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Posts Tagged ‘Heinrich Niemann’


Auf Einladung von Prof. Ludmila Suschkowa von der Staatlichen Universität Wladimir war ich vom 1. bis 5. Juli 2019 erneut in Wladimir. Die Anreise erfolgte zusammen mit Prof. Heinz Gerhäuser und seiner Frau Elvira. Die Tage waren gefüllt mit einem dichten Programm von Gesprächen mit Fachkollegen und Besuchen in Einrichtungen der Universität sowie einigen Gängen durch die Stadt. Hier ist die positive Entwicklung in Stadt und Universität seit meinem letzten Besuch 2012 besonders zu erwähnen. Es gibt neue Straßen, neue Wohnblocks, gepflegte Anlagen und Plätze, Renovierungen in den Gebäuden, Departments und Außenanlagen der Universität, gut eingerichtete und gut besuchte Restaurants mit umfangreicher Speisekarte, in russischer Sprache.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser

Der Präsident der Universität Erlangen-Nürnberg hatte je einen Brief an den Rektor der Universität Wladimir und an Prof. Suschkowa, unsere langjährige und geschätzte Kooperationspartnerin, mitgegeben. Diese konnten bei einem Gespräch mit dem Rektor übergeben werden, was dankend und sehr positiv aufgenommen wurde. Weitere Gespräche gab es mit dem Prorektor für Forschung, der Leitung des Akademischen Auslandsamtes, sowie Leitung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einiger Institute und Departments. Es gab zeitgleich eine Tagung zum Thema „Perspective Technologies in Tools of Information Transfer“; die Tagungssprache war Russisch. Wir hatten eine ausgezeichnete Übersetzerin, konnten aber wegen anderer Termine nur kurz an der Tagung teilnehmen.

Eine Umorganisation an der Universität sei erwähnt; Fakultäten sind abgeschafft und durch Institute ersetzt, ein Institut gliedert sich in Departments. Die Mittelzuweisung an die Institute erfolgt auf der Basis von Studentenzahlen. Der Hirsch Index wird als eine Kenngröße für die Qualifikation angesehen. Es besteht ein großes Interesse an Kooperationen, vor allem durch gemeinsame Projekte.

Den russischen Kolleginnen und Kollegen danke ich für interessante Gespräche, freundschaftliche Kontakte und Gastfreundlichkeit sowie ganz besonders für die aufgewendete Zeit. Der Aufenthalt im Erlangen-Haus war wieder sehr angenehm, wenn auch eigentlich nur zum Übernachten.

 

Prof. em. Dr. Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Universität Wladimir

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Vom 3. bis 5. Juli veranstaltete die Staatliche Universität Wladimir eine Internationale Konferenz zu Fragen der Zukunftstechnologien beim Informationstransfer. Mit dabei Heinz Gerhäuser, Direktor a.D. des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen und der emeritierte langjährige Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung an der FAU. Beiden Wissenschaftlern hatte die Hochschule der Partnerstadt im Jahr 2005 die Ehrenprofessorenwürde für ihr herausragendes Wirken im Rahmen des Forschungsaustausches zwischen Erlangen und Wladimir verliehen. Nun folgten beide, begleitet von Elvira Gerhäuser, der Einladung zur Teilnahme an dem Kongreß, ausgesprochen von Ludmila Suschkowa, Kuratorin der naturwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Erlangen und Leiterin des Lehrstuhls für biomedizinische und elektronische Mittel und Technologie.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser im Erlangen-Haus

Die fränkische Troika war bereits am 1. Juli angereist, um sich auf die Konferenz vorzubereiten; nun bleiben noch einige Tage, um sich der Kultur zu widmen. Das gilt besonders für Elvira Gerhäuser http://www.eghs.de, die im Jahr 2005 bereits einmal ihre Arbeiten in Wladimir zeigte. Nun führt sie ihr Kollege, Igor Tschernoglasow, der im August übrigens selbst wieder nach Erlangen kommt, noch ein wenig durch die Kunstszene der Partnerstadt. Was sich aus diesem neuen Amalgam aus Wissenschaft und Kunst ergibt, werden wir sicher bald in konkreten Projekten erleben können.

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Kann es Zufall sein, wenn der Blog zum siebten Mal sein virtuelles Wiegenfest ausgerechnet am 75. Geburtstag von Heinrich Niemann feiert, dem emeritierten Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung, dem, gemeinsam mit Heinz Gerhäuser, im wesentlichen der 2001 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten der Partnerstädte zu verdanken ist? Kann es Laune der Chronologie sein, wenn heute vor 76 Jahren Wolf Peter Schnetz zur Welt kam, der als Autor schon zu Zeiten des Kalten Krieges das Klima schuf, in dem die Städtepartnerschaft erst gedeihen konnte? Mag ja sein, aber wir wollen diese Koinzidenzen als Conditio humana des Blogs verstehen, der sich selbst wiederum als Logbuch der so mannigfachen Beziehungen und Querverbindungen zwischen Erlangen, Wladimir, Jena und der übrigen weiten Welt begreift. Und als Vorgabe, nicht kurzatmig zu werden, nicht nachzulassen, den Blick immer auf das große Ziel gerichtet zu halten, das da lautet: Völkerverständigung.

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Und so sei heute den beiden Granden gedankt und gratuliert, besonders natürlich Heinrich Niemann, der vor zehn Jahren für seine mustergültigen Verdienste die Ehrenprofessorenwürde in Wladimir verliehen bekam, zu seinem runden Jubiläum, und dem kreativen Kulturreferenten, der, obwohl in seine Heimatstadt Regensburg zurückgekehrt, der Städtepartnerschaft innig verbunden bleibt.

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Der Blog – dem Lauf der Partnerschaft sei’s gedankt! – macht seinen geneigten Lesern und sich selbst ein Geschenk mit den Bildern zum aktuellen Wladimir-Austausch des Emmy-Noether-Gymnasiums. Die deutsch-russische Gruppe, gestern von Renate Winzen zweisprachig durch die Stadt geführt, ist seit Freitag zusammen und will bis zur Heimreise der Gäste am 5. Oktober nicht nur gemeinsam den Unterricht besuchen und landeskundliche Ausflüge unternehmen, sie wird vielmehr an einem Projekt arbeiten, das demnächst – ein wenig Geduld noch – auf diesen Seiten vorzustellen ist.

Austausch und Freundschaft

Austausch und Freundschaft

Zu einem richtigen Geburtstag gehört aber stets auch eine Überraschung. Und die sei heute exklusiv im Blog verraten: Die Schüler bereiten etwas zum 25. Tag der Einheit vor und werden es beim Festakt ab 11.00 Uhr im Redoutensaal – bei freiem Eintritt – vorstellen. Was genau, das wissen sie selbst noch nicht. Nur daß. Also: Kommen und sich überraschen lassen, denn ohne das russische Einverständnis hätte die Friedliche Revolution nie unblutig zur Wiedervereinigung führen können. Das sollten wir am 3. Oktober immer dankbar erinnern.

Спасибо

Dankbar ist noch so ein Stichwort. Dankbar ist heute (und alle Tage) der Blog besonders den Lesern, Mitautoren und Kommentatoren. Ohne deren Aufmerksamkeit und Treue würde sich auch der eifrigste Buchhalter der Städtefreundschaft nicht der tagtäglichen Selbstverpflichtung unterziehen, aus und über Wladimir zu berichten. Der größte Dank aber gilt einer Frau. Es heißt ja immer, hinter einem starken Mann stehe eine nicht minder starke Frau. Das klingt zwar nicht mehr ganz gendergerecht, stimmt aber gewiß für den Blog. Nur mit dem Zusatz „zurück“. Es gibt nämlich eine Frau, die hinter dem Blog steht und oft, viel zu oft, hinter dessen zeitfressenden Ansprüchen zurücksteht. Dafür auch einmal öffentlich um Verzeihung zu bitten, ist heute der rechte Tag. Auch wenn kaum Aussicht auf Besserung besteht… Besonders nicht im verflixten siebten Jahr, das es noch zu meistern gilt.

Ach ja, fast vergessen: Hier ist der Link zu Heinrich Niemann und seinem großen Werk für die Partnerschaft: http://is.gd/ah65yE

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In einer Zeit, wo Weltkriegsveteraninnen in Wladimir einer Schülergruppe zurufen – „Strebt nicht nach Westen! Seid Patrioten eurer Heimat! Liebt sie! Ihr werdet nichts Reicheres und Besseres finden!“ -, in einer Zeit, wo im Vorfeld einer Regionalkonferenz für Parlamentarier zur Vorbereitung des Feiern des Sieges über das Dritte Reich ein ranghoher Lokalpolitiker es für notwendig hält, eigens eine Pressekonferenz abzuhalten, in der den westlichen Medien pauschal unterstellt wird, sie verfälschten die Geschichte, wollten die Rolle der Sowjetunion vor 70 Jahren relativieren, in so einer Zeit des Rückzugs eines ganzen Landes auf sich selbst, tut es gut, das Fenster zu öffnen, die stickige Luft hinauszulassen und den Bericht von Natalia Melnikowa zu lesen:

Uwe Wissendheit mit der Studentengruppe aus Wladimir

Uwe Wissendheit mit der Studentengruppe aus Wladimir

Ich war zwei Mal Praktikantin beim Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen. Zuerst im Juli und August 2007 und dann noch einmal von März bis Mai 2008. Beim ersten Aufenthalt beschäftigte ich mit der Programmiersprache VHDL, beim zweiten Praktikum stand das Programmieren von Mikrokontrollern in der Sprache C an.

Heinrich Niemann mit zwei Studentinnen aus Wladimir

Heinrich Niemann mit zwei Studentinnen aus Wladimir, rechts Natalia Melnikowa

Die wichtigste Erfahrung für mich war aber nicht einmal so sehr die Entwicklung in diesen Sprachen, sondern lag vor allem im fachlichen Austausch mit den Europäern. Zumal ich auch noch Vorlesungen von Professor Heinrich Niemann besuchte. Seine Lehrveranstaltungen wären ein gutes Beispiel für unsere Universität in Wladimir. Hier hat man eine ausgezeichnete Möglichkeit, Einblick in die allerneuersten Forschungsergebnisse zu erhalten.

Studentengruppe aus Wladimir

Studentengruppe aus Wladimir

Für mich waren die Praktika am Institut in der Partnerstadt besonders wichtig als Gelegenheit zum internationalen Erfahrungsaustausch, zum Verständnis der europäischen Mentalität, der europäischen Einstellung zur Arbeit.

Studentengruppe aus Wladimir

Studentengruppe aus Wladimir

Im letzten Studienjahr bekam ich eine Stelle bei der Firma Rubmaster, für die ich einige Jahre arbeitete. Die Firma importierte Technik aus dem Westen nach Rußland. Einige Male reiste ich zur Produzenten ins Ausland, u.a. nach Italien. Insgesamt brachte ich so drei Firmen nach Rußland: Zanon aus Italien, BGU Maschinen aus Nordhausen in Deutschland und Uniforest aus Slowenien. Ohne die Praktika in Erlangen hätte ich dies alles wohl nur schwer erreicht.

Natalia Melnikowa

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Diesen Beitrag verdankt der Blog Renate Winzen, seit 1995 Initiatorin und Koordinatorin von Erlanger-Wladimirer Wissenschaftskooperationen (FuE, Wissenschaftler- und Studentenaustausch) in den Bereichen Werkstoff- und Materialwissenschaften, Umweltverfahrenstechnik, Ingenieurwissenschaften, Informatik; Medienwissenschaften, Theologie, Philosophie, Pädagogik für Lehrstühle der FAU, Fraunhofer IIS und weitere Einrichtungen. Freiberuflich tätig, zuletzt Auftragnehmerin von Fraunhofer IIS und Lehrstuhl für Informationstechnik LIKE (bis 30.9.2012). Erreichbar für Nachfragen unter: renate.winzen@odn.de

Als russisch-deutsche Veranstaltung fand am 4. und 5. Oktober in Berlin das III. Internationale Studentenforum statt. Studenten von über 60 russischen Hochschulen waren angereist, dazu Doktoranden, Dozenten und Professoren, Prorektoren und Rektoren. Viele ihrer deutschen Kooperationspartner nahmen ebenfalls teil.

Die Gruppe aus Erlangen und Wladimir

Die Staatliche Universität Wladimir war mit einer großen Gruppe von Studenten und Wissenschaftlern aus mehreren Fachbereichen vertreten: Prof. Natalia Judina, Prorektorin für Internationale Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit, Nadeschda Troschina, Leiterin der Abteilung für Internationale Zusammenarbeit; Prof. Ludmila Suschkowa, Inhaberin des Lehrstuhls für Biomedizinische Technik; Prof. Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften; Nikolaj Naumow, Dozent des Lehrstuhl für englische Sprache; Alexej Sokow, Doktorand am Lehrstuhl für Russische Sprache; Natalia Druschbina, Studentin im Masterstudiengang des Institut für Management und Wirtschaft; Georgij Wybornow, Student an der Fakultät für Fremdsprachen; Anton Rusanow, Student an der Fakultät für Hochfrequenzphysik, Elektronik und Medizintechnik; Jekaterina Palzewa, Studentin am Institut für Rechtswissenschaften;

Aus Erlangen waren angereist: Prof. Heinz Gerhäuser, bis Oktober 2011 Leiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS und Inhaber des Lehrstuhls für Informationstechnik LIKE; Prof. Heinrich Niemann, bis September 2005 Inhaber des Lehrstuhls für Mustererkennung; Dr. Iris Schmidt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Philosophie (Erziehungswissenschaftliche Fakultät); Renate Winzen, Initiatorin und Koordinatorin deutsch-russischer Kooperationsprojekte.

Studenten aus Wladimir

Die Veranstaltung fand im Rahmen desDeutschlandjahrs in Russland 2012-2013und des „Russlandjahrs in Deutschland 2012-2013statt. Mit beiden Projekten wollen die russische und die deutsche Regierung die strategische Partnerschaft und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern stärken. Der Zukunftsaspekt in den bilateralen Beziehungen wird durch das Motto „Russland und Deutschland – gemeinsam die Zukunft gestalten“ unterstrichen. (s. www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2011/110721-Deutsch-russische-Erklaerung.html)

Veranstaltet wurde das Studentenforum von ROSSOTRUDNITSHESTVO, der Föderalen Agentur für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale humanitäre Zusammenarbeit“. Diese Agentur ist dem Russischen Außenministerium unterstellt und hat Vertretungen in 73 Ländern. Zu ihren Zielen gehört die Förderung eines objektiven Bildes über Russland, seines materiellen sowie geistigen Potentials und seiner Innen- und Außenpolitik. Hierfür arbeitet ROSSOTRUDNITSHESTVO eng mit russischen und ausländischen Organisationen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Medien und Humanitäres zusammen. (http://rs.gov.ru/)

Das I. Internationale Studentenforum fand 2010 anlässlich des Französisch-Russischen Jahres in Frankreich statt. Seitdem wird es jährlich durchgeführt; in diesem Jahr erfolgte es erstmals in Deutschland.

Arbeit in den Gruppen

An der Eröffnung des III. Internationalen Studentenforums nahmen u.a. der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation, Sergej Schelesnjak; der Botschafter Russlands in der BRD, Wladimir Grinin, sowie Anna Prinz, Beauftragte des deutschen Außenministeriums für die internationale wissenschaftliche Politik teil.

„Gemeinsam gestalten wir die Zukunft“ – so lautete der Leitsatz des Forums. Am 4. Oktober besprachen Rektoren und Prorektoren führender russischer und deutscher Hochschulen die Möglichkeiten eines deutsch-russischen Zusammenwirkens in der Ausbildung von Menschen in einer globalen Gesellschaft. Am 5. Oktober fanden Workshops und Round-Table-Diskussionen an verschiedenen Berliner Universitäten statt. Dabei stellten die Wladimirer Universitätspartner ihre Aktivitäten gleich in mehreren Arbeitsgruppen vor. In der Sektion „Sprachliche Realität in der Epoche der Globalisierung“ präsentierte Prorektorin Natalia Judina in ihrem Vortrag „theoretische und praktische Aspekte zum Status der russischen Sprache in der Epoche der Globalisierung“. Alexey Sokow, Doktorand am Wladimirer Lehrstuhl für Russische Sprache, erläuterte die „Bedingungen der Internetkommunikation als besonderen Bereich für die Entwicklung von Sprache“.

Heinz Gerhäuser, Ludmila Suschkowa und Heinrich Niemann

Um studentische Selbstverwaltung ging es in der Arbeitsgruppe „Studenten als Subjekte der Bildungspolitik auf globaler, nationaler und institutioneller Ebene“. Hier stellte Natalia Druschnina, Studentin am Institut für Wirtschaft und Management, Erfahrungen aus der Staatlichen Universität Wladimir vor und zwar mit dem Vortrag „Moderne Formen der Funktionsweisen studentischer Selbstverwaltung“.

Ludmila Suschkowa

Da die Arbeitsgruppen parallel stattfanden, war es mir nicht möglich, alle Wladimirer Vorträge zu besuchen: Als langjährige Auftragnehmerin des Fraunhofer IIS und der Lehrstühle für Mustererkennung und Informationstechnik entschied ich mich für den Vortrag von Prof. Ludmila Suschkowa, in früheren Jahren Prorektorin für Internationale Kooperationen: Ihre Präsentation erfolgte im Rahmen der beiden Runden Tische „Russisch – deutsche Kooperation in der Wissenschaft“ sowie „Management von Innovation und Wissen“. Im Zentrums ihres Vortrags stand ein Gemeinschaftsprojekt Wladimir-Erlangen, bei dem Studenten eine Schlüsselrolle für Innovation und Wissen zukommt: Bereits seit zwölf Jahren führt die Staatliche Universität Wladimir mit dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS (Fraunhofer IIS) und einigen Erlanger Lehrstühlen ein Programm zur Kombination von russischen und deutschen Elementen der Ingenieurausbildung durch. Dabei leisten Wladimirer Studenten mehrere aufeinander aufbauende Fachpraktika am Fraunhofer IIS oder an einem Lehrstuhl der Erlanger Technischen Fakultät ab und integrieren ihre Arbeitsergebnisse anschließend in ihre russische Hochschulabschlussarbeit. Das klingt einfacher, als es ist, denn die studentischen Projektarbeiten müssen nicht nur die fachlichen Anforderungen der Erlanger Partner erfüllen, sondern auch den Kriterien der Russischen Studienordnung entsprechen. Da sich das russische und das deutsche Konzept der Ingenieursausbildung unterscheiden, war hierzu jahrelange und intensive Konzeptarbeit der Wladimirer und Erlanger Kooperationspartner nötig, geleistet auf Erlanger Seite von Prof. Heinz Gerhäuser, ehemaliger Leiter des Fraunhofer IIS und des Lehrstuhls für Informationstechnik LIKE, Prof. Heinrich Niemann, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Mustererkennung LME, Uwe Wissendheit, ehemaliger Wissenschaftlicher MA des Lehrstuhl LIKE und Initiator vieler Maßnahmen, die bis heute entscheidend zum Erfolg des Projekts beitragen, sowie weitere Ingenieure und Koordinatoren.

Heinrich Niemann

Es lag Ludmila Suschkowa viel daran, das Projekt gemeinsam mit ihren Erlanger Kooperationspartnern zu präsentieren. Und so nahmen Prof. Gerhäuser und Prof. Niemann sich die Zeit und reisten nach  Berlin. Uwe Wissendheit konnte die Berlinreise leider nicht einrichten.

Gleich zu Beginn ihres Vortrags wies die Wissenschaftlerin auf eine Besonderheit hin: Die Zusammenarbeit von Staatlicher Universität Wladimir, Fraunhofer IIS und Universität Erlangen-Nürnberg ist eingebettet in eine sehr lebendige Städtepartnerschaft. Das vielfältige Netz der städtepartnerschaftlichen Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir schafft ideale Rahmenbedingungen für die Kooperationsprojekte in Bildung und Wissenschaft, gleichzeitig befruchtet dieses Kooperationsprojekt die Zusammenarbeit der beiden Städte.

Heinz Gerhäuser und Heinrich Niemann

Dann richtete sie den Fokus auf die Studenten: Rund 80 Wladimirer Studenten und Studentinnen haben inzwischen Fachpraktika am Fraunhofer IIS, am Lehrstuhl für Mustererkennung, am Lehrstuhl für Informationstechnik und weiteren Erlanger Lehrstühlen durchgeführt. Sie haben dabei ihre Fachkenntnis in der Arbeit mit neuesten Technologien erprobt und ihre Sprachfertigkeiten (Englisch oder / und Deutsch) enorm verbessert. Was an Anforderungen in den studentischen Projektarbeiten steckt, erläuterte Prof. Niemann: Die Studenten bearbeiteten Teilaspekte aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten seines Lehrstuhls. Hierzu mussten sie sich in einer Fremdsprache mit einer konkreten Problemstellung beschäftigen, anschließend in selbständiger Arbeit die gewonnenen Erkenntnisse in eine Softwarestruktur umsetzen und Experimente zum Test ihrer Arbeitsergebnisse konzipieren.

Präsentation von Studenten

Neben der Erweiterung ihres fachlichen Könnens erhalten die russischen Studenten Einblick in Arbeitsmethodik, Projektplanung und Unternehmenskultur der deutschen Projektpartner, und durch die Auslandserfahrung gewinnen sie an Selbstsicherheit. Auf dem russischen und dem ausländischen Arbeitsmarkt haben sie einen deutlichen Konkurrenzvorteil. Mit diesen Studenten stehen den Erlanger Partnern geeignete Ansprechpartner für den Aufbau von Kontakten zu russischen Firmen und Forschungseinrichtungen zu Verfügung. (Anmerkungen der Autorin: Das Projekt überzeugte auch die Petersburger Partneruniversität des Fraunhofer IIS: Seit 2004 entsendet die St. Petersburg State Polytechnical University Studenten ans Institut, die dort Fachpraktika gemäß des Erlanger-Wladimirer Modells durchführen. Durch die Wladimirer und Petersburger Alumni sind inzwischen Kontakte und Projekte mit Firmen in Moskau, Selenograd und Sankt Petersburg entstanden.)

Ludmila Suschkowa

Ein Dreh- und Angelpunkt der Kooperationen ist die Finanzierung: Noch ist es nicht gelungen, für die studentischen Fachpraktika konstante Fördermittel zu akquirieren. Und so trugen und tragen die deutschen Projektpartner den größten Teil der Kosten, pro Student mehrere Tausend Euro. Welche Motivation steckt für die Erlanger Partner dahinter? Hierzu Prof. Heinz Gerhäuser: „Das Kooperationsprojekt eröffnet einen tiefen Einblick in die Situation in Russland und in die Denkweise der russischen Partner. Somit lässt sich erkennen, wo genau Systemunterschiede liegen. Und erst, wenn man dies verstanden hat, lassen sich komplexe Forschungsprojekte ohne Reibungsverlust gestalten. Hinzu kommt ein großes deutsch-russisches Netzwerk von Personen, die einander verstehen, und auch in Projektkrisen einander vertrauen können.“

Stichwort Systemunterschiede: Sie betreffen die Geisteswissenschaften in noch größerem Ausmaß als die Natur- und Ingenieurwissenschaften. Und so streben der Erlanger Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften und der Wladimirer Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften an, zwei akademische Kulturen im Bereich der Geisteswissenschaften, die sich im 20. Jahrhundert getrennt entwickelt haben, in einen Dialog zu bringen.

Zuhören

Dialog und Zusammenarbeit prägen auch die Kooperationen, die Prof. em. Hans Ineichen (Professur für Philosophie) und Prof. Jewgenij Arinin, Inhaber des o. g. Wladimirer Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften, bereits im Jahr 2003 initiierten: mit einem fachwissenschaftlichen Austausch, Konferenzteilnahmen und einem gemeinsamen Workshop in Wladimir. Um den Dialog mit Prof. Arinin weiter zu pflegen, reiste Iris Schmidt, (Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät) nach Berlin.

Und warum trägt der Bericht den Titel »Von der Kunst, sich überraschen zu lassen«?Sich überraschen lassen zu können, zeichnete – zumindest für die deutsche Seite – die Vorbereitung des III. Internationalen Studentenforums aus. Als Anfang September die Anfrage aus Wladimir kam, ob sich auch Erlanger Studenten und Wissenschaftler an dem Studentenforum beteiligen könnten, bestand das Programm nur aus einigen Stichpunkten. Im Internet fanden sich nur Kurzinformationen. Auch am Berliner Veranstaltungsort, dem Russischen Haus für Wissenschaft und Kultur, konnte man lediglich auf vorläufige Informationen und noch laufende Planungen verweisen.

Faszinierend war dann, in welchem Blitztempo die russischen Veranstalter ein Programm zauberten, das sich wirklich sehen lassen konnte: Große Versammlung von Rektoren, parallele Arbeitsgruppen an mehreren Veranstaltungsorten mit insgesamt über einhundert Kurzvorträgen  – alle mit Synchronübersetzung! – mit mehreren künstlerischen Meisterklassen, Werkschauen und zwei kulturellen Veranstaltungen.

Zu diesem Programm leisteten Studenten einen elementaren Beitrag. Sie bestritten den größten Teil des Vortragsprogramms: mit spannenden Berichten zum Beispiel über ein deutsch-russisches Kooperationsprojekt zur Integration von Behinderten; mit Analysen und Empfehlungen, beispielsweise zur Innovationspolitik in Russland. Studenten russischer Musik- und Kunsthochschulen begeisterten bei der Eröffnung und beim Abschlussabend mit ihren Auftritten das Publikum.

Abschlußveranstaltung

Das einzige „Problem“ des Forums war die Qual der Wahl, so viel Interessantes lief parallel: Sollte man sich zu neuen Trends im Wissenschafts- und Technologietransfer informieren, am deutsch-russischen Journalisten-Workshop zum Schicksal von Pussy Riot teilnehmen oder doch lieber am Seminar zum Stanislawskij-System 100 Jahre nach dessen Stiftung – mit dem Regisseur des Tschechow-Künstlertheaters Moskau?

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch Studenten der Universität Erlangen-Nürnberg an dem Forum teilnehmen können.

Zuletzt ein Kommentar: Im Hinblick auf das Zeitmanagement bei der Vorbereitung des Forums zeigte sich wieder einmal, wie irreführend kulturell bedingte Wertungen sein können: Für deutsches Empfinden ist eine solch extrem kurzfristige Planung nicht nachvollziehbar, manchen erscheint sie als chaotisch. Für die russischen Partnern ist es oft unverständlich, welch lange Vorlaufzeiten deutsche Planungen beanspruchen, und manchen erscheint dies als unklug – denn wer weiß schon, welche (neuen) Rahmenbedingungen das Leben in einigen Wochen und erst recht in einigen Monaten präsentieren wird?

Renate Winzen

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Internationale Kongresse werden zunehmend wegen fehlender Tagungsräumlichkeiten und ungeeigneter Hotels, wohl aber auch dank der dort herrschenden und zur Reflexion einladenden Beschaulichkeit von Wladimir nach Susdal verlegt. Ein verlustreicher Trend, dem die Stadtväter und Fremdenverkehrsplaner etwas entgegensetzen sollten.

Heinrich Niemann (2. v.l.) und Ludmila Suschkowa bei der Eröffnung der Tagung.

Vom 26. bis 30. Juni besuchte Heinrich Niemann, im siebten Jahr Emeritus, aber seiner Wissenschaft noch immer engstens verbunden, wieder einmal Wladimir und Susdal, um am Symposium „Physics and Radioelectronics in Medicine and Ecology“, kurs „PREME 2012“ teilzunehmen.

Ansicht von Susdal

Die Forschungsschwerpunkte des Wissenschaftlers liegen auf dem Gebiet der automatischen Spracherkennug und Bildverarbeitung sowie der rechnerinternen Wissensrepräsentation. Heinrich Niemann engagierte sich mehrfach als Mitglied des Programmkomitees bzw. Vorsitzender bei internationalen Mustererkennungstagungen. Von 1997 bis 2005 war er Sprecher des Sonderforschungsbereichs 603 (Modellbasierte Analyse und Visualisierung komplexer Szenen und Sensordaten) an der Universität Erlangen-Nürnberg. Zwischen 2000 und 2004 wirkte er als Mitglied der kollegialen Leitung im Bayerisch-Kalifornischen Hochschulzentrum. Seit 2002 leitet der Erlanger Wissenschaftler ein Teilprojekt im Bayerischen Forschungsverbund für Situierung, Individualisierung und Personalisierung in der Mensch-Maschine-Interaktion (FORSIP); darüber hinaus ist er Autor und Koautor von acht Büchern und über 400 Zeitschriften- und Konferenzbeiträgen sowie Mitherausgeber von vier wissenschaftlichen Zeitschriften auf dem Gebiet der Mustererkennung und Signalverarbeitung. Damit nicht genug. Bei den von der Russischen Akademie der Wissenschaften in der Regel alle zwei Jahre durchgeführten Tagungen zum Thema “Mustererkennung und Bildanalyse” beteiligt er sich seit Jahren an der Organisation als einer der beiden Vorsitzenden des Programmkomitees. Zusätzlich koordiniert er gemeinsam mit russischen und deutschen Kollegen seit 1991 Arbeitstagungen, die mit internationaler Beteiligung abwechselnd in Rußland und Deutschland stattfinden. Da stecken Erfahrung und Kompetenz im Austausch mit russischen Partnern dahinter!

Hotel-Komplex Susdal

Nun also wieder Wladimir – Susdal, dieses Mal mit einem Vortrag zum Thema „Prosody in Speech Understanding“. Diese Kongresse werden im Zweijahresrhythmus von Ludmila Suschkowa organisiert, der Professorin an der Universität Wladimir, auf deren Initiative die enge Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität wesentlich zurückgeht. Ihr Kollege Heinrich Niemann berichtet von dem zehntes Treffen dieser Art: 

Tagungsteilnehmer in Susdal

Nach der Eröffnung und der Plenarsitzung am Vormittag des ersten Tages wurde das Symposium in jeweils drei parallelen Sitzungen fortgesetzt. Die Vorträge wurden überwiegend auf Russisch gehalten, zum Teil mit englischen Folien, weshalb ich auf Übersetzungshilfe angewiesen war. Insgesamt war es eine sehr interessante Tagung,
die einen Einblick in aktuelle Arbeiten und Ergebnisse der russischen Kollegen gab. In meinem Vortrag habe ich einige Ergebnisse zur Klassifikation von prosodischen Phänomenen (wie Akzente, Satzmodus, Off-Talk und Emotionen) vorgestellt. Die Tagungsorganisation durch Prof. Suschkowa und ihre Mitarbeiter war perfekt.

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Heinz Gerhäuser und Alexej Filippow

Alexej Filippow ist ein Mann der ersten Stunde des Wissenschaftleraustausches zwischen Erlangen und Wladimir, einer von denen, die es nicht nur geschafft haben, dank der engen Kooperation mit den deutschen Kollegen ihre Erkenntnisse aus der Forschung in der Wirtschaft umzusetzen, sondern die auch bis heute engen Kontakt zur Partnerstadt unterhalten. Im April traf er sich noch mit den Wissenschaftlern aus Erlangen in Moskau und Wladimir, und im Juli trifft er sie in Berlin wieder. Wie so etwas – und noch viel mehr – möglich ist, erzählt Alexej Filippow aber am besten selbst, übrigens in einem Deutsch, das für den Blog kaum noch der Korrekturen bedurfte.

Vielleicht ist es von meiner Seite nicht besonders bescheiden, in das Zentrum dieses der Partnerschaft zwischen Wladimirer und Erlanger Wissenschaftlern gewidmeten Artikels mich selbst zu stellen. Jedoch meine ich, daß es so einfacher ist, den Lesern dieses Blogs verständlich zu machen, wie wichtig die Partnerschaft für viele mit ihr in Berührung stehende Menschen und für mich persönlich ist und welche große Rolle sie im Leben eines Wladimirer Studenten spielen kann.

Über die Partnerschaft zwischen unseren Städten habe ich erfahren, als ich noch zur Schule ging. Ich erinnere mich, wie ein großer Stadtplan von Erlangen im Kabinett der Deutschen Sprache hing. Darauf waren die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt wie der Schloßgarten und der Hugenottenplatz abgebildet. Damals konnte ich mir natürlich noch nicht vorstellen, wie viel mich eines Tages mit dieser Stadt verbinden wird.

Alexej Filippow mit den Erlanger Gästen in Moskau

Zum ersten Mal kam ich dann nach Erlangen im Rahmen des studentischen Austausches zwischen der Staatlichen Universität Wladimir, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen. Es sei bemerkt, daß dies der erste Austausch im Rahmen des dreiseitigen studentischen Programms zwischen den drei Hochschulpartnern war. Ich erinnere mich, wie ich in Erlangen nach einer dreitägigen Busreise von Moskau angekommen bin. Nach dieser ermüdenden Fahrt fanden wir einen herzlichen Empfang. Ab der ersten Minute wurden wir von vielen Leuten umgesorgt: Renate Winzen, Andreas Kuleschow und seiner Frau, unserer Betreuer, und von vielen anderen Mitarbeitern des Fraunhofer IIS und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Ich kann ehrlich sagen, daß das Praktikum am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen, einem der größten Forschungsinstitute der Welt, zu einem Wendepunkt in meiner Lebensbahn geworden ist. Zum ersten Mal im Leben konnte ich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis sehr viel aus dem Gebiet erfahren, das kurz Hightech genannt wird. Das verzehnfachte mein Interesse an der von mir gewählten Fachrichtung, Informationstechnologien und Elektronik. Jeden Tag des Praktikums lernte ich etwas irre Interessantes kennen. Das betraf nicht nur Fachkenntnisse. Dieses Praktikum war ein sehr guter Anreiz, Deutsch und Englisch zu erlernen. Darüber hinaus wurden Fremdsprachen mein Hobby. Jetzt ist es für mich schwierig, mir einen Abend ohne das Lesen eines Buchs oder eine Filmvorführung auf Deutsch oder Englisch vorzustellen.

Alexej Filippow, Andreas Löffler, Dina Kusnezowa, Uwe Wissendheit, Wassilij Rufizkij

Ich meine, viele haben dank des studentischen Fachpraktikums ihre Richtung im Berufleben gefunden. Außerdem hilft so ein Aufenthalt, die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir anders zu sehen, die dabei ist, feste Umrisse bei einer echten Kooperation auf dem Gebiet der Forschung und Lehre anzunehmen. Große Beiträge zur Entwicklung dieses ausgezeichneten Projekts haben geleistet: Professor Heinz Gerhäuser, Professor Heinrich Niemann, Professorin Ludmila Suschkowa, Renate Winzen, Uwe Wissendheit, Andreas Kuleschow, Johann Hauer, Professor Alexander Samojlow, Andreas Löffler, Julia Tokmak, Dina Kusnezowa und viele andere. Erhebliche Unterstützung hat auch Peter Steger diesem Programm geleistet. Gerade er und die Mitarbeiterinnen des Erlangen-Haus in Wladimir haben ihr Möglichstes getan, um die Prozedur der Erteilung von Schengen-Visa für die Studenten zu erleichtern.

Zum Glück entwickelt sich dieses auf einer festen Grundlage aufgebaute Programm bis jetzt erfolgreich. Jedoch ist das studentische Fachpraktikum an der FAU und am Fraunhofer IIS kein Einzelergebnis der Kooperation zwischen den wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften von Erlangen und Wladimir. Zur Zeit zeichnete sich eine Tendenz zur Suche solcher wissenschaftlichen Projekte ab, an denen Wladimirer und Erlanger Gelehrten zusammen arbeiten könnten. Darin spielt eine große Rolle das Alumni-Netzwerk, das für eine langfristige Fortführung des studentischen Austauschprogramms eingerichtet wurde. Im November 2009 fand die erste Veranstaltung in Wladimir statt. Ihr Ziel war die Suche von gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten. Dabei und an dem im März 2010 in Erlangen durchgeführten Seminar beteiligten sich viele Wissenschaftler und Ingenieure, die ihre Ideen zu gemeinsamen Forschungsprojekten ihren Kollegen vorstellen wollten. Im Rahmen des Seminars entschied man, Fördergelder für ausgewählte Projekte zu beantragen. Leider gelang es nicht, für alle Projekte Finanzunterstützung von der Seite der russischen und deutschen Studienstiftungen zu erhalten. Jedoch war dies der erste Fall, wo Wladimirer und Erlanger Wissenschaftler die interessantesten und aktuellen Projekte zweckgebunden zusammen suchten.

Die Erlanger Wissenschaftler helfen ihren Wladimirer Kollegen, die wissenschaftlichen Ergebnisse auf internationalen Konferenzen zu veröffentlichen und internationalen Organisationen beizutreten. Zum Beispiel laden Professor Heinz Gerhäuser, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer IIS und Inhaber eines Lehrstuhls an der FAU, und jetzt sein Nachfolger Professor Albert Heuberger ihre Kollegen aus Wladimir zu internationalen Konferenzen und Workshops ein, die im Institut durchgeführt werden. Dr.-Ing. Siegfried Fößel, Leiter der Abteilung Bewegtbildtechnologien am Fraunhofer IIS, hat seinen Wladimirer Kollegen wesentlich geholfen, in eine solch renommierte Organisation wie JPEG (Joint Photographic Experts Group, ISO/IEC JTC 1/WG 1) aufgenommen zu werden. Im März 2010 hat die Russische Delegation zum ersten Mal an einer Tagung des JPEG-Gremiums in Boston (Massachusetts, USA) teilgenommen. Zur Zeit setzt sich die Russische Delegation im JPEG-Gremium hauptsächlich aus Wladimirer Wissenschaftlern zusammen.

Ich hoffe sehr, daß diese Kooperation zwischen Erlangen und Wladimir im Bereich von Wissenschaft und Ausbildung nicht nur fortgesetzt, sondern noch erweitert wird und von der Politik der beiden Städte weiter Förderung und Unterstützung erfährt.

Alexej Filippow

Mehr zum Thema unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2009/09/19/pioniere-der-wissenschaft-auf-nummer-sicher/ und https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/05/01/geht-nicht-gibts-nicht/

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Die Zeit vergeht auch im virtuellen Raum – oft unbemerkt und viel zu schnell -, eben ganz wie im richtigen Leben. Und so kann der Blog heute schon seinen zweiten Geburtstag feiern.

Grund und Anlaß genug, den Lesern zu danken. „Ohne Sie und Euch alle gäbe es mich nämlich nicht!“ – Originalzitat. In der Tat sind es vor allem die vielen Rückmeldungen aber auch Beiträge in Schrift und Bild, die den Anreiz geben, Tag für Tag nun schon im zweiten Jahr etwas zu Wladimir und der Partnerschaft zu schreiben: 920 Artikel kamen so zusammen, gelesen von regelmäßig um die 150 Nutzern pro Tag – mit gelegentlichen Ausschlägen nach oben bis zu 300 Zugriffen. Das ergibt im Saldo eine Gesamtleserschaft von aktuell 63.225. Vor genau einem Jahr waren es noch eher bescheidene 18.206… Nun ist nicht zu erwarten, daß die Quote auch weiterhin derart rasant ansteigt, aber freuen darf man sich über das Interesse schon. Vor allem, wenn sogar die aktuelle Nummer des Bayerischen Bürgermeisters, des „Zentralorgans für Verwaltungen in Bayern“ s. www.fachzeitungen.de/seite/p/titel/titelid/1019203114 dem Blog und seiner Bedeutung für die Städtepartnerschaft einen großen Beitrag widmet, nachzulesen unter: Bayerischer Bürgermeister.

Heinrich Niemann (dritter v.l.) im Kreis seiner Professorenkollegen in Wladimir

Doch es gibt darüber hinaus im realen Leben einen Geburtstag zu feiern, nämlich den von Heinrich Niemann. Der emeritierte Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung an der Friedrich-Alexander-Universität wird heute 70 Jahre alt, denkt aber gottlob noch lange nicht daran, die Forschung aufzugeben. Nicht einmal die Lehre, zumindest nicht in Rußland, wo er weiterhin als hochgeschätzter Fachmann Vorträge und Seminare hält und sich des Titels eines Ehrenprofessors der Staatlichen Universität Wladimir als würdig erweist. Sollte der Jubilar diese Zeilen lesen, sei ihm versichert, daß nichts unversucht gelassen wird, ihm als Geburtstagsgeschenk ein Dauervisum für Rußland zu besorgen. Das würde manche Reisevorbereitung sicher einfacher machen. Wer mehr über die Arbeit des Wissenschaftlers wissen möchte – was sich allemal lohnt! – gebe dessen Namen in die Suchmaske des Blogs ein und lese in jedem Fall den Eintrag https://erlangenwladimir.wordpress.com/2009/06/07/die-praktiker-der-naturwissenschaft nach. С днём рождения! Alles Gute zum Geburtstag!

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Unter diesem Motto feierten gestern hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Tennenlohe 60 Jahre Fraunhofer Gesellschaft. Den staunenden Besuchern wurde eine Leistungsschau aus deutscher Spitzenforschung geboten, spritzig und witzig präsentiert und verstärkt durch den imposanten Sattelschlepper, vollgestopft mit den weltweit begehrten Errungenschaften des unerschöpflichen Erfindungsgeistes aus dem Hause Fraunhofer, und durch ein Zelt, das man getrost eine Arena für ingenieurstechnische Hochseilakte nennen darf.

Doch während im Foyer sowie in den Außenanlagen gefeiert, vernetzt und präsentiert wurde, ging in den Teams der auch architektonisch und von ihren Ausmaßen her beeindruckenden Denkfabrik am Wolfsmantel 33 die Arbeit weiter. Auch für die neuen und alten Praktikanten aus Wladimir. Seit dem 7. Juli sind wieder fünf handverlesene Studenten aus der Partnerstadt am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen zu Gast und werden noch bis zum 15. September in den unterschiedlichsten Fachbereichen eingesetzt. Erst am Freitag ist eine weitere Studentin aus Wladimir eingetroffen, die bis zum 13. November bleibt. Man müßte selbst ein ingenieurtechnisches Studium abgeschlossen haben, um genau zu verstehen, mit welch verzwickten Aufgabenstellungen sich die Nachwuchswissenschaftler auseinandersetzen. Schon die Stichworte geben einen schwindelerregenden Einblick in die Komplexität der Materie: drahtlose Informationsübertragung per Funk im Bereich Medizintechnik; aktuelle Methoden bei der Diagnose von kardiologischen Erkrankungen; Entwicklung neuer Materialien für die Antennentechnik; Digitalisierung des Rundfunks – ein weiter Zukunftsmarkt für den riesigen Flächenstaat Rußland; Segmentierung von Bildern in der Röntgentechnik. Die beiden Doktoranden aus Wladimir, die schon seit Jahren zur Mannschaft gehören, verdienen zu einem späteren Zeitpunkt im Blog noch mehr Aufmerksamkeit. Einen Versuch sollte es wert sein, deren Arbeiten populärwissenschaftlich darzustellen.

Bewundernswert, was seit dem Jahr 2000, als Institutsleiter Heinz Gerhäuser und sein Kollege, der Fachmann für Mustererkennung von der FAU, Heinrich Niemann, erstmals nach Wladimir kamen, alles erdacht, entwickelt und realisiert wurde. Jetzt arbeitet eine Studentin aus der Partnerstadt sogar schon bei einer Nürnberger Firma, man will sich um ein EU-Projekt zum Thema Halbleitermarkt in Rußland bemühen, die notwendige Marktanalyse dafür ist schon angelaufen, und man läßt auch die Kontakte zu anderen russischen Universitäten nicht schleifen. Im September reist Heinz Gerhäuser mit einigen Forscherkollegen nach St. Petersburg zur dortigen Polytechnischen Universität. Da verwundert es nicht, daß zur Zeit auch ein Student dieser Hochschule am Erlanger Institut ein Praktikum absolviert.

In der Funktion des „Kümmerers“ von Beginn an – Renate Winzen, seit zwei Jahren unterstützt von Julia Tokmak aus der Ukraine. Die beiden sorgen dafür, daß sich die angehenden Wissenschaftler aus Rußland in Erlangen rasch einarbeiten und einleben und erledigen all die 1000 Kleinigkeiten, die notwendig sind, damit ein stimmiges und großes Ganzes wachsen kann. Dutzende von Studenten haben sie betreut, und was die beiden besonders freut: Von Mal zu Mal werden die Gäste offener, bringen bessere Sprachkenntnisse mit, sind flexibler. Der Generationenwechsel in der russischen Wissenschaft wird spürbar. Einen kurzen Einblick in diesen Mikrokosmos erfolgreicher deutsch-russischer Forschungskooperation konnte gestern auch Oberbürgermeister Siegfried Balleis, Ehrengast der Festveranstaltung, nehmen. Sichtlich beeindruckt von der Zahl und Kompetenz der Gäste, konnte das Stadtoberhaupt wieder einmal erleben, wie vielseitig die Partnerschaft mit Wladimir ist.

Oberbürgermeister Siegfried Balleis mit den Nachwuchswissenschaftlern, Renate Winzen und Julia Tokmak links in der vorderen ReiheHeute, an seinem Geburtstag, sei Siegfried Balleis nicht nur herzlich gratuliert, sondern vor allem gedankt. Unvergessen, was er im Advent 1996, noch ganz frisch im Amt, auf die kritische Frage von Eduard Markin, gestellt nach einem Konzert des Knabenchors in Frauenaurach, ob sich nämlich die Partnerschaft mit Wladimir weiterentwickeln werde, erwiderte: „Die kann und muß noch intensiver werden.“ Recht sollte der Oberbürgermeister damit behalten, denn er knüpfte nicht nur harmonisch und dynamisch an dem an, was sein Vorgänger, Dietmar Hahlweg, aufgebaut hatte, sondern öffnete auch – sicher sein größtes Verdienst in der Zusammenarbeit mit Wladimir – die Türen zu einer vertrauensvollen Kooperation mit dem Gouvernement. Sichtbarstes Beispiel dafür das einzigartige Projekt „Blauer Himmel“. Aber auch der Aufbau des Rot-Kreuz-Zentrums (s. gestriger Eintrag im Blog) fällt in seine Amtszeit. Schließlich ist da noch das „Erlangen-Haus“, das unter seiner Ägide eine gute wirtschaftliche Entwicklung genommen hat und nach der Renovierung vor wenigen Wochen nun in neuem Glanz erstrahlt. Und – die Perlenkette der Partnerschaft, die wissenschaftliche Zusammenarbeit der Partnerstädte. Gründe genug zur Freude, Gründe genug für ein Spasibo, Gründe genug zur Gratulation – und das nicht nur am Geburtstag!

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