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Posts Tagged ‘Heinz Gerhäuser’


Gestern berichtete das Wladimirer Internetportal Zebra ausführlich über das jüngste Treffen des auf Anregung von Altoberbürgermeister, Dietmar Hahlweg, vor fünf Jahren gegründeten Diskussionsforums Prisma. Hier nun heute die Übersetzung des Textes:

Am 7. Dezember fand ein weiteres Treffen des Diskussionsforums Prisma statt, bereits das dritte in diesem Halbjahr. Dieses Format wurde vor einigen Jahren auf Initiative der Partnerstädte Wladimir und Erlangen und unter Beteiligung der Wladimirer Niederlassung von der Russischen Akademie für Verwaltung und Wirtschaft gegründet. Der Wunsch, sich gegenseitig besser kennenzulernen, unsere Erfahrungen auszutauschen und von den Erfahrungen der Kollegen aus dem anderen Land zu lernen, wurde zu einer sehr guten Motivation für die Teilnehmer der Diskussionen, die sowohl in Wladimir als auch in Erlangen stattfanden.

Brennende Themen wie Migrationsprobleme, die Rolle der Massenmedien in der modernen Gesellschaft, Ökologie und viele andere kamen bei den Treffen zur Sprache. Zu den Teilnehmern und Referenten der Begegnungen gehörten auch Führungspersönlichkeiten der Partnerstädte, bekannte Vertreter des öffentlichen Lebens,

Auch für 2020 hatte Prisma große Pläne…

Und dann brachte es im Frühjahr die Situation hier wie dort mit sich, daß es keine persönlichen Treffen mit lebhaften Diskussionen und hitzigem Meinungsaustausch geben würde. Es schien, die wunderbare Idee des Forums müsse angesichts des unüberwindlichen Hindernisses, ebenso wie viele andere wichtige Ereignisse und Aktivitäten in der Welt, in der Hoffnung verschoben werde, bis die Pandemie eines Tages besiegt wäre.

So wie es aussieht, wird das heimtückische Corona-Virus sicherlich überwunden, vielleicht sogar schon im Jahr 2021, aber für den Moment ist der Kampf noch nicht zu Ende, und die Welt hat noch einen recht langen Weg vor sich, bis die Sache mit der Pandemie langsam zum Besseren gewendet werden kann. Einige Einschränkungen und die Sorge um die Gesundheit eines jeden bleiben also auf lange Sicht geboten, doch das ist nicht immer eine schlechte Sache.

Es stellte sich nämlich heraus, daß die Unmöglichkeit, sich im physischen Raum zu treffen, den Anstoß zu intensiveren Kontakten über das Internet gab, dessen Stand und Verfügbarkeit hier wie dort heute in etwa auf dem gleichen, einem recht hohen Niveau ist. Die Kontakte unter den Mitgliedern von Prisma rissen daher auch während der Pandemie nicht ab, sondern wurden sogar noch intensiver und vielseitiger.

In den letzten sechs Monaten hielt Prisma drei Treffen ab. Während sich die Mitglieder in der ruhigen Zeit vor Corona ein- bis zweimal im Jahr trafen, hat die Intensität der Arbeit nun deutlich zugenommen, und dieses Wachstum spiegelt sich auch in der inhaltlichen Arbeit des wider.

Im Juli begann Prisma, sich mit einem für beide Länder akuten und drängenden Thema zu befassen, mit der Diskussion über die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, im Jahr der 75. Wiederkehr des Sieges viele Gedenkveranstaltungen zu diesem Ereignis durchzuführen. Da im Dialog zwischen Russen und Deutschen über diese Lehren offensichtlich unterschiedlich waren, stellte sich Prisma dieser ernsthaften Herausforderung und suchte gemeinsam nach Antworten.

Die Antworten erwiesen sich als interessant, vielseitig, manchmal kontrovers, wie es sich gehört, wenn man ein komplexes, vielschichtiges Thema diskutiert.

Wir möchten darauf hinweisen, daß das Juli-Treffen von Prisma in einem neuen Format unter Verwendung von Informationstechnologien stattfand, was es ermöglichte, alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zu beachten und die Kontaktbeschränkungen nicht zu verletzen.

Die Teilnehmer des Treffens sprachen über das historische Gedächtnis des Zweiten Weltkriegs aus verschiedenen Blickwinkeln. Nikolaj Schtschelkonogow, Teilnehmer am Großen Vaterländischen Krieg, berichtete von seiner Erfahrung mit Krieg und Frieden, über seine neuen Freunde in Deutschland und darüber, dass ein neuer schrecklicher Krieg nicht zugelassen werden darf und daß dies die Aufgabe der jüngeren Generationen sei.

Wjatscheslaw Kartuchin, Direktor der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, wies in seiner Rede auf die Gefahr der Verzerrung und Verfälschung der Geschichte hin, die oft zur Grundlage für Radikalismus und das Wiederaufleben nationalistischer Bewegungen werde.

Auf dem Treffen erhielt auch die Sicht eines professionellen „Hüters der Geschichte“, Oleg Gurejew, stellvertretender Generaldirektor des Wladimir-Susdaler Landesmuseums, Raum, als er darüber sprach, wie die historische Verbindung zwischen Generationen und Ländern wiederhergestellt und entwickelt wird und wie das Museum daran beteiligt ist.

Die beiden Professoren der Universität Erlangen-Nürnberg und der Wladimirer Niederlassung der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, Julia Obertreis und Roman Jewstifejew, präsentierten eine eher akademische Sicht auf die Probleme der Bewahrung des historischen Gedächtnisses am Beispiel ihrer Länder.

Julia Obertreis

Vor allem aber bleibt das neue Format von Prisma wegen des Dialogs, der pointierten Fragen und substanziellen Antworten, der Argumente und der gemeinsamen Suche nach der Wahrheit in Erinnerung.

Die Diskussion, die nicht in einer Sitzung Platz fand, wurde im Oktober mit einem zweiten Treffen fortgesetzt, ebenfalls dem Thema Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. Der Mitbegründer und langjährige Beauftragte für die Wladimir-Erlangen-Partnerschaft, Peter Steger, schilderte eindrucksvoll die Geschichte seines Vaters, der einen langen und schwierigen, dramatischen Weg zurückgelegt hatte, und dem es gelungen war, seinem Sohn Friedensliebe und Respekt für Rußland zu vermitteln. Jutta Schnabel sprach über die Erinnerungskultur im deutsch-russischen Jugendaustausch und stellte eine erstaunliche Erfahrung vor, wie man Geschichte und historische Ereignisse in den Köpfen junger Menschen „lebendig“ werden lassen kann.

In Deutschland ist die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auf seine Weise dramatisch und traumatisch, aber die moderne deutsche Gesellschaft nutzt alle Möglichkeiten, diese Erfahrung nicht zu vergessen und Lehren daraus zu ziehen, jungen Menschen in verständlicher Sprache und verständlichen Bildern das Verhängnisvolle radikaler Ideen zu vermitteln, die vor 75 Jahren Europa und die Welt fast zerstört hätten.

Und wieder einmal war der Hauptinhalt des Oktobertreffens eine gehaltvolle Diskussion, bei der Fragen gestellt wurden, um die Positionen des jeweils anderen zu klären.

Bildlich gesprochen ermöglicht ein solcher Dialog es nicht nur, auf eine „heiße“, von einem anderen formulierte Schlagzeile zu starren, sondern zu versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen, das Gegenüber zu verstehen und ihn in unsere eigenen Gedanken und Gefühle einzubeziehen, wie der deutsche Philosoph, Jürgen Habermas, sagen würde.

Wjatscheslaw Kartuchin erinnerte noch einmal an die Bedeutung und Notwendigkeit der Bewahrung des historischen Gedächtnisses und die Unzulässigkeit seiner Verfälschung. Die deutsche Seite unterstützte ihn voll und ganz: Jeder, vor allem die ältere Generation, nahm sich dies zu Herzen und zeigte großen Respekt vor den Prozessen des Bewahrens der Geschichte.

In einer Welt, die zunehmend von Fake-News, Post-Truth, der „Zerstörung der Wahrheit“ beherrscht wird, gibt es nur einen Weg, keinen Fehler zu machen und sich nicht täuschen zu lassen, nämlich sich in diesen aufgewühlten Ozean zu stürzen, der sein Leben unter der Oberfläche von Schlagzeilen und uns aufgenötigten Nachrichten und Meinungen führt. Und es ist besser, dies nicht allein zu tun, sondern in der Gesellschaft solch aufrichtiger und vorbereiteter Wahrheitssucher, wie es die Mitglieder des Diskussionsforums Prisma sind.

Beim dritten Treffen schließlich, das am 7. Dezember stattgefunden hatte, wurden den Teilnehmern die Vorteile und Möglichkeiten, wie sie die moderne Technik bietet, voll bewußt.

Die Dialogteilnehmer von deutscher Seite waren Julia Obertreis, Peter Steger, Jutta Schnabel, Wolfgang Niclas, Heinz Gerhäuser und Gerda-Marie Reitzenstein, von russischer Seite Wjatscheslaw Kartuchin, Alexander Illarionow und Roman Jewstifejew.

Roman Jewstifejew

Bei dem Treffen trugen wir die Ergebnisse der letzten beiden Treffen zu den Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg zusammen, referierten kurz die vorangegangenen Berichte und ließen, wie immer, Diskussion, Fragen und Antworten nicht zu kurz kommen, ein Zeichen dafür, daß das Thema noch lange nicht erschöpft ist.

Vielleicht, zumindest wäre es sehr zu begrüßen, könnte ein Gespräch über die Gedenkpolitik, das kollektive Gedächtnis mit Vertretern der akademischen Gemeinschaft unserer Länder in Form einer wissenschaftlichen Konferenz fortgesetzt werden, mit Prisma als einer der Organisatoren.

Ganz den Plänen für die Zukunft war denn auch der zweite Teil des Treffens am 7. Dezember gewidmet. Die Teilnehmer diskutierten über mögliche Themen, die bei der nächsten Zusammenkunft auf die Tagesordnung kommen könnten, und davon gab es eine ganze Reihe. Auch das nicht ausdiskutierte Thema Ökologie wurde in Erinnerung gerufen, einschließlich der wachsenden Widersprüche zwischen moderner Entwicklung und Naturschutz, die zu unerwarteten und manchmal heftigen Reaktionen der Natur auf menschliche Eingriffe führen. Ein weiteres interessantes und herausforderndes Thema wäre die Reaktion der kommunalen Verwaltung in den Städten und Ländern auf die Herausforderungen der Pandemie, wie sich die soziale Ordnung verändert und wie die Bürger darauf reagieren, wie die städtische Wirtschaft mit der Pandemie zurechtkommt und was die Wege für eine schnelle Erholung sein können. Peter Steger regte bereits im Verlauf der Diskussion an, darauf zu schauen, wie sich die Partnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen angesichts der Pandemie weiterentwickelt.

Als Ergebnis der Diskussion wurde mit deutlichem Vorsprung vor anderen Themen die Pandemie und die Frage, wie Menschen, Gemeinden, Städte und Länder darauf reagieren, als Thema für das nächste Treffen gewählt. Das Treffen wird im Februar 2021 stattfinden und die Vorbereitungen für Redner und Berichterstatter haben bereits begonnen.

Wolfgang Niclas

Zum Abschluß der Runde kam noch das wichtige Thema einer effektiven Kommunikation zur Sprache, wobei die größte Herausforderung natürlich die Sprachbarriere darstellt. Zunächst wurde die Hürde mit Hilfe der Übersetzungen von Julia Obertreis und Peter Steger überwunden, im Juli und Dezember erhielt Prisma große Unterstützung von den Dolmetscherinnen Maria Golowko und Oxana Kirej.

Roman Jewstifejew hat seine eigene Sicht auf dieses Thema. Er glaubt, daß wir, wenn wir uns gegenseitig verstehen und einander einbeziehen, wenn wir versuchen wollen, uns zum Besseren zu verändern, keinen anderen Weg haben, als die Sprache des anderen zu erlernen, damit wir in der Welt besser verstanden und respektiert werden. Um Russisch zu lernen, um Deutsch zu lernen, um andere Sprachen zu lernen, damit am Ende gar die gleiche Sprache zu sprechen als Erweiterung unserer Fähigkeit zu Verständigung und Einfluß.

Genau darum bemüht man sich bei den Treffen von Prisma, das sich zu einer bedeutenden russisch-deutschen Institution der zivilgesellschaftlichen Diplomatie und der Koordination der Interessen der Völker beider Länder entwickelt.

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Wie schnell es manchmal gehen kann: Anfang Juli hatte das Ehepaar Heinz und Elvira Gerhäuser eine Einladung der Staatlichen Universität zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung angenommen https://is.gd/u8FvX6 und dabei neben dem Bildhauer Igor Tschernoglasow vor allem Jewgenia Kulikowa kennengelernt. Bei diesem Treffen der fränkischen Künstlerin und der russischen Dozentin für Keramik, Design und Architektur muß es zu einer kreativen Initialzündung gekommen sein, denn nach einem intensiven Austausch von Informationen und Vorstellungen per Internet folgte Jewgenia Kulikowa dem Ruf nach Waischenfeld, um ihre Gastgeberin zwei Wochen lang darin zu unterweisen, wie man am besten Tonformen vorbereitet, die ihrer Glaskunst später Form und Gestalt verleihen sollen. Ein Meisterinnenkurs eben.

Jewgenia Kulikowa, Heinz und Elvira Gerhäuser, Igor und Sergej Tschernoglasow

Und dann kommt gestern auch noch der Großmeister der Wladimirer Kunstszene mit seinem Sohn für einige anregende Stunden hinzu. Beide hängen noch einige Tage an das Symposium im Skulpturenpark von Tennenlohe dran, um Museen und Kirchen zu besichtigen und neue Inspirationen zu sammeln. Igor Tschernoglasow examinierte einst die damalige Studentin Jewgenia Kulikowa, dann verloren sich die beiden aus den Augen; erst die Städtepartnerschaft brachte sie nun wieder zusammen.

Elvira Gerhäuser und Jewgenia Kulikowa

Wo aber zwei oder drei sich im Namen der Kunst versammeln, da ist die Inspiration mitten unter ihnen. Und so nimmt es denn auch nicht wunder, wenn schon nach kurzer Zeit nicht nur über all die Feinheiten und Nuancen der verschiedenen Techniken, sondern auch über Möglichkeiten gesprochen wird, wie man in Zukunft mehr gemeinsam machen könnte. Gern auch unter Einbeziehung der Naturwissenschaften, die, wie der ganzheitlich denkende, ehemalige Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen und Mitentwickler des MP3-Systems, meint, von diesem Dialog mit der Kunst viel lernen können.

Wie das gehen könnte macht seine Frau, die selbst Kinder in Kunst unterrichtet, bereits vor: die Grenzen der Materialien überschreiten, Fusionen herstellen, Mischformen gestalten.

Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieser neuen Zusammenarbeit – und erst recht auf die Früchte der Ideen, die da gestern in der ruhenden Mitte der Fränkischen Schweiz zu keimen begannen. Es wird vielleicht länger dauern als die wenigen Wochen Vorbereitung auf den Meisterinnenkurs, aber die Geduld wird sicher belohnt.

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Auf Einladung von Prof. Ludmila Suschkowa von der Staatlichen Universität Wladimir war ich vom 1. bis 5. Juli 2019 erneut in Wladimir. Die Anreise erfolgte zusammen mit Prof. Heinz Gerhäuser und seiner Frau Elvira. Die Tage waren gefüllt mit einem dichten Programm von Gesprächen mit Fachkollegen und Besuchen in Einrichtungen der Universität sowie einigen Gängen durch die Stadt. Hier ist die positive Entwicklung in Stadt und Universität seit meinem letzten Besuch 2012 besonders zu erwähnen. Es gibt neue Straßen, neue Wohnblocks, gepflegte Anlagen und Plätze, Renovierungen in den Gebäuden, Departments und Außenanlagen der Universität, gut eingerichtete und gut besuchte Restaurants mit umfangreicher Speisekarte, in russischer Sprache.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser

Der Präsident der Universität Erlangen-Nürnberg hatte je einen Brief an den Rektor der Universität Wladimir und an Prof. Suschkowa, unsere langjährige und geschätzte Kooperationspartnerin, mitgegeben. Diese konnten bei einem Gespräch mit dem Rektor übergeben werden, was dankend und sehr positiv aufgenommen wurde. Weitere Gespräche gab es mit dem Prorektor für Forschung, der Leitung des Akademischen Auslandsamtes, sowie Leitung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einiger Institute und Departments. Es gab zeitgleich eine Tagung zum Thema „Perspective Technologies in Tools of Information Transfer“; die Tagungssprache war Russisch. Wir hatten eine ausgezeichnete Übersetzerin, konnten aber wegen anderer Termine nur kurz an der Tagung teilnehmen.

Eine Umorganisation an der Universität sei erwähnt; Fakultäten sind abgeschafft und durch Institute ersetzt, ein Institut gliedert sich in Departments. Die Mittelzuweisung an die Institute erfolgt auf der Basis von Studentenzahlen. Der Hirsch Index wird als eine Kenngröße für die Qualifikation angesehen. Es besteht ein großes Interesse an Kooperationen, vor allem durch gemeinsame Projekte.

Den russischen Kolleginnen und Kollegen danke ich für interessante Gespräche, freundschaftliche Kontakte und Gastfreundlichkeit sowie ganz besonders für die aufgewendete Zeit. Der Aufenthalt im Erlangen-Haus war wieder sehr angenehm, wenn auch eigentlich nur zum Übernachten.

 

Prof. em. Dr. Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Universität Wladimir

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Vom 3. bis 5. Juli veranstaltete die Staatliche Universität Wladimir eine Internationale Konferenz zu Fragen der Zukunftstechnologien beim Informationstransfer. Mit dabei Heinz Gerhäuser, Direktor a.D. des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen und der emeritierte langjährige Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung an der FAU. Beiden Wissenschaftlern hatte die Hochschule der Partnerstadt im Jahr 2005 die Ehrenprofessorenwürde für ihr herausragendes Wirken im Rahmen des Forschungsaustausches zwischen Erlangen und Wladimir verliehen. Nun folgten beide, begleitet von Elvira Gerhäuser, der Einladung zur Teilnahme an dem Kongreß, ausgesprochen von Ludmila Suschkowa, Kuratorin der naturwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Erlangen und Leiterin des Lehrstuhls für biomedizinische und elektronische Mittel und Technologie.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser im Erlangen-Haus

Die fränkische Troika war bereits am 1. Juli angereist, um sich auf die Konferenz vorzubereiten; nun bleiben noch einige Tage, um sich der Kultur zu widmen. Das gilt besonders für Elvira Gerhäuser http://www.eghs.de, die im Jahr 2005 bereits einmal ihre Arbeiten in Wladimir zeigte. Nun führt sie ihr Kollege, Igor Tschernoglasow, der im August übrigens selbst wieder nach Erlangen kommt, noch ein wenig durch die Kunstszene der Partnerstadt. Was sich aus diesem neuen Amalgam aus Wissenschaft und Kunst ergibt, werden wir sicher bald in konkreten Projekten erleben können.

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Wer in Wladimirs bester Lage mit Blick auf die weiten Kljasma-Auen und die schier unendlich hingebreiteten Wälder nächtigen will, kennt das Hotel, wer die russische Küche, meisterhaft zubereitet, in apart-geschmackvoller Atmosphäre genießen möchte, schätzt das Restaurant in der „Wosnesenkaja Sloboda“ – https://vsloboda.ru -, das führende Haus am Platz, gegründet und geführt von Anna Schukowa. Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, war hier vor viereinhalb Jahren zu Gast, zuvor schon hatte Professor Heinz Gerhäuser hier Quartier bezogen, erst im November gaben sich Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg, und Erlangens Wirtschaftsreferent, Konrad Beugel, hier die Ehre, und kaum eine offizielle Delegation aus Wladimirs Partnerstadt, die nicht hier bewirtet würde. So viel sie schon in ganz Europa und natürlich auch Deutschland auf der Suche nach guten Weinen oder kulinarischen Anregungen unterwegs war, nach Erlangen hatte es die Mutter von vier Söhnen noch nie geschafft.

Willkommen, Anna Schukowa!

Nun also endlich von Donnerstag bis zum Heiligen Abend die Premiere, die – das darf man jetzt schon sagen, ohne zu viel zu verraten – bei aller Kürze der Zeit den vielversprechenden Auftakt zu einer „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft macht. Anna Schukowa firmiert nicht nur als Besitzerin und Geschäftsführerin der „Wosnesenskaja Sloboda“, sie leitet auch ein weiteres Feinschmecker-Restaurant in Susdal und sitzt dem Hotel- und Gaststättenverband der Region Wladimir vor. Gerade erst ist aus ihrer Feder das Buch „Ein Fest nach Rezept – Ihre Lieblingsspeisen von Köchen des Goldenen Rings“ in einer Auflage von 4.000 Exemplaren im Moskauer Verlag „Э“, ISBN 978-5-699-97473-3, erschienen.

Klaus Kobjoll mit Tochter Nicole und Anna Schukowa

Viel zu besprechen gab es da denn auch im „Schindlerhof“ zu Boxdorf, dessen Gründer, Klaus Kobjoll, dank seinen zahlreichen Publikationen auf Russisch und all den von ihm abgehaltenen Seminaren von Moskau über Nischnij Nowgorod bis Irkutsk natürlich schon lange auch Anna Schukowa als Leitstern gilt. Noch gibt es nur handschriftliche Notizen zu den Gesprächen, der Entwurf einer Rezeptur der Zusammenarbeit bleibt noch unter Verschluß, aber das Päckchen unter dem Christbaum der Partnerschaft verspricht allen Gourmets der deutsch-russischen Küche für das kommende Jahr viele köstliche Überraschungen. Es ist angerichtet!

Roadhouse Blues aus der Jukebox von Klaus Kobjoll

Anna Schukowa, gelernte Köchin mit einem Studienabschluß der Betriebswirtschaft in Moskau und einem Diplom der „Akademie für Tourismus“ in Wladimir, genießt übrigens bei aller Liebe zur Raffinesse und ihrem „kulinarischen Gen“ die bodenständige Küche, tradiert von Mutter und Großmutter noch aus der Kinderzeit in Orenburg, südlich des Urals, wo es keine Fertiggerichte gab, die bei der Hausfrau aus Passion übrigens bis heute nicht in den Topf kommen.

Guten Appetit, Anna Schukowa!

Ein weiteres Prinzip der Besucherin: Alles essen, gern auch Butter, Sahne, Fett, alles, was schmeckt. Nur eben in Maßen. „Vom Guten nur wenig“, wie das russische Sprichwort sagt. Das gilt auch für die Bratwurst, von der eine im Weckla zum genußvollen Mittagessen vollauf genügt. Bei der Diät versagt man sich keine Freude, ohne die Figur aus der Form geraten zu lassen.

Anna Schukowa und Benjamin Förtsch

Viel Wert legt Anna Schukowa, die mit ihrem Team schon den Titel „Chef a la Russe“ gewonnen hat, auf Nachhaltigkeit bei den Lebensmitteln, ihre Lieferanten kennt sie persönlich; weniger hatte sie bisher dieses Thema beim Betrieb ihres 22-Zimmer-Hotels im Auge. Doch da will sie nun vom Kreativ-Hotel „Luise“ lernen, dem Flaggschiff für ökologisches Wirtschaften in Erlangen: Einsparen von Müll und Energie, Einbeziehung von Natur in das Gastgewerbe, Verwendung von biologisch unbedenklichen und wiederverwertbaren Materialien, aber auch ein sozialer Umgang mit dem Personal, von der persönlichen Betreuung der Kunden ganz zu schweigen.

Frohe Weihnachten: Oberbürgermeister Florian Janik und Anna Schukowa

Erst zum Ausklang der Waldweihnacht dann findet Anna Schukowa Zeit, die Partnerstadt zu erkunden, die ihr ältester Sohn bereits mit der Schwimmschule und ihr Mann auf Geschäftsreise besucht haben, und trifft prompt auf einen verblüfften Oberbürgermeister, der zwar weiß, wie intensiv die Kontakte sind, sich dann aber doch wundert: „Sogar über die Feiertage noch Besuch aus Wladimir hier?“

Erlanger Waldweihnacht: Innenminister Joachim Herrmann, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Anna Schukowa und Peter Steger

Und Anna Schukowa, wie schafft sie das alles? Im Vorwort zu ihrem Buch versucht sie eine ehrliche Antwort:

Wie ich das alles schaffe, weiß ich selbst nicht. Ich lebe einfach, arbeite, beschäftige mich mit den Kindern und im Haushalt, kümmere mich um meinen Mann, tue, was ich gerne tue und was mir besonderes Vergnügen bereitet – kochen.

Anna Schukowa 8

Weihnachtsbaum „Jolka“, gebastelt von Anna Schukowa

Aber das ist natürlich längst nicht alles: Die Frau des guten Geschmacks bastelt auch noch gern für Freunde, besonders zu Weihnachten. Sie selbst ist gestern wieder nach Wladimir abgereist, aber ihr süßer Gruß bleibt zurück – und das Versprechen, bald, im Frühling, wiederzukommen mit dem deutsch-russischen Rezept für die „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft.

Bis dahin tröste uns der Roadhouse Blues von den Doors aus der Jukebox von Klaus Kobjoll: https://is.gd/Ff4LiC

 

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Zum heutigen 70. Geburtstag von Heinz Gerhäuser, vormaliger Leiter des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen und Mitentwickler des MP3-Standards, der ein Jahr nach seinem ersten Besuch in Wladimir 2001 maßgeblich die Partnerschaft zwischen seiner Einrichtung und der Friedrich-Alexander-Universität ins Werk gesetzt hatte und für sein einzigartiges Engagement zugunsten des Dozenten- und Studentenaustausches mit der Ehrenprofessur der Staatlichen Universität Wladimir und der Alexander-Popow-Medaille ausgezeichnet wurde, greift der Blog zurück auf eine Hommage an den großen Forscher aus der Feder seines ehemaligen Gaststudenten, Alexej Filippow. Möglicherweise anschaulicher und überzeugender als die bloße Zusammenfassung der Leistungen des Jubilars:

Vielleicht ist es von meiner Seite nicht besonders bescheiden, in das Zentrum dieses der Partnerschaft zwischen Wladimirer und Erlanger Wissenschaftlern gewidmeten Artikels mich selbst zu stellen. Jedoch meine ich, daß es so einfacher ist, den Lesern dieses Blogs verständlich zu machen, wie wichtig die Partnerschaft für viele mit ihr in Berührung stehende Menschen und für mich persönlich ist und welche große Rolle sie im Leben eines Wladimirer Studenten spielen kann.

Über die Partnerschaft zwischen unseren Städten habe ich erfahren, als ich noch zur Schule ging. Ich erinnere mich, wie ein großer Stadtplan von Erlangen im Kabinett der Deutschen Sprache hing. Darauf waren die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt wie der Schloßgarten und der Hugenottenplatz abgebildet. Damals konnte ich mir natürlich noch nicht vorstellen, wie viel mich eines Tages mit dieser Stadt verbinden wird.

Heinz Gerhäuser und Alexej Filippow 2011

Heinz Gerhäuser und Alexej Filippow, 2011 in Moskau

Zum ersten Mal kam ich dann nach Erlangen im Rahmen des studentischen Austausches zwischen der Staatlichen Universität Wladimir, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen. Es sei bemerkt, daß dies der erste Austausch im Rahmen des dreiseitigen studentischen Programms zwischen den drei Hochschulpartnern war. Ich erinnere mich, wie ich in Erlangen nach einer dreitägigen Busreise von Moskau angekommen bin. Nach dieser ermüdenden Fahrt fanden wir einen herzlichen Empfang. Ab der ersten Minute wurden wir von vielen Leuten umgesorgt: Renate Winzen, Andreas Kuleschow und seiner Frau, unserer Betreuer, und von vielen anderen Mitarbeitern des Fraunhofer IIS und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Ich kann ehrlich sagen, daß das Praktikum am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen, einem der größten Forschungsinstitute der Welt, zu einem Wendepunkt in meiner Lebensbahn geworden ist. Zum ersten Mal im Leben konnte ich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis sehr viel aus dem Gebiet erfahren, das kurz Hightech genannt wird. Das verzehnfachte mein Interesse an der von mir gewählten Fachrichtung, Informationstechnologien und Elektronik. Jeden Tag des Praktikums lernte ich etwas irre Interessantes kennen. Das betraf nicht nur Fachkenntnisse. Dieses Praktikum war ein sehr guter Anreiz, Deutsch und Englisch zu erlernen. Darüber hinaus wurden Fremdsprachen mein Hobby. Jetzt ist es für mich schwierig, mir einen Abend ohne das Lesen eines Buchs oder eine Filmvorführung auf Deutsch oder Englisch vorzustellen.

Ich meine, viele haben dank des studentischen Fachpraktikums ihre Richtung im Berufleben gefunden. Außerdem hilft so ein Aufenthalt, die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir anders zu sehen, die dabei ist, feste Umrisse bei einer echten Kooperation auf dem Gebiet der Forschung und Lehre anzunehmen. Große Beiträge zur Entwicklung dieses ausgezeichneten Projekts haben geleistet: Professor Heinz Gerhäuser, Professor Heinrich Niemann, Professorin Ludmila Suschkowa, Renate Winzen, Uwe Wissendheit, Andreas Kuleschow, Johann Hauer, Professor Alexander Samojlow, Andreas Löffler, Julia Tokmak, Dina Kusnezowa und viele andere. Erhebliche Unterstützung hat auch Peter Steger diesem Programm geleistet. Gerade er und die Mitarbeiterinnen des Erlangen-Haus in Wladimir haben ihr Möglichstes getan, um die Prozedur der Erteilung von Schengen-Visa für die Studenten zu erleichtern.

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Heinz Gerhäuser erhält aus der Hand von Walentin Morosow die Alexander-Popow-Medaille

Zum Glück entwickelt sich dieses auf einer festen Grundlage aufgebaute Programm bis jetzt erfolgreich. Jedoch ist das studentische Fachpraktikum an der FAU und am Fraunhofer IIS kein Einzelergebnis der Kooperation zwischen den wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften von Erlangen und Wladimir. Zur Zeit zeichnete sich eine Tendenz zur Suche solcher wissenschaftlichen Projekte ab, an denen Wladimirer und Erlanger Gelehrten zusammen arbeiten könnten. Darin spielt eine große Rolle das Alumni-Netzwerk, das für eine langfristige Fortführung des studentischen Austauschprogramms eingerichtet wurde. Im November 2009 fand die erste Veranstaltung in Wladimir statt. Ihr Ziel war die Suche von gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten. Dabei und an dem im März 2010 in Erlangen durchgeführten Seminar beteiligten sich viele Wissenschaftler und Ingenieure, die ihre Ideen zu gemeinsamen Forschungsprojekten ihren Kollegen vorstellen wollten. Im Rahmen des Seminars entschied man, Fördergelder für ausgewählte Projekte zu beantragen. Leider gelang es nicht, für alle Projekte Finanzunterstützung von der Seite der russischen und deutschen Studienstiftungen zu erhalten. Jedoch war dies der erste Fall, wo Wladimirer und Erlanger Wissenschaftler die interessantesten und aktuellen Projekte zweckgebunden zusammen suchten.

Die Erlanger Wissenschaftler helfen ihren Wladimirer Kollegen, die wissenschaftlichen Ergebnisse auf internationalen Konferenzen zu veröffentlichen und internationalen Organisationen beizutreten. Zum Beispiel laden Professor Heinz Gerhäuser, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer IIS und Inhaber eines Lehrstuhls an der FAU, und jetzt sein Nachfolger Professor Albert Heuberger ihre Kollegen aus Wladimir zu internationalen Konferenzen und Workshops ein, die im Institut durchgeführt werden. Dr.-Ing. Siegfried Fößel, Leiter der Abteilung Bewegtbildtechnologien am Fraunhofer IIS, hat seinen Wladimirer Kollegen wesentlich geholfen, in eine solch renommierte Organisation wie JPEG (Joint Photographic Experts Group, ISO/IEC JTC 1/WG 1) aufgenommen zu werden. Im März 2010 hat die Russische Delegation zum ersten Mal an einer Tagung des JPEG-Gremiums in Boston (Massachusetts, USA) teilgenommen. Zur Zeit setzt sich die Russische Delegation im JPEG-Gremium hauptsächlich aus Wladimirer Wissenschaftlern zusammen.

Ich hoffe sehr, daß diese Kooperation zwischen Erlangen und Wladimir im Bereich von Wissenschaft und Ausbildung nicht nur fortgesetzt, sondern noch erweitert wird und von der Politik der beiden Städte weiter Förderung und Unterstützung erfährt.

Alexej Filippow

 

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Kann es Zufall sein, wenn der Blog zum siebten Mal sein virtuelles Wiegenfest ausgerechnet am 75. Geburtstag von Heinrich Niemann feiert, dem emeritierten Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung, dem, gemeinsam mit Heinz Gerhäuser, im wesentlichen der 2001 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten der Partnerstädte zu verdanken ist? Kann es Laune der Chronologie sein, wenn heute vor 76 Jahren Wolf Peter Schnetz zur Welt kam, der als Autor schon zu Zeiten des Kalten Krieges das Klima schuf, in dem die Städtepartnerschaft erst gedeihen konnte? Mag ja sein, aber wir wollen diese Koinzidenzen als Conditio humana des Blogs verstehen, der sich selbst wiederum als Logbuch der so mannigfachen Beziehungen und Querverbindungen zwischen Erlangen, Wladimir, Jena und der übrigen weiten Welt begreift. Und als Vorgabe, nicht kurzatmig zu werden, nicht nachzulassen, den Blick immer auf das große Ziel gerichtet zu halten, das da lautet: Völkerverständigung.

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Und so sei heute den beiden Granden gedankt und gratuliert, besonders natürlich Heinrich Niemann, der vor zehn Jahren für seine mustergültigen Verdienste die Ehrenprofessorenwürde in Wladimir verliehen bekam, zu seinem runden Jubiläum, und dem kreativen Kulturreferenten, der, obwohl in seine Heimatstadt Regensburg zurückgekehrt, der Städtepartnerschaft innig verbunden bleibt.

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Der Blog – dem Lauf der Partnerschaft sei’s gedankt! – macht seinen geneigten Lesern und sich selbst ein Geschenk mit den Bildern zum aktuellen Wladimir-Austausch des Emmy-Noether-Gymnasiums. Die deutsch-russische Gruppe, gestern von Renate Winzen zweisprachig durch die Stadt geführt, ist seit Freitag zusammen und will bis zur Heimreise der Gäste am 5. Oktober nicht nur gemeinsam den Unterricht besuchen und landeskundliche Ausflüge unternehmen, sie wird vielmehr an einem Projekt arbeiten, das demnächst – ein wenig Geduld noch – auf diesen Seiten vorzustellen ist.

Austausch und Freundschaft

Austausch und Freundschaft

Zu einem richtigen Geburtstag gehört aber stets auch eine Überraschung. Und die sei heute exklusiv im Blog verraten: Die Schüler bereiten etwas zum 25. Tag der Einheit vor und werden es beim Festakt ab 11.00 Uhr im Redoutensaal – bei freiem Eintritt – vorstellen. Was genau, das wissen sie selbst noch nicht. Nur daß. Also: Kommen und sich überraschen lassen, denn ohne das russische Einverständnis hätte die Friedliche Revolution nie unblutig zur Wiedervereinigung führen können. Das sollten wir am 3. Oktober immer dankbar erinnern.

Спасибо

Dankbar ist noch so ein Stichwort. Dankbar ist heute (und alle Tage) der Blog besonders den Lesern, Mitautoren und Kommentatoren. Ohne deren Aufmerksamkeit und Treue würde sich auch der eifrigste Buchhalter der Städtefreundschaft nicht der tagtäglichen Selbstverpflichtung unterziehen, aus und über Wladimir zu berichten. Der größte Dank aber gilt einer Frau. Es heißt ja immer, hinter einem starken Mann stehe eine nicht minder starke Frau. Das klingt zwar nicht mehr ganz gendergerecht, stimmt aber gewiß für den Blog. Nur mit dem Zusatz „zurück“. Es gibt nämlich eine Frau, die hinter dem Blog steht und oft, viel zu oft, hinter dessen zeitfressenden Ansprüchen zurücksteht. Dafür auch einmal öffentlich um Verzeihung zu bitten, ist heute der rechte Tag. Auch wenn kaum Aussicht auf Besserung besteht… Besonders nicht im verflixten siebten Jahr, das es noch zu meistern gilt.

Ach ja, fast vergessen: Hier ist der Link zu Heinrich Niemann und seinem großen Werk für die Partnerschaft: http://is.gd/ah65yE

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Da kann die Lage weltpolitisch noch so verfahren sein, Elisabeth Preuß ist sich beim gestrigen Empfang für die Sportfreunde aus Wladimir sicher: „Zwischen Erlangen und Wladimir paßt kein Blatt Papier. Wir lassen uns von nichts und niemandem auseinanderbringen.“

Anatolij Mitrofanow, Elisabeth Preuß und John Stackmann mit dem Freundschaftspokal

Anatolij Mitrofanow, Elisabeth Preuß und John Stackmann mit dem Freundschaftspokal

„Wie auch“, spinnt Anatolij Mitrofanow den Gedanken weiter, „wo wir uns doch hier in Erlangen wie zu Hause fühlen und gar nicht genug danken können für die Gastfreundschaft.“ Und John Stackmann, Cheforganisator der Winterwaldlaufs und mit Wladimir seit Anfang der 90er Jahre eng verbunden, findet schließlich die Formel für die Besonderheit dieser Partnerschaft, wenn er sagt: „Wir tun alles im Rhythmus der Freundschaft!“ Als äußeres Zeichen dieser innigen Verbindung übergibt der Marathon-Mann denn auch neben den Teilnehmerurkunden den diesjährigen Freundschaftspokal des Winterwaldlaufs, stellvertretend an Anatolij Mitrofanow, den dreimaligen Sieger im Fünf-Kilometer-Lauf der Nordischen Geher, nachdem Oberbürgermeister Sergej Sacharow darum gebeten hatte, den Vorjahrespokal, der ebenfalls an Wladimir gegangen war, als Dauerleihgabe in seinen Amtsräumen verwahren zu dürfen.

Elisabeth Preuß mit Familie Klaus und Doris Höhle sowie John Stackmann mit den Sport-Gästen aus Wladimir

Elisabeth Preuß mit Familie Klaus und Doris Höhle sowie John Stackmann mit den Sport-Gästen aus Wladimir

Zu dieser Freundschaft gehören auch die Sportlehrer um Michail Tschischow, die, wie schon in den Jahren zuvor, zu den Teilnehmern am Winterwaldlauf gestoßen sind und ebenfalls alte Bekannte treffen, wie das Ehepaar Klaus und Doris Höhle, die ja schon zwei Mal per Fahrrad Wladimir erkundet haben.

Der Gutschein

Der Gutschein

Dazu gehört aber auch eine Anerkennung der sportlichen Leistungen, eine Unterstützung für den weiteren Austausch, ein Gutschein über 1.000 Euro, ausgestellt von der SGS Erlangen Leichtathletik und dem Orgateam des Winterwaldlaufs für die Freunde aus Wladimir. Passend dazu die angeblich nur drei Worte, die Erlangens Bürgermeisterin auf Russisch spricht: Большое спасибо! Мир. Дружба. – Herzlichen Dank! Friede. Freundschaft.

Brauereibesichtigung Kitzmann

Brauereibesichtigung Kitzmann mit Benjamin Kloos in der Mitte stehend

Der Mensch lebt freilich nicht vom Sport allein. Schon lange ein Herzenswunsch der Läufer und Sportlehrer: nach Erlangen kommen und Kitzmann sehen! Kitzmann steht ja in Wladimir spätestens seit dem Fränkischen Fest 1993 mit 10.000 Litern Freibier für die Qualität des bayerischen Gerstensaftes. Am Montag war es dann soweit. Von den Brunnen mit dem 3.000 Jahre alten Quellwasser über die Gärung bis zur Abfüllung und einer Degustation an der kundigen Hand von Braumeister Benjamin Kloos.

Anatolij Mitrofanow beim Aufstieg zur Riesenhöhle

Anatolij Mitrofanow beim Aufstieg zur Riesenhöhle

Doch ein unerwarteter Höhepunkt war für die Besucher bereits am Sonntag erreicht, als sie staunend die Riesenhöhle erkundeten, die Pfade und Stufen auf- und abstiegen und die höchsten Gipfel erklommen.

Anatolij Mitrofanow auf dem Gipfel des Glücks oberhalb der Riesenhöhle

Anatolij Mitrofanow auf dem Gipfel des Glücks oberhalb der Riesenhöhle

„Ein sagenhaftes Gefühl, umwerfend, grandios“, lauteten noch die zurückhaltendsten Kommentare, die in dem nicht mehr steigerbaren „это круто!“ gipfelten.

Olga Sagitowa und ihr Sohn Sergej mit der Fränkischen Schweiz zu ihren Füßen

Olga Sagitowa und ihr Sohn Sergej mit der Fränkischen Schweiz zu ihren Füßen

Ebenso unerwartet aber auch das Wiedersehen mit Jekaterina Lehmann, die im Jahr 2000 im Rahmen des Projekts Lichtblick als eine der ersten Hospitantinnen aus Wladimir nach Gremsdorf gekommen war. Zwei Jahre später folgte ihr zweiter Aufenthalt bei den Barmherzigen Brüdern, sie verliebte sich und heiratete 2003. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in Gößweinstein, hat eine Stelle gefunden, die einigermaßen ihrer krankenpflegerischen Qualifikation entspricht – und ist künstlerisch tätig.

Treffen von Sport und Kunst: Jekaterina Lehmann

Treffen von Sport und Kunst: Jekaterina Lehmann

Wer freilich in der Fränkischen Schweiz Kunst schafft, wird früher oder später von Elvira und Heinz Gerhäuser entdeckt. Von da ist dann der Weg nicht mehr weit zu einer Ausstellung wie der, die am Sonntag unter dem Motto „Verborgene Talente und Nachwuchskünstler“ in der Burggalerie Waischenfeld vom 1. Vorsitzenden des Fördervereins des Kunstforums Waischenfeld, Heinz Gerhäuser, eröffnet wurde. Die Arbeiten, darunter auch die von Jekaterina Lehmann geschaffenen Schmuckstücke aus Glasperlen, sind dort von Donnerstag bis Sonntag noch bis zum 10. Mai zu sehen. Ein lohnendes Ziel.

Elvira Gerhäuser, Jekaterina Lehmann mit ihren Töchtern Diana und Viktoria sowie Heinz Gerhäuser

Elvira Gerhäuser, Jekaterina Lehmann mit ihren Töchtern Diana und Viktoria sowie Heinz Gerhäuser

Angemerkt sei da nur noch, daß Heinz Gerhäuser, Ehrenprofessor der Universität Wladimir, bereits 2001 zusammen mit Ehefrau Elvira und in Kooperation mit den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf an seinem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen eine Ausstellung unter dem Titel „Einblicke“ gezeigt hat, u.a. mit Arbeiten von Psychiatriepatienten aus dem Krankenhaus, an dem seinerzeit Jekaterina Lehmann arbeitete. So schließen sich im Rhythmus der Freundschaft die Kreise zwischen Erlangen und Wladimir und der Fränkischen Schweiz, zwischen Sport und Kultur und Wissenschaft. Bis eben kein Blatt mehr dazwischenpaßt.

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„Gerade jetzt, in dieser so schwierigen gesamtpolitischen Situation können wir unsere russischen Freunde doch nicht im Stich lassen“, meint Jürgen Zeus von Rotary Erlangen, der in seiner langjährigen Stadtratsarbeit von Beginn an besonders die Partnerschaften mit Jena und Wladimir unterstützt, und fährt beim gestrigen Treffen fort: „Die Welt hört nicht an den Staatsgrenzen auf. Wir fördern deshalb gern schon im dritten Jahr den Austausch der Pfadfinder aus Erlangen und Wladimir, weil wir da sowohl international als auch lokal die Jugendbegegnungen, die Freundschaft über die Grenzen hinweg und die Völkerverständigung fördern können.“ Und dann ansatzlos und ohne Zögern die Erklärung: „Wir lieben Wladimir!“ Ein Bekenntnis, mit dem der Arzt in Ruhestand, der auch schon viel Hilfe für die Wladimirer Kinderpsychiatrie und den Blauen Himmel vermitteln konnte, seinen rotarischen Freunden sicher aus dem Herzen sprach, von denen stellvertretend für alle nur genannt werden sollen: Präsident Karl Köhler, der mit einer katholischen Pilgergruppe den strengen Winter und auf einer Bürgerreise den heißen Sommer in Wladimir erlebte; Heinz Gerhäuser, der 2001 den Vertrag zwischen seinem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen, der FAU und der Universität Wladimir initiierte und ein beispielloses Programm des Studentenaustausches in Werk setzte; Werner Hohenberger, der als weltweit renommierter Professor und Direktor der Chirurgischen Klinik in Wladimir bereits einen Vortrag gehalten und erst jüngst wieder mit der Abgabe der fast 200 Krankenhausbetten die Partnerstadt unterstützte; schließlich Altoberbürgermeister Siegfried Balleis, dem Wladimir nachgerade ein Goldenes Zeitalter der Partnerschaft zu verdanken hat.

Karl Köhler, Celine Scheurer, Jochen Dörring, Roman Belkin und Jürgen Zeus

Karl Köhler, Celine Scheurer, Jochen Dörring, Roman Belkin und Jürgen Zeus

Und nun die Unterstützung für den Pfadfinderaustausch und die Möglichkeit für Jochen Dörring vom Stammesrat der Steinadler, gemeinsam mit Celine Scheurer, die erst tags zuvor ihr Versprechen abgegeben hatte, und mit Roman Belkin, dem Leiter der Wladimirer Austauschgruppe aus Wladimir, vorzutragen, was im Miteinander der jungen Deutschen und Russen schon so alles geschehen ist, seit dem ersten Leitertreffen in Wladimir 2011, dem gemeinsamen Lager in Frauenaurach 2012, dem Gegenbesuch in Wladimir 2013 bis hin zum gegenwärtigen Aufenthalt von fast 20 Pfadfindern mit Familienunterbringung und Camp-Erlebnis bei Coburg und einem Ausflug nach Wiesbaden zum Grab von Fürst Wladimir Chrapowizkij, bevor es am 11. August wieder nach Hause geht. Ein Bericht, der Gemeinsamkeiten wie Unterschiede anspricht – und eher Unbekanntes: So wurde die Pfadfinderorganisation bereits vor 105 Jahren im Russischen Reich gegründet, auf Initiative von Zar Nikolaus II, der sich begeistert von der Lektüre von Robert Baden-Powell gezeigt hatte, dann aber in der Sowjetunion verboten – wie übrigens auch der deutsche Ableger im Dritten Reich – und erst 1991 wiederbelebt, übrigens im gleichen Jahr, als sich der Erlanger Stamm der Steinadler gründete. Seither, so Roman Belkin, der in Sudogda lebt und ehrenamtlich eine Pfadfindergruppe leitet und in Wladimir arbeitet, verhalte man sich politisch neutral, erlebe staatlicherseits keine Einschränkungen, suche aber die Nähe zur orthodoxen Kirche. Daher wohl auch der eine oder andere Unterschied, auf den Jochen Dörring hinweist: „Die Russen beten vor jedem Essen, sind viel stärker religiös geprägt als wir; Jungs und Mädchen schlafen in getrennten Zelten; sie halten das Totengedenken hoch und pflegen die tatsächlich ursprünglich von Baden-Powell so überlieferten „militärischen“ Traditionen wie etwa den Fahnenappell viel mehr, etwas das den deutschen Pfadfindern nach der Erfahrung des Faschismus abhandengekommen sei, nun aber gerade in der Begegnung mit Wladimir wieder auf Interesse stoße. Und so sieht der Vortragende denn auch in der Fahnenweihe durch den orthodoxen Priester Michail im Vorjahr denn auch als eine Art Initiation, als den Beginn dieser Pfadfinderfreundschaft, in die noch viele junge Menschen auch aus anderen Ländern einbezogen werden sollen. Und wo man so viel voneinander lernen könne: Beispielsweise die hierzulande fast vergessene, bei den russischen Freunden aber sehr lebendige Tradition, einander nach außen hin geheimzuhaltende Tiernamen zu geben. Oder die Sprache: „Zu Beginn war das Englische unsere Verkehrssprache, jetzt gehen wir immer mehr zum Deutschen über.“ Auch Roman Belkin hat Grundkenntnisse im Deutschen und will die nun rasch auffrischen und ausbauen, denn: „Wir stehen ja erst am Anfang des Austausches, und wir haben noch so viel vor!“ Bevor es wieder zurück ins Zeltlager bei Coburg geht, wo die Gruppe auf ihn wartet, fügt der Vater eines vierjährigen Sohnes im persönlichen Gespräch hinzu: „Wir sind das unserer Jugend schuldig, und ich hoffe, die Politik unserer Länder macht diese Verständigung nicht unmöglich.“ Alle wissen, wovon er spricht. Die aktuellen Ereignisse lasten auf allen, und eine Wladimirer Familie hat aus nachvollziehbaren aber gottlob noch unbegründeten Motiven heraus ihr Kind im letzten Moment an der Fahrt nach Deutschland nicht teilnehmen lassen. Nur ein Kind, aber eines zuviel!

Sehr viel mehr von diesem großartigen Austausch in Ihrem Blog unter: http://is.gd/0qeQPZ

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Diesen Beitrag verdankt der Blog Renate Winzen, seit 1995 Initiatorin und Koordinatorin von Erlanger-Wladimirer Wissenschaftskooperationen (FuE, Wissenschaftler- und Studentenaustausch) in den Bereichen Werkstoff- und Materialwissenschaften, Umweltverfahrenstechnik, Ingenieurwissenschaften, Informatik; Medienwissenschaften, Theologie, Philosophie, Pädagogik für Lehrstühle der FAU, Fraunhofer IIS und weitere Einrichtungen. Freiberuflich tätig, zuletzt Auftragnehmerin von Fraunhofer IIS und Lehrstuhl für Informationstechnik LIKE (bis 30.9.2012). Erreichbar für Nachfragen unter: renate.winzen@odn.de

Als russisch-deutsche Veranstaltung fand am 4. und 5. Oktober in Berlin das III. Internationale Studentenforum statt. Studenten von über 60 russischen Hochschulen waren angereist, dazu Doktoranden, Dozenten und Professoren, Prorektoren und Rektoren. Viele ihrer deutschen Kooperationspartner nahmen ebenfalls teil.

Die Gruppe aus Erlangen und Wladimir

Die Staatliche Universität Wladimir war mit einer großen Gruppe von Studenten und Wissenschaftlern aus mehreren Fachbereichen vertreten: Prof. Natalia Judina, Prorektorin für Internationale Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit, Nadeschda Troschina, Leiterin der Abteilung für Internationale Zusammenarbeit; Prof. Ludmila Suschkowa, Inhaberin des Lehrstuhls für Biomedizinische Technik; Prof. Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften; Nikolaj Naumow, Dozent des Lehrstuhl für englische Sprache; Alexej Sokow, Doktorand am Lehrstuhl für Russische Sprache; Natalia Druschbina, Studentin im Masterstudiengang des Institut für Management und Wirtschaft; Georgij Wybornow, Student an der Fakultät für Fremdsprachen; Anton Rusanow, Student an der Fakultät für Hochfrequenzphysik, Elektronik und Medizintechnik; Jekaterina Palzewa, Studentin am Institut für Rechtswissenschaften;

Aus Erlangen waren angereist: Prof. Heinz Gerhäuser, bis Oktober 2011 Leiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS und Inhaber des Lehrstuhls für Informationstechnik LIKE; Prof. Heinrich Niemann, bis September 2005 Inhaber des Lehrstuhls für Mustererkennung; Dr. Iris Schmidt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Philosophie (Erziehungswissenschaftliche Fakultät); Renate Winzen, Initiatorin und Koordinatorin deutsch-russischer Kooperationsprojekte.

Studenten aus Wladimir

Die Veranstaltung fand im Rahmen desDeutschlandjahrs in Russland 2012-2013und des „Russlandjahrs in Deutschland 2012-2013statt. Mit beiden Projekten wollen die russische und die deutsche Regierung die strategische Partnerschaft und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern stärken. Der Zukunftsaspekt in den bilateralen Beziehungen wird durch das Motto „Russland und Deutschland – gemeinsam die Zukunft gestalten“ unterstrichen. (s. www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2011/110721-Deutsch-russische-Erklaerung.html)

Veranstaltet wurde das Studentenforum von ROSSOTRUDNITSHESTVO, der Föderalen Agentur für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale humanitäre Zusammenarbeit“. Diese Agentur ist dem Russischen Außenministerium unterstellt und hat Vertretungen in 73 Ländern. Zu ihren Zielen gehört die Förderung eines objektiven Bildes über Russland, seines materiellen sowie geistigen Potentials und seiner Innen- und Außenpolitik. Hierfür arbeitet ROSSOTRUDNITSHESTVO eng mit russischen und ausländischen Organisationen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Medien und Humanitäres zusammen. (http://rs.gov.ru/)

Das I. Internationale Studentenforum fand 2010 anlässlich des Französisch-Russischen Jahres in Frankreich statt. Seitdem wird es jährlich durchgeführt; in diesem Jahr erfolgte es erstmals in Deutschland.

Arbeit in den Gruppen

An der Eröffnung des III. Internationalen Studentenforums nahmen u.a. der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation, Sergej Schelesnjak; der Botschafter Russlands in der BRD, Wladimir Grinin, sowie Anna Prinz, Beauftragte des deutschen Außenministeriums für die internationale wissenschaftliche Politik teil.

„Gemeinsam gestalten wir die Zukunft“ – so lautete der Leitsatz des Forums. Am 4. Oktober besprachen Rektoren und Prorektoren führender russischer und deutscher Hochschulen die Möglichkeiten eines deutsch-russischen Zusammenwirkens in der Ausbildung von Menschen in einer globalen Gesellschaft. Am 5. Oktober fanden Workshops und Round-Table-Diskussionen an verschiedenen Berliner Universitäten statt. Dabei stellten die Wladimirer Universitätspartner ihre Aktivitäten gleich in mehreren Arbeitsgruppen vor. In der Sektion „Sprachliche Realität in der Epoche der Globalisierung“ präsentierte Prorektorin Natalia Judina in ihrem Vortrag „theoretische und praktische Aspekte zum Status der russischen Sprache in der Epoche der Globalisierung“. Alexey Sokow, Doktorand am Wladimirer Lehrstuhl für Russische Sprache, erläuterte die „Bedingungen der Internetkommunikation als besonderen Bereich für die Entwicklung von Sprache“.

Heinz Gerhäuser, Ludmila Suschkowa und Heinrich Niemann

Um studentische Selbstverwaltung ging es in der Arbeitsgruppe „Studenten als Subjekte der Bildungspolitik auf globaler, nationaler und institutioneller Ebene“. Hier stellte Natalia Druschnina, Studentin am Institut für Wirtschaft und Management, Erfahrungen aus der Staatlichen Universität Wladimir vor und zwar mit dem Vortrag „Moderne Formen der Funktionsweisen studentischer Selbstverwaltung“.

Ludmila Suschkowa

Da die Arbeitsgruppen parallel stattfanden, war es mir nicht möglich, alle Wladimirer Vorträge zu besuchen: Als langjährige Auftragnehmerin des Fraunhofer IIS und der Lehrstühle für Mustererkennung und Informationstechnik entschied ich mich für den Vortrag von Prof. Ludmila Suschkowa, in früheren Jahren Prorektorin für Internationale Kooperationen: Ihre Präsentation erfolgte im Rahmen der beiden Runden Tische „Russisch – deutsche Kooperation in der Wissenschaft“ sowie „Management von Innovation und Wissen“. Im Zentrums ihres Vortrags stand ein Gemeinschaftsprojekt Wladimir-Erlangen, bei dem Studenten eine Schlüsselrolle für Innovation und Wissen zukommt: Bereits seit zwölf Jahren führt die Staatliche Universität Wladimir mit dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS (Fraunhofer IIS) und einigen Erlanger Lehrstühlen ein Programm zur Kombination von russischen und deutschen Elementen der Ingenieurausbildung durch. Dabei leisten Wladimirer Studenten mehrere aufeinander aufbauende Fachpraktika am Fraunhofer IIS oder an einem Lehrstuhl der Erlanger Technischen Fakultät ab und integrieren ihre Arbeitsergebnisse anschließend in ihre russische Hochschulabschlussarbeit. Das klingt einfacher, als es ist, denn die studentischen Projektarbeiten müssen nicht nur die fachlichen Anforderungen der Erlanger Partner erfüllen, sondern auch den Kriterien der Russischen Studienordnung entsprechen. Da sich das russische und das deutsche Konzept der Ingenieursausbildung unterscheiden, war hierzu jahrelange und intensive Konzeptarbeit der Wladimirer und Erlanger Kooperationspartner nötig, geleistet auf Erlanger Seite von Prof. Heinz Gerhäuser, ehemaliger Leiter des Fraunhofer IIS und des Lehrstuhls für Informationstechnik LIKE, Prof. Heinrich Niemann, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Mustererkennung LME, Uwe Wissendheit, ehemaliger Wissenschaftlicher MA des Lehrstuhl LIKE und Initiator vieler Maßnahmen, die bis heute entscheidend zum Erfolg des Projekts beitragen, sowie weitere Ingenieure und Koordinatoren.

Heinrich Niemann

Es lag Ludmila Suschkowa viel daran, das Projekt gemeinsam mit ihren Erlanger Kooperationspartnern zu präsentieren. Und so nahmen Prof. Gerhäuser und Prof. Niemann sich die Zeit und reisten nach  Berlin. Uwe Wissendheit konnte die Berlinreise leider nicht einrichten.

Gleich zu Beginn ihres Vortrags wies die Wissenschaftlerin auf eine Besonderheit hin: Die Zusammenarbeit von Staatlicher Universität Wladimir, Fraunhofer IIS und Universität Erlangen-Nürnberg ist eingebettet in eine sehr lebendige Städtepartnerschaft. Das vielfältige Netz der städtepartnerschaftlichen Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir schafft ideale Rahmenbedingungen für die Kooperationsprojekte in Bildung und Wissenschaft, gleichzeitig befruchtet dieses Kooperationsprojekt die Zusammenarbeit der beiden Städte.

Heinz Gerhäuser und Heinrich Niemann

Dann richtete sie den Fokus auf die Studenten: Rund 80 Wladimirer Studenten und Studentinnen haben inzwischen Fachpraktika am Fraunhofer IIS, am Lehrstuhl für Mustererkennung, am Lehrstuhl für Informationstechnik und weiteren Erlanger Lehrstühlen durchgeführt. Sie haben dabei ihre Fachkenntnis in der Arbeit mit neuesten Technologien erprobt und ihre Sprachfertigkeiten (Englisch oder / und Deutsch) enorm verbessert. Was an Anforderungen in den studentischen Projektarbeiten steckt, erläuterte Prof. Niemann: Die Studenten bearbeiteten Teilaspekte aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten seines Lehrstuhls. Hierzu mussten sie sich in einer Fremdsprache mit einer konkreten Problemstellung beschäftigen, anschließend in selbständiger Arbeit die gewonnenen Erkenntnisse in eine Softwarestruktur umsetzen und Experimente zum Test ihrer Arbeitsergebnisse konzipieren.

Präsentation von Studenten

Neben der Erweiterung ihres fachlichen Könnens erhalten die russischen Studenten Einblick in Arbeitsmethodik, Projektplanung und Unternehmenskultur der deutschen Projektpartner, und durch die Auslandserfahrung gewinnen sie an Selbstsicherheit. Auf dem russischen und dem ausländischen Arbeitsmarkt haben sie einen deutlichen Konkurrenzvorteil. Mit diesen Studenten stehen den Erlanger Partnern geeignete Ansprechpartner für den Aufbau von Kontakten zu russischen Firmen und Forschungseinrichtungen zu Verfügung. (Anmerkungen der Autorin: Das Projekt überzeugte auch die Petersburger Partneruniversität des Fraunhofer IIS: Seit 2004 entsendet die St. Petersburg State Polytechnical University Studenten ans Institut, die dort Fachpraktika gemäß des Erlanger-Wladimirer Modells durchführen. Durch die Wladimirer und Petersburger Alumni sind inzwischen Kontakte und Projekte mit Firmen in Moskau, Selenograd und Sankt Petersburg entstanden.)

Ludmila Suschkowa

Ein Dreh- und Angelpunkt der Kooperationen ist die Finanzierung: Noch ist es nicht gelungen, für die studentischen Fachpraktika konstante Fördermittel zu akquirieren. Und so trugen und tragen die deutschen Projektpartner den größten Teil der Kosten, pro Student mehrere Tausend Euro. Welche Motivation steckt für die Erlanger Partner dahinter? Hierzu Prof. Heinz Gerhäuser: „Das Kooperationsprojekt eröffnet einen tiefen Einblick in die Situation in Russland und in die Denkweise der russischen Partner. Somit lässt sich erkennen, wo genau Systemunterschiede liegen. Und erst, wenn man dies verstanden hat, lassen sich komplexe Forschungsprojekte ohne Reibungsverlust gestalten. Hinzu kommt ein großes deutsch-russisches Netzwerk von Personen, die einander verstehen, und auch in Projektkrisen einander vertrauen können.“

Stichwort Systemunterschiede: Sie betreffen die Geisteswissenschaften in noch größerem Ausmaß als die Natur- und Ingenieurwissenschaften. Und so streben der Erlanger Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften und der Wladimirer Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften an, zwei akademische Kulturen im Bereich der Geisteswissenschaften, die sich im 20. Jahrhundert getrennt entwickelt haben, in einen Dialog zu bringen.

Zuhören

Dialog und Zusammenarbeit prägen auch die Kooperationen, die Prof. em. Hans Ineichen (Professur für Philosophie) und Prof. Jewgenij Arinin, Inhaber des o. g. Wladimirer Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften, bereits im Jahr 2003 initiierten: mit einem fachwissenschaftlichen Austausch, Konferenzteilnahmen und einem gemeinsamen Workshop in Wladimir. Um den Dialog mit Prof. Arinin weiter zu pflegen, reiste Iris Schmidt, (Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät) nach Berlin.

Und warum trägt der Bericht den Titel »Von der Kunst, sich überraschen zu lassen«?Sich überraschen lassen zu können, zeichnete – zumindest für die deutsche Seite – die Vorbereitung des III. Internationalen Studentenforums aus. Als Anfang September die Anfrage aus Wladimir kam, ob sich auch Erlanger Studenten und Wissenschaftler an dem Studentenforum beteiligen könnten, bestand das Programm nur aus einigen Stichpunkten. Im Internet fanden sich nur Kurzinformationen. Auch am Berliner Veranstaltungsort, dem Russischen Haus für Wissenschaft und Kultur, konnte man lediglich auf vorläufige Informationen und noch laufende Planungen verweisen.

Faszinierend war dann, in welchem Blitztempo die russischen Veranstalter ein Programm zauberten, das sich wirklich sehen lassen konnte: Große Versammlung von Rektoren, parallele Arbeitsgruppen an mehreren Veranstaltungsorten mit insgesamt über einhundert Kurzvorträgen  – alle mit Synchronübersetzung! – mit mehreren künstlerischen Meisterklassen, Werkschauen und zwei kulturellen Veranstaltungen.

Zu diesem Programm leisteten Studenten einen elementaren Beitrag. Sie bestritten den größten Teil des Vortragsprogramms: mit spannenden Berichten zum Beispiel über ein deutsch-russisches Kooperationsprojekt zur Integration von Behinderten; mit Analysen und Empfehlungen, beispielsweise zur Innovationspolitik in Russland. Studenten russischer Musik- und Kunsthochschulen begeisterten bei der Eröffnung und beim Abschlussabend mit ihren Auftritten das Publikum.

Abschlußveranstaltung

Das einzige „Problem“ des Forums war die Qual der Wahl, so viel Interessantes lief parallel: Sollte man sich zu neuen Trends im Wissenschafts- und Technologietransfer informieren, am deutsch-russischen Journalisten-Workshop zum Schicksal von Pussy Riot teilnehmen oder doch lieber am Seminar zum Stanislawskij-System 100 Jahre nach dessen Stiftung – mit dem Regisseur des Tschechow-Künstlertheaters Moskau?

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch Studenten der Universität Erlangen-Nürnberg an dem Forum teilnehmen können.

Zuletzt ein Kommentar: Im Hinblick auf das Zeitmanagement bei der Vorbereitung des Forums zeigte sich wieder einmal, wie irreführend kulturell bedingte Wertungen sein können: Für deutsches Empfinden ist eine solch extrem kurzfristige Planung nicht nachvollziehbar, manchen erscheint sie als chaotisch. Für die russischen Partnern ist es oft unverständlich, welch lange Vorlaufzeiten deutsche Planungen beanspruchen, und manchen erscheint dies als unklug – denn wer weiß schon, welche (neuen) Rahmenbedingungen das Leben in einigen Wochen und erst recht in einigen Monaten präsentieren wird?

Renate Winzen

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