mit Material- wie Geldspenden, immer in enger Absprache mit seinem politischen „Gegenspieler“ von der SPD, dem fast auf den Tag genau vor vier Jahren viel zu früh verstorbenen Personalreferenten, Rudolf Schwarzenbach, der das Projekt seitens der Verwaltung koordinierte.

Hermann Gumbmann und Rudolf Schwarzenbach, 2012

Ein Vierteljahrhundert nach der Eröffnung des Erlangen-Hauses nun also wieder in schweren Zeiten so ein Zeichen der Verbundenheit, wie ein Geschenk von Väterchen Frost. Danke und спасибо!

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Ausgerechnet zu seinem Geburtstag vor 28 Jahren reiste Helmut Eichler nach Wladimir und stand zum ersten Mal vor dem halbverfallenen Haus, das nach mehrmonatigen Beratungen auserkoren wurde, zum Dach der Städtepartnerschaft zu werden und den Traum des damaligen Oberbürgermeisters, Igor Schamow, von einer deutsch-russischen Begegnungsstätte zu erfüllen. Der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, hielt in seinem Reisebericht fest:

Helmut Eichler weist den Weg in die Zukunft des Erlangen-Hauses

Nach Einschätzung von Helmut Eichler ist das Objekt Frunsestraße 25 sanierungsfähig. Die Bausubstanz sei im Kern zufriedenstellend, der allergrößte Teil der Arbeiten könne in Wladimir vor Ort geleistet werden. Das Objekt scheint für Helmut Eichler eine ähnliche Herausforderung darzustellen wie seinerzeit der Kosbacher Stad’l. Eine Expertise seinerseits wird erstellt und Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg vorgelegt. Es wird vorgeschlagen, Helmut Eichler zu bitten, die Projektleitung zu übernehmen.

Helmut Eichler, Tatjana Garischina, Kira Limonowa, Igor Stoletow und Boris Rassadin

Weiter unten heißt es in dem Papier:

Nach dem etwa eineinhalbstündigen Ortstermin kam es zu einem Gespräch mit der Abteilung für Denkmalschutz, in welchem zugesagt wurde, einen schriftlichen Kostenvoranschlag sowie ein Verzeichnis der in Wladimir vor Ort zu übernehmenden Aufgaben vorzulegen. Man erhoffe sich eine baldige Reaktion aus Erlangen sowie eine Abstimmung der Expertisen und Pläne, um noch in diesem Jahr mit der Arbeit beginnen zu können. Zudem wolle man noch im laufenden Jahr die im Haus verbliebenen drei Parteien in neue Wohnungen einquartieren. Die Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde sind hochgradig motiviert, zumal es sich bei dem besagten Objekt um einen besonderen architektonischen Stil handelt, von dem es in ganz Wladimir von ursprünglich 28 nur noch vier Exemplare gebe, wobei die übrigen drei in einem baulich wesentlich schlechteren Zustand seien. Das Haus Nr. 25 in der Frunsestraße könnte also zu einem Demonstrationsobjekt werden.

Der damalige Wirtschaftsreferent und spätere Oberbürgermeister, Siegfried Balleis, beim Verlassen des Erlangen-Hauses 1992

In seiner ersten Aktennotiz vom 27.10.1992, an seinem 52. Geburtstag, kommt Helmut Eichler selbst zu dem Schluß:

Das Gebäude vermittelt äußerlich und innerlich einen recht heruntergekommenen Eindruck. Doch bei genauerer Betrachtung handelt es sich dabei lediglich um oberflächlich angegriffene Bausubstanz wie mürbe Putze, angefaulte Holzverschalungen und eben über viele Jahre fehlenden Bauunterhalt. Der zu erwartende Aufwand an Geldmitteln und Arbeit ist m.E. gerechtfertigt, dieses Gebäude zu renovieren und der beabsichtigten Nutzung zuzuführen.

Die Baustelle Erlangen-Haus 1993

Helmut Eichler kannte Wladimir schon von Beginn der Partnerschaft an. Sein Kosbacher Stad’l-Chor hatte seit 80er 1987 immer wieder das Tanz- und Folklore-Ensemble RUS zu Gast, und eigentlich war er ja damals, 1992, nach Wladimir gekommen, um bei der Vorbereitung auf das „Fränkische Fest“ zu helfen. Ein Maibaum sollte aufgestellt werden, die Kerwasbuam wollten durch Wladimir ziehen… Es war viel zu organisieren. Eine ungemein aufregende Zeit und eine völlig unübersichtliche Lage: Die Aktion „Hilfe für Wladimir“ lief noch auf Hochtouren, die ersten VAG-Busse aus Erlangen ruckelten über die holprigen Straßen der Partnerstadt, die beiden Heizkessel zur Fernwärmeversorgung eines ganzen Stadtteils waren eben erst eingetroffen und angeschlossen, die Inflation sprengte im wilden Galopp davon, soziale Unzufriedenheit überall. ein 20-Liter-Kanister mit Benzin wurde auf dem Schwarzmarkt für 1.000 Rbl. gehandelt, der Mindestlohn lag bei 1.500 Rbl., das durchschnittliche Einkommen für staatlich Bedienstete bei 4.000 Rbl.

Richtfest im Großen Saal des Erlangen-Hauses, September 1993

Es gehörte Mut, viel Mut auf beiden Seiten dazu, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und mit vereinten Kräften das Erlangen-Haus zu sanieren. Was das an Kraft, Zeit und Geld kosten würde, konnte sich damals gottlob niemand vorstellen. Hätte man eine klare Vorstellung davon gehabt, den Verantwortlichen wäre sicher das Herz in die Hose gerutscht, man hätte das Projekt als undurchführbar zu den Akten gelegt. Doch die richtigen Politiker, die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, setzten auf die richtigen Menschen, und so gelang das nachträglich schier Unmögliche.

Helmut Eichler im Gespräch mit seinen ehemaligen Bauleuten, Josef Schmitt und Willi Merz, am 7. Mai 2015

Helmut Eichler war der richtige Mann am richtigen Ort. Er hatte jahrzehntelange Erfahrung – auch im Ausland – bei Bauprojekten und konnte auf den Kosbacher Stad’l und dessen gelungene Renovierung mit ehrenamtlichen Kräften als Referenz verweisen. Dietmar Hahlweg und sein Personalreferent, Rudolf Schwarzenbach, trauten dem Beauftragten für Brandschutz im Bauamt das „Projekt Erlangen-Haus“ zu, vertrautem ihm die Bauleitung an – und sahen ihr Vertrauen nie enttäuscht!

Bausteinaktion zur Finanzierung des Erlangen-Hauses

Schon von seinen ersten Begegnungen und Gesprächen an erwarb sich Helmut Eichler, unterstützt von der damaligen Partnerschaftsbeauftragten, Tatjana Garischina, und den Dolmetscherinnen, Jelena Jewtjuchina und Irina Chasowa (genau in der Reihenfolge wurden beide später Geschäftsführerinnen des Erlangen-Hauses), den uneingeschränkten Respekt seiner Wladimirer Partner und Kollegen, von der Stadtverwaltung bis zu den Handwerkern, besonders aber von Kira Limonowa, der Architektin des Projekts, für die das Erlangen-Haus in der Zusammenarbeit mit den deutschen Freunden zum krönenden Abschluß ihres Berufslebens werden sollte. Kein Gewerk, von dem Helmut Eichler nichts verstanden hätte, kein Werkzeug, das er nicht hätte anzuwenden gewußt. Vor allem aber zeigte er eines: disziplinierte Frustrationstoleranz. Seine Protokolle, die ein Dutzend Aktenordner füllen, wissen davon ein Klagelied zu singen: „Keine nennenswerten Fortschritte“, meinte er im Mai 1993. „Ärger mit der Wladimirer Behörde für Denkmalschutz“, hieß es im Juni des gleichen Jahres. Im Juli dann: „Es geht nicht voran.“ Im Oktober schließlich das Verdikt: „Umfang der Arbeiten und Kosten erheblich unterschätzt. Rahmenbedingungen dramatisch verschlechtert.“ Aber es gab kein Zurück mehr, und ein langer Atem war gefordert. Ab Herbst 1994 „lief es dann wieder“. Am 7. Mai 1995 planmäßig die feierliche Eröffnung, wo sich dann der Hauptakteur schon wieder lieber im Hintergrund hielt und die Bühne anderen überließ.

„Richtfest“ im Saal des Erlangen-Hauses im September 1993

Aber was wäre ohne ihn geworden? Seine Erlanger Vorgesetzten hatten ihn zwar für den Einsatz freigestellt und ihm Dienstreise um Dienstreise bewilligt, um vor Ort die Dinge am Laufen zu halten. Aber daheim in Erlangen war ja nicht weniger zu organisieren. All die Materialien, die es damals in Wladimir noch nicht gab – und das waren mehr als man sich heute vorstellen kann! -, mußten bestellt, verladen und auf den Weg gebracht werden. Handwerksbetriebe, die Stadtwerke, Firmen waren dafür zu gewinnen, Mitarbeiter für Montagearbeiten abzustellen. Und dann reichte das Geld immer wieder nicht. Hätte Helmut Eichler nicht alle entscheidenden Leute in der Erlanger Baubranche persönlich gekannt – sein ehemaliger Chef, Reinhard Daeschler, Robert Niersberger und Hermann Gumbmann seien hier stellvertretend und mit Dank für all die vielen weiteren Sponsoren und Unterstützer genannt -, das Projekt wäre gescheitert. Allein sein Name öffnete Türen und Herzen. Ihm ist es zu verdanken, daß an die zwanzig ehrenamtliche Einsätze von Erlanger Handwerkern „geflogen“ werden konnten – von Willi Merz über Herbert Hummich bis Jürgen Pilipp – , ihm ist es wesentlich zu verdanken, daß die Bausteinaktion zu einem solchen Erfolg wurde, ihm ist es entscheidend zu verdanken, daß auch über 2.500 km hinweg der Nachschub weder materiell noch ideell je zusammenbrach.

Dietmar Hahlweg und Igor Schamow mit den beiden Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger und Tatjana Garischina, am 7. Mai 1995

Helmut Eichler ist kein Freund von Lobeshymnen aus seine Person. Seinen 80. Geburtstag feiert er heute mit seiner Frau Tatjana im Familienkreis. Ob er je den Eintrag im Blog lesen wird, ist eher ungewiß. Aber gesagt sei es dennoch: DANKE, lieber Helmut! Du hast uns allen ein großartiges Vorbild gegeben, hast in bewundernswerter Konsequenz das schwierigste Vorhaben der Partnerschaft überhaupt zu einem erstaunlichen Erfolg geführt. DANKE, daß Du noch Jahre nach der Eröffnung Deines Erlangen-Hauses ehrenamtlich immer wieder nach dem Rechten sahst und in allen Fragen klugen und praktischen Rat geben konntest. DANKE, daß Du bist, wie Du bist.

Swetlana Schelesowa, Natalia Korssakowa, Irina Chasowa und Tatjana Kirssanowa

Zum Abschluß sollen zwei Deiner Weggefährten zu Wort kommen, beide leider schon verstorben: Percy Gurwitz und Rudolf Schwarzenbach. Percy Gurwitz, dieser Titan des Geistes und wortgewaltiger Fürsprecher des Projekts, bemerkte einmal:

Ich empfinde die höchste Wertschätzung für Helmut Eichler. Er hat mir einmal auf die Frage, warum er denn all diese Mühen auf sich nehme, gesagt, er wolle nicht eines Tages in die Grube fahren und dann von sich lediglich sagen können, er habe sein ganzes Leben lang nur gut gegessen und gut getrunken. Das könnte ich nicht besser ausdrücken!

Hans Zahn, Aquarell aus dem Jahr 1995

Und Rudolf Schwarzenbach schrieb in seinem Geburtstagsgruß vor zehn Jahren:

Für die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir hat Helmut Eichler eine besondere Bedeutung. Ohne ihn wäre das Erlangen-Haus wahrscheinlich nicht in diesem bewunderten Stil – außen russisch, innen deutsch – entstanden. Er hat es verstanden, durch die Zusammenarbeit mit der russischen Architektin, Kira Limonowa, und seine von den russischen Arbeitern anerkannte „Vorarbeiter-Rolle“, aus der baufälligen Villa ein Schmuckstück der Altbausanierung und der deutsch-russischen Zusammenarbeit zu machen. Dafür sind ihm beide Städte zu bleibendem Dank verpflichtet. Leider konnte das Gegenstück, ein Wladimir-Haus in Erlangen, aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden, obwohl sich Helmut auch dafür einsetzte. In den letzten Jahren hat sich Helmut Eichler aus den Partnerschaftsaktivitäten zurückgezogen, aber noch immer pflegt er intensive persönliche Kontakte mit Wladimir. Das Erlangen-Haus wird auch in Zukunft immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Spasibo, Helmut. Und Glückwunsch zu Deinem Geburtstag.

Halt, doch noch ein P.S.: Wolfram Howein, der umsichtige Revisor und findige Berater des Erlangen-Hauses, hat all die von Dir so fleißig gemachten und chronologisch geordneten Bilder eingescannt, um daraus zum 25jährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses ein weiteres Buch zu gestalten. Auch wenn Corona in diesem Jahr einen Schlag ins Kontor verursacht, haben sich Deine Mühen, lieber Helmut, gelohnt. Wir lassen auf Dein Erlangen-Haus nichts kommen. Davon zeugen auch die Grußworte aller drei Oberbürgermeister, denen Dein Werk ein wichtiges Anliegen bleibt. Hierzu nochmals die Links zu den Videobotschaften: https://is.gd/ibWNdz und https://is.gd/veqAHA sowie https://is.gd/2F2W69

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Gestern haben Oberbürgermeister Siegfried Balleis und sein Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg, jemanden in den Ruhestand verabschiedet, der es verstanden hat seinen Bereich zur „zentralen Stelle der Verwaltung zu machen, die den Überblick über die großen Entwicklungslinien Erlangens behält.“ Jemanden, der, wie er selbst sagt, unter drei Oberbürgermeistern seinen treuen Dienst versehen und mit 226 Stadträten zusammengearbeitet hat. In 48 Berufsjahren und seit 1986 als Leiter des Bürgermeister- und Presseamtes, das er erst zu dem gemacht hat, was es heute ist.

Helmut Schmitt mit seiner Familie und Dietmar Hahlweg

Die Rede ist von Helmut Schmitt, dessen Schaffen und Wirken auch den beiden Laudatoren nur in groben Zügen und im großen Bogen gelingen konnte, zu vielschichtig, ja, filigran ist das verästelte Netz seiner Initiativen, Aktionen, Verbindungen und Erfolge. Ein Ausnahmebeamter, wie man sie kaum mehr findet, ein Mann, der beim Blick auf die übergeordneten Zusammenhänge immer auch ein scharfes Auge auf jedes Detail wirft, vor allem auf jene vermeintliche Kleinigkeit, die das Zeug hat, das Große scheitern oder erst richtig groß werden zu lassen.

Helmut Schmitt und Siegfried Balleis

Ein Mann mit erstaunlichem Gespür für Stimmungen, aber auch mit Willen und Durchsetzungskraft, selbst schwierigste Ziele – mit meist eng begrenzten Verwaltungsmitteln – zu erreichen. Unter enormem persönlichen Einsatz und ohne je auf die innere Stechuhr zu achten. Doch, was nicht einmal den beiden Oberbürgermeistern in Gänze gelingen wollte, soll auch hier gar nicht erst versucht werden. Der Blog hat ja das Privileg der Exklusivität, darf alles ausblenden, was nicht mit Wladimir zu tun hat.

Das Geschenk an Helmut Schmitt

Wie gut es da doch ist, daß Helmut Schmitt auch und gerade mit Wladimir zu tun hat. Viel sogar. Viel mehr, als man meinen möchte. Ihm ist es nämlich auch zu verdanken, daß die Städtepartnerschaften an jener „zentralen Stelle der Verwaltung“ nicht nur als ornamentaler Appendix geführt, sondern als zentrale Aufgabe gestaltet werden. Und Wladimir ist da mitten drin, im Zentrum, bei all seiner Liebe zu den übrigen Partnerschaften. Helmut Schmitt gehört nämlich noch jener Generation an, die verinnerlicht hat, was die Folgen des Zweiten Weltkrieges für die Menschen bedeuteten, was es konkret bedeuten kann, wenn ganze Völker Erbfeindschaften, tiefe Gräben, erbitterten Haß, ideologische Grenzen und als unüberwindbar geltende Spaltungen überwinden, kurzum, wenn Verständigung und Versöhnung gelingen.

Wegbegleiter Hermann Gumbmann und Rudolf Schwarzenbach

„Wir wollen – und wir müssen mit den Russen Freundschaft halten!“ Ein Lebensmotto für Helmut Schmitt, der es vom Stadtassisentenanwärter z.A. bis zum Verwaltungsdirektor gebracht hat. Eine Karriere übrigens – und das nur als Einschub -, die angesichts der heute so rigiden Einstellungs- und Beförderungsvoraussetzungen undenkbar wäre, wie selbst Siegfried Balleis bedauernd einräumte.

Dietmar Hahlweg und Helmut Schmitt

Die Freundschaft mit den Russen ist ihm Herzenssache. Das hat er bewiesen, wenn es galt, mit den Kommunisten die Verständigung zu suchen, das hat er bewiesen, als eine Besuchergruppe aus Wladimir im August 1991 während des Putsches gegen Michail Gorbatschow in Erlangen buchstäblich nicht mehr weiterwußte, das hat er bewiesen mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“, vor allem aber hat er es bewiesen mit seiner umfassenden Unterstützung für das Erlangen-Haus, dieses Dach der Bürgerpartnerschaft, das ohne seine ordnende Hand – vor allem in der Bauphase -nicht vorstellbar wäre.

Willi Götz, Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis, Helmut Schmitt, Gerd Lohwasser, Ursula Rechtenbacher, Birgitt Aßmus, Elisabeth Preuß.

Dietmar Hahlweg sprach von dem Glück, das ihm zuteilgeworden mit einem solchen Amtsleiter an seiner Seite, und Siegfried Balleis lobte den „Politikmanager“ als „loyale, zuverlässige rechte Hand“. Ja, es ist ein Glück, daß Helmut Schmitt für Wladimir brennt und der Partnerstadt ein loyaler und zuverlässiger Freund ist – und bleibt!

Elisabeth Preuß, Birgitt Aßmus, Helmut Schmitt

Und ja, es ist ein Glück in ihm jemanden zu haben, der immer wieder nach dem Rechten sieht, der die Dinge richtet, der es zwar nicht allen recht machen will, der aber mit seinen Entscheidungen fast immer recht behält. Er ist nämlich – nicht nur hinsichtlich Wladimir – mehr als nur die rechte Hand: Er ist der rechte Mann am richtigen Ort mit einem großen Herzen am richtigen Fleck.

Helmut Schmitt und Herbert Lerche mit dem Team: Silvia Klein, Ute Klier, Anita Lochner, Andrea Kaiser, Till Fichtner, Britta Chiarelli, Jolana Hill und Gerhard Mahler.

In seinem sehr persönlich gehaltenen Schlußwort machte Helmut Schmitt gestern Hoffnung auf ein Wiedersehen: „Ich sage auf Wiedersehen. Und wir sehen uns bestimmt wieder!“ Das ist gut so – für die viele Projekte, an denen er noch arbeitet, für seine Freunde, die ihn sonst sehr vermissen würden, für sein Team, dem er noch einiges geben kann, für seinen Nachfolger, Herbert Lerche, in dessen bereits bürgermeisteramtserfahrene Hände er den Leitungsstab gern übergeben hat. Besonders gut aber ist dieses Versprechen für die Partnerschaft mit Wladimir und das Erlangen-Haus, dem er seit Anfang September als Mitglied des Beirates ehrenamtlich enger denn je verbunden ist. Wie gut!

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Hildegard und Hermann Gumbmann zwischen Siegfried Balleis und Joachim Herrmann

Der Laudator, Oberbürgermeister Siegfried Balleis, brachte es in seiner Rede gestern anläßlich der Verleihung der Bürgermedaille, der dritthöchsten von der Stadt Erlangen zu vergebenden Auszeichnung, an Hermann Gumbmann mehrfach zum Ausdruck. Nicht von ungefähr. Der Geehrte hat viel für seine Stadt geleistet, sehr viel, so viel, daß sogar Innenminister Joachim Herrmann zu der Festveranstaltung ins Erlanger Rathaus kam. Das Allermeiste davon aber im stillen, von der Öffentlichkeit unbemerkt – und dennoch merklich spürbar für die Menschen, denen er helfen konnte in Politik, Sport und Kultur, aber auch im Geschäftsleben. Da die Laudatio wohl demnächst unter http://is.gd/ZVsPKq nachzulesen sein wird, soll hier wirklich nur auf das unerwähnt Gebliebene hingewiesen werden.

Hermann Gumbmann und Siegfried Balleis, im Hintergrund der "gute Geist" des Rathauses, Sabine Lotter.

Hermann Gumbmann hatte in seiner achtunddreißigjährigen Tätigkeit als Stadtrat, die erst im Vorjahr gesundheitsbedingt zu Ende gegangen war, neben seinen vielfachen Verpflichtungen immer auch Zeit, sich um die Städtepartnerschaften zu kümmern. Besonders um Jena, wo er den ersten OBI-Markt gründete, und Cumiana, wo er als erster Abgesandter Erlangens den Opfern und Hinterbliebenen des Massakers von 1943 sein Mitgefühl aussprach. Aber eben auch um Wladimir. Und das geschah nun wirklich abseits jeder Öffentlichkeit. Vor allem in den 90er Jahren half der Mäzen immer wieder gern, den Aufenthalt von Kulturgruppen aus Wladimir zu finanzieren. Das konnte eine Bigband sein oder ein Chor, ein Jugendsymphonieorchester oder ein Folklore-Ensemble, wann immer man Hermann Gumbmann um Unterstützung bat, fand er eine Möglichkeit, sei es über einen seiner am Ende mehr als 60 OBI-Märkte oder durch die Vermittlung von anderen Sponsoren aus der Geschäftswelt. Das Erlangen-Haus hat Hermann Gumbmann viel zu verdanken. Immer wieder neue Anfragen wegen Geräten und Materialien stand er stets offen gegenüber, und auch die Aktion „Hilfe für Wladimir“ war ihm ein wichtiges Anliegen.  Alles ganz im Sinne dessen, was der Bürgermedaillenträger am Ende der Festsitzung des Stadtrates über sich selbst sagte: „Ich war nie Solist, sondern immer Teamspieler.“ Und: „Wir brauchen Ein- und keine Aussteiger.“ Man darf mit Dankbarkeit hinzufügen: Wir brauchen Menschen wie Hermann Gumbmann. Gut, daß der Ältestenrat der Stadt Erlangen diese Erkenntnis einstimmig zum Ausdruck gebracht hat, gut, daß so viele zu der Ehrung gekommen sind – und vor allem gut, daß Hermann Gumbmann in aller Stille weiter seine guten Werke tun wird. Vergelt’s Gott!

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